Michael Jäger
18.01.2013 | 09:00 36

Zu komplex

Flughafen Es ist wie ein Naturgesetz: Kein Großprojekt wird so gebaut wie geplant. Warum wir nicht aus unseren Fehlern lernen

Zu komplex

Foto: Andreas Rentz / Getty Images

Irgendwie geht in Deutschland bei Großprojekten immer etwas schief. Es gibt Pfusch am Bau, Planungsfehler, unfähige Politiker und „die Kosten“ halten sich nicht an die Planung. Sie „explodieren“, wie man sagt. Ist das ein Naturgesetz? Wohl nicht, denn es ist ja wahr: Dergleichen hört man regelmäßig aus Deutschland – Berlins Hauptbahnhof, Hamburgs Elbphilharmonie, Leipzigs Citytunnel, Frankfurts Terminal 3, Stuttgart 21 –, aber nicht aus China oder den Golfstaaten. Zur Zeit hört man es aus Berlin. BER, der geplante Großflughafen, kommt nicht vom Fleck; die Akteure tauschen Schuldvorwürfe aus.

Zwei Aspekte der Sache werden von Kommentatoren immer wieder hervorgehoben, einmal „die Unfähigkeit der Politiker“ und zum anderen jene „Kostenexplosion“. Aber das ist ein oberflächlicher Diskurs. Fangen wir mit den Politikern an. Wie kann man es auf sie schieben, wenn man doch sieht, dass Projekt für Projekt aus dem Ruder läuft. Wäre es nicht möglich, dass die Ruderer – um im Bild zu bleiben – in manövrieruntauglichen Booten sitzen?

Tatsächlich ist unsere Produktionsweise nicht so beschaffen, dass Politiker ihren Willen gegen Unternehmen leicht durchsetzen. Besonders noch, wenn sie es mit vielen Unternehmen gleichzeitig zu tun haben. Ein Großprojekt ist ja eine koordinierte Produktion vieler Unternehmen, von denen jedes eigenständig plant, wenn auch im Rahmen eines Gesamtplans. Das Rudern des Koordinators besteht dann darin, dass er mit seinen zwei Beinen auf hundert Kähnen gleichzeitig steht, um so die Geschlossenheit der Formation zu garantieren. Es ist ein Witz.

Dass viele Unternehmen beteiligt sind, ist Ausdruck der Komplexität von Großprojekten. Lauter Spezialisten arbeiten da zusammen. Die Arbeiten aufeinander abzustimmen, ist wirklich nicht leicht. Außerdem hat Komplexität eine Eigenlogik, die durch Planung allein nicht bewältigt werden kann. Man kann nämlich nicht alle Detailprobleme voraussehen, die sich erst während der Produktion zeigen. Man muss manchmal warten, bis Forschungen abgeschlossen sind. Beim Großprojekt BER ist der geschossübergreifende Brandschutz ein Beispiel, der – so heißt es – für 364 Szenarien gerüstet sein müsste. Hier waren noch im Mai 2012 Probleme ungelöst, mit denen die Verschiebung der Flughafeneröffnung begründet wurde. Vielleicht wurde der Brandschutz nur vorgeschoben, um Managementfehler zu vertuschen, aber wie dem auch sei, Probleme solcher Art können auftreten, selbst wenn niemand schludrig arbeitet. Es wäre sicher besser, sie von vornherein in Rechnung zu stellen und sich insofern auf ein „evolutionäres Bauen“ einzulassen, das in den Plänen von vorneherein und absichtsvoll Lücken lässt, die Bürger dann im Bauprozess mit ihrer Expertise und unter Berücksichtigung ihrer Anliegen füllen können.

Probleme treten bei Großprojekten auf, weil Großprojekte sehr komplex sind. Aus der Komplexität folgt auch, dass die Produktion sehr lange dauert. Während dieser Zeit mag sich die Projektaufgabe von selbst geändert haben. Am Beispiel des Flughafens: Es stellt sich heraus, dass noch viel mehr Fluggäste zu erwarten sind als gedacht, also muss der Kapazitätsplan erneuert werden.

Alles in allem werfen die mit der Komplexität zusammenhängenden Probleme die Frage auf: Müssen Großprojekte denn überhaupt sein? So generell gestellt, wird man nicht Nein sagen, doch unnötige, ärgerliche Projekte gibt es durchaus. Man braucht nur an Stuttgart 21 zu denken.

Kostenexplosion kostet

Nun zur „Kostenexplosion“. Die Formulierung ist verdächtig pauschal. Denn warum steigen die Kosten, wenn nicht weil es Variablen gibt, die im Kostenvoranschlag nicht berücksichtigt waren? Es gibt aber gute und schlechte Probleme, das wird auch nicht berücksichtigt – weder im Voranschlag noch später bei der Suche nach Verantwortlichen. So gehören kostenträchtige Planänderungen und anfallende Detailforschung, deren Ergebnis man abwarten muss, zu den „guten Problemen“. Richtig gut wäre es allerdings, wenn sie schon im Voranschlag berücksichtigt würden, weil man doch sicher sein kann, dass sie auftreten werden.

Doch hängen ja nicht alle Kostenprobleme mit der Komplexität der Produktion zusammen. Manche ergeben sich auch aus den Produktionsverhältnissen. Da kann die Komplexität zum Vorwand werden, mit dem man die Unzweckmäßigkeit der Produktionsverhältnisse bemäntelt. Auch hierfür ist BER das beste Beispiel. Weil die Produktion komplex ist, besteht sie aus lauter Spezialaufgaben. Die verschiedenen Aufgaben verteilen sich auf verschiedene Unternehmen, von denen jedes Gewinn machen will und mit anderen Unternehmen konkurriert. Als konkurrenzorientierte Unternehmen müssen sie nun dennoch koordiniert werden. Beim BER sollte deshalb zunächst eine Privatfirma die Bauleitung übernehmen, doch nachdem zwei Anläufe, eine einzusetzen, gescheitert waren, entschloss man sich zu der denkbar schlechtesten Lösung, die Aufgaben einzeln zu vergeben. Das heißt, eine richtige Bauleitung gab es im Grunde nicht.

Türsteher als Halbautomaten

Aus dieser Situation versucht dann jeder Beteiligte, den größten Privatvorteil für sich herauszuholen. So wurde versucht, die Vorgabe automatischer Türöffnungen durch etwas zu umgehen, was auf dem Papier „halbautomatischer Betrieb“ heißt; gemeint sind Hunderte von Türstehern. Der Begriff war offenbar auf Leser berechnet, die es so genau nicht wissen wollten. Etwaige Mehrkosten würden ja vom Steuerzahler getragen. Den vorgeschriebenen Schallschutz wollte man gleich ganz ausfallen lassen, man dachte, die Bevölkerung merkt es nicht. Wenn dann ein Landratsamt die Täuschung erkennt, wenn Bürger vor Gericht ziehen, stellen sich manche noch hin und klagen über unnötige Kosten, die entstehen, weil es Regeln gibt, politische Ämter, einen Rechtsstaat und sogar eine demokratische Verfassung.

Man kann aus all dem den Schluss ziehen, dass die Verfassung noch demokratischer sein sollte, als sie schon ist. Wo Großprojekte nötig sind, ist auch Kooperation nötig. Daraus alle Konsequenzen zu ziehen, fällt bei unseren Produktionsverhältnissen aber nicht leicht. Könnte nicht wenigstens bei solchen Produktionen, die früher der Staat unternahm, während sie jetzt privatisiert werden, das ökonomische Geheimhaltungsrecht der Beteiligten aufgehoben werden? Damit sie nicht mehr täuschen können? Sie machen doch auch ohne Geheimnis Gewinn, wenn sie wirklich die Besten sind, wie sie behaupten. Und auf der Staatsseite wiederum bräuchte es mehr Leute, die fähig sind, Großplanungen und die jeweilige Materie sachkundig zu beurteilen. Das Bildungssystem müsste entsprechend verändert werden. Auch dadurch würden „die Kosten“ steigen, am Bau jedoch „explodieren“ sie dann nicht mehr so leicht.

Kommentare (36)

Lethe 18.01.2013 | 11:16

es gibt im Wesentlichen zwei Gründe. Der eine ist kommerzieller Natur udn wurde schon oft thematisiert, aber kaum einmal zur Kenntnis genommen: Um überhaupt bei Ausschreibungen eine Chance zu haben, müssen die Unternehmen auffgrund der völlig an der Sachlage - Verknüpfung von Preis und Qualität - vorbei gesetzten Kriterien ihre Angebote weit unter der sachlich notwendigen Größenordnung anbieten. Die korrigierten Ausgaben spiegeln im Normalfall die Höhe der Kosten wieder, die bei sachgemäßen Angeboten von vornherein klar gewesen wären. Betrogene Betrüger, auf beiden Seiten. Kein Mitleid.

Der zweite Punkt wird selten ins Spiel gebracht, ist aber von äußerster sachlicher Relevanz und mathematischer Natur. Er lässt sich in dem Begriff "Chaos-Theorie" zusammenfassen. Eine Großbaustelle ist ein Musterbeispiel für ein chaotisches System, dessen konkrete Gestalt zu jedem gegebenen Zeitpunkt sich aus Einflussgrößen ergibt, die zu früheren Zeitpunkten nicht prognostiziert werden können. Dieser Umstand wird umso wichtiger, je enger die Parameter gesteckt sind. Eigentlich recht einfach zu verstehen. Konsequent ignoriert, weil es massive Konsequenzen haben müsste, diesen Punkt berücksichtigen^^

MopperKopp 18.01.2013 | 11:38

Ist die Politik unfähig und kann nicht mit Geld umgehen? Darauf läuft es immer wieder raus, wenn man den medialen Verlautbarungen Glauben schenkt. Besser nicht, dann natürlich ist auch diese mediale Schiene ein Abstellgleis für hintergrundbezogenes Denken. In früheren Zeiten, als kompetente Beamte noch Einfluss auf ein Planungsgeschehen hatten, da war die Spanne zwischen Kostenvoranschlag und Endkosten marginal. Es wurde mit sehr spitzem Bleistift kalkuliert. Die Arbeit der Beamten war generell sehr effizient.

All das änderte sich im Zuge der Deregulierung und Privatisierung. Der Glaube an das segenreiche Wirken freier Märkte wurde zum Dogma erhoben. Im Kampf um die Macht ist es den Unternehmen gelungen, ihre eigene überbordende Bürokratie als effizientes Management zu verkaufen, während die staatliche Verwaltung abgewertet wurde. Nun zogen Berater in die Politik und gleichzeitig gewaltige Aufträge an Land. Generell kann man sagen: alle diese Projekte in gemischter Verantwortung oder unter Federführung privater Unternehmen auf Kosten der Bürger enden in einer gnadenlosen Abzocke, leider abgesegnet von Politikern, deren Verhalten man als moralisch fragwürdig bis käuflich bezeichnen kann.

Wer die offengelegte Unfähigkeit angeblich so effizienter Unternehmen aktuell ungeschminkt verfolgen möchte, dem empfehle ich:

Das Corporate-Governance-Desaster

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Ehemaliger Nutzer 18.01.2013 | 11:47

"Fangen wir mit den Politikern an. Wie kann man es auf sie schieben, wenn man doch sieht, dass Projekt für Projekt aus dem Ruder läuft. Wäre es nicht möglich, dass die Ruderer – um im Bild zu bleiben – in manövrieruntauglichen Booten sitzen?"

Dafür ist doch wohl ein Aufsichtsrat da - um zu kontrollieren! Und sie bekommen sogar Geld dafür - wovon selten gesprochen wird.

Wenn man den Architekten dann auch noch knapp 500 Änderungswünsche aufbürdet (von der Politik u.a.), muss man sich nicht wundern. Aber das wusste man, man wollte es zu Wowi's Zeiten nur nicht zugeben. Da werden immer noch Gutachten geheim gehalten!

Templeton 18.01.2013 | 12:21

Der Artikel gefällt mir wirklich sehr gut. Das was Sie „evolutionäres Bauen“ nennen, gibt es in einer ähnlichen Form in der Produktionstechnik. schon, das Toyota Produktions System oder Produzieren im Takt geht diesen Weg. Das Motto ist "Lieber grob richtig, als genau falsch".
Aber es ist einfach ein Philosophie undMentalitätsproblem in Deutschland, wo eine haargenaue Detailplanung einfach vorrausgesetzt wird.

anne mohnen 18.01.2013 | 12:45

„Zwei Aspekte der Sache werden von Kommentatoren immer wieder hervorgehoben, einmal „die Unfähigkeit der Politiker“ und zum anderen jene „Kostenexplosion“. Aber das ist ein oberflächlicher Diskurs“

Lieber Michael,

Du sprichst von einem oberflächlicher Diskurs bei dem am Ende Bürger auf den Milliardenschulden sitzen bleiben.

Auf den großen Konferenzen zum Thema "Nachhaltigkeit" wurde unter weltweiter Beteiligung von Staaten auch im Sinne der  Stabililisierung bzw. des Aufbaus demokratischer Strukturen dafür plädiert und Papiere formulierte, die auf funktionsfähige, d.h. wirtschaftlich handlungsfähige Kommunen abgeheben. Mit Projekten wie dem Berliner Flughafen, der Bahn, der Elbphilharonie, dem Kölner U-Bahnbau (Stichwort: Stadtarchiv!) etc. wird dieser Anspruch nicht nur konterkariert, sondern eutsche Politiker verahlten sich da nicht anders wie die aus Drittweltländern oder meinetwegen wie "Italiener".

 

Zu komplex? Der Berliner Hauptbahnhof gilt heute schon als eine der bedeutendsten Ingenieurleistungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, zweifelsohne auch wegen des inzwischen eingelösten höchst ambitionierten Anspruchs, auf unglaublich schwierigem Baugrund unterschiedlichste verkehrspolitischen Anforderungen realisiert zu haben.

Unbestritten ist, dass solch ein ehrgeiziges Projekt mit Risiken behaftet war. a) Diese Risiken jedoch müssen transparent sein und entsprechend in die Ausschreibungen eingepreist werden. (b) Dann war und ist es bisher Usus, dass die Politik unter Berücksichtigung der Meinung von Sachverständigen, eine Entscheidung fällt. Es ja am Ende dann auch immer das Urteil von sogenannten Sachverständigen, auf das sich die Politik hinausreden kann, wenn es zu Pleiten Pech und Pannen kommt.

(1) Wenn solche Bauvorhaben zu komplex sind, die weltweit anerkannte deutsche  Ingenieurkunst spricht eigentlich dagegen, warum hocken Politiker in verantwortlicher Stelle in Aufsichtsräten? Ich hebe noch nicht einmal darauf ab, wie lukrativ Anschlussposten in solchen Unternehmen am Ende einer Karriere sind.

(2) Wenn alles so komplex , zu  unwägsam ist, spricht das nicht erst recht für eine Volksabstimmung? Hat der Bürger, die Bürgerin nicht ein Recht darauf,  zu entscheiden, wofür Kommunen derart hohe Summe ausgeben?

(3) Was  ist daran so verkehrt, gar oberflächlich, wenn Bürger sich empören. Sie haben die Zeche zu zahlen. Im Falle des Berliner Hauptbahnhofes, dessen Haupteigner der Bund und damit der deutsche Bürger ist, quittiert die Bahn nicht nur die Milliardenzusatzkosten ihrem Eigner, sondern bedankt sich dafür bei ihm mit Gleisstillegungen in der Provinz; im Falle der Elbphilharmonie durch Einsparung bei der Infrastruktur, die jeden einzelnen Hambureg betreffen, weniger wohl die, die dieses Projekt forciert haben. Nun frage ich mich, was wird den Bürger in einer Pleitestadt wie Berlin wieder an Einsparvolumen zugemutet? Und ist das fair? Und wer wird dann der Nachfolger von Sarrazin mit Büchern „Hinsetzen und weniger Käse aufs Brot legen“!

Ich habe in Vausteins Blog dazu meine Meinung geäußert und auf Fakten und Verwerfungen hingewiesen.

4) Wie unabhängig sind Ausschreibeverfahren tatsächlich. Wird immer der berücksichtigt, der alle Kosten nennt? Das ist doch der springende Punkt.

(5) Mir will – Elbphilharmonie- nicht einleuchten, warum das architektonisch gewagteste Projekt auch das ästhetischste und funktionalste sein soll? "Small is beautiful"!

(6) Doch zurück zum Flughafen:Die Berliner Nachkriegspolitik ist auf eindrucksvolle Weise durch Bauskandale gebrandtmarkt, durch unerhörte Verflechtung von Politik- und Bauwirtschaft. Natürlich kommt das dem Bürger in den Sinn. Und im Falle des Flughafens ist es doch nicht des Bürgers Privatmeinung allein, dass zuletzt wieder nach der Berliner Kuhhandeldevise von SPD und CDU vorgegangen wurde: Wir „pinkeln“ Henkel nicht ans Bein, dafür sägen wir nicht an Wowis Stuhl. Sehr wahrscheinlich geht der Schuss für die SPD nach hinten los, denn die CDU hat sich längst für eine Nachfolgerin(!!) Henkels entschieden. Die müssen das jetzt nur noch geschickt aussitzen. Doch was soll‘s, es ändert derzeit weder etwas an den Ursachen der Misere noch wird es die Praxis ändern! Das nennt man dann Politikverdrossenheit.

LG am

Wolfgang Ksoll 18.01.2013 | 13:14

"Dergleichen hört man regelmäßig aus Deutschland – Berlins Hauptbahnhof, Hamburgs Elbphilharmonie, Leipzigs Citytunnel, Frankfurts Terminal 3, Stuttgart 21 –, aber nicht aus China oder den Golfstaaten"

 

Ja, wenn man den Kopf ind en Sand steckt, hört man nichts. Normale Menschen könnten aber auch mit Hilfe von Google in Erfahrung bringen, dass auch in China Großprojekte scheiterm. Der Transrapid in Shanhai kommt nicht voran (inkl. Bürgerproteste). Ein Thorium-Reaktor-Projekt ist gescheitert. Chinesische Projekte sind in Iran und Island gescheitert und in Libyen wurden die Chinesen von der NATO wegbombardiert.

Natrülich muss am aus Fehlern lernen. Aber nicht mit journalistischen Plattitdüen mit dem Kopf im Sand :-)

 

An der Universität Oxford wird da z.B. gute Arbeit geleistet. Warum z.B. Kosten unterschätzt und Nutzen überschätzt wird. Und was man mitd en Fhelprognosen machen sollte: die Dummen zu Schule schicken, die Kriminellen vor Gericht. Auch hat man dort herausgefunden, dass Private genauso oft scheeitern wie Öffentliche. HP mit 8,8 Milliarden Abschreibung auf Autonomy schon vergessen? Oder Rio Tinto?


Wenn man nicht richtig analysiert, kann man auch keine richtigen VOrschläge machen. Zudem sollte man bei jedem Vorschlag auch sagen, wo er sich schon bewährt hat, oder er er nur wildes Spekulieren ist und uns dann auch nicht weiter bringt.

 

Sizwe 18.01.2013 | 13:31

Was bleibt ist die Tatsache, dass bei öffentlichen Bauprojekten die beteiligten Unternehmen am Ende immer die Gewinner sind, weil die Bürger die Zeche zahlen. Was für die eine Seite Mehrkosten, sind für die andere Seite Mehrerlöse. Das Risiko wird vergesellschaftet, die Gewinne werden, wie gehabt, privatisiert. Dafür steht doch die freie Marktwirtschaft, oder? Solange diese Grundregel gilt,  spielen die (Un)Fähigkeiten von Politikern keine Rolle.

Wolfgang Ksoll 18.01.2013 | 14:04

.. oder 5 Mrd € Verlust heute bei ThyssenKrupp aus Südamerika: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/thyssenkrupp-aufsichtsratschef-cromme-raeumt-fehler-ein-a-878350.html
Aber mit dem Kopf im Sand kann man sich weiter auf Berlin und Umgebung konzentrieren. Da hört man dann nichts. Schließlich ist Flughafen ja auch einfacher. Das weiss jeder, wie man den baut. Is klar.

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Ehemaliger Nutzer 18.01.2013 | 14:07

Bei den aktuellen Großprojekten zeigen sich meiner Ansicht nach vor allem die mit der Wandlung des Staatsapparates zur neuen BRD in Gang gesetzte Behörden – und Verwaltungsreform, die je nach Bundesland sehr unterschiedlich durchgezogen wurde.
Dabei wurden Ämter und Behörden nach dem Outsourcing – Kerngeschäft – Modell ausgedünnt, so auch die Bauaufsichtsbehörden und der vorbeugende Brandschutz, der vordem i.d.R. bei den Berufsfeuerwehren angesiedelt war, wo die Spezialisten also einen ganz engen Draht zur kooperativen Praxis (mit Polizei und THW u.a.) aber auch zur übergeordneten Behörde, bei denen ja die Brandschutz – und Einsatzpläne eingereicht und ggf. durchgespielt werden mussten.
Diese, weil zentralisierten, kurzen Wege sind zugunsten der Auftragserteilung z.B. an externe Brandschutz – Ingenieure (die ja noch andere als nur kommunale Projekte bearbeiten) aufgesplittert worden und haben sich nicht selten verlängert – das System ist also besonders bei Großprojekten die eine zentralisierte Leitung erfordern unzureichend und alles andere als straff organisiert.

Außerdem ist speziell die Berliner Feuerwehr, trotz deutlichem Aufgaben – und Bevölkerungszuwachs von Kürzungen und Personaldeckelung betroffen – die Brandschutz-Abteilung wurde vor ein paar Jahren komplett aufgelöst und der Laden befindet sich seit Jahren im stockenden Umbruch:
„Derzeit wird der Stabsbereich reorganisiert. Am Ende dieser Maßnahme wird es je einen Stab für die Bereiche Brandbekämpfung/Technische Hilfeleistung/Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Qualitätsmanagement, Kommunikation (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) geben.“
www.berliner-feuerwehr.de
Nicht anders sieht es bei der Baubehörde und den sonstigen Verwaltungsbereichen aus.
Von daher denke ich, daß die Kostenexplosionen im Zuge und teilursächlich den vorgängigen Verwaltungs – und Steuerungsebenenumbauten im öffentlichen Sektor auftreten bzw. geschuldet sind.

balsamico 18.01.2013 | 15:31

Wirklich zu komplex?

Ein ergreifender Erklärungsversuch, lieber Michael Jäger, den Sie da anbieten. Allerdings ist BER nicht der erste große Flughafen der Welt. Und es ist auch durchaus kein Witz, dass so ein Großprojekt eine koordinierte Produktion vieler Unternehmen ist, von denen jedes eigenständig plant, wenn auch im Rahmen eines Gesamtplans und dass das Rudern des Koordinators darin besteht, dass er mit seinen zwei Beinen auf hundert Kähnen gleichzeitig steht, um so die Geschlossenheit der Formation zu garantieren. Man kennt das längst, und zwar durchaus nicht nur vom Bau, sondern z.B. auch aus der Musik, wo jeder Dirigent eines großen Orchesters ein Lied davon zu singen weiß. Und wenn er seinen Job gut macht, wird ein großes Werk daraus. Macht er ihn dagegen schlecht, so kommt es zu Missklängen und Katzenmusik. So einfach ist das. Ich behaupte: Nicht die Koplexität der Projekte ist das Problem, sondern die Defizite des Personals und wobei der Fisch, wie sonst auch, vom Kopfe her stinkt.

seriousguy47 18.01.2013 | 16:19

(Groß)Projekte können zweifellos zu komplex sein, als dass man sie bewältigen könnte.

Eine andere Sache ist es, wenn Projekte zu groß für bestimmte Menschen/ Institutionen usw. sind. Dass dies gerade in den Medien nicht sauber getrennt wird, ist wieder mal dem Hang zur Oberflächendiskussion geschuldet, die sich zwar prächtig für die Entlastung des Gefühlshaushaltes eignet, aber wenig zur Lösung von Problemen und zum Lernen taugt.

Noch stärker verschleiert wird dies dann, wenn man in die Merkel-Falle tappt, die anläßlich S21 verkündete, dass ein Scheitern ausgerechnet dieses Schwachsinns Großprojekte in D in Zukunft unmöglich machen würde und D international blamieren würde.

Das besorgt nun allerdings das bis dato unbeachtete Berlin, und bei S21 ging es denn auch nicht um S21, sondern um das Großprojekt Mappus-CDU. Vielleicht wäre es deshalb zielführend, den Begriff "Großprojekt" zunächst einmal selbst einer kritischen Prüfung zu unterziehen und sich insbesondere der Untergruppe "Prestigeprojekt" zuzuwenden.

Dann wäre zu schauen, ob es speziell diese Gruppe sein könnte, bei der schwerpunktmäßig skandalöse Entwicklungen eintreten. Sollte dies nämlich so sein, dann würde sich auch die Rede von der Komplexität u.U. als Verschleierungsversuch herausstellen und die Probleme wären da zu suchen, wo es um die Sache selbst gar nicht in erster Linie geht, sondern um sekundäre Zwecke auf der Metaebene.

Bei S21 ist dies nach meiner Einschätzung in hohem Maße der Fall und insofern lässt sich dieses Projekt auf keinen Fall mit nötigen (?) Stromtrassen oder Windparks, möglichweise auch nicht mit der Elbphilharmonie und dem BER vergleichen. Als reiner Schwachsinn mag es also durchaus singulär sein.

Dann aber geht es nicht mehr um Komplexität und/ oder Machbarkeit, sondern um die Frage wie durch Kontroille und Strafe verhindert werden kann, dass Idioten, die an die Macht gelangt sind, nicht mehr gestoppt werden können.

Bei jedem Projekt solltedoch zunächst einmal geklärt werden,.

- ob ein Bedarf/ eine Notwendigkeit dafür besteht;

-  was erforderlich ist, um solchen Bedarf optimal zu decken;

- wo es am besten zu verwirklichen wäre und

- wie es am besten verwirklicht werden kann.

Am Anfang von S21 stand auf Seiten der Politik das Prestige von Stuttgart und seine vermeintliche Gefährdung durch die rege Investitionstätigkeit in Berlin nach der Wiedervereinigung, die auch noch via Länderfinasnzausgleich mit B-W-Geldern finanziert wurde. Das traf auf den Wunsch von Bahnchef Dürr, das Kapital der auf neoliberalen Privatisierungskurs gesetzten Bahn möglichst umfassend aufzustocken.  Beides reichte aber noch nicht aus, um sich selbst und andere zu überzeugen, also wurde als Köder eine von jungen Stadtplanern geklaute Idee hinzugefügt: die" städtebauliche Chance".

Hier wird in der Tat eine hohe Komplexität sichtbar, aber nicht die eines Projektes, sondern die von projekt-unabhängigen (projektwidrigen) Motiven, die von vornherein hohe Risiken mit sich bringen.

Erst danach wurden die eigentlichen Ausgangsfragen gestellt. Und davon vage auch nur die letzte. Die erste stand offenbar unabhängig von allem anderen bereits im Raum, hat sich seither aber durch die 

technische Entwicklung erledigt (siehe Gegenkonzept K21). Die zweite Frage wurde wohl nie wirklich gestellt, die dritte von MP Teufel politisch vom Tisch gefegt.

Durch letzteres aber wurde die "Komplexität" des Projektes in einem bislang immer noch nicht bekannten Ausmaß gesteigert, da politische Borniertheit und Idiotie  der quasi vorgegebenen  "Labor"- Komplexität eines solchen Projektes noch zahlreiche unbekannte geologische Risiken und zusätzliche "Interessen" hinzu zwang.

Bei S21 könnte sich also etwas herausstellen, was bei der Elbphilharmonie und BER zumindets nicht in diesem Ausmaß  vorzuliegen scheint: die Undurchführbarkeit ( Durchführbarkeit zu einem akzeptablen "Preis").

Dennoch könnte  S21 als Modell dafür dienen, alle Faktoren zusammenzustellen, die zum Desaster führen. Ausgehend von diesen Faktoren könnten dann andere "Großprojekte" / Prestigeprojekte untersucht werden.

MIr fällt dazu spontan dies ein:

- provinzieller Größenwahn (Föderalismusproblem)

- föderale Eifersüchteilei/ Wettberwerb

- Risiken durch Parteipolitik (Demokratieproblem)

- mangelnde Verantwortlichkeit (Rechtsproblem)

- mangelnde zentrale Kontrolle und Steuerung

- Fehlen einer zentralen Institution, in der dauerhaft Sach-Kompetenz vorgehalten wird (Föderalismusproblem)

Michael Jäger 18.01.2013 | 16:35

Ich habe noch nicht alle Kommentare genau lesen können, sehe aber spätestens an dieser Stelle, daß mir wieder mal die Überschrift ein Bein stellt, die nicht von mir ist. Wenn man meinen Artikel in einem Satz zusammenfaßt, heißt der doch: Nicht die Komplexität ist schuld, sondern die Produktionsverhältnisse sind es. Mir scheint, daß da alle Kommentatoren mit mir einig sind und es weiter, an anderen Beispielen usw. ausführen.

die Realistin 18.01.2013 | 17:41

Ja, Deutschland und "Großprojekte", das ist wahrlich ein Kapitel für sich.

Wen  erfolgreich durchgeführte Bauleistungen unter komplizierten Bedingungen interessieren, der sollte sich mal sachkundig machen über den Verlauf der Rekonstruktion  und Sanierung der BOLSCHOI-THEATERS in Moskau, im so oft von West-Europa verpönten Russland. Bei ARTE  gab es zu Neu-Eröffnung des Bolschoi einen ausführlichen Dokumentarfilm!

 

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Ehemaliger Nutzer 18.01.2013 | 18:07

Insoweit die Planungs & Steuerungs - Teil der Produktionsverhältnisse sind, ist Ihnen Recht zu geben.

Das Problem besteht hierzulande aber darin, daß bei beteiligten Großunternehmen, die als AG antreten die Aufsichtsräte oft mit politischen Entscheidern und Repräsentanten bestückt sind, die von der Leitung, d.h. Überwachung der Planung, Steuerungs - und Organisationsebene zuwenig verstehen bzw. zuviel Jobs dieser Art parallel machen.

Siehe Wowereit, Platzeck dürfte es nicht viel besser machen.

Wer mal (unbescheiden: wie ich) im Projektmanagement einer AG tätig war, weiß wovon ich rede. Die Politik hierzulande glaubt sich ein übergeordnetes Großprojektmanagement sparen zu können, manche auch aus Ahnungslosigkeit.

Da herrscht nicht nur Komplexität, da herrscht auch Konfusion und amateurhaftes Management!

Rupert Rauch 18.01.2013 | 23:23

Projekte schlagen ständig fehl, nicht nur Großprojekte. Ich arbeite in der Softwarebranche und kann das ständig miterleben. Das Problem setzt sich aus mehreren Teilaspekten zusammen:

 

1) Ausschreibungen, Unternehmen unterbieten sich gegenseitig, da sie unbedingt einen Auftrag brauchen, Prinzip Hoffnung, zum Teil Ahnungslosigkeit derjenigen die die Angebote machen, zum Teil juristsiche Tricksereien (unvorhersehbare Probleme erfinden, bzw. Druck auf den Auftraggeber das Projekt bei der Hälfte abzubrechen) um nachträglich die Summe zu erhöhen

 

2) Entscheider/Politiker die zwar alles vom Feinsten wollen, am besten schon gestern, aber natürlich möglichst nichts dafür bezahlen, die gerne alberne Angebote glauben, auch deshalb weil sie es selbst letztlich meist nicht bezahlen müssen.

 

3) Die Komplexität kommt natürlich noch dazu, insbesondere Erstentwicklungen (Großprojekte würde ich immer dazu zählen) können böse Fallen sein. Selbst erfahrene Entwickler überschätzen sich immer wieder, gerne mal um Faktor 2 oder 3.

 

Was muss man also tun, um ein Großprojekt realistisch zu planen?

 

a) wenn man Ausschreibungen macht: nicht unbedingt die billigste Firma nehmen, am besten Referenzen verlangen oder Strafzahlungen vereinbaren, deren Durchsetzbarkeit hängt aber davon ab, ob man notfalls eine Ersatzfirma hat, sonst ist man als Auftraggeber erpressbar

 

b) wenn die gesamte Rechnung steht, diese verdoppeln, bis zu diesem Rahmen muss die Sache finanzierbar sein, ansonsten die Finger davon lassen, überlegen was man bei einer Kosten"explosion" (mehr als 2-fache Kosten) tut, bei welcher Summe man die Reißleine zieht und wer dafür geradesteht/bezahlt

 

c) das Projekt ständig während der Entwicklung nachrechnen und prüfen, statt Rechtsstreitigkeiten lieber auf das ein oder andere "nice-to-have" verzichten (vorausgesetzt man hat sich einen solchen Puffer eingeplant)

 

mymind 18.01.2013 | 23:47

Ach nö die Überschrift ist o.k., es istwirklich verflixt komplex...

Das Bauen ist immer ein Prozess mit mdst. einer Unbekannten. Wenn in diesem Ablauf die komplexen Variablen häufiger ausgetauscht werden, kann es passieren, dass auf einmal das ursprünglich festgelegte Endresultat mit der Gleichung nicht mehr aufgeht.

Probleme treten bei Großprojekten auf, weil Großprojekte sehr komplex sind. Aus der Komplexität folgt auch, dass die Produktion sehr lange dauert. Während dieser Zeit mag sich die Projektaufgabe von selbst geändert haben. Am Beispiel des Flughafens: Es stellt sich heraus, dass noch viel mehr Fluggäste zu erwarten sind als gedacht, also muss der Kapazitätsplan erneuert werden.

Sicherlich ist bei Großprojekten der Vorlauf bez. Entwicklung, Entscheidung & Abstimmung, Planung & Genehmigung, Ausführung & Fertigstellung etc. komplex & langwierig.  Doch eine Projektaufgabe ändert sich in diesem Prozess i.d.R.  nicht ´von selbst´. Da allen bekannt ist, dass ein Großprojekt nicht morgen fertiggestellt ist, werden normalerweise Zukunftsprognosen mit entsprechend zu berücksichtigendem Kapazitätsbedarf einkalkuliert. Vielleicht wurden auch diese Studien schlampig zusammengeflickt, das mag sein _ inzwischen ist ja alles denkbar _  aber ich vermute eher das übliche, beabsichtigte Herunterdimmen diverser Zahlen & Summen.

Es ist schon ganz interessant zu verfolgen, dass Großprojekte immer mehr zu einem Politikum werden. Es geht schon lange nicht nur um zeitgemäße Anpassung, Erneuerung oder Erweiterung der Infrastruktur. Für die Einen sind sie inzwischen politisch genutzte Prestigeprojekte, für die dazu stehende Opposition genauso gern benutzte Kampfobjekte. Die Dritten im Bunde wutbürgern über Schwachsinn & Sinnlosigkeit & deren  Geldverschwendung _ manchmal nicht zu Unrecht _  oder im Eigeninteresse. Letzteres ist am verständlichsten: wer möchte nicht gern nachts durchschlafen oder wer die Augenfarbe der PilotInnen aus seinem schönen Garten erkennen? Bez. der davor genannten Begriffe, wutbürgere ich auch, allerdings insbesondere gegen Investitionen in Rüstungsindustrie, Kriege & Kriegs- bzw. Konfliktvorbereitungen _ das ist zwar ein anderes Thema, verdeutlicht dennoch die Sphären der geistigen & empathischen Auseinandersetzung in unserer Gesellschaft als auch einem Großteil der DFC…

Beim BER sollte deshalb zunächst eine Privatfirma die Bauleitung übernehmen, doch nachdem zwei Anläufe, eine einzusetzen, gescheitert waren, entschloss man sich zu der denkbar schlechtesten Lösung, die Aufgaben einzeln zu vergeben. Das heißt, eine richtige Bauleitung gab es im Grunde nicht.

Meinen Sie mit Privatfirma einen GU (Generalbauunternehmer)? Nun die Platzhirsche haben sich im Vorfeld diskreditiert, z.B. durch wettbewerbswidrige Absprachen, in Folge überzogene Angebote etc. Eine Einzelvergabe ist nicht die denkbar schlechteste Lösung, oft viel kostengünstiger, heißt aber dennoch in keinster Weise, dass es keine Bauleitung gibt. HALLO!!!!  Wo wird denn in diesem aber auch in kleinerem  Umfang ohne Bauleitung gebaut? Allerdings war es schon sehr ambitioniert & nun im Nachhinein feststellbar _politisch total unklug, keinen GU zu beauftragen. Auch wenn es in HH dadurch nicht besser läuft, zumindest kann auf Bauherrenseite die Verantwortung als auch die Deppen-Nominierung in weiten Teilen gestreut bzw. abgewälzt werden.

Man kann aus all dem den Schluss ziehen, dass die Verfassung noch demokratischer sein sollte, als sie schon ist. Wo Großprojekte nötig sind, ist auch Kooperation nötig. Daraus alle Konsequenzen zu ziehen, fällt bei unseren Produktionsverhältnissen aber nicht leicht. Könnte nicht wenigstens bei solchen Produktionen, die früher der Staat unternahm, während sie jetzt privatisiert werden, das ökonomische Geheimhaltungsrecht der Beteiligten aufgehoben werden? Damit sie nicht mehr täuschen können?

Den Satz verstehe ich nicht wirklich! Entweder Sie meinen, dass Großprojekte von staatlichen Planungsbehörden _ wo gibt’s die nochmal? _  ´produziert´ werden, na dann Prost Mahlzeit! Dann dauert so etwas mal gut & gerne x-Jahre länger & innovative Strömungen, geschweige denn Flexibilität  werden genauso hartnäckig ausgeblendet, Knowhow im gleichen Umfang nicht selbstverständlich.  Den privaten Dienstleistern grundsätzlich Täuschung zu unterstellen, ist grotesk. Nach meiner Erfahrung arbeitet in diesem Spektrum sehr viele ambitioniertes,  engagiertes & zielorientiertes Personal, das gilt auch in vielen Fällen für ihre Vorgesetzten. Einen nur annähernd vergleichbaren Einsatz & Verzicht auf persönliche Freizeit für auch oft relativ niedrigbezahlte Entlohnung  wäre in den meisten Behörden UNDENKBAR!

Und auf der Staatsseite wiederum bräuchte es mehr Leute, die fähig sind, Großplanungen und die jeweilige Materie sachkundig zu beurteilen.

GENAU _ das habe ich in anderen Blogs oft genug erwähnt & betont. Dazu gehört aber auch die fachliche Erfahrung ermessen zu können, welche Auswirkungen tiefgreifende Änderungen bez. Funktionalität & Nutzung in einem durchgeplanten & genehmigten Konzept beinhalten. Wenn es stimmt was peu à peu durchsickert, dass das Mallvolumen im Vergleich zur Genehmigungsplanung verdoppelt wurde, darüber hinaus eine zentrale Eingangs- & Durchgangshalle auf Wunsch der Retail- & Achor-Mieter  nicht nur funktionale Umstrukturierung sondern auch Reduzierung für die eigentliche Funktion des Gebäudes, sprich Check-In-Counters, Gepäckförderanlagen etc.  ( wobei mir einfällt: FRA hat angeblich 3x so viele Förderanlagen, dennoch habe ich da mal eine Stunde gewartet, so lange wie noch nirgendwo weltweit….& in TXL & anderswo geht das trotz Überforderung Ratzfatz, also eher eine Frage der Logistik).  Aufgrund unserer weltweit schärfsten Sicherheitsbestimmungen bez. Lüftung, Brandschutz, Rettungswege usw. haben derart funktionale Änderungen auch Konsequenzen _für die unterschiedlichen Nutzungen werden unterschiedliche Anforderungen gestellt & die wachsen mit dem Umfang. Diese spiegeln sich  nicht nur in einem zeitlichen Aufwand der  Änderung  einer ´Produktion´ wieder, sondern auch in der  erforderlichen Neukonzeption & die ist weder kostenneutral noch zeitnah zu bewerkstelligen.  Das nicht zu erkennen deutet auf eine zeitgenössische Arroganz & Ignoranz seitens Nicht- Fach- & Sachkundiger der Materie hin. Wer den Pulsschlag angab, wird sich ggf. irgendwann in 10 Jahren im Rahmen der gerichtlichen Prozesse  herausstellen, vielleicht…Nicht alle Urteile & Begründungen beruhen auf tatsächliches Handeln…

Das Bildungssystem müsste entsprechend verändert werden. Auch dadurch würden „die Kosten“ steigen, am Bau jedoch „explodieren“ sie dann nicht mehr so leicht.  

Auch diesen letzen Absatz verstehe ich nicht wirklich! Na ja, mit ´Bologna ´ wurde das Bildungssystem konterkariert. Ob durch eine neue Reform die Kosten nur ´steigen´ statt zu ´explodieren´  stelle ich vehement in Zweifel.  Oder meinen Sie mit ´Bildungssystem´ das Einbeziehen von ´Experten´, z.B. im Aufsichtsrat der staatlichen Bauherren? Jaja, das haben sie vermutlich alle inzwischen aus diesem  unglückseligen Happening begriffen,  aber vor dem berühmten Griff ins Klo wird vermutlich auch in  Zukunft niemand gefeit sein…

 

mymind 19.01.2013 | 00:30

Vielleicht wären alle versöhnlicher, wenn ein Vergleich mit einigen chef d'oeuvre möglich wäre, wie z.B.

die Oper von Sydney, die erst 8 Jahre später als veranschlagt & mit einer gigantischen Kostenexplosion fertiggestellt werden konnte:

 

Utzon sollte mit den Bauarbeiten beginnen, bevor sämtliche Kostenanalysen und alle technischen Probleme gelöst waren.[5] Daher war keine genaue Kostenberechnung und auch keine Planung der Bauzeit möglich. Dies trug dazu bei, dass die ursprünglich festgesetzten Baukosten von 3,5 Millionen £ am Ende bei über 50 Millionen £, also dann 100 Millionen Australische Dollar lagen und der Termin der Fertigstellung vom 26. Januar, also dem Nationalfeiertag Australia Day von 1965, auf das Jahr 1973 verschoben werden musste.

Was in China abgeht, das ist wahrlich sensationell, insbesondere wegen weniger Knowhow & wenigen Experten. & manchmal sind die Bauten sehr gut gelungen. Aber manchmal klappt es auch nicht so reibungslos, wie gesagt auch wenn  kein Vergleich, aber der CCTV_Tower sollte ursprünglich vor der Olympiade 2008 eröffnet  werden....

http://archrecord.construction.com/projects/portfolio/2012/11/china-central-television-oma.asp

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Ehemaliger Nutzer 19.01.2013 | 11:00

Zunächst ist einmal zu trennen, zwischen großen Projekten privater Unternehmen und großen Projekten der öffentlichen Hand.

Die öffentliche Hand ist per europäischem und nationalem Ausschreibungsrecht gezwungen, ein großes Projekt öffentlich auszuschreiben und dabei dieses Projekt in so viel wie technisch-wirtchaftlich mögliche Lose aufzuteilen. Genau das ist geschehen. Denn eine Gesamtvergabe an einen einzigen Generalunternehmer, wenn sich denn einer finden und sich einer so etwas aufbürden ließe, ist schlichtweg untersagt. Sinn und Zweck der öffentlichen Ausschreibung und der Vergabe nach Losen ist einerseits die Wirtschaftlichkeit (der jeweils günstigste Bieter bekommt den Zuschlag) und andererseits ein faires Vergabeverfahren, welches monopolistische Strukturen verhindert und so langfristig den Wettbewerb sichert.

Zur zweckmäßigen Koordination des gesamten Projektes gründeten die beteiligten Bundesländer und der Bund eine privatwirtschaftliche GmbH, nämlich die Flughafen Berlin Brandenburg GmbHGesellschafter der FBB sind die Länder Berlin und Brandenburg zu je 37 Prozent sowie die Bundesrepublik Deutschland zu 26 Prozent.

Die Fehler liegen hier im Ausschreibungsprozess und in der Führung  des Projektes durch die FBB GmbH. Offensichtlich mangelt es hier an (erfahrenen) Fachleuten und an Personal insgesamt. 

Berufsjugendlicher v2.0 19.01.2013 | 12:23

Vermutlich ist auch das Anfangsbudget zu klein geraten,  vermutet Grewe, der auch im Interview zum BER auf die Veröffentlichung des Budgets und der Kostenentwicklung bei der Olympiade in London 2012 im Internet hinwies: Kostenrisiken transparent machen

Erbärmlich - wie fast immer - lief es in Berlin, wo auch Informationsveranstaltungen zum BER 1994 in der Pampa zu bekloppten Zeiten stattfanden.

Noch erbärmlicher sind die Kollateralschäden, dass Hartz4-Bezieher in den GSW-Siedlungen in Reinickendorf vom Jobcenter vor dem geplanten Eröffnungstermin 2012 bearbeitet wurden, sich eine andere Wohnung zu suchen, da wegen der Stillegung von Tegel die Mieten in den Anflugschneisen drastisch steigen würden.

 

 

Michael Jäger 19.01.2013 | 14:45

Ich bin erst heute dazu gekommen, den Kommentarstrang gründlich zu lesen, und bin von der Debatte sehr angetan. Nicht mit allem bin ich einverstanden, aber es sind Seiten der Sache ausführlicher dargestellt worden, es wurden neue wichtige Gesichtspunkte hinzugefügt und es wird klarer, worüber man sich vielleicht wirklich streiten kann. Als der, der das „Impulsreferat“ gemacht hat, sage ich Danke, bei diesem Zwischenstand. Nur einige Punkte kann ich im Folgenden herausgreifen.

Zunächst unterstreiche ich noch mal, ich habe nirgends geschrieben, daß irgendeins der im Text genannten Großprojekte „zu komplex“ gewesen sei. Vielmehr habe ich geschrieben, daß sich aus der Komplexität eine eigene Art von Problemen ergibt, z.B. daß unvorhersehbare Probleme während der Produktion auftreten können - die sehr wohl lösbar sind. Die Komplexität werde aber vorgeschoben, um Probleme ganz anderer Art, die sich nämlich aus den Produktionsverhältnissen ergeben, zu vertuschen.

Balsamicos Vergleich mit einem Orchester ist wirklich sehr brauchbar: Man stelle sich ein Orchester vor, das aus lauter Privatunternehmern besteht; der Trompeter, der an Beethovens Neunter mitwirkt, findet, daß er zu viele Töne machen muß, und um das auszugleichen, bläst er leiser als in der Partitur steht... Und da diese Unternehmer alle ganz viel Geld haben, der Dirigent aber mit ganz wenig Geld bezahlt wird, hat man keinen guten gefunden, keinen, dem die zu leisen Töne des Trompeters auffallen... Einem Marx-Leser wie mir fällt da die Stelle in Kapital I ein, MEW 23, S. 350, wo zwischen Orcherleitung und kapitalistischer Leitung unterschieden wird: „Ein einzelner Violinspieler dirigiert sich selbst, ein Orchester bedarf des Musikdirektors. Diese Funktion der Leitung, Überwachung und Vermittlung wird zur Funktion des Kapitals [...]. Als spezifische Funktion des Kapitals erhält die Funktion der Leitung spezifische Chaktermerkmale.“

Was die Produktionsverhältnisse bei Großprojekten anrichten, ist z.B. bei Rupert Rauch aufgelistet. Man möge dies nun einerseits nicht falsch verstehen. Es geht nämlich nicht darum, zu bestreiten, daß es gut ist, wenn viele Unternehmen zusammenarbeiten (Aqua-Jedi). Und tatsächlich wäre es „grotesk, privaten Dienstleistern grundsätzlich Täuschungsabsicht zu unterstellen“ (Mymind). Die Produktionsverhältnisse bestehen aber eben nicht bloß darin, daß es viele selbständige Unternehmen gibt, was meiner persönlichen Meinung nach auch in Zukunft, auch sogar in einer Anderen Gesellschaft so bleiben sollte, sondern sie besteht auch z.B. in der Art und Weise, wie die Unternehmen miteinander konkurrieren müssen, wo es dann so läuft wie Rauch in Erinnerung ruft. Der Punkt ist, daß es gar nicht um die „Absicht“ (Mymind) der privaten Dienstleiter geht, sondern um das, was sie durch die Verhältnisse zu tun gezwungen sind.

Andererseits wird die Sache dadurch kompliziert, daß die Produktionsverhältnisse die Produktion selber so durchdringen und im Einzelnen prägen, daß es schwer wird zu sagen – wie ich es in meinem Text versucht habe -, ärgerlich seien nur gewisse Probleme, die sich aus den Produktionsverhältnissen ergeben, akzeptabel hingegen die Probleme, die aus der Komplexität der puren Produktion folgten. Denn daß beides sich manchmal kaum noch trennen läßt, zeigt Seriousguy: Es gibt eine Komplexität der wirklichen und vorgeschobenen Motivationen schon auf der Ebene der politischen Planung, die selber ein Aspekt der Produktionsverhältnise ist und durch welche sich die rein technische Komplexität unsinnig steigern kann. Da kann es dann sogar zur technischen Undurchführbarkeit oder Durchführbarkeit nur um den Preis verantwortungslos in Kauf genommener Kollateralschäden kommen. Und das ist ein weites Feld! Bei „geologische Risiken“ denke ich auch an die projektierte unterirdische Speicherung von Kohlendioxid (nur weil es, aus Profitinteresse, weiterhin Kohlekraftwerke geben soll), bei Durchführbarkeit nur unter hohen Kosten auch an den Ölabbau in letzter Stunde – unter dem Sand, unter dem Meeresboden -, wo man es vordergründig immer mit technischen Problemen zu tun hat, und doch ist die Frage, warum sich die Welt nicht schneller auf erneuerbare Energien umstellt, nur mit Hinweis auf die hochproblematichen Produktionsverhältnisse zu beantworten.

Für mich neu war, was Allesanders zur „Behördenreform“ usw. schreibt. Da sieht man, wie die Politik, als Sklave und Teil der Produktionsverhältisse, den angemessen guten Dirigenten (Balsamico) lieber einspart. „Die Politik glaubt sich ein übergeordnetes Projektmanagement sparen zu können.“ (Allesanders) In der Führung durch die FBB GmbH „mangelt es an erfahrenen Fachleuten und an Personal insgesamt“ (Aqua-Jedi). Das habe ich gemeint, als ich schrieb, es gebe keine richtige Bauleitung (die den Vergleich mit dem angemessen guten Dirigenten aushielte).

Das alles, „spricht das nicht für Volksabstimmung“, fragt Anne Mohnen, und das frage ich mich auch. Wie so eine Abstimmung laufen müßte: siehe Seriousguy. Vier Dinge, sagt er, müßten bei jedem Projekt erst mal geklärt werden. Der eigentliche Gegenstand der Abstimmung ist Punkt 1: „ob ein Bedarf / eine Notwendigkeit dafür besteht“. Aber um darüber abstimmen zu können, müssen die drei anderen Punkte klar aufgearbeitet und in die Entscheidungs- / Abstimmungsvorlage eingegangen sein, so daß jeder Wähler und jede Wählerin weiß und beurteilen kann, worum es geht.

Wenn aber in diesem Zusammenhang zu klären ist, „was erforderlich ist, um den Bedarf optimal zu decken“ (Punkt 2), und „wie es am besten verwirklicht werden kann“ (Punkt 4), kommen uns wieder die Produktionsverhältnisse in die Quere, weil es eben unehrliche Kostenangaben und andere Tricksereien im Zuge der Ausschreibeverfahren gibt. Das ist der Grund, weshalb ich am Ende noch auf das Problem der ökonomischen Geheimhaltung verwiesen habe. Berufsjugendlicher weist auf die „Veröffentlichung des Budgets und der Kostenentwicklung bei der Olympiade in London 2012 im Internet“ hin. „Das Projekt ständig während der Entwicklung nachrechnen und prüfen“, schreibt Rauch. Das müßte eben rigoros durchgeführt werden können, bei allen mitwirkenden Unternehmen.

EnidanH 19.01.2013 | 16:08

Realitätsfremde Argumentation...

... die da heisst, nicht die Leute sind unfähig, sondern die Prozesse sind falsch.

Nun, das ist wieder typisch links-ideologisch.

Schauen Sie sich mal Familienunternehmen an, egal welche Größe, da funktioniert es auch, da müssen die Beteiligten auch auf 100 Baustellen gleichzeitig sein, und wenn sie das nicht können war es das. Wenn ein Politiker etwas nicht kann (auch wenn er meitn er wäre omnipotent), dann fällt er schlimmstenfalls auf seine steuergeldgestützte Altersvorsorge zurück.

Die Argumentation schießt sich doch selbst in das Bein, denn wenn die Prozesse zu komplex, zu falsch wären, wieso funktionieren sie dann anderswo? Wieso haben sie bis jetzt denn funktioniert? Glück, Zufall?

Nein, selbst due SPD-lastige SZ hat mittlerweile kapiert, dass wir ein Problem mit unseren Politikern haben, mit unseren Verwaltungen... denn die funktionieren nicht (mehr), die sind das Problem.

Dann noch zu sagen man wäre oberflächlich, wenn man kompetentes Personal einfordert, was man ja mit seinem Steuergeld bezahlt, ist dann noch der Gipfel. Denn das entbindet in umgekehrter Denkrichtung die Politiker von jedweder moralischen und fachlichen Kompetenz... dann aber gute Nacht.

EnidanH 19.01.2013 | 16:24

Herr Jäger,

 

den hab' ich mir durchgelesen. Abgesehen davon, dass ich da keine Widerlegung finde frage ich Sie mal direkt, wann Sie das letztemal Auge in Auge mit unseren öffentlichen Verwaltungen und mit dem leistungstragenden Mittelstand zu tun hatten? Können Sie sich vorstellen welche Unterschiede in der Effizienz es da gibt?

Welche Kompetenz muss denn ein Politiker mitbringen, wenn er Politiker sein will? Und welche Kompetenz hat er dann, wenn er aus welchen Gründen auch immer in einem Aufsichtsrat oder Vorstand landet? Wenn "wir" wollen, dass solche Projekte sinnvoll sind UND funktionieren müssen wir auch das geeignete Personal dafür einfordern können.

Wowereit z.B. hat Jura studiert, kein Ingenieurswesen, was befähigt ihn dazu (abgesehen davon, dass Berlin ein Träger des BER ist) im Aufsichtsrat zu sitzen, der die Geschäftsführung kontrollieren soll?

Weshalb ich mich ärgere: im Land wird es immer schwieriger die Kompetenten in die Ämter zu bekommen, wo sie eigentlich hingehören; denn dort sitzen Leute, die deswegen in die Politik gehen, weil sie woanders wegen ihrer Inkompetenz keine Chance hätten. Mag Ihnen jetzt wieder zu pauschal sein, bestätigt sich aber immer wieder. Und am Ende muss der Steuerzahler ran.

h.yuren 19.01.2013 | 17:33

Irgendwie geht in Deutschland bei Großprojekten immer etwas schief.

das stimmt, lieber michael. aber anderswo stimmt das auch. denke an den dreamliner von boeing, der erstmal am boden bleibt.

aber sicher gibt es noch hundert andere beispiele aus der schönen weiten welt. ich halte das für anzeichen des angekündigten kollapses. angekündigt seit 1972. es ist wie das knistern und knacken im gebälk vor dem richtigen (nicht bloß finanziellen) crash.

gruß, hy

sven kyek 21.01.2013 | 13:36

Es gibt nur noch eine Chance, mit Anstand das Projekt zu beenden

sehr viel Geld zu sparen und nicht noch mehr Ansehen zu verspielen.

Der Baukörper muß an die Hoch Tief AG  Essen verkauft werden.

Die haben das Know How auf eigene Rechnung fertigzustellen

und eventuell sogar zu Betreiben. Allen die jetzt , ja aber Hamburg,

sagen, empfehle ich sich mal über das Potential der AG im

Internet und deren Referenzen zu informieren.

LazyVisionary 21.01.2013 | 16:11

Ich finde den Artikel und die Kommentare zwar durchaus schlüssig, aber mir kommt ein Teilaspekt einfach zu kurz, der gerade angesichts S21 doch erheblichen Einfluss hat, nämlich Korruption. Machen wir uns nichts vor, die Vorstandspöstchen sind in Deutschland das, was in anderen Ländern eben der braune Umschlag ist.

 

Ich finde es schon erstaunlich, wie unkritisch, ja, geradezu fatalistisch die Politik sich hinter solche Projekte stellt, wenn sie doch Verfechter des öffentlichen Interesses sein sollte. Wenn mit der Durchsetzung solcher Vorhaben persönliche Vorteile verknüpft sind, kommt es eben zwangsläufig zu einem unüberwindlichen Interessenskonflikt an dessen Ende allzu oft eine Entscheidung steht, die sich beinahe direkt gegen das öffentliche Interesse richtet. Die S21-Crew (Gönner, Mappus, Schuster) oder eben Roland Koch haben ja recht eindringlich bewiesen, dass sie an einem gewissen Punkt gar nicht mehr fähig waren ihrem Amt entsprechen zu agieren, gerade weil ihr persönliches Fortkommen so eng mit der Durchsetzung der Projekte verworren war.

 

Der einzig gangbare Weg wäre absolute Transparenz, denn jener gottgleichen Integrität, die man gerne von Politikern fordert, würde ohnehin niemand gerecht (man kann es auch nicht, letztlich sind wir alle schwach). Wenn aber gerade da so vehement dicht gemacht und wider besseren Wissens polemisiert wird, scheint man mit der Fordeung ja den Finger in die Wunde gelegt zu haben. Mir fallen da die Berliner Wasserbetriebe ein, wo man sich seitens der Politik nicht entblödete die windigen Bedingungen dieses PPPs mit dem Verweis auf die in Deutschland herrschende Privatautonomie und der daraus erwachsenden Geheimhaltung von Verträgen unter Verschluss halten zu wollen. Da diese Privatautonomie allerdings (wie der Name schon sagt) den Vertrag zwischen zwei Privaten sichert, hat sie sich logischerweise erledigt, wenn einer der Vertragspartner die öff. Hand ist. Schwer zu glauben, dass Juristen diesen simplen Widerspruch nicht gesehen haben wollen. Daraus folgt (jedenfalls für mich) ein Argumentieren wider besseren Wissens und letztlich gegen das öffentliche Interesse. Viel zu oft war deshalb auch zu beobachten, wie die politischen Entscheidungsträger zu reinen Fürsprechern von Projekten wurden und eher den Anschein machten, der privaten Vertragsseite anzugehören, als ihrem Amt gerecht zu werden.

 

Ich will nicht behaupten, hier läge das absolute Hauptproblem, aber wenn Interessenskonflikte eine rationale und kritische Begleitung von Projekten bereits im Keim ersticken, dann muss wirklich die Gesamtbevölkerung jenes Korrektiv bilden, dass eigentlich von Politikern verkörpert werden sollte. Und das hieße eben alle Verträge und Planfestellungsverfahren z.B. im Internet als PDF zugänglich zu machen. Andernfalls wird sich immer eine kleine Blase von Entscheidern bilden, deren Verhalten recht undurchschaubar und korruptionsanfällig ist.

sven kyek 21.01.2013 | 18:56

Darauf könnte man viele Antworten geben. Die Staatsanwaltschaften

dürften politischen Weisungen nicht mehr unterworfen sein. Das müßte , Dies sollte, Jenes könnte. Die einzige Perspektive liegt darin,

daß die jetzige Staats und Wirtschaftsform nicht ein Meilenstein

der endlosen Weiterentwicklung a"la Wirtschaftswissenschaftler

alter Schule ist. Die würde ja unterstellen, daß die freie Markt-

wirtschaft ein Pepetuum Mobile ist. Das Gegenteil wird ja gerade

durch das Implizieren planwirtschaftlicher Elemente , ob in Energie

Steuer, Finanz oder Förderpolitik praktiziert. Man kann das ruhig

als lebenserhaltende Eingriffe bezeichnen. Nicht umsonst sprechen

H. Schmidt und J.C. Juncker von den Gefahren sozialer Aufstände.

Wenn die griechische und spanische Nahtoderfahrung auch Teil

französischer, italienischer oder gar deutscher Wohn und Schlaf-

zimmer wird , ist der Zeitpunkt nicht mehr weit , an dem auch für

das System Korruption der Zahltag kommt..