Eine bild- und medienkritische Auseinandersetzung mit dem historischen Material geschieht auch durch die künstlerische Position von Jonas Englert, dessen Arbeit CULT [Zeppelin] (2026) durch RE-SEARCH. Das ZF-Forschungsstipendium der ZF Kunststiftung gefördert wird. Die mehrkanalige Videoarbeit dekonstruiert den Zeppelin als Projektionsfläche kollektiver Vorstellungen, derer sich insbesondere der Nationalsozialismus bedient; etwa von Nation, Überlegenheit und Männlichkeit. Sie reflektiert das Wirken tradierter Denkweisen unter der Oberfläche ihrer Bilder, ihr Vor- und Nachleben bis ins Heute. Englert montiert heterogene Bildmaterialien, darunter explizite Propaganda, zu einem Geflecht ideologischer Narrative, Projektionen und verdrängter Erinnerungen. Der Künstler eröffnet so einen Denkraum, um Bilder und ihre gefühlten Wahrheiten ebenso kritisch zu hinterfragen, wie die Vorstellung vom Faschismus als abgeschlossenem historischen Kapitel.
Englerts medienkritischer Ansatz wird in der Vermittlungsarbeit der Ausstellung aufgegriffen, die Besuchenden notwendige (Medien-) Kompetenzen vermittelt, wie eine quellenkritische erinnerungskulturelle Annäherung an die Vergangenheit gestaltet werden kann. Der Blick geht daher auch in die Gegenwart und zieht Parallelen zu Massenerlebnissen oder gezielter Beeinflussung über moderne Medien.
Die Ausstellung beginnt in beiden Ausstellungsräumen mit einem inklusiven Prolog, der digitale Medien und Tastobjekte vereint: „An die Vergangenheit herantasten…“ zeigt neben einer Übersicht historischer Schlüsselereignisse eine Reihe an Tastbildern, die die Notwendigkeit quellenkritischer Einordnung und das Prinzip der „Gefühlten Wahrheiten“ buchstäblich greifbar machen. Der Prolog wird ergänzt durch den inklusiven Podcast des Museums „Sag mir, was du siehst!“.
Als Metastation zieht sich die „Wenn-Station“ durch die gesamte Ausstellung. „Wenn es überall ist…“, „Wenn es „wahr“ klingt…“ und „Wenn du (nicht) dazugehörst…“ kontextualisieren die grundlegende Funktion Gefühlter Wahrheiten historisch und machen sie interaktiv nachvollziehbar. Hier wird auch die umfassende Ideologie des NS im Verhältnis zu ihren politisch-juristischen Konsequenzen dargestellt, Propaganda methodisch aufgeschlüsselt und Gruppendynamiken anhand von Ein- und Ausschlüssen erlebbar gemacht.
Ebenfalls übergreifend in der Ausstellung verteilt sind Expert*innenvideos, in denen Besuchenden lebensgroß Expert*innen aus der historischen Forschung, der politischen Bildungsarbeit, den Erinnerungskulturen und der Medienbildung entgegentreten. Sie geben fachspezifische Auskunft darüber, wie und welche Gefühlten Wahrheiten in ihrem Arbeitsalltag präsent sind und wie sie damit umgehen.
Je ein interaktiver Vermittlungstisch findet sich in Erd- und Obergeschoss. Hier leistet die Ausstellung Aufklärung zu Begriffen der politischen und der Medienbildung: Was sind Filterblasen, Baits, Thirst Traps, kognitive Dissonanz oder der sogenannte Confirmation Bias?
Wie beeinflussen diese Dinge unsere Medienwahrnehmung im Internet? Außerdem stellt das Museum digitale Anwendungen von Kooperationspartnern wie der Bundeszentrale für politische Bildung, der Bildungsstätte Anne Frank und der Universität Jena zur Verfügung, die die allgemeine Medienkompetenz der Besuchenden steigern sollen.
Zur Eröffnung der Ausstellung erscheint ein umfangreicher Begleitband, der auch neue Forschungsergebnisse dokumentiert und weitere Forschung anstoßen soll.