Die Sternbrücke in Hamburg-Altona ist Teil der stark befahrenen Verbindungsbahn zwischen Hauptbahnhof und Altona. Rund 900 bis 1.000 S-Bahnen sowie Regional- und Fernzüge passieren die Strecke täglich. Die bisherige Brücke stammte in ihrer zuletzt bestehenden Form aus den Jahren 1925/26. Aufgrund ihres Alters und technischen Zustands plante die Deutsche Bahn seit mindestens 2014 einen Ersatzneubau.
Der Neubau wurde vor allem mit der langfristigen Sicherung einer leistungsfähigen und zuverlässigen Schieneninfrastruktur begründet. Die alte Konstruktion mit ihren Stützen im Straßenraum wurde durch eine stützenfreie Stabbogenbrücke mit einer Spannweite von rund 108 Metern ersetzt.
Von Beginn an war das Vorhaben umstritten. Bürgerinitiativen, Anwohner*innen, Umweltverbände und weitere Kritiker*innen wandten sich gegen die Dimensionen und Gestaltung des Neubaus sowie gegen den Verlust der historischen, denkmalgeschützten Sternbrücke und ihres gewachsenen Umfelds. Im Zuge des Projekts mussten Gebäude und Bäume weichen. Auch mehrere für das Quartier bedeutende Musik- und Kulturorte – darunter Astra Stube, Fundbureau und Waagenbau – verloren ihre bisherigen Standorte.
So entwickelte sich die Auseinandersetzung weit über technische Fragen hinaus zu einer Debatte über Stadtbild, Denkmalschutz, Clubkultur, Freiräume und Bürgerbeteiligung. Kritiker*innen forderten unter anderem den Erhalt und die Sanierung der bestehenden Brücke oder alternative Neubauvarianten. Verschiedene Möglichkeiten wurden im Planungsverfahren untersucht. Das Hamburger Denkmalschutzamt hielt die alte Sternbrücke grundsätzlich für sanierbar und erhaltungsfähig, stellte seine Bedenken gegen den Abriss jedoch angesichts übergeordneter verkehrlicher Belange zurück.
Im Februar 2024 erteilte das Eisenbahn-Bundesamt den Planfeststellungsbeschluss. Rechtliche Schritte gegen das Vorhaben blieben erfolglos; im November 2025 wies das Hamburgische Oberverwaltungsgericht auch eine Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss ab.
Im Sommer 2026 wurde die alte Sternbrücke schließlich zurückgebaut. In der Nacht vom 30. auf den 31. Juli wurde die neue, rund 3.700 Tonnen schwere und 108 Meter lange Stahlbrücke zu ihrem endgültigen Standort transportiert und auf die neuen Widerlager gesetzt.
Damit ist die Auseinandersetzung um den Erhalt der alten Brücke baulich entschieden. Die Fragen, die der Konflikt aufgeworfen hat, bleiben jedoch aktuell: Wie lassen sich notwendige Infrastruktur, Denkmalschutz und gewachsene Stadträume miteinander vereinbaren? Und welchen Platz haben Kultur, Nachbarschaft und Bürgerbeteiligung, wenn sich eine Stadt verändert?