archinaut

nirgends.......... sicher... nie

13.11.2011 | 23:49

Hetär* der Hedonisten (Teil IV)

 

Da der Alte Humboldt seinem Despoten Wow I.  nicht helfen konnte, war die Laune des Stadtoberhaupts auf dem Hundertjährigen Tiefpunkt angekommen. „Wo ist Super-Fritz!“ brüllte er mit roten Augen und überschnappender Stimme, sodass die versteckten Kellerasseln aus allen Gewölberitzen des Roten Rathauses purzelten....

Selbst die prassenden, völlenden und googelnden Brüder vom Gral der Hedonisten im Ratskeller verstummten für eine bange Schrecksekunde, weil sie kurz dachten, der Euro wäre geschmolzen, aber dann zwitscherten und vögelten sie nur um so übermütiger weiter, sie wussten ja, dass ihnen die verschuldete Stadt mit allen Einwohnern bald gehören würde.

Die huldvolle Herzensfreundin Marie-Antoinette konnte Wow endlich beruhigen: „Du weißt doch, dass der Große Super-Fritz jeden Morgen mit seinem treuen Hengst Rosie Nant Unter den Linden herumlungert, direkt vor der Humboldt-Uni, wo er den feschen Studenten hinterherpfeift... soll ich ein paar Senatoren schicken, um eine Audienz für Dich zu erbitten?“ 

Aber Wow I. war schon unterwegs, er hatte keine Zeit zu verlieren. Den Zauberspruch kannte er noch, er rannte dreimal um das Denkmal von Super-Fritz und dröhnte:

Gonokokken kieken,
Kleine Morcheln horcheln.
Poren sind nur Ohren.
Alle Bläschen blicken.

Der Mann auf dem Eisenross sah etwas indigniert auf den überdrehten Despoten herab und schnüffelte vergnügt an seiner Schnupftabakdose aus rosa Perlmutt: „Potz-Blitz und Doppel-Wow! Was verschafft mir das Vergnügen zu so früher Stunde? Hast Du immer noch nicht in’s Bett gefunden, Du warmduschendes Weichei?“ und lachte wie eine alte Ziege. Mächtige unter sich pflegen gerne eine lockere Sprache.

„Gründer des preußischen Weltreichs, Super-Fritz vom Hohen Zoller, Ihr müsst mir helfen, sonst werde ich Euch mitsamt Eurem treuen Hengst ins Altmetall verscherbeln.... Die Chinesen kaufen alles! Sagt mir sofort, wie ich meine Haushaltskasse auffüllen kann! Für die Bürger will eine Bibliothek bauen, mein Schloss soll auch endlich fertig werden und alles zum Mindestlohn!“

„Geh zum Ephraim, mein Sohn, der schafft Dir billiges Geld! Meinen blutigsten Krieg hat er mit günstigen Ephraimiten gesponsert...“ erinnert sich Super-Fritz mit einem versonnen, etwas bösartigen Lächeln.

„Nein, das ist ein alter Hut, ich habe schon Alchemisten-Gold ausgegeben mit dem AAA-Prägestempel Lehmann Brothers, 200% werthaltig! Mit Deinen Ephraimiten kannst Du keinen einzigen Zweispitz mehr hinter dem Ofen hervorlocken!“

„.... ein gelehriger Schüler...“ murmelte Super-Fritz und dachte nach, bis er schließlich mit einem neuen Vorschlag kam:

„Du solltest Polen mal wieder überfallen, eine Hälfte behältst Du, die andere Hälfte verkaufst Du an Österreich oder an die Russen, einmal in jedem Jahrhundert steht uns Polen zu, ein segensreicher preußischer Brauch!“ Dazu guckte er streng, wenn auch etwas spitzbübisch....

Jetzt wird’s peinlich, dachte Wow insgeheim, er weiß wahrscheinlich nicht, dass ich gar keine Soldaten mehr habe, die stehen alle im Sold von Kaiserin Angela.... und laut rief er zum Eisernen empor: „Kriegführen kostet Geld, was wir nicht haben, Großer Fritz, vielen Dank für Deinen Rat, aber ich kann nicht erkennen, wie ein Krieg ohne Kriegskasse geführt werden soll!“

„Na, dann musst Du eben die Leibeigenschaft wieder einführen,“ grantelte der Alte jetzt ungnädig, „die Jungen sollen arbeiten, und die Alten kannst Du noch verkaufen, vielleicht als Berater in die Dritte Welt!“

 

Wie geht es weiter?

Wer wird die Kasse des Despoten füllen?

Hat Super-Fritz die Lösung verraten?

Mehr dazu in Kürze in diesem Logbuch! 

 

* Hetär (mask. zu Hetäre): Auch wenn die männliche Form nicht überliefert ist, ist sie im Zuge des Gender-Mainstreamings  einzuführen...

 

Hier endet der 217. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

 

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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 14.11.2011 um 21:12
Lieber archie,

fürwahr eine existenzielle Kommunikation für das Berliner Gemein wesen. Es war anzunehmen dass der Superfritz nichts dazu gelernt hat. Bin gespannt wie es weitergeht, hoffe aber sehnlichst dass König Wow I die Finger vom Krieg lässt. :I

Herzliche Grüße

por
archinaut schrieb am 15.11.2011 um 01:23
Schon peinlich,
was für Figuren in diesem Blog rumkrauchen, lieber por...
Super-Fritz ist bestimmt der falsche Berater!

Aber schön, dass Du Dich nicht abschrecken lässt!

Herzliche Grüße nach Essen

archie
poor on ruhr schrieb am 15.11.2011 um 11:21
Super -Fritz ist aber super lustig. Mein 2ter Vorname ist auch Fritz , aber ich bin nicht super! ;)
archinaut schrieb am 16.11.2011 um 23:12
Was, Du bist nicht super...?
Du bist Super-Por, stimmt's?

Freue mich, Dich hier kennen zu lernen,
Fritz Super-Por !!!

Liebe Grüße nach Essen
sendet archie
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