Magda
29.12.2012 | 11:12 93

„Ein Scheißjahr für Männer?"

Genderfragen Also, ehrlich, das zu Ende gehende Jahr hat’s mit mir nicht so gut gemeint. Nix Elementares oder Bedrohliches, aber doch allerlei Lästiges hat mir die Zeit vergällt.

Verantwortlich dafür sind der allgemeine Verschleiß und zuviel falsche Aufregung über die falschen Sachen. Ich kann mich also zurecht in Richtung „Jammertal verfügen. Aber, was sehe ich dort mit Erstaunen? Der Landstrich ist reichlich besetzt. Und zwar mit Männern. Die ziehen allerorten eine niederschmetternde Bilanz.

Es ist ein Scheißjahr für Männer gewesen, so der Titel eines Beitrages in Die Welt, der die „ups“ und „downs“ dieses Jahres ein bisschen satirisch untersucht. Und damit verstärkt er lustig einen Chor, der nichts als Abgesänge intoniert.

Denn auch der weiße Hetero-Schriftsteller hat-ausgedient. Das nun wieder stellt der US-amerikanische Autor Michael Cunningham in einem Beitrag für den Cicero fest. Aber er verirrt sich dann doch sehr in den speziellen US-amerikanischen Sitten der Generierung von Talenten. Es kommen halt Neue dazu und die sind nicht mehr alle weiß. Das ist spannend, aber auch ein bisschen bedrohlich. Und das kreative Schreiben ist auch fruchtbar für die neue Diversity in der Literatur. Naja, na gut.

Der auch in den USA befürchtete Untergang des Weißen Mannes wäre aufzuhalten, meint die Autorin Marcia Pally in Die ZEIT, nachdem das Blatt schon das ganze Jahr schwere Trauerarbeit geleistet hat. Man hätte denken können, der Maya-Kalender hätte nur die Männer im Auge gehabt. Für die USA wäre wichtig, dass die nach der Wahlniederlage Mitt Romneys schwer gebeutelten Republikaner einfach mal ein bisschen ihre Politik ändern, z. B. ihre Einwanderungspolitik meint Marcia Pally, dann klappts auch wieder mit den Jungs. Wer weiß, wer weiß.

Auch Kabarettisten hierzulande nehmen das Thema sehr ernst auf die Schippe. Indem z. B. Vince Ebert , der philosophisch-naturwissenschaftliche Schlaukopf meint: "Freiheit ist ein männliches Ideal - doch Männer, die frei und ungebunden sind, verwahrlosen.“ Huihui - das sind Aussichten, mit dem weißen Manne wird die Freiheit verwahrlosen oder so ähnlich.

Verwahrlosung in der Freiheit. Woran denkt man da so? Vielleicht an einen Mann wie Dominique Strauss-Kahn. Nun hat er schon Millionen an sein vermutliches Opfer in New York gezahlt, jetzt droht ihm dennoch eine weitere Anklage in Frankreich wegen seiner Teilnahme an Partys mit Prostituierten in Luxushotels. Es ist halt ein Kreuz.

Der bürgerliche weiße Mann – er ist hart bedroht. Und er hat auch gleich Ursachen ausgemacht: Die bürgerliche weiße Frau. Die will Jobs per Quote oder auch ohne. Sie will ja gern teilen: Die prekären Arbeitsverhältnisse, die Lohndrückerei und die unsichere Zukunft. Sie ist bereit, das alles mit zu tragen, aber das ist dem „weißen Mann aus dem Mittelstand“ auch nicht recht.

Und deshalb war dieses Jahr ein Klagejahr dieser gebeutelten Bevölkerungsgruppe. Wobei diese ganze Klägerei ja nichts ist als „neues Korn in alte Säcke.“ Seit Jahrzehnten geht dieser allgemeine Jammer, von dem ich aus dem Osten ja dachte, er würde übertrieben, immer wieder durch die Welt. Was sage ich: Seit Jahrhunderten geht das so.

Aktuell ist jetzt schon der Papst eingesprungen und wendet sich gegen diesen Gender-Wahn und all diese verrückten Ideen vom gemachten Geschlecht, wie sie z. B. eine Simone de Beauvoir verbreitet hätte (Judith Butler kennt er vielleicht nicht). Mann der ist ja aufgescheucht, der Papst. Wenn eine deutsche Ministerin von „das Gott“ erzählt, dann ist selbst so eine konservative Person reichlich infiziert durch Griffe in die Gender-Mottenkiste, wie die Welt empört vermeldet. Und Jürgen Liminski vom Deutschlandradio muss da gegensteuern. Gott ist natürlich kein Neutrum. Aber, es ist auch andererseits alles nicht so einfach. Na, der die das Gott sei Dank.

Was Männer wirklich wollen interessierte nicht so sehr, wie eine andere Meldung in „die Meedia“ informiert. Jedenfalls hatte ein Focus-Titel wenig Erfolg am Kiosk. Wieso, wieso?. Geht’s gar nicht mehr darum, was Männer wollen, sondern warum sie „niedergehen?“Ach was, eigentlich geht’s ja nicht um Niedergang, sondern eher darum, den Ball flach zuhalten. 

Den flachsten Ball hält da ein Artikel im österreichischen „Profil“.

Die Zukunft des weißen Mannes: Fürchte Dich nicht, Bleichgesicht! heißt der Beitrag und der sieht - neben allerlei Historischem - viel theoretisches Geheule, während in der Praxis die Männer schon noch das Sagen behalten, auch wenn sie als alleiniger Familienernährer ausgedient haben. 

Amüsiert konstatiert der Autor: "Weiße Männer werden es gut haben. Weniger Macht, bessere Reputation, keine Komplexe. Insgesamt also: mehr Spaß."

Genau so wird es sein, denn wenn man die Staaten ansieht, die gelernt haben, in Ehren kleiner zu werden, gesund zu schrumpfen, aber nicht gleich unterzugehen, dann ist das immer ein Gewinn gewesen. Man sieht es an dem witzigen Profil-Beitrag.

Also Männer: schrumpft gesund, allerdings an den richtigen Stellen. Ich versuche das ja auch gerade, nur wieder an anderen Stellen. Auf ein Neues. 

Kommentare (93)

anne mohnen 29.12.2012 | 11:57

Wunderbar, dass Du am Ende des Jahres noch einmal zu Höchstform aufläufst. Und da anzunehmen ist, dass es nicht die letzten Säfte waren, die Du hier eingesetzt hast, freue ich mich schon auf Deine Einlassungen 2013 - ob zornig, ironisch, melancholisch, wie auch immer.

Einen guten Rutsch wünsche ich Dir und Deinen Lieben von Herzen, liebe Magda, und natürlich Gesundheit und Liebe im neuen Jahr.

Georg von Grote 29.12.2012 | 13:22

Ein Jahr ist immer nur so gut, wie man selbst drauf ist. Meins war okay :-)

Achja, diese Genderfragen :-) Welches Thema wird nächstes Jahr wiederbelebt?

Ehrlich gesagt ging mir ja damals schon die Emanzipationsbewegung aber so was am A... vorbei :-)

Ich dachte mir, lass sie sich austoben, irgendwann merken beide Seiten, dass man das Problem nur gemeinsam lösen kann. Offenbar wird an dem Lernprozess noch kräftig gearbeitet :-)

Magda 29.12.2012 | 13:30

Eigentlich sind Genderfragen sowieso immer solche, die beide Geschlechter betreffen. Ist aber komischerweise so, die ganzen Medien voll mit diesem Jammerkram über die Männer. Es ist schwerer Epochenwechsel und das nicht nur bei den Printmedien, sondern auch bei den Männern und Frauen und überhaupt. 

Bezugnehmend auf den anderen Blog stelle ich fest, dass der Planet eine "Reha" ganz gut vertragen könnte und dies nicht nur für sechs Wochen oder so. 

janto ban 29.12.2012 | 21:03

| "... Männer, die frei und ungebunden sind, verwahrlosen.“ (...) Verwahrlosung in der Freiheit. Woran denkt man da so? |

Ich weißer Mann denke an das gleiche, an das ich dachte, als zum Weltuntergangstag (neulich) am Radio die Frage aufgeworfen wurde, was man in seinen letzten Stunden wohl machte, so man denn wüsste, dass sie es seien. An Selbstbefriedigung natürlich :o)

 

| der die das Gott sei Dank |

Kann man wohl sagen. Habe mir eine kleines Rätsel ausgedacht:

Die Menschen bewohnen das Paradies, das Gott geschaffen hat.

Aufgabe: Unterstreiche alle Fehler im Satz! :o)

 

| Also Männer: schrumpft gesund, allerdings an den richtigen Stellen |

Ich versuche gerade, oben herum zu wachsen. Habe die letzten Wochen fleißig gehantelt - und schon so etwas wie Brunstmuskeln an mir entdeckt :o)

Magda 29.12.2012 | 21:14

Also nee, diese Männer, also wirklich...Selbstbefriedigung im Angesicht des Unterganges. Immer diese Egozentrik.

Das mit den Brunstmuskeln ist schön und sinnreich.

Mir fällt da ein Operntext ein. Aus Mozarts "Entführung aus dem Serail"
Da singt der gute Belmonte in Erwartung der schon abgeschriebenen Konstanze, die ja von bösen Bassa entführt wurde folgendes:


Schon zittr' ich und wanke,
Schon zag' ich und schwanke;
Es hebt sich die schwellende Brust!

Da muss ich immer lachen, weil da wohl nicht die Brust sich hebt und schwillt.
Es hebt sich der schwellende Brunstmuskel, genau. Das Wort fehlte da.

janto ban 29.12.2012 | 21:36

| Selbstbefriedigung im Angesicht des Unterganges. Immer diese Egozentrik. |

Nochmal schön gesagt. Sollte ich jemals ein Buch veröffentlichen... ("Immer diese Egozentrik" wäre der Untertitel.)

Ich bin eigentlich eher der exzentrische Typ. Kann aber gut allein sein. Auf dem Kalenderblatt, das mein Vater am Tag meiner Geburt abgerissen und ins Fotoalbum geklebt hat, steht: "Mache dir selbst Freude, so viel du nur kannst. Oder denkst du vielleicht, die Welt fühlt sich veranlasst, dir Freude zu bereiten?" Klingt ziemlich düster. Aber es ist ja sowieso alles anders gekommen, als mein Vater sich erhofft hatte. In einem Fußballverein sollte ich spielen. Das muss man sich mal vorstellen! Da hab ich mir die Freude gemacht, es sein zu lassen :o)

P.S.: Stell dir mal vor, in dem "Brustmuskel", von dem du da zuletzt sprachest, wär' wirklich ein Muskel. Wie wohl die Bewerbung der entsprechenden Gerätschaften im Homeshopping-Kanal aussähe? Nicht auszudenken...

thinktankgirl 29.12.2012 | 22:22

Stimmt, ein Scheißjahr für Männer.

In Neu-Delhi wurde eine junge Frau am 16. Dezember gang-raped, eine Eisenstange in ihren Unterleib gestossen, auf die Strasse geschmissen und ist heute an ihren Verletzungen gestorben, obwohl ihr der größte Teil ihres Gedärms entfernt wurde, um eine Gangrän zu stoppen.

Die Jungs wollten nur einen joy-ride.

In Lerici am Poeten-Golf, da wo Mary Mary Wollstonecraft Shelley den Roman "Frankenstein" geschrieben hatte, behauptet ein Priester, daß Frauen durch ihr Verhalten ihre Ermordung provozieren. Hatte nix mit der Inderin zu tun und nix damit, daß wenige Tage nach seiner Erklärung ein gewalttätiger Ehemann seine Frau und deren Schwester "erlegte", weil die Ehefrau es wagte, sich seinen Gewalttätigkeiten zu entziehen.

Wirklich ein Scheißjahr für Männer ...

 

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Ehemaliger Nutzer 30.12.2012 | 00:34

Lt. Schopenhauer wird der Mann erst dann frei, wenn er sein Triebleben abgeschüttelt hat. Dann wendet er sich anderen Sachen zu als denen bekannten. Oder - wie andere sagen - er spricht nur noch darüber, er tut nicht mehr. Mann muss sich ja nicht gleich erschießen, wie es Henry de Montherlant getan hat. Nun altert die deutsche Menschheit ja und mit ihr der männliche Teil derselben. Insofern wird 2013 besser als 2012 usw.

mymind 30.12.2012 | 02:23

Magda

Satire ist ja ja nett, ich mag auch schwarzen Humor, aber nicht mit den bekloppten links. ..

Vor allem nicht an einem Tag, vermutlich haben Sie gestern & heute keine Nachrichten gehört & erfahren,  dass die gangbang-Vergewaltigumg einer Inderin das Leben kostete. & Vermutlich ist sie weltweit eine von vielen, aber immerhin eine der vielen von der berichtet wird...

Sorry, Ihren Blog finde ich weder witzig noch zeitnah passend!

 

 

 

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Ehemaliger Nutzer 30.12.2012 | 09:12

wennste magst, mal ins einschlägige blog schaun?...

das update am end geht so:

Ich hoffe, meine Darlegung macht verständlich, warum ich sage, daß eine irgendwie "humanistisch" oder meinetwegen auch "rationell" geprägte publizistische Öffentlichkeit die Sensationsmeldungen über den Tod des ikonographisch ausgewählten Vergewaltigungsopfers von Dehli unterlassen und die Nachricht allenfalls in einer Nebensparte plaziert hätte. Daß es anders ist, beweist, wie geil Schreiberlinge, Redakteure und Herausgeber, sowie auch die Leserschaft, auf die sie rechnen, auf den hier beschriebenen Krieg sind. Die Gestorbene wird zur Gefallenen, ihr Leben zu einem abstrakten Wert, in welcher Gestalt es zum kollektiven Eigentum einer fiktiven, einer patri(!)otischen Herrengemeinschaft stilisiert wird. Eine grausliche gesellschaftliche Vollendung der Tat der Vergewaltiger von Dehli!

 

magda hatte ihrerseits und mit ihren "mitteln" versucht, der "feier dieses opfers"  etwas geschwindigkeit zu nehmen, nichts genützt, nein, nach ihren versuchen kam sofort die tickermeldung "faz-mitteilung..."usw ...

ich möcht gar nicht die "gesicherte zahl" dessen für dieses und das vorhergehende jahr in den offiziell als kriegsgebiet ausgerufenen gegenden wissen...

gugg nurmal kurz, wennde magst beim tom rein und dann vielleicht obigen eintrag nochmal lesen? anders, aber doch was am wickel hat magda hier und dies auch noch in ner sehr angenehm bissigen art...

 

lg

der-Splitter-im-Auge 30.12.2012 | 10:50

Modifizierte Klontechnik: Australier "befruchten" Eizellen ohne Samenzellen

Bei diesem Verfahren wird die Erbsubstanz der Eizelle nicht entfernt. Mittels Nukleustransfer wird die Erbinformation einer Somazelle eingebracht, wobei mit Hilfe chemischer Mittel, diese dazu gebracht wird, eine Hälfte ihres Chromosomensets auszustossen. Die resultierende "befruchtete" Eizelle enthält somit zwei haploide Sets von Chromosomen: Ein Set stammt von der Mutter, das andere von der adulten Zelle. Wie bei den herkömmlichen Klonverfahren bewirkt ein Impuls die Teilung und Weiterentwicklung des Embryos.

Bei den bisherigen Untersuchungen der Forschergruppe wurden Eizellen mit adulten Zellen einer weiblichen Maus geklont und "befruchtet". Die resultierenden Embryonen entwickelten sich in-vitro bis zu 5 Tage ohne äussere Zeichen von Abnormalitäten. Die Forscher werden nun solche Embryonen auf Leihmuttertiere übertragen. Obwohl die Tragzeit von Mäusen lediglich 21 Tage beträgt, heisst es im 'British Medical Journal', die Forscher würden mindestens ein Jahr benötigen, um herauszufinden, ob sich genetisch normale Nachkommen heranbildeten. Wenn sich dies bestätigt, erhoffen sich die Forscher, mit dieser Methode unfruchtbaren oder homosexuellen Paaren zum Nachwuchs verhelfen zu können.

janto ban 30.12.2012 | 11:08

@ D-S-I-A  Oh Gott. Schleiertänze im Turnunterricht? Wie entmännlichend.

@ Universum  Ich meine ja, dass viele junge Männer nicht benachteiligt sind, sondern sich selbst benachteiligen, indem sie "Idealen" hinterherlaufen, die aus der Hip-Hop-Kultur zu kommen scheinen. Ohne daher zu kommen. Aber wer sein Auto stundenlang säubern und aussaugen kann, kann das innerhalb der Wohnung bestimmt auch. Und wer zu EM und WM Fähnchen schwenken kann, kann das im Turnunterricht sicherlich auch. Sollte man meinen dürfen.

Die Krise des "starken Geschlechts" ist hausgemacht. Je stärker die Idioten wirken wollen, desto verweichlichter erscheinen die ganz normalen Jungs. Im Vergleich. Und ich sehe es leider so, dass die Damen der Schöpfung bei diesem Irrsinn kräftig mitmischen, wenn sie den Spagat zwischen Gesundschrumpfung und Mannwerdung (im edlen Sinne, whatever) pauschal fordern. Da geht es dann oft um den Mann im Allgemeinen. Aber den gibt's ja genauso wenig wie die Frau im Allgemeinen. Und fein säuberlich nach Opfern und Tätern zu trennen ist auch nicht mein Fall. Ich wüsste auch nicht, was es im Zusammenhang mit Magdas Blog großartig über Vergewaltigung zu reden gäbe. Strauss-Kahn ist zwar kurz angesprochen, aber über Männer im Allgemeinen lediglich unter strafrechtlich relevanten Gesichtspunkten zu reden, scheint mir doch etwas zu kurz gegriffen.

thinktankgirl 30.12.2012 | 11:20

Dann empfehle ich den auf der Seite empfohlenen Beitrag von Rolf Pohl. Mit dem Thema habe ich mich auch schon längs und breit beschäftigt.

 

Es geht nicht um irgendwelche Sekundärliteratur, auf du  in deinem Blog verlinkst, sondern darum, was hier konkret steht.

Auch der Hinweis auf dein Gesamtwerk ändert nichts daran, daß für mich dieser Blogartikel unpassend und in seiner Belanglosigkeit fast schon ein Affront ist angesichts dessen, was Frauen erleiden müssen, nur weil sie Frauen sind.

Magda 30.12.2012 | 11:24

Hä, was wollen Sie mir eigentlich sagen? Warum haben Sie keinen Beitrag zu den tragischen Ereignissen in Indien geschrieben. 

Vermutlich haben Sie keine Ahnung von den gerade laufenden Debatten. Ich empfehle sehr, mal dem rechts stehenden Link zu folgen. Was meine halb satirischen, halb auch ernst gemeinten Überlegungen und Links betrifft, so finde ich Ihre moralisierenden Bemerkungen kenntnislos und - halten zu Gnaden - dumm.

Georg von Grote 30.12.2012 | 11:41

Wobei sich beim weiterdenken über diese medizinisch-technische Möglichkeit noch diverse Fragen auftun.

Wäre so eine Eigenbefruchtung nicht Inzest?

Was passiert, wenn so ein Kampflesbenpärchen plötzlich nen Jungen wirft? landet der dann in der Mülltonne?

Wie siehts mit der Gleichberechtigung der männlichen Homosexuellen aus? Müssen die weiterhin fremde Gene adoptieren? Oder kriegt dann einer ein paar Eierstöcke eingepflanzt?

Da scheint noch einiges ungeklärt zu sein :-)

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Ehemaliger Nutzer 30.12.2012 | 12:14

ausm leben jegriffen, ausm gradebentelephonat...

Jana, sach mal, ab wann kannste wieder bei mir? ...

(im Laden arbeiten, sobald die Zeitarbeitslampenmontiererei beendet)

Weil, ich fürcht, V. legts darauf an, schwanger zu werden, is ständig beim Frauenarzt und am Telephon hat sie zu ihrem Typen gesagt "nuja, Schatzi, wenns passiert, kann ichs auch nicht ändern"... verhütet nicht und all das, Jana, ich will nich für V. zahlen, wennse dis hinbekommt, der Typ hat Kohle und V. ihre Wohnung untervermietet, sackt Wohngeld ein und denne noch Arbeitslosenkohle und von dem Typen... das geht schon in Ordnung, wenn du dann kommst statt ihrer wieder...

(V. war mit ihrem Laden pleite gegangen, hat sich die letzten Jahre von 30000 auf 3000 runtergeackert, keine Ahnung, wann sie schlief, aber Coffeinpillchen kenn ich noch von früher, damit gehts ne Weile...nachts im Pornokino Karten verkaufen, tags im Blumenladen+in nem Büro als Tippse... jahrelang nun und sind die 3000 noch von der Backe, ne Auszeit endlich...)

Jana, weißte, aber sags niemandem, ich will den Laden dicht machen (davon erzähltse ganz heimlich allen aber schon seit gefühlten Jahren ;-) ) ... die Ommas machen schlapp, niemand mehr für die Kinder und der Große muß nun für Wochen ins Krankenhaus, weil er nur noch 30 Kilo wiegt... Ich könnt wetten, wenn ichn Jahr zu Hause bin, kriegt ers verdoppelt... ich kann nicht mehr, ich muß den Laden abwickeln, nochn Jahr und dann is der schuldenfrei und dann Schluß... Sage mal, wieviel bekommt mensch n so, wenn vollkommen auf Hartz?...

V. macht das richtig, machts gut, ist schlau... Aber ich will nich für sie blechen, verstehste?...

 

aus "vor ner weile an rahab" :

http://wolfsmilch.blog.de/2012/05/04/geb-mal-kopiere-tom-abschluss-post-anschlusskommentar-worten-geschrieben-geht-13626312/

 

(das zitierte aus nem anderen raum von jemand anderem)

Zitat:
(von dir) naja, ich meine das so: gehen wir davon aus, dass sich Frauen zusammentun, (und das tun sie und wollen sie und das ist ein mir sehr einleuchtender Schritt heraus aus dem Patriarchat), dann können/sollten sich Männer darüber gedanken machen, wie sie zu diesen Frauen in beziehung treten können, so dass es allen Beteiligten gut geht.

 

Ein "Zusammentun" ist zweifellos der erste und notwendige Schritt aus der Vereinzelung, aber wenn die Beteiligten den angedeuteten Inhalt und die entsprechenden individuellen wie sozialen Verlaufsformen der Vereinzelung dabei nicht angreifen und füreinander niederreißen, bekommt sie über solch ein Zusammentun nur veränderte Verlaufsformen und - neue Energie! Paradoxerweise bietet das traditionelle Institut der monogamen Beziehung das beste Anschauungsmaterial dafür: "Liebe" (z.b.) ist abseits der individuellen Gefühlswerte und Vorstellungen, welche die Beteiligten mit ihr verbinden, ein gemeinsames Vorhaben (Beschluß), füreinander die Konkurrenz aufzuheben, die beide nach außen weiter betreiben (willentlich wie gezwungen), folglich die Konkurrenz im Binnenverkehr auszusetzen. Das stellt dies Aussetzen unter die Bedingung der Liebe und das Verfahren wird mit oder ohne Absicht zur Liebeskonkurrenz, die im Rahmen des übrigen gesellschaftlichen Lebens Milderung und Kompensation für erlittene und zu erwartende Schäden der Konkurrenz zu leisten hat ("gaaanz viel Selbständigkeit", hast du irgendwo geschrieben) Unter der Hand kommt auf diese Weise zur Geltung, daß die "Gemeinsamkeit" des Liebesprojektes ein Schein war - nicht weil es nicht ernst gemeint gewesen wäre, sondern weil die Inhalte der Konkurrenz nicht angegriffen waren.
Kurz: ohne (auch intellektuelles) Niederreißen der verinnerlichten Abstrakta der Herrschaft (Moral und Rechtsbewußtsein) geht kaum was voran."

 

das sind gewissermaßen ein paar dieser von mir "grunddinger" benannten "dinge" und ich sehe ihr wirken und ich darf dies wirken natürlich auch "erleben" und dies wirken gestaltet jegliche diskussion, dominiert jegliche kommunikation, hier wie da wie dort...
so will ich denn keine freundschaft ("liebe") anbieten als "aufhebung der konkurrenz" UND ich erwehre mich jeder angetragenen konkurrenz, so gut ich kann, zur not, indem ich eben mich verabschiede immermal aus einem "kommunikationsraum" ...

jegliches "meine gedanken zu... mitteilen" scheitert im "verständlichsein" für andere an "grunddingern" (bei allem guten willen, den ich wirklich sehr,sehr dankend zur kenntnis nehme) und so müßt ich denn immer wieder "grunddinger" versuchen zu (er-)klären, was ich nicht kann, wozu ich nicht in der lage bin einhergehend mit aber eben auch dem starken unwillen meiner gegenüber dabei, an solch "grunddingern" zu rühren, oft mit nem "is durchgekaut,verdaut,nunmal weg vom abstrakten,hin zum realen geschehen" ...es kann kein "hin zum aktuellen/realen geschehen" geben, wenn die basis verleugnet wird, dann ists immer nur das wolkentänzchen, "dauerschwebende verfahren" gewissermaßen und keine einzige "diskussion", weder im "armen benjamin", noch im "helden", noch ... kann real stattfinden... deshalb ja, kann/muß ständig wiederholt und wiederholt und wiederholt werden, mal umformuliert, neuformuliert, mal zitiert, mal kopiert und eingefügt...egalwie, ständig von neuem "diskutiert", weil am end immer "nur" schlachten geschlagen werden/wurden am thema,was als gegenstand benannt wurde, ohne dies (gegenstand) je geworden zu sein, zum leidwesen eben all dieser gegenstände...

 

---blog de mag gern eingestampft werden , so ists denn eh bald weg, mein blog auch und somit kanns schneckenhaus verlinkt werden, meins, der umzug in n andres versteck is schon am laufen ;-) ) ---

der-Splitter-im-Auge 30.12.2012 | 12:26

Wäre so eine Eigenbefruchtung nicht Inzest?
Man nimmt natürlich die Eizellen nicht verwandter Frauen.

Was passiert, wenn so ein Kampflesbenpärchen plötzlich nen Jungen wirft? landet der dann in der Mülltonne?
Das Entstehen von männlichen Embryonen, kann schon wärend der "Vereinigung" der Eizellen verhindert werden.

Übrigens:
Der “Gegenschlag“ , nämlich die Entwicklung einer künstlichen Gebärmutter, war bisher nicht von Erfolg gekrönt und wird dies in absehbarer Zeit auch nicht sein. Das Bedauern darüber  hat meine Angetraute so manches Mal während ihrer/unserer Schwangerschaften, besonders LAUTSTARK aber während der Geburtsvorgänge, zum Ausdruck gebracht.

thinktankgirl 30.12.2012 | 15:16

Ich hoffe, meine Darlegung macht verständlich, warum ich sage, daß eine irgendwie "humanistisch" oder meinetwegen auch "rationell" geprägte publizistische Öffentlichkeit die Sensationsmeldungen über den Tod des ikonographisch ausgewählten Vergewaltigungsopfers von Dehli unterlassen und die Nachricht allenfalls in einer Nebensparte plaziert hätte. Daß es anders ist, beweist, wie geil Schreiberlinge, Redakteure und Herausgeber, sowie auch die Leserschaft, auf die sie rechnen, auf den hier beschriebenen Krieg sind. Die Gestorbene wird zur Gefallenen, ihr Leben zu einem abstrakten Wert, in welcher Gestalt es zum kollektiven Eigentum einer fiktiven, einer patri(!)otischen Herrengemeinschaft stilisiert wird. Eine grausliche gesellschaftliche Vollendung der Tat der Vergewaltiger von Dehli!

Man kann Relativierung auch mit intellektuellen Mitteln betreiben.

Natürlich bedienen die Medien auch einen Voyeurismus, aber die ganze Aufmerksamkeit daraufzureduzieren, ist eine verkürzte Sicht auf den Vorfall. Eine wichtige Ursache, warum diese junge Frau zur Ikone wird, ist ihre bürgerliche Herkunft, Hunderttausende von mißbrauchten Mädchen und Frauen blieben/bleiben unbeachtet, weil sie arm sind, weil sie sich nicht artikulieren können, weil sie machtlos sind. Im Gegensatz zu Tom Gard halte ich die Medienaufmerksamkeit für positiv, weil nämlich auch Licht auf all die namen- und gesichtslosen Opfer fällt.

Indiens mißachtete Töchter (FAZ)

Bevor sich die Staats- und Regierungsspitze wenigstens gezwungen sah, etwas zur verzweifelten Lage der Inderinnen zu sagen, musste erst eine Studentin in der Hauptstadt zum Opfer eines teuflischen Verbrechens werden. Denn sie zählt zur wachsenden Mittelschicht auf dem Subkontinent, genährt durch höher bezahlte Arbeitsplätze auch bei ausländischen Unternehmen, gut ausgebildet und gut informiert, mit wachsenden Ansprüchen.

 

Kultur der StraflosigkeitGastkommentar. Proteste gegen Vergewaltigung in Indien Von Shoma Chaudhury

 

Viele wurden nicht nur aufgrund der Brutalität des aktuellen Falles aufgerüttelt, sondern auch dadurch, daß das Verbrechen nicht allzu spät am Abend passierte und die unauffällig gekleidete Frau sich in Begleitung eines Mannes in einer gut beleuchteten schicken Gegend in Neu-Delhi aufhielt. Dies macht aber erst die unterträgliche Haltung deutlich, daß Vergewaltigungen zu später Nachtstunde, an abgelegeneren Orten und von Frauen, die alleine unterwegs oder sexy gekleidet sind, weniger Aufregung wert seien. Der Diskussion über Gewalt gegen Frauen liegt die Vorstellung zugrunde, daß diese durch ihre Dummheit oder durch ihre Freizügigkeit geradezu darum betteln, vergewaltigt zu werden.

 

 

Auch im Fall der Marita Veron (Argentinien) wird erst durch ein bürgerliches Opfer über Frauenhandel und Zwangsprostitution geredet.

 

 

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Ehemaliger Nutzer 30.12.2012 | 15:24

die antwort sagt:

1 ttg hat den blogeintrag nicht gelesen...

2 ttg hat den eintrag gelesen, aber nicht verstanden

 

egalwelches, die bekundung eines unwillens für mich, so bleibt denn auch nichts, als diesen hinzunehmen, was geübt und gekonnt...

somit:

ein           2013 wünsch (weiß nicht,was in die lücke soll, aber, was immer du magst, wirklich magst, dir wünscht!)

 

lg

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Ehemaliger Nutzer 30.12.2012 | 16:29

rahab meckert immer, wenn ich zuviel "mann" zitiere, statt selbst, aber "mann" kann das in diesem fall nunmal besser, eben herr g, ... deshalb nur anzitiert, sonst werd ich als anhangsau gejagt wieder ;-)

zuletzt wurden die kommentare jedenfalls um nen link gekürzt, is aber schon ne weile her, ka, wie das jetzt gehalten wird, bin ja auch noch nich wieder gelöschtworden... keine ahnung...

 

lieben gruß nochmal

:-)

Georg von Grote 30.12.2012 | 16:31

Ich schriebs schon mal an anderer Stelle und wiederhole es hier noch mal:

Warum kann man Texte nicht einmal stehen lassen wie sie sind, sie begrüßen, meinetwegen auch ablehnen, den Inhalt amüsant finden, oder auch nicht.

Warum muss jeder Text in seine Einzelteile zerlegt und an sein eigenes Leben und Bedürfnisse angepasst werden. Jeder macht andere Erfahrungen, ob damals oder heute. Jeder hat eine andere Sicht auf die Dinge.

So manches Mal verstehe ich, warum sich manche einfach zurückziehen und keine Lust mehr haben, irgendwas zu schreiben.

Theda 31.12.2012 | 00:35
"Ich schriebs schon mal an anderer Stelle und wiederhole es hier noch mal: Warum kann man Texte nicht einmal stehen lassen wie sie sind, sie begrüßen, meinetwegen auch ablehnen, den Inhalt amüsant finden, oder auch nicht. Warum muss jeder Text in seine Einzelteile zerlegt und an sein eigenes Leben und Bedürfnisse angepasst werden. Jeder macht andere Erfahrungen, ob damals oder heute. Jeder hat eine andere Sicht auf die Dinge. So manches Mal verstehe ich, warum sich manche einfach zurückziehen und keine Lust mehr haben, irgendwas zu schreiben." Gut "geschissen", Löwe. Wer "scheißt" denn ständig in die Blogs von @Gerhard Monsees und @Max Escher" und redet sich danach oberpeinlich (für einen erwachsenen Mann) raus?
Magda 31.12.2012 | 10:01

Also mit der Esther Vilar bin ich immer hin- und hergerissen. Mir ist auch diese Debatte sowas von fremd. 

Vor allem, weil immer alles auf Zuspitzungen hinausläuft. Gerade noch sind Männer schwer sauer, dass dieses männliche Familienernährermodell ausläuft und sie damit auch an Bedeutung verlieren, beklagen sie auf der anderen Seite - einst  assistiert von Esther Vilar - dass sie dressiert und zu zahlenden Sklaven degradiert werden und was nicht noch.

Es ist zuviel Komplexität in der ganzen Angelegenheit, um alles immer auf diese einfachen Sachen "herunterzubrechen". Ich wüsste aber gern, warum die Vilar das damals gemacht hat.

Offensichtlich wird sie gerade wieder vorgekramt. Und dann diese schlichten Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder.  Ach nee, es ist halt alles nich so einfach. :-)))))

 

Meyko 31.12.2012 | 10:43

Ich vermute sie ist so eine Art "gesamtgesellschaftliche Überzeugungstäterin", denn sie beantwortet die Fragen heute wie damals:

ZEITmagazin: Was Sie damals schrieben, klingt heute ziemlich drastisch: »Der Mann fühlt sich nur als Sklave geborgen. Er braucht die Frau, um sich zu unterwerfen.« Sehen Sie das immer noch so?

Vilar: Ja, und das ist nur ein Beispiel für unsere Lust an der Unfreiheit – mein großes Thema. Wir tun alles, um unsere Freiheit loszuwerden.

und:

Vilar: Ich hatte alles gesagt und hatte den Eindruck, mich zu wiederholen. Ich habe dann ganz andere Sachen geschrieben,

Magda 31.12.2012 | 12:10

Vilar: "Ja, und das ist nur ein Beispiel für unsere Lust an der Unfreiheit – mein großes Thema. Wir tun alles, um unsere Freiheit loszuwerden."

Na, dafür haben wir jetzt den guten alten Gauck. Der erklärt Männern und Frauen wie das geht mit der Freiheit und der Verantwortung.

Davon abgesehen: Dass Männer von Frauen versklavt werden oder in irgendeiner anderen Weise abhängig gemacht - das ist eine These, die einen Widerspruch auflösen soll, der in den Männern tatsächlich steckt und den die Vilar vielleicht aufgreift. Bei dem Jürgen Pohl liest sich das so: "Die mächtigsten zu überwindenden Widerstände und damit die größte Bedrohung aber gehen von den Frauen und der Weiblichkeit aus, denn durch sie, und insbesondere durch die weibliche Sexualität wird die männliche Integrität und der mit ihr verknüpfte Autonomieanspruch des männlichen Subjekts elementar infrage gestellt. Wegen der „normalen“, auf 

heterosexuelle Objekte gerichteten Begierde des Mannes lässt sich die Angst vor Abhängigkeit nicht bannen, d.h.: die eigene Sexualität und seine objektgerichtete Begehrensstruktur macht den Mann im hohen Maße abhängig. Die unter den herrschenden Geschlechterhierarchien
sozialisierten Männer neigen dazu, zwischen „Abhängigkeit und Unabhängigkeit“ eine „falsche Antinomie“ herzustellen (Benjamin 1995, 256), die, wenn sie unterlaufen wird, existenzielle Ängste und teils energische, teils verzweifelte Gegenmaßnahmen zur Abwehr
der assoziativ mit Weiblichkeit verknüpften Gefahren auslöst."

 

mymind 31.12.2012 | 14:51

Hallo Magda,

anhand Ihrer giftigen Antwort schließe ich, dass Sie sich angegriffen fühlen. Nun, nach nochmaligem Lesen meines Kommentars, stelle ich fest, dass er strenger als beabsichtigt formuliert war. Sorry dafür & in der Tat habe ich auch den Verweis auf Rolf Pohl nicht bemerkt.

Nachdem ich auf meiner Rückfahrt im Halbstundentakt die Nachrichten verfolgte, u.a. die Ereignisse in Neu-Delhi noch in meinem Kopf präsent waren, war wohl auch meine humoristische Toleranzgrenze am Anschlag & vermutlich war der Aufhänger meines Unverständnisses der Blogtitel.

Wie dem auch sei: Guten Rutsch & auf ein Neues!

Meyko 31.12.2012 | 14:52

Ja, der gute alte Gauck versucht vermutlich uns die restliche Freiheit auch noch wegzuschwurbeln.

 

Jürgen Pohl: "...Die unter den herrschenden Geschlechterhierarchien
sozialisierten Männer neigen dazu, zwischen „Abhängigkeit und Unabhängigkeit“ eine „falsche Antinomie“ herzustellen..."

Esther Vilar: Ich fand es nicht logisch, dass wir Frauen dauernd ein Geschlecht beschimpften, das sein ganzes Leben darauf ausrichtete, einen Beruf zu erlernen, um mit diesem Beruf dann für uns und unsere Kinder zu sorgen. Da lief etwas falsch. Dabei sind es die Frauen, die über die Rollenmuster der Geschlechter entscheiden, denn bei ihnen liegt die Erziehung, die frühe Prägung. Es ging gegen meine Würde, dass wir Frauen uns zu Opfern stilisierten.

 

Mir liegt ihre, etwas weniger drastische Sprache, einfach irgenwie näher :-)

Magda 31.12.2012 | 16:49

Nichts für ungut und Guten Rutsch. Wobei - es ist überhaupt nicht so, dass bestimmte Dinge und Phänomene nicht zusammenhängen, aber so eben nicht. Es ist z. B. so, dass die Kolonialmacht England von sich auch gesagt hat, sie hätte den Frauen Fortschritt gebracht - das ist schon eine Weile her - indem sie die Witwenverbrennung und die Kinderehe verboten haben, aber damit verbunden war auch die Dienstbarmachung eines ganzen Volkes. Und so geht das in der Welt nicht immer einfach zu. 

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Ehemaliger Nutzer 01.01.2013 | 21:19

Hallo Magda,

Ihren Blog fand ich, inkl. ironische Spitzen gegen gewisse Männertypen, hoch interessant.

Wenn Sie jedoch Vilar und Pohl in einem Kontext bringen, dann bescheinige ich Ihnen argumentativen Objektverlust:

Die Dressage des Mannes gibt es so nicht, da irrt Vilar und Pohl übergeht das Kernthema des "wie" von männlicher Abhängigkeit von "der" Frau, wobei uns hier auch der kinderlos gebliebene Walter Benjamin nicht weiterhelfen kann.

Ich behaupte ganz schlicht und entgegen Ihrer Trendansage, daß 2012 durchaus kein Scheißjahr für Männer war, sondern sich im Gegenteil - mit Hilfe bereitwilliger weiblicher Komplizinnen - im letzten Jahr nichts Wesentliches für Männer geändert hat.

Für Väter hingegen schon. Aber das erwähnen Sie nirgendwo.

Sind Väter für Sie keine Männer?

Wenn ich mir Ihren Beitrag und die Kommentare hier, nicht nur ihre, unter diesem Aspekt ansehe, dann habe ich den Eindruck, daß es Absicht ist, nicht zwischen Männern, als kinderlose Wesen und Sexualobjekte weiblicher Begierden, und Vätern zu differenzieren.

Mir scheint es so, als ob diese schlichte Differenzierung von Männern als solche mit Kind/ern und ohne Nachwuchs in Ihrem Horizonte - wie denen der Mehrheit der MitforistInnen - gar nicht existiert, gleichwohl doch jede Frau mit Nachwuchs sich als Mutter versteht und im Hinblick auf ihr eigenes Geschlecht diesen Unterschied wahrzunehmen vermag.

Oder ist dies bei Ihnen, ich müsste mich sehr wundern dann, anders?

Wenn es wahr ist, daß die "0bjektgerichtete Begehrensstruktur" den Mann "in hohem Maße abhängig" macht, dann wäre es doch mal zu untersuchen, inwieweit sich eine objektgerichtete Begehrungsstruktur noch halten lässt, wenn das Objekt der Begierde als Mutter dann, zumindest solange die kids noch klein sind, i.d.R. in hohem Maße von seinem Einkommen abhängig ist.

Ich denke, es war dahingehend ein Scheißjahr für Mütter und Väter, denn an diesen Umständen hat sich weder theoretisch noch praktisch irgendwas geändert.

Ihr Blog trägt auch nix dazu bei, fürchte ich.

Ob meiner dies u.U. tut, mögen Sie ja ggf. quittieren.

Frohes Neues.

heutenicht 02.01.2013 | 15:01

Liebe Magda,

ich lese Ihre Beiträge schon eine ganze Weile und mag sie gern. Mit diesem haben Sie mir aus dem Herzen gesprochen. Das Gejammer über den "Untergang des weißen Mannes" war in allen Blättern. Ich habe meinen Augen nicht getraut, mich in meinem kleinen Leben umgesehen und überlegt, ob ich in einem Paralleluniversum lebe. Im Familien- und Arbeitsalltag steckt der Teufel im Detail, oft schrecklich banal, aber wiederholte Banalität erschafft Muster, die einem wiederum die Luft abdrehen. Das ist aber meistens viel zu unglamourös, um es bis in die Gender-Debatten zu schaffen.

Alles Gute im neuen Jahr,

Marie

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Ehemaliger Nutzer 02.01.2013 | 20:27

Dagegen denke ich, soweit ich mich als Mann unter Männern verstehen muß, das an dem „Gejammer“ etwas dran ist...

Richtig ist, daß diese Töne überwiegend aus der Ecke von abendländisch zivilisierten jüngeren Männern kommen, die halbwegs gebildet der Mittelschicht zustreben und trotz solider Berufsbildung und / oder Studium derzeit in vielen europäischen Ländern massenhaft erfahren, daß sie jobmäßig – damit aber auch hinsichtlich Verpartnerung – vor verschlossenen Türen stehen.

Fragen Sie ggf. mal einen jungen Mann aus Spanien, Griechenland, Portugal – neuerdings auch aus Frankreich, Belgien, Italien und den Niederlanden, von den osteuropäischen Ländern ganz zu schweigen.

Hierzulande sind davon überwiegend junge ostdeutsche Männer und die Länder HB, HH, Nds und SH betroffen. Spitzenreiter Ost-D ist Meck-Pom, noch nichts davon mitbekommen?

Hinzu kommt, daß gerade bei jungen Leuten der Anteil der befristeten und Leiharbeitsjobs – ebenso wie bei den Ü50ern – weit über dem Durchschnitt liegt. Nun, mit Ü50 gründet mann i.d.R. keine Familie mehr, aber mit Anfang 20-30 denkt mann schon noch darüber nach.

Bei diesem Einkommensniveau aber ist die Mitarbeit von der Frau für das Familieneinkommen unerlässlich, jedoch wählen sich im Zuge der weiblichen Bildungsexpansion – in der ja auch ein energisches Aufstiegsmotiv eingepflegt ist – die in Frage kommenden Frauen dann doch lieber in gehobene Einkommensklassen und damit eine materiell gesicherte Familiengründung ein.

Wäre ich Frau, die sich wie gehabt zu 95% in einen typischen Frauenberuf einwählt, dann würde ich mit Blick auf das Mittelschichtsideal in Sachen Lebensstandard auch lieber mit einem Lehrer, Anwalt, Architekten oder etablierten Banker verpartnern als mit einem Geisteswissenschaftler, Sozialpädagogen oder gar einem Handwerker oder Angestellten auf gleichem Bildungsniveau...

Hinzu kommt neben der wirtschaftlichen die entgrenzte sexuelle Liberalisierung, die in Kombination mit steigenden Bildungsniveau und soft-skill-Ansprüchen an Männer auf weiblicher Seite deren Attraktivitätsraster so verändert hat, daß diejenigen die da hinein passen sich über die Nachfrage nicht beschweren brauchen, während die die da raus fallen – und das sind gefühlt derzeit gut 3/4 der jungen Männer – sich weit geringere bis gar keine Chancen auf gegengeschlechtliche Verpartnerung mehr ausrechnen, oder wenn dann schon aus finanziellen Gründen von der Familiengründung vorsorglich absehen.

Kurz gesagt leiden auch Männer unter den zurückgehenden Chancen auf Verpartnerung und Einlösung ihres Kinderwunsches bzw. Familienwunsches.

Wenn Frauen dies beklagen, dann ist das in Ordnung.

Wenn Männer dies tun, dann ist es Gejammer.

So ist die Geschlechterwelt heute – leider immer noch – gestrickt.

Dennoch:

Erfolgreiches neues Jahr.

Magda 03.01.2013 | 10:14

Das Problem mit diesem Beitrag ist, dass die in die Welt gesetzten Thesen nicht belegt sind.

Beispiel: "jedoch wählen sich im Zuge der weiblichen Bildungsexpansion – in der ja auch ein energisches Aufstiegsmotiv eingepflegt ist – die in Frage kommenden Frauen dann doch lieber in gehobene Einkommensklassen und damit eine materiell gesicherte Familiengründung ein."

Was soll das heißen, was ist damit bewiesen usw. 

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 10:40

Hallo Magda,

 die in „die Welt gesetzten Thesen über den „Bildungsdrift“ der Geschlechter im Zusammenhang mit den höchst unterschiedlichen Aufstiegs – und Erfolgschancen lassen sich problemlos nachweisen, z.B. durch die

>

größte sozialwissenschaftliche Studie der Welt, das sogenannte Nationale Bildungspanel, bei dem seit fünf Jahren rund 100.000 Teilnehmer untersucht werden. Was haben Sie bislang herausgefunden?

 

Hans-Peter Blossfeld:

Wir sind jetzt in der Lage, die typischen Lebensläufe aller nach 1945 geborenen Männergenerationen zu rekonstruieren.

 

ZEIT:

Wieso nur die von Männern?

 

Blossfeld:

Wir haben unsere Analyse mit den Männern angefangen, weil ihre Lebensläufe viel einfacher zu analysieren sind als die von Frauen. Männer leben heute noch so wie vor 40 Jahren. Da hat sich nicht viel geändert.

 

ZEIT:

Männer sind für Soziologen also langweilig, Frauen hingegen spannend?

 

Blossfeld:

Exakt. Bei Frauen laufen faszinierende soziale Phänomene ab. Noch bei den 1920 geborenen Frauen hatten 60 Prozent keinerlei Ausbildung. 60 Prozent! Die große Mehrheit hatte also ein minimales Bildungsniveau, noch in den sechziger Jahren. Doch plötzlich ist etwas passiert. Während bei den Männern die Entwicklung relativ träge verlief, hat sich im Vergleich zum Geburtsjahrgang 1920 heute die Zahl der Gymnasiastinnen in der Oberschicht verneunfacht, in der Unterschicht sogar verzwanzigfacht. Soll heißen: Wenn wir in den vergangenen Jahrzehnten überhaupt einen Rückgang der sozialen Ungleichheit in der Bildung beobachten, dann liegt das vor allem an den Frauen. [...]

Noch vor 50 Jahren war die gesellschaftliche Botschaft an Mädchen: »Und wenn ihr noch so schlau seid, vergesst es. Ihr habt keine Chance auf Karriere.« Heute lautet das Versprechen an die Frauen: »Ihr könnt mit Bildung etwas werden, ihr müsst eure Chancen nur wahrnehmen.« Was wir noch nicht genau wissen: wann der Punkt war, an dem das ins Positive gekippt ist. Was wir wissen: Wenn so ein Prozess einmal läuft, lässt er sich nicht mehr stoppen. Höhere Bildung führt zu höherer Erwerbstätigkeit, die führt zu höheren Einkommen, zu erfolgreicheren Karrieren, was wiederum zu höherer Bildung bei den Frauen in der nächsten Generation führt.

 

ZEIT:

Ist das bei den Männern anders?

 

Blossfeld:

Bei den Männern hat die soziale Herkunft 1950 über die Bildungschancen entschieden, und sie entscheidet auch heute noch darüber.

<

http://www.zeit.de/2012/33/C-Beziehung-Frauen-Maenner

 

Folglich unterscheiden sich Männer und Frauen in Sachen Bildungs – und Aufstiegschancen bereits vom Ausgangspunkt her, der sozialen Herkunft, die bei Frauen weit weniger den Ausschlag gibt und daher viel deutlicher mit Aufstiegsorientierung – und Chancen verknüpft ist, die aber eben nicht nur in der Verberuflichung, sondern auch der dazu i.d.R. komplementären Verpartnerung stattfindet.

 

Allerdings gehen den gebildeten Frauen spätestens seit einer Generation inzwischen die zum Bildungs – bzw. Aufstiegsweg passenden Männer aus, was sich zwangsläufig auf die sich wandelnden – im Trend bei Frauen liegt bspw liegt das living-apart-together (mit und ohne Kinder) – Partnerschaftsmodi und damit auf die Gemütszustände von Männern auswirkt, die demgegenüber zusehends bindungs – und zeugungsunwillig werden oder die Familiengründung aufschieben (weil sie heute eben auch mehr Erfahrungen in mißlungenem Zusammenleben in Partnerschaft mitbringen und entsprechend vorsichtig bzw. realistischer sind) – oft solange, bis es für sie zu spät ist.

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 10:54

Hallo mymind,

 

Für viele Väter geht’s gerade noch, für die entsorgten Unterhaltszahler oft nicht mehr.

 

Sehen Sie, meinen Söhnen erkläre ich die Situation so:

 

Gründe eine Familie wenn DU sie dir leisten kannst, verlass´ dich nicht auf ihr Einkommen.

Sieh´ auf deinen Gehaltsstreifen und rechne dir aus, was davon nach einer Trennung / Scheidung (Wahrscheinlichkeit fifty - fifty) übrig bleibt und wieviel Unterhalt du dann für die Kinder zu zahlen hast.

Geh´ schon im Vorfeld vom partnerschaftlichen GAU aus, denn die Frau die du heute liebst ist i.d.R. als Mutter nicht mehr dieselbe und rechnet als solche gänzlich anders als DU.

Rede darüber mit ihr, bevor „das Kind in den Brunnen gefallen“ ist und macht klare verbindliche Verträge – jedoch kommst DU damit im Zweifelsfall nur etwas besser davon, als wenn DU die Arrangements von Partnerschaft und Familie ihr überlässt (was sehr häufig der Fall ist).

Wenn diese Basics beiderseits zufriedenstellend verabredet und verbindlich gemacht worden sind, brauchst Du dennoch viel Glück und noch mehr Liebe, denn tendenziell ist ein Mann heute – erst recht als vollerwerbstätiger Vater – für eine mit ihm verpartnerte Frau, solange er nicht an der Beziehung zu ihr und seinen Kindern beständig arbeitet, irgendwann nur einer unter vielen...

 

Es geht mir dabei allein um Desillusionierung hinsichtlich Partnerschaft und Familie – schließlich sind diese Wirklichkeiten ja allseits bekannt, es geht nur darum, daraus eine realistische Konsequenz zu ziehen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 11:01

Schiefgelaufen? Wie kommen Sie zu diesem Schluss bzw. dieser Frage?

Darum geht´s hier auch überhaupt nicht, meine ich.

Aus meiner Sicht geht´s um Schieflagen in den gegengeschlechtlichen Verpartnerungen, bei Bildungs, Aufstiegs - und Erwerbschancen - und da kann man 

weniger im Unterschied zu Frauen

als vielmehr im Unterschied zur vorhergehenden Vätergeneration heute als junger Mann davon ausgehen, daß der Berufs - eben nicht mehr der Königsweg zu einer etablierten Existenz und damit zur materiell halbwegs gesicherten Familiengründung ist.

Denn noch weniger als Männer erzielen heute Frauen - immer noch und dabei bleibt es wohl auch - ein Familieneinkommen und wenn sie in die Ernährerrolle geraten, dann zu 100% unfreiwillig

(www.familienernaehrerinnen.de)

Was sagt uns das?

Magda 03.01.2013 | 11:12

"Folglich unterscheiden sich Männer und Frauen in Sachen Bildungs – und Aufstiegschancen bereits vom Ausgangspunkt her, der sozialen Herkunft, die bei Frauen weit weniger den Ausschlag gibt und daher viel deutlicher mit Aufstiegsorientierung – und Chancen verknüpft ist, die aber eben nicht nur in der Verberuflichung, sondern auch der dazu i.d.R. komplementären Verpartnerung stattfindet."

Ja, aber was werfen Sie den Frauen denn in dem Zusammenhang vor? Das ist doch absolut "normal", dass Frauen einen Partner suchen,mit dem sie sich auch geistig verstehen. Männer nicht? 

 

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 12:03

„Was werfen Sie den Frauen denn in dem Zusammenhang vor? Das ist doch absolut "nomal", dass Frauen einen Partner suchen,mit dem sie sich auch geistig verstehen. Männer nicht?“

 

Das ist ein leider häufig auftretendes Mißverständnis. Ich werfe „den Frauen“ in diesem Kontext nichts vor, ich stelle nur fest. Zu diesen Feststellungen gehört, daß Männer sich viel seltener „nach oben“ verpartnern als umgekehrt und diesen dabei auch der Bildungsstatus der Künftigen so wichtig nicht ist.

 

Abgesehen davon reden wir bzw. sie über durchschnittlich 7-15 min die verpartnerte Paare sich schon nach wenigen Monaten täglich unterhalten – diese Quantität soll hinreichen, um daraus ein langfristiges „geistiges Verstehen“ zu antizipieren?

Ganz ehrlich: ich halte dieses Partnerschaftswahlkriterium auf weiblicher Seite für eine der allerdings maßgeblichen Lebenslügen bei diesem Vorgang, zumal mir als häuslich präsenterer Elternteil auch das Kommunikationsverhalten von Frauen und Müttern in deren Umfeld durchaus bekannt ist – dieses zielt vorrangig auf Gespräche im gleichgeschlechtlichen Kontext, die dann via „zufällige“ oder verabredete Meetings und schier endlose Smartphone-Konversation täglich weit über o.g. 7-15 min hinausgehen.

Dieses Phänomen ist mir aus der männlichen Welt so nicht bekannt, bezüglich der väterlichen Sphäre verweise ich auf meinen Blog.

 

Wir könnten nun übergehen zum Kommunikationsverhalten von unverpartnerten qualifizierten Frauen gegenüber halbwegs attraktiven und gebildeten Männern, möchten Sie?

;-)

Magda 03.01.2013 | 13:32

Herrlich, wo kann man sowas mieten? :-))

Davon abgesehen: Weiter oben operieren Sie so mit Begriffen wie nach oben verpartnern und nach unten verpartnern. Da kann ich nix zu sagen, weil das nicht meine Welt war und ist. Dass es berechnende Menschen gibt - Männer wie Frauen - ist auch sicherlich so. Wenns bei Männern nicht so klappt mit der Tochter des Chefs, kann ich da auch nix zu sagen. Das Ganze ist mir so fremd, absolut. Dass Frauen mehr reden, gilt sicherlich nur untereinander. Wenn Sie in eine öffentliche Veranstaltung gehen oder - hier im Bloggerwesen - quatschen Männer, das ist nachgemessen, bedeutend länger. Bei den Blogs gehts immer noch darum: Wer hat den längsten .........Blogbeitrag. Männer sind die begabteren öffentlichen Schwätzer, wirklich. 

 

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 14:27

Diesen Typus können Sie bei Facebook oder auf einem der einschlägigen Pairing-Portale buchen...

;-)

 

Nun, ich schrieb nicht vom öffentlichen Schwätzer-Ranking, da haben sicherlich Männer nach wie vor die Nase vorn und sie folglich recht. Es geht um die sog. zwischenmenschliche – d.h. der Partner – und Elternschaft nahe – Kommunikation, wo die Themen und Begrifflichkeiten weithin weiblich geprägt und besetzt sind. Beispiel:
Auch wenn ich einer deutlich jüngeren Mutter erkläre, daß ich seit fast einem Vierteljahrhundert erziehender Vater bin, so wird sie im Regelfall davon ausgehen, daß ich von Kindern, Haushalt, Organisation der Familie weniger verstehe wie meine Frau  bzw. weniger darin involviert bin wie meine Frau als Mutter des Hauses – worauf dieser Blickwinkel letztlich zentriert ist.

Das treibt dann seltsame Blüten z.B. in Gestalt von nicht erbetenen Ratschlägen und Nachfragen nach Banalitäten in der Kinderpflege usw.

 

Was den Vorteil von Frauen in Fragen des nach-oben-verpartnern betrifft, so ist das aus der Sicht einer angehenden Mutter, die sich eine gewisse materielle Sicherheit für ihre Schwangerschaft und die ersten Jahre der Familienarbeit wünscht, durchaus rational.
Warum auch nicht?
Für Männer kommt diese Option eher nicht infrage, denn für sie stellt sich die Situation der Familiengründung völlig anders dar – denn sie stehen nicht mit anderen Vätern in Fragen des Familienmanagements und Bildungsbegleitung der Sprösslinge im Wettbewerb, sondern in Fragen der Absicherung der familiären Konstellation durch außerhäusliche Erwerbsarbeit.
Das gilt auch, wenn Männer sich „nach oben“ verpartnern, wobei die Crux ja darin besteht, daß die Angebetete einen höheren Lebensstandard gewohnt ist als er, er aber innerhalb der Leistungs – und Verdrängungswettbewerbe im Beruf unter Männern viel schlechtere Chancen hat, als eine aufstrebende Frau unter Frauen. Das liegt daran, daß die Aufstiegswege für Männer nicht nur von sog. Seilschaften abhängen, sondern die Karten von etablierten Dynastien zuvorderst an deren Sprösslinge vergeben werden, lange bevor der der von unten aufstrebt überhaupt seinen Abschluss erworben hat.
DAS ist der Grund, warum für Männer die Aufstiegswege viel mehr von ihrer sozialen Herkunft abhängen als bei qualifizierten Frauen, die ja auch noch ihr erotisches Attraktionskapital und repräsentative Fähigkeiten in die Waagschale werfen können...

Phineas Freek 03.01.2013 | 15:55

"…Am Ende ihrer hundertseitigen Schrift fordert Laurie Penny ihre Leserinnen, ach was, DIE Frauen dann auf, sich zu verweigern: ‚Ohne die Arbeit, die Frauen umsonst leisten, würde jede westliche Ökonomie innerhalb weniger Tage kollabieren.

 Phantastisch! Eine Katastrophe!“

 

„Ich wünschte, mein Mann wäre so reich, dass ich nicht arbeiten müsste und zu Hause bleiben könnte, wo ich, in ganz langsamer Arbeit, Bücher schreiben würde, von denen ich nicht leben kann. Denn wie viel plausibler ist es, sich in die Abhängigkeit desjenigen Mannes zu begeben, den man liebt und dem man bis auf weiteres vertraut, als in die Abhängigkeit eines viel größeren Mannes, eines unendlich hungrigen Monster-Mann-Betriebes zu begeben, der subjektlos und also nicht zur Verantwortung zu ziehen ist und der bereit ist, mich, das heißt meine Arbeitskraft, bis zum letzten bisschen auszusaugen und zu verkaufen und in den zweiwöchigen Erholungsurlaub zu schicken, um mich dann: weiter auszusaugen.

 

Wie viel leichtsinniger, lebensgefährlicher, ja kopfverdrehter ist es, den eigenen Kopf an eine fremde Firma zu verkaufen, die ihn, über kurz oder lang, zu einem passenden Firmenwürfel deformiert, als einfach zu Hause zu bleiben. Es wäre so schön, würden die feministischen Schwestern und die über ihre Würfel-Förmigkeit erbitterten einem diesen Wunsch nicht zum Vorwurf machen. Zu Hause könnte ich (Akademikerin, gebärfähig, kinderlos) mir auch vorstellen, Kinder zu bekommen, die ich mit viel Liebe zu Akademikern erziehen würde. Denn wie viel leichtsinniger, lebensgefährlicher, ja kopfverdrehter wäre es, würde ich, wie es weithin für richtig gehalten wird, meinen Kopf an eine Firma verkaufen UND ein Kind bekommen? Das arme Kind! Von einer gestressten Würfel-Mutter und dem dazugehörigen Würfel-Vater unausgesetzt wegrationalisiert zu werden, möchte ich ihm nicht zumuten.

 

Ich sehe die Frauen, die Kinder und Karriere unter den sogenannten einen Hut zu bekommen versuchen: ihre müde Haut und der darauf abgedruckte Terminkalender. Ich sehe das und möchte in die „Komfort-Zone“ desertieren, wie Bascha Mika es in ihrem vor fast zwei Jahren erschienenen Pamphlet „Die Feigheit der Frauen“ nannte, wenngleich der Wille zum Flüchten ein Wunsch bleibt, denn irgendwoher muss ja das bescheuerte Geld kommen, und irgendwie muss man sich ja erhalten. Auch und besonders von außen, das heißt: Kleider, Cremes und Schuhe kaufen. Als Entschädigung und um den Zwang einzurichten, der das Weitermachen garantiert. Das wirkt jetzt natürlich komplett unfeministisch, aber das ist es nicht, im Gegenteil. Die Erkenntnis, unfrei zu sein, entsteht nur an einem anderen Ort: nicht zu Hause, sondern am Arbeitsplatz. Das Bedürfnis ist das gleiche: autonom sein wollen...

 

 (Antonia Baum, in der FAS vom 23.12.12.)

 

 

Vollständiger Beitrag:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/feminismus-toechter-einer-revolution-12002763.html

 

 

 

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2013 | 19:21

ach, haben Sie den Text wirklich gelesen?

tatsächlich habe ich, kein Witz/Scherz, gute Kontakte zur „maedchenmannschaft.net“ und dem „Missy Magazine“ - selbstredend kannte ich das im Artikel abgehandelte Buch „Fleischmarkt“ der 26-jährigen Engländerin Laurie Penny bereits vor dem Erscheinen der Übersetzung hierzulande...

Sie schreiben so schön spitz-ironisch über diese Dinge, welche Probleme haben Sie denn damit, wenn andere Frauen dies auch - nur anders pointiert - auch tun?

Den verlinkten Artikel fand ich lesenswert nicht nur, weil er meine Ansicht von dem was Emanzipation sei - obwohl darin wie fast immer nur von der weiblichen die Rede ist - bestätigt.
Gleichwohl muss ich feststellen, nicht vorwerfen, daß auch dieser Beitrag insoweit um sich bzw. weibliche Existenzformen in gegengeschlechtlichen Kontexten sehr selbstbezüglich kreist, denn wiederum - so wie auch bei Ihnen - werden Männer eben "nur" als Männer, jedoch niemals als Väter betrachtet, auch wenn sie diese objektiv sind.

Ich fürchte, daß ist eine weitere Lebenslüge der Frauenbewegung - die sich bislang noch nie mit der Frage ihrer Väter wirklich - d.h. ernstzunehmend - auseinandergesetzt hat.

Die versammelte Gender-Forschung hierzulande ist mir dafür Beleg.

An diesem Thema aber geht kein Weg vorbei und ohne die Bearbeitung dieses Komplexes wird das wofür vorhergehende Frauen gekämpft haben sich nicht an deren Töchter sinngebend und produktiv "vererben" lassen.

Bislang sehe ich nur, daß die ach so emanzipierten Mütter wie ihre Töchter dieser Fragestellung weitläufig ausweichen und stattdessen lieber von den Männern bzw. bei gegebenem Medienanlass von einem "Scheissjahr für Männer" schreiben...

Womit Ihnen der Beifall und ein Platz auf der Titelseite in gewissen Redaktionsstuben sicher ist.

Nichts für ungut, aber so wird das nichts.

anne mohnen 04.01.2013 | 12:07

Liebe Magda,

es wurde in Studien gemessen, dass der Durchschnittsmann das Gerede von" Frau" als anderthalbmal länger  wahrnimmt als es tatsächlich zeitlich darstellbar ist.

Übrigens, dem „Weißen Mann“ geht es scheiße, weil Frau ihm zunehmend die Wärme versagt, lautet eine „Analyse“. Dass schlägt dann nicht nur aufs Gemüt, die Persönlichkeit durch, sondern wie jede langandauernde Unterkühlung aufs Hirn. Zum Glück gibt es da noch die „Weiße Frau“, die sich sorgt: Hose gegen Kleid tauscht, im Fitnessstudio, im Teilzeit- oder Minijob, um wieder mehr Licht in die Kälte und Finsternis des „Weißen Mannes“ zu bringen.

Ich schlage also vor, an die Seite des „Baum des Jahres 2013“ die „Weiße Frau“ als schützenwerte Spezies zu stellen. Mögen uns „Flora und Fauna“ des Weißen Paares erhalten bleiben – als letzte ihrer Art.

Denn wer nach Indien schaut, braucht ja keine Hypothesenbildung mehr, um zu erahnen, das "die Kälte des Mannes" zum weltweiten Problem wird- trotz Erderwärmung.

Der eine oder andere Mann, die eine oder andere Frau, mag sich nun fragen, warum setzen „weiße, braune, gelbe männliche Frostbeulen“ sich nicht endlich in die Sonne, ans vertraute Lagerfeuer oder drehen einfach mal wieder die Heizung hoch?

Ja, wären da nicht die immer zahlreicher werdenden hitzigen farblosen Frauen, die einfach nur viel Schatten werfen,  sich weigern,  Holz  ranzuschaffen und die Innentemperatureinstellung an eine Ausfühler angeschlossen lassen.

In diesem Sinne noch ganz viel Hitze 2013 am

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2013 | 14:41

Nun, in der Zusammenfassung Ihrer – aus meiner Sicht sich auf einem rationalisierten Abgrenzungsbedürfnis erhebenden – genderkulturpessimistischen statements gelange ich zu dem Schluss, daß die gedankliche Voraussetzung für Ihre Projektionen hauptsächlich darin besteht, daß Sie es Männern – insbesondere der bleichgesichtigen Gattung – nicht zutrauen (was in ihrem Deutungskokon keiner Begründung bedarf) , daß diese ihre Hausaufgaben in Sachen Emanzipation erledigen und sich lieber, zuweilen verschreckt von den ach so zahlreichen und offensiven Frauen, auf ihr identitätsstiftendes – und sicherndes Terrain, wo auch immer dieses liegt, zurückziehen.

Daraus lässt sich folgern, daß Sie aufgrund ihrer vorgefassten Meinungen über Männer mit diesen sich nach gleichem Muster wiederholende Erfahrungen machen und darob ihre Ansichten stets bestätigt sehen und ihre daraus gewonnenen „Erkenntnisse“ als von der Empirie bzw. Genderforschung weithin gestützten Allgemeinplätze unter die Leute bringen – wobei sie diese natürlich nur an Frauen adressieren, da ja Männer diese schon aufgrund ihrer geschlechtsbedingten Unteremanzipation nicht recht verstehen können, nicht wahr?

Nun ist es so, daß derartig und von Ihnen mit hübsch subtiler Süffisanz aufgeladenen Ausführungen für halbwegs aufgeklärte Männer und Väter schlichtweg keinen anderen Erkenntnisgewinn in sich tragen, als die Gewissheit, daß es sich bei der Autorin um eine einäugige Gender“expertin“ handeln muss, die in der Sache – männliche Emanzipation in der spätbürgerlichen Industrie – am Übergang zur Informations-Gesellschaft – vielleicht einiges an Schlagworten anzuwenden versteht, davon ansonsten aber - aufgrund ihrer selbstverschuldeten Wahrnehmungsstörung (s.o) - nichts verstanden hat. Wenn Sie derart auch in gegengeschlechtlichen Partnerschaften auftreten bzw. argumentieren, dann sollten sie wissen, daß sein Schweigen keine Bestätigung ihrer Prämisse mangelnder männlicher Kommunikationsbereitschaft – oder fähigkeit ist, sondern in dieser Beziehungsfalle auf seiner Seite längst das eingetreten ist, was man im Berufsleben „innere Kündigung“ nennt.
Womit nur gesagt sein soll, daß ich stark annehmen muß, daß ihnen bzgl grundlegendem Verständnis von dem was die männliche inkl. väterliche Emanzipation ist, nicht geholfen werden kann, denn dafür fehlen Ihnen offensichtlich alle Voraussetzungen.