Jan Jasper Kosok

Berufsjugendlicher

20.05.2011 | 17:00

"Ok, ich bin ein Nazi."

Lars von Trier hat in Cannes Dinge gesagt und damit für und wider heftige Reaktionen hervorgerufen. Wie so häufig leiden viele Positionierungen unter fehlender Kontextualisierung

Wenn Lars von Trier sagt, er wäre ein Nazi, dann meint er damit, dass er der Spross eines Deutschen ist. Allein diese Gleichstellung verdeutlicht die Art und Weise, mit der er die Dinge seines Lebens – in diesem Fall mit knapp 40 am Sterbebett der Mutter herauszufinden, dass "nicht ein Jude, sondern ein Deutscher" sein Vater ist – wahrnimmt und verarbeitet: mit Hilfe von Überspitzung und Provokation.

Letztere geht des Häufigeren über das für das Gegenüber Zumutbare hinaus. Es kommt nicht selten vor, dass Zuschauer das Kino lange vor dem Abspann eines seiner epischen Meisterwerke der auf das Wesentliche reduzierten Grausamkeit menschlichen Seins verlassen. Gleiches gilt für die ihm angedienten Schauspieler, denen die strapaziöse Arbeit mit dem Misanthropen aus Kopenhagen nicht selten zu der Einsicht verhilft, dass es ohne Lars von Trier doch besser geht.

Zu der gleichen Einsicht scheint man nun in Cannes gekommen zu sein. Und begeht damit unter Umständen einen Fehler. Nicht nur, dass sein Ausschluss im Hinblick auf den Verbleib seines Films im Wettbewerb (und die durchaus existenten Gewinnchancen) widersprüchlich wirkt und wohlmöglich folgenschwer wiegt – man stelle sich eine Ehrung mit ohne von Trier vor –, muss man sich doch fragen lassen, inwiefern man sich nicht darüber bewusst war, dass, wenn man Lars von Trier lädt, auch Lars von Trier bekommt: einen depressiven, zynischen, politisch nicht immer ganz korrekten Mann, dessen Filme man gerade für den daraus resultierenden und schonungslos zur Schau gestellten Hass auf das Scheusal Mensch liebt.

Dass er selbst sich in einigen Teilaspekten von Hitlers Charakter ebenso wie in dessen letzten Tagen im Bunker – oder vielleicht doch in der Darstellung des Bruno Ganz – wiederfindet, verwundert in Anbetracht seines Schaffens und vorangegangener Interviews genauso wenig, wie der daran angeschlossene Kontrollverlust in frotzelndem Geblödel. Es sind eben gerade diese Charakterzüge, die ihn so erfolgreich kontroverse Filme haben machen lassen.

Man kann sich also nach seinem Auftritt in all dem bestätigt sehen, was man eh schon von von Trier dachte, ein Judenfeind oder Nazi aber ist er seitdem genauso wenig wie zuvor. Das würde zu kurz greifen, denn die Verachtung, die von Trier pflegt, ist total und trifft im Zweifel jedermann. Das mag man ebenso wenig gutheißen wie seine Filme, ausladen (einladen) muss man ihn deswegen jedoch nicht.

Bemühte man die Bibel, wäre von Triers Sünde wohl die Ira, ein unnachgiebiger Zorn. Cannes aber ist einer feigen Superbia anheimgefallen, wenn es denkt, es könnte den bösen Mann von seinem bösen Werk trennen, um der artifiziellen Empörung – von der während des Auftritts wenig zu spüren ist, wenn Kirsten Dunst so wunderbar lächelt (s.o.) – zumindest ein wenig gerecht zu werden. Ohne Verzicht. Ohne Widerspruch.

 
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Kommentare
Popkontext schrieb am 20.05.2011 um 17:19
Im Prinzip stimme ich Ihnen da zu. Andererseits muss Lars von Trier auch mit den Konsequenzen, vor allem mit den echten Reaktionen von Leuten, die sich durch die Aussage verletzt sahen und ihr keinen Humor abgewinnen konnten oder sonstige Entschuldigungen akzeptieren können, leben - soweit ihn das irgendwie kratzt.
Jan Jasper Kosok schrieb am 20.05.2011 um 17:46
Wenn man seinen Filmen folgt, glaube ich eher nicht, dass es ihn kratzt, wenn man ihn nicht verstehen möchte/kann/will.

Besten Gruß,

JJK
Popkontext schrieb am 20.05.2011 um 17:51
Deshalb die Einschränkung ;)...
KalleWirsch schrieb am 20.05.2011 um 20:50
Weshalb entschuldigt er sich dann?
Popkontext schrieb am 20.05.2011 um 21:52
Restakzeptanz gewisser Formalien? Oder überrascht davon, dass er so ein Theater ausgelöst hat...
Knüppel schrieb am 20.05.2011 um 17:31
@Jan Jasper Kosok

Lieber Jan Jasper,

herzlichen Dank für dieses "Gegengewicht" zu meinem gestern "ausgekotzten Blog" www.freitag.de/community/blogs/sexpower/regisseur-lars-von-trier-zur-unerwuenschten-person-erklaert-

Sie sehen die Angelegenheit anders, als ich, sehr erfrischend ..., danke!!!

Gestatten Sie mir vielleicht einige Anmerkungen, bevor die "Gegner meines Blogs" :-) hier in die Diskussion einsteigen ...

Zitat Jan Jasper Kosok:
"(...) dass nicht ein Jude, sondern ein Deutscher sein Vater ist ..."

Würden Sie mir evtl. zustimmen, wenn ich behaupte, dass es kein Gegensatz ist Deutscher und gleichzeitig Jude zu sein, weil es viele, viele Juden mit deutscher Staatsangehörigkeit gibt (auch in meiner Familie)?

Zitat Jan Jasper Kosok:
"(...) Zu der gleichen Einsicht scheint man nun in Cannes gekommen zu sein. Und begeht damit unter Umständen einen Fehler ..."

Sie meinen, also ... (in meinen dilettantischen Formulierungen ausgedrückt ..., sorry ich bin Amateur und kein Journalist oder Autor ...), man(n)/frau hätte doch unbedingt den "ironischen" Charakter der "hingerotzten" Aussage von Lars von Trier erkennen und einordnen müssen? So in etwa? Hm ... !!!

Nun ..., es gibt Nazis, es gibt Neo-Nazis, es gibt Mitläufer und es gibt Sympathisanten (soweit mit mir einverstanden?). Wer sich der Nazi-Terminologie bedient, meint es ironisch? Immer und ohne es durch "Emoticons" oder andere Hinweise kenntlich zu machen (na gut, das in Cannes war mündlich ... :-), aber von Trier hätte vielleicht mal zwinkern sollen, wenn es denn ironisch gemeint war, oder? Und diese Inhaber-Familie des Restaurants, die ihn nicht mehr bedienen wollte (sie sind jüdisch) hat also "überreagiert"? Interessant!

Abschließend:
Wie reagiert ein Schwuler oder ein Jude, die "damals" Opfer der Nazis waren auf so einen "Scherz" ??? "Humorlos"?

Mag sein, denn "WIR" haben damals einen massiven Blutzoll gezahlt, die Mitläufer der Nazis nicht (bis auf das ruinierte sog. "3. Reich" und die Unannehmlichkeiten, dass es plötzlich nicht mehr genug zu essen gab, oder?), aber "WIR" (im übertragenen Sinne) wurden von den Nazis als "unwertes Leben" umgebracht.

Meinen Sie nicht, lieber Jan Jasper, dass "wir" das Recht haben auf solche "Nazi-Scheiße" ein wenig sensibler zu reagieren, als die "Profiteure" des Regimes?

Schönes Wochenende!
Ich klinke mich jetzt aus (habe anderes vor ...)
Gruß
Knüppel
Jan Jasper Kosok schrieb am 20.05.2011 um 17:45
Kurze Anmerkung vorm Feierabend: es war ein Zitat ("nicht Jude, sondern Deutscher") von von Trier, das ich jetzt als solches gekennzeichnet habe. Sorry.

Später/Morgen mehr.

Besten Gruß

JJK
Knüppel schrieb am 20.05.2011 um 17:51
Nachtrag ...

"(...) "Ok, ich bin ein Nazi." ..."

NEIN!

Das finde ich ganz und gar nicht o.k., denn ... (Neo-) Nazis bringen Leute um ...
www.opferfonds-cura.de/index.php?option=com_content&task=view&id=49&Itemid=5

Bis morgen! (Mist, eigentlich wollte ich am Wochenende gar nicht ins Internet schauen ...)

Gruß
Knüppel
Arkadi schrieb am 20.05.2011 um 19:37
> Würden Sie mir evtl. zustimmen, wenn ich behaupte, dass es kein Gegensatz ist Deutscher und gleichzeitig Jude zu sein, weil es viele, viele Juden mit deutscher Staatsangehörigkeit gibt (auch in meiner Familie)? <

In Lars von Trier´s Fall kann man dass schon so sagen da sein leiblicher Vater deutschstämmiger Däne war und sein Stiefvater Däne jüdischen Glaubens.
(Da ich dies auch so geschrieben habe in deinem ersten Blog wollte ich dass nochmal aus meiner Sicht klarstellen)
Jan Jasper Kosok schrieb am 23.05.2011 um 11:27
Lieber Knüppel,

ich meine nicht, dass man LvTs Äußerungen auf Ironie reduzieren sollte. Ich finde auch durchaus, dass man sich über das Gesagte echauffieren kann. Damit muss und soll er leben.

Aber ich finde den Umgang des Festivals nicht konsequent. Da hätte man entweder auf die Zähne beissen müssen und den Mann eben so nehmen, wie er ist, oder aber sich sowohl von ihm als auch seinem Beitrag verabschieden müssen.

Meine persönliche Meinung dazu: Er ist kein Neonazi, sondern Provokateur, der hier über das Ziel hinausgeschossen ist. Es hilft aber nichts, ihn jetzt in die Naziecke zu stellen, denn da gehört er nicht hin. Mahnende Worte und klare Distanzierung von seinen Aussagen hätten es auch getan.

Besten Gruß,

JJK
aponaut schrieb am 20.05.2011 um 17:38
LARS VON TRIER, ISRAEL UND DER AUFRECHTE FOLTERKNECHT
Selten habe ich eine so erbärmliche Pressekonferenz gesehen wie die, welche der Herr von Trier in Cannes zu seinem neuen Streifen „Melancholia“ gegeben hat. Was der einst sehr geschätzte Dogma-Mitbegründer sich dort zusammengestottert hat, war, selbst wenn er das Ganze nicht nur als verdammt schlechten Witz, sondern als medienkritische Kunst-(PR-)Aktion geplant hatte – von wegen ich sag jetzt mal, dass ich ein Nazi bin und schon hab ich die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit – immer noch unterirdisch und einfach zum Kotzen. Er könne Hitler verstehen, ergänzte der dänische Regisseur sein „Bekenntnis“, er sei aber gegen den 2. Weltkrieg und für die Juden, Israel sei allerdings dennoch „a pain in the ass“ usw. usw. Auf youtube gibt´s die entsprechenden O-Töne für alle, denen das noch nicht genügt.

Nun glaube ich wirklich nicht, dass der Mann ein überzeugter Nationalsozialist ist, so politisch ist er vermutlich gar nicht, dass es dafür reichen würde. Die Bemerkung über Israel erinnert mich jedoch an die ähnlich einseitigen Stellungnahmen des in Deutschland millionenfach gelesenen Krimiautors Henning Mankell, der den jüdischen Staat mit dem Apartheidsregime in Südafrika verglich und sich vor einiger Zeit sogar auf ein Schiff der so genannten Gaza-Flotte begab, um gemeinsam mit einem bunten Gemisch aus Friedensbewegten, Linksparteilern, Antisemiten und Terroristenfreunden Israel ein „PR-Desaster“ zu bereiten. Offenkundig ist diese Position, deren Vertreter in Israel den Haupt- oder sogar einzigen Schuldigen am Nahostkonflikt ausmachen, auch unter (selbsternannten) Intellektuellen und Künstlern einigermaßen weit verbreitet. In diesem Zusammenhang wäre übrigens auch noch der in Bildungsbürgerkreisen seit „Sophies Welt“ außerordentlich beliebte Jostein Gaarder zu nennen, der dem jüdischen Staat 2006, empört über den in der Tat fragwürdigen Libanon-Einsatz, gleich mal die Existenzberechtigung absprach.

Derart präzise (und politisch) ist der Herr von Trier, könnte man nun einwenden, ja aber schlussendlich gar nicht geworden. Nee, nee, im Gegensatz zu seinen Künstler-Kollegen hat er eben nur mal kurz (sinngemäß) gesagt, dass Israel Scheiße ist. Halt mal so aus dem dicken Bauch und der verkorksten Laune des Augenblicks heraus, mit einem Grinsen, in die Welt gewitzelt. Möglicherweise hat er ja auch vor einiger Zeit einen Bericht über die nicht zu leugnende Not und das Leid palästinensischer Zivilisten gesehen, vielleicht haben ihn die entsprechenden Bilder nicht los gelassen... Ach, Erklärungen für diesen Aussetzer sind zur Genüge vorstellbar. Das Problem liegt woanders. Ihm, dem „Intellektuellen“, hätte eigentlich klar sein müssen, dass es sich bei dieser Veranstaltung nun mal um eine Pressekonferenz gehandelt hat und nicht um irgendeine Party, auf der man sich, durch den Alkohol enthemmt und emotionalisiert durch irgendetwas zuvor Gesehenes oder Gehörtes, schon mal gegenseitig unreflektiertes Zeug an den Kopf werfen kann, das einem eventuell schon Augenblicke später selbst peinlich ist. Eine derart dämliche, in ihren Wurzeln wahrscheinlich un-, in ihrer Wirkung aber sehr wohl politische Äußerung lässt sich in solch einem Kontext leider nicht mit einem „Sorry“ bei Seite wischen. Was bleibt da zu sagen, außer: „Schade, Du Vollidiot!“?

Genauso gelungen wie sein Gestammel, fand ich im Übrigen von Triers Entscheidung für diesen Film mit Kiefer Sutherland, dem bis zur Selbstaufgabe folternden Verhörspezialisten der gediegenen Fernsehunterhaltung, zusammen zu arbeiten. Sutherland war nämlich nicht nur der Hauptdarsteller, sondern auch einer der Produzenten von „24“, jener vielfach ausgezeichneten TV-Serie zum Patriot Act, in der seine Figur, der Agent Jack Bauer, ein um´s andere mal in Situationen gebracht wurde, in denen es zum Misshandeln und Quälen ihrer Gefangenen leider leider keine Alternative gab. Da immer mindestens zehntausende Menschenleben auf dem Spiel standen, konnte der pflichtbewusste Terroristenjäger mitunter nicht einmal davor zurückschrecken, jenen, die er aufrichtig liebte, gezielt (und selbstredend wohl dosiert) unerträgliche Schmerzen zuzufügen. Zweifler wurden in der Regel als verschlagene Anwälte, Sympathisanten oder Unterstützer der Terroristen, weltfremde Prinzipienreiter oder naive Gutmenschen dargestellt, während Bauer selbst seinem Land nicht nur Familie und Gesundheit, sondern, mit leidender Kötervisage, auch noch seine Menschlichkeit opferte. „Die Atombombe oder Du, mein Schatz, tut mir leid…” It´s a dirty job, but someone´s gotta do it… Ein besserer Soldat ist kaum vorstellbar! Die dahinter stehende Logik – der Zweck heiligt grundsätzlich alle Mittel, das leidende Individuum zählt einen Dreck gegenüber dem Wohl der Nation – scheint sich auch in die Köpfe diverser US-Soldaten im Irak und in Afghanistan eingebrannt zu haben und wurde von ihnen auf ihr eigenes Handeln übertragen. Tatsächlich gibt es entsprechende Aussagen von uniformierten Folterern und das US-Militär hat schließlich sogar versucht auf Sutherland und seine Crew einzuwirken, damit die weiteren Staffeln entschärft, sprich die Folterszenen reduziert würden.

Schlimm genug also, dass so eine menschenverachtende, mit dem Grundgesetz der BRD in keiner Weise zu vereinbarende und in meinen Augen durchaus schon faschistische Scheiße hier unkommentiert und zum Kult aufgebläht im Fernsehen laufen kann. Dass allerdings ein Regisseur, der doch über viele Jahre zu den Lieblingen der Alternativen und Linken zählte, mit jemandem arbeitet, der daran maßgeblichen Anteil hatte, ist ein weiteres, sehr gutes Beispiel dafür wie weit es mit dem politischen Bewusstsein (und der Moral) der Kunstschaffenden dieser Welt oft her ist. Sollte ich Lars von Trier mal irgendwo treffen, werde ich es kaum vermeiden können ihm in die Eier zu treten. Leider, leider…
j-ap schrieb am 20.05.2011 um 17:48
Bedankest!

(Die Passagen mit dem Grundgesetz habe ich aber überlesen, Du!)
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 16:45
Genauso gelungen wie sein Gestammel, fand ich im Übrigen von Triers Entscheidung für diesen Film mit Kiefer Sutherland, dem bis zur Selbstaufgabe folternden Verhörspezialisten der gediegenen Fernsehunterhaltung, zusammen zu arbeiten.

Aber der Unterschied zwischen Figur und Darsteller ist bekannt, ja?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.05.2011 um 17:40
Danke für die fundierte Kontextualisierung der Aussagen. Dem kann man eigentlich kaum noch etwas hinzufügen.
Man kann ihm natürlich vorwerfen, dass er mit seinen AUssagen bewusst überspitzt und provoziert hat und eigentlich wissen müsste, dass er damit den ganzen Medienzirkus in Gang bringt.
Vielleicht hat er das ja auch gewusst und wollte einfach, dass man über ihn berichtet. Wie es heißt, Hauptsache im Gespräch bleiben. Das ist allerdings schon ein sehr übler Beigeschmack bei den Äußerungen.
Jan Jasper Kosok schrieb am 20.05.2011 um 17:48
Keine Frage, der üble (!) Beigeschmack bleibt völlig zu recht.
dame.von.welt schrieb am 21.05.2011 um 08:57
Der üble Beigeschmack bleibt mir auch bei Lars von Triers Bewunderung für Albert Speer. Woran wiederum Speer hart gearbeitet hat, wie man u.a. seiner Autobiografie 'Erinnerungen' entnehmen kann (with a little help from von Wolf Jobst Siedler und Joachim Fest). www.zeit.de/2005/19/Speer_Verleger

Das Ganze, Pressekonferenz wie halbherzige Reaktion, erscheint mir - nächster übler Beigeschmack - als beschissene Popkultur.
zelotti schrieb am 22.05.2011 um 19:18
Speers Lichtdom hat sicherlich Masstäbe gesetzt. Dennoch, diese Provokation mit der NS-Pornographie ist einfach übel. Auch übel die Festivalleitung, die dem schrulligen Künstler den Skandal gewährt. Irgendwie??
Jan Jasper Kosok schrieb am 23.05.2011 um 11:28
Beschissene Popkultur trifft es in diesem Fall sehr gut.

Besten Gruß,

JJK
Popkontext schrieb am 23.05.2011 um 17:04
Naja, das passende Gegenstück dazu ist aber die scheinheilige bürgerliche Empörungskultur, die sich an solchen Künstlern labt, solange sie noch um Haaresbreite diesseits der Grenze sind - überschreiten sie die aber um Haarenbreite, gibt es fürchterlich überrascht tuendes Geschrei.
Jan Jasper Kosok schrieb am 23.05.2011 um 17:10
Du sprichst mir aus der Seele. Viel mehr wollte ich - wenn ich ganz, ganz, ganz, ganz ehrlich bin – mit meinem Text gar nicht sagen. Zumindest war es das, was mich kitzelte.
Popkontext schrieb am 23.05.2011 um 17:15
So habe ich das auch verstanden.
Popkontext schrieb am 23.05.2011 um 17:15
So habe ich das auch verstanden.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.05.2011 um 17:18
Soll heißen das ist alles nicht ernst zu nehmen, erst dann, wenn es kein Künstler wäre (welch Moral)?
Können Sie sich vorstellen, dass hier auch Leute aufschreien, die solch Gehampel generell nicht mögen, und Leute, die Opfer von Nazis waren oder Leute da verloren haben? Vermutlich nicht, sind ja eh alles Spießer, die anderen.
Jan Jasper Kosok schrieb am 23.05.2011 um 17:32
Nein, nein, nein. Missverständnis. Es ist vollkommen klar, dass Menschen, die seine Auswürfe betreffen, sich echauffieren. Und das völlig zu recht. Aber der mediale Reflex liegt eben nicht in dieser Empörung begründet, sondern genügt sich selbst. So zumindest meine These.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.05.2011 um 17:35
Ok, sehe ich ein. Ich hab nur festgestellt, dass viele Promis immer zu solchen Nazi-Aussagen neigen, wie der Galliano, oder Mel Gibson, ich verstehe nicht wieso und wieso dann das mediale Echo wirklich hoch ist, aber in einem halben jahr ist wieder alles in Butter. Naja, aber ich muss auch nicht alles verstehen.
Popkontext schrieb am 23.05.2011 um 18:00
Naja, nicht alle Äußerungen von "Promis" / Künstlern zu Juden / Nationalsozialismus etc. kommen aus der gleichen Motivation. Die Punks wollten das Establishment provozieren, das eher naiv, LvT wollte das von einem etwas anderen Standpunkt auch (weniger naiv), aber da kommt noch eine Portion vom Manns "Bruder Hitler" dazu, und Mel Gibson würde ich z.B tatsächlichen Antisemitismus unterstellen, soweit man das beurteilen kann.

Und es geht nicht um die echte Empörung von Leuten, die meinen, mit sowas darf man nicht provozieren, sondern die der Medien, Institutionen und auch Fans, die Lars von Triers provokantes Künstlertum feiern und nun scheinheilig empört sind, obwohl er für seine Verhältnisse gar nichts wirklich Überraschendes gemacht hat.
Emma in Uniform schrieb am 02.02.2012 um 17:42
:) Moin und Genau! liebe Dame von Welt,

die Arschgeburt einer
Popkultur, deren Veranstalter und Teilnehmer
so devot, ungebildet und blutleer sind, dass

allen nur übrig bleibt, auf den depressiven, medikamentös betäubten LvT mit verlegenem Lachen zu reagieren...

Mehr ist nicht drin. Aber mehr steht auch nirgends drauf. Denn LvTs ausschließlich visuelles Talent schöpft aus Eingebung, Abstraktion und Vermengung.

Dass er jenseits dieser Bilder

doof wie Bohnenstroh und ekeleregend ungebildet ist, dies jedoch schon jahrelang von seinerinternationalen Prominenz und dem daraus eiternden Dünkel überlagert wird, ist, nun ja, ein sehr häufiges "Problem" bei Künstlern, eben gerade seine Sympathie für Speer spricht die eitle Sprache der Größenwahns.

Was LvT eigentlich meint, ist in etwa: "Der Speer und der Hitler, das waren halt auch so Genies wie...ich.

Sein Mikrophon bei Zeiten, zu Anfang seines Gestotters ganz leise zu drehen,
das wäre die einzig vernünftige, mithin nachhaltige Reaktion gewesen.

:)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.05.2011 um 17:43
Also Herr Kosok, ist das nun eine Art enrichment für die Freitags-User?
Gehe ich nach Ihrer Meinung hieße das, die Anwesende bei der PK hätten sich empören sollen, aber dann ist gut. Hmm. Und dass ein millionenfacher Mörder einfach so verharmlost wird von einem fragwürdigen Menschen, der nebenbei eben gute Filme macht, spielt auch keine Rolle. Nochmals hmm.
Auch scheinen Sie die erschrockenen Gesichter der Schauspieler nicht bemerkt zu haben, und Sie legen den Cannes-Machern ans Herz hellseherisch zu wissen, welcher Promi welchen Unfug von sich geben könnte. Ja, dann kommt keiner mehr. Ruhe ist.

Das ist Ihre Meinung, aber sie ist weder durchdacht noch links-verantwortlich.
Jan Jasper Kosok schrieb am 23.05.2011 um 11:32
Ich finde nicht, dass Lars von Trier gute Filme macht.

Ich finde allerdings auch keine erschrockenen Gesichter. Das scheint mir eher das verschämte Lachen über einen politisch nicht korrekten Witz mit einer Prise "der Lars schon wieder" zu sein.

Ich finde auch nicht, dass er Hitler verharmlost.

Ich finde allerdings schon, dass man solche Aussagen – in einem Interview vor dem Festival äusserte er sich ähnlich – hätte erwarten könne.

Besten Gruß,

JJK
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 11:41
@Jan

Ich finde nicht, dass Lars von Trier gute Filme macht.

...ich hätte da noch zwei Freikarten für Fluch der Karibik, chchch
Jan Jasper Kosok schrieb am 23.05.2011 um 11:45
Es geht mir bei seinen Filmen ähnlich wie bei Irreversible – sprachst du unten an – oder z.B. auch Requiem for a Dream. Das kann man sich maximal einmal angucken, danach begibt man sich erstmal für Stunden oder Tage in Selbsttherapie. Das wiederum ist nicht unbedingt mein Ziel eines Kinobesuchs. Aber das ist vermutlich Geschmackssache, mir gibt es eben nichts.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.05.2011 um 11:55
Mhm, ich sehe bei von Trier so eine eigenartige Ambivalenz (auch bei mir), auf der einen Seite quatscht er dummes Zeug, wie Sie selbst sagen, und man hätte sowas erwarten können wenn auch nicht ganz so schlimm, auf der anderen Seite ist das ja nun mal ein Filmfestival, und sein Film war im Programm. Ihn vorher auszuschließen, da hätte es auch ein Gemurre gegeben. Ihn aber danach raus zu schmeißen, das ist für mich das einzig Richtige.

Unter künstlerischem Aspekt finde ich seine Filme nicht schlecht, wenn auch an die Psyche gehend. Immerhin hat Kirsten Dunst auch eine Auszeichnung bekommen. Als Mensch ist er mir unsympathisch wie nichts.

Ich stelle nur generell fest, dass solche Aussagen irgendwie hingenommen werden, vielleicht bin ich da zu streng oder zu moralistisch, aber ich denke gerade einer, der die Öffentlichkeit erreicht hat da eine gewisse Pflicht, auch wenn es ein verschwurbelter Intellektueller ist.

Und überhaupt kommt mir das vor wie bei Betrunkenen, ein bisschen Wahrheit ist immer hinter dem Geschwafel. Und nun rätselt die halbe Welt ob er nun Nazi ist oder nicht, ja, damit ist Aufmerksamkeit sicher.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.05.2011 um 12:04
Zu unten: den ganzen Film auszuschließen hätte ihn persönlich am meisten erwischt, das stimmt, aber an einem Film hängen auch Schauspieler und Gelder und vieles mehr, die nichts für solche Eskapaden können, kann sein das ist halberherzig von den Cannes-Verantwortlichen gedacht oder von mir nicht konsequent genug trotz Moralkeule, aber alle Umstände mit einbezogen war das wohl der beste Kompromiss.

Vielleicht ärgert mich die Sache auch gerade deswegen so sehr, weil es schwierig ist seine Arbeit von seinem Verhalten zu trennen.

Linkes Gutmenschenlager, Herr Kosok, das war eine Spitze aus der Empörung heraus.
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 12:32
@Jan
Muss ich auch nicht haben. Irreversibel ist ja so einer, der richtig, richtig weh tut.

Davor habe ich großen Respekt, dass jemand auch solche Filme machen kann.
Ohne Frage: Kunst!

In Melancholia zeichnet er die Depression einer Frau, etwas was in unserer Gesellschaft stigmatisiert/quält/ausschließt, nicht etwa zur Hymne des Scheiterns, sondern verkehrt sie (die Depression) zur Stärke. Das ist also schonmal 'ne ziemlich gewaltige Idee, die dahinter steckt.

mist,..ich muss bügeln :(
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.05.2011 um 12:59
@Tycho: Das ist aber eben das perverse, er macht ohne Frage Kunst, aber dann kommt sowas wie in der PK, als ob er die Tatsache, dass er als Künstler angesehen wird missbraucht, um meist ohne weitere Folgen so weiter zu machen.

Interessant wird sein, wie in Zukunft mit ihm verfahren wird, auch wenn sich vermutlich nichts ändert, obwohl diesmal eine Grenze überschritten wurde, die nicht überschritten werden sollte.
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 14:05
Friedrich Küpperbusch + Lars v. Trier mal nach googeln.
j-ap schrieb am 23.05.2011 um 14:56
Typisch Tycho: Er, der Katholik, muß am Montag ran, während wir Agnostiker unsere Hemden schön brav am »Tag des Herrn« steifen und bügeln und also den Montag ganz entspannt angehen können.

Sage mir keiner, es habe ihn niemand informiert!
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 16:20
wie kommst du darauf, dass ich Katholik nicht gerade eben einem Agnostiker das Hemd bügeln musste?
j-ap schrieb am 23.05.2011 um 16:29
Weil es nie und nimmer fast eineinhalb Stunden dauert, ein Agnostikerhemd zu bügeln.

(Okay, Du bist Katholik, d.h. es könnte gut sein, daß Du eine Stunde lang Kaffee getrunken und Dir dann gedacht hast: Der Herr wird's schon richten ...)
j-ap schrieb am 23.05.2011 um 16:45
Übrigens: Bügelst Du die Hemden mit dem Bügeleisen oder gleich mit dem Aspergillum? Und hängst Du sie nach dem Bügeln in den Schrank oder in den Tabernakel?

Vielleicht sollten wir das mal fürs nächste Wochenthema vormerken, zweifelsohne sind das nämlich die entscheidenden Zukunftsfragen.
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 16:54
Natürlich tragen Agnostiker nicht nur ein Hemd pro Agnostiker.

Es wäre also eine nicht allzu kühne Vermutung, dass es sich um mehrere Hemden desselben Agnostikers handelte, als anzunehmen, ich würde jeweils ein Hemd mehrerer Agnostiker bügeln.
j-ap schrieb am 23.05.2011 um 17:20
Gerüchteweise gibt's hier Leute mit Wampenansatz (ähem ...), die sogar mehr als ein Hemd gleichzeitig tragen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.05.2011 um 17:31
nimmt man hinzu, dass bügeln in einigen gegenden auch noch etwas anderes bedeuten könnte, wird's erst recht finster.
j-ap schrieb am 23.05.2011 um 17:41
Da ich ein vollkommen prüder Mensch bin, lieber Ignaz, versuche ich nun in allerdings durchschaubarer Art und Weise, von diesem mir sehr unangenehmen Thema abzulenken, indem ich so elegant wie ein gewisser Regisseur auf einer Pressekonferenz versuche, aus diesem Schachtelsatz auszusteigen wie der Schwarzfahrer hinten aus der Tram.

...

We're tiny, we're toony,
We're all a little looney,
And in this cartoony,
We're invading your TV!

We're comic dispensers,
We crack up all the censors,
On tiny toon adventures
Get a dose of comedy!
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 17:47
Nicht das dies mit Sprungfell verwechselt werden sollte. Es läßt sich so besser recken und strecken. Dann kann man seine Hemden, etwa bei Nasenbluten, auch dermaßen schnell wechseln, dass der Beobachter glatt meinen könnte, man hätte es nötig ein zweites darüber zu ziehen.
j-ap schrieb am 23.05.2011 um 17:54
Zur Feier des Tages widme ich diesen meinen 3000. Kommentar hiermit offiziell Herrn Tycho de Bügel-Brahe.

Exsultate, iubilate & cet. pp.

So, und nun gehe ich mitten in Baden schwimmen.
poor on ruhr schrieb am 20.05.2011 um 17:45
Lieber Jan,

danke für die Einordnung. Gerne gelesen.
Mir ist diese Materie der Befindlichkeiten der Regiesseure nicht so sehr vertraut.
Das solche Aussagen, die Lars von Trier gemacht hat , nicht gehen ist ja klar. Du lieferst die Infos zum Hintergrund,

Herzliche Grüße

por
Zeitleser schrieb am 20.05.2011 um 17:54
Ich denke, wenn einer etwas sagt, das ihm so "herausgerutscht" ist, dann hat er meistens die Wahrheit gesprochen, man muss ja die Zunge hüten, sagt man - aber im Gedränge eines Situation kommt es dann doch zu Tage, was man wirklich denkt nämlich.

Man ärgert sich dann über sich selbst, entschuldigt sich wortreich - gleichwohl alle wissen, was gesagt wurde, die Wahrheit nämlich.

Ich denke auch, dass Gremien - auch wenn es sich um einen Künstler handelt - das Recht haben, ein Verdikt auszusprechen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.05.2011 um 18:00
Sie haben die Pflicht, nicht nur das Recht. Eine Ausladung war das beste was sie machen konnten. Wie man das nun infrage stellen kann im linken Gutmenschenlager ist mir rätselhaft.
Jan Jasper Kosok schrieb am 23.05.2011 um 11:34
Linkes Gutmenschenlager? Wie muss ich mir das vorstellen?

Abgesehen davon ist mein Punkt, dass man, wenn man ihn schon ausschließt, auch gleich seinen Film hätte mitausschließen sollen.
thinktankgirl schrieb am 23.05.2011 um 12:17

lisaschwert schrieb am 20.05.2011 um 18:00

Wie man das nun infrage stellen kann im linken Gutmenschenlager ist mir rätselhaft.


Früher oder später outen sich die Rechtspopulisten von selbst ;-)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.05.2011 um 12:51
GENAU, deswegen schreibe ich auch Kommentare gegen diesen Hitler-Spruch, ich weiß nichr was Sie für Probleme haben, aber hören Sie auf mich ständig zu verfolgen und anzugiften das machen Sie mit anderen auch. Wenn Sie keinen anderen Zeitvertreib haben fangen sie an zu stricken.
Jan Jasper Kosok schrieb am 23.05.2011 um 15:35
Mei. Seid's lieb zuanander. Bitte.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.05.2011 um 15:40
Bin i, glaubens.
thinktankgirl schrieb am 23.05.2011 um 17:26
Der Ausdruck "linke Gutmenschen" wird von Rechtspopulisten benützt, um linke Ideen zu diffamieren, die sich z.B. für Solidarität, gegen Diskriminierung oder Schwarz-Weiß-Denken einsetzen.
Ich als Linke, in einem "irgendwie linken" Forum habe etwas gegen Rechtspopulisten.
Wer diesen Ausdruck benützt, outet eben seine wirkliche politische und geistige Verortung.
Und ich werde auch nicht lieb gegenüber dieser Spezie sein.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.05.2011 um 17:32
Ich werde lieb antworten:

hätten Sie meine in diesem Blog etwa 10 Kommentar gelesen wäre Ihnen so eine Diffamierung mir und auch anderen gegenüber nicht raus gerutscht.

Ich weiß wirklich nicht welche Wahrnehmungen Sie haben, erst ist man antifeministisch, dann Nazi, dann neoliberal, trotz aller Realitäten; ich muß Ihnen hier nichts beweisen, was Sie sich einbilden. Andere, bei denen Sie genauso verfahren ignorieren Sie, das werde ich nun auch tun. Lernen Sie lesen oder lassen Sie mich in Ruhe.
thinktankgirl schrieb am 23.05.2011 um 17:44
Ich habe gelesen und gefunden, daß du eine differenzierte Sicht auf Lars von Triers Äusserung, in die Schublade "linke Gutmenschen" gesteckt hast.

Der Gutmensch nach Wikipedia

"Verwendung in der politischen Rhetorik

Häufiger benutzt die politische Rechte den Begriff, um den politischen Gegner zu diskreditieren: Indem sie „linke“ Ideale als „Gutmenschentum“ abwertet, unterstreicht sie den Anspruch, selbst realistisch und auf der Sachebene zu argumentieren, während den als Gutmenschen Bezeichneten damit Realitätsverlust, mangelndes Reflexionsvermögen, ein unrealistisch hoher moralischer Anspruch oder utopische Vorstellungen unterstellt werden.[2][13][14] So erhob etwa Michael Klonovsky, Chef vom Dienst bei Focus, den Vorwurf:[15]

„Die Tatsache, dass es unproduktive Unterschicht, Sozialschmarotzer, ja dass es Plebs gibt, findet der Gutmensch so skandalös, dass er jeden zum Schlechtmenschen erklärt, der darauf hinweist. Wenn es sich obendrein noch um Migranten handelt, kommt der hierzulande so beliebte Rassismus- und Ausländerfeindlichkeitsvorwurf mit derselben Sicherheit zur Anwendung, wie dessen Handhaber fernab von sozialen Brennpunkten siedeln. “

Die so Angegriffenen sehen darin einen rhetorischen Kunstgriff, der ihre Bestrebungen nach Humanität, Solidarität und sozialer Gerechtigkeit ins Lächerliche ziehen soll. Die Einordnung des Gegenübers als „Gutmensch“ ziehe die Diskussion auf eine persönliche und emotionale Ebene, um so einer inhaltlichen Auseinandersetzung auszuweichen.[2]

Sehr häufig wird der Begriff aber als aggressive Abwehrstrategie gegenüber Kritik an den eigenen Positionen verwendet. Potenzielle Kritik an (tatsächlichen oder vermeintlichen) rassistischen, homophoben, antisemitischen (und zunehmend auch antiislamischen) oder sexistischen Tabuverletzungen soll durch die Abwertung der Person mittels dieser rhetorischen Strategie entkräftet werden.[2]"
Popkontext schrieb am 25.05.2011 um 01:28
@lisa
Rechtspopulistin ist in Bezug auf dich natürlich Unfug - aber wenn du dich mit solchen Begrifflichkeiten, die @thinktankgirl politisch völlig richtig einordnet (genau wie Political Correctness übrigens, auch ursprünglich ein rechter Kampfbegriff) aus dem Fenster lehnst, musst du auch mit der Kritik umgehen können.

Hast nicht ausgerechnet du dich mal beschwert, dass der Chef vons Janze hier kräftig austeilen würde, aber nicht einstecken könne?
Knüppel schrieb am 20.05.2011 um 19:22
Es regt mich auf, besonders die zynische "Nichtbetroffenheit" vieler ...

Ich muss "runterkommen", um nicht "die Zelte hier abzubrechen" ..., ich kann das am besten mit Musik (hi, paulart :-) )



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miauxx schrieb am 21.05.2011 um 18:56
@knüppel

Du weißt sicher, dass die, die man durchaus als Nazis bzw. Neonazi bezeichnen kann und muß, dies in der Öffentlichkeit meist negieren.
So viel Aufregung um von Trier lohnt nicht; mir ist immer noch lieber, er sagt "Okay, I'm a Nazi", als dass er wirklich einer ist.
Vermutlich sollte seine Äußerung zunächst eine entwaffnende Replik auf bohrende Nachfragen von Journalisten auf frühere Äußerungen hin sein. Naja, und dann hat das nicht so souverän geklappt, und er hat sich in die Bredouille gefaselt.
Wäre auch nicht das erste Mal, dass Künstler sich mit besonders querständigen Verlautbarungen in Selbst-PR üben.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.05.2011 um 19:41
Eigentlich eine ziemlich Respektlosigkeit gegenüber den Opfern der Nazis. Das war kein Lapsus, sondern geplant. Sie haben es gut umschrieben. Aber die vorsätzliche Aussage macht seine Entschuldigung gestern Abend auch nicht gerade glaubwürdiger. Als er eingeladen wurde war bekannt das auch sein vorheriger Film Antichrist kontrovers war. Muss wohl so eine Mode sein, so eine Art Sarrazin-Promotion-Strategie. Das zieht bei Kleingeistern und überreizten Empörern! Aber Am besten wäre wenn die Reaktionen nicht mit einer scheinheiligen Empörung vorgetragen worden, sondern konsequent wäre ein Ausschluss gewesen.

Trotzdem, das Resultat lässt nicht auf sich warten: Melancholia hat überwiegend begeisterte Kritiken. Obwohl, jeder weiß die Welt geht kaputt und so weiter...

Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 02:23
Ich bin mir nicht sicher was er wie gemeint hat. Da kann man jetzt auch viel spekulieren ohne zu einem Konsens darüber zu kommen. Man wird sich an das halten müssen was er gesagt hat.
Und in seiner Entschuldigung hat er die Aussage, dass er ein Nazi als ein MIßverständniss zurückgewiesnen. Schon aus dem Kontext in der Pressekonferenz wird allerdings deutlich aus dem was er vorher und nachher sagt, dass diese Aussage - wie oben geschrieben - einmal eine überspitzte Anspielung auf seinen deutschen Familienhintergrund und einmal eine Selbstbezichtigung als Vorgriff auf eine antizipierten Bezichtigung seitens der Presse/Journalisten war.
Er ist sich wohl schon bewusst, dass die ganze billige Provokation ein Griff ins Klo war.
Als Fan seiner Filme liegt es mir auch sehr nahe, dass Ganze mit seiner misanthropen Weltsicht , seinem schwarzen Humor und seinem notorisch provokativen Auftreten zu entschuldigen. In jedem Fall erscheint der moralische Aufschrei über den vermeintlich verkappten Nazi von Trier doch ebenso billig.
Popkontext schrieb am 21.05.2011 um 11:12
@mabli Ganz genau so sehe ich das auch.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 11:36
@mabli: Das machen Sie sich etwas einfach. Der Aufschrei mag ja auch billige Empörung über eine mehr als billige Provokation sein, aber hat es ein Filmemacher von Rang wirklich nötig so zu agieren? Und wie soll man darauf anders reagieren als den Rauswurf. Mal abgesehen davon, dass Hitler meines Erachtens nach nicht als Scherz taugt! Oder sind Sie da anderer Meinung?
Popkontext schrieb am 21.05.2011 um 11:46
"hat es ein Filmemacher von Rang wirklich nötig so zu agieren"
Filmemacher sind auch nur Menschen und der ist einfach so drauf. Es gibt immer Leute, die sowas cool finden. Man sollte von Cannes-Seite und von Seite seiner Kollegen klar machen, dass es für Provokationen auch Grenzen gibt und sich distanzieren. Aber ansonsten den Typ einfach nicht so Ernst nehmen, wie es derzeit getan wird.

Und ich gehöre zu den Leuten, die es gerade wichtig finden, über Hitler zu lachen (es ist etwas anderes, als wie von Trier mit solchen Äußerungen zu provozieren und zu kokettieren). Indem man Hitler lächerlich macht, taugt er nämlich nicht mehr als Identifikationsfigur.

Sowas hier geht leider nur in den USA (obwohl da letztlich auch ein großer Artikel in der Jungle World dazu stand, den ich leider nicht gelesen habe bisher): hipsterhitler.com/
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 11:49
Was ich sagen will ist: dieser Totalausfall reiht sich ein in die Kette von Ausfällen prominenter Leute, die keine Grenzen kennen und ihre Bekanntheit bewusst so missbrauchen, um ihr Geschwurbel loszuwerden. Die gehören in Behandlung oder auf Entzug, und ich kann diese Gestalten nicht mehr sehen, wir haben doch nun wirklich andere Probleme auf der Welt als uns mit den übersteigerten Egoismen dieser Leute zu beschäftigen. Deswegen schreie ich auch auf, erst recht wenn hier die Begriffe Hitler und Nazi als Provokation dienen sollen, denn die DÜRFEN nie salonfähig werden, alles andere wäre höchst unmoralisch und gefährlich.
Popkontext schrieb am 21.05.2011 um 12:30
"ihre Bekanntheit bewusst so missbrauchen"
Wie bewußt das ist würde ich noch dahingestellt lassen - die haben einfach einen anderen Referenzrahmen. Sie haben gelernt, wenn wir provozieren, bekommen wir Aufmerksamkeit. Da gehören ja immer zwei dazu - und bei von Trier hat es wieder bestens geklappt.

Zudem ist es für von Trier kein Totalausfall - er bewegt sich die ganze Zeit an einer Grenze, die er jetzt nur um Haaresbreite überschritten hat.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 16:29
@ mabli,
genau, scheinheilige Empörung, die Steigerung von der dackeläugigen Betroffenheitsbekundung, ist unglaubwürdig. Das wir uns hier nicht missverstehen: Genau darum hätte ein Rausschmiss ein Zeichen gesetzt. "Künstler" haben weder Narrenfreiheit noch das Recht auf Ignoranz. Es war so still in dem riesigen Raum als er diese Äusserungen in einem eher Zustand totaler Debilität sprach das Du das dumme verlegene Lachen der Jurytussi hören konntest. Warum ich so hart in der Sache bin? Ganz einfach: seit Jahren versuchen sgnt Künstler mit Hilfe dieser Empörlinge zu provozieren indem sie Tabugrenzen absichtlich überschreiten und damit repressive Systeme salonfähig machen. Warum wohl pilgert der Ultrarechte Wilders nach Jerusalem und lobhudelt in illegalen Siedlungen? Daher nämlich weh der Wind.
Popkontext schrieb am 21.05.2011 um 16:53
"zu provozieren indem sie Tabugrenzen absichtlich überschreiten und damit repressive Systeme salonfähig machen."
Wollen Sie sagen, dass es diesen Leuten darum geht, die repressiven Systeme salonfähig zu machen, oder dass sie diese unfreiwillig mit dieser Art Provokation salonfähig machen? Wenn das erstere zutrifft, dann muss ich ihnen widersprechen: Zu 95% wollen die Künstler, die mit sowas spielen, wie z.B. im Punk, die aus ihrer Sicht scheinheiligen Leute aus dem Establishment provozieren, die sich über sowas refexartig, aufregen, weil sie (auch) wissen, das sie gar nicht anders können. Was man davon hält und das beurteilt ist die zweite Frage.

Bei von Trier halte ich das neben der Tatsache, dass ihm natürlich klar war, dass er provoziert (aber so ist er ja insgesamt, wieso jetzt die Überraschung?), eher für so ein Bruder Hitler-Ding, auf das Magda hinwies.(cicero.de/page_print.php?ress_id=4&item=266)
Magda schrieb am 21.05.2011 um 12:53
Ich fand in der Beurteilung der Pressekonferenz einiges an Heuchelei, das immer zu Tage tritt, wenn von der NS-Zeit die Rede ist.

Wenn sich jüdische Organisationen gegen Lars von Trier aussprechen, so ist das verständlich, aber - wie ich finde - auch dem augenblicklichen "Schock" zuzuschreiben. Und dem merkwürdigen Identitäts-Geschwurbel des Regisseurs.

Lars von Triers merkwürdige Aussage aber, er "verstehe Hitler" will mir nicht skandalös erscheinen. Filme wie "Der Untergang" wären ohne eine gewisse Empathie zur Figur Hitler gar nicht möglich.
Die eindrucksvollste literarische Bekundung dieses "Verständnisses" ist - ich verweise nochmal drauf - bei Thomas Mann zu lesen, in "Bruder Hitler" von 1938.

Verlinken kann ich es auch, weil eine Wochenzeitschrift vor einiger Zeit den Text mal gedruckt hat.

cicero.de/page_print.php?ress_id=4&item=266

Ein Zitat: Der Bursche ist eine Katastrophe; das ist kein Grund, ihn als Charakter und Schicksal nicht interessant zu finden. Muss man nicht, ob man will oder nicht, in dem Phänomen eine Erscheinungsform des Künstlertums wiedererkennen? Es ist, auf eine gewisse beschämende Weise, alles da: die ,Schwierigkeit', Faulheit und klägliche Undefinierbarkeit der Frühe, das Nichtunterzubringensein, das Was-willst-du-nun-eigentlich?, das halb blöde Hinvegetieren in tiefster sozialer und seelischer Boheme, das im Grunde hochmütige, im Grunde sich für zu gut haltende Abweisen jeder vernünftigen und ehrenwerten Tätigkeit - auf Grund wovon? Auf Grund einer dumpfen Ahnung, vorbehalten zu sein für etwas ganz Unbestimmbares, bei dessen Nennung, wenn es zu nennen wäre, die Menschen in Gelächter ausbrechen würden. Dazu das schlechte Gewissen, das Schuldgefühl, die Wut auf die Welt, der revolutionäre Instinkt, die unterbewusste Ansammlung explosiver Kompensationswünsche, das zäh arbeitende Bedürfnis, sich zu rechtfertigen, zu beweisen, der Drang zur Überwältigung, Unterwerfung, der Traum, eine in Angst, Liebe, Bewunderung, Scham vergehende Welt zu den Füßen des einst Verschmähten zu sehen. Ein etwas unangenehmer und beschämender Bruder; er geht einem auf die Nerven, es ist eine reichlich peinliche Verwandtschaft. Ich will trotzdem die Augen nicht davor schließen.

Der Krawall von Lars von Trier erzeugt also eine Haltung des angeekelten Abwendens, die immer wohlfeil ist, aber niemandem nützt, nur preiswert entlastet und ich weiß nicht einmal wovon, vielleicht, dass Hitler ein Mensch war?
Popkontext schrieb am 21.05.2011 um 12:59
Sehr schön, Danke für diese wichtigen Anmerkungen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 17:12
Jedes "Monster" ist irgendwie ein Mensch. Ab diesem Bewußtzsein wird jeder Verständnis für einen Amokläufer, einen Schläger, Möder, etc. zeigen können. Gewisse Berufsgruppen und Experten umso mehr.
Bei einem anderen Blog sagte ich, dass auch Alice Miller Verständnis für Hitler aufbringe. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass man unmenschliche Taten für gut heißt. Aktuelles Bsp. ist die Tötung Bin Ladens.
Es wimmelt doch nur so von Künstler, die sich mit der Dialektik von Gut und Böse im Menschen auseinandersetzen. Man kann sogar behaupten, dies ist die Basis von Kunst. Ihr einziges Thema. Neu ist es jedenfalls nicht.
Jan Jasper Kosok schrieb am 23.05.2011 um 11:43
Dank dir, Magda.

Besten Gruß,

JJK
goch schrieb am 21.05.2011 um 12:56
Nachdem ich alle Kommentare gelesen habe , bleibt mir das Fazit:
Nazi-oder rechtsradikales Gedankengut zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es "unpolitisch" erscheint, dass es mal eben so dahingeschwurbelt wird . Kokettieren mit Hitler aus welchem Grund auch immer ist inakzeptabel. "Das dritte Reich hatte auch seine guten Seiten: es wurden Autobahnen gebaut, es gab keine Arbeitslosen und Kriminellen". Mir scheint, van Triers Äußerungen passen da ganz gut rein.
Das Wesen von NaziPropaganda ist für mich der unpolitische Rassismus, die dumpfe Voreingenommenheit. Dem hat er Vorschub geleistet. Dafür gibt es keine Entschuldigung.
Popkontext schrieb am 21.05.2011 um 13:03
"Das Wesen von NaziPropaganda ist für mich der unpolitische Rassismus, die dumpfe Voreingenommenheit. Dem hat er Vorschub geleistet."

Wie bitte, sind Sie im Artikel verrutscht und es geht Ihnen um die jüngsten anmerkungen von Frau Merkel? Man mag die Äußerungen von von Trier unterschiedlich einordnen, aber das trifft nun ganz und gar nicht zu.
goch schrieb am 21.05.2011 um 13:53
@aponout:ergänzte der dänische Regisseur sein „Bekenntnis“, er sei aber gegen den 2. Weltkrieg und für die Juden, Israel sei allerdings dennoch „a pain in the ass“ usw. usw. Auf youtube gibt´s die entsprechenden O-Töne für alle, denen das noch nicht genügt.
Ich denke, diese Bemerkungen sind rassistisch.
Die Relativierung nützt ihm da auch nichts.
Ansonsten natürlich Merkel argumentiert populistisch bis rassistisch.
Da wird für mich ein Schuh draus.
Prominente machen diese Sicht salonfähig.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 16:35
sois's!!
Popkontext schrieb am 21.05.2011 um 17:01
Kann sein dass es daran liegt, dass ich von Trier in der Beziehung sowas von Null Ernst nehme - aber ich halte es für pure, plumpe Provokation. Mit dem von von Trier in Kauf genommenen Kollateralschaden, dass auch Leute, die das sowieso so sehen auch Ernst nehmen - sein Ziel ist es aber, die Empörungsmaschinerie in Gang zu bringen und das hat ja auch wie erwartet bestens geklappt.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 17:15
Genau, plump. Man sieht es an seiner Körpersprache. Deshalb wundert mich die ganze Verwunderung der Rezipienten.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 17:22
Vielleicht hat L.v.T. damit sogar gerade auf Wichtiges hingewiesen.
Gegenüber Hitler war die Wahrnehmung der Masse unfeinfühlig. Gegenüber Ironie ist sie es offen sehrbar ebenso.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 14:27
selten so gegrinst, dem ganzen auch noch das biblische ausmaß unterzuschieben. und alle fahren darauf ab, von free gaza bis speer :))
fehlt nur noch, dass wer klaus kinski zitiert. nicht aus seiner rolle "aguirre, der zorn gottes", sondern ganz himself.
you saved my day, jan
apatit schrieb am 21.05.2011 um 16:19
Als ei kleines jüdisches Mädchen Geburtstag hatte, an diesen Tag sollte sie zuschauen, wie ihre Mutter hingerichtet wird. Wer da sagt, “ ja ich bin ein Nazi “ – der hat wirklich nichts begriffen oder alles!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 16:53
@ apatit

du wirst mir sicher gleich schreiben, weil ich das offenkundig übersehen habe, was der text von jan kosok und das verlinkte video

- mit einer hinrichtung zu tun hat,
- warum die hinzurichtende eine frau ist,
- warum zeuge der hinrichtung ein kleines mädchen ist,
-warum hinzurichtende und zeugin juden sind,
-warum das an einem geburtstag stattfindet.

sei also bitte so freundlich und erkläre mir deinen kontext.

und dann unterhalten wir uns ggfs. über die frage, warum zu seiner zeit "sympathy for the devil" soviel skandal gemacht und wie sich das ausgewirkt hat.
apatit schrieb am 21.05.2011 um 17:51
Hallo, jetzt kann man herumreden, ja ein Künstler muss Hitler verstehen, auch wegen der Inspiration und so ein schnulli mit dem man noch die Kurve kriegen will – aber man darf doch trotzdem angeekelt sein von diesen / solchen Typen…mehr wollte ich nicht sagen!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 18:01
nö, ich rede nicht über künstler rum, sondern ich habe zum blog geschrieben und zu der ziemlich handfesten vermutung, warum dort recht unvermittelt biblische sünden auftauchen.

dass du stattdessen mit klischees für deine empörung aufwartest, dafür kann ich nichts.
apatit schrieb am 21.05.2011 um 18:26
Ich noch mal, warum bist Du sauer, dass verstehe ich wiederum nicht. Ich kann Leute eben nicht verstehen, die sich Nazis als Vorbild nehmen, egal ob Künstler oder am Stammtisch. Und mein Beispiel dazu sollte verdeutlichen, mit welcher Arroganz der Macht man mit Wehrlosen umgegangen ist, weil man eine schwarze Uniform an hatte und sowie Rassisch “überlegen“ war. “Ich kann Hitler verstehen und bin ein Nazi“ – dass geht überhaupt nicht, was ist da Klischee?!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 18:58
Das Witzige ist ja, dass auch Kirsten Dunst deutsch-schwedische Vorfahren hat. Grandios spielte sie ihre Rolle als laszive älteste Tochter eines evangelikalen Fundamisten in "The Virgin Suicides" von Sofia Coppola.
L.v.T. hat somit auch von "Breakin' the Waves" Bess ein gelungenen Denkanstoß zum typischen Deutschsein gezogen und die Urängste der Deutschen ans Tageslicht befördert.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 18:26
Hitler hatte Macht mit Körpersprach
L.v.T. macht den Nazi nur mit Sprach
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 18:26
Hitler hatte Macht mit Körpersprach
L.v.T. macht den Nazi nur mit Sprach
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.05.2011 um 21:42
"And he is whispering
As sure as love will spring
From the Well of Blood in Vain, oh Jew!

As sure as love will spring
From the Well of Blood in Vain, oh Jew!"

Großartig-es Wortspiel von Vain=>Pain>=>Jaw =>Jew

www.youtube.com/watch?v=sf9naoVchu0&feature=related
THX1138 schrieb am 21.05.2011 um 23:56
Ein Menschenhasser soll er also sein, dieser Lars von Trier. Auf was stützt sich diese Erkenntnis? Oder ist es eher eine Vermutung? Ich halte "Festen" für einen der besten Filme aller Zeiten, auch wenn die Dogmazeit wohl mehr ein gut durchdachtes Marketingkonzept war, denn ein Bekenntnis zur Filmemacherkunst ohne überflüssige technische Eskapaden.

Betrachte ich die Mimik und die Art und Weise, wie er seine "Nazibekenntnisse" in das Mikrofon stammelt, dann sehe ich hier einen Menschen, der sehr genau weiss, was er tut und wo es hin führen wird. Nur lenkt ihn die schöne Blonde neben ihm etwas ab, wie seine zahlreichen Seitenblicke zeigen. Hier spricht ein Zyniker, der eine bühnenreife Show abzieht.

Und ein Zyniker ist vor allem ein enttäuschter Moralist.
Jan Jasper Kosok schrieb am 23.05.2011 um 11:39
Festen ist einer meiner Lieblingsfilme und von Thomas Vinterberg, nicht von LvT. Er unterscheidet sich von den Trierfilmen ja gerade eben dadurch, dass er einen fast optimistischen Ausgang findet.
Fro schrieb am 22.05.2011 um 01:43
Wenn jemand sagt, er sei ein Nazi, dann muss er damit rechnen, dass er ernst genommen wird.
Fro schrieb am 22.05.2011 um 01:48
Vollkommen in Ordnung, dass er ausgeschlossen wurde. Ein Denkzettel, der ihm hoffentlich zu denken gibt.
rago42 schrieb am 22.05.2011 um 09:46
Komisch, ich habe den Eindruck, wenn mal wieder staatliche Mittel gekürzt werden, die Sozialarbeit betreffen, die Kinder davor bewahren soll, überhaupt erst Nazi zu werden, oder Neo Nazis wieder aus der Szene zu holen, kümmert das kein Schwein.
Kann es sein, dass hier eine Mücke zum Elephanten gemacht wird (unter lautem selbstgerechtem Geschrei), während die richtigen Elephanten unbeaufsichtigt und vor allem unkommentiert den Porzelanladen stürmen?
Streifzug schrieb am 22.05.2011 um 10:46
Wie Niklas Luhman schon in "Das Medium der Kunst" schreibt, wird es eine Folge der Anschlussfähigkeit sein. Egal wohin man momentan hört oder liest, jeder Quacksalber, egal ob Links oder Anti-Links, Rechts oder Mitte, Oben oder Unten, adelig oder bürgerlich, egal, ob Europa momentan verscherbelt wird, egal, ob jeder kleine Sonnenkönig Kriegsfanfaren trötet, egal, ob prekär oder ganz unten - hauptsache man fiebert über: Nazis, Hitler, Antisemitismus, Islamismus, völkisches ....

Es liegt wie Mehltau auf Resthirnen und wird von Kunstschaffenden entcodiert. Spieglein, Spieglein an der Wand ...
Streifzug schrieb am 22.05.2011 um 11:00
... umpf, decodiert oder entschlüsselt ...
Red Bavarian schrieb am 22.05.2011 um 12:25
"Er hat Hitler gesagt! Steinigt ihn!" (aus 'Das Leben des Botox')
Columbus schrieb am 22.05.2011 um 15:19
Lieber Herr Kosok,

Miss Dunsts ("Danst") Lächeln wirkt in etwa so, wie die mehr gefasste Optik ihrer Nachbarin zur Rechten, Madame Gainsbourg, die beide ihrem Filmprojekt helfen wollten, sowie dem Zampano als Regisseur (vice versa?) und sich selbst nicht allzu sehr schaden.

Wir hatten das Thema kürzlich schon einmal, bei der Sache Pfister und Hobbykeller. Auch da ist die Unkenntnis oder der Unwille, einfache rhetorische Muster und Kategorien zu achten und sie kontextsensibel einzusetzen, der eigentliche Urgrund des Missverständnisses.

Lars von Trier dürfte es, da bin ich mir sicher, nicht ganz egal sein. Sonst hätte er sich nicht so schnell entschuldigt.

Interessant ist aber auch, dass zum Zwecke einer Skandalisierung, Journalisten nicht nachfragten und ihn zur Klarstellung am Tag X zwangen, sondern die Ambiguität stehen ließen. Daraus kann man weltweit erst eine Entrüstung und anschließend, im Nachklapp, eine Einordnung und Abklärung machen. - War es nun Scherz, Satire, Ironie, oder war es eine eigene Lebensgeschichte, oder am Ende gar, ein Eingeständnis des Filmmenschen, des Künstlers, von der Überwältigungsästhetik des Nazi-Kulturprogramms tatsächlich gefangen zu sein? - Wir wissen es nicht. Auch nicht nach der Erklärung von Triers, schon gar nicht nach dem Presserummel, und noch weniger aus dem Zwang zur Dummheit, der offenbar öffentliche Jurys und Veranstaltungsgremien von allerlei Preisen, Akademien und Festivals mittlerweile befällt.

In der Öffentlichkeit wird nicht mehr unterschieden zwischen Ausgesagtem und Gemeintem. Selbst Intellektuelle, -als solche will ich ´mal viele Journalisten ehren, denn sie gehen ja mit dem Ergebnis von vertexteter Intellektualität täglich mehr um, als z.B. mit den Filmen dieses Regisseurs-, kennen die Unterschiede ebenfalls nicht mehr, oder wollen sie nicht kennen! Die Gründe zu erforschen, das wäre ein Thema für ein ganzes Artikeldossier, angereichert um ein paar knackige Beispiele.

Allerdings steht für mich fest, dass gerade der Film und sein Umfeld, mit der starken Affirmationskraft des Bildes, mit dem Starwesen und der unendlichen Verlängerung des Talks, an Kraft einbüßt, wenn er auf dieser Schiene allzu sehr mitmacht.

Lars von Triers filmische Antwort wird ja auch lauten, "Lasst mich Filme machen, solange und bis die Welt untergeht!" Ob das schon für Melancholia reicht?

LG
Christoph Leusch
Jan Jasper Kosok schrieb am 23.05.2011 um 11:41
Danke für diese weiterführenden Gedanken, gern gelesen!

Besten Gruß,

JJK
SPuettmann schrieb am 23.05.2011 um 01:04
Ich kann mir nicht mal vorstellen, was ich denken würde, wenn ich Jude wäre und den Kommentar von Lars von Trier hören würde.

Aber auch den Deutschen tut er keinen Gefallen, wenn er "Deutsch" mit "Nazi" gleichsetzt.

Ich bin sehr für Humor, aber wenn das ein Witz gewesen ist, dann war er nicht lustig. Ich glaube, er hat selbst nicht genau gewusst, was er gesagt hat. "Ok, I'm a Nazi" ???????
Entweder er ist ein Nazi und gehört verhaftet oder er ist keiner und gehört wegen Dummeheit ausgelacht.

Ihren Artikel, Herr Kosok, verstehe ich somit nicht. Ich verstehe nicht, wie sie diesen verbalen Ausrutscher schönreden können. Was hat Herr von Trier gesagt, dass ihn verteidigen?

Dass man "Trier bekommt wenn man Trier einläd" ist eine ganz komische Rechfertigung, die wahrscheinlich daraus entstanden ist, dass Sie es unfair fanden, dass das Echo auf seine Äußerungen so groß war. Da kann ich nur sagen: selbst schuld.

Auch in Zeiten des Guerilla-Marketings muss es für Menschen mit Würde Grenzen geben. Herr von Trier legt offensichtlich keinen Wert darauf, in unserer Gesellschaft als Person anerkannt zu bleiben. Für mich ist er gestorben und seine Filme können mir erspart bleiben.
Knüppel schrieb am 23.05.2011 um 09:07
@SPuettmann

Danke für diesen Kommentar, dem ich vollkommen zustimme.

Gruß
Knüppel
gweberbv schrieb am 23.05.2011 um 15:40
"Entweder er ist ein Nazi und gehört verhaftet ..."

Einfach so?
SPuettmann schrieb am 23.05.2011 um 23:25
ja, ich denke schon. und zwar aus dem grund, weil er, wenn er seine kommentare ernstgemein hat, er dafür verurteilt werden sollte, nationalsozialistisches gedankengut verbreitet zu haben. ich meine das wäre verboten.
jemand kann nicht dafür verurteilt werden, etwas zu sein, aber er hat ja gehandelt. der aufruhr kam ja nicht, weil er nazi ist, sondern weil er so gesprochen hat, als wäre er einer.
aber ich gebe zu, sie haben zu recht nachgefragt.
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 08:46
Dancer in the Dark war wohl eine vergleichbar aufwendige Produktion zu Melancholia und nur schwer erträglich. Getoppt wurden v.Triers Dramen in punkto niederschwelliger Zugang überhaupt nur von Werken wie Irreversible von Gaspar Noe.

Der Skandal um die Zuweisung eines Nazi Outings sind großer Unsinn.
j-ap schrieb am 23.05.2011 um 12:37
Ob Lars von Trier ein Nazi ist oder nicht ist völlig unerheblich, mithin eine Frage, die entlaufene Eigentlichkeits-Theoretiker interessieren mag.

Aber was zum Geier heißt der Satz »Ich kann Hitler verstehen«?

Was denn verstehen? Daß er die Macht ergriff? Daß er Albert Speer, eines von »Gottes besten Kindern« (merke: das liegt sogar noch unter dem Niveau dessen, was die Katholische Kirche seit zweitausend Jahren erzählt), an allen alten Zöpfen und Talaren vorbei zum Generalbauinspektor machte? Daß der Anstreicher wenigstens und immerhin auf ordentliche deutsche Kunst- und Kulturpolitik fürs ganze Volk Wert legte? Daß es sich beim Nationalsozialismus um eine Bewegung handelte, die von sich selbst die Utopie hatte, das letzte und abschließende »ästhetische Programm« der dann aufgenordeten und also harmonisierten Menschheit zu sein?

Es ist alles andere als eine Ungeheuerlichkeit, die LvT auf der nämlichen Pressekonferenz zum Besten gegeben hat, und den »Skandal« darin finden nur diejenigen, die es noch nie wahrhaben wollten, daß es einen Zusammenhang von Antizionismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus gibt, der ganz unversehens von einem postmodernen Beliebigkeitsquassler als das bloßgelegt werden konnte, was er schon immer gewesen ist: die gedankliche Normalform dressierter Bürgerhirne, in die man gelegentlich hinstolpert wie in einen Kuhfladen am Gehsteig.
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 13:50
[...] daß es einen Zusammenhang von Antizionismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus gibt, der ganz unversehens von einem postmodernen Beliebigkeitsquassler als das bloßgelegt werden konnte, was er schon immer gewesen ist: die gedankliche Normalform dressierter Bürgerhirne, in die man gelegentlich hinstolpert wie in einen Kuhfladen am Gehsteig.

...demnach kann ein Jude niemals Faschist sein? Und ein Faschist niemals Jude.
Und ähm, das alles wäre natürlich nicht möglich (der Faschismus) wenn der Pöbel immer noch Subjekt von Ständen wären?

ich muss das wohl beliebig missverstanden haben.
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 14:01
Also ist Bruno Ganz, wenn er vor der Einübung der historischen Figur Hitler, verstehen will, ein Antisemit oder so,..

bin baff und komm' nicht ganz mit.

bin gespannt, wann ich hier als Faschist deklariert werde. Mit Katholik ist ja die erste Runde schon eingeläutet...holla die Waldfee~
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 14:04
so, liebe Spaßvögel, nu' geb ich mir selber einen Stern ...ätsch!
j-ap schrieb am 23.05.2011 um 14:33
Nö, Du hast da nix beliebig, sondern ganz gezielt mißverstanden, vom Faschismus angefangen (der etwas anderes als der NS ist, auch wenn das — mitunter auch hier — gerne zusammengeworfen wird, und zwar nicht nur von auf den Hund gekommenen samtenen Totalitarismus-Beforschern) über Bruno Ganz bis hin zum Katholizismus, den ich nicht erwähnt habe, um Fascho-Ambiente herzustellen (da lägen die Protestanten näher als doe Katholiken), sondern weil der Lars was von Gotteskindern faselte, sogar auch noch »besten«, die eben nicht mal die Una Sancta kennt, weil bei der nämlich alle Menschlein Gotteskinder sind und auch bleiben, sogar dann, wenn sie mit dem Namenlosen Buhlschaft treiben sollten.

Und herrje, ja, die Sterne — also wenn Du mich nachher wieder lieb hast, dann sterne ich mich mal eben runter, weil mir derlei grundsätzlich am verlängerten Rückgrat vorbeigeht. ;-)
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 14:58
ähm, referenzierte er vielleicht auf thiustisk?
Auf die Reformationsbewegung?
However.
Mir persönlich fällt die Begeisterung für Speer schweer. Faschistische Architektur setzt anonyme Masse. Keine Ahnung aus welchem Winkel das rational zu beleuchten ist. Ist mir auch schnuppe. Denke die Provokation begann durch Rechtsverortung seitens der Presse mit dem Hinweis auf die Begeisterung auf Speer in einem früheren Interview.

Die Hysterie kann ich nicht nachvollziehen. Auch nicht die Genügsamkeitshaltung, dass singuläre Position der Postmoderne, wohlgemerkt, links tickend, die Antwort auf alle Fragen brächte und neue Una Sancta sein muss, sich selbst gegenüber, und dabei nicht nur ähnliche Ausschließlichkeitsprinzipien hervor quillen läßt, die ebenso unreflektiert wie die Äußerungen v.Triers auf jener Pressekonferenz erscheinen läßt, wie sie Kernmerkmal des Faschismus selbst ist.

Demnach kann auch ein Israeli mit jüdischer Religion, sehr wohl Faschist sein, wenn er sich Auschließlichkeitsprinzipien bedient. Daraus zu schließen, dass ganz Israel als Staat eine Plage wäre ist ebenso eine Art faschistische Idee. Und ja, Totalitarismus ist dem Faschismus doch mindestens verwandt, will ich meinen. Ebenso wie der National Sozialismus eine Spielart des Faschismus ist.

behaupte ich, vor das Bügeleisen geworfen werdend, um meine bürgerliche Pflicht zu erfüllen und hoffe auf dankbar auf Brocken ewiger Erleuchtung,...

Amen.
Jan Fremder schrieb am 23.05.2011 um 18:00
@j-ap
Zitat: "Aber was zum Geier heißt der Satz »Ich kann Hitler verstehen«? "

LvT leidet ja bekanntlich unter depressiven Verstimmungen. Vielleicht machte er die Äußerungen deswegen oder in Bezug auf Hitlers freiwilligen Ausscheiden aus dem Leben.

Meine Güte, der Mann ist Künstler, äh, also jetzt der LvT. Was da alle immer erwarten, dass er jetzt sonstwas sinnstiftendes äußert.
Die probieren sich aus, reihen Wortkombinationen aneinander und sehen was es für eine Wirkung ergibt. Wie Zweijährige.
Wenn das Publikum dann besonders intensiv reagiert, egal wie, wird sich die Wortkombination gemerkt und an anderer Stelle abgewandelt wieder probiert.
bismodo schrieb am 23.05.2011 um 11:54
"ZEIT: Sie sind mit einem jüdischen Vater aufgewachsen. Auf dem Totenbett erzählte Ihnen Ihre Mutter, dass Sie in Wahrheit der Sohn eines Nachkommen des dänischen Komponisten J. P. E. Hartmann seien. Und dass sie sich auf diese Weise für ihr Kind »kreative Erbanlagen« geholt habe.

von Trier: Bis dahin dachte ich immer, ich sei jüdischer Abstammung. Tatsächlich bin ich aber eher Nazi. Ich glaube, die Familie meines Erzeugers war zwei Generationen zuvor noch deutsch. Vor ihrem Tod sagte meine Mutter, ich sollte glücklich sein, dass ich der Sohn dieses anderen Mannes sei. Und dass mein Ziehvater keine Kraft und kein Ziel gehabt habe. Er war aber ein sehr liebenswerter Mann. Und ich war sehr traurig über diese Enthüllung."

aus: www.zeit.de/2005/46/Trier-Interview

Diese Gleichsetzung von deutsch und Nazi, die LvT nun schon seit Jahren macht, kommt aus demselben verschwurbelten sozio-biologistischen Stall, den Sarrazin bemüht. Die einen präsentieren es als schmerzliche Selbsterkenntnis, die anderen, um 'doch mal das zu sagen, was 'man' - ANGEBLICH - nicht sagen darf', um es dann doch zu sagen...

Diese Denkweise entspricht dem Muster, die jedem Feld-, Wald- und Wiesen (Neo)Nazi geläufig sein dürfte.

Warum man es bei den einen entschuldigen sollte, entschliesst sich mir nicht!
Wie so oft, steckt's in den Nebensätzen...

Damit sage ich nichts gegen seine Filme: das Arschloch Richard Wagner verstellt mir ja auch nicht den Blick auf die Interpretationsbandbreite, die seine Opern bietet
Knüppel schrieb am 23.05.2011 um 12:30
@bismodo

"(...) Diese Denkweise entspricht dem Muster, die jedem Feld-, Wald- und Wiesen (Neo)Nazi geläufig sein dürfte. Warum man es bei den einen entschuldigen sollte, entschliesst sich mir nicht! ..."

So ist es!

Erschreckend für mich, wie viele so etwas einfach hinnehmen, wenn es mit ein paar "relativierenden" Zusatzbemerkungen garniert wird (salonfähig gemacht wird) .... Das lässt sich fast täglich in div. Internet-Foren beobachten, die von Neo-Nazis "unterwandert" werden.
Popkontext schrieb am 25.05.2011 um 01:37
"Diese Gleichsetzung von deutsch und Nazi, die LvT nun schon seit Jahren macht, kommt aus demselben verschwurbelten sozio-biologistischen Stall, den Sarrazin bemüht."
Komplett falsch verstanden. Sarrazin meint das 1:1 so, LvT in seinem verqueren Kosmos, der von der Filmschickeria so gern gefeiert wird, im übertragenen Sinn. Es spielt damit. Ob man das für legitim hält oder nicht ist eine andere Sache.
rago42 schrieb am 23.05.2011 um 12:50
Zitat SPuettman:
"Diese Gleichsetzung von deutsch und Nazi, die LvT nun schon seit Jahren macht, kommt aus demselben verschwurbelten sozio-biologistischen Stall, den Sarrazin bemüht. Die einen präsentieren es als schmerzliche Selbsterkenntnis, die anderen, um 'doch mal das zu sagen, was 'man' - ANGEBLICH - nicht sagen darf', um es dann doch zu sagen... "

Wie kann man so einen groben Unsinn erzählen, nachdem man besagte Passage aus dem Zeit Interview gepostet hat?
Das ist diametral zu Sarrazins Mist!
Ist diffamieren gerade Mode, oder sinnentnehmendes Lesen aus der Mode, hat von euch beiden überhaupt einer das Interview gelesen?
Oder nur den Namen von Trier und Nazi im gleichen Interview gesehen und danach gleich mit Schaum vorm Mund das Denken und weiterlesen eingestellt.
Das kann ja keine intellektuelle Hilflosigkeit mehr sein, das liest sich schon wie reine Bosheit. (Gemeint ist nicht das von Trier Interview ;-)
rago42 schrieb am 23.05.2011 um 13:11
Uuups, bitte um Entschuldigung, das obige Zitat ist natürlich nicht von SPuettman, sondern von Bismodo.
Sorry, dass mir das durcheinandergeraten ist.
bismodo schrieb am 23.05.2011 um 13:25
Deutsch sein = Nazi-affin liegt in den Genen - so wie man ne künstlerische Ader vom Vater "vererbt" kriegt (wie es ihm seine Mutter auf dem -schluchz - Sterbebett verrät).

Genau SO argumentiert LvT in diesem Interview !

Und umgekehrt: wäre sein Vater tatsächlich jüdisch gewesen, hätte ihn das vor der Nazidenke beahrt??? Genetisch?

@ rago42
Wie kann man auf dieser Basis überhaupt einen Nazi kritisieren: nach DER Argumentation KANN er ja nix für seine Ansichten: die legen ihn schliesslich via Gene drauf fest.

Deine Kritik wiederholt imgrunde auch nur dieselbe sozio-biologistische Herleitung. Schyze eben!
zelotti schrieb am 25.05.2011 um 19:42
Nazi meint im Ausland was anderes als bei uns. In der ausländischen Propaganda sind deutsche Weltkriegsfeinde/Besatzer "Nazis" und tragen eine Wehrmachtsuniform.
rago42 schrieb am 23.05.2011 um 13:42
Meine Kritik (dass Du und Knüppel offenbar entweder nicht lesen könnt oder boshaft diffamiert) ist dieselbe sozio-biologische Herleitung?

Äh......kannst du das auch erklären?
bismodo schrieb am 23.05.2011 um 13:51
Du weichst aus!
bismodo schrieb am 23.05.2011 um 14:00
Ich habe an "Wurzeln":
deutsch
französisch
bretonisch
polnisch
schwedisch
russisch
estnisch
valonisch

Jo mei, was DARF ich denn nun denken...bzw WER hat mir WAS genetisch vererbt, dass ich diese ganze Wurzelei für gedanklichen Dreck halte, der in der Nazidenke nur seinen bisherigen - operativen - Höhepunkt hatte... aber in manchen Köpfen hartnäckig überlebt
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.05.2011 um 14:00
sz wartet mit
www.sueddeutsche.de/kultur/abschluss-des-filmfestivals-von-cannes-die-arroganz-ist-berechtigt-1.1100453
auf.

"In solchen Momenten ist klar, warum die Cannes-Direktion so vehement reagiert hat auf von Triers "Ich bin ein Nazi"-Auftritt: Er soll nicht mit einer Zirkusnummer die Aufmerksamkeit absorbieren, die Leuten zugedacht war, die Kopf und Kragen riskiert haben. Panahi war bei seiner Pressekonferenz dann doch dabei - er hatte sich via Skype zugeschaltet. Aber gesagt hat er kein Wort."

eine nicht zu vernachlässigende nuance.
Jan Jasper Kosok schrieb am 23.05.2011 um 16:51
Das hätte man dann aber auch gleich vor Ort klären können (müssen!). Als nachgeschobenes Argument kommt mir das reichlich konstruiert vor – erst recht, wenn es dazu dient, das doch irgendwie bestenfalls launische Verhalten von "Cannes" im besseren Licht erscheinen zu lassen.
rago42 schrieb am 23.05.2011 um 14:15
@Bismodo

Ich weiche aus?

"Und umgekehrt: wäre sein Vater tatsächlich jüdisch gewesen, hätte ihn das vor der Nazidenke beahrt??? Genetisch? "

Sollte dies die Frage sein, der ich angeblich ausweiche?
Die kann ich nicht beantworten, da ich nirgends eine von Triersche "Nazidenke" erkennen kann.

Bist du so lieb und gibst mir einen Hinweis, wo in dem Interview von Triersche Nazidenke offenbar wird?
Muss ich überlesen haben.
bismodo schrieb am 23.05.2011 um 15:45
NAZIDENKE war und ist - [kaum verkürzt – von DENKEN ist nicht zu reden):
1. Die wahre MENSCHHEIT ist „arisch“, alle anderen sind „Untermenschen“, die einen mehr, die anderen weniger. „Arier“ sind zur Herrschaft über den Rest bestimmt, auf ewig. Die Entwicklung des „Herrenmenschen“ gipfelt im „völkischen“ Nationalsozialismus als höchster Form des entwickelten "Arier"-"tums“. „Arier“ kann man nur biologisch/genetisch durch Vererbung sein. Wenn ein „Arier“ kein Nazi ist, ist er ein „Geistesjude“ und damit ein „Untermensch“. Er verrät das „völkisch“ ihm übertragene „Arier“-„tum“.
2. [Dabei ist doch die ganze BEHAUPTUNG einer „Rassen“-„Theorie“ nichts als eine Konstruktion ohne Fundament, eine Fiktion.
3. Diese „Rassen“-Fiktion ist DAS bestimmende Element in der Nazidenke, das diese vom gewöhnlichen – sich eher politisch verstehenden - Faschismus (als Herrschaftsform) unterscheidet].
4. LvT begründet sein [weinerliches] Bedürfnis, sich in Hitler einzudenken (in Cannes und in der ZEIT), als – bedauerlicherweise- quasi unwillkürliche…
5. …Affinität, die ihn qua deutscher „Herkunft“ über zwei Generationen, zum „Nazi“ macht.
6. Damit sagt er: Ist ja kein Wunder, bin ja – leider - auch ein bisschen deutsch. Liegt ja in den Genen, wenn man dann Nazi sein MUSS.
7. Ich glaube NICHT, dass LvT NAZI ist. [Aber ich glaube, dass sich LvT die „Rassen“-Fiktion zu eigen gemacht hat]
8. Damit entspricht seine Denke (in diesem Punkt) dem Denkmuster der Nazis und dem der Neo-Nazis: es sind die Gene, unwiderruflich
9. Damit macht er jeden Deutschen (auch sich selbst) zum Nazi, ob der es will oder nicht […oder besser weiss]. DENN: es sind die Gene, unwiderruflich
10. (Interview in der ZEIT) Wenn sein tatsächlicher Vater „jüdisch“ gewesen wäre, könnte er kein Nazi sein. Die Deutschen aber schon. DENN: was du denkst, hängt von deinen Genen ab
11. Ein „Jude“ KANN kein Nazi sein… [dabei waren doch manche als „Juden“ definierte Deutsche tatsächlich Nazis, die die „Ostjuden“ zu „Untermenschen“ erklärten, solange die Nazis sie noch gewähren liessen]…
12. a) …weil er ja nicht „arisch“ sein kann
13. b) …weil das „Jüdischsein“ die Nazidenke ausschliesst: es sind eben die Gene, unwiderruflich, egal was du willst

[Diese Denke kommt nicht immer und überall als NAZIdenke rüber, gleicht ihr aber aufs Haar. Sie wird leider wieder ziemlich gesellschaftsfähig: in ihrer getarnten Form]
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 16:37
3. Diese „Rassen“-Fiktion ist DAS bestimmende Element in der Nazidenke, das diese vom gewöhnlichen – sich eher politisch verstehenden - Faschismus (als Herrschaftsform) unterscheidet].

oh yeah, ich hab nur drauf gewartet. Zwei Paar Schuhe aus der Historie heraus. Wenn aus Futurismus, der neuen Geschwindigkeit, UND Nationismus sich etwas zum Faschismus koppelt, sucht dieser immer nach nationaler-scheinbar sozialer Selektion, die innerhalb des deutschen National-Sozialismus ihre Legitimation im Rassismus als Besonderheit suchte. Das Alleinstellungsmerkmal, dass sey hier noch einmal in aller Ruhe erwähnt, ist innerhalb aller faschistischen Strömung ein Ausschließlichkeitsprinzip, dass sich immer im nationalen Pathos von allem abzusetzen sucht, um zu homogenisieren. Ob das nun Bevölkerungsgruppen in Zugehörigkeiten zu Herkunft, Religion, Politik, sexuelle Identifikation und allen anderen Selektionsmöglichkeiten sind..

Demnach kann jeder faschistische Genozid auch losgelöst vom National-Sozialismus betrachtet werden.
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 16:40
korr.
Wenn aus Futurismus, der neuen Geschwindigkeit, UND NationALismus sich etwas zum Faschismus koppelt, [...]
bismodo schrieb am 23.05.2011 um 17:19
Tycho:
"Demnach kann jeder faschistische Genozid auch losgelöst vom National-Sozialismus betrachtet werden."

Ja, klar! Ja, und?
Hat sich LvT als Faschist bezeichnet oder als "Nazi"?
Ändert das was?
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 18:17
...als Däne, der kürzlich erfuhr, dass er nicht der Sohn seines jüdischen Ziehvaters sei, sondern einen Deutschen zum Vater hatte. Sie erinnern sich noch, wie das Bild vor dreißig Jahren in ausländischen Kinoproduktionen vom "Deutschen" gezeichnet wurde? Genau mit jener ist Trier, wie ich übrigens auch, aufgewachsen. Nur, dass es bei ihm Dänemark war. Wissen Sie eigentlich, wie oft mir das Wort Nazi in meiner Jugend im Ausland entgegen schlug? Deutsche wurden nun mal mit Nazi in Verbindung gebracht.

Selbst wenn Sie ihn in der Nazi Denke verorten, wird er nicht Filme machen, die das latent transportieren. Das Gegenteil ist der Fall. Schade für die Schublade,..aber immerhin bleibt dann dort reichlich Platz für andere.
bismodo schrieb am 23.05.2011 um 20:44
"Selbst wenn Sie ihn in der Nazi Denke verorten, wird er nicht Filme machen, die das latent transportieren. Das Gegenteil ist der Fall. Schade für die Schublade,.."

Einfach mal meinen ersten Beitrag in diesem Thread lesen... Stichwort Wagner
Tycho schrieb am 23.05.2011 um 21:10
okay, gelesen. Ich bitte höflich um Verzeihung und nehme den Schubladen Vorwurf zum Opus zurück.
in Ordnung?
Popkontext schrieb am 25.05.2011 um 01:44
Also Leute, die von Trier wirklich für einen Nazi halten sind endweder einfältig oder bösartig. Die Frage ist: Darf ein Künstler mit sowas provozieren? Da kann man unterschiedlicher Meinung dazu sein, ebenso zum Umgang mit solchen Äußerungen.
SPuettmann schrieb am 25.05.2011 um 15:57
Sie und LvT müssen sich im Klaren darüber sein: Totale künstlerische Freiheit geht nicht mit gesellschaftlichen Tabus einher. Tabus sind sinnvoll, da man in der Gesellschaft auf einander Rücksicht nehmen muss.

Wenn LvT diese Rücksicht nicht nehmen will, dann soll er auch nicht über den roten Teppich spazieren, soll er nicht öffentliche Kommentare geben, soll er nicht öffentlichen Podiumsdisskussionen beiwohnen, soll er diese Gesellschaft in Ruhe lassen und in Ruhe seine Filme drehen und sich nicht darum kümmern, was andere denken.

Beides geht nicht. Wieso ist das schwer nachzuvollziehen und was haben Sie für einen fahlen Humor, dass sie Sätze wie "Ich bin Nazi" aushalten. Scham und Entschuldigung sind angebracht und es liegt an der Gesellschaft ihm zu verzeihen. Entschuldigt hat er sich ja wohl schon, wenngleich sein Ziel erreicht ist. Dass LvT diese Äußerungen auf einem roten Teppich bei einem, oder bei DEM, Filmfestival gemacht hat, zeugt für mich nur von einer Gier nach Aufmerksamkeit. Die Äußerungen waren so "billig", dass er seinen Film umsonst anbieten sollte.
SPuettmann schrieb am 25.05.2011 um 15:57
Sie und LvT müssen sich im Klaren darüber sein: Totale künstlerische Freiheit geht nicht mit gesellschaftlichen Tabus einher. Tabus sind sinnvoll, da man in der Gesellschaft auf einander Rücksicht nehmen muss.

Wenn LvT diese Rücksicht nicht nehmen will, dann soll er auch nicht über den roten Teppich spazieren, soll er nicht öffentliche Kommentare geben, soll er nicht öffentlichen Podiumsdisskussionen beiwohnen, soll er diese Gesellschaft in Ruhe lassen und in Ruhe seine Filme drehen und sich nicht darum kümmern, was andere denken.

Beides geht nicht. Wieso ist das schwer nachzuvollziehen und was haben Sie für einen fahlen Humor, dass sie Sätze wie "Ich bin Nazi" aushalten. Scham und Entschuldigung sind angebracht und es liegt an der Gesellschaft ihm zu verzeihen. Entschuldigt hat er sich ja wohl schon, wenngleich sein Ziel erreicht ist. Dass LvT diese Äußerungen auf einem roten Teppich bei einem, oder bei DEM, Filmfestival gemacht hat, zeugt für mich nur von einer Gier nach Aufmerksamkeit. Die Äußerungen waren so "billig", dass er seinen Film umsonst anbieten sollte.
Popkontext schrieb am 25.05.2011 um 16:12
Wenn Sie meinen Kommentar richtig gelesen und auch verstanden haben, dürfte Ihnen aufgefallen sein, dass ich sagte, dass man zu den Äußerungen von LvT und auch dem Umgang damit unterschiedliche Ansichten haben kann. Nur in ihm einen Nazi zu sehen und / oder mit Sarrazin zu vergleichen wie oben ist entweder einfältig oder bösartig.

Was Sie schreiben, ist Ihre Meinung dazu, die ich respektiere. Was es allerdings mit "Humor" zu tun hat, "Sätze wie "Ich bin Nazi" aushalten", erschließt sich mir nicht. Wie kommen Sie darauf?
Popkontext schrieb am 25.05.2011 um 16:16
Übrigens wurde LvT auf diesen roten Teppich eingeladen, *weil* er ein provokanter Künstler ist. Das ist eigentlich eher mein Punkt: Eigentlich hat er genau das gemacht, warum man ihn abfeiert. Er ist nur einen ganz, ganz winzigen, aber entscheidenden Schritt zu weit gegangen und hat offenbar die Grenzlinie des für das bürgerliche Establishment Erträglichen überschritten.
SPuettmann schrieb am 25.05.2011 um 16:38
Ich bin nicht der, der LvT für einen Nazi hält. Die Worte kommen aus seinem Mund.

"Ich bin Nazi". LvT hat für mich nicht nachvollziehbar erklärt, warum er diesen Satz losgelassen hat. Ihm hat es gereicht, diese Sätze einfach so stehen gelassen zu haben. Ohne Humor, ohen Ironie, ohne Sarkasmus komme ich da nicht weiter. Sie etwa?

Dass er 2009 gesagt hat, dass er der beste Filmmacher der Welt sei, zeigt mir, dass er eher arrogant, eher juvenil als ein Provokateur ist. Ich bin mir sicher, hätte er seine Kommentare im Vorhinein angekündigt, hätte man ihn nicht eingeladen.

Außerdem bin ich mir sicher, dass LvT eingeladen wurde, weil er einen Film gedreht hat, nicht weil er Künstler ist.
Popkontext schrieb am 25.05.2011 um 17:00
Sie haben offenbar die Worte, die aus seinem Mund kommen, völlig missverstanden, weil Sie sie 1:1 nehmen, ohne über den Kontext und die Künstlerperson LvT nachzudenken - "für mich nicht nachvollziehbar" ist der Knackpunkt. Vielleicht auch, weil Ihnen die feinen, aber entscheidenen Unterschiede zwischen Humor, Ironie und Sarkasmus nicht klar sind. Humorvoll war das keineswegs gemeint und ich finde auch keineswegs lustig, was er gesagt hat.

Ich finde es auch wichtig, über Hitler zu lachen, und zwar nicht über seine unbeschreiblichen Untaten, sondern die lächerliche Figur, die er ist, sei es Ernst Lubitschs Sein oder Nichtsein, The Producers oder auch Hipsterhitler - aber das ist eine andere Sache, damit hatte die Geschichte jetzt nichts zu tun.

"Dass er 2009 gesagt hat, dass er der beste Filmmacher der Welt sei, zeigt mir, dass er eher arrogant, eher juvenil als ein Provokateur ist." Ganz genau. Und das weiß auch jeder, ganz bestimmt die Leute, die ihn nach Cannes eingeladen haben. Und sie haben ihn nicht einfach eingeladen, weil er einen Film gemacht haben, sondern weil er ein renommierter Regisseur ist (und natürlich ist ein Regisseur fiktionaler Filme ein Künstler), der sich einen Namen gemacht hat, weil er in seinen Filmen und auch außerhalb hart an der Grenze provoziert. Und jetzt tut man so, als ob man aus allen Wolken fällt und völlig entsetzt ist, weil er diese Grenze um Haaresbreite überschritten hat.

Mir geht es hier übrigens nicht im Geringsten darum, LvT zu verteidigen. Ich finde solche Art von Provokation auch billig und dumm, aber der Aufschrei der Empörungsmaschinerie jetzt ist es leider mal auch.
SPuettmann schrieb am 25.05.2011 um 17:19
Ich weiß nicht was für eine Staatsangehörigkeit Sie besitzen, aber ich als Deutscher bin ziemlich wütend darüber, dass "Deutsche Vorfahren haben" mit "Nazi" beschrieben wird. Wo ist bei dieser Vokalbombe die feine Linie, mit der LvT Ironie von Rücksichtslosigkeit trennt?

Mir geht es auch nicht um den ganzen Müll, den er sonst noch so gesagt hat. Natürlich kann man Hitler verstehen. Er ist ja kein Monster von einer anderen Welt. Aber wenn LvT eines nicht macht, dann "Hitler lächerlich".

Ich wusste nicht, dass es Algemeinbildung ist, die Künstlerperson LvT zu kennen. Ich kenne keinen Film von ihm und habe bisher noch nie ein Interview von ihm gesehen. Seine Person macht es mir auch nicht gerade leichter.
Popkontext schrieb am 25.05.2011 um 18:10
"Ich kenne keinen Film von ihm und habe bisher noch nie ein Interview von ihm gesehen."
Das ist genau der Knackpunkt - deshalb haben Sie die Aussage auch völlig in den falschen Hals bekommen. Ich halte persönlich sehr viel davon, sich erstmal über die Kontexte zu informieren, ehe man urteilt. Sonst könnte man gewaltig schief liegen wie Sie hier, indem Sie a) wirklich glauben, LvT sei ein Nazi und b) denken, diese Äußerung käme völlig überraschend.

Ich kann Ihnen versichern, dass die Leute in Cannes ganz genau wußten, wen sie sich da einladen und ein Teil des Reizes auch war, dass er für sie das das Enfant Terrible spielen wird. Er ist nur den Erwartungshaltungen gerecht geworden, die sie an ihn hatten. LvT scheint auch niemand zu sein, für den Rücksichtnahme zu den zentralen Tugenden zählt. Das hat er auch nie vorgegeben.

"Aber wenn LvT eines nicht macht, dann "Hitler lächerlich". "
Das habe ich ja auch gesagt, das das eine andere Sache ist. Das war nur meine Anmerkung zum Thema Humor und Hitler, weil Sie von Humor sprachen.

"Ich weiß nicht was für eine Staatsangehörigkeit Sie besitzen, aber ich als Deutscher bin ziemlich wütend darüber, dass "Deutsche Vorfahren haben" mit "Nazi" beschrieben wird."
Ich bin so urdeutsch wie man nur sein kann, inklusive der Tatsache, dass mein leiblicher Vater einen polnischen Nachnamen hat. Aber ich ziehe mir a) den Schuh nicht an, weil er auch gar nicht für mich gemacht ist, und b) erwarte ich aber auch keine Rücksichnahme. Zu unserer Vergangenheit müssen wir als Deutsche mE stehen.

Ich finde es aber eine interessante Wendung in der Diskussion, dass Ihre Erregung anscheinend dadurch motiviert ist, dass Sie sich in ihrer nationalen Zugehörigkeit beleidigt oder verletzt sehen. Dass man angesichts der unmenschlichen Greueltaten, die es im Faschismus gab, solche Äußerungen generell unerträglich findet und sich deshalb empört kann ich noch nachvollziehen, aber das überhaupt nicht.
Gerd Weghorn schrieb am 25.05.2011 um 18:30
Wenn ich das richtig erinnere, dann hat LvT sein Selbstbekenntnis, seine Selbstentäußerung, sein Selbstbild, seine Meinung als Reaktion auf eine das NS-Thema unterstellende provokative Reporterfrage gemacht?!

Wenn ich das richtig interpretiere, dann oszillierte sein verrücktes Gestammel - aus dem er mit "I´m a Nazi" einen Ausweg gefunden hatte - in der Hauptsache um ihn selbst als Hitler-Versteher – der er nicht ist - und Speer-Bewunderer, eine Selbstdarstellung, die man im Land der Freien "doch wohl noch" abliefern kann, ohne dafür geächtet zu werden?!

"Die Juden" hat er sogar bewundert.

Die einzige Attacke, die er geritten ist, war die auf "Israel", so dass ich denke, wenn er sich diese Meinung verkniffen hätte, wäre es auch nicht zum Ausschluss gekommen. Oder?!

Der auch hier zu beobachtende publizistische "Kampf gegen Rechtspopulismus" entpuppt sich bei den meisten blogfighter.de als Wortklauberei, so, als gälte es, anhand der Verwendung "böser Wörter" wie z. B. "Raffendes Kapital" profiprofil.wordpress.com/2009/06/11/raffendes-kapital-1/ den Benutzer als Nazi entlarvt zu haben, eine Etikettierungsmethode, die schon gerne von den Nazis benutzt worden ist, indem sie einige Worte ihrer Dialektik entkleidet und sie "eindimensional" als Waffe oder Schmähkritik instrumentalisiert haben; gleiches passiert heute z. B. mit dem Antisemitismusvorwurf, wie das exemplarisch zu studieren ist in der Salzborn/Voigt-"Studie" über vermeintlichen "Antisemitismus" in der Linkspartei.

LvT ein Nazi?! Wer Nazis wirklich kennt, der weiß, was sie von ihm und seinen Werken halten und was sie, wenn sie das Sagen hätten, damit machen würden: vernichten!

Dank dieser Tatsache käme also kein Kenner auf den Gedanken, dass es sich hierbei um etwas anderes gehandelt hat, als um eine Selbstbekundung, die ich - was aber absolut irrelevant ist - als seine hilflose Art interpretiere, Hilfe zu erflehen.

Gerd Weghorn
SPuettmann schrieb am 26.05.2011 um 01:16
Verzeihen Sie, dass es im Universum von LvT auch noch Menschen gibt, die sich nicht als LvT-Kenner bezeichnen und trotzdem über sinnlose Äußerungen ärgern können.

Wenn Unkenntnis als Ausschlusskriterium gelten würde, dann würde wohl keiner von uns über wirklich wichtige Themen wie zB Politik oder reden dürfen.

Der Fakt, dass LvT selbst von den Nazis vernichtet werden würde, enthebt ihn nicht der eigenen Dummheit.
Popkontext schrieb am 26.05.2011 um 01:27
"Der Fakt, dass LvT selbst von den Nazis vernichtet werden würde, enthebt ihn nicht der eigenen Dummheit."
Da stimme ich Ihnen zu.

"Wenn Unkenntnis als Ausschlusskriterium gelten würde, dann würde wohl keiner von uns über wirklich wichtige Themen wie zB Politik oder reden dürfen."
Das ist eine Tatsache, die ich ganz fatal finde, dass sich Leute, die sich nicht wenigstens ein wenig mit einem Thema z.B. beschäftigt haben meinen, sich äußern zu müssen - ohne jede Grundlage. Wenn ich einen Zusammenhang nicht kenne frage ich nach oder informiere mich anderweitig. Das scheint aber nicht allgemein üblich zu sein.
Popkontext schrieb am 26.05.2011 um 01:30
...z.B. in der Politik...
SPuettmann schrieb am 26.05.2011 um 04:37
Ich gebe zu, es war etwas mißverständlich geschrieben, was aber eher zu einer Nachfrage Ihrerseits hätte führen müssen. Stattdessen sagt der Popkontext, dass man nur über Dinge wie Politik reden soll, wenn man sich damit auskennt. Lieber Stammtisch, bitte gehe erst noch einmal studieren, bevor du dich wieder triffst. ???

Ich lese eine Wochenzeitung, plus Magazine, dazu täglich die Berichte auf spiegel.de, faz.net, nzz, tag, plus ein paar internationale newsseiten und bloggs. Trotz alledem habe ich keinen blassen Schimmer, warum die Dinge in der Welt so verlaufen, wie sie es tun. Manchmal habe ich das Gefühl mit jedem Bericht tiefer im Informationsmatsch zu versinken.

Gerade Politik lebt davon, dass jeder mitredet und auch im Dialog Fakten ausgetauscht werden und Positionen bezogen werden. Mit "Unkenntnis" meine ich, dass man kaum genug informiert sein kann. Mit "Unkenntnis" meine ich, dass wir selten so viele Wirtschaftsmagazine und -zeitungen gehabt haben, aber die Krise nicht im Ansatz vorausgesehen und in den Griff bekommen haben, geschweige denn unsere Wirtschaft für die nächste Krise absichern. Trotzdem muss ich kein studierter VWLer sein, um zu merken, dass hier viele Dinge ganz falsch gelaufen sind. Mit Unkenntnis meine ich, dass jeder Wissenschaftler keine Ahnung von seinen zukünftigen Befünden hat und trotzdem forscht und Thesen aufstellt.

Ich wüsste nicht, dass man erst eine Biografie zu LvT geschrieben haben muss, um zu merken, dass dieser Mensch beim reden selbst gespannt ist, was er als nächstes sagt.

Wenn Sie mir nicht zustimmen, dann sagen Sie mir mal, mit welchem Thema Sie sich so richtig auskennen? ...so richtig! so, dass es Sie nach Ihrer Definition berechtigt, sich dazu zu äußern. Und wenn Sie nicht verstehen, was ich meine, hätte ich gern gewusst, welche Qualifikation man haben muss, um zu LvT eine Meinung zu haben.
Popkontext schrieb am 26.05.2011 um 11:52
Ich kann mich nur unten stehendem Kommentar von @rago42 anschließen.

Ergänzend: "Ich lese eine Wochenzeitung, plus Magazine, dazu täglich die Berichte auf spiegel.de, faz.net, nzz, tag, plus ein paar internationale newsseiten und bloggs." Dann tun Sie schon mehr als viele, die meinen mitreden zu müssen. Wenn Sie trotzdem nichts verstehen, weiß ich auch nicht, was Sie falsch machen. Ich lese auch sehr viel und würde nie behaupten, dass ich alles verstehe, aber vieles schon und wenn nicht, lese ich wie gesagt nach oder halte mich zurück mit unqualifizierten Meinungen und Urteilen. Ich lasse mich auch gern belehren, wenn ich einen wichtigen Fakt oder ein wichtiges Argument nicht beachtet habe.

"Gerade Politik lebt davon, dass jeder mitredet und auch im Dialog Fakten ausgetauscht werden und Positionen bezogen werden."
Ja, aber dazu müssen Fakten erstmal bekannt sein und Positionen sollten auf einer gewissen Kenntnis von Fakten beruhen. Das ist leider nicht immer so, siehe Stammtisch - und das kritisiere ich. Da muss man nicht gleich studieren - nichts dagegen übrigens, aber nicht jeder hat die Chance. Nur man kann sich auch im Alltag informieren.
Gerd Weghorn schrieb am 26.05.2011 um 18:05
Diese Anmerkung zielt wohl auf meine Argumentation?!

Mein Feedback: ich spreche auch hier nicht von Ihrer "eigenen Dummheit", sondern unterstelle Ihnen, dass Sie meine Aussage nicht verstanden haben, die sich auf die Selbstbekundung: "ich bin ein Nazi" bezog: Er ist kein Nazi, weshalb seine Relegation unangemessen gewesen ist.

"Dummheit" ist für mich der Ausdruck einer hilflosen Etikettierung, also sinnlos, jedenfalls nicht meine Diktion, denn ich kenne keine "Dummheit", weshalb ich auch von "Hilflosigkeit" gesprochen habe, eine These, deren Erörterung wenigstens produktiv wäre. Oder?
Popkontext schrieb am 26.05.2011 um 18:57
@Gerd Weghorn Falls Sie mich meinen: Meine Äußerungen bezogen sich ausschließlich auf das, was @SPuettman geschrieben hat. Sorry, das war schlecht gekennzeichnet meinerseits.
rago42 schrieb am 26.05.2011 um 08:04
Spuettmann schrieb:
„….welche Qualifikation man haben muss, um zu LvT eine Meinung zu haben.“
Man muss sicher keine LvT Biographie geschrieben oder auch nur gelesen haben.
Aber der KONTEXT seiner Äußerungen sollte das Mindeste sein, was man weiß, bevor man diese Äußerungen kommentiert.

SPuettmann schrieb:
„Mit "Unkenntnis" meine ich, dass wir selten so viele Wirtschaftsmagazine und -zeitungen gehabt haben, aber die Krise nicht im Ansatz vorausgesehen und in den Griff bekommen haben, „
Es gab genug, die die Krise vorausgesehen haben – nur hat man die vorher ausgelacht.
Spuettmann schrieb:
„….geschweige denn unsere Wirtschaft für die nächste Krise absichern.“
O weh, dann müssten ja diejenigen an unserem Wirtschaftssystem was ändern, die davon am meisten profitieren.
Lethe schrieb am 26.05.2011 um 12:27
die Aufarbeitung des Nazi-Regimes erfolgt in Deutschland in einer dermaßen verbiesterten Weise, dass sie im Grunde überflüssig ist; wir können sie statt dessen gleich durch Bekenntnis zum Guten, Wahren und Schönen ersetzen. Das Problem dabei ist nur, dass anstelle der Aufarbeitung tatsächlich oft genug das Bekenntnis steht und wirksam verdeckt, dass Aufarbeitung zu keinem Zeitpunkt erfolgte. Aber lasst uns einfach weiter aus einer verunglückten Formulierung auf den praktizierenden Nazi oder Neonazi schließen, derartige Automatismen lieben nicht nur katholische Beichtväter.

Von Trier ist sicher nicht der Intellektuellen Leuchtendster. Aber wenn ich seine "Verständnis"-Aussage retten wollte, würde ich darauf verweisen, dass in der Dämonisierung Hitlers der Schlüssel zum Selbstfreispruch der Millionen von Mitläufern und Unterstützer seiner Politik inklusiv heutiger Nachläufer zu finden ist. Als Dämon stigmatisiert, aber dadurch jedem menschlichen Maß enthoben braucht sich MitläuferIn nicht mehr persönlich darauf beziehen zu lassen. Und deswegen durfte und darf es keine Aufarbeitung geben, der Trick funktioniert wesentlich besser, wenn er von Konsens flankiert ist.

Hitler als Mensch, für dessen allgemein menschlichen Belange mensch auch Verständnis aufbringen kann, pfui, pfui, pfui. Da könnte ja, iiiieeh, da könnte ja von hinten, ganz unbehaglich die Erkenntnis das Rückgrat hinaufklettern, dass es vielleicht gar nicht so dämonisch war, was er veranstaltet hat. Sondern einfach nur eine Möglichkeit des Menschlichen war. Und somit auch eine Möglichkeit von ... jedem einzelnen, mich (ein allgemeines "mich") inklusive, der/die nicht permanente Wachsamkeit sich selbst gegenüber pflegt.

Aber nein^^ Distanz zu sich selbst, die Suspektwerdung des eigenen Wesens ... nicht in Deutschland. Dann lieber der Dämon Hitler, und das Bekenntnis, dass seine menschlichen Bedürfnisse selbst dann unverständlich bleiben, wenn er aufs Scheißhaus muss.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 27.05.2011 um 03:03
Das ist einer der wenigen klugen Kommentaren in diesem Strang. Die "Aufarbeitung" der Nazi-Zeit - so, wie sie überall in Deutschland betrieben wird - steckt mir inzwischen wie Knochen im Hals. Schon allein diese Geschichte mit Günter Grass - wie ein alter sensibler Mann für seine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit gequält wurde... und dafür, dass er als 17-jähriges Kind durch Propaganda verführt wurde und danach sein Leben lang es versuchte, das zu verstehen - dafür muss man ihn anprangern. Dass aber die Nazi-Helden nach dem Krieg jahrzehntelang in Ministerien saßen und das Deutschland regierten... und dass man sie ganz brav von den Steuergeldern ernährte und keiner hatte was dagegen anzuwenden... das war wahrscheinlich völlig in Ordnung.

Feminismus a la "Wir wollen laut über Scheidenpilze reden!"... Nazi-Aufarbeitung a la "Wir hatten mal den doofen Hitler!"... Integration a la "Ich bin schon assimiliert, und Du?"... da haben wir die ganze Palette, wie man etwas nicht versteht bis gar nicht versteht.
Jan Jasper Kosok
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