Christian Hornung: Mit „Sternbrücke Forever“ versuche ich, das Wesen eines Ortes einzufangen, der verschwindet und die Menschen zu porträtieren, deren Leben eng mit ihm verwoben ist. Jahrelang bin ich auf meinem Weg zu meiner Bürogemeinschaft mit dem Fahrrad unter dieser Brücke durchgefahren. Ich war hier auf Konzerten und kannte die Brücke bei Tag und bei Nacht. Als ich von den Plänen hörte, die Sternbrücke abzureißen, wusste ich sofort: Ich will hier einen Film machen, ich muss das Besondere dieses Ortes einfangen.
Die Sternbrücke ist ein eigenartiger Schauplatz – beengt, schmutzig und ohrenbetäubend laut, und doch voller Leben und Charakter. Auf nur wenigen hundert Quadratmetern verdichtet sich hier das Leben der Großstadt: Handwerk, Kultur, Nachtleben, Gastronomie und das ständige Rauschen des Verkehrs. Obwohl es sich um einen durch und durch urbanen Ort handelt, besitzt er für mich zugleich eine beinahe dörfliche Atmosphäre. Eine Eisenbahnbrücke, an und unter der Menschen leben und arbeiten – oft unter prekären Umständen, zugleich mit einem starken Gefühl der Verbundenheit.
Je mehr Menschen ich dort kennenlernte, desto neugieriger wurde ich: Wie gehen sie mit diesem Wendepunkt um? Was bedeutet es, nicht nur einen Arbeitsplatz oder einen Club zu verlieren, sondern einen Raum, der Teil der eigenen Identität geworden ist?
Im Laufe unseres Drehs wurden alle nach und nach mit der Gewissheit konfrontiert, dass sich dieser Mikrokosmos seinem Ende nähert. Und während die damit einhergehenden Sorgen um den Lebensunterhalt oder das Zuhause eher persönlicher Natur sind, öffnen die Gespräche auch den Blick auf größere Fragen. Fragen, die über diesen Ort hinaus relevant sind: Wer bestimmt über die Zukunft der Stadt? Welche Räume bleiben für Nischen, für Kreativität, für Widerstand oder für Gemeinschaft?
Jetzt freue ich mich auf die Herausbringung des Films. Darauf, dass er vielen Menschen ein Ein- tauchen in diesen Ort, seine Menschen und seine Geschichten ermöglicht.
Besonders freue ich mich auf die Gespräche im Rahmen von Vorstellungen und Veranstaltungen, auch gemeinsam mit Protagonist*innen, weil ich überzeugt bin, dass dieser Film für sehr unter- schiedliche Menschen Anknüpfungspunkte bietet.
Biografie: Christian Hornung (geb. 1976), aufgewachsen in Freiburg i. Breisgau, Filmstudium an der Hochschule für bildende Künste, Hamburg. Sein Abschlussfilm „Glebs Film“ feierte 2010 auf der Berlinale in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ seine Premiere. Sein Langfilm-Debüt „Manche hatten Krokodile“ lief 2016 im Wettbewerb des Max Ophüls Preis Film Festival. Christian Hornung lebt und arbeitet als freier Regisseur und Autor in Hamburg. Sein neuer Dokumentarfilm „Sternbrücke Forever“ hat seine Weltpremiere auf dem Filmfest Hamburg 2026.
Filmografie (Auswahl)
2026 STERNBRÜCKE FOREVER • Kino-Dokumentarfilm
2016 MANCHE HATTEN KROKODILE • Kino-Dokumentarfilm
2010 GLEBS FILM • mittellanger Dokumentarfilm
2006 FREIHAFEN • Kurzfilm