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29.11.2012 | 12:24 8

Eröffnung des Klaus Wowereit Airports 2043

Satire Endlich: Nach knapp 40 Jahren Bauzeit soll der Großflughafen in Berlin seinen Betrieb aufnehmen. Es gibt nur noch ein kleines Problem

Eröffnung des Klaus Wowereit Airports 2043

Noch herrscht gähnende Leere in einer der im Retrodesign gestalteten Schalterhallen des Berliner Ausnahmeflughafens

Foto: toffehoff / Flickr (cc)

Nach 37 Jahren Bauzeit ist es am 21. Oktober 2043 endlich soweit: der Großflughafen "Klaus Wowereit" – internationales Kürzel WOW – wird feierlich in Schönefeld eröffnet. WOW ist der erste unterirdische Flughafen der Welt und damit eine weitere weltweite Attraktion Berlins, wie ausländerfreie Zonen in Lichtenberg oder die sprichwörtliche Pünktlichkeit der S-Bahn. Mit den drei unterirdischen Landebahnen konnten nach Aussagen des Regierenden Bürgermeisters von Berlin Christopher Lauer "Maßstäbe in modernem Design und Funktionalität gesetzt werden."

Das Besondere an den unterirdischen Landebahnen: Im Winter müssen sie nicht von Schnee geräumt werden, was unheimlich Zeit spart. "Von der Berliner S-Bahn wissen wir seit vielen Jahrzehnten, wie kritisch die Situation ab etwa 5 Grad Celsius und Regen sein kann. Diesen Schwierigkeiten gehen wir dadurch geschickt aus dem Weg", meint der Regierende Bürgermeister weiter. Auch musste nicht ein einziger Baum gefällt werden. "Besonders freuen wir von den Grünen uns darüber, dass nicht einer der seltenen Käferarten in seinem natürlichen Lebensraum gestört wird, so Alt-Grüne und Bausenatorin Ramona Pop zum Freitag. Während sie dies sagt, sieht man in der Ferne, wie eine sehr alte gebückte Dame Namens Renate Künast zu Karl der Käfer tanzt.

Trotz aller Freude über die unterirdischen Landebahnen konnte bis zur Eröffnung ein Problem nicht gelöst werden: Wie landen Flugzeuge auf Landebahnen, die sich unter der Erde befinden?
"Wir sind in aussichtsreichen Gesprächen mit führenden Flugzeugherstellern, die uns versichert haben, in den nächsten Jahren eine Technik zu entwickeln, mit der man auch unterirdische Flughäfen anfliegen oder zumindest überfliegen kann", so der Bildungs- und Wissenschaftssenator Dr. Simon Weiss von der Piratenpartei.
Also alles eitel Freude Sonnenschein – oder wie man unter Freunden des Fliegens sagt: bestes Flugwetter. Ein bisschen trübe Stimmung kam nur wegen den exorbitanten Baukosten auf. Lauer: "Natürlich hat die Verlegung der Landebahnen auf tieferes Niveau für eine Erhöhung der Kosten gesorgt. Aber dafür haben wir hier in Berlin etwas Einzigartiges geschafft, was zum unheimlichen kreativen Potential passt: ein Airport, für den es noch keine Flugzeuge gibt. Dies ist eine Punktlandung für den Innovations-Standort Berlin." Diese Infraunstrukturmaßnahme gewordene Punktlandung kostete den Steuerzahler schlappe 44 Milliarden Euro. Vor 30 Jahren hat man mit solchen Summen nur Griechenland nicht gerettet, heute bekommt man für das gleiche Geld keinen Flughafen – jedenfalls nicht im klassischen Sinn.

Selbst beim überirdischen Terminal war Einiges unterirdisch: Die Probleme mit dem Brandschutz haben die Fertigstellung und Genehmigung des Gebäudes viele Jahre verzögert. Während der Olympischen Winterspiele 2030 in Berlin – der letzte Meilenstein in der Regierungszeit von Klaus Wowereit – wurde in dem Gebäude die Jugend der Welt untergebracht. "Die spanische Mannschaft dachte damals erst, dass wäre ein Hostel – aber als sie merkten, dass der Komfort dort noch schlechter war, wurden sie misstrauisch," so Ex-Tourismus-Senator Sven Kohlmeier von der SPD. Die Olympischen Winterspiele 2030 sind übrigens als "die grauen Spiele" in Erinnerung geblieben. Um schließlich rechtzeitig das Terminal fertig zu stellen, beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus einstimmig, Brände in Berlin zu verbieten.
"Warum sind wir eigentlich nicht früher darauf gekommen", sagt der sichtlich gealterte Ex-Innensenator Heilmann in die Kamera des RBB. Seit dem Verbot von Bränden werden Mitarbeiter der Berliner Feuerwehren zu Schlecker-Mitarbeitern umgeschult: "Irgendwas muss man ja nicht machen," meint dazu ein ehemaliger Oberbrandmeister, während er Grillanzünder in Regale einräumt.

Schließlich wurde auch irgendwann der Name des neuen Großflughafens geändert. Denn wer kann sich 2043 noch an Willy (hört sich nach dem Freund von Biene Maja an) Brandt (seit 2038 in Berlin verboten) noch erinnern. Stattdessen war die einhellige Meinung dem Airport den Namens des GRÖBAZ (Größter Bürgermeister aller Zeiten) zu geben: Klaus Wowereit. In seiner Amtszeit wurde viel Gutes für die Stadt getan: der U-Bahnschläger wurde erfunden, das Berghain abgerissen und ein "Berliner Mauer Erlebnispark" eingerichtet. Insbesondere der Mauererlebnispark im ehemaligen Mauerpark erfreut sich größter Beliebtheit. Hier kann man mit Paintball-Gewehren auf Statisten ballern, die über die Mauer nach drüben wollen. Ein großer Spaß für die ganze Familie. Oder wie sagte Klaus Wowereit damals: "So machen wir die Geschichte der Stadt anfassbar - vor allem wenn man eine Paintball-Kalaschnikow in den Händen hält." Darum heisst der neue Großflughafen WOW – Klaus Wowereit.

Zur Eröffnung spielen unter anderem die Alt-Stars Sido (Mein Block), Wir sind Helden (Reklamation) und der aktuelle Gewinner von Deutschland sucht den Superstar Marwan Singh. Übrigens: für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Kommentare (8)

janto ban 29.11.2012 | 18:05

Laut lachend zur Kenntnis genommen. Danach habe ich mir dreimal hintereinander das Stuttgart22 Video angeguckt. Ich glaube, das ist mein Lieblingssatz:

| Vor 30 Jahren hat man mit solchen Summen nur Griechenland nicht gerettet, heute bekommt man für das gleiche Geld keinen Flughafen |

Oder der hier:

| Seit dem Verbot von Bränden werden Mitarbeiter der Berliner Feuerwehren zu Schlecker-Mitarbeitern umgeschult |

Ganz große Kunst.

Oberham 30.11.2012 | 09:40

.... also ich hab es exakt 18 Sekunden bis zum Scrollen durchgestanden ;) ...... (keine Explosion .... da ab 1:49 ..... die Routine immer noch gut funkioniert....) insofern - wow!

Die Berliner sind da doch fortschrittlicher, als die Stuttgarter - sie schaffen Arbeitsplätze und Aufragsmilliarden für die Betonmafia ohne überirdisch Schaden anzurichten (laut Text wurde kein einziger Käfer belästigt - zumindest keiner der in Bäumen lebt....)

Könnten wir nicht für ganz Deutschland einen Partykeller bauen?

So in 40 Meter Tiefe - das spart die Heizkosten.

Wem es oben zu äzend wird, der geht einfach nach unten und feiert.

Vaustein 30.11.2012 | 13:18

Der unaufhaltsame technische Fortschritt wird uns noch manch wundersame Dinge bescheren: Fluggeräte mit doppelter Lichtgeschwindigkeit, die dazu führen, dass man schon da ist, wenn man ankommt und sich dann selbst begrüßen kann. WOW ist einer der Schritte dahin...und S22 zeigt, selbst die Schwaben sind auf gutem Wege dahin.

Schöne Story. Dafür: *****