Sarah Rudolph
27.12.2012 | 16:58 14

#Musik12

Pop Die tollsten Platten 2012, die mich ganz persönlich berührt haben. Und noch eine Handvoll mehr.

#Musik12

flickr.com // mzeuner (cc)

Ich habe noch den unfertigen Blogpost vom letzten Jahr in meinem Entwurfsordner liegen. Auch dieses Jahr ist schwierig.
Eigentlich ein unglaublich gutes Jahr, musikalisch.
Großartige Neuerscheinungen, Neuentdeckungen, wunderbare Alben, Songs, Alles.
Aber gleichzeitig ist nur sehr wenig davon wirklich an mich herangekommen, weil ich immer immer immer nur das gleiche gehört habe.
Nach langem hin und herüberlegen jetzt also: das was mich berührt hat, dieses Jahr. Das müssen nicht zwingend die besten Platten sein und weil viel zu viel Tolles dabei herausfällt, gibt es das ein oder Andere noch unkommentiert dazu. Jahres"charts" müsst ihr woanders suchen.

Ich kann das nicht werten, deswegen: chronologisch.

Tua - Raus

Das Jahr beginnt mit einem Knall. 13. Januar, bäm: Raus. 
Noch völlig hingerissen von Maeckes' Manx Ep aus dem November 2011 und dem wunderbaren Niemandsland mit Tua-Feature, bin ich ganz besonders gespannt auf Tuas neues Soloding und: wow.
Diese Platte hat mein Jahr geprägt. Dunkel, trotzig, keine Fröhlichkeit, kaum Farben, aber dabei gar nicht negativ oder traurig. 
Kopfhörer, Kapuze, Raus auf den Ohren, durch die Straßen laufen, weit weg - raus - wünschen. Wieder und wieder.
Mein Verhälnis zu elektronischer Musik ist gespalten, ah was, eher ziemlich schlecht, gerade Dubstep: ach nee. Dass ausgerechnet ein Elektrogefrickel-Dubstep-Poststep-Produktionsmonster mein ständiger Begleiter 2012 wird, fasziniert mich.

Auf den ersten Blick teils fast unhörbarer Krach, Propeller im Kopf, teils zarte, traumartige Klänge, aber der Traum droht immer Alb zu werden, spätestens bei Vadata ist er es, Paranoia.
Tua ist zweifellos ein großartiger Rapper, aber wenn er nach Raus immer noch erklären muss, was er noch alles ist (z.B. Sänger, in erster Linie aber Produzent),  dann ist irgendwas deutlich falsch. 

Die Orsons - Jetzt EP

Schon wieder eine EP.  Nach Manx und Raus kommt nun im März die Dritte auf dem Weg zum großen Orsons-Album, an dem die Herren Tua, Maeckes, Plan B und Kaas seit einer gefühlten Ewigkeit arbeiten. Neben Chimperator ist zum ersten Mal mit Universal Pop auch ein Majorlabel beteiligt. Die Erwartungen sind riesig und werden im Frühjahr durch die Jetzt EP, die dem Juice Magazine beiliegt, nur noch weiter angeheizt. Nach den bisherigen doch sehr albernen und poppigen Releases als Orsons, ist es eine fette Rap-Sammlung, voll Spaß, dicken Beats, Angriffslust und Selbstironie. Außerdem, was man bei all dem Spaß so oft vergisst: die können halt einfach rappen. (Okay, über Kaas kann man nochmal reden, aber... selbst er klingt auf Jump! richtig gut)

Amanda Palmer and the Grand Theft Orchestra - Theater is Evil

Das gelungene Crowdfunding-Experiment. Viel wurde geschrieben über AFP, die sich von ihrer Plattenfirma losgesagt und das Geld für dieses Album über Kickstarter von den Fans eingesammelt hat. 1,2 Millionnen Dollar hatte sie so zur Verfügung um mit ihrer Band, den Grand Theft Orchestra, ein fulminantes, prächtiges Stück Musik herauszubringen und weltweit auf Tour zu gehen. 
Ich hab mein Herz schon lange an sie verloren, egal was sie getan hat, ob mit den Dresden Dolls, Evelyn Evelyn oder ihrem Solo-Debut "Who killed Amanda Palmer", ich feiere das alles. Wieder und wieder und wieder. Ich habe einen Riesengroßen Koffer voll mit Erinnerungen, die mit ihrer Musik vebunden sind. Wegen ihres Covers von Radioheads Creep habe ich angefangen Ukulele zu spielen. 


Theatre is Evil ist genau das: großes Theater. Druckvoll und full of Drag, aber mit Raum für die ganz leisen Töne, wunderbaren Geschichten und einem etwas anderen Blickwinkel. Mal laut und mit Stromgitarren, mal so, wie sie immer am besten und persönlichsten ist, nur mit Piano. Die bisher erschienenen Videos  machen mir großen Spaß und Sie in Köln live gesehen zu haben, gehört ganz weit nach vorne zu den emotionalen Höhepunkten meines Jahres. Ein unglaubliches Konzert. 

Die Orsons - Das Chaos und die Ordnung

Ende September, Endlich. Jaaa, ich weiß., das ist hier alles sehr orsonslastig. Aber ich bin einfach wirklich sehr begeistert. Das lang ersehnte (und offenbar hart erarbeitete)  Orsons-Major-Debut trägt sehr, sehr deutlich Tuas Handschrift und ist gleichzeitig der exakte Gegenpunkt zu Raus.
BUNT, laut, überdreht, anarchisch. Tolle Stimmung. vier sehr unterschiedliche und auf ihre sehr eigene Art wundervoll verdrehte Solokünstler, die zusammen etwas ganz eigenes schaffen.
Über die Single Horst und Monika, mit der sie auch beim Bundesvision Songcontest antraten (und 5. wurden) hülle ich hier lieber den Mantel des Schweigens.  Damit bekamen meine großen Erwartungen einen ganz ganz dicken Dämpfer.

Aber dann kam das nächste Vorabvideo und eine wunderhübsche CD in rosa, blau und grün und ich bin vollauf versöhnt. Tolle, innovatiove Popsongs, eine zwar wunderbar positive, dem Leben zugewandte Grundhaltung, aber immer mit Tiefe und einem Hauch Melancholie.  Dass das nicht völlig durch die Decke gegangen ist wundert mich immernoch. 
Übrigens auch hier: tolle Liveshow, perfekt durchchoreografiert, mit Slapstick, Party, Schlagzeuger und wunderbaren Sängerinnen. Unbedingt hingehen.

Macklemore & Ryan Lewis - The Heist

Und noch mehr Hip Hop. Spät entdeckt und dafür Hals über Kopf verliebt. Und da bin ich anscheinend nicht die Einzige. Zuerst erwischte mich das wunderschöne Video zu Same Love, ein Song über Homosexualität, Bullying und Hip Hop, zu dessen Geschichte er hier ein wenig erzählt.
Kurz darauf brachte mich der eingängige Beat von Thrift Shop zum tanzen (das Saxophon die Trompete!!). Seit ein paar Wochen läuft es dann doch ständig hier. Trotz großer Vielfalt mit deutlichem roten Faden, tollen Features und Macklemores Stimme: ach, von ihm würde ich auch Hörbücher hören. (und nein, ich mag keine Hörbücher).

 This is fuckin' awesome. 

 

außerdem, mit Links zum ersten reinhören:

The Ting Tings - (Hang it up)
Bat for Lashes - The Haunted Man (Laura)
Kendrick Lamar - Good Kid, m.A.A.d. City (m.A.A.d. City)
The XX - Coexist (Chained)
Frank Ocean – Channel Orange (Thinking about you)

Kommentare (14)

MopperKopp 27.12.2012 | 17:16

Toll, Danke, und mein Browser schafft es problemlos, anders als bei der Bandwurmliste von Herrn Augsburg, in der Besprechung von Tua gibt es einen kleinen Zusammenschreiber "Tuaist zweifellos ein großartiger Rapper," die Bässe kommen gut rüber. Bei Amanda Palmer wäre früher gleich die Zensur mit ihren schwarzen Balken angerückt, Nippel, die sich derart ins Bild recken waren nur für Babys zugelassen. Die Orsons haben es dir wohl angetan und mir das Saxophon.

Sarah Rudolph 27.12.2012 | 19:17

Oh ja, das AfP-Video ist ja die uncensored-Version, ich glaube das ist in den USA noch ein etwas größeres Problem als hier. Aber ich mag das.
Danke für den Fehler-Hinweis, ich habe da auch sonst noch den ein oder anderen gefunden.

Oh, und das Saxophon hat es mir auch angetan. Sehr hübsch auch live zu betrachten, zdf.kultur hat den gesamten Splash-Auftritt von Macklemore auf Youtube gestellt.

poor on ruhr 27.12.2012 | 19:48

Danke schön. Ich habe ehrlich gesagt nur in Niemandsland reingeschaut. Das heisst aber wirklich nicht, dass mir Deine Musik nicht gefällt. Ich hoffe, Du bist mir nicht böse.

Für mich war das Blog von Dir aber der Impuls mich nach langer Zeit wieder heutenachmittag wieder  intensiver mit Musik zu beschäftigen

Das habe ich auf youtube ausführlich getan und es hat mir gut getan. Danke dafür.

Herzliche Grüße

por 

miauxx 27.12.2012 | 19:56

"Ich finde ja, dass Amandas Solosachen sich tendenziell schon ziemlich stark von den Dolls unterscheiden."

Na entweder "tendenziell" oder "ziemlich stark" - beides zusammen geht nicht! Aber genug gestänkert ... :-)

Für mein Empfinden ist die Differenz zwischen den Palmer-Projekten zu gering. Daran ändert auch nicht so viel, dass etwa das "Grand theft ..." mehr eine Rockband ist. Die Instrumentierung allein ist es nicht.  Es ist die Art der Songs, die Melodik und Phrasierungen (darin nicht zuletzt die stets gleiche Art Palmers, zu singen) aber auch die optische Ästhetik. Deshalb würde ich einer nur "tendenziellen" Differenz zustimmen. Das ist ja auch alles okay - persönlichem Stil kann man nur schwer ausweichen ("never change a running system"). Nur hätte es in meinen Augen eben nicht zwei, drei verschiedener Projekte gebraucht, die sich am Ende eben kaum unterscheiden.

Theda 29.12.2012 | 00:52
@Sarah Rudolph, wie bewerten Sie, "als Person" (als was auch sonst?), denn etwas anders als "persönlich"? Geht es hier um Sie als Person oder um den Inhalt Ihres Textes, den Sie als so wichtig "persönlich" darstellen? Ich versuche hier ja die Frage, nach der von Blogger @Luggi aufgeworfenen "Schizophrenie" zu klären. Also, ist das nun ein PR-Text, bei dem Sie so heimelig Floskeln wie "persönlich" anwenden, oder eine um etwa fünf Jahre verspätete Ode an Amanda Palmer et al.? Oder anders gefragt: Wie schreiben Sie Ihr Geschmackserlebnis nieder, wenn Sie "unpersönlich" meinen? Um wen geht es hier? Um Sie als ehemalige Praktikantin vom Freitag oder um Content? Theda und die drei( >3) ???
Sarah Rudolph 29.12.2012 | 12:16

haha, das mit dem tendenziell stark war tatsächlich absicht bei der ich in mich hineinkicherte. aber das glaubt mir ja bestimmt keine.

natürlich lässt sich persönlicher stil - gerade bei gesang - nicht wirklich verstecken, und ja, das ist wohl auch gut so. aber ich sehe da doch sowoh weiterentwicklung als auch unterschiede in den projekten. jason webley und brian vigione bleiben ja auch nicht völlig unsichtbar. 
und dass sich... z.B. elepant elephant und map of tasmania kaum unterscheiden kann ich so einfach nicht behaupten ;).

liebe grüße
s