Matthias Dell, Marc Fabian Erdl
25.07.2012 | 18:00 67

Schießen Sie nicht auf den Pappkameraden

Legende „Politische Korrektheit“ hat es nie gegeben, auch wenn so viele Menschen unbedingt daran glauben wollen. Über die unheimliche Erfolgsgeschichte einer Rede- und Denkfigur

Es geht in dem folgenden Text um Zweifel, die so einfach sind, dass sie jeder haben kann. Einfache Zweifel hören auf einfache Fragen, und die einfachste aller Fragen lautet: Was heißt und zu welchem Ende redet man von „Politischer Korrektheit“? Geredet wird von „PC“ allerorten und permanent – in Zeitungsartikeln, Blogkommentaren, Klappentexten oder ganzen Büchern. In der Edition Suhrkamp etwa ist gerade von Matthias Dusini und Thomas Edlinger ein Band erschienen mit dem Titel In Anführungszeichen. Glanz und Elend der Political Correctness.

Von solch einem Buch, sollte man meinen, müsste doch Antwort zu erwarten sein. Und tatsächlich steht an einer Stelle, „Politische Korrektheit“ stelle eine „schwer zu fassende Diskursformation dar, die zu einem guten Teil über die Projektionen ihrer Gegnerschaften … errichtet wird“, was etwas kompliziert, aber nicht uninteressant klingt. Allerdings scheint dieser Gedanke schon von denen nicht verstanden worden zu sein, die ihn äußern. Denn an zahllosen anderen Stellen bedienen sich Dusini und Edlinger der „schwer fassbaren Diskursformation“ in einer zupackenden Art, die nicht den Eindruck erweckt, dass dabei über „Projektionen“ oder „Gegnerschaften“ reflektiert würde.

Über die Modedesignerin Vivienne Westwood heißt es etwa: „Ihr Kollege Karl Lagerfeld nennt sie eine ‚politisch Korrekte‘“, was die beiden Autoren noch konkretisieren als „korrekt und tyrannisch zugleich“. In Jean-Jacques Rousseau (gestorben 1778) erkennen sie „den vielleicht ersten politischen Korrekten“, und Norwegen firmiert als Beispiel für „skandinavische Musterländer der Political Correctness“. Im irgendwie ironischen, irgendwie aber auch ernstgemeinten Glossar am Ende des Buchs klärt der Eintrag hinter dem Stichwort „Bugaboo“ auf: „sauteurer Kinderwagen, der aus unerfindlichen Gründen als PC gilt“. Über Patrick Bateman, den Serienkiller-Yuppie aus Bret Easton Ellis’ Roman American Psycho, wird dagegen weiter vorn befunden, er sei „das Gegenteil von politisch korrekt“.

Meinungsfreiheitskämpfer

Das liest man so und wird im Kopf ganz matschig bei dem Versuch, sich damit eine Erklärung auszurechen: Das, was Vivienne Westwood, Norwegen, einen sauteuren Kinderwagen und Jean-Jacques Rousseau verbindet, ist das Gegenteil einer Romanfigur von Bret Easton Ellis? Wo, bitte schön, geht’s hier zum Sinn? Wenn „Politische Korrektheit“ das alles zusammenhält, dann muss es eine Art Zauberwort sein, die Antwort auf alle Fragen.

Wer „PC“ tatsächlich verstehen will, der muss das Gegenteil von Dusini/Edlinger tun – und den Unsinn auseinanderklamüsern, der in dem Begriff unhinterfragt verklumpt. Um zu begreifen, warum die Legende von der „Politischen Korrektheit/Inkorrektheit“ so attraktiv und erfolgreich ist, muss man ein wenig ausholen.

Den Zeitpunkt, als „PC“ in die weite Welt kommt, kann man relativ exakt bestimmen. Vor 1990 sucht man den Begriff „Politische Korrektheit“ in Pressedatenbanken vergeblich. Das Ergebnis ist: null. Im Laufe des Jahres 1990 ändert sich das, und Anfang der neunziger Jahre steigt die Verbreitung rasant, „PC“ ist der Darling der Debatten dieser Zeit. Der adjektivische Gebrauch ist schon etwas früher belegt, affirmiert wird die Wendung aber auch da nie.

Grund-Folge-Irrtum

Die Legende setzt nun an, wo die verbreitete Meinung von einer einfachen Grund-Folge-Beziehung ausgeht: Am Anfang war die Erfindung „Politische Korrektheit“, das war vielleicht sogar gut gemeint, aber, Sie wissen schon, „gut gemeint“ ist das Gegenteil von „gut“, und selbst wenn, das haben sich doch diese verrückten Amerikaner ausgedacht; wozu brauche ich „Tugendwächter“, die mir vorschreiben, was ich sagen soll? Also musste die „Politische Inkorrektheit“ konstruiert werden als notwendige Antwort, um sich derart legitimiert wehren zu können gegen die Zumutungen der „politisch Korrekten“, um zu sagen, was Sache ist, ohne gleich Rassist oder Frauenfeind genannt zu werden. Beziehungsweise um die erwartbare Bezeichnung schon im Vorfeld zu entwerten. Wer „politisch inkorrekt“ ist, kann kein Rassist sein; er kämpft doch nur für die Meinungsfreiheit.

Klingt gut. Stimmt aber nicht. Es hat nie eine positive Bestimmung von „Politischer Korrektheit“ gegeben, es hat kein Projekt gegeben, keine Gruppe, keine Regierungsbehörde, die mit einem Programm namens „Politische Korrektheit“ Politik machen wollte. „Politische Korrektheit“ kam in die Welt durch Leute, die sie im selben Atemzug ablehnen. „Politische Korrektheit“ war nie etwas anderes als – ein Schimpfwort. Diese Leute sind, um es flapsig zu sagen, alte, weiße, heterosexuelle Männer, die keine Lust darauf haben, dass außer ihnen noch jemand die Welt erklärt. Es sind konservative, reaktionäre Leute, denen die Lockerungsübungen von 1968 am gesellschaftlichen Körper samt seiner Folgen nicht passen.

Das ist grob skizziert, denn „Politische Korrektheit“ ist nicht nur ein Feindbild von alten, konservativen, weißen Männern. Zuträglich war dem Erfolg der Legende zweifellos, dass von Beginn an Linke, die unversöhnt mit dem System oder den Verhältnissen waren, sie dankbar angenommen haben als Ventil ihres Grolls. Und dass Renegaten, die von links nach rechts überwechselten und den Grund für ihre neuen Überzeugungen nicht bei sich, sondern die Schuld bei den anderen suchen wollten, in „PC“ die ideale Erklärung fanden. „PC“ war auch ein wunderbares Mittel, um die Diagonalkarriere durch die politischen Lager als fortgesetztes Rebellentum gegen die Allzuextrem-Ewiggestrigen (und gleichzeitig angeblichen „Etablierten“) zu adeln.

"Tabu", das scheue Reh

Der Kulturkritiker Diedrich Diederichsen hat in dem Band Politische Korrekturen schon 1996 die Legende seziert, auf der „PC“ fußt (und ist dafür im Spiegel mit einem bösen Anschiss bestraft worden). Hinter Diederichsens Analyse stehen einfache Zweifel, und es spricht für den hartnäckigen Erfolg der Legende, dass man auf diese Zweifel heute noch immer verweisen muss, um den Unsinn zu durchschauen, der „PC“ ist. Macht es denn überhaupt nicht stutzig, dass das unheilvolle Walten von „PC“ beklagt wird quer durch alle Lager? Dass rechts wie links wie in der Mitte Publizisten oder auch Menschen wie du und ich sich genötigt fühlen, gegen die „Tabus“ zu wettern, die „PC“ angeblich auferlegt? Bei aller unterschiedlicher Motivation im Detail: „PC“ stiftet scheinbar Einigkeit zwischen den größten Gegnern, den verfeindetsten Feinden. Eine Art Zauberwort eben.

Und wenn man beim Zweifeln ist: Pausenlos und massenhaft finden sich zwar Leute, die sich gegen „Politische Korrektheit“ meinen wenden zu müssen, aber man trifft nie jemanden, der sie verteidigt wie das Grundgesetz. Dabei würde man schon gerne wissen, bei wem man sich beschweren kann darüber, dass er einem „Denkverbote“ ausspricht. Haben die „Gutmenschen“ eine Telefonnummer, dass man da mal anrufen könnte, um zu fragen, ob noch alle Tassen im Schrank sind? Und apropos „Tabu“: Ein „Tabu“ ist eine stillschweigende Vereinbarung, die eine Gesellschaft teilt und an der nicht gerüttelt wird, aber das „Tabu“, dieses scheue Reh, wird in den Auseinandersetzungen um „PC“ andauernd aus seinem einsamen Wald gezerrt vor die Scheinwerfer der „inkorrekten“ Geisterfahrer. Fällt denn wirklich niemandem auf, dass etwas, das endlos öffentlich und medial diskutiert wird, unmöglich ein „Tabu“ sein kann? Und wie blöd müsste eine Gruppierung eigentlich sein, wenn sie es für eine gute Idee hielte, ihre politischen Ziele durchsetzen zu wollen unter einem so unattraktiven Label wie „Politische Korrektheit“?

Foulender Schiedsrichter

Der Erfolg der Legende hat unmittelbar mit der Wendung zu tun. Wenn die Wörter „politisch“ und „korrekt“ gemeinsam auftreten, machen sie einander lächerlich. Es ist kein großes Sprachgefühl vonnöten, um zu wissen, dass „politisch korrekt“ nichts ist, was man sein möchte. „Korrekt“ ist schon ein Wort, das den Charme von einsamen Strebern versprüht. Durch die Kombination mit „politisch“ wird die Abneigung dagegen noch forciert. Politisieren heißt, Sachen aufzublasen, sie an die große Glocke zu hängen. „Politisch“ klingt wie eine Petze, die allen auf die Nerven geht, weil sie permanent Alarm schlägt und man sich dann mit ihr auseinandersetzen muss. In „politisch korrekt“ finden also, vereinfacht gesagt, Petze und Streber zusammen. Und so verschafft die Formel jedem, der sie verwendet, das billige Gefühl von Überlegenheit – Petze und Streber mag keiner.

Außerdem schränkt die Wendung ein: Wenn etwas als „politisch korrekt“ bezeichnet wird, schließt das ein „nur“ oder „zwar“ ein – gesellschaftlich, moralisch oder lebensweltlich darf dieses etwas durchaus „inkorrekt“ sein. So stellt die Betonung „politisch“ den Freifahrtschein für eine „inkorrekte“ Lesart erst aus. Gerade weil etwas lediglich „politisch“ korrekt sein soll, kann (wenn nicht: muss) man wunderbar vom Gegenteil oder all den Aspekten fern des „Politischen“ reden. Darum geht es bei „PC“: Etwas als „politisch korrekt“ abzuqualifizieren ist die diskursive Notbremse des letzten Mannes am Argument des Gegners, die zwangsläufig die rote Karte des „politisch Inkorrekten“ nach sich zieht – mit dem für den „PC“-Diskurs entscheidenden Unterschied, dass der Foulende zugleich der Schiedsrichter ist.

Die selbst- und zugleich missverständliche Wendung „politisch korrekt“ ist der Generalschlüssel zum Erfolg der Legende. Die Bedienungsanleitung liefern schöne Schauermärchen, die bei der Einführung der Legende übernommen wurden und die man auf Nachfrage noch heute erzählt bekommt. Eines dieser Märchen handelt vom Streit um eine Lektüreliste in einem Geschichtsseminar in Harvard, der sogenannte Fall Thernstorm.

Krasse Euphemismen

Studenten beklagen, dass auf der Liste neuere wissenschaftliche Arbeiten fehlen. Laufende Aktualisierung von Seminarapparaten sollte akademischer Standard sein, aber hier geht es um Geschichte, Deutungshoheiten, die Studenten beklagen, die Sicht der Minderheiten und Sklaven fehle im Seminar. Von Konservativen wird die Auseinandersetzung stilisiert und Thernstorm damit zum geächteten „Rassisten“, der „Tugendterror“ feiert Urständ. In US-Veröffentlichungen des Jahres 1990 bekommt das unheilvolle Walten einen Namen, „Politische Korrektheit“ – obwohl Thernstorm, der sich am Ende entschließt, das Seminar nicht mehr zu geben, seinen eigenen Fall in den Darstellungen nicht wiedererkennt; nichts davon sei je passiert.

Eine anderes schönes Märchen handelt vom Entsetzen darüber, auf welche absurden Euphemismen die „politisch Korrekten“ kommen, wenn sie losgelassen werden: Kleinwüchsige Menschen sollen nur noch „vertically challenged“, vertikal Herausgeforderte genannt werden. Krass! Leider verdankt sich dieser Vorschlag einem satirischen Wörterbuch (The offficial Politically Correct Dictionary and Handbook von Henry Beard und Christopher Cerf, letztes Update 1993), das, ein Klassiker des „PC“-Diskurses bis heute (siehe das Glossar von Dusini/Edlinger), Ernsthaftes mit satirischer Überhöhung vermischt. Mit dem Resultat, dass man beides nicht mehr auseinanderhalten kann und sicherheitshalber alles glaubt. Das dritte Märchen ist ein genuin deutsches und betrifft den Ursprungsort von „PC“: die USA. Die USA sind praktisch, weil den Amerikanern alles zuzutrauen ist. Dort gibt es doch irre Rednecks, eine bigotte Sexualmoral und beliebig viel anderen Unsinn, in dessen Traditionslinie sich eine immer schon ablehnenswerte Erfindung wie „Politische Korrektheit“ bequem stellen lässt. Außerdem sind die USA weit weg, sodass man sich nicht die Mühe machen muss nachzuprüfen, ob die überlieferten Berichte überhaupt stimmen.

Ost-West-Erbe

Die Pointe der ablehnenden Übernahme von „PC“ aus den USA nach Deutschland wird folglich übersehen: Während es, wie Diederichsen schreibt, in der amerikanischen „PC“-Debatte auch gegen den „Einfluß ‚kontinentaler Philosophie‘, besonders französischer Dekonstruktion, ‚left Nietzscheans‘ (wie z.B. Foucault), Marxismus in erneuerten Spielarten (Althusser, Gramsci-Revival)“ geht, glauben die deutschen „Tabubrecher“ gegen etwas „typisch Amerikanisches“ zu Felde ziehen zu müssen. Mit demselben Begriff wendet sich Amerika gegen Europa und Europa gegen Amerika. Muss man auch erst mal hinkriegen.

Denn die Lunte der Legende ist das Glaubenwollen um jeden Preis, die Abschaltung der einfachsten Zweifel: Der Erste schreibt Blödsinn, der Zweite ab, und der Dritte überrascht mit zwei neuen, angeblich astreinen Belegen. Dieser journalistischen Logik verdanken wir den heutigen Zustand. Noch der größte Unfug, der über „PC“ kolportiert wurde, fand seinen Eingang in Lexika, Dissertationen, Zeitungsartikel und Klappentexte sonder Zahl. Ungeprüft wurde alles geglaubt und weitergetratscht, was man wollte und was einem in den politischen und weltanschaulichen Kram passte (Dieter E. Zimmer, Karl Heinz Bohrer e tutti quanti), weil es nach 1989, nach dem Ende des Ost-West-Antagonismus’, natürlich galt, einen deutschen Themenpark für die neue Zeit zu konfigurieren. Hurra, der Historikerstreit konnte wieder aufgekocht werden, und was man über die Juden sowieso immer schon mal sagen wollte, aber ach, Tabu und Denkverbot!

Der Erfolg der Legende ist nach über 20 Jahren so groß, dass „PC“ bis in den Alltag akzeptiert ist als Instrument, mit dem man eine Norm und die Abweichung davon markieren kann (siehe Bugaboo). Als eine Art Richtig-und-Falsch in zeitgenössischem Gewand. Wobei „richtig“ und „falsch“ bei „PC“ in verteilten Rollen auftreten: Hier gilt das, was richtig klingt („korrekt“), gerade als verfehlt, während das, was falsch klingt („inkorrekt“), sich als dennoch berechtigt feiert – man hat es also mit dem richtigen, aber trotzdem Falschen („politisch korrekt“) und dem falschen, aber trotzdem Richtigen („politisch inkorrekt“) zu tun.

Thomas Manns Stundenglas

Klingt verwirrend, erklärt aber Funktion und Erfolg von „PC“. „Richtig“ und „falsch“ sind Kategorien, die moralische Werte betreffen. Die Namen solcher Kategorien unterliegen tatsächlich gewissen Moden des Sprachgebrauchs. Bei „politisch korrekt“ und „politisch inkorrekt“ aber irritieren die Kategorien den Umgang mit den Werten selbst. Werte ändern sich (Bezeichnungen übrigens auch), der gesamtgesellschaftliche Umgang etwa mit Frauen, Homosexuellen oder Schwarzen ist heute ein anderer als vor 40 Jahren, das kann man Modernisierung nennen. Die muss man sich als langsamen Prozess vorstellen, vielleicht so, wie Thomas Mann das Stundenglas beschrieben hat: Lange sieht’s so aus, also ob nichts passiere, aber am Ende, wenn fast der ganze Sand durchgerieselt ist, scheint es auf einmal ganz schnell zu gehen. 1990 wäre ein Zeitpunkt, an dem noch nicht der ganze Sand durch war (das ist er heute noch immer nicht), an dem aber schon zu erkennen ist, dass der Sand dereinst in Richtung Modernisierung gerieselt sein wird, die Zeit für Mysogynie, Homophobie oder Rassismus war dabei abzulaufen. Die Erfindung von „PC“ in diesem Moment ist nichts anderes als das Ausrufen einer Nachspielzeit für die alten, überkommenen Vorstellungen vom Umgang miteinander. Die, natürlich, von den Leuten angepfiffen wird, die diese Vorstellungen vertreten.

Dass „Neger“ eine üble Bezeichnung ist, weil sie bis zum Hals im Bodensatz einer langen Kolonialgeschichte aus Unterdrückung, Versklavung und Ermordung steht, konnte man 1990 schon wissen. Weil es aber plötzlich „PC“ gibt, darf man richtig „inkorrekt“ noch länger so tun, als wisse man davon nichts. Denn „politisch inkorrekt“ funktioniert wie ein Schutzanzug, der gegen das Wissen vom „falsch“ und eine dahingehende Kritik imprägniert. Trickreicherweise sieht der Schutzanzug aus wie das Gewand eines Märtyrers: Seht her, ich traue mich „noch“, „Klartext“ zu reden!

Wobei dafür wiederum Zweifel unter den Tisch fallen müssen. Was riskieren die ach so mutigen „Inkorrekten“ bei ihren Selbstinszenierungen eigentlich? Und ist der Märtyrer nicht eine ins Positive gewendete Opferhaltung, die angeblich die „Korrekten“ so unerträglich macht, weil sie stets darauf pochen? Und wie absurd ist es, wenn Martin Walser, Botho Strauß oder Harald Schmidt im Spiegel seitenweise vor Hunderttausenden Lesern ihre gefährlich „inkorrekte“ Meinung sagen können, die in den finster-„korrekten“ Zeiten öffentlich nicht gesagt werden darf?

Kurz: Bei „PC“ geht es nicht um Argumente, sondern um die Diffamierung einer Sprecherposition, in dem man sie als „politisch korrekt“ ridikülisiert. Wenn es einen Amtsvorgänger von „politisch korrekt“ gibt, dann ist das der „Spießer“, von dem irgendwann auch niemand mehr wusste, wo der eigentlich hergekommen war, bei dem sich aber jeder sicher sein konnte, dass das die Bezeichnung ist für alles, was ihm nicht passt und was er nicht sein will. Wenn es „PC“ nicht gäbe, wenn einem die „Inkorrektheit“ nicht scheinbar weiterhin gestattete, Menschen grundlos zu beleidigen, indem man etwa „Neger“ zu ihnen sagt, dann müsste man sich einmal mit sich selbst befassen und der Frage, warum man das Wort mit seiner unseligen Geschichte weiter verwenden will. Das wäre anstrengend, davor schützt „PC“.

Schießen Sie nicht

In der Erfindung von „Politischer Korrektheit“ als selbstentworfener Empörvorlage für die „Inkorrekten“ ist wahr geworden, was Robert Gernhardt 1984 resigniert über Satirefans festgestellt hat: „Daß die alle nicht denken, stutzen, lachen […], sondern glauben wollen. Daß die noch den schwächsten und ältesten satirischen Dreh gutheißen, wenn er nur ihre ohnehin schon felsenfeste Meinung noch ein bißchen untermauert. Daß sie gerne einer Gemeinde angehören würden, der Gemeinde der Unangepaßten zwar, aber doch bittesehr einer mit klarer Satzung, klaren Glaubensartikeln, klaren Riten und klaren Emblemen.“

Der traurige Witz dabei ist, dass Gernhardt auf seine alten Tage freudig mitgemischt hat in dieser Gemeinde der Möchtegern-Unangepassten mit ihren klaren Regeln und einfachen Wahrheiten. Es hat einer alten Redensart zufolge wenig Sinn, um vergossene Milch zu weinen. Natürlich könnten wir uns mit dem Erfolg der Legende von der „Politischen Korrektheit“ abfinden – mit den Lügen, Halbwahrheiten, Abwertungen, dem schieren Blödsinn, der in diesem Zusammenhang behauptet worden ist, mit der Erfindung einer einheitlichen Bewegung, die Rede- und Denkverbote durchzusetzen trachtet. Die Legende ist in der Welt, und jede Begriffsverwendung schreibt sie fort. Einerseits.

Andererseits: „Auch ich fühle mich manchmal sehr alt, sehr müde, erschöpft bis ins Mark. Gleichviel! – ich mache weiter, und ich möchte nicht krepieren, ohne meinen Mitmenschen noch ein paar Kübel Scheiße auf den Kopf geschüttet zu haben. Das allein hält mich aufrecht.“ (Flaubert an Turgenjew am 8. November 1879).

Eben. Und vielleicht ist es unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit ganz nützlich, den berufsinkorrekten Sarrazins, Broders und Harald Schmidts, den Kriegsgewinnlern dieser Legende, sowie ihren nimmermüden, mitfabulierenden Fans mal unter die Nase zu reiben, dass ihr Treiben für denkende Menschen a) durchschaubar und b) arg lächerlich ist. Und wenn die Rede- und Denkweise von der „PC“ nicht aus der Welt zu schaffen ist, dann kann man wenigstens ein Bewusstsein für den Unsinn schaffen, den sie ventiliert – und sie immer wieder mal als das markieren, was sie ist: ein „Pappkamerad“ (Benedikt Erenz), den man sich dahinstellen kann, wo man ihn gerade braucht – Treffer garantiert.

Kommentare (67)

FAMuellers 26.07.2012 | 11:01

Abgesehen von dem gestelzten bis verschwurbelten Stil, der sich aus der Verlegenheit ergibt, dass sichTugendgebote und Sprachverbote demokratisch schlecht ummänteln lassen,  taucht an einer Stelle doch die wahre Gesinnung  hervor, die man allerdongs erstmal verstehen muss:

„Richtig“ und „falsch“ sind Kategorien, die moralische Werte betreffen.

Nun sind "Gut" und Böse" Kategorien der Moral. "Richtig" und "Falsch" sind Kategorien der Tatsachenbehauptung.

An dieser Vertauschung der Begriffe zeigt sich eben die totalitäre Gesinnung, die allen Tugendkatalogen seit Calvins Diktaktur in Genf obliegen: Die Entscheidung über Gut und Böse soll nicht mehr den Einzelnen überlassen bleiben, sondern von Komitees o.ä. getroffen werden: so werden aus Gut und Böse eben Richtig und Falsch, die zwar keine moralischen Kategorien sind, aber sie nun mehr, wie die Autoren schreiben, "betreffen", und warum? Weil diese moralische Entscheidung ja andernorts schon getroffen worden ist.

Entsprechend entpersonalierend schreiben die Autoren über das Wort "Neger": Dass „Neger“ eine üble Bezeichnung ist, weil sie bis zum Hals im Bodensatz einer langen Kolonialgeschichte aus Unterdrückung, Versklavung und Ermordung steht, konnte man 1990 schon wissen.  

Dieser schöne Satz zeigt eine weitere Konsequenz dieser Gesinnung: die Instrumentalisierung der Sprache. Die Sprache gehört zwar einerseits der Allgemeinheit; ihre letzte Bestimmung erfährt sie aber, wie Wilhelm von Humboldt schrieb, im Individuum.  Jeder, der das Wolke ausspricht, stellt sich etwas anderes darunter vor.

Wer als im Supermarkt nach "Negerküssen" fragt, muss sich nicht zwangsläufig einen schwarzen Menschen in Ketten vorstellen, ja, er muss sich noch nicht mal einen Menschen gleicher Hautfarbe vorstellen, sondern lediglich die Schokokugeln mit dem weißen Schaum drinnen.

Umgekehrt kann jemand, der - gemäß des Tugenskatalogs - "richtig" nach "Schokoküssen" fragt, jemand sein, der seine eigene rassistischen Impulse nur rechtzeitig unterdrückt, und den die behauptete Gleichsetzung von "richtigen Worten" - und "richtiger Gesinnung" in die dankbare Lage versetzt, eine "richtige Gesinnung" an der Kasse nur vorheucheln zu können.

Es gibt eben keine üblen Worte, wie die Autoren meinen. Das ist der Grundirrtum der Politicall Correctness, soweit man von Irrtum reden will. Es gibt nur üble Absichten. Das Wort "Arschloch", eigentlich ein recht eindeutiges Schimpfwort, kann in bestimmten Regionen und Situationen ein Kompliment höchster Güte sein, und wer an der Supermarktkasse brav nach Schokoküsse fragt, kann an der nächsten Ecke den Türken einen Kanaken nennen (was noch fernliegender ist, als einen Schwarzen einen Neger).

Jede Art von Unterdrückung fördert Ressentiments und Heuchelei. Dass die Anhänger der Politicall Correchtness sich auf die Ressentiments ihrer Gegner berufen, um diese Verbote zu legitimieren, statt zu erkennen, dass sie diese durch ihr Wort-und Denk-Unterdrückung selbst befördert haben, stellt eine Art strukturelle Unvermögen zur Selbstaufklärung, vulgo: Dummheit, welche die eigenen intellektuellen Ansprüche doch ziemlich irreperabel beschädigt

P.S.. Hat sich eigentlich einer Anhänger der sprachlichen Abteilung dieses Vereins mal darüber Gedanken gemacht, was es ideologiekritisch eigentlich bedeutet, dass  "Negerküsse" unter ihrer dünnen Schokoschale ausgerechnet "weißen" Schaum enthalten? Darüber würde ich doch gerne mal etwas lesen, möglichst unter Einbeziehung der negativen Dialektik Adornos.

Sisyphos Boucher 26.07.2012 | 11:15

Wow. Dieser Artikel ist extrem lesenswert. Korrekte Sprache, korrekte Schreibweise, (fast) korrekte Orthografie, korrekte Analyse, korrekte Analogien, korrekt, einfach politisch korrekt. :-D

______________

Also: Haben Sie Dank für diesen wirklich berauschenden Artikel. Ernsthaft!

Der Erste schreibt Blödsinn, der Zweite ab, und der Dritte überrascht mit zwei neuen, angeblich astreinen Belegen. Dieser journalistischen Logik verdanken wir den heutigen Zustand. Noch der größte Unfug, der über „PC“ kolportiert wurde, fand seinen Eingang in Lexika, Dissertationen, Zeitungsartikel und Klappentexte sonder Zahl. 

Es gibt also nicht nur die Sarrazins usw. die profitieren, sondern einen Teil der politischen Klasse - die Journalisten -, die in besonderem Maße aus der Mär der "PC" Gewinn herausschlagen. Das funktioniert sogar beidseitig: Entweder sie (die Journalisten) rufen "Skandal" oder sie sekundieren den vermeintlichen Tabubrechern mit dem Ausruf "Na endlich!" Diskurse werden auf diese Weise unterdrückt. Der Status Quo gerettet.

 

Matthias Dell 26.07.2012 | 12:53

Famuellers! es hätte mich enttäuscht, wenn solche kommentare wie der ihre ausgeblieben wären - sinnlose vergleiche, fiese komitees, intendiertes sprechen, ach, echt? how exciting. und ich habe auch gar keine lust, auf ihre merkwürdigen behauptungen einzugehen ("es gibt nur üble absichten" - dh. ich kann mir also aussuchen, wie ich worte meine? kann also "arschloch" sagen und hinterher - ich meine das anders als der großteil meiner zeitgenossen jetzt total positiv, eher so als ermutigung?), weil es offenbar sinnlos ist - eine voraussetzung von auseinandersetzung wäre doch, texte gelesen zu haben, die man ausführlich kommentiert.

Matthias Dell 26.07.2012 | 12:55

für journalisten ist es vor allem bequem, "pc" ist wie ein autopilot, bei dem sich der text mit ein paar projektionen vollstellen lässt - favorite beispiel aus jüngster zeit: "politischer korrekter kleinkrieg" als überschrift für eine filmbesprechung, in der natürlich gar nicht erklärt werden muss, was da jetzt wie "politisch korrekt" ist am kleinkrieg. ginge ja auch gar nicht. http://www.taz.de/!97641/

Maxi Scharfenberg 26.07.2012 | 16:15

Herzlichen Dank. Selten so etwas Zutreffendes, Fundietres und Streitbares gelesen. Ein Vergnügen. Da freut man sich. " PC" wäre, sagte neulich ein Freund von mir, der Ersatz für die Gleichschaltung, denn " PC" macht unser Schreiberlingsleben so bequem. Sogleich wissen wir jeden Tag, wer die Bösen und wer die Guten sind und wenn wir etwas nicht verstanden haben oder verstehen wollen, schupsen wir das Ungemach in die rechte Ecke und dann, ja dann soll erst einmal einer oder eine etwas Falsches sagen. So bequem hatte es das Establishment weder in der DDR noch davor. Wegen der " PC" sage ich davor und nicht, was ich meine. Wir sagen schließlich auch, wenn jemand im Sterben liegt, dass es ihm nicht ganz so gut geht und das auch nur heute. " PC " ist die lebendige praktische Umsetzung der Verlogenheit unserer Gesellschaft.

Columbus 27.07.2012 | 00:13

Bliebe noch anzumerken, Herr Dell, Herr Erdl, wie sehr sich das Spiel verfestigt hat.

Eines der erschreckendsten, aber auch erfolgreichsten Webportale saugt daraus seinen Kult-Status und hohen Klickzahlen. Regelmäßig wird jedes TV-Forum vornehmlich in diesem Modus PC, nicht- PC gefahren, und, für die schreibende Zunft eher peinlich, selbst die Vorreiter des Gewerbes führen liebend gerne PC-Debatten, sogar mit dem Layout ihrer Cover (die berüchtigten schwarzen SPIEGEL).

Die Macher der erfolgreichen Webseite wissen auch genau, bei welchen medialen Größen sie sich die Zitate zusammenklabüstern müssen.

Die "PC " und ihr Anti haben eine neue Klasse von medialen Profi-Beurteilern hervor gebracht, die erstaunliche Popularität und Anerkennung genießen und vornehmlich die Meinungsspalten der Presse und der Telemedien fluten: "Wir sprechen aus, was andere nur denken."

Bleibt abschließend noch einer Frage, wie Sie es denn schaffen, an den vielen virtuellen Schildern mit den PC-Tabuvorschriften vorbei zu kommen. Das ist also der geheime Wunsch des Lesers, ein paar intellektuelle Ratschläge zur Vermeidung der miteinander verknüpften Übel, PC und PI,  von den Profis einzuheimsen.   

Wie würden Sie z.B. die immer häufigere und meist sofort geäußerte Kritik an Wallraffs Verkleidungsaufdeckungsjournalismus werten? Dem werden von PClern und PIlern praktisch die gleichen Vorwürfe gemacht, er treibe nur Theater und Selbstdarstellung, die Betrofffenen die doch zu Wort kommen sollten, stünden neben ihm.

Ihr Artikel regt zum Denken an, da hat man die Doppelseiten des dF geschlossen und das Hirn tickert weiter.

Beste Grüße

Christoph Leusch

g. 27.07.2012 | 05:45

Sie haben bei ihrer Argumentation ein wenig geschummelt. Sprachpolitik ist ein schwieriges Geschäft. Halten zu Gnaden: Es gibt ja nicht nur die Sarah Palins und Thilo Sarrazins, die ihre Sicht auf die Welt mit Hilfe der Denunziation PC durchsetzen wollen. Es gibt auch die aberwitzigen Sprachpolitiker und Sprachpolitikerinnen, die ihre Adoleszenzprobleme in die Welt blasen und jeden moralisch anpflaumen, der ihrer Sprachpolitik wenig abgewinnen kann. (Es gibt übrigens Leute, die die beschreibende Nennung des Wortes „Neger“ schon für unziemlich halten. Da wird dann bei der Beschreibung von Beleidigungen nur vom „N-Wort“ geredet. Ob der geneigte Leser dann noch die Schärfe der Situation nachvollziehen kann, interessiert nicht sonderlich.) Ich kann gar nicht glauben, dass Sie etwa im Rahmen der Schlachten um das große I und das generische Maskulinum nicht auch mit Volksethymologinnen konfrontiert wurden, deren Sinn für Falsch und Richtig und für Maß und Ziel völlig aus dem Ruder gelaufen sind. Und auch in jüngerer Zeit soll es ja Leute geben, die glauben, dass man die Tatsache, dass wir einer zweigeschlechtlichen Art angehören, überwinden kann, wenn man kleine Jungs und Mädchen als das Kind oder die Kinder bezeichnet. Das darf man dann schon kritisieren und darüber darf man sich dann auch <a href="http://www.youtube.com/watch?v=T42FwIfuT0Q"> lustig </a> machen.

Matthias Dell 27.07.2012 | 09:50

liebe/r G. wenn sie schon "geschummelt" sagen, dann bitte auch wo.

und das, was sie ins feld führen, klingt dann wieder wie das, was immer in diesem zusammenhang ins feld geführt wird:

"Es gibt auch die aberwitzigen Sprachpolitiker und Sprachpolitikerinnen, die ihre Adoleszenzprobleme in die Welt blasen und jeden moralisch anpflaumen, der ihrer Sprachpolitik wenig abgewinnen kann."

wer ist denn das? mir fällt niemand ein, der mich moralisch anpflaumte, mir fallen immer nur leute ein, die sich darüber beschweren, dass sie scheinbar angepflaumt werden (zimmer, bohrer e tutti quanti).

und was das "n-wort" angeht - wenn sie wirklich interesse daran haben, könnte ich ihnen das auseinandersetzen. ihre bemerkung macht an einer stelle der empörung halt, bei der die reflektion über wortgeschichte/-verwendung/-rezeption nicht zu erkennen ist.

Spitze_Feder 27.07.2012 | 10:20

Es ist ganz einfach: "pc" ist doch bloß ein modernes Synonym für "das, was alle  in der Öffentlichkeit sagen, denken, meinen sollen" respektive "nicht sagen, denken, meinen sollen". Bzw. das, was man denkt, was alle sagen, meinen, denken sollen ... Noch Fragen? PS: Dass sich daraus ein Dissertationsthema basteln lässt, hat mich bei aller Guttenbergerei doch überrascht.        

MisterManta 27.07.2012 | 11:47

Gute Zusammenfassung und Beschreibung der PC als Denkfigur und politischer Kampfbegriff. Und dennoch greift sie nicht das Problem an sich an. Denn die Konstruktion einer PC scheint bei aller Konstruktion doch einen wahren Kern zu beinhalten. Es ist unbestreitbar, dass es Sachen gibt, die man in einer gewissen Situation oder Position nicht sagen oder schreiben darf, ohne dafür "abgesägt" zu werden. Erst wenn man in einer noch höheren Position ist, wie die hier vorgestellten Personen (wobei zwei der drei Genannten quasi Kaberettisten sind), kann man das dann wieder tun. 

Doch diese Grenzen sind schwer zu beschreiben. PC ist ein Versuch dazu. Von radikalen Gruppen wird es beispielsweise oft "Zensur" genannt. 

Und um noch einmal auf das hier besprochene Wort "Neger" zu kommen: Ich kenne in der deutschen Sprache kein Wort (außer vielleicht "Zigeuner"), bei dem  man entweder selbst, oder auch die Gesprächspartner erschrecken, auch wenn es in einem völlig unverdächtigem Zusammenhang gesagt wird. Sätze wie "Das darf man doch nicht sagen" zeugen sehr wohl von einem "von oben" beschlossenen Wortverbot, oder zumindest einer Wortumdeutung. Bei Wörtern wie "Kana(c)ke" sagt man so etwas von vorne herein nicht, weil es nur als Schimpfwort gedeutet werden kann. 

Selbst wenn man also versucht, PC als politischen Kampfbegriff und selbstaufgestellten Pappkameraden zu entlarven, ändert es nichts daran, dass es da etwas gibt, dass Menschen davon abhält, etwas zu sagen. Und es sind nicht nur Beleidigungen, sondern zum Beispiel auch politische Ideen. Die Kürzung von Hartz4 könnte dazu taugen...

Matthias Dell 27.07.2012 | 11:53

lieber columbus,

es gab tatsächlich die idee, zu dem text noch "nützliche tipps für die praxis des freien sprechens" zu stellen. daraus ist in der zeitung dann das kleine quiz im kasten geworden - aus gründen. aber wenn sie so fragen. erstens: lassen sie einfach von begriffen wie "pc", "pi", "gutmensch" und was da noch alles dazu gehört, die vernebeln nur das denken. es gibt im aktuellen freitag ja, zufälligerweise, zwei schöne beispiele für die praxis - wolfgang michals beschneidungstext und michael jägers bayreuth-kommentar. schlichtere gemüter hätten bei den beiden themenfelden (judentum, islam bzw hakenkreuz) womöglich sofort "pc" gerufen - michal und jäger machen das aber nicht, so argumentieren einfach ihre sicht, an der man sich dann reiben kann. es geht also.

in diesem sinne wäre ein schönes beispiel für den kalkulierten nichtsnutz von "pc" das grass-gedicht. das ist die meiste zeit damit beschätigt, über das schweigenmüssen, aber nicht schweigenkönnen zu reden (und damit sich eben ans weite "pc"-feld anzudocken - "wird man es noch sagen können dürfen"), dass man als leser denkt: mensch, jüntha, alte labertasche, du bist doch schon am mic, jetzt komm mal zum punkt. grass hat schon die öffentlichkeit (den platz in der sz), verbringt dann aber die meiste zeit damit so zu tun, als habe er ihn nicht. hätte er einen sauber durch argumentierten, anschaulichen text über das zu schreiben, was er glaubt, nicht sagen zu dürfen, die ganze sache wäre viel unaufgeregter über die bühne gegangen. weshalb man mit dem wissen um den "pc"-unsinn eben sagen kann, dass grass damit geschickt kalkuliert - am ende gehts nicht mehr ums eigentliche thema, sondern um den märtyrer grass, der es damit noch mal in den westlicheweltweiten fokus von medialer aufmerksamkeit schafft. dass dann reflexe einsetzen, die schwach sind, ist unbestritten, natürlich schreibt, äußert sich bei vielen journalisten, menschen die angst mit, dass wenn da schon "israel" als wort fällt und "grass" und "kritik", dass man da etwas falsch machen könnte. das ist traurig, aber auch normal, der großteil der meinungen wird wohl immer aus dem nachplappern von anderen bestehen, aus der versicherung, sich bei heiklen fragen, lieber an die zu halten, von denen man glaubt, dass sie nicht "falsch" liegen. das könnten andere "pc" nennen, ich würde dazu aber eher konformismus sagen, eben weil "pc" so viele bedeutungen mit einbringt, die einem das leben und argumentieren nur schwer machen.

zu wallraff später

yo77 27.07.2012 | 15:22

die Legende von der Legende...

ich nehm mal an dass es die Absicht des Autors ist Demagogen wie Sarrazin den Deckmantel von "ich sag doch bloß wie es ist" zu entreissen, unter dem es dann tatsächlich rassistisch wird, aber PC ist kein Mythos sondern formt tatsächlich die Welt und die Sprache. und in meinen Augen nicht zum Besseren.

 1. Meine Mutter ist Ausländerin, mein Vater Deutscher. Ab und fragt mich jemand "woher ich bin". Wenn ich dann sag aus München kommt normal sowas wie : "ne, das meint ich nicht", da die eigentliche und in meinen Augen auch legitime Frage natürlich "was ich bin" ist.               Manche Menschen sind halt neugierig. Aber das so zu fragen trauen sich in der Regel nur Kanacken..ups..ich mein Minimalpigmentierte.

Meine Antwort war dann manchmal sowas wie: "ich bin Mischling, mein Vater ist Deutscher, meine Mutter Japanerin. geboren bin ich in München.    

Jetzt kommt die Scheißpointe:

Politisch Korrekte wollen mir dann einreden dass die Bezeichnung Mischling rassistisch ist. Das ist mir schon zweimal passiert. Als dürfte ich mich selbst nicht als Mischling bezeichnen. Für mich sind die dann "blond und blauäugig" (als Metapher für dumm und unerfahren).

2. Nicht so lange her, da hieß das medizinische Instrument zum Öffnen des Kopfes von Verstorbenen "Schädelsprenger". 

Irgendwann fand das irgendwer zu derbe und heutzutage heißt das gleiche Instrument "Kreuzmeißel". Als wären Pathologen Bildhauer. Soviel zum Mythos PC.

3. Ein Pärchen unterhält sich, Sie zeigt auf eine Gruppe mit 4 Personen und meint "das T-Shirt vpn dem ist super". Er fragt welches, Sie sagt "von dem Typen mit den weißen Schuhen". Er sagt welcher? (2 in der Gruppe haben weiße Schuhe"). Und sie sagt: "Von dem nicht-Weißen" (aka der einzig Schwarze in der Gruppe). (-:

Das ist alles PC-Unsinn.

Auch der Glaube man könnte Wörter nicht von der Intention trennen ist doch an den Haaren herbeigezogen. Es ist nicht das gleiche ob ein Rechtsradikaler Nigger sagt um zu beleidigen oder ein Rapper so seinen Kollegen begrüßt.

FAMuellers 27.07.2012 | 17:20

Sie behaupten, ich hätte Ihren Artikel nicht gelesen? Mal sehen:  Sie haben in Ihrem Artikel geschrieben, das PC zwischen Richtig und Falsch unterscheide, woraufhin ich Ihnen vorgehalten habe, dass Sie mit der Vertauschung von „Gut und Böse“ durch „Richtig und Falsch“ den Menschen in seiner moralischen Entscheidung entmündigen und Sie selbst eine totalitäre Gesinnung zeitigten.  

Des weiteren habe ich Sie mit Ihrer Aussage wörtlich zitiert, dass „Neger“ ein übles Wort sei, worauf ich Ihnen vorgeworfen habe, die Sprache instrumentalisieren, weil es keine üblen Worte, sondern nur üble Absichten gibt - worauf Sie nur mit einem "Ich kann also selbst entscheiden, wie ich die Worte meine, echt?" in der vorgespielten oder tatsächlichen Ahnungslosigkeit eines Siebtklässers reagieren (Sprachphilosophie? Null Ahnung? Echt?). 

Im Anschluss daran habe ich argumentiert, dass der Tugendkatalog aus Richtig und Falsch einem Rassisten nur die Möglichkeit gibt, seine üble Gesinnung verbergen zu können, während der Gebrauch des Wortes "Negers" aus einem Menschen noch lange keinen Rassisten macht. Das haben Sie zwar nicht behauptet, aber ohne diese Behauptung ließe sich der Anspruch auf Sprachdiktate moralisch gar nicht legitimieren. Dass Sie es offenbar vorziehen, solch eine positive Begründung gar nicht mehr zu geben, sondern stattdessen sich an den Ressentiments gütlich tun, die der ganze PC-Unterdrückungs-Irrsinn letztlich selbst heraufbeschwört (nebst der Heuchelei, die aber nicht so in dem Blickfeld gerät, weil Sie sich selbst darin erkennen müssten), war mein letzter Vorwurf an Sie.

Nun, ich gebe zu, vielleicht ist das alles etwas zu grundsätzlich für Sie. Wenn man sich einmal in einer Wahrheit eingerichtet hat, hat man vielleicht wirklich keine Lust mehr,  sich mit Gegenargumente herumzuschlagen, die einem eh nur als Ausdruck von Unwissenheit oder Böswilligkeit erscheinen. So ergeht das auch dem Pabst. Andererseits ist keine Lust zu haben, auf Argumente  einzugehen, für den Kulturredakteur einer Zeitung, die sich doch Debattenkultur auf ihre Fahnen geschrieben hat, doch auch ein wenig kläglich. Finden Sie das, nach einigen Minuten oder Stunden oder Tangen des Nachdenkens, vielleicht nicht doch auch?

Matthias Dell 27.07.2012 | 18:16

famuellers! vielleicht war ich tatsächlich etwas schnell verärgert, wobei auch ihr neuer post mir nicht das gefühl gibt, dass sie verstehen wollen, worum es geht. und da nehme ich mir die freiheit des kulturredakteurs zu sagen, dann habe ich da keine lust drauf. ich will nicht tausend mal gegen dieselben wände rennen, siehe https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/buhs-im-internet

aber da sie mich auffordern, noch ein versuch:mit ihrem "gut"/"böse"-hinweis haben sie natürlich einen punkt, das geht im text wohl etwas schnell, wie da aus gut/böse richtig/falsch geht, aber das scheint mir für die sprechweisen, die in sehr weitem feld moral betreffen, die passendere opposition – "pc" handelt ja von richtig/falsch nicht von gut/böse.

der schluss, den sie daraus ziehen, macht mich allerdings zum kläglichen gesprächsverweigerer: weder geht es mir um eine totalitäre gesinnung (worin bestünde die, der text versucht das problem möglichst überzeugend zu argumentieren, er sagt nicht, wenn ihr leser das nicht glaubt, dann kommt ihr ins heim, aber meine lust nimmt sich dann eben raus, da nicht mehr erklären zu wollen, wo es mir sinnlos erscheint). ich würde es ja begrüßen, wenn leute, die "neger" sagen, zu ihrer moralischen entscheidung, wie sie schreiben, stehen würden und sagten, ja, rassistischer sprachgebrauch, das gefällt mir, das ist mein ding, das passt zu mir. dann könnte man nämlich mal die vor- und nachteile von rassismus diskutieren. die leute stehen aber leider nicht zu ihrer moralischen entscheidung, sondern bemänteln sie mit "pc" und abenteuerlichen erklärungen.

wie die ihre, sorry, mit den üblen absichten, die es angeblich nur gibt, hinter lauter unschuldigen wörtern. wenn ihnen mein siebtklässler-beispiel nicht hilft: wie wollen sie denn absichten erkennen, wenn nicht durch den gebrauch vor wörtern? sprache ist, wenn man wittgenstein jetzt mal rauslässt, doch eine relativ gut funktionierendes mittel, um sich über anschauungen und absichten auszutauschen. und dann macht der ton die musik, und es gilt das gesprochene wort.

und ihr beispiel, dass sich doch hinter dem, der nicht das nämliche wort sagt, der größte rassist aller zeiten verbirgt, der dann in anderen kontexten die sau rauslässt - das ist so zusammenkonstruiert auf einen absurden ausnahmefall hin (und was wäre die konsequenz davon, warum wäre es so schlimm, dass sich der rassist einmal zusammenreißt - wäre das nicht der erste schritt auf dem weg zur besserung - ja, ich halte keinen rassismus für besser als rassismus, eh sie mir wieder totalitäre gesinnung unterstellen). 

andersrum wird ein schuh raus: wieso sollte jemand, der nicht rassist sein will, sich einen rassistischen ausdrucks bedienen? die erklärung für ihr "argument" ist – und leider fange ich mich hier an zu langweilen, weil man dieses "argument" in dem kontext immer wieder serviert bekommt, ohne dass es deshalb zum argument werden würde – der versuch, sich selbst zu entschuldigen: wer nicht rassistisch sprechen wollen, lässt diese wörter sein, auch wenn sie in der eigenen kindheit unschuldig gemeint sein mögen oder was auch immer. wenn man respekt hat vor menschen, die damit gemeint sein sollen, dann würde man deren einwände vielleicht auch mal zulassen. es gibt wörter die vergiftet durch die art und weise, wie sie gebraucht worden sind. und das kann man akzeptieren, ohne dass die eigene kindheit schaden nimmt oder falsch war. es geht um ein bewusstsein für solche sachen. 

"pc" ist aber die ablehnung dieses bewusstseins, weil "pc" suggeriert, man könnte das doch alles sagen als großtat für all das was sie anführen oder die meinungsfreiheit. stimmt aber nicht. aber das steht in dem artikel, den sie gelesen haben

 

Matthias Dell 27.07.2012 | 18:31

yo77. natürlich können sie sich selbst "mischling" nennen. das ist tatsächlich ihre sache. es geht bei dem, was "pc" vernebelt ja immer um die frage der sprecherposition. aber es ist nicht ihre sache, daraus ableiten zu wollen, dass das wort für andere kein problem darstellt - andere, die das wort nicht über sich sagen und auch nicht über sich gesagt haben wollen, haben doch das gleiche recht wie sie. wie sollte man dann entscheiden, wer recht hat? deshalb eben die sprecherposition: über mich kann ich alles mögliche sagen, aber was ich über andere sagen und andere über mich steht auf einem anderen blatt. 

mcsteed 27.07.2012 | 18:34

Herrlicher Artikel, freue mich immer über den Versuch, Phänomene medialer Art erklärt zu bekommen. Bin mir sicher, Sie haben recht, möchte jedoch eine Frage stellen, die man mir hier vielleicht beantworten kann:

Wenn eine weibliche studentische Hilfskraft an der Universität ein Schreiben aufsetzt, dass mit "Liebe Kollegen" beginnt, und ihre Chefin ihr dieses Schreiben mit dem Vermerkt zurückgibt, an der Uni gebe es eine besonders strenge Gleichstellungsbeauftragte, die diese Anrede zu einem Problem machen würde, sie solle bitte auch die Kolleginnen miteinbeziehen, wie ist der Begriff dafür? Wie nennt man es, wenn die selbe studentische Hilfskraft in ihrer Eigenschaft als Werksstudentin in einer Firma auch ein Schreiben aufsetzt, das mit "Liebe Kollegen" beginnt, und niemand sagt ihr, das müsse sie wieder ändern?

Kann man in sofern durchaus von einer "politischen" Korrektheit reden, weil besonders in staatlichen Instititutionen auf diese Form der Sprache geachtet wird, die sich dann in manchen Fällen auch in andere Bereiche durchschlägt, wie es etwa mit der Rechtschreibung auch ist, die formell einzig in amtlichen Schreiben Gültigkeit hat, aber in privater Post von niemandem zu berücksichtigen ist?

Liegt das eventuell ein Übersetzungsfehler zugrunde, der die englsichen Wörter "politics", policy, polity" allesamt in das deutsche Wort "politik" vermengt, so dass eine instiutionelle Korrektheit zur politischen wird? 

Matthias Dell 27.07.2012 | 18:39

mistermanta. ihr lob im ersten satz ist ein schwacher trost dafür, dass ihr zweiter satz dann wieder behauptet, was der text eigentlich widerlegen sollte. natürlich gibt kann man nicht alles sagen, was man denkt (das wäre vermutlich auch nicht erstrebenswert), natürlich geht man nicht zum chef und sagt: na, du nichtskönner, wann krieg ich eigentlich mehr kohle? natürlich trauen sich viele menschen auch in weit ungefährlicheren zusammenhängen nicht, zu sagen was sie denken, weil sie irgendwelche abhängigkeiten, zwänge verspüren/haben. das hat etwas mit konventionen zu tun, und da, wo es nicht um höflichkeit, sondern andere ängste geht, etwas mit konformismus. es wäre bloß tausendmal hilfreicher, das jeweils genau zu benennen, statt ernsthaft zu behaupten, dass das etwas so unscharfes und vages wie "pc" sein soll. "pc" erklärt einem nichts, sondern vernebelt nur. deshalb versucht der artikel zu sagen: verwenden sie nicht diese schlichten begriffe mit all ihren negativen bedeutungen, sondern denken sie wirklich nach und versuchen sie präzisere begriffe für ihre jeweilige unfähigkeit zu finden, das zu sagen, was sie denken.

Wolfgang Gosejacob 27.07.2012 | 18:59

Ich möchte FAMUELLERS im weitesten Sinne Recht geben.

Ich fand Ihren Text auch schwer zu lesen und habe nachdem ich den Rollbalken rechts mal nach unten geschoben habe, verzweifelt aufgegeben und bin bei den Kommentaren hängen geblieben.

Wie gesagt Herr Dell

Ich stimme Ihrer Kritik in größten Teilen nicht zu

Ja ich (persönlich) bin der Meinung, dass man Neger und auch Negerküsse sagen kann. Ich persönlich verbinde damit keine weiteren Gefühle - besonders keine negativen.

Genau das weiß mein Gegenüber halt nur nicht immer bzw. ich müsste es lang und breit erklären. (Darauf gehe ich später noch einmal ein.)

Ich bin mit dem Wort aufgewachsen, sodass ich damit Menschen mit brauner Hautfarbe von denen mit "gelblicher", roter oder weißer Hautfarbe unterscheiden kann. Dann gibt es noch die Variante nach Kontinenten zu klassifizieren. Aufgrund der massenhaften Versklavung von Afrikanern fällt das aber bei Amerikanern afrikanischer Herkunft schwerer bzw. aus.

Aber ich bin durch das Wort nicht geprägt.

Ein prägnateres, weil aktuelleres, Beispiel

Ich denke, dass sich am Gebrauch der Wörter und Phrasen: Ausländer, Migranten, Menschen mit Migrationshintergrund, Fremdarbeiter, u.v.a. und was sonst noch in den letzten 100 Jahren verwendet und damit verbunden worden ist, wesentlich besser zeigen läßt, dass das Wort alleine vollkommen "unschuldig" ist aber sowohl einem Zeitgeit als auch der Interpretation durch die verschiedenen Gruppen unterliegt, die das Wort benutzen.

Allianz der Gegensätze?

Es fällt mit schon schwer darüber nachzudenken, dass es schon eine komische Allianz zwischen der einen Gruppe ist, die das Wort Neger oder Ausländer benutzen und ABWERTEND meinen und denen, die die gleiche Interpretation fürchten und sich dafür / dagegen lieber eine Alternative ausdenken.

Wer zwingt da wem was auf?

Der Zeitgeist und die Beziehungsohren

Das Problem sehe ich vor allem - und da stimme ich der Kritik wieder zu: Man muss schon sehen, mit wem man spricht und ob das nicht in den falschen Hals kommen kann. Bei Internettexten, wo man sich seine Leser / Zuhörer nicht aussuchen kann, ist das selbstverständlich ein extrem heikles unterfangen. Besonders, wenn man es nicht korrigieren kann, es aus dem Zusammenhang gerissen werden kann, es nach Jahren noch nachlesbar ist UND Jahre später in einem neuen Zeitgeist vollkommen anders interpretiert werden kann:

Man muss vorsichtig sein mit dem was man sagt!!! Aber die korrekte (verständliche) Formulierung darf nicht dazu führen, dass man sich um das zugrunde liegende Problem nicht mehr kümmert.

Lamentieren

Aber das ewige Herumlamentieren und alle 10 Jahre eine neue verschrobene Formulierung / Phrase zu finden, die den neuen Zeitgeist besser erfüllt oder einen neuen Fluchtweg aus einem vermeindlich belasteten oder vereinnahmten Begriffes weist ... das finde ich schon schräg.Dazu kommt ja noch die Diskussion zur Schaffung des neuen Begriffes.

Insofern kann ich mich mit dem verbalen Ausflug zu dem Wort Arschloch anfreunden. Eine vergleichbare Unterhaltung hatte ich auch schon einmal ... nur leider war der Delinquent nicht fähig und willig meine Argumentation zu verstehen. Insofern werde ich dieses Wort in seiner Umgebung so nutzen, wie 99% der anderen Menschen auch - eben nicht als Kosewort.

Ursache und Wirkung

Anstatt sich mit den ursächlichen Problemen im Umgang mit Ausländern und ihrer Kultur zu beschäftigen, wird sich darum gestritten, dass man die neuen Wörter des politischen Anstandes nicht (schnell genug) auswendig gelernt hat, nicht auswendig lernen möchte oder sich die Zungenbrecher der aktuelle Formulierung nicht auf der Zunge zergehen lassen möchte:

KINDER MIT MIGRATIONSHINTERGRUND - brrr - da graust es mir schon beim Aussprechen mich mit dem Thema zu beschäftigen. Da können die Kinder und deren Eltern noch so nett sein.

Kiste, Kasten, Stigmata - Gruppenmitglied oder nicht

Ich stelle außerdem fest, dass die Benutzung von Begriffen, die besonders PC sind eher einem gewissen Kastendenken förderlich sind.Wer die neuen Begriffe nutzt gehört dazu. Wer nicht, der ist der Feind, der Gegner, der Altbackene, der Traditionalist, der Konservative - der andere eben.

Es ist eine vergleichbare Stigmatisierung, wie das Abschnibbeln kleiner Hautläppchen von kleinen Jungs. Egal, ob er es will oder nicht: Er hat das Zeichen der Beschneidung schon mal abbekommen. Wenn er den Zipfel schon los ist ... dann wird er auch schon dabei bleiben.Das hat aber auch nichts mit freier Meinungsbildung oder Religionsfreiheit zu tun.

Oder die Tätowierungen auf dem Arm zwischen 33 und 45 - sowohl in der Variante für Täter als auch für Opfer.

Außerdem

Es kristallisiert sich ja wohl zunehmend und (seit Jahrzehnten) deutlich heraus, dass nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund Probleme mit der Bildung, einem gepflegten Umgang (miteinander und mit anderen) und der (Aus-)Sprache haben, sondern auch Kinder ohne Migrationshintergrund. Stichworte: Präkariat, Hartz 4, Bildungsgutscheine, Eliteschulen, Herdprämie, frühkindeliche Förderung, Kindergarten- und Studiengebühren, etc.

Da sind ja wohl eher die eingliederungsunwillige Gesellschaft, das auf 17 Ministerien verteilte Bildungssystem, die politischen Interessen der Kultusministerkonferenz, das dreigliedrige und undurchlässige Schulsystem, die teilweise nicht anerkannten Schul- und Bildungsabschlüsse zwischen den Bundesländern, (neuerdings sogar EU-weit) die ständigen Kompromisse der Politiker bei Koalitionsverhandlungen (etc.) für verantwortlich. (Gibst Du mir - geb ich Dir.)

Sich dann über PC beim Wort "Ausländerkinder" zu streiten ist mehr als erbärmlich und zeigt, dass wir als Gesellschaft uns nicht mit den richtigen Punkten auseinandersetzen, sondern den Blickwinkel lediglich auf ansehnlichere Phrasen verschieben (wollen).

NEIN - wir haben keine Ausländerprobleme mehr !!!Wir haben keine Ausländer mehr - die heißen jetzt Migranten. Trallali und Hopsassa. Tolle Strategie...

Probleme mit Windows haben wir demnächst auch nicht mehr.Der BlueSrceen wird demnächst grün. Ta-Ta...

Fazit

Insofern Herr Dell: zu viel Text, dafür inhaltlich zu kurz gesprungen, Thema verfehlt, setzten 6.

Relativierung?

Wie gesagt: ich habe nicht alles gelesen und den Rest nur noch überflogen. Wenn Sie darauf eingegangen sind gibt es doch ein Bienchen. :-)

Matthias Dell 27.07.2012 | 19:00

Wenn eine weibliche studentische Hilfskraft an der Universität ein Schreiben aufsetzt, dass mit "Liebe Kollegen" beginnt, und ihre Chefin ihr dieses Schreiben mit dem Vermerkt zurückgibt, an der Uni gebe es eine besonders strenge Gleichstellungsbeauftragte, die diese Anrede zu einem Problem machen würde, sie solle bitte auch die Kolleginnen miteinbeziehen, wie ist der Begriff dafür? Wie nennt man es, wenn die selbe studentische Hilfskraft in ihrer Eigenschaft als Werksstudentin in einer Firma auch ein Schreiben aufsetzt, das mit "Liebe Kollegen" beginnt, und niemand sagt ihr, das müsse sie wieder ändern?

ich würde "es" unterschiedliche führungsstile nennen. jeder jeck ist anders. der eine chef will zu jedem kleinkram seitenlange berichte, mit dem nächsten klärt man denselben kleinkram im kurzen gespräch. da gibt es auch keinen begriff für und niemand vermisst ihn. menschen sind verschieden, und diese verschiedenheiten lassen sich seit einiger zeit (die im text "modernisierung" heißt) eben auch an fragen wie "kollege"/"kollegin" zeigen. deswegen muss man aber die modernisierung nicht ablehnen, sondern nur den einen vorgesetzten blöder finden dürfen als die andere. und warum nicht einfach "liebe kolleginnen" schreiben? warum sollten sich männer davon nicht angesprochen fühlen, bei den frauen hat's doch auch geklappt. da gehts eben mal andersrum, das ist doch auch mal ne schöne abwechslung. weder man selbst noch die welt geht davon zugrunde, was dieser "pc"-alarmismus aber zu behaupten versucht

Matthias Dell 27.07.2012 | 19:13

was die frage nach den institutionen betrifft: das ist doch relativ verständlich, dass der staat als radikaldemokratisches gebilde in seinen amtsbereichen nach dem handelt, was er an gesetzen verabschiedet. genauso, dass universitäten, die sich als orte kritischen denkens betrachten, eine identität von denken und handeln herzustellen in ihrer praktischen arbeit. dass es dabei manchmal übers ziel hinausgeht bzw bürokratien in ihrer art und weise, regelungen zu regeln nicht wie thomas mann agieren, das gehört dann dazu. kann man im konkreten fall auch konkret kritisieren wie den "service point" der deutschen bahn. aber das ende der welt ist das nicht

mcsteed 27.07.2012 | 19:36

Das ist interessant. Der Staat verabschiedet gesetze, die vorschreiben, dass man Kolleginnen schreibt bzw. ähnliches? Aber wäre das dann nicht genau da der Anlaß für all diejenigen, die sich als politisch inkorrekt bezeichnen, zu sagen: Da ist es doch, gegen das wir ankämpfen?

Dann gäbe es ja doch eine Institution, die der Ort allen Übels ist, wenn auch nur für ihren eigenen Apparat. Spannend.

Wenn jetzt aber ein Amtsträger, dem sein Amt ins Blut übergegangen ist, auch privat an solche Gesetze hält, die er beruflich beachten muss und damit einen moralischen Impetus in die Waagschale legt, der seinen Mitmenschen auf den Geist geht, darf der dann als Politischer Korrekter bezeichnet werden oder wäre es besser ihn einen Moralisten zu schimpfen? Wäre es nicht stilvoller in einem Text, den man über so jemanden verfasst, etwa dann, wenn er sich außerhalb seines Amtes als Bürger in eine Debatte einmischt, dort aber die gleichen Maßstäbe anlegt, die er lediglich für sein Amt benötigt, diesen "Moralisten" ab und zu durch ein Synonym zu ersetzen, etwa Gutmensch oder ähnliches?

Liegt das Problem dann vielleicht weniger in der Institution selber als im Personal der selben, die Beruf und Privat vermsicht? Wäre dies dann das von mir weiter oben erwähnte Übergehen von Institution in das Private?

Und der Untergang des Abendlandes ist es sicher nicht, wenn man alle als Kolleginnen anspricht. Der Mensch jedoch strebt nach Vereinfachung, auch in der Sprache und die "Kollegen" sind halt kürzer. Mir ist es auch einerlei.

Ich kann allerdings nachvollziehen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich von, ich bleibe der Einfachheit halber mal bei dem oben benutzten Begriff, in vollem Bewußtsein, dass er noch debattiert werden muss, Moralisten nicht rein reden lassen wollen in ihr Anderssein, die keine Lust haben, als moralisch verwerflich abgestempelt zu werden, weil sie der kürze wegen lieber Kollegen schreiben.  

Wolfram Heinrich 27.07.2012 | 19:54

@Matthia Dell

ich würde es ja begrüßen, wenn leute, die "neger" sagen, zu ihrer moralischen entscheidung, wie sie schreiben, stehen würden und sagten, ja, rassistischer sprachgebrauch, das gefällt mir, das ist mein ding, das passt zu mir. dann könnte man nämlich mal die vor- und nachteile von rassismus diskutieren.

 

Also, damit endlich eine Ruh ist im Karton: Ich bin ein deutschnationaler Rassist (deutschnational deshalb, weil ich nicht nur "Neger" sage sondern auch "Tschechei").

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21X3938TXBL._SL500_AA300_.jpg

Obacht, was jetzt kommt ist ein knallharter rassistischer Filmausschnitt, nur 4 Minuten lang.

Und dann verweise ich mal auf den Begriff der Négritude.

 

Zur Political Correctness: Es gibt Internet-Foren, in denen kannst du aus technischen Gründen gar nicht über das Wort "Neger" diskutieren. Wo immer das Wort auftaucht, wird es automatisch durch "*****" ersetzt. Bei ebay fand ich einst diesen Satz: "Sie wohnen außerhalb unserer Lieferzo**? ***ne senden wir Ihnen die Ware per Post zu." Es hat eine Weile gedauert, bis ich kapiert hatte. Früher sind vornehme Leute beim Worte "Arsch" zusammengezuckt ("Er aber, sag's ihm, er kann mich im A.... lecken!“ stand früher in den Goethe-Ausgaben), heute sind es Bäh-Wörter wie eben "Neger" oder "Zigeuner".

 

Ciao

Wolfram

 

yo77 27.07.2012 | 22:09

"yo77. natürlich können sie sich selbst "mischling" nennen. das ist tatsächlich ihre sache. es geht bei dem, was "pc" vernebelt ja immer um die frage der sprecherposition. aber es ist nicht ihre sache, daraus ableiten zu wollen, dass das wort für andere kein problem darstellt - andere, die das wort nicht über sich sagen und auch nicht über sich gesagt haben wollen, haben doch das gleiche recht wie sie. wie sollte man dann entscheiden, wer recht hat? deshalb eben die sprecherposition: über mich kann ich alles mögliche sagen, aber was ich über andere sagen und andere über mich steht auf einem anderen blatt"

wenn es aber von der Sprecherposition abhängt, dann kann es ja gar nicht am Wort liegen und bedeutet die selben Wörter können verschieden konnotiert sein.

Das bedeutet aber dann schlußfolgernd auch, dass es tatsächlich möglich ist Mischling (oder Neger) zu sagen ohne dabei einen rassistischen Gedanken zu haben.

In ihrem Artikel aber steht das Wort wäre übel und die Verwendung zeuge von rassistischem Sprachgebrauch - genau das kann aber dann nicht stimmen wenn das Wort mal dies und mal das bedeutet und heißt: Nicht die Wörter die ein Mensch benutzt machen ihn zum Rassisten, sondern eine rassistische Gesinnung = allein aus den Wörtern ist keine allgemeingültige Regel herzustellen. Das aber will PC.

Und das ist wohl auch der Knackpunkt worauf ich und manch anderer hier beharren: Das ein Kommunikationsproblem -ein Empfänger versteht eine nicht beleidigend gemeinte ausgesendete Botschaft als beleidigend- durch PC zu einer Diffamierung uminterpretiert werden kann.

Und das dieser Diffamierung dann nur dadurch entgangen werden kann indem man sich eines politisch korrekten Sprachgebrauchs bedient.

PC in a nutshell- sich einem Zwang fügen müssen oder geächtet sein: Zu sagen manche fühlen sich beleidigt weil der Chef statt KollegInnen Kollegen geschrieben hat ist eben NICHT das gleiche wie zu sagen der Chef ist ein Sexist. Ersteres ist eine wertfreie Faktenbeschreibung. Letzeres eine üble Verleumdung wenn der Chef kein Sexist ist.

und auch wenn das jetzt etwas polemisch klingt, ein ernstgemeinter Gedanke:

Ist es nicht etwas rassistisch einem Ausländerkind wie mir das Recht zuzugestehen das Wort Mischling für mich zu benutzen, dieses Recht aber einem Arier grundsätzlich zu verweigern? Ist dieses nach genetischer oder räumlicher Herkunft privilegierende, selektiv einordnende nicht mit ein Punkt worauf Rassismus beruht?

Und wenn ich einem nicht ausländischen Freund dann erlaube mich Mischling zu nennen, aber jemand anderes fühlt sich dadurch beleidigt, darf er das dann nicht mehr? Könnte sich nicht jemand genauso beleidigt fühlen weil ich die ganze Zeit "verfluchte Scheiße" sage? Darf ich dass dann auch nichtmehr?

Damit will ich sagen: das ganze ist doch eher ein kommunikationswissenschaftliches und zwischenmenschliches als politisches Thema. PC macht es aber zu einer Gesinnungsfrage. und ihr Artikel meiner Meinung nach auch:

Dann gleichzeitig zu behaupten PC wäre kein Thema, kein Tabu und ein Mythos , obwohl in diesem Artikel geradezu Tabus aufgebaut werden, ist halt etwas unlogisch.ich persönlich fände es halt schade wenn mich ein interessierter nicht-Ausländer nicht traut zu fragen welche Gene ich in mir trage, nur weil er Angst hat dann als rassistisch abgestempelt zu werden.mich interessiert es ja auch beizeiten ob mein/e Gesprächspartner/in (diese /-schreibweise ist ziemlich umständlich) Afghane, Jude oder Jamaicaner ist.

g. 28.07.2012 | 06:38

„Geschummelt“ heißt, sie stellen nur die Hälfte des Problems dar. (und ja, ich kenne die „wortgeschichte/-verwendung/-rezeption“ des Wortes „Neger“, deshalb würde es mir nie einfallen, jemand so zu bezeichnen.)

Tugendbolde, Moralspacken, Kämpfer und Kämpferinnen über die Lufthoheit  treffen mal was einigermaßen Richtiges, mal was schrecklich Falsches, das hängt davon ab was sie gerade inbrünstig und wichtigtuerisch verfolgen. Mir ist das ein Gräuel, zumal Leute wie Poschardt oder Fleischhauer da ihr Anschauungsmaterial für ihre wüsten Attacken beziehen können.

DerMost 28.07.2012 | 06:41

"" Weil es aber plötzlich „PC“ gibt, darf man richtig „inkorrekt“ noch länger so tun, als wisse man davon nichts. Denn „politisch inkorrekt“ funktioniert wie ein Schutzanzug, der gegen das Wissen vom „falsch“ und eine dahingehende Kritik imprägniert.  ""

Schön, dass sich der Eine oder Andere auch sofort als Anschauungsbeispiel anbietet.Ich vermute mal, daß ein ausgewiesener Rassist auch Begriffe bevorzugt, die seiner Weltanschauung entsprechenoder sie hervorheben, im Alltag etwa.

Alle Anderen:

Für dieses scheinbare Problem gibt es auch eine ganz einfache Lösung : Die Afrikaner genauso wie die Asiaten , Europäer usw. bezeichnen, Hellhäutig/Weiss, Europäer, Deutscher/Pole/Engländer usw. , fertig.

Damit sollte eigentlich niemand ernsthaft überfordert sein...

Aber wie eingangs gesagt, man kann jetzt natürlich 3fach zuschlagen:

Man ist ganz gegen den Trend, "voll Pincorrect", kann seiner rassistischen Welteinteilung frönen, und dabei noch on-the-fly Beifall fürs mutige Benutzen von Begriffen, die schon zu Grossmutters Zeiten falsch waren, einheimsen.

Mister angebliches "Ausländerkind": Zunächst haben die 2 Wörter keineswegs denselben Hintergrund. Deshalb ist, was für das eine Wort gilt, nicht automatisch fürs andere gültig. Die nächste falsche Annahme ist, daß das Wort "Neger" auf einmal ohne Geschichte dastünde, abhängig vom dem Sprecher. Das passiert ja nicht. Die Beziehung zwischen Sprecher und dem Begriff aber unter Umständen.

An dem verlinktem Rap-Video kann man das beispielhaft sehen:

Hier jedoch nimmt der türkische Rapper dem Wort für einen Moment die bisher mitschwingende Verachtung und wandelt es zu einem positiven Prädikat um. Er erlebt dieses Wort für einen Moment als Auszeichnung, seiner ihm negativ gesinnten Umwelt zum Trotz. Aber eben nur er als Türke, in diesem einem Song.Der Begriff ist aber immer noch ein bekanntes Schimpfwort, von Deutschen häufig genug gegenüber Türken benutzt. Ein Deutscher hätte das so nicht rappen können, da er als Deutscher eben nicht diese Beziehung zu dem Wort hat.

Deswegen falsche Annahme nr. 2, was natürlich zu der ganz falschen Schlussfolgerung führt, dass die Wörter auf einmal eine andere Bedeutung hätten. Haben sie aber nicht. 

Desweiteren: Wenn man sachlich bleibt, gibt es eigentlich wenig, wo man sich Gedanken über "PC" macht, und das deutet der Artikel eigentlich an. Auch der "Chef" wird , wenn er Frauen UND Männer meint, sie auch gleichermaßen ansprechen, was zuallererst sachlich richtig wäre...lange bevor man ins Grübeln übe "PC" kommt.

yo77 28.07.2012 | 11:24

@dermost

Mister angebliches "Ausländerkind"

das"angeblich" ist irritierend weil es mir impliziert dass man bestimmte Positionen nur einnehmen darf wenn man Ausländerblut in sich trägt.was ja auch mit deiner Sexy Kanacke Begründung konform geht. das ist im übrigen ein Song von 1992, da war Rostock und Hyoerswerda noch täglich in den Zeitungen. in Rostock und Hoyerswerda war es den Leuten auch wichtig ob jemand ein Ausländer oder Ausländerkind ist oder nicht.

aber wenn es so interessiert: ich bin von facebook hergekommen, über einen Link zu diesem Artikel von Till Reiners, einem Künstler. Seine Verlinkung ist öffentlich. Klick da drauf, guck in die facebookkommentare, da hab ich den gleichen Kommentar geschrieben wie hier, guck dir mein Profilbild an, erkenne dass ich nicht deutsch ausschau oder schick mir meinetwegen eine Nachricht um herauszufinden dass wir dort und hier die gleiche Person sind wenn es dir oder jemand anderem so wichtig ist zu wissen ob ich wirklich ausländisches Blut in mir trage.

echte Auswirkungen von PC:

- mein Vater Jahrgang 41 soll sich anhören er wäre ein Rassist weil er das Wort Neger benutzt. jemand der 1963 in seinem deutschen Kuhdorf und dann auch noch in Japan gegen zwei Fronten argumentieren musste warum er sich keine deutsche Frau nimmt soll sich von irgendwelchen dahergelaufenen pseudointelektuellen anhören müssen dass er rassist ist. das ist doch lachhaft.

- das Leute einen Eiertanz darum machen wenn sie herausfinden wollen wer ich bin.

Für dieses scheinbare Problem gibt es auch eine ganz einfache Lösung : Die Afrikaner genauso wie die Asiaten , Europäer usw. bezeichnen, Hellhäutig/Weiss, Europäer, Deutscher/Pole/Engländer usw. , fertig.

das stellst du dir so einfach vor aberwas bin ich denn bitte? mutter japanerin, Vater Deutscher, geboren in München. Doppelpass bis 19, jetzt nur noch Deutscher. ich bin vor allem ein Mischling. denn ich bin meiner Meinung nach kein Asiate (China und Thailand und Japan sind nicht das gleiche und ein in Deutschland aufgewachsener mit japanischer Mutter ist meiner Meinung nach auch kein Asiate sondern asiatisch. bin ich dann ein deutscher Asiate oder ein asiatischer Deutscher? dreht sich das um wenn ich dann in Japan bin? was wenn ich mich selbst gar nicht als deutscher Asiate sehe sondern als Mischling? )

abgesehen davon:wenn mich jemand fragt "woher ich bin" meint er eigentlich "was ich bin". und das ist doch der politisch korrekte Eiertanz :nicht die Antwort, sondern dass es keine Möglichkeit gibt eine Frage so zu formulieren ohne dass PC-Leute ihren "der ist wahrscheinlich Rassist-Stempel" draufhauen. es ist aber nicht rassistisch zu bemerken dass der Gegenüber schwarze Haare, dunkle Haut oder blaue Augen hat.

zurück zu Sexy Kanake: das Lied ist von 1992 und war als Gegenbeispiel von einem vorherigen Kommentar dass Kanake immer ein Schimpfwort ist.und siehe da: ist es nicht. es ist für die einen Schimpfwort und für andere nicht.jetzt kommst du und sagst die können das machen weil sie Kanaken sind:

NEIN!

sie machen es weil sie Kanaken sind und weil sie motiviert sind es zu tun, aber können kann es auch jeder der nicht Rassist ist und Wörter in seinem nicht rassistischen Gesinnungskontext benutzt. Natürlich kann ein cleverer, nicht rassistischer weißer Europäer ein Gedicht schreiben indem er das Wort Kanake positiv umformuliert. ob andere sich dann beleidigt fühlen ist eine ganz andere Frage.Oder einen türkischen Freund mit "du alter Kanake" begrüßen oder eben auch mit "du altes Arschloch". Bedeutungen von Wörtern sind nicht starr! Und das nicht nur weil Kanake im Ursprung ein hawaianisches Wort ist das Mensch heißt.

und zu deiner Ausführung dass der Chef dann doch halt sachlich sein soll und das Wort Kolleginnen nicht unterschlagen: was wenn der Chef schluderig ist? durch PC ist er dann nicht mehr schluderig sondern ein SEXIST. das ist doch der Unterschied. das ist das destruktive und falsche an PC. 

PC ist eine Maske und wer sie sich nicht aufsetzt, auf den wird mit dem Finger gezeigt. es geht aber um das unter der Maske.

Matthias Dell 28.07.2012 | 11:50

(und ja, ich kenne die „wortgeschichte/-verwendung/-rezeption“ des Wortes „Neger“, deshalb würde es mir nie einfallen, jemand so zu bezeichnen.)

sie werden es nicht glauben, aber das freut, es ist ja nicht so verbreitet. was die hälfte angeht, aber hier werde ich wieder sehr müde, dass die tugendbolzen so leute wie fleischhauer dazu "zwingen", "inkorrekt" sein zu müssen, das ist eben die legende. fleischhauer hat seine kindheit nicht verkraftet, und dafür muss nun die gesellschaft herhalten, das ist doch traurig. wie kann man den linken vorwerfen, dass man sie nicht aushält, weil sie sich immer zum opfer machen müssen - um damit zu erklären, dass man selbst opfer davon ist und eben leider "aus versehen" konservativ werden muss. "aus versehen" - besser ist das prinzip der schlechtgewissigen diagonalkarriere nicht zu erklären. warum hat fleischhauer nicht die eier, sich selbst zu sagen, dass er gern dreireihige anzüge trägt und mit seinen geilen reichen freunden abhängt, warum muss er ein buch darüber schreiben, dass er dazu gezwungen wurde? so tugendbolzen wie der hakenkreuzplattenverlegerüberführer, den unser lieber freund yo77 da in seinem "news-stream" hatte - in welchem verhältnis steht deren öffentlichkeit zu fleischhauers möglichkeiten im spiegel und seiner buch-pr im fernsehen? wie relevant ist der "news-stream"? mich erinnert das immer an diesen "heimatkunde"-film von sonneborn, wo der in den wald rennt, um einen mann vor die kamera zu holen, der nackt irgendwelche indische gymnastik macht - der mann geht in den wald, um keinen auf den sack zu gehen, um allein nackt seine indische gymnastik zu machen, er schreibt nicht den "spiegel" voll, er sitzt in keiner fernsehsendung, und er schreibt auch kein buch darüber, wie toll er es findet, nackt im wald indische gymnastik zu machen. und dann kommt so ein sonneborn und zerrt ihn vor die kamera, um zu zeigen, was für ein spinner das ist. kann man natürlich alles machen, mir ist das nur eindeutig zu arm.

Matthias Dell 28.07.2012 | 12:02

respekt, mcsteed, da hab' ich mir eine schöne brezzn eingefahren im glauben, sie meinten was ernst. aber jetzt, da sie mich so schön auflaufen lassen haben, muss ich es natürlich zugeben: "PC" ist ein staatliches programm, das von spitzenvertretern der ig metall, des kgb und der cia am rande des rosewell-zwischenfalls verabredet wurde. dass die uni der werksstudentin schon bescheid wusste über die "kolleginnen"-anordnung, die firma aber noch nicht, liegt daran, dass es bei der verschickung der "kolleginnen"-doktrin (bei nicht-anwendung droht, wie yo77 zutreffend weiß, die verhängung der dafür eigens reaktivierten reichsacht) zu problemen kam: die bei der "pc"-umsetzung federführende george-orwell-abteilung im wirtschaftsministerium griff bei der zustellung erstmals teilweise auf einen privaten postdienstleister zurück, der leider pleite ging. die deutsche post, die jetzt das desaster aufarbeiten muss, ist bei der verschickung der liegengebliebenen befehle erst beim buchstaben E, die firma weiß also auch bald bescheid. alles weitere steht dann in den kennedy-akten, die ja irgendwann auch mal öffentlich werden. ansonsten: machen sie es sich der kürze wegen weiterhin in der schlichtheit bequem, sie werden da genug heinis finden, die ihnen zurecht recht geben. bleiben sie dran, sie sind auf der richtigen spur

DerMost 28.07.2012 | 20:09

@yo77

Wieso "echte Auswirkung von PC" ?

Das wenige, was dein Vater, Jahrgang 41, über Afrikaner gelernt hatte, war schon seinerzeit rassistisch verzerrt, siehe mein Beispiel aus den 80ern. Dies zu korrigieren hat nichts mit "PC" zu tun. Ob er in der Lage ist dazu und ob er freundlich oder sehr unfreundlich darauf hingewiesen wurde? Keine Ahnung. Ich kenn auch die ein oder andere ältere Person, die das noch sagt.  Es ist dann schon mal einfacher zu sagen, hör mal, das sagt man heute nicht mehr, oder aus Rücksicht auf das Alter das vorübergehend zu ignorieren. Geht natürlich nicht, wenn jm. z.B. ein öffentliches Amt einnimmt. Ich weiss ja auch nicht, ob seine Entscheidungen eben durch diese alte Sichtweise beeinflusst wird.

Für den vorgestellten Fall um den Begriff "Neger" stelle ich es mir tatsächlich so einfach vor. Es geht hier allerdings nur um den Augenschein: Der hat krause Haare und dunkle  Haut, also Vermutung afrikanischstämmig. Ganz einfach und genaueres kann man immer nachfragen, wenn es wichtig ist. Bei dir ist das nicht anders, falls du wie ein Asiate aussiehst. Erst durch nachfragen weiss ich, ob du ein japaner, deutscher oder etwas ganz anderes, unvermutetes bist, sei es herkunftsmässig oder auch dem Zugehörigkeitsgefühl entsprechend.

Wozu ich kein Recht habe, ist dir die Zugehörigkeit zum Deutschsein aufgrund deines asiatischen Aussehens zu verweigern, bzw. andersrum.

Schwarze Japaner könnten dir dazu auch was sagen ;)

Zusammenfassend gesagt : Im alltäglichen Umgang miteinander kann man durch ganz normale Höflichkeit und ein wenig Denkbereitschaft jede Irritation klären , die durch Nutzung von falschen Begriffen entstehen, oder vermeiden. Gegen Unwissenheit kann man gegebenfalls auch etwas tun, ohne gleich ein Studium einzuschlagen.

Wem das zuviel ist, dem erscheint das ganze natürlich als "PC" : irgendwelche sinnlosen Forderungen, wo doch immer alles ok war bisher.

Das "angeblich" nehme ich mal zurück, anfangs erschien mir der Kommentar zu sehr nach einem Troll zu riechen.

Asasello 28.07.2012 | 22:31
@ Wolfgang Gosejacob Was Begriffe wie "Migrationshintergrund" betrifft, so sind diese m.E. nicht das Ergebnis eines wie auch immer gearteten Diktats der "Political Correctness", sondern eher der Versuch, eine veränderte Realität in Worte zu fassen. Ich möchte ganz deutlich anmerken, dass ich kein Freund des Begriffs "Menschen mit Migrationshintergrund" bin, weil er sperrig und umständlich ist und zudem auch noch sehr gestelzt klingt. Andererseits fällt mir auch kein besserer ein. Denn es ist heutzutage eben nicht mehr so einfach, zwischen "Deutschen" und "Ausländern" zu unterscheiden wie vielleicht noch vor 50 Jahren. Denn in der Zwischenzeit sind Millionen von Menschen aus der Türkei, Griechenland, Italien, dem damaligen Jugoslawien und vielen weiteren Ländern eingewandert, sind hier geblieben und haben Kinder und Enkelkinder bekommen. Später kamen dann noch die Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion dazu, die man wegen ihrer deutschen Wurzeln ins Land gelassen hat. Und dann gibt es natürlich auch noch die hier im Forum schon angesprochenen "Mischlinge" (wer diesen Begriff für rassistisch hält, der beachte bitte die Anführungszeichen und betrachte sie als Distanzierungsmerkmal). Soll man Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind und zudem meist einen deutschen Pass haben, als "Ausländer" bezeichnen, nur weil ihre Eltern oder Großeltern in anderen Ländern geboren sind? Für neue Phänomene braucht der Mensch neue Begriffe. Wenn für den selben Sachverhalt ein besserer, treffenderer, prägnanterer oder schlicht wohlklingenderer Begriff erfunden wird, wird der alte durch den neuen ersetzt. Das ist ein ganz natürliches sprachwissenschaftliches Phänomen und hat weder etwas mit "PC" noch mit einem verurteilenswerten "Zeitgeist" zu tun. Es regt sich ja auch niemand darüber auf, dass Wörter wie "Internet" oder "Navi" heutzutage in aller Munde sind, die vor 20 oder 25 Jahren noch keiner kannte, weil das, was sie bezeichnen, noch nicht existierte oder zumindest noch nicht verbreitet war. Was den Begriff "Neger" betrifft (und da richte ich mich jetzt nicht nur an Herrn Gosejacob, sondern an alle, die sich dazu bekennen, dass sie diesen Begriff weiterhin benutzen und Wert darauf legen, dass sie trotzdem keine Rassisten sind): Ich halte die Diskussion darüber für ein merkwürdiges Scheingefecht. Natürlich: Wenn jemand diesen Begriff benutzt, weil er nicht weiß, dass dieser Begriff heutzutage in weiten Teilen der Bevölkerung als rassistisch gilt, dann ist dieser Mensch natürlich nicht unbedingt ein Rassist, sondern ein in diesem Punkt Unwissender. Ich frage mich aber: Wenn ich weiß, dass dieser Begriff als rassistisch konnotiert gilt, warum lege ich dann so großen Wert darauf, ihn trotzdem weiterhin zu benutzen? Warum mache ich mir dann freiwillig die Mühe, jedes Mal erklären zu müssen, dass ich kein Rassist bin, obwohl ich diesen Begriff benutze? Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe diesen Begriff auch lange benutzt und mir nichts dabei gedacht. In meiner Kindheit war er noch sehr verbreitet. Auch als ich wusste, dass viele den Begriff "Neger" für rassistisch halten, habe ich mir gedacht: "Wieso? Neger ist doch nur das lateinische Wort für "schwarz". Warum ist dann "Neger" rassistisch und "Schwarzer" nicht?" Aber dann hat mir mal jemand überzeugend erklärt, dass das Wort eine lange, unselige Geschichte hat, so wie es im Artikel heißt, eine Geschichte von Unterdrückung, Versklavung und Ermordung. Seitdem benutze ich diesen Begriff nicht mehr und habe nicht das Gefühl, mir damit einen Zacken aus der Krone gebrochen zu haben. Das Beispiel mit dem Wort "Arschloch", das jemand anders schon erwähnt hat, halte ich für durchaus treffend: Selbstverständlich kann ich nicht ausschließen, dass es irgendwo auf der Welt Menschen gibt, für die "Arschloch" keine Beleidigung, sondern ein Ausdruck von Anerkennung/Sympathie/Liebe/was auch immer ist. Aber: Ich tue mir selbst einen Gefallen, wenn ich zur Kenntnis nehme, dass es in der Gesellschaft, in der ich einen Großteil meines Lebens verbringe, den allermeisten Menschen als Beleidigung gilt und ich entsprechend vorsichtig damit umgehe. Natürlich steht es mir dann immer noch frei, die anderen als "Moralapostel", "Langweiler", "Weltverbesserer", "politisch Korrekte" oder was auch immer zu geißeln, weil sie "Arschloch" für eine Beleidigung halten und so gar nicht positiv darauf reagieren mögen, wenn ich einen von ihnen so bezeichne. Aber dann darf ich mich halt nicht wundern, wenn ich bald gesellschaftlich ziemlich im Abseits stehe. Irgendjemand in dieser Kommentarspalte (ich weiß nicht mehr wer, und es ist mir auch zu anstrengend, ihn aus der Masse langer Kommentare herauszusuchen) hat auch gemeint, die Reaktion von Politikern darauf, wenn jemand fordert, man müsse die Hartz IV-Sätze kürzen, sei ein Beweis dafür, dass es "PC" und ihre Anhänger gibt - jedenfalls wenn ich den Kommentar richtig interpretiere. Das habe ich überhaupt nicht verstanden. Wenn jemand fordert, man müsse den Hartz IV-Empfängern weniger Geld überweisen, warum soll ein Politiker dann nicht dagegen sein dürfen? Jedenfalls nicht, ohne sich unterstellen zu lassen, er sei nur deshalb dagegen, weil er ein Anhänger der "PC" ist? Ist es völlig undenkbar, dass es ganz sachliche und pragmatische Gründe gibt, die dagegen sprechen, die Hartz IV-Sätze zu kürzen? Ich dachte immer, es gehöre zum Wesen einer Demokratie, dass man unterschiedliche Ansichten vertritt. Ich persönlich stimme dem Artikel weitestgehend zu. Er spricht mir größtenteils aus der Seele. Wer mich deswegen als heimlichen "PC"-Anhänger entlarven möchte, der möge das tun. Allerdings sollte derjenige sich dann Gedanken darüber machen, ob er nicht doch eher dem Autor des Artikels und denen, die ihm zustimmen, in die Hände spielt, wenn er mit seiner Diskussionsführung genau die Kernaussagen des Artikels bestätigt. Insbesondere dann, wenn er zugibt, dass er den Artikel, gegen den er argumentieren möchte, nicht mal bis zum Ende durchgehalten hat (Ja, ich weiß, es könnte auch eine "die" sein).
g. 29.07.2012 | 06:30

„aber hier werde ich wieder sehr müde, dass die tugendbolzen so leute wie fleischhauer dazu "zwingen", "inkorrekt" sein zu müssen“

Herrje, nein, natürlich nicht. Fleischhauer inszeniert einen Popanz, um sein reaktionäres Gerede zu rechtfertigen. Da sind wir uns völlig einig.

Nur weichen Sie im Folgenden - und da sind wir wieder beim „schummeln“ - meines Erachtens dem Problem aus.

Na dann mal der Versuch einer Langfassung:

1. Ich teile die Einschätzung, dass Fleischhauer und Co. eine Diskursstrategie fahren mit Hilfe des Begriffs ‚PC’ emanzipatorische Positionen zu denunzieren und im Gegenzug sein ressentimentgesättigtes Geschwätz als „wahr“ zu lablen.

2. Es gibt ein Menge von Leuten, die unreflektiert mit Begriffen hantieren und denen ein etwas reflektierterer Umgang mit rassistisch konnotierten Begriffen anzuraten wäre. Um es mal höflich auszudrücken. 3. Es gibt auch genügend Leute, die in solchen Debatten die Sau rauslassen, die die Gelegenheit ergreifen, wieder mal ihren dumpfen Gefühlen freien Lauf zu lassen und Widerspruch mit dem Verweis auf ‚PC’ versuchen abzubügeln.

4. Wenn Sie schreiben, dass es „in der amerikanischen ‚PC’-Debatte auch gegen den „Einfluß ‚kontinentaler Philosophie‘, besonders französischer Dekonstruktion, ‚left Nietzscheans‘ (wie z.B. Foucault)“gehe, glaube ich das sofort. Ich vermute, dass der Eine oder Andere in den USA auch noch etwas von „unamerikanisch“ mit einstreut.

So weit, so richtig. Ich bin eben nur der Auffassung, dass Sie in einem Artikel über PC nicht nur – mal sehr redundant formuliert – über die ‚Anderen’ schreiben sollten. So zu tun als gäbe es das Phänomen, auf das der Kampfbegriff ‚PC’ rekurriert, nicht und so zu tun als bräuchte man sich damit nicht auseinandersetzen, weil es eh nur ein Kampfbegriff der Rechten ist, ist und das ist mein Punkt, eben nicht statthaft.

So, und weil sie doch tatsächlich schreiben „mir fällt niemand ein, der mich moralisch anpflaumte“ jetzt noch ein bischen Polemik.

Im Rahmen der Debatten um den Prozess eines leidlich bekannten Wettermoderators entblödete sich eine bekanntere deutsche Zeitschrift doch nicht das Wort „Unschuldsvermutung“ als Unwort des Jahres vorzuschlagen (und ja: ich weiß schon in welchem Zusammenhang und mit welcher Intention der Vorschlag kam. Ich will mir da keine Belehrungen anhören müssen.). Meines unmaßgeblichen Meinung nach wurden damit sämtliche Kinder aus allen Badewannen gekippt. Und erzählen Sie mir nicht, dass solche ins Kraut geschossenen Bewertungen nix mir ‚PC’ zu tun haben und erzählen Sie mir nicht, dass solche Aktionen nicht die Folie abgäben, auf der Leute wie Fleischhauer den Vorschein von Stimmigkeit für ihre Thesen bezögen.

Und damit sind wir noch lange nicht bei der Hardcore-Abteilung der Arschkrampenfraktion wie etwa den Tierrechtlern.

Und wenn bei Postings der Mädchenmannschaft hier auf Freitag.de der Punk abgeht, liegt das nur an den massenhaft auflaufenden „Männerrechtlern“? Alles Antifeministen, die die Thesen nicht ertragen können? Oder geht auch (ich betone: auch) der Punk ab, weil höchst heterogene Sachverhalte zu einem sauren, schwer verdaulichen Brei verarbeitet werden?

Bei solchen Debatten schlagen dann keine WächterInnen über Gutdenken und Richtigfühlen auf?

Ach und weil ich gerade dabei bin mich aufzuregen: Zum o.g. Punkt 4. Ich bin in der Tat der Meinung, dass Foucault und Proselyten (die Kategorie Geschlecht als reine Diskurserfindung) wahrscheinlich eben so viele Verheerungen in den Köpfen angerichtet hat wie Adornos Aufklärungskritik („Aufklärung ist totalitär.“)

Und wenn jetze noch einige Nichtverstehwoller hier aufschlagen, fange ich an Blondinenwitze zu erzählen.

 

(reine Neugierfrage: der Tritt ans Schienbein von Robert Gernhardt, bezieht er sich auf die „Endlich! Die Frauen werden wieder normal“-Affäre? )

fahrwax 29.07.2012 | 11:44

Sinn und Nutzen von Wort und Waffe erschließen sich nicht aus der bloßen Ansicht, sondern bestenfalls aus der Zielrichtung. Jeweilige Ergebnisse unterliegen zunächst der Beliebigkeit, also in Auge, Ohr und Kopf des Empfängers.

 Eine eindeutige Zuordnung des Wortes wäre nur auf der Grundlage einer festgelegten, gemeinsamen Bedeutung möglich. Vor dem Hintergrund unterschiedlichster Kulturen und daraus resultierender (mehr oder weniger gelungener) Sozialisationen ist dieser Anspruch lächerlich.

Weil also der gemeinsame Hintergrund fehlt, ist der Empfänger des Wortes immer auf Deutungen, Mutmaßungen angewiesen. Die jeweilige, persönliche Dekodierung eines Wortes beinhaltet unendliche Irrtumsmöglichkeiten, die sich - mit der Aneinanderkettung von Worten – zwangsläufig multipliziert.

Worte entfalten ihre Wirkung also immer erst im Kopf des Empfängers und verraten in seiner Reflektion zumindest soviel über seine Person, wie über die (mehr oder weniger gelungene) Zielrichtung des Aussendenden.

PC ist der Machtanspruch auf eine illegitime, Kommunikation behindernde Deutungshoheit.

goedzak 29.07.2012 | 15:36

Der Text beschreibt den ‚Mechanismus’ postmoderner Demagogie an einem treffend gewählten Beispiel. Diese Art Demagogie ist eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Instrument der Erringung der Diskurshoheit im Raum der politischen Kommunikation. Es ist schlicht gesagt ein Herrschaftsinstrument.

Die Vorgehensweise, einen Popanz aufbauen, den dann allen/allem anhängen, die/das man bekämpfen, unwirksam, unakteptabel machen will, lässt sich auch an vielen anderen Phänomenen beobachten. Beispiele wären etwa die Sprachregelung vom ‚linken Antisemitismus’, der als Kampfbegriff gegen Judenfeindlichkeit behauptet, aber als Waffe gegen die Linke benutzt wird, und der als Nebenwirkung den Analysebegriff ‚Antisemitismus’, ob gewollt oder nicht, desavouiert. Oder die Dekonotation des Begriffes ‚Feminismus’ mit der Bedeutung ‚Männerhass’ usw.

Der geschilderte Mechanismus wird aber bei Bedarf auch positiv eingesetzt. Nehmen wir das Wort ‚westlich’. Westliche Demokratie, westliche Werte, westliche Kultur usw., danach streben alle, ganz besonders die Östlichen, sagen jedenfalls die Erfinder des ‚Westlichen’. Und Griechenland, obschon EU- und Nato-Mitglied, ist seit neuestem nicht mehr westlich, sondern ‚südlich’...

 

 

PS: Besonders schön ist auch, dass der thread den Text hübsch illustriert. Gleich der erste Kommentar ist mein Liebling. Der ist schön kurz und sagt das selbe wie die ausufernd salbadernden anderen ‚Kritiker’ dieses Artikels.  

 

Asasello 29.07.2012 | 19:22

@ Wolfram Heinrich

Zum Thema "Neger": 

http://web.archive.org/web/20080126204919/lexikon.meyers.de/meyers/Neger

http://www.bpb.de/themen/B89NS4,0,0,Das_NWort.html

http://www.bpb.de/wissen/2IQNTS

Aufschlussreich finde ich in dem Zusammenhang auch folgendes Video, aber das ist natürlich Geschmacks-/Ansichtssache:

http://www.youtube.com/watch?v=kTrqX2QeV5A

Wie gesagt: Ich persönlich würde mich nicht gerne dem Verdacht aussetzen, Rassist zu sein, nur weil ich soviel Wert darauf lege, für alles eine "einfache, griffige" Bezeichnung zu haben. Aber das muss jeder selbst entscheiden.

Daniel Domeinski 30.07.2012 | 12:31

Ich kann zu dieser Problematik, "Verfolgung und die Kunst des Schreibens" von Leo Strauss, empfehlen. Nach Strauss gründet jedes Gemeinwesen auf einem Common Sense. Nur die Philosophen haben das Recht, diesen Common Sense zu hinterfragen. Ihre Erkenntnisse verbergen sie durch die Kunst der Rhetorik, in dem sie scheinbar Zugeständnisse an die Common Sense machen. Sie handeln so, um die soziale Stabilität zu gewährleisten und um sich vor Verfolgung durch die Massen zu schützen. Dass sich heute jeder berufen fühlt den Common Sense zu hinterfragen, wäre im strausschen Sinne ein Anzeichen für die Krise  unseres Gemeinwesen, das sich in Auflösung befindet.

anne mohnen 30.07.2012 | 19:56

Lieber Mathias Dell,

erst Mal: Chapeau für Sie und den Co-Autor . Ihnen ist ein wunderbarer Text gelungen!

 

Ich habe einmal versucht darüber nachzudenken, was sich aus philosophischer Sicht zum Thema sagen ließe.  Ich meine dieser Terror und Gegenterror von politisch korrekter Rede, der ja ein alter Hut ist, 1990 hin oder her. Es geht doch um Vorurteile, Durchsetzen von Einstellungen (Psychologie), Sortierung der Wirklichkeit, Zurechtstutzen von Anderem. DAS   führt mich zum alten Wittgenstein, sozusagen fluchtlinienmäßig: Wittgensteins Interesse, philosophische Verwirrung zu beheben. Sein Programm für den Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel der Sprache (PhU, § 109) fällt mir dazu ein.

 

In den Philosophischen Untersuchungen lässt Wittgenstein  die These fallen, es gebe eine wissenschaftliche, resp. vernünftige  Sprache; an ihre  Stelle setzt er  die These, die Sprache bestehe aus einer Vielzahl von verschiedenen oft aufeinander wirkenden Sprachspielen, denen jedes seiner  eigenen „Grammatik“, den Regeln seines Gebrauchs folgt:  Das Wort Grammatik hat hier und bei Wittgenstein nichts mit Schulgrammatik zu tun und ihren Begriffen Subjekt, Prädikat, Nomen, Verbum, Adjektivum usw. zu schaffen. Diese Klassifizierung hielt Wittgenstein für wenig erhellend. Gemeint ist vielmehr eine Art Tiefengrammatik oder die einer Sprache zugrunde liegende Logik.

„Ich werden auch das Ganze: der Sprache und der Tätigkeiten, mit denen sie erworben ist, das >Sprachspiel> nennen.“ (PhU § 7)

Mithilfe detaillierter >beschreibender< Studien des  >Hinzunehmens<, des Gegebenen< versucht Wittgenstein zu erklären, wie man den >richtigen Gebrauch< verschiedener Ausdrücke innerhalb eines gesellschaftlich festgelegten Sprachspiels oder einer Lebensform erwirbt; indem man den richtigen Gebrauch  erlernt, lernt man die Regeln des Spiels, in dem die Ausdrücke auftreten.

Die Sprache wird ihre Grenzen überschreiten oder <feiern<, Wittgenstein zufolge, wenn bestimmte Arten von Ausdrücken außerhalb ihres eigentlichen Feldes gebraucht werden. ). Ich meine das gleiche gilt natürlich für die Dichtung oder die Literatur.

 

So verlegt sich die philosophische Kritik darauf zu zeigen, wie die Sprache von ihrem richtigen Platz abschweifen kann, um sie dann in ihren angemessenen Platz zurückzuversetzen. >Eine meiner wichtigsten Methoden ist es, mit den historischen Gang der Entwicklung unserer Gedanken anders vorzustellen, als er in Wirklichkeit war. Tut man das, so zeigt sich uns das Problem von der ganzen Seite.> (VB, 77) Der Fehler, so Wittgenstein, liege in der Annahme, verschiedene Sprachspiele müssten den Kriterien eines einzigen Sprachspiels von allerhöchster Autorität genügen – nämlich der Rationalität und Vernünftigkeit?

Etliche Nachfolger sind dann hingegangen und haben  angenommen, jeder Teilbereich der Wirklichkeit –Jurisprudenz, Geschichte, Logik, Ethik, Politik etc. – habe eine eigene besondere Grammatik oder Logik. Auf dem Hintergrund  der Annahme die besonderen Grammatiken durchmischten sich und führten zu Verwirrung entstanden dann Bücher mit dem Titel:  Der Wortschatz der Politik, Die Logik historischer Erklärungen, Die Sprache der Erziehung,  Glaube und Logik usw. und so fort.

Wittgenstein hat diese Entwicklung nicht intendiert; sie ist eher eine Fehlzündung.  Das liegt daran, dass er keine Erklärung bietet für den historischen Wandel von Begriffssystemen, Reichweite und Grenze von Sprachspielen und Lebensformen, Entscheidungsprozesse, Regelbefolgung, die Aufgabe der Philosophie etc.

Ihre wichtigste Aufgabe gewinnt sie in seiner Diskussion der Religion. In einem Kommentar zu seiner Spätphilosophie bemerkte er: „ Ihr Vorteil liegt im folgenden: Wenn man etwa Spinoza oder Kant Glauben schenkt, gerät man in Widerspruch mit dem religiösen Glauben. Wenn man mir Glauben schenkt, geschieht nichts derartiges.“

Natürlich geht es Wittgenstein nicht um Bestätigung  von Religion. Was er aber meint, ist, dass Kritik nicht die genuine Aufgabe von Philosophie qua Philosoph ist. Indem er die Arbeit des Philosophen fokussiert auf die Beschreibung verschiedener Begriffsrahmen, zerreißt er den Strang der philosophischen Tradition ab, die mit dem Namen Spinoza, Hume, Rousseau, Kant – und unter Wittgensteins Zeitgenossen – mit dem Namen Russel verbunden sind. Alle diese Denker forderten, der Philosoph müsse eine radikale Kritik an allen grundlegenden Kategorien unternehmen, alle diese Denker meinten, darin bestünde seine wesentliche Aufgabe.  

Wittgenstein leugnet nicht etwa, dass z.B. Religionen entstehen und vergehen oder nicht kritisiert werden dürfen. Er verwahrt sich nur dagegen, dass der Philosoph sich anschickt, die  in Gang zu setzen.

Ist das nun alles ein Bekenntnis zur Restauration oder  Regression? Wohl kaum! Lässt sich unter so einer Einstellung  gemütlich mal korrekt, mal inkorrekt sein“?

In den Untersuchungen und anderswo schlüpft Wittgenstein in der Auseinandersetzung mit der Religion oder anderen Lebensformen in die Rolle des Anthropologen oder des „Forschers in ein(em) unbekannten Land mit gänzlich anderer Sprache> (PhU § 206), und er räumt ein, dass die Bewohner eines solchen Landes zwar eine Sprache ausgebildet haben könnten und „gewöhnliche Menschliche Tätigkeiten verrichten(…) versuchen wir aber, ihre Sprache zu erlernen, so finden wir, daß es unmöglich ist.“ (PhU § 207).Was er über einen Stamm dieser Art sagt, könnte man über eine Reihe gegenwärtiger Formen des Christentums sagen, oder über Autoren, die sich - wie Martin Waser - damit auseinandersetzen, sagen: „ Es besteht nämlich bei ihnen kein regelmäßiger Zusammenhang des Gesprochenen, der Laut, mit Handlungen; dennoch aber sind die Laute nicht überflüssig.“ (PhU § 207).

Ich meine, nachdem ich das Büchlein von Walser gelesen habe Über Rechtfertigung. Eine Versuchung, verstehe ich die ultimative Lobhudelei (von Löwenstein, Dorn etc.) so wenig wie die Kritiker, die dem alten Mann unterstellen, salopp formuliert, jetzt, wo ihm der Tod im Nacken säße, habe er quasi Gott vor Augen, verhalte er sich queer zu seinem Werk, eben   ganz inkorrekt

Ich meine, selbst, wenn ich z.B. Walser verstanden hätte, ich sogar die Möglichkeit bekäme, dass er mir seine Gedanken vor mir entfaltete, so hielte ich auch dann noch wechselseitiges Nichtverstehen noch für möglich.

„(…) ein Mensch kann für einen anderen ein völliges Rätsel sein; das erfährt man, wenn man in ein fremdes Land fährt mit gänzlich anderen Traditionen kommt;  und zwar auch dann, wenn man die Sprache des Landes Beherrscht. Man versteht die Leute nicht. (Und nicht darum, weil man nicht weiß, was sie zu sich selbst sprechen). Wir können uns nicht in sie hineinfinden.“ (PhU, 536)

 

Ich meine, das Phänomen der Political Correctness und sein Widerpart kommt ja gerne im Gewande der Kritik daher, jedoch, um nicht selten, fremdenLebensformen  mit den Regeln der eigenen Gesellschaft gegenüberzutreten und sich mit den eigenen, ungeprüften Kriterien  der Vernünftigkeit zu näheren.

Bei der Begegnung mit einer fremden Lebensweise muss man die eignen Vernünftigkeitskriterien zwar im Auge behalten und zugleich die Vernünftigkeitskriterien erkunden, die in der fremden Lebensform verkörpert sind, dass fängt ja schon beim anderen Menschen an.  Wenn diese Meinung , bereits als Unterminierung von Vernunft aufzufassen ist, dann ist das nicht falsch! Und ich schicke mich nicht an das zu widerlegen.  

Ich meine die Ursache des Terrors von PC ist das Durchsetzen einer Einheitsgrammatik mit der sich alles leicht durchdeklinieren lässt.  Am Ende regiert die Langeweile und Kritik verkommt zum Getöse. Herrschaftskritik bleibt somit aus. Wie auch zu fragen wäre, ob das Phänomen nicht  längst Teil einer konservierenden politischen Haltung ist.

 

Daniel Domeinski 30.07.2012 | 21:35

Ich möchte betonen, dass die PC-PI Problematik keineswegs nur etwas mit Sprachregelungen zu tun haben. Diese Sprachregelungen sollen letztendlich auch ein besseres miteinander ermöglichen. Die politische Rechte vermutet hinter der linksliberalen PC, eine Mentalität, die die Wehrhaftigkeit des Gemeinswesens gegenüber dem Fremden untergräbt und damit die  Identität der Nation und der europäischen Kultur gefährdet. Von linksradikaler Seite wird die liberale PC ebenfalls attackiert, weil sie oft als Feigenblatt für kapitalistische Transformationspolitik daher kommt. Für Gender und Gay Rights in den Krieg zu ziehen, klingt natürlich humaner als irgendein geostrategisches Interesse. Es geht also um die grundsätzliche, urpolitische Frage, wie und unter welchen Voraussetzungen unser Gemeinwesen organisiert werden soll. Daher kam meine These, dass PC-PI nur eine Neuauflage für den guten alten Common Sense ist.

Wolfram Heinrich 31.07.2012 | 08:15

@Tralfamadorianer

Was stellst Du Dir unter einem vorbereiteten Link denn vor?

 

Darunter stelle ich mir vor, daß vor dem Link mehr oder weniger ausführlich dargelegt wird, um was es in dem Link geht. Noch besser ist es natürlich, man bringt die im Link versteckte Argumentation selber, ob nun zitierend oder referierend. Der Link dient dann nur noch als Beleg.

 

Und: Inwiefern tragen Deine Komiker-Videos zur Debatte bei? Der Zusammenhang erschließt sich mir nicht so ganz.

 

Der Ausschnitt aus dem Otto-Film von 1982 zeigt, wie locker man vor dreißig Jahren noch mit dem N-Wort umging. Und erzähl mir jetzt nicht, die Szene sei diskriminierend oder rassistisch.

 

Ciao

Wolfram

 

yo77 31.07.2012 | 09:10

Wenn ich weiß, dass dieser Begriff als rassistisch konnotiert gilt, warum lege ich dann so großen Wert darauf, ihn trotzdem weiterhin zu benutzen? Warum mache ich mir dann freiwillig die Mühe, jedes Mal erklären zu müssen, dass ich kein Rassist bin, obwohl ich diesen Begriff benutze?

Manche Leute sind halt einfach allergisch gegen Dinge die für sie Unsinn sind.Wenn jemand für sich selber weiß, dass er kein Rassist ist, warum sollte er es dann für nötig halten seine Sprache zu verändern bzw. Warum sollte man sich als etwas verkleiden das man schon ist? Letzlich ist es eine Forderung nach Gleichschaltung. Da reagieren manche halt doppelt allergisch. 

wer nicht rassistisch sprechen wollen, lässt diese wörter sein, auch wenn sie in der eigenen kindheit unschuldig gemeint sein mögen oder was auch immer. wenn man respekt hat vor menschen, die damit gemeint sein sollen, dann würde man deren einwände vielleicht auch mal zulassen.

Ich versteh ihren pragmatisch auf ein Allgemeinwohl hinzielenden Gedanken, aber es ist doch nicht das gleiche ob man jemand ist der sich nicht drum schert was eine selbsternannte Sprachinstanz  durchsetzen will, oder ob man ein Rassist ist. Letzteres ist, jedenfalls in meiner Welt, viel schlimmer.

Opa A ist kein Rassist und sagt Neger weil er stur auf seinen Sprachgebrauch beharrt.Skinhead Z ist ein Rassist und sagt Neger weil er Schwarze brennen sehen will. Ist es denn wirklich so schwer verständlich warum Opa A und Skinhead Z einfach nicht in den gleichen Topf gehören und dass das Postulat starrer Begriffe nur einen einzigen Topf hat! Es unterscheidet nicht nachdem ob Leute was gegen Ausländer haben, sondern ob sie bestimmte Wörter benutzen.

Und wenn sie sich fragen warum es so wichtig ist zwischen Arschloch und Rassist zu unterscheiden, dann nehmen sie einfach mal an, dass es Leute gibt die würden in einer brenzligen Situation einem Arschloch aus dem Weg gehen aber einem Rassisten gegen den Kehlkopf schlagen. 

DERMOST@yo77

Wieso "echte Auswirkung von PC" ?

ca.5000 Euro Umbaukosten für eine Tablett-Ausgabe damit sie irgendwen nichtmehr an ein Hakenkreuz erinnert sind für mich "echte Auswirkungen von PC"

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Spott-ueber-Hakenkreuz-in-der-Mensa-id20376736.html

Das wenige, was dein Vater, Jahrgang 41, über Afrikaner gelernt hatte, war schon seinerzeit rassistisch verzerrt.

Mutmaßung. 10 kleine Negerlein macht Kinder nicht rassistisch.

@matthias dell

passen sie auf sich auf, wo sie doch geächtet sind – das kann bös ausgehen, wenn ein kopfgeldjäger dringend geld braucht in diesen zeiten.

Der Satz wär wahrscheinlich lustiger wenn er A) nicht so von oben herablassend und B) lustig wär.

Das einzig zum lachen daran ist, dass sie anscheinend glauben ich hätte die Sorge für rassistisch gehalten zu werden, wenn meine Sorge dann doch eher ist dass mein Neffe in der S-Bahn sitzt wenn 4 Skinheads einsteigen. 

und schauen sie den leuten weiterhin unter die maske (wie auch immer das geht).

Sowas findet man aber nur durch Kontext heraus.

wenn sie es unbedingt glauben wollen, dann glauben sie es halt.

ich interpretier das mal als weiße Fahne. 

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