Michael Angele
05.02.2013 | 10:45 14

Es bleibt die Sozialdemokratie

20. Jahrhundert Als Bücher noch die Geschichte machten – das Vermächtnis des britischen Historikers Tony Judt liegt vor

Es bleibt die Sozialdemokratie

Tony Judt im April 2008

Foto: Lisa Carpenter/ The Guardian

Ein Buch mit dem Titel Nachdenken über das 20. Jahrhundert kann man leicht als Anachronismus abtun, es scheint aus einer Zeit zu stammen, in der Bücher wie Der Verrat im 20. Jahrhundert“ geschrieben wurden, mitten in jenem uralten Jahrhundert also. Es steht ferner zu befürchten, dass ein solches Nachdenken Bögen schlägt, die viel zu groß sind, um einen Leser klüger zu machen; ein Buch über Geschichte, mit anderen Worten, das zu sehr nach Helmut Schmidt und zu wenig nach Wolfgang Schivelbusch klingt.

Wäre sein Autor also nicht der 2010 verstorbene britische Großhistoriker Tony Judt, man würde es wohl links liegen lassen. Judt stand zwar immer ein wenig im Schatten der noch größeren britischen Großhistoriker Timothy Garton Ash und Eric Hobsbawm, er weckte aber die Neugierde einer breiten Öffentlichkeit durch seine scharfe Kritik an Israel und am US-amerikanischen Einmarsch im Irak nach 9/11. Wer, wie ich, in Büchern zuerst das Nachwort liest, stößt auf die dramatischen Umstände der Entstehung dieses Werks, das ab 2008 in Gesprächen mit seinem Kollegen Timothy Snyder zustande kam; kurz zuvor hatte Judt erfahren, dass er an einer schweren Nervenlähmung erkrankt war, an der er drei Jahre später sterben sollte. Wenige Wochen vor seinem Tod konnte er das Manuskript abschließen. Das Buch hat die Form eines langen Gesprächs bewahrt, in dem die Rollen klar verteilt sind, der jüngere Historiker befragt den älteren. Der Verlag spricht von einem „Vermächtnis“.

Kritik am Kommunismus

Nicht, dass der Eindruck des Unzeitgemäßen nach dem Lesen der gut 400 Seiten zerstreut wäre. Aber man versteht nun, was auf dem Spiel steht und vielleicht schon als Verlust verbucht werden muss. Das 20. Jahrhundert, das Judt zeichnet, ist nicht nur ein „Zeitalter der Extreme“ (Hobsbawm), es ist vor allem ein Zeitalter der Ideologien. Es sind Ideen, die den Lauf der Geschichte geprägt haben, und weil diese Ideen in Büchern zirkulierten, sind sie es, die Geschichte gemacht haben. Das geht schon aus seiner Dissertation hervor, die sich mit den französischen Sozialisten der zwanziger Jahre beschäftigte und deren „verbindende Bezugspunkte nicht nur aus einem gemeinsamen Ziel erwuchsen, sondern auch aus umfangreicher Lektüre“.

Das 20. Jahrhundert entspringt hier also weder den Bewegungen der Massen noch den Beharrungsmächten der Institutionen, sondern den Köpfen der Intellektuellen, und wenn Judt sich an Margaret Thatcher abarbeitet, betont er, dass sie zwar keine Intellektuelle war, sich aber von ihnen beraten ließ, namentlich vom Vater des Neoliberalismus, Friedrich August von Hayek.

Und noch etwas prägt dieses Buch: Tony Judt führt Historie und Individualgeschichte eng. Geboren wurde er 1948 im Londoner Eastend als Sohn jüdischer Eltern mit Wurzeln in Osteuropa. Tony hieß er nach einer Cousine, die in Auschwitz vergast wurde. „Ich wuchs also in der Welt auf, die Hitler uns hinterlassen hatte. (...) Ich wuchs heran und las und wurde Historiker und wohl so etwas wie ein Intellektueller.“ Noch bevor er in Cambridge studierte, wurde ihm der Marxismus von seinem Vater nahegebracht, als Jugendlicher las er eine gekürzte Fassung des Kapitals, aber auch Sonnenfinsternis, Arthur Koestlers Abrechnung mit dem Terror der Stalin-Zeit.

Judts Vater war indessen davon überzeugt, dass der Sowjetkommunismus nichts mit dem Marxismus zu tun habe; wie geläufig es war, den wahren Kommunismus von einem vermeintlichen zu unterscheiden, erfuhr Tony Judt noch, als er Ende der siebziger Jahre in Berkeley wider Willen Sozialgeschichte lehrte, die Studenten von ihm aber alles über Trotzki wissen wollten. Judt kritisiert am Kommunismus, dass er im Namen einer besseren Zukunft die größten Verbrechen entschuldigt, sie sogar als notwendig erscheinen lässt. Der Kommunismus als Heilsgeschichte, das ist nicht gerade originell, aber Judt will als Historiker auch gar nicht originell sein, sondern wahrhaftig.

Was bleibt, die Sozialdemokratie

Wer einer Ideologie aus einer Erfahrung heraus abschwört, gilt als besonders glaubhaft, dennoch zögert man, Judt einen Renegaten zu nennen, dazu fehlt ihm das Eiferische, aber auch die leibhaftige Erfahrung. Aus nächster Nähe erlebte er dann die Studentenrevolte in Paris, aber ein 68er wurde er ebenso wenig wie ein Anti-68er. Er wurde auch kein Zionist, obwohl er als Jugendlicher begeistert in einem Kibbuz gearbeitet hatte, und er wurde natürlich erst recht kein Rechter, obwohl er sie für die oft geistreicheren Schriftsteller hält. Was bleibt: die Sozialdemokratie. In ihrem Geist forderte er eine neue Moral, einen neuen Gerechtigkeitssinn (siehe wwalkie: „Welfare statt Illfare. Das Vermächtnis Tony Judts“ auf freitag.de)

Hinzu kam früh schon eine Begeisterung für Osteuropa, die durch akademische und amouröse Bekanntschaften geweckt wurde, aber es ist für ihn nicht das geringste Motiv, dass der Vater aus Warschau stammte und er hier eine Lebenslinie durchs Jahrhundert weiterziehen konnte. Tony Judt interessierte sich für Polen und die Tschechoslowakei zu einer Zeit, als das nicht en vogue war. Past Imperfect, sein Buch über die verwunderliche Sowjetfreundlichkeit der französischen Linken, war gleichsam aus der Sicht eines Charta-77-Sympathisanten geschrieben. Es kam nicht sehr gut an.

Einmal mehr wurde Tony Judt in die Rolle des Außenseiters gedrängt, eine Rolle, die er offenkundig ganz gerne einnahm und sich dabei in bester Gesellschaft fühlte. Er sah es als seine Aufgabe, die „unsichtbare Geschichte“ dieser Außenseiter ans Licht zu heben. Evident, dass sein Judentum dabei eine Rolle spielte, seine rabiate Kritik an Israel, die bis zum Vorwurf geht, der Staat würde den Holocaust gegen seine Kritiker instrumentalisieren, machte ihn hier sogar zum doppelten Außenseiter; aber Außenseiter konnten in seinen Augen sogar Staatsmänner und -frauen wie Thatcher oder Winston Churchill sein.

Auch diese Emphase für den Außenseiter macht das Buch zu einem des 20. Jahrhunderts. Aber das Gespräch geht ja weiter. Tony Judt berichtet, wie er in einem Wiener Taxi sitzt und im Radio die Nachricht vom Sturz Ceauşescus hört; das letzte Drama in einer Kette von Dramen. Was bedeuten sie für das Nachkriegseuropa? „Ich dachte sofort, dass man ein Buch darüber schreiben müsse.“ – Damit ist er im 21. Jahrhundert angekommen, das vermutlich eher als das Zeitalter der Medien denn als das Zeitalter der Erfahrung in die Geschichte eingehen wird. Man ist versucht zu sagen: Leider.

Kommentare (14)

anne mohnen 05.02.2013 | 11:53

Mit der Abgrenzung  britische "Großhistoriker" kann ich nichts anfangen. Was ist damit gemeint? Ash oder  Hobsbawm als Ranke, Mommsen der britischen Historikerzunft? Ich weiß nicht (…)

Das Buch liegt bei rum und nun werde ich es gespannt lesen, vor allem befragen auf den Unterschied zu Hobsbawm , zu dem sich doch etliche Parallelen auftun, historisch-biogarfisch (bis hin zum Außenseiter)  und methodisch (Oral History)

Also, wie so oft – gerne gelesen.

wwalkie 05.02.2013 | 16:58

Schöner Untertitel: Als die Bücher noch Geschichte machten. Hoffentich macht man noch lange über die Geschichte ....Bücher.

Zu Hobsbawm. Judt bezeichnet ihn in "Das vergessene zwanzigste Jahrhundert" als den "letzten romantischen Kommunisten" und lobt: Hobsbawm weiß nicht nur mehr als andere Historiker, er schreibt auch besser.

Andererseits sei er ein (kommunistischer) Vertreter der Oberschicht, mit all dem Selbstbewusstsein und den Vorurteilen seiner Kaste, ein etwas ungerechtes Urteil, wie ich finde. Judt wirft Hobsbawm - wie viele andere - seine lange Sympathie  der kommunistischen Partei gegenüber vor: Eric Hobsbawm ist das größte Naturtalent unter den Historikern unserer Zeit, aber Schmerz und Schande des Jahrhunderts hat er irgendwie verschlafen.  

Vielleicht verschlafen Romantiker über ihrem Schmerz den realen.

luggi 05.02.2013 | 21:33

"Judt kritisiert am Kommunismus, dass er im Namen einer besseren Zukunft die größten Verbrechen entschuldigt, sie sogar als notwendig erscheinen lässt."

Vielleicht habe ICH einen Denkfehler, aber die größten Verbrechen wurden durch den Kommunismus entschuldigt? Die Russen, haben faschistische Überfaller einer Strafe überführt. Aktion und Reaktion. Heute werden Terroristen per Drohne gleich exekutiert ... ohne Gerichtsurteil.

Bauen wir den Sozialismus auf, dann wird danach der Kommunismus nicht als langweiliges Paradies existieren, sondern eine Gesellschaft, in der ein menschliches Verteilungsprinzip herrscht ... weil es so gewollt ist ... außer von denen, die Menschen knechten und ausbeuten wollen.

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Ehemaliger Nutzer 05.02.2013 | 21:35

Die Sozialdemokratie bleibt nicht ohne Sozialdemokraten

Und Sozialdemokraten kann man eben nicht einfach aus dem Hut zaubern, weil es die schon seit langer Zeit in der SPD nicht mehr gibt. Das begann mit der Umformung der SPD und der Sozialdemokraten durch Eduard Bernstein und setzte sich dann nach dem zweiten Weltkrieg fort als man erst die Marxisten und dann die Sozialisten aus der SPD vertrieb oder ausschloß und schließlich die Sozialdemokraten verdrängte bis nur noch die neoliberale Seeheimer Partei Deutschlands übrigblieb. 

Hans Springstein 05.02.2013 | 23:18

Vorsicht, Kommunismus ist was anderes als Gulag, auch wenn Stalins Schreckensherrschaft mit dem Kommunismus begründet wurde.

Fakt bleibt: Ohne die Schrecken des Kapitalismus samt Hunger, Elend und Krieg keine Suche nach Auswegen und Alternative. So entstand der Sozialismus der Arbeiterbewegung und auch der darauf aufbauende und sich später nach dem Versagen der Sozialdemokratie der Kommunismus. Ohne die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft, vor allem den zwischen Kapital und Arbeit, nach Suche nach Auswegen, auch wenn sich mancher davon als Irrweg herausgestellt hat. Eines hat der Versuch einer Alternative, hat die sozialistische Gegenkraft (vor allem in Gestalt der Arbeiterbewegung, aber auch der Versuch, sie als eigene Gesellschaftsform zu organisieren) auf jeden Fall erreicht: Sie hat den Kapitalismus gezähmt, ihm den Sozialstaat abgetrotzt in harten Kämpfen und mit der Drohung, ihn abzulösen. Das wird nun rückgängig gemacht, denn diese Gegenkraft hat verloren und aufgegeben. Letzteres hat die Sozialdemokratie schon länger getan ... Ich halte es da mit Micha Brumlik, der 1996 in der taz schrieb: Lasst uns über Kommunismus reden! Er fragte vor 17 Jahren schon, ob es nicht sein könne, "daß in dieser Situation - die durch eine Zunahme der Armut in der Welt, die das Elend der 60er Jahre bei weitem überschreitet, durch wieder aufflammende Klassenkämpfe und eine Rücknahme des Sozialstaats als der höchsten Form kapitalistischer Vergesellschaftung gekennzeichnet ist ... allen Ernstes über Kommunismus nachzudenken hätten?" Und er antwortete: "Heute wieder über Kommunismus reden heißt: über die demokratische Vergesellschaftung von Produktion und Markt, darüber, den Demokratisierungsgedanken der Civil society auch auf die Wirtschaftssphäre auszudehnen. ... Heute geht es nur darum: nicht etwa, die Systemfrage zu beantworten - dazu sind wir noch nicht in der Lage - , aber doch mindestens darum, sie wieder offen zu stellen. Denn ohne den Blick über die Grenzen dieses Wirtschaftssystems hinaus wird es noch nicht einmal möglich sein, die Grenzen der gegenwärtigen Tagespolitik zu überschreiten. Vielleicht eröffnen sich dann Perspektiven, die mehr zeigen als den faden Mix von Debatten über Spitzensteuersätze, Sparappelle, Privatisierungsmaßnahmen und Umwandlung öffentlicher Verwaltungen in Profitcenter und den Appell an das Gute im Menschen, das heute Gemeinsinn heißt.
Kommunismus könnte heißen: Mehr und mehr Lebensbereiche dem Marktmechanismus zu entziehen. ..."

Auch wenn es 17 Jahre alt ist, halte ich das immer noch für bedenkenswert.

Konfuzikuntz 06.02.2013 | 00:16

Aus nächster Nähe erlebte er dann die Studentenrevolte in Paris, aber ein 68er wurde er ebenso wenig wie ein Anti-68er. Er wurde auch kein Zionist, obwohl er als Jugendlicher begeistert in einem Kibbuz gearbeitet hatte, und er wurde natürlich erst recht kein Rechter, obwohl er sie für die oft geistreicheren Schriftsteller hält.

Na das ist doch mal was. Man ist weder dafür noch dagegen. Die einen haben Recht und die anderen können Schreiben. Der historische Kompromiß: Sozialdemokratie.

Columbus 06.02.2013 | 12:41

Das ist schön, konsequent und notwendig, immer wieder an diesen großen Historiker und Intellektuellen zu erinnern, der zu früh an einer wirklich tückischen und unheilbaren Nervenerkrankung sterben musste. Bei ALS gibt es auch keinen gütigen Ausweg. Man bleibt bis zum Ende recht bewusst, wenn nach und nach alle Muskeln ihren Geist aufgeben und stirbt an banalen Infekten.

Mich regt gar nicht so sehr auf, dass Judt sich, aus seiner Geschichts- und Gesellschaftsforschung heraus, z.B. in der Frage eines säkularen Einheitsstaates für Juden und Palästinenser, sich eher auf spekulativem und dystopischem Terrain bewegte, mich faszinierte mehr sein Versuch, die Geschichtserzählung als eine Art Variantensuche zu betreiben.

Historiker sind Spezialisten des Kulturgedächtnisses und weniger als ihre Wertungen oder hochtrabenden Theorien, bleibt von ihnen, wie sie dieses Story- Konzept der Erinnerung ausfüllen, ob sie in der Lage sind, ein Bild von Epochen und Ereignissen zu entwerfen und die Botschaften der Generationen darin abzubilden. Dann werden sie auch im nächsten und übernächsten Zeitalter gelesen. Das glaube ich von Judts Werk schon.

Eine Wissenschaft die klare Urteile völlig zu Recht scheut, hatte in Judt  jemanden, der sich zu aktuellen Fragen nicht zurück hielt und sich konsequent öffentlich einmischte. Genau so, wie seine geliebten und dann wieder verdammten französischen Intellektuellen, die ihre Scheuklappen nicht  ablegten, wenn es um die vermeintlich einzig durchsetzungsfähige kommunisitische Macht, die SU, ging (Von André Gide bis Jean-Paul Satre, drückten sie alle ein Auge zu). Allerdings hatten sie oft keine so schlechten Motive und manches Mal sogar Recht.

Im Moment wird doch wieder stärker auf Denker (Malraux, Derrida, Agnes Heller), Wissenschaftler (Judt, Honneth) und Künstler (Kentridge)  Bezug genommen, die sich noch als Vertreter einer Gedächtnisschule der  Kulturen und als Gedanken-Weiterträger sahen oder sehen. Diese Art Intellektualismus wird wieder kommen, ich bin mir sicher und Judt wird dann als Wegbereiter gelesen. Paläste der Erinnerungen, Silberstiftewigkeiten, Utopien und die Geschichte der vermeintlichen Verlierer, sie werden morgen aktuell und wichtig, sie werden niemals durch Wikipedia oder medialen Gedächtnisschwund mit Suchmaschinenanschluß  ersetzbar.

Damit die Bilder der Geschichte im universellen Gedächtnis nicht verblassen, braucht es eine entfaltete und ausdrucksfähige Sprache, den Mut zur Symbolik und Metaphernbildung. Da liegt, sie merkten es an, ein wenig eine Schwäche der Judtschen Texte, die intellektuell brilliant sind , aber nicht unbedingt mitreißen.

Wie bei Ash, führt die Beschäftigung mit dem Wendeeuropa, es ist vor allem der Osten und die Mitte, zu einer starken Identifikation mit der höchst politischen "Anti-Politik", der es eine kurze Zeit lang gelang, maßgeblich auf die Wendezeit Einfluß zu nehmen. - Schade, dass Judt nicht mehr ausreichend Zeit fand, den Niedergang der politischen Wirksamkeit dieser Politik von unten und der erstaunlich zahlreichen  Intellektuellen zu kommentieren.

Sein nüchterner Blick wäre da besser geeignet, als der des doch eher an gewagten und medial verwertbaren Thesen interessierten Garton Ash.

Warum stirbt Ceaușescu nicht, obwohl er doch mausetot ist? Warum endete die glorreiche Revolution in der CSSR in zwei neuen Staaten, deren Politikerkaste heute schon so auf den Hund gekommen ist, dass da die gleichen Mechanismen wirken, wie in den alten Europastaaten, die ausgesprochene Antipolitiker gar nicht erst an die Macht ließen, sie maximal als "Kellner" anstellten. Warum wurde die Solidarność von ihren eigenen Spitzenleuten so pervertiert, dass sie heute wie ein stinklangweiliger Wahlverein daher kommt und bedeutungslos ist?

Intellektuell und kulturell wirken Sozialdemokraten und sozialdemokratische Parteien heute nicht weniger ausgezehrt, als ihre konservativen Volksparteikonkurrenten und derzeit stehen in keinem wichtigen Land des Westens die Chancen gut, wieder eine Wende hin zum Welfare-state, der vor allem ein Staat ohne persönliche Angst und Furcht sein sollte, - diesen psychologischen Teil vergessen viele Interpreten-, zu schaffen.

Es geht derzeit nur darum, die überall aufreißenden Lücken (Prekäre, Alte, Kranke, Abgedrehte, Unproduktive) so gut abzudecken, dass die Völker bei der gerade eingeläuteten nächsten Runde der schnellen Kapitalakkumulation (Gewinne aus Vermögen und Aktien eilen gerade einem neuen Höhepunkt zu und sind besser allgmein versichert als noch vor drei-vier Jahren ) nicht allzu sehr aufmucken. Vor der alten Alternative, dem Einsatz von mehr repressiver Gewalt, scheuen sich derzeit auch die ökonomischen Eliten, weil das Teile ihrer Lebensqualität kostete.

Beste Grüße und weiter
Christoph Leusch