merdeister
09.02.2012 | 13:00 34

Homöopathie und Ich II - Suche bei Samuel

[Alle Texte der Serie werden hier, der Reihe nach, gesammelt veröffentlicht, damit man sie gesammelt lesen kann.]

Im ersten Teil habe ich einige Stationen des Weges aufgezeigt, der mich dahin geführt hat, wo ich nun stehe und der dazu geführt hat, dass ich mich mit Homöopathie und Alternativmedizin beschäftige. Mein Weg begann, wir erinnern uns, damit, dass ich jemanden ärgern wollte.

Um Homöopathie zu verstehen, dachte ich, ist es am besten, die Gedanken ihres Gründers zu nachzuvollziehen: Samuel Hahnemann. In Anbetracht seines Todes und ganz praktischen Problemen mit der Streichholztheorie nahm ich mir seine Schriften vor und fand "Allopathie: Ein Wort der Warnung an Kranke jeder Art" hilfreich. Dort schreibt Hahnemann, und jeder Zeile ist seine Verzweiflung anzumerken, über die schädlichen Methoden der "Medizin alter Schule", dort würden nur Symptome behandelt und bei der Verabreichung von Arzneien fehle Systematik. Er schreibt, Ärzte der "alten Schule" suchten nicht nach dem "Urgrund" einer Erkrankung, sonder stümperten nur mit "Pfuschkuren" herum.

Damals, 1831, hätte ich Homöopathie fast jeder "Medizin alter Schule" vorgezogen und wärewahrscheinlich gut damit gefahren. Doch obwohl Hahnemann ein guter und kritischer Beobachter war, blieb er auch immer Kind seiner Zeit. Er schreibt von einer Lebenskraft, von Psora und Miasmen. Das sind heute weitgehend aus der Medizin verschwundene Begriffe, weil sie nicht mehr benötigt werden. Rudolf Virchow und Robert Koch haben, unter vielen anderen, dafür gesorgt. Es handelt sich also bei Miasmen, Lebenskraft und Psora um seit fast 200 Jahren überholte Konzepte. Doch Hahnemann könnte noch heute auf der Stelle Homöopath werden, gäbe es nicht das Streichholzproblem. Koch und Virchow müssten vorher nochmal 6 Jahre zur Uni gehen.

Nach der Hahnemannlektüre machte ich mich auf die Suche nach Aktuellerem und traf unweigerlich auf Edzard Ernst, einen emeritierten Professor für Alternativmedizin der Universität Exeter. Der sagt, in über 10 Jahren Forschung habe er keinen Hinweis auf eine Wirkung der Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus feststellen können. Im Lancet war 2005 eine Metaanalyse erschienen, deren Aussage das bestätigte, nicht die erste ihrer Art. Im Editoral war das Ende der Homöopathie bereits ausgerufen worden, bevor ich überhaupt wusste, worum es sich dabei handelt. Das Streichholz der Homöopathie erweist sich als sehr langlebig.

Die Augen aus dem Kopf sind mir dann gefallen, als ich den Donnerreport las. Dort beschreibt Fritz Donner, ein Homöopath alter Schule, wie 1936-'39 versucht wurde, Homöopathie zu belegen, wobei es erst einmal darum ging, ihr ein Fundament zu verschaffen. Die Arzneitmittelbilder, welche die Grundlage der homöopathischen Behandlung bilden, sollten bestätigt werden. Doch es zeigte sich, dass es im Grunde egal war, ob man den Menschen Placebos oder echte Homöopathie gab. Wichtig waren die Informationen, die ihnen zu den Mitteln gegeben wurde. Fritz Donner, der bis zu seinem Lebensende Homöopath war, gab dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte DZVhÄ den Auftrag, sein Werk fortzusetzen und die Homöopathie systematisch zu erforschen.

Nach allem, was ich bisher gelernt hatte, war ich wirklich erstaunt, eine nicht kleine Anzahl von Ärzten zu finden, die noch mit Begriffen wie Psora, Miasmen und Lebenskraft hantieren. Als ich diese Begriffe in einen Kongressbericht las, wurde mir anders. Dort ging es um die Behandlung "schwerer Pathologien", unter anderem Homöopathie bei Krebs. Vor allem ein Zitat fiel mir dabei ins Auge. Das Prinzip homöopathischer Krebsbehandlung, hieß es dort, ließe sich mit folgenden Worte Emil Schlegels (1852 - 1934) zusammenfassen:

„Leidende (...) müssen sich auf die Behandlung in vollem Maße geistig einlassen. Sie dürfen absolut nicht an die Unheilbarkeit des Zustandes glauben; auch ist ihnen nicht damit gedient, dass sie nur Linderungsmittel verlangen, es muss mit Entschlossenheit und Hingabe eine volle Heilung angestrebt und betrieben werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass auch in scheinbar hoffnungslosen Fällen doch überraschende Wendungen eintreten können, niemals aber lässt sich bestimmt vorhersagen, was noch möglich ist.“

Die Entwicklung der Palliativmedizin scheint an den Autoren vorbeigegangen zu sein. Für mich steckt in diesem Satz wenig Menschlichkeit, um es höflich auszudrücken. Vor dem in diesem Satz ausgedrückten Menschenbild graust es mir. Patriachalisches, magisches Denken mit der Begründung für einen Misserfolg immer inklusive: Die erkrankte Person hat es im (Ur)grunde nicht anders gewollt.

Obwohl sich Homöopathen noch an seit Jahrhunderten veralteten Begriffen festhalten, fand ich immer wieder einen modernen Begriff, den sie unter ihre Fittiche genommen haben. So auch in diesem Kongressbericht.

"Stark reduziert bedeutet die Newton’sche Gesetzmäßigkeit 'Wenn ... dann ...', die Quantengesetzmäßigkeit 'Alles ist möglich.' Es ist auch ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass diese Reduktion weder auf eine 'Zwangsläufigkeit' noch auf eine 'Beliebigkeit' hinausläuft."

Ich frage mich häufiger, was Hahnemann wohl zur Homöopathie im 21. Jahrhundert sagen würde, lag ihm doch, wie auf der Site der Emil Schlegel Klinik zu lesen ist, daran, die "ärztliche Praxis auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen." Von Quanten hat er nichts geschrieben.

Wie wichtig eine wissenschaftliche Grundlage ist, dämmerte mir jeden Tag während eines Praktikums im Krankenhaus, als ich Kollegen und mich beobachtete. Die Beschäftigung mit der Homöopathie hatte mir gezeigt, wie leicht es ist, sich selbst in Sicherheit zu wiegen, wenn man der Meinung ist, Nützliches zu tun. Jede Pille die ich verschreibe, muss ich hinterfragen und werde doch, weil ich ein Mensch bin, eher davon ausgehen, meine Pille und nicht irgendetwas anderes habe geholfen. Ohne Wissenschaft sind Ärzte, wenn nicht blind, so doch sehr kurzsichtig. In einer gewissen Art macht mich dieses Wissen demütig, denn mir wird immer klarer: Ohne die Arbeit 1000er Frauen und Männer vor mir wäre all mein Wille, der Gesundheit meiner Mitmenschen zu nutzen, sinnlos. Ich will kein erloschenes Streichholz in der Hand halten und behaupten, es würde brennen.

Im nächsten Teil geht es um eine weitere Entdeckung, die ich gemacht habe und darum, was andere von Homöopathie halten.

Kommentare (34)

goedzak 09.02.2012 | 15:49

Merdeister, wenn Du mal hier in der Gegend sein solltest, könnte ja vorkommen, dann lade ich Dich ein, mit mir einen der wichtigsten Ursprungsorte der jüngeren deutschen Kultur- und Geistesgeschichte zu besuchen: Kuh-Köthen!

Samuel Hahnemann lebte in K. die längste Zeit seines Erwachsenenlebens, da konnten Paris und Leipzig nicht mithalten; Bach, hat sich in K. für Leipzig qualifiziert. Und dann gibt es da noch den Herrn Johann Friedrich Naumann, den Begründer der Ornithologie.

Köthen hat 28.710 Einwohner und jeder der genannten drei weltberühmten Herren besitzt ein eigenes Museum. Außerdem gibt es hier die Europäischen Bibliothek für Homöopathie, jawohl!

"Die Stadt Köthen (Anhalt) wirkte als eine von 18 Städten an der Internationalen Bauausstellung STADTUMBAU Sachsen-Anhalt 2010 (IBA) mit dem Konzept >Homöopathie als Entwicklungskraft> mit."

"Das Naumann Museum ist das einzige ornithologiegeschichtliche Museum der Welt. Die Exposition zeigt unter anderem die Geschichte der Buchillustration, die Geschichte der Präparation, der Vogelberingung und des Vogelschutzes weltweit."

Ist das verlockend?

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Ehemaliger Nutzer 09.02.2012 | 16:25

goedzak schrieb am 09.02.2012 um 14:49

WAS? Du lockst ihn zu Vögeln ins Museum?

merdeister, lass Dich nicht verführen, goedzak ist einAgent, der seine Opfer mit Salzgurken in Wodkasauce einlullt, die direkt von hinter dem URAL importiert werden!

Das alles erweckt zwar den Anschein von Legalität, da er die Warensendungen verzollt und versteuert ... hinter allem steht jetzt jjedoch ein großes dickes

ABER ...

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wilfried-zupp 09.02.2012 | 18:05

@ merdeister,
Psora ist schon eines der von Hahnemann deklarierten Miasmen, das Konzept besteht auch heute noch, man nennt es nur anders: erbliche Belastung, Krankheitsdisposition, konstitutionelle Schwäche, Diathese, körperliches Reaktionsmuster....
Lebenskraft heisst heute Vitalkraft, Lebensenergie- ohne Lebenskraft ist der Mensch eine Leiche, heute wie damals- das ist keineswegs überholt- das sind biologische Realitäten.
Wer gründlich nachgelesen hat, setzt Psora nicht neben Miasma!
und Robert Koch anzuführen- den hat selbst Virchow nicht ernst genommen- kann man auch gründlich recherchieren...
Ne, teil EINS war besser, auch unterhaltsamer, jetzt wird's unscharf.
Herzlichst Wilfried Zupp

merdeister 09.02.2012 | 18:58

Ah ja, das mit der Psora muss ich dann wohl noch etwas umarbeiten. Ich fürchte, die nächsten Teile werden Ihnen noch weniger gefallen.

Zu Koch und Virchow. Virchow hat das Prinzip der Zellularpathologie zur Reife gebracht. Das besagt, alle Krankheiten gehen auf Veränderungen der Körperzellen zurück. Auf den ersten (und zweiten und dritten) Blick widerspricht die Mikrobiologie Kochs diesem Konzept, denn die besagt, Zellen von extern bringen die Krankheit in den Körper. Heute wissen wir, beide Therorien ergänzen sich. Die Mikroorganismen sorgen für Veränderungen in den Körperzellen.

Außerdem wurde in den Kommentaren unter dem ersten Teil auch ein Chemie-Nobelpreisträger mit verückten Ansichen zu HIV vorgestellt.

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wilfried-zupp 09.02.2012 | 20:07

@ merdeister
Hahnemann hat drei gesundheitliche "Ur-Übel" festgelegt: Psora, Syphilis und Sykose- das sind drei Krankheits- MODELLE ! und entsprechen nicht den "normalen " Krankheiten Psorias, Syphilis und Gonorrhoe- die drei genannten Krankheiten sind nur modellhaft für ähnliche chron. (sic) Verläufe charakteristisch- das ganze Miasmenmodell ist schwer zu verstehen, da scheitern auch seriöse Homöopathen.
Einfach ausgedrückt bedeutet Psora- chron. Krankheitverläufe mit Mangelerscheinungen, ein "Zu Wenig", Kälte, Hypotonie....
Sykose ist ein "Zuviel", Hypertonie, Hyperaktivität, warme Köpertemp., schnelles hastiges Sprechen, Warzen, Wucherungen...
Syphilis ist destruktiv: suizidale Neigungen, Organläsionen mit Ulzeration und Zerstörung.
Jedes Miasma ist mit einer besonderen Haut_ erkrankung verknüpft.... das ist ein weites Feld...
und das erstaunliche ist aber, man findet es in der Praxis wieder- dies Konzept ist biologisch relevant- kein theoretisches Gedankenspielchen Hahnemanns.
lieber merdeister, wenn Sie mehr als autobiographische Geschichten veröffentlichen wollen, sollten Sie besser und gewissenhafter recherchieren ( von echten praktischen Erfahrungen ganz zu schweigen) Es ist natürlich immer schwer, wenn ein Laie ein Fachgebiet interpretieren will - und klass. Homöopathie ist weiß Gott nicht einfach !
Ich würde auch nicht über Atomphysik referieren.
Und es ist natürlich ein Unterschied, ob man aus dem eigenen Erfahrungsschatz berichtet, oder wikipedia und ähnliche Info-Quellen heranzieht- das ist ein ganz großer Unterschied: teilweise eingefärbte Theorie, oder erlebte Realität- im Pflanzenbuch über Rosengewächse zu lesen oder in eine Apfel zu beißen ist etwas anderes.
L.G. W.Zupp

kay.kloetzer 09.02.2012 | 23:01

eine freundin schrieb mal, von magdeburg nach leipzig reisend: "köthen liegt hinter mir. wie so manches im leben." nun. und es gab eine wunderbare reportage über die stadt während eines homöopathie-kongresses. stand in "das magazin", glaube ich. finde es aber online nicht.
da konnten zwar "paris und leipzig nicht mithalten" (das verzeihe ich Dir nie, lieber goedzak!), aber hahnemanns grab ist trotzdem in paris. und bachs in leipzig. frage: wo wird das der homöopathie sein?

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wilfried-zupp 11.02.2012 | 16:12

seriöse Homöopathen geben in seltenen Fällen Placebo, um Patienten ein Gefühl von Kontinuität der Arzneigabe zu geben. Ein Paar Globuli und 3 Monate gar nichts (Hochpotenz im chron Fall), ist für Erstpatienten manchmal schwer auszuhalten. Sicher spielt da auch der Placeboeffekt mit, wird aber nicht gezielt eingesetzt.
Bei gut aufgeklärten, selbstsicheren Patienten ist das aber nicht notwendig.
W. Zupp

claudia 12.02.2012 | 08:16

>>…in über 10 Jahren Forschung habe er keinen Hinweis auf eine Wirkung der Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus feststellen können.
Das allein ist ja noch kein Fehler. Wenn es dem/der Patient/in besser geht, hat die Therapie einen wünschenwerten Erfolg erreicht.

Der „Placeboeffekt“ hat zu Unrecht einen schlechten Ruf. Für die Pharmaindustrie waren Heileffekte, die nicht einem bestimmten Wirkstoff zuzuordnen sind, ein lästiger Störfaktor. Deswegen musste die Doppelblindstudie entwickelt werden, um über haupt glaubhaft Heileffekte eines Medikamentes nachzuweisen.
Viele, aber nicht alle Krankheitsverläufe können sicher durch die Zuversicht, dass man wieder gesund wird, günstig beeinflusst werden. Eigentlich ist gute Stimmung ja ein anerkanntes Heilmittel. ;-)

Allerdings funktionierenLinderungs/Heileffekte ohne Wirkstoff nicht so:
„Jetzt gebe ich Ihnen ein Medikament, das keinerlei Wirkstoff enthält und bitte Sie um Zuversicht, dass ihnen das helfen wird.“
Es wurde ja in der Diskussion schon erwähnt, dass die Anregung der Selbstheilungskräfte ein Transportmittel braucht.

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Ich selbst habe auch ein alternatives Heilmittel entwickelt: Seit Jahrzehnten verschwinden "grippale Infekte" nach wenigen Tagen dadurch, dass ich mich für gesund halte und davon nicht weiter stören lasse. Bei einer Krebsdiagnose oder einem Knochenbruch würde ich das allerdings nicht wagen…

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@ g.
>>Ich denke bei diesem Thema ja immer mal wieder darüber nach, ob und wie man den Placeboeffekt denn fruchtbar machen kann.
Das sehe ich auch so.
Allerdings habe ich lange Zeit in der Pharmaindustrie gearbeitet. Dort war dieser Gedanke geradezu ketzerisch und ich hab auch kein grosses Thema draus gemacht, denn mein Gehalt war ganz ordentlich.

g. 12.02.2012 | 09:10

Liebe Claudia, ihre Selbstsuggestion („dass ich mich für gesund halte und davon nicht weiter stören lasse.“) wende ich mit wechselndem Erfolg ja auch an, meist unterstützt von alten Hausmitteln wie Lindenblüten u.ä. Dabei frage ich mich dann, ob die lindernde Wirkung schleimlösender Kräuter nicht einer der Faktoren ist, die die Selbstsuggestion erst so richtig wirken lassen? Das führt dann zu dem Gedanken, ob bei einigen Krankheiten durch solche Mischungen von Placeboeffekt mit symptomlindernden Mitteln auch bei ‚Ungläubigen’ Heilungen in Schwung gebracht werden können. Wenn man das weiter denkt, käme man zu Überlegungen wie denn die Medizinerausbildung so verändert werden könnte, das solche Heilmethoden stärker Raum gegeben werden könnte? Und weiter gedacht, natürlich zu der Frage, wie dies auch bei schweren Krankheiten zumindest unterstützend eingesetzt werden könnte? Na ja, da wird es dann zu einem Thema für aufgeweckte Ärzte und Pharmazeuten. Vielleicht hat merdeister ja irgendwann mal Lust, zusammenzutragen was es dazu Sinnvolles zu sagen gibt.

ed2murrow 12.02.2012 | 10:02

Phytotherapie ist NICHT Homöopathie. Einziger Berührungspunkt wäre (sic) die sog. Urtinktur, die so verwendet phytotherapeutisch einem Auszug entspricht. In der Homöopathie ist dagegen die sog. Urtinktur das Ausgangsprodukt für D oder C "Potenzen", bis von dem Ausgangswirkstoff nichts mehr enthalten ist. Das ist dann wie beim Eulenspiegel, wenn er behauptet, alleine vom Duft des Essens satt geworden zu sein.

Erkältungen (nicht Grippen) krieg ich ebenfalls selbst hin, meist in fünf Tagen, mit ärztlicher Hilfe in 120 Stunden. Bei (viral bedingter) Grippe funzt das nicht: Brutale Fieberschübe, schnell einsetzende Dehydrierungserscheinungen durch Schweiß und sonstige Aussonderungen erfordern alleine zum Schutz der Darmflora den Einsatz von Mitteln.. Das Eine vom anderen zu unterscheiden ist nicht leicht, weswegen Grippe landläufig ziemlich unterschätzt wird.

merdeister 12.02.2012 | 11:08

Vielleicht hat merdeister ja irgendwann mal Lust, zusammenzutragen was es dazu Sinnvolles zu sagen gibt.

Hat er. Ist in der Pipeline.

Bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit (Erkältung, Grippaler Infekt) nehme ich gerne Honig mit geschnittener Zwiebel, das hat meine Mutter bei uns auch schon gemacht. Und wenn einges Tages einer eine Studie macht, in der steht, dass es nicht wirkt, mach ich es trotzdem :-)

Gegen Grippe lasse ich mich impfen, darüber habe ich ja auch schon mal geschrieben.

Ich würde sagen, der Placeboeffekt ist das, was den Menschen zufrieden macht, bis er wieder gesund ist.

claudia 12.02.2012 | 14:25

>>Dabei frage ich mich dann, ob die lindernde Wirkung schleimlösender Kräuter nicht einer der Faktoren ist, die die Selbstsuggestion erst so richtig wirken lassen?
Da wirkt sicher Einiges zusammen: Schon der Duft der Lindenblüten bewirkt etwas, beim Trinken des Lindenblütentees kommen weitere Inhaltsstoffe zur Wirkung, und die "grippalen" (nicht Grippe-) Viren vertragen die hohe Temperatur des Tees nicht gut.
Wenn nicht nur die Nase läuft, sondern sich der Hals unangenehm anfühlt entwickle ich auch eine grosse Vorliebe für Heissgetränke.

Im Übrigen meine ich, dass das Immunsystem trainiert wird, wenn man sich viel unter Menschen aufhält, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln.

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>>Das Eine vom anderen zu unterscheiden ist nicht leicht, weswegen Grippe landläufig ziemlich unterschätzt wird.
So ist es.
Als mal die Körpertemperatur innert weniger Stunden auf 38,irgendwas anstieg bin ich auch lieber zum Arzt gegangen.

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>>Phytotherapie ist NICHT Homöopathie.
Man kann im Prinzip "Similia similibus curentur" sicher auch Pflanzen anwenden.

Aber klassische Heilpflanzen haben ihre Wirkung ohne "Potenzen".
Dabei ist oft nicht nur ein Einzelwirkstoff im Spiel, sondern das Zusammenwirken von vielen Inhaltsstoffen einer Pflanze. Ich würde mich also, wenn ich eine Heilpflanze benützen will, nicht auf einen isolierten "Hauptwirkstoff" verlassen, sondern lieber auf die ganze Pflanzendroge mit allen "Sekundärstoffen".

Nicht alle Heilpflanzen sind übrigens harmlos: Manche können bei falscher Dosierung tödlich wirken. Für die Anwendung Dieser braucht man einen phytotherapeutisch erfahrenen Behandler.

claudia 12.02.2012 | 14:50

>>Ich würde sagen, der Placeboeffekt ist das, was den Menschen zufrieden macht, bis er wieder gesund ist.
Und Zufriedenheit ist ja zweifellos günstiger für die Heilung als Unzufriedenheit. Also halte ich alles, was die Stimmung verbessern kann für ein Heilmittel.
Nur dass das alleine manchmal nicht ausreicht.

Eine Ärztin, die Praktikum in Tübingen machte, erzählte mal folgende Geschichte:
In Tü gibt es viele Winzer. Wenn so einer nach einem Unfall im Krankenhaus lag, brachte die Verwandtschaft immer Wein mit. Die Kollegen seien lange Zeit dagegen gewesen, dass die Leut in der Klinik Alkohol trinken. Es gabe sich aber herausgestellt, dass die Heilung besser verläuft, wenn sie täglich iht gewohntes Viertele schlotzen können.
Das beweist zwar nicht, dass man für die Heilung unbedingt Wein braucht. Aber wer den Wein gewohnt ist, fühlt sich nicht so gut, wenn er fehlt, und das ist offenbar schlecht für die Heilung.

claudia 12.02.2012 | 15:01

Oha, da fällt mir gerade etwas auf:
>>Bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit (Erkältung, Grippaler Infekt) nehme ich gerne Honig mit geschnittener Zwiebel, das hat meine Mutter bei uns auch schon gemacht.
Bewirken Zwiebeldämpfe in hoher Dosis nicht schnupfenähnliche Symptome: Die Nase läuft, die Augen tränen...?
Und niedriger dosiert ist das gut gegen Schnupfen?
Also doch Similia similibus curentur?
Nur eben nicht Zwiebel in C100-Potenz...

merdeister 12.02.2012 | 20:59

Symptome: Die Nase läuft, die Augen tränen...?
Und niedriger dosiert ist das gut gegen Schnupfen?
Also doch Similia similibus curentur?

Das hört sich eher nach Allergie an, und da wird Allium Cepa in der Homöopathie meines Wissens nach auch eingesetzt.

Mit einer laufenden Nase habe ich auch meist kein Problem, eher mit einer verstopften, dann kann ich nämlich nicht schlafen. Da wirken allerdings leicht körperliche Anstrengungen, die mich zum Schwitzen bringen, bei mir Wunder.

Und Zufriedenheit ist ja zweifellos günstiger für die Heilung als Unzufriedenheit. Also halte ich alles, was die Stimmung verbessern kann für ein Heilmittel.
Nur dass das alleine manchmal nicht ausreicht.

Es ist das alte: "Es kommt drauf an"
Wenn ich ein fleißiger Blogger bin, baue ich das in den Placebotext mit ein :-)