George Monbiot
21.03.2013 | 12:53 71

Anwälte der Armen

Lateinamerika Papst Franziskus spricht von einer „Kirche der Armen“. Dabei hat er sich stets gegen deren wahre Fürsprecher gewandt – die Befreiungstheologen

Anwälte der Armen

Foto: Daniel Vides/ AFP/ Getty Images

„Wenn ich den Armen Essen gebe, nennt man mich einen Heiligen. Wenn ich frage, warum sie arm sind, nennt man mich einen Kommunisten.“ Der Ausspruch des brasilianischen Erzbischofs Dom Hélder Pessoa Câmara zeigt einen der großen Risse in der katholischen Kirche. Aber er bringt auch zum Ausdruck, wie inhaltslos die Behauptung des neuen Papstes ist, er stehe auf der Seite der Armen.

Die mutigsten Menschen, die ich kennengelernt habe, waren alle katholische Priester. Als ich in West-Papua und in Brasilien arbeitete, begegnete ich Männern, die immer wieder bereit waren, zum Wohle anderer den eigenen Tod zu riskieren. Als ich zum ersten Mal an die Tür des Klosters von Bacabal im brasilianischen Bundesstaat Maranhão klopfte, glaubte der Priester, ich sei geschickt worden, um ihn zu töten. An jenem Morgen hatte er eine weitere Todesdrohung einer lokalen Rancher-Vereinigung bekommen. Trotzdem öffnete er die Tür.

Schutz vor Folter und Tod

Im Kloster war eine Gruppe von Kleinbauern – einige von ihnen weinten und zitterten. Ihre Körper waren mit blauen Flecken übersät, die man ihnen mit Gewehrkolben beigebracht hatte. An ihren Handgelenken waren Verbrennungen zu sehen. Solche, die entstehen, wenn jemand die Haut mit Seilen scheuert. Diese Kleinbauern gehörten zu den tausenden von Menschen, denen die Priester Schutz zu geben versuchten. Schutz vor expansionistischen Gutsherren, die ihre Häuser niederbrannten, sie von ihrem Land vertrieben, folterten und töteten. Unterstützt von der Polizei, lokalen Politikern und einer korrupten Justiz.

Ich erfuhr die Angst, mit der diese Priester lebten, als ich von der Militärpolizei verprügelt und beinahe erschossen wurde. Doch sie ließen mich gehen. Die Priester blieben, um Menschen zu verteidigen, die um ihr Land kämpften und oftmals um Leben und Tod. Die Verteibung bedeutete für viele Unterernährung, Krankheit und die Gefahr, in Slums oder Goldminen ermordet zu werden.

Die Priester gehörten einer Bewegung an, die sich in ganz Lateinamerika ausgebreitet hatte. Sie beriefen sich auf das 1971 erschienene Buch „Eine Theologie der Befreiung“ von Gustavo Gutiérrez. Die Befreiungstheologen stellten sich nicht nur zwischen die Armen und die Mörder, sie mobilisierten ihre Gemeinden auch zum Widerstand gegen die Enteignungen. Sie wollten, dass die Unterdrückten ihre Rechte kennen und verteidigten. Ihren Kampf verstanden sie als Teil einer langen Geschichte des Widerstands, der mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten beginnt.

Inquisition gegen Befreiungstheologen

Als ich mich ihnen 1989 anschloss, waren gerade sieben brasilianische Priester ermordet worden. In Südamerika waren viele andere Geistliche inhaftiert, gefoltert und getötet worden. Óscar Romero, der Erzbischof von San Salvador, war erschossen worden. Aber Diktatoren, Landherren, Polizisten und Killer waren nicht die einzigen Feinde der Befreiungstheologen. Nach sieben Jahren kehrte ich nach Bacabal zurück und begegnete wieder dem Priester, der mir bei meinem ersten Besuch die Tür geöffnet hatte. Er konnte nicht mit mir reden. Er war während der „großen Säuberung“ innerhalb der Kirche zum Schweigen gebracht worden. Die Löwen Gottes wurden von Eseln angeführt. Die Kleinbauern hatten ihren Schutz verloren.

Der Kampf gegen die Befreiungstheologen begann 1984 mit der Veröffentlichung eines Dokuments durch die Kongregation für die Glaubenslehre (früher als „Inquisition“ bekannt). Verfasser war ihr Präfekt namens Joseph Ratzinger. Die Schrift dreht sich um die „Gefahren der Abweichung“, die von der Befreiungstheologie ausgehe.

Ratzinger leugnet darin aber nicht die von den Befreiungstheologen kritisierte Realität. In dem Dokument ist die Rede von der „Anhäufung der Reichtümer durch eine Besitzeroligarchie (…), Militärdiktaturen, die die elementaren Menschenrechte missachten, die Korruption bestimmter Machthaber, die zügellosen Praktiken des ausländischen Kapitals in Lateinamerika.“ Aber Ratzinger besteht darauf, dass „Heil und Heilung von Gott allein“ zu erwarten seien. „Gott, nicht der Mensch, hat die Macht, die Not anzuwenden“, schreibt er.

Sein einziger ernst gemeinter Vorschlag war, die Priester sollten die Diktatoren und die Auftragskiller dazu bringen, ihre Nächsten zu lieben und sich in Selbstkontrolle zu üben: „Soziale Veränderungen, die wirklich im Dienst des Menschen stehen, wird man nur erreichen, indem man an die Ethik der Person und an die beständige innere Umkehr appelliert.“ Ganz bestimmt bekamen es die Generäle und ihre Todesschwadronen bei solchen Worten mit der Angst zu tun.

Bis heute keine Entschuldigung

Ratzinger hätte zu seiner Verteidigung allenfalls sagen können, dass er in der Abgeschiedenheit des Vatikans kaum eine Vorstellung davon hatte, was sein Schreiben bewirken konnte. Als in Rom der Prozess gegen den Priester Leonardo Boff, einer der führenden Befreiungstheologen, stattfand, lud der Erzbischof von São Paolo Ratzinger ein, damit er sich mit eigenen Augen ein Bild von der Situation der Armen in Brasilien mache. Ratzinger lehnte die Einladung ab. Mehr noch: Einen Großteil der Diözese des Erzbischofs wies er andere Bischöfen zu. Ratzinger war vorsätzlich unwissend. Doch auch der neue Papst hat sich für all diese Vorgänge noch nicht entschuldigt.

Franziskus wusste, wie Armut und Unterdrückung aussahen: Er feierte mehrmals im Jahr Messen in dem Slum „Villa 21-24“ in Buenos Aires. Doch als Führer der argentinischen Jesuiten verunglimpfte er die Befreiungstheologie und forderte die Fürsprecher der Armen dazu auf, sich aus den Slums zurückziehen und ihre politischen Aktivitäten aufzugeben.

Nun behauptet er, er wünsche sich „eine Kirche für die Armen“. Heißt das, dass er den Armen Brot geben will? Oder geht es ihm auch um die Ursachen der Armut? Die Diktaturen Lateinamerikas führten Kriege gegen die Armen. Vielerorts setzte sich die Unterdrückung auch nach dem Zusammenbruch der Diktaturen fort. Die verschiedenen Fraktionen der katholischen Kirche standen sich feindlich gegenüber. Was diejenigen, die die Befreiungstheologie unterdrückten, auch immer zu ihrer Verteidigung zu sagen haben: De facto waren sie Verbündete von Tyrannen, Landräubern, Sklavenhaltern und Todesschwadronen. Seiner demonstrativen Bescheidenheit zum Trotz – Papst Franziskus stand auf der falschen Seite.

Übersetzung: Zilla Hofman



Kommentare (71)

rechercheuse 21.03.2013 | 13:15

danke für diesen informativen beitrag!

 

das ist ja das "menschliche" problem ... warum nach den ursachen fragen? - sie zu analysieren-erkennen- und ÄNDERN ... dankend brot essen ist ja ganz pragmatisch ... wer will und kann für welchen preis darauf verzichten um zu überleben ...

 

spannend wäre doch die anlayse "warum bin ich so reich und mächtig" - doch die konsequenz, dies zu ändern ????

Lukasz Szopa 21.03.2013 | 14:01

@"Papst Franziskus spricht von einer „Kirche der Armen“. Dabei hat er sich stets gegen deren wahre Fürsprecher gewandt – die Befreiungstheologen".

Das ist eben die politische Taktik, die u.a. Angela Merkel so erfolgreich macht: Sobald es so weit ist, d.h. mainstream-populär, übernimmt man (Teile oder ganz) die Ideen der Opposition: Atomaustieg, Wehrdienst, Mindestlohn...

la lumiere 21.03.2013 | 14:20

Ich möchte allen Kommentatoren recht geben.Auch,dass Kirche teilweise lieber mit den Reichen als mit den Armen verbunden ist.Trotzdem muss ich an Martin Luther denken,der ja allgemein nichts als Befreiungstheologe gilt.Er hat gegen den Reichtum und das Gebahren einer reichen Kirche gewettert, und wurde von den Bauern und Armen als einer der Ihren wahrgenommen,der für  sie kämpft vor den Mächtigen,was leider zum 30-jährigen Krieg geführt hat.

pleifel 21.03.2013 | 14:41

Matthäus 7, 16: "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen."

Wenn man Frucht durch Tat ersetzt, lässt sich die Handlung an dem Maßstab messen, dem sich das Christentum als "einzige Wahrheit" in dieser Welt verpflichtet fühlt (fühlen sollte).

Ich habe diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit in Lateinamerika noch nie akzeptieren können. Es war einer der Punkte, die die "Amtskirche" für mich unglaubwürdig gemacht hat.

Im Gegensatz zum Wirken vieler Menschen in der Kirche, die den "Geist" verkörpern (leben), wie es im Artikel so treffend beschrieben wird.

pleifel 21.03.2013 | 14:48

Dann müssen Sie aber auch die negative Seite Luther´s zeigen, die dort nicht halt macht und  Forderungen wie: "Hexen zu töten und Bauern zu erschlagen", für eine Christenpflicht bezeichnet.

„... wer am ersten kann und mag denselben (Bauern) erwürgen, recht und wohl tut. Denn über einen öffentlichen Aufrührischen ist ein jeglicher Mensch beides, Oberrichter und Scharfrichter.“

dreg07 21.03.2013 | 15:42

Unsere Stief-Mutter die Kirche war seit der "Konstantinischen Wende" (313) immer auf der Seite des Staates, der Mächtigen, der Unterdrücker. Es sei denn, sie wurde selbst unterdrückt wie im Kommunismus. Ab 380 wurde sie sogar Staatskirche und ist es in nordisch-protestantischen Ländern immer noch. Im MA musste sogar der Kauser Friedrich II zum Gang nach Canossa, der Papst stand über ihm, Bischöfe waren oft "geistliche und weltliche Landes-Herren", Luther zog über die "räuberischen und mordenden Banden" der Bauern her beim 1. und bisher einzigen Bürgeraufstand gegen die Mächtigen und Unterdrücker. Natürlich haben sie einzelne Bischöfe gegen die Regimes gestellt (Kard. Faulhaber gegen Hitler, Kard. Silva-Henriquez gegen Pinochet), aber fast die gesamte lokale Hierarchie waren entweder ohnmächtige Zuschauer, Mitläufer und manchmal auch Komplicen (z.B. in Spanien unter Franco, die "Deutschen Christen" unter Hitler). Einige auch in Argentinien, dort gab es Widerstand nur von unten, ca. 150 Priester wurden zwischen 1976-83 umgebracht; von Bergoglio ist kein Widerstand bekannt, was er im Verborgenen getan hat, darüber gehen die Meinungen stark auseinander. Heute schreibt de Jesuit Jalics, dass er nicht von Bergolio denunziert wurde, so wie er später lange geglaubt hat.

anne mohnen 21.03.2013 | 17:38

Ein ignoranter Text, der hinter dem Deckmantel von vermeintlicher Erfahrung und Aufklärung Authentizität vorgaukelt, um diffuse Vorurteile zu manifestieren.

Denn Monbiot klärt weder auf, was Befreiungstheologie denn meint, noch spricht er darüber, welche Inhalte diese in den Gegensatz zu Rom gebracht haben.

Welche Person kann mit Großinquisitor gemeint sein, welches konkrete Ereignis  mit dem Schlagwort Säuberungswelle, ein Schlagwort aus dem Stalinismus der 30 Jahre, in Verbindung gebracht werden?

Natürlich hat Rom nicht die Solidarität mit den Armen, Sozial- und Bildungsprogramme seiner Ortskirchen zum Schweigen Welt bringen wollen, und das ist auch nicht passiert. Was haben die Ortskirchen von Lateinamerika mit den Ortskirchen Guineas gemein?

Die Pointe ist doch, dass zum einen die Brisanz der Befreiungstheologie eng mit der spezifischen Situation der Ortskirchen einhergeht und sich theologisch eine Menge Spannungsfelder auftun, die zum Teil beigelegt sind, zum Teil sich verschärft haben, vor allem vom Autor gar nicht benannt werden.

Am Ende suggeriert Monbiot, der aktuelle Papst sei ein Heuchler, was seine Solidarität mit den Armen anbelangt.

Der Artikel von Uki Goni und  Jonathan Watts war hingegen reflektiert.

 

Tollschock 21.03.2013 | 17:52

Also das mit der Kirche der Armen kann nicht stimmen. Ich habe, soweit ich mich erinnern kann, nie gehört das die Kirche am Hungertuch nagt. Bei uns hier wird sie ja sogar staatlich legitimiert überbezahlt. Anders natürlich die Kunden und weltlichen Mitarbeiter der Kirche. Da kann das mit der Armut schon stimmen.

Das ist die Kirche die Waffen segnete. Das ist die Kirche die Menschen verbrannte. Das ist die Kirche die Menschen in größter Not verraten hat und allein ließ. Aber arm? Nein arm war sie nie im materiellen Sinne.

elisRea 21.03.2013 | 21:57

Ein ignoranter Text, der hinter dem Deckmantel von vermeintlicher Erfahrung und Aufklärung Authentizität vorgaukelt, um diffuse Vorurteile zu manifestieren.

Denn Monbiot klärt weder auf, was Befreiungstheologie denn meint, noch spricht er darüber, welche Inhalte diese in den Gegensatz zu Rom gebracht haben.“

Wieso führen Sie als Beleg für Ignoranz, vermeintlich mangelnde Authentizität und den Vorwurf „diffuse Vorurteile zu manifestieren“ an, dass der Autor nicht erklärt, was Befreiungstheologie meine usw.?

Ich denke, es ist von Lesern seines Artikels nicht zu viel verlangt, diese Wissenslücke selbst zu schließen, zum Beispiel durch folgende Informationen:

Die Befreiungstheologie … versteht sich als „Stimme der Armen“ und will zu ihrer Befreiung aus Ausbeutung, Entrechtung und Unterdrückung beitragen. Aus der Situation sozial deklassierter Bevölkerungsteile heraus interpretiert sie biblische Tradition als Impuls für umfassende Gesellschaftskritik. Dabei bezieht sie sich auf eine eigenständige Analyse der politökonomischen Abhängigkeit (Dependenztheorie) und arbeitet für eine basisdemokratische und überwiegend sozialistische Gesellschaftsordnung.

Daraus ergaben sich, vor allem in der katholischen Kirche, zwangsläufig erhebliche Konflikte mit der Kirchenhierarchie, die häufig in Disziplinarmaßnahmen gegen einzelne Geistliche mündeten. Als Konsequenz ihrer Überzeugungen stellten sich die Befreiungstheologen zudem offen gegen die in Südamerika weit verbreiteten oligarchischen und diktatorischen Regime, was zahlreichen Geistlichen das Leben kostete. Das bekannteste Opfer ist Óscar Romero, der 1980 ermordete Erzbischof von El Salvador.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Befreiungstheologie

 

elisRea 21.03.2013 | 22:07

Teil 2:

Eine zentrale Frage zu diesem Papst, der wegen seiner angeblichen Bescheidenheit, seiner behaupteten Solidarität mit den Armen und seiner lippenbekennenden Nähe zu den Evangelien und Christus, gepriesen wird, ist doch genau die, die der Autor stellt und mit der er sich auseinandersetzt, nämlich:

Ist dieser Papst glaubwürdig, z.B. wenn er behauptet auf Seiten der  Armen zu stehen ?

Haben bisherige Päpste und der jetzige die Priester der Befreiungstheologie, haben sie sich gegen sie gestellt oder einen dritten Weg gewählt?

Darüber gibt der Autor Auskunft und begründet und belegt seine Ansichten. Zum Beispiel mit einem aufschlussreichen Zitat des Herrn Ratzinger.

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Natürlich hat Rom nicht die Solidarität mit den Armen, Sozial- und Bildungsprogramme seiner Ortskirchen zum Schweigen Welt bringen wollen, und das ist auch nicht passiert. ...“

Woher wollen Sie das wissen? Können Sie diese Behauptung belegen oder begründen?

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Am Ende suggeriert Monbiot, der aktuelle Papst sei ein Heuchler, was seine Solidarität mit den Armen anbelangt.“

Ist der aktuelle Papst ein Heuchler? Ganz sicher! Wer lesen kann und sich die Mühe macht mal einige Seiten im Matthäusevangelium zu blättern, weiß warum.

Hier EIN kleines Schmankerl:

Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, denn sie lieben es, in den Kirchen/Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden....“

Abgesehen davon, Sie wissen schon: „Unser Vater ist der im Himmel...“ usw. beten Christen. Auch der Papst?

Er lässt, das war eine seiner ersten „christlichen“ Aktivitäten, die Gläubigen für sich beten. - öffentlich....

Und jetzt Sie:

Wieso ist Ihrer Meinung nach dieser Papst, wie alle vor ihm auch, kein Heuchler?

Hat er – wie die Priester der Befreiungstheologie und wie Jesus, dem er nacheifern will - sein Leben für die Armen riskiert oder die, die es, weil sie der christlichen Lehre gemäß (so wie sie in den Evangelien nachzulesen ist) handelten, unterstützt? Sich mit ihnen solidarisiert?

digitales 21.03.2013 | 22:44

was wird das jetzt hier?

Ein Tribunal gegen einen Papst, der gerade mal 1-2 Wochen im Amt ist?

Ich stehe dem Papsttum äußerst skeptisch gegenüber und als agnostischer Gläubiger weiß ich wovon ich rede.

Und ich bin jesuitisch erzogen.

Und ich find das nicht schlimm, weil mir "meine" Jesuiten das Werkzeug in die Hand oder von mir aus auch in die Feder gegeben haben, meine Erkenntnisbefähigung umzusetzen: " Und das Wort ward Fleisch".

tat twam asi

Das bin ich.

Und mein Glauben hat mir geholfen das zu erkennen, was immer ich davon auch halten mag - so haben es mir "meine"Jesuiten beigebracht.

Und dafür bin ich dankbar.

Für jede Sekunde im Reflektorium bleibe ich und bin ich dankbar.

 

Nichteinmal unam ecclesiam apostolicam hat mir Confessiones abgefordert wie sie heutzutage als conditio sine qua non zu gelten scheinen, um als Mensch zu gelten..

 

digitales 21.03.2013 | 22:56

Es gibt einen kleinen Aufsatz von Pier Paolo Pasolini, der ihn seinen Kopf gekostet hatte und in dem er deutlich geschrieben hatte, weshalb die katholische Kirche für ihn als Gläubigen obsolet ist: lesen das Teil.

Und das pseudo-politgequatsche in Sachen Gott, das geht mir schon lange auf die Testikeln, drawing distinctions.

 

die armen im Geiste: halt du sie dumm ich halt sie arm

einfach nur Scheiße, wenn man sich mal die Mühe macht weiter zu denken.

aber das wäre ja eine mentale anstrengung.

und ja: das ist hier nicht das schlaraffenland wo einem gebackene Tauben geradewegs in die Feder fliegen.

 

weinsztein 22.03.2013 | 02:13

Die Armen der Welt und der neue arme Franziskus nicht in roten Pantöffelcheln sondern in schwarzen Straßenschuhen. Toll!

Wie steht er zu Boff, zu Helder Camara, zur Theologie der Befreiung? Zur Rolle von Frauen in der Kirche oder zu schwulen Katholiken?

Möge er sich sich weisen Tat geholt haben bei seinem Vorgänger, der noch im Castel Gandolfo residiert.

Warmduscher 22.03.2013 | 08:20

Also ich finde es immer gut, wenn die Kirche sich aus der Politik raus hält. Die Befreier scheinen das vergessen zu haben.

Natürlich soll die Kirche hilfsbereit sein, aber wenn sie sich im großen Stil dem Staat entgegenstellt, dann verliert sie ihre Neutralität und wird teil der politischen Machtstruktur.

 

Natürlich kann man darauf erwidern, dass die Staaten gegen die sie sich stellt unterdrückerisch sind, aber dann muss man sich fragen: Ist es die Aufgabe der Kirche die Regierung dieser länger anzugreifen?

 

Ich glaube nicht. Und scheinbar sieht Rom das ähnlich. Die Priester und Bischöfe sollten sich darauf beschränken, den Menschen zu ermutigen für sich selbst zu kämpfen. Sonst wären Kirchen auch die falsche Wahl: Bunker wären dann besser.

 

Und zuletzt: Wenn man die Ansprüche nur hoch genug schraubt sieht jeder aus wie ein Versager.

la lumiere 22.03.2013 | 09:58

Ich stimme Warmduscher zu,allerdings ist alles,was öffentlich gesagt,getan wird,Politik

.Man findet für jede Einstellung Argumente.Aber überall hat man es mit Menschen zu tun.Gefordert werden aber Helden. 

Für mich ist Kirche ein Teil meiner  Heimat.Egal welcher Denomination.Wir (Christen)sind alle auf dem Pilgerpfad,denn wir haben hier keine irdische (Heim-)statt.

elisRea 22.03.2013 | 11:32

"Also ich finde es immer gut, wenn die Kirche sich aus der Politik raus hält."

Ich nehme aufgrund Ihrer Beiträge an, dass Sie sich als Christ verstehen. Haben Sie die Bibel, u.a auch das Neue Testament, Apostelgeschichte, Briefe, gelesen?

Wenn ja, ist es mehr als verwunderlich, dass Sie, wenn Sie Christ sein sollten, erwarten, dass sich Christen, deren Verhaltenskodex die Evangelien sein sollten, aus der Politik heraushalten sollten.

Ich möchte es mir vorerst ersparen hier mit (Massen von) Zitaten aus dem Neuen Testament zu belegen,  WIE politisch Juden- und Christentum beschrieben werden bzw. waren und welche Position gerade Jesus, aber auch andere mosaische Rabbiner und Propheten eingenommen haben.

Wie können Sie sich auf eine jesuitische Erziehung/Belehrung berufen und DAS bestreiten oder , wenn nicht bestreiten, dann doch zumindest ablehnen?

Des Weiteren: Wenn Sie   gut finden, dass sich Kirche aus Politik raus halten sollten, dann müssten Sie sich m.E, für eine Trennung von Staat und Kirche aussprechen und somit hier in D. für eine Verfassungsänderung. Tun Sie das?

Und wie stellen Sie sich die Trennung zwischen Politik und Kirche im Vatikan vor?

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Die Befreier scheinen das vergessen zu haben."

Interessant, dass Sie sich hier NUR auf die, welche Sie "Befreier" nennen, beziehen. Falls Sie die Priester der Befreiungstheologie meinen sollten, so sind diese vieeeeeel näher an den Evangelien, der christlichen lehre und dem christlichen Vorbild als jeder Papst. Und zwar nachweisbar an Hand der Heiligen Schriften.

Kann hier bitte einmal ein Christ etwas Handfestes/Diskussionswürdiges schreiben, der seine eigene Lehre nicht durch Hörensagen, sondern durch eigenes Lesen in seiner Heiligen Schrift kennt?

 

 

elisRea 22.03.2013 | 11:43

"Natürlich soll die Kirche hilfsbereit sein, aber wenn sie sich im großen Stil dem Staat entgegenstellt, dann verliert sie ihre Neutralität und wird teil der politischen Machtstruktur."

Dazu bitte einfach mal das Matthäusevangelium, die Apostelgeschichte und vielleicht auch Jesaja und Jeremia lesen und ein paar Gedanken an die Mosesgeschichte verschwenden.

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"Natürlich kann man darauf erwidern, dass die Staaten gegen die sie sich stellt unterdrückerisch sind, aber dann muss man sich fragen: Ist es die Aufgabe der Kirche die Regierung dieser länger anzugreifen?"

Was Aufgabe eines Christen und hier insbesonders der Christen, die sich als direkter Nachfolger der Jesusschüler/Apostel begreifen, ist, ergibt sich ganz klar aus den Evangelien und nicht aus dem Wollen und Wünschen irgendwelcher Päpste, kardinale, Bischöfge u.a. Wüerdenträger.

Man müsste  allerdings die Bibel/ zumindest das NT lesen, wenn man drüber etwas aussagen möchte.

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"Ich glaube nicht. Und scheinbar sieht Rom das ähnlich. Die Priester und Bischöfe sollten sich darauf beschränken, den Menschen zu ermutigen für sich selbst zu kämpfen."

Das sagt wer? Können Sie diese Auffassung mit der christlichen lehre begründen bzw. von ihr ableiten?

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Sonst wären Kirchen auch die falsche Wahl: Bunker wären dann besser."

 Das heißt konkret was?

"Und zuletzt: Wenn man die Ansprüche nur hoch genug schraubt sieht jeder aus wie ein Versager."

Ist es ein zu hoher Anspruch zu erwarten, dass Religiöse, zumindest jedoch deren Führer und Lehrer, gemäß ihrer eigenen lehre handeln, statt genau das Gegenteikl davon zu tun?

fahrwax 22.03.2013 | 12:06

Der Artikel liefert eine realistische Darstellung der Untaten einer kriminellen Vereinigung die sich vom Elend ernährt und dabei jedem Despoten gern zu Willen ist.

Die Hauptaufgabe des neuen Oberhirten ist die seiner Vorgänger: die Beseitigung von Unrecht auf eine möglichst ferne Zukunft zu verschieben, bevorzugt auf den Zeitpunkt ihres Schlagerartikels das „Leben nach dem Tod“.

Die verlogene Propaganda der „Verbundenheit mit den Armen“ des neuen Hirten, verhindert Denken und produziert weiterhin willige Schlachtlämmer die ihren Metzgern ein schönes Leben bescheren.

Der neue Superstar in Sachen Ethik ist der Erhaltung von Unrecht verpflichtet, alles andere gefährdet sein Geschäftsmodell.

Warmduscher 22.03.2013 | 13:18

An Elisrea:

Nein ich bin kein gläubiger Christ, ich hab mich schon in jungen Jahren von der Religion abgewendet. Allerdings bin ich dann nicht, wie viele andere, so weit gegangen die Kirche zu verabscheuen. Ich stehe ihr insgesammt recht neutral gegenüber. Und theologisch gebildet bin ich auch nicht.

 

Ich kann und will mich nicht darum streiten wer in welchem Vers was gesagt und wie gemeint hat. Ich sehe nur die Kirche von heute und beurteile ihr jetziges Verhalten. Ich halte es auch für unfair, die gegenwärtige Kirche zu zwingen sich für alles zu rechtfertigen was irgendwann mal vor Jahrhunderten passiert ist. Man, wenn ich diesen Anspruch an mich selbst richten würde, dann müsste ich ja vor jedem Russen, Polen, Franzosen und Juden den ich auf der Straße sehe auf die Knie fallen und ihn um Vergebung für die Naziverbrechen bitten, nur weil ich Deutscher bin.

 

Ja sicher hinkt der Vergleich, weil die Religionen ihre Legitimation von einem Gott beziehen dessen letzte öffentliche Betätigung schon sehr lange zurück liegt, daher sind sie natürlich in der Vergangenheit verwurzelt. Aber, und legt mir das jetzt nicht als Islamfeindlichkeit aus oder son Quatsch, mir ist das Christentum im Vergleich mit den anderen Weltreligionen noch recht sympatisch, grade weil es sich im Laufe der Zeit ändern und Anpassen konnte. Na klar sind viele alte Ansichten bis heute fest verankert, aber immerhin findet eine Auseinandersetzung mit der Welt statt und es gibt Veränderung, auch wenns vielen zu langsam geht.

 

Zur Trennung von Staat und Kirche im Allgemeinen: 100% dafür! ist ja genau mein Punkt. Natürlich gibt es ein paar althergebrachte Strukturen, deren Auflösung etwas Zeit benötigen kann. Das kann ich aber verstehen. Da ist mir Gedulg dann aber auch lieber als 'wie die Axt im Walde' alles abzureissen ohne Rücksicht auf Verluste.

Die Sache mit der Trennung speziell im Vatikan: Das find' ich einfach unerheblich. Der Vatikan ist so winzig, da gibts Konzernzentralen und Fertigungsanlagen die sind um ein Vielfaches größer. Das ist den Trubel echt nicht wert. Den paar Leuten die dort leben ist es recht so, da gibts keine geknechteten Bauern zu befreien oder sowas.

 

Dann zu ihrem Punkt die Kirche sei durch ihre Lehre zum Handeln verpflichtet:

Da sehe ich eine kleine aber entscheidende Ungenauigkeit. Nicht die Kirche (allein) ist in der Pflicht, sondern die Christen. Die Kirche ist dafür da ihnen das bewusst zu machen. Die Priester haben ihren Teil getan, wenn sie den Gläubigen zeigen welche Moral der Glaube vorgibt. Wenn die Menschen sich dann entscheiden das zu ignorieren, seis drum. Beim nächsten mal besser predigen.

 

Im Bezug auf Unrechtsstaaten würde das dann bedeuten, dass die Kirche ruhig sagen soll 'Wir lehnen dieses System ab weil es gegen unsere Glaubenssätze verstößt', aber sie sollte nicht selbst handeln. Diese Entscheidung sollte den Gläubigen überlassen werden.

 

Wenn jetzt im Einzelfall ein Priester  in eine Situation kommt in der er ganz persönlich, unabhängig von seiner Stellung, zum Handeln gezwungen wird ist das natürlich in Ordnung.

 

Ich hoffe das macht meine Position deutlicher.

ThomasMorus 22.03.2013 | 16:30

Muss der Papst Befreiungstheologe sein, um glaubhaft "für die Armen" eintreten zu können? Nein. Man kann für die Armen eintreten und gleichzeitig die Befreiungstheologie ablehnen, z.B. aus theologischen Gründen. Ob dann das Engagement ausreicht, weil man sich nur mit den Symptomen, nicht aber mit den Ursachen von Armut beschäftige - darüber kann man streiten, auch in aller Schärfe. Aber ein Glaubwürdigkeitsproblem oder ein moralischer Vorwurf gegen Bergoglio, wie der Autor insinuiert, ergibt sich daraus nicht.

elisRea 22.03.2013 | 18:40

Sehr verehrter neuer Forist thomasmorus, herzlich willkommen in diesem Forum. Wie halten Sie es denn mit dem postmortem zum Ketzer erklärten Wiclif, der da schrieb:

"Die Wurzel der lästerlichen Verwirrung in der Kirche hat darin ihren Ursprung, dass die Kleriker sich scheuen vor der Armut Christi und sich in die Geschäfte der Welt verwickeln... Es gibt aber vielfältige Gründe, warum die Kleriker ein armes Leben führen sollten nach der Weise Christi... " > De veritate sacrae scripturae, Kap. 15

Sollte ein Papst, als Oberhaupt und Vorbild einer sich christlich nennenden Kirche, um glaubhaft für die Armen eintreten zu können, gemäß der christlichen Lehre, auf die er sich beruft, leben oder im Gegensatz zu ihr.

- "... verkaufe alles, was du hast, gib es den Armen und folge mir nach..." > Matth. 19

- "... glückselig sind die, welche aus Überzeugung arm sind (=arm mit Geist, d.h. nicht aus Not und unfreiwillig materiell arm)), denn ihrer ist das Reich der Himmel..." >Matth. 5

- "Sammelt euch nicht Schätze auf Erden.... denn da wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein..." Matth. 6,19ff

- "Sie binden schwere Lasten und legen sie auf die Schultern der Menschen, sie selbt aber wollen keinen Finger krumm machen. .... Sie lieben aber den ersten Platz bei den Gastmählern und die ersten Sitze in den Synagogen/Kirchen und die Begrüßung auf den Märkten und von den Menschen Rabbi/Lehrer genannt zu werden. Ihr aber lasst euch nicht Lehrer nennen, denn EINER ist euer Lehrer..." >Matth. 23

- "Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt. Verschafft euch nicht Gold noch Silber noch Kupfer in eure Gürtel..." > Matth. 10,9ff

- .....


Drei Jahre später bestimmte das Konzil von Konstanz, alle Schriften Wyclifs zu verbrennen, und erklärte ihn 30 Jahre nach seinem Tod am 4. Mai 1415 zum Ketzer, verdammte weitere 45 Sentenzen von ihm und befahl, seine Gebeine auszugraben und zu verbrennen, was dreizehn Jahre später, 1428, durch Bischof Robert Flemming von Lincoln geschah.

elisRea 22.03.2013 | 18:41

Teil 2:

Was verstehen Sie denn unter  "Eintreten für die Armen" und welche konkreten Erwartungen haben Sie an einen, der sich als Nachfolger Christi und Stellvertreter Gottes auf Erden versteht?

Ist es schon ein besonderes, erwähnenswertes Verdienst, etwas schlichtere Kleidung zu tragen, seine Hotelrechnung selbst zu bezahlen, nicht mit einem 600ter-Mercedes zu fahren, nur einen vergoldeten Ring zu tragen ....?

Oder ist es ein besonderes Verdienst der christl. Lehre entsprechend so zu leben und als Nachfolger eines Apostels zu handeln, wie es in der Apostelgeschichte, Kap. 4, beschrieben wird:

"Die Menge aber, die gläubig geworden war, war ein Herz und eine Seele, und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner habe sein eigen sei, sondern es war ihnen alles gemeinsam....

Denn es war auch keiner bedürftig unter ihnen, denn so viele Besitzer von Äckern oder Häusern waren, verkauften sie und brachten den Preis des Verkauften und legten ihn nieder zu den Füßen des Apostels;

Es wurde aber jedem zugeteilt, so wie einer Bedürfnis hatte."

????

Wie also kann ein Papst glaubwürdig sein, der eine Theologie (auch Befreiungstheologie genannt) ablehnt, die genau der Lehre entspricht, die er selbst lehren und leben sollte?

pleifel 22.03.2013 | 21:59

Dafür müsste ich viel tiefer in die Materie einsteigen, als ich bereit bin,  Zeit zu investieren. Elisrea hat es aber ausgiebig getan.

Meine Beschäftigung mit der "Befreiungstheologie" oder besser gesagt mit der "Kirche von unten" in Lateinamerika ist wohl noch vom Ost-West-Konflikt geprägt, wo alles nur Schwarz-Weiß gesehen wurde.

Auch die Kirche sollte begreifen, dass es nicht reicht, sich zwar bedingungslos für die Armen zu engagieren (was viele Priester und Ordensleute unter Gefährdung ihres Lebens vor Ort gemacht haben und auch weiterhin tun),  aber andererseits auf höchster Ebene mit den Mächtigen kooperiert.

Wenn sich die Kirche aber nicht bedingungslos auf die Seite der Armen und Machtlosen stellt, verliert sie einen großen Teil ihrer Glaubwürdigkeit (was von vielen Menschen bereits so gesehen wird). Nur in diesem Sinne ist der neue Papst zu betrachten.

Auf jeden Fall ist aber zu klären, welche Rolle ein Mann in diesem Umfeld hatte, der in solch eine herausragende Position gelangt ist. Da sollte kein Zweifel bestehen bleiben, soweit möglich! Das müsste selbstverständlich auch im Interesse der Kirche liegen, sollte man meinen.

anne mohnen 23.03.2013 | 10:12

Nun, was ich an dem Artikel bemängle, habe ich oben bereits erwähnt.

Fakt ist, dass die katholische Kirche ca. 1,18 Mrd. Gläubige zählt, Tendenz steigend. Und die sind  eben nicht einfach die Kurie, die ja unbestritten ein Problem darstellt, wie ich anderswo schon schrieb.

Wenn man also die „Kirche von unten“ ernstnimmt, wie der Artikel und die Kritiker es hier für sich in Anspruch nehmen, dann darf man -vor allem schon von einem Zeitungsartikel- erwarten, dass auf der Ebene der Institutionskritik, die Ortskirchen einzeln betrachtet werden, und nicht unter dem Deckmantel von Interesse und Betroffenheit qua Instantkritik am Ende die strukturellen Probleme, die großen Unterschiede und am allerwenigsten die Ursachen von „Armut“, Ungerechtigkeit etc. nicht mehr  zur Sprache kommen.

tlacuache 23.03.2013 | 10:41

..."Anfang 2004 überstieg die Zahl der Katholiken in der Neuen Welt, also in Nord-, Mittel- und Südamerika, den der Alten Welt"...

Das hat sicher nichts damit zu tun, das Eltern in jenen Gegenden, die 3, 4, 5 oder 6 Kinder haben, zu Ihrem Glauben Erziehen, oder?

Und "Glaube" mir, ich kenne in der eigenen Verwandschaft Extrembeispiele (Warum haben die eigentlich 6 Kinder? Verhütung verboten und Abtreibung sowieso...)

Gruss

 

pleifel 23.03.2013 | 10:45

Man kann verschiedene Vorstellungen darüber haben, auf welchem Weg man den Mitmenschen zu Hilfe kommt, wenn Armut, Entrechtung und Gewalterleidung das Leben bestimmen.

Wenn sich die Ortskirche selbst bis auf Bischofsebene auf die Seite der Armen stellt, dabei aber nicht stehen bleibt und auch die Verursacher benennt in Predigten und sich an solidarischen Aktionen beteiligt, dann sollte jede Ortskirche dieses Recht haben. Denn die Kirche versteht sich doch als "Vielheit in der Einheit".

 

susi sorglos 23.03.2013 | 13:31

Ratzinger steht rechts von Djingis Khan und der neue Paspst rechts von Ratzinger. Die Armen werden missbraucht von solchen Leuten, die nur ihre Ohnmacht ausnutzen, statt sich mit den Ursachen der Armut zu befassen. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Die Kirche muss selbst arm werden, all ihre irdischen Güter aufgeben, dann hat Befreiungstheologie vllt. eine Chance.

derKrieger 25.03.2013 | 16:07

Es lohnt sich, zum rechten Verständnis der päpstlichen Agenda lohnt es sich m.E. zur Abwechslung einmal nicht in die Ferne zu schweifen (ich bin ja erstaunt, wie viele Kommentatoren allerorten sich in diesen Tagen bestens mit der Befreiungstheologie und den Verhältnissen in Südamerika auskennen. Es erinnert ein bisschen an die unzähligen Islam-"Experten", die nach 09/11 wie Pilze aus dem Boden schossen), sondern beim Nächstliegenden anzusetzen, der Wahl des Namenspatrons Franziskus.

Und tatsächlich war es genau die Herangehensweise des Heiligen Franz, die hier verunglimpft wird: Sich ganz und gar, radikal, durch existenzielle Gleichstellung mit den Armen dieser Welt zu solidarisieren, mit ihnen, unter ihnen, als einer von ihnen zu leben, also schlicht: sich auf ihre Seite zu stellen. Aber nicht durch Kritik an herrschenden Verhältnissen sich zum Richter, sonder statt dessen durch eigenes besseres Handeln sich zum Diener zu machen.

Und warum das weise ist? - Weil die Welt voll ist von Leuten, die etwas zu meckern haben, und ab und an hat sogar mal eine/r Recht mit ihrer/seiner Kritik. Aber Menschen, die Gutes tun, fehlen an allen Ecken und Enden.

Nun würde ich mir nicht anmaßen, einen mutigen Anhänger der Befreiungstheologie zu rechtzuweisen, der seine Verbitterung über mangelnden Rückhalt aus der Amtskirche artikuliert, und das stände mir auch gar nicht zu.

Aber es ist sicherlich unzulässig, die franziskanische Herangehensweise, nur weil sie keine politische Tätigkeit beinhaltet, einfach der Korruption und/oder uneindeutigen Solidarität zu bezichtigen. Wer die Reichen und Mächtigen nicht auf der politischen Bühne kritisiert und angreift, sitzt deshalb noch lange nicht mit ihnen in einem Boot. Und das weiß niemand so gut wie diese Herrschaften selbst. Denn die wissen bestens, wie Korruption funktioniert, und dass einer, solange er nicht  von ihrem Tisch gekostet und in ihren weichen Betten geschlafen hat, noch längst nicht ihr Geschöpf ist sondern wahrhaft frei vor Gott und Menschen.

Ich hoffe deshalb, dass Franziskus I die Kirche im Sinne des hl. Franz von Assisi umbauen wird, dem Gott ja nicht zufällig in San Damiano den Zufruf gab: "Richte meine Kirche wieder auf." Ganz sicher hat Jorge Mario Bergoglio bei der Namenswahl auch daran gedacht. Und man kann es ihm zutrauen.

 

 

 

elisRea 25.03.2013 | 22:11

"...(ich bin ja erstaunt, wie viele Kommentatoren allerorten sich in diesen Tagen bestens mit der Befreiungstheologie und den Verhältnissen in Südamerika auskennen. Es erinnert ein bisschen an die unzähligen Islam-"Experten", die nach 09/11 wie Pilze aus dem Boden schossen), sondern beim Nächstliegenden anzusetzen, der Wahl des Namenspatrons Franziskus."

Ich wundere mich über Leute, die sich Christen nennen und das Papsttum verteidigen. Das beweist nämlich, dass sie ihre eigene lehre nicht kennen bzw. ihre heiligen Schriften nicht gelesen haben. Sonst wüssten Sie, dass das Papstum selbst unchristlich ist und das ganze Drumherum eher in der Nachfolge der Pharaonen, der pharisäischen/sadduzäischen Oberpriester steht, als in der Nachfolge eines Jesus.

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"Und tatsächlich war es genau die Herangehensweise des Heiligen Franz, die hier verunglimpft wird: Sich ganz und gar, radikal, durch existenzielle Gleichstellung mit den Armen dieser Welt zu solidarisieren, mit ihnen, unter ihnen, als einer von ihnen zu leben, also schlicht: sich auf ihre Seite zu stellen."

Wer von den kirchlichen Würdenträgern (aus dem Vatikan) hat das gemacht?

Wo sehen Sie Parallelen im TUN/HANDELN/VORLEBEN zwischen einem Papst bzw. dessen Hofstaat und einem Mönch oder einer Nonne, der/die tatsächlich aus freiem Willen und aus Überzeugung in Armut lebt und sich für andere Menschen aufopfert?

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"Aber nicht durch Kritik an herrschenden Verhältnissen sich zum Richter, sonder statt dessen durch eigenes besseres Handeln sich zum Diener zu machen."

Warum denn nicht durch beides? Hat Jesus nicht die herrschenden Verhältnisse kritisiert UND durch seine Lehre und sein Vorleben/Tun verändert? Und was ist mit Moses, Jesaja, Jeremia...? Haben Sie nicht die herrschenden Verhältnisse kritisiert? Und wie! Und welchen Preis haben sie dafür zahlen müssen?

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"Und warum das weise ist? - Weil die Welt voll ist von Leuten, die etwas zu meckern haben, und ab und an hat sogar mal eine/r Recht mit ihrer/seiner Kritik. Aber Menschen, die Gutes tun, fehlen an allen Ecken und Enden."

Mit dem Guten tun ist das so eine Sache. Das fängt schon bei der Definition von Gut und Böse an. Ich fände es schon großartig, wenn der Großteil derer, die sich Christen nennen, in einigen wichtigen Punkten nach ihrer Lehre leben würden oder zumindest nicht genau entgegengesetzt davon. 

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"Nun würde ich mir nicht anmaßen, einen mutigen Anhänger der Befreiungstheologie zu rechtzuweisen, der seine Verbitterung über mangelnden Rückhalt aus der Amtskirche artikuliert, und das stände mir auch gar nicht zu."

Das verstehe ich nicht. Ich hätte erwartet, dass Sie - falls Sie Christ sein sollten - diejenigen zurechtweisen, die aus der Amtskirche denen, die in ihrem Tun Jesus nachfolgen, kritisieren oder sie zumindest nicht verteidigen.

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"... Wer die Reichen und Mächtigen nicht auf der politischen Bühne kritisiert und angreift, sitzt deshalb noch lange nicht mit ihnen in einem Boot..."

Er sitzt aber auch nicht in einem Boot mit Jesus.

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"Ich hoffe deshalb, dass Franziskus I die Kirche im Sinne des hl. Franz von Assisi umbauen wird, dem Gott ja nicht zufällig in San Damiano den Zufruf gab: "Richte meine Kirche wieder auf." Ganz sicher hat Jorge Mario Bergoglio bei der Namenswahl auch daran gedacht. Und man kann es ihm zutrauen."

Ich fürchte, da hoffen Sie vergebens, denn das Papsttum selbst ist, - und das zu sagen ist nicht anmaßend, sondern schlicht und einfach und nachweislich wahr - wie ich schon schrieb, unchristlich. Der Papst müsste sein eigenes Amt abschaffen und die Katholiken müssten zum Protestantismus konvertieren. Aber selbst dann dürfte das mit dem franziskanischen Vorbild und der Reformation "seiner" christlichen Kirche schwer werden.

tlacuache 26.03.2013 | 05:47

..."ich bin ja erstaunt, wie viele Kommentatoren allerorten sich in diesen Tagen bestens mit der Befreiungstheologie und den Verhältnissen in Südamerika auskennen"...

So, sind Sie das? Da Sie ja vom Fach sind, kann man Sie getrost daran erinnern, was in Lateinamerika so alles vor meinem Haus rumkreucht und freucht, als "Freikirchen".

Da hätten wir zunächst mal die "Testigos de Jehová", altes Brot, kennen ja sogar wir.

Dicht ge(ver)folgt tauchen schon finsterere Mächte auf: "La Iglesia de Jesucristo de los Santos de los Últimos Días", da musst Du schon den Besenstiel rausholen, um die Nervbacken vom Hals zu bekommen. Meine Nachbarn Links und Rechts geben den letzten Centavo, ääh, Pfennig, damit der neue Tempel auch schöne Alufenster hat, nur vom feinsten, bei den Umsätzen freut sich jeder Baumarkt.

Vergessen wollen wir nicht die "Iglesia Adventista del Séptimo Día", Herrgottchen, denen musst Du beim rausfahren von deinem Hof schon mit dem Auto über die Füsse fahren, dass sie kapieren, dass bei mir kein Groschen zu holen ist...

Ich könnte natürlich noch ein bisschen über die CIA in den 1940ern, - 50ern, 60ern referieren, die indianische Ethnien geziehlt über "Freikirchen" indokriniert haben, um Einfluss in Südamerika zu gewinnen, teilweise mit ausdrücklicher Genehmigung der lokalen Mächte u.o. Diktaturen, um Volksgruppen zu destabilisieren, die Grossgrundbesitzer ein Dörnchen im Auge sein könnten. Fragen Sie mal den Ronald Reagen, der hat da in den 80ern auch noch rumgewurschtelt, aber das wissen Sie natürlich schon längst...

Ein kleines Schmankerl zum Abschluss:

Alianza Cristiana y Misionera: ..."En América Latina alrededor de 1.560 iglesias y más de 520.000 miembros activos"...  Freibeuter oder Piraten?

 

 

Ratatörskr 27.03.2013 | 11:19

Franziskus bekennt sich zu den Armen. Er  vertritt  die "Theologie der Ordnung" der Amtskirche, die nichts mit der Armut zu tun hat, die von Benedikt als "Gott allein hat die Macht, die Not anzuwenden", erkannt wurde!

Die Theologie der Befreiung steht dieser "Ordnung" entgegen.

Gibt es Literatur darüber, ob und wenn ja wie, dieser Papst sich mit dieser Problematik auseinandergesetzt hat, denn er hat beides in seinem Land offenbar auf der Seite der "ordnenden Staatsmacht" erlebt.  Die offizelle Vatikanpolitik der "rechten Ordnung" ist bekannt. Bisher hört sich seine Sprache nur nach biblischer Almosenverteilung für "Arme" an. Die Begriffe Armut/Not/Recht liegen ihm wohl nicht so.

Wie versteht er die "Theologie der Ordnung", wenn er die "Theologie der Befreiung" nicht zu verstehen scheint, gar ordnungsgemäß ablehnt?

 

 

Ratatörskr 28.03.2013 | 09:17

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Theologie der Ordnung

 

Im 19. Jahrhundert war die Landeskirche eine Staats- und Pastorenkirche. Die Pfarrer waren Staatsbeamte, hatten die Schulaufsicht und banden die Kirche an den Staat.

Die Pfarrer sahen sich eher der Oberschicht angehörend, daher wurde ein Angriff auf Staat und Gesellschaft von der Kirche als Angriff auf sie selber empfunden.

Staat und Kirche kämpften gemeinsam gegen Feinde des Bestehenden, gegen den Geist der Aufklärung, gegen den Liberalismus und gegen die Revolution der Arbeiterbewegung.

Dazu wurde von Theologen und Juristen die „Theologie der Ordnung", eine konservative Lehre von Staat und Gesellschaft, entwickelt, welche auf der „Zwei-Reiche-Lehre" von Luther aufbaut.

 

Die Theologie der Ordnung lässt sich wie folgt beschreiben:

1.Legitim ist nur, was sich geschichtlich entwickelt und bewährt hat. Gott hat es geschaffen, es entspricht seiner Anordnung und seinem Willen.

Alles Neue war widergöttlich und böse.

2.Gott schuf Unter- und Überordnungen: Stände, Untertanen, Obrigkeit

àNeuordnungen oder Schöpfungsordnungen

3.Jeder Mensch wird in einen Stand hineingeboren. Gott verlangt: darin hat er zu bleiben.

4.Staat ist keine menschliche, sondern göttliche Schöpfung und unantastbar. Wer den Staat verneint, verneint Gott.

5.Staat ist nach Ständen aufgebaut, welche nach Gottes Willen verschiedenen Aufgaben und Rechte haben an der Spitze steht der Fürst von Gottes Gnaden, der nur Gott verantwortlich ist.

6.Staat dient Gott, indem er Ordnung aufrecht hält und die Kirche schützt. Kirche dient dem Staat, indem sie Recht und Gerechtigkeit verkündet. So erfüllen Staat und Kirche die vom Schöpfer gestellten Aufgaben.

7.Revolution ist böse und eine Sünde, da sie die von Gott geheiligte alte Ordnung im Staat zerstört.

8.Revolution ist Unglaube und Gehorsam, dahinter steht der satanische Geist der Aufklärung.

9.Aufklärung setzt Menschen an Gottes Stelle und macht ihn zum Schöpfer und zum Träger staatlich rechtlicher Ordnung (à Menschenvergötzung)

10.In der Revolution emanzipiert sich der Mensch von Gott und seiner Ordnung.

 

 

Als Soziale Frage bezeichnet man die Auseinandersetzung mit den sozialen Missständen, die mit der industriellen Revolution, also dem Übergang von Agrar- zu Industriegesellschaft, im 19. Jahrhundert auftraten. Kernprobleme waren Armut und Existenzunsicherheit von Bauern, Handwerkern und Arbeitern. (Link zu Gruppe soziale Frage, Franzi und Flo)

Diese Veränderungen widersprechen jedoch der Theologie der Ordnung, die besagt, dass jegliche Veränderung an Staat und Gesellschaft Sünde ist und gegen Gottes Gebote verstößt. Also

kam es für die Kirche nicht in Frage, sich in die soziale Frage einzumischen, da sie somit gegen die Theologie der Ordnung verstoßen hätte.

 

 

 

Quellen:

www.wikipedia.de à Soziale Frage

Die Soziale Frage des 19. Jahrhunderts, Günter Brakelmann, Luther Verlag

Isabelle Lischka, Jennifer Edelmann, Mareen Benz

 

Weiterführendes

Adolph Kolping

Karl Marx

Johann Hinrich Wichern

Christoph Friedrich Blumhardt

 © 2013 | Margarete-Steiff-Gymnasium Giengen

Ratatörskr 28.03.2013 | 09:37

Die o. eingefügte Arbeit (Marg.Steiff-Gymnasium) habe ich hier eingestellt, weil ich denke, dass man dem neuen Papst unterstellen darf, dass ihm die Ideologie dieser Theologie sehr bekannt ist. Den Personenkult wegen seiner Formulierung "arme Kirche für die Armen"  muß er erklären können oder man darf ihn für einen Demagogen halten.

Ich finde es bemerkenswert, dass wirklich niemand darauf eingeht.

elisRea, meine Frage hatte ich  deshalb in Anbindung an Ihren Beitrag an alle gestellt, die eine Meinung dazu haben, zustimmend oder ablehnend.

 

 

star 29.03.2013 | 11:06

Wenn dieser Papst sich den Menschen zuwendet, die – ob ihrer Vergehen – für einen bestimmten Zeitraum keine Verbindung zur Außenwelt haben, so kann ich darin nichts Verwerfliches erkennen. Es ist doch  nicht auszuschließen, dass diese Geste den einen oder anderen wieder auf einen Weg der Umkehr führt.

 

Wenn Kirche die Nähe aller (!) Menschen sucht, so gilt es für mich festzustellen, dass sie sich  - zumindest partiell -  auf einem jesuanischen Weg befindet. Jesus hat immer wieder die Nähe zu den gesellschaftlich Ausgestoßenen, Diskriminierten bzw. Verachteten gesucht!

 

Im Übrigen kann ich das z.T. praktizierte Papst-Bashing zum jetzigen (!) Zeitpunkt nicht verstehen. In der Politik lässt man den neu ins Amt Gekommenen 100 Tage Zeit. So lange sollten auch die Kritikaster warten.

 

Paul Haverkamp, Lingen

Ratatörskr 30.03.2013 | 18:58

Es ist aber nicht verboten, kritisch hinzuhören. Er ist kein Politiker und wie bei Politikern ist vom Personenkult, und so kann man das empfinden, nichts zu halten. Es ist nicht zu erwarten, dass Franziskus, wie man auch schon im TV hörte, die Kirche "umkrempeln" will. Wir haben weltweit ein Problem mit der sozialen Gerechtigkeit und da kann das Rezept der aus dem 19. Jahrhundert stammenden "Theologie der Ordnung", das damals schon ein Rezept pro "Unordnung" war, nicht übertüncht werden.

Grundsätzlich stimme ich zu. Aber es gilt, rechtzeitig wach zuzuhören und darauf zu achten, was nicht gesagt wird. Un wonach auch nicht gefragt wird.

Ratatörskr 31.03.2013 | 11:55

Als Luther seine  "Zwei-Reiche-Lehre" entwickelte, war das eine politische Überlegung, die dann im 19.Jahrhundert passend um- interpretiert wurde, Staat u. Kirche in gemeinsamer Ordnung  gegen die Aufklärung und Freiheit der Menschen.

Wenn Franziskus heute eine "arme Kirche für Arme" will, ehrt ihn das, verstehe ich aber zunächst eher populistisch, weil ich überzeugt bin, dass er das Gesetzeswerk der RKK, CIC 1983, kennt und weiß, dass darin festgeschrieben ist, dass die RKK ein "angeborenes Recht auf Vermögensbildung" hat! Wohingegen bis heute die Anerkennung als das "angeborene Recht der Würde aller Menschen", die Menschenrechte, noch immer nicht erfolgt ist.

Und wenn der vorherige Papst  die "Not der Menschen" noch immer  als von Gott bestimmt erklärt,   im Widerspruch dazu aber  nicht die von Gott bestimmte "angeborene Würde" anerkennt, unterschreibt, bleibt Vorsicht geboten. Das versteht die Kurie als ihren Machteinbruch?

Fakt ist, dass die RKK eine Mittelschichtskirche unter Almosenbereitschaft ist.  Diese Tradition zu ändern, ist eine Herkulesaufgabe. Die Macht bedarf der Armut. Und immer noch erkennt die RKK die Demokratie  nicht als von  Gott gegeben  an, weil vom Volk gewählt. Aristokratie u. fromme Diktatoren sind gottgewollt u. harmonieren mit der Zwei-Reiche-Lehre Luthers.

Und eine Randbemerkung: Bei der Weigerung, die Ächtung der Todesstrafe wg.Homsexualität mitzutragen, vor der UN in Gemeinschaft mit dem islamischen Vertreter, hat der Vatikan exakt damit seine Haltung begründet: Der Vatikan  wolle nicht Staaten als die  Gesetzgeber in ihren Rechten  beeinflussen.

 

 

 

 

elisRea 01.04.2013 | 23:05

"Den Personenkult wegen seiner Formulierung "arme Kirche für die Armen"  muß er erklären können oder man darf ihn für einen Demagogen halten.

Ich finde es bemerkenswert, dass wirklich niemand darauf eingeht.

elisRea, meine Frage hatte ich  deshalb in Anbindung an Ihren Beitrag an alle gestellt, die eine Meinung dazu haben, zustimmend oder ablehnend."

Ich kannte die Begrifflichkeit "Theologie der Ordnung" nicht.

Aber danke für die Aufklärung und die interessanten Informationen.

Meiner Meinung nach kann man JEDEN Papst für einen Demagogen halten, weil das gesamte Papstum verlogen ist und auf Betrug und Unterdrückung ausgerichtet ist. Es ist diesbezüglich völlig egal, was jemand, der dieses Amt eines absoluten Monarchen einnimmt, das NULL mit Christenbtum zu tun hat, sagt.

Ja, "Theologie der Ordnung" passt zum Papsttum, aber auch zu anderen.

elisRea 01.04.2013 | 23:14

Ich frage jetzt, schon etwas ungeduldig, zum gefühlten tausendsten Mal, wieso Leute wie Sie, die lesen und schreiben können, das Papsttum verteidigen und nicht in der Lage sind (anhand ihrer Lehrbücher) zu erkennen, dass das Papsttum, antichristlich ist.

Es spielt keine Rolle wie lange jemand in diesem Amt ist. Allein ein solches Amt anzustreben und anzunehmen ist schon selbstredend.

Das ist das Eine. Das andere ist die Frage, wozu erwachsene Menschen einen Papa brauchen, der ihnen bis in den letzten Winkel des Schlafzimmers, sagt, was sie zu tun und zu lassen haben.

Kann mir das bitte jemand erklären?

elisRea 01.04.2013 | 23:41

Tja, was soll man dazu sagen. Keiner wird zum Katholizismus gezwungen, höchstens ein bisschen unter Druck gesetzt. Vielleicht ist es als Katholik in bestimmten Gebieten auch leichter einen Arbeitsplatz zu (er)halten oder eine warme Suppe zu bekommen oder andere Annehmlichkeiten zu genießen und Unannehmlichkeiten zu vermeiden.

U.U. bekommt man etwas übertariflichen Lohn (von unser aller Steuergeldern bezahlt), der dann als Kirchensteuer wieder abgezogen und in die Klerikerkassen fließen kann.

Davon können dann Exorzisten eingestellt werden.

"Er ist der meistbeschäftigte Exorzist Europas, bekämpft seit fast 25 Jahren den Antichrist, wo immer er ihn findet. Nun verortet Don Gabriele Amorth den Teufel genau da, wo seine Heiligkeit der Papst zu Hause ist: im Vatikan."

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/exorzist-des-papstes-teufelszeug-im-vatikan-a-683075.html

1. April 2013, aber kein Aprilscherz.

Ratatörskr 02.04.2013 | 09:58

Mit der Säuglingstaufe wird dem Täufling seine grundgesetzlich gewährte freie "Glaubensentscheidung" gestohlen. Nacht Art des Vatikans unwiderbringlich, weil die Taufe ein unauslöschliches Sakrament ist. Auch wenn der/die  KatholikIn kraft des Verstandes austritt, bleiben sie ein Zählschaf des Papstes!

Zur  Szene der Fußwaschung und der Kritik an der Tatsache, dass eine Christin und eine Muslima dabei waren, lassen sich Fragen stellen.

Sinnbildlich soll diese Fußwaschung als Dienst verstanden werden. Wollte der Papst nun verdeutlichen, dass er sowohl Frauen als auch Andersgläubige in seine Spirtualität aufnimmt? Das Foto, das nur einen unbekannten Fuß aber den Papst in voller Aktion zeigt, deutet wohl doch eher auf eine Selbstverliebtheit hin.

Oder   kann sich  hinter der Empörung der Kritker  eine kath. Angst vor der Fußerotik verstecken?

 

Ratatörskr 04.04.2013 | 10:19

Was sagt uns dieser u. andere § § im  CIC 1983 des Vatikans?

BUCH V KIRCHENVERMÖGEN

Can. 1254 — § 1. Die katholische Kirche hat das angeborene Recht, unabhängig von der weltlichen Gewalt, Vermögen zur Verwirklichung der ihr eigenen Zwecke zu erwerben, zu besitzen, zu verwalten und zu veräußern.

§ 2. Die eigenen Zwecke aber sind vor allem: die geordnete Durchführung des Gottesdienstes, die Sicherstellung des angemessenen Unterhalts des Klerus und anderer Kirchenbediensteter, die Ausübung der Werke des Apostolats und der Caritas, vor allem gegenüber den Armen.[...]

Ist das nicht ein praktisches Beispiel, wie in § 2 der Mantel der Tugend über die Todsünde der Gier in § 1 gelegt wird?

Ob der neue Papst den CIC 1983 entrümpeln muß, bevor er den Vatikan "umkrempeln" darf, kann?

 

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Ehemaliger Nutzer 04.04.2013 | 21:45

Ich kann meine Recherchen auch belegen. Ich kann verstehen, dass es für Journalisten Zeitdruck und Stress gibt, wenn Artikel veröffentlich werden müssen/sollen usw. Und dass es nicht leicht ist auch an vernünftige Quellen zu kommen. Ich meine, immerhin ist das ein ganz neues Feld und es gab bisher in deutscher Sprache dazu nichts. Ich hab mich erst fürchterlich über die Berichterstattung hier in Deutschland geärgert, aber ich muss auch sagen, dass das ein stressiger Job ist... Auftragsschreiben. Ich hab bisher nicht den Versuch unternommen mit einer Zeitschrift zu verplichten, sondern kann das alles ganz frei handhaben. ich beweg mich ansonsten lieber in der "Kunstszene" und denk mir ulkige Wortspiele aus.... Aber ich recherchiere gerne zu spannenden Themen und bin dann auch intrinsisch motiviert alles, aber auch wirklich alles rauszufinden...... Vielleicht gibts ja einen Journalisten der Lust hat mit mir zusammenzuarbeiten. 

Ratatörskr 05.04.2013 | 11:42

Das wird ja spannend. Mit "ulkigen Wortschpielen" kann viel mitgeteilt werden. Evtl. das, was Sie recherschierten, was der Neue in seiner neuen Eigenschaft, aber 76 j. Persönlichkeit, als Papst zwischen seinen Worten sagte, aber nicht veröffentlicht wurde?

Stephane Hessel hat mit zwei Worten  "Empört euch" sein Vermächtnis geschrieben!

Franziskus hat noch Zeit und kann die Welt noch überraschen.