Fro

Bürgeransichten

13.02.2010 | 15:17

Die größte Steuerlüge aller Zeiten

 

Mir ist aufgefallen, dass immer wieder voller Überzeugung und aller Orten behauptet wird, die Reichen und Spitzenverdiener würden mit ihren hohen Steuerzahlungen - als sogenannte Leistungsträger - den Staat überwiegend finanzieren. Während die Niedriglohnempfänger und HartzIV-Bezieher nichts dazu beitragen würden. Selbst von der SPD und einigen Linken, hörte man mitunter, die Niedrigeinkommensbezieher würden keine Steuern zahlen. Mittlerweile haben sich einige besonnen und stellen immerhin fest, dass auch die Armen jeweils 19 bzw 7% Mehrwertsteuer auf die von ihnen gekauften Waren zahlen.

Aber auch das ist nicht die ganze Wahrheit.

Wenn jemand ein Unternehmen gründet, muss er sich die Frage beantworten: Was möchte ich Verdienen – wie viel möchte ich von dem erwirtschafteten Gewinn für mich behalten?

Ein Unternehmer rechnet dabei wie jeder andere auch, in Netto – was habe ich in der Tasche – worüber kann ich frei verfügen.

Wenn er nun die Preisberechnung für seine produzierten Waren oder Dienstleistungen anstellt, werden alle Ausgaben - und dazu gehören für ihn natürlich auch alle Steuern die anfallen – in den Produktpreis eingerechnet.

Das heißt, dass es letztlich der Endverbraucher ist, der sämtliche Steuern zahlt.

Jeder – auch der HartzIV-Bezieher - bezahlt mit dem Produktpreis der von ihm gekauften Ware, auch die Einkommenssteuer der Spitzenverdiener und alle anderen Steuern, die für ein Unternehmen und die an der Produktion Beteiligten anfallen – und dann kommt auch noch die Mehrwertsteuer oben drauf.

Falls mal wieder ein Spitzenverdiener darüber jammert oder herumprahlt,  wie viel Steuern er zahle,  kann man das getrost ignorieren.

 

Ein Bild  das zeigt, dass hier in den letzten Jahrzehnten etwas in die falsche Richtung gesteuert wurde:

 

 

 

 

 

 
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Kommentare
misterl schrieb am 13.02.2010 um 17:13
Das stimmt schon (aber auch so pauschal ?) ...

"Wenn er nun die Preisberechnung für seine produzierten Waren oder Dienstleistungen anstellt, werden alle Ausgaben - und dazu gehören für ihn natürlich auch alle Steuern die anfallen – in den Produktpreis eingerechnet."

...allerdings nur dann, wenn der Markt die Preise hergibt.

Zudem gibt es auch eine andere Betrachtung zu Steuerzahler im Bezug auf Lohn.-/Einkommenssteuer aus abhängiger Beschäftigung mit Kindergeld als Transferleistung aus dem Steuertopf zurück zum Steuerzahler. Insofern sind noch nicht einmal nur die Niedriglohnbezieher (fast) keiner Steuerzahler in Sinne direkter Steuern.

Zudem wird ohnehin mit dem Begriff der Steuerlast/Steuersenkung begrifflich viel Schindluder betrieben. Die Abgaben für die Sozialversicherungssysteme sind die weitaus höhere Belastung als die Steuerlast an den Gesamtabgaben. Wenn es also was zu Senken gäbe mit Breitbandwirkung....
Fro schrieb am 13.02.2010 um 17:41
@misterL
Wenn man sich der Frage einer notwendigen Rückverteilung des ungleich verteilten Vermögens widmet, sind nur die Nettoeinkommen relevant.
Und wenn man eine Rückverteilung über Steuern regeln will, muss man darauf achten, dass diese nicht über höhere Produktpreise – zumindest im Inland – wieder hereingeholt werden.
Am besten wäre natürlich, wenn die Löhne angehoben werden würden. Und auch das sollte nicht auf die Preise umgelegt werden dürfen.
Eine Um-oder Rückverteilung muss von der Rendite abgehen – die Gewinnentnahme muss sich zugunsten der Arbeiter und Angestellten verringern – anders geht es m.E. in diesem System nicht.

Nur so könnte sich die im Bild sichtbare ungleiche Vermögensverteilung verringern.
müslikind schrieb am 13.02.2010 um 17:17
Ein super Artikel, mich beschäftigt diese HartzIV-Hetze auch sehr. Tatsächlich denkt inzwischen fast jeder, dass die Faulheit der HartzIV-Empfänger ein wesentliches Problem in unserer Gesellschaft ist und kaum jemand fragt nach den Ursachen der Armut. Werde demnächst auch was dazu schreiben.
Dennis82 schrieb am 13.02.2010 um 21:50
Zu kurz gedacht. Die Sichtweise ist unternehmerisch betrachtet noch nicht einmal unbedingt falsch, sie lässt allerdings auch die neoliberale Schlussfolgerung zu, man könne das Kapital steuerlich nicht höher belasten, weil der Konsument am Ende auch diese Steuern zahlen müsste. Allerdings lässt es sich auch umgekehrt sehen: Der Unternehmer bezahlt letzten Endes alle Steuern, Sozialabgaben und private Versicherungen des Arbeitnehmers. Gäbe es z. B. keine Mehrwertsteuer, würden die Menschen für dasselbe Kaufkraftniveau weniger Lohn benötigen.

Darüberhinaus spielt bei der Preiskalkulation der Unternehmer auch die Nachfrage eine Rolle - man kann nicht einfach Steuern auf Abnehmer abwälzen.

In meinem Blog habe ich mich vor geraumer Zeit ebenfalls mit dem Thema befasst.
Fro schrieb am 14.02.2010 um 16:40
@Dennis82

Es ging mir wirklich nur darum, die Prahlerei von Spitzenverdienern und Milliardären ins rechte Licht zu setzen.

„Allerdings lässt es sich auch umgekehrt sehen: Der Unternehmer bezahlt letzten Endes alle Steuern, Sozialabgaben und private Versicherungen des Arbeitnehmers.“

Woher bekommen sie denn ihr Geld und Reichtum?

„Darüberhinaus spielt bei der Preiskalkulation der Unternehmer auch die Nachfrage eine Rolle - man kann nicht einfach Steuern auf Abnehmer abwälzen.“

Ein Unternehmer muss die Steuerbelastung einrechnen, ansonsten wird er in die Miesen kommen.

Und das Argument, eine Steuererhöhung die an die Rendite geht, wird auf die Preise umgelegt – ist m.E. richtig. Wenn der Markt es zulässt, machen sie es.
Das muss also so gemacht werden, dass es nicht möglich ist.
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