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www.freitag.de/wissen/1150-die-anderen
… fest steht, dass auf der Suche nach Außerirdischen bislang zu wenig an exotische Organismen gedacht wird.
Stellen wir doch dazu einige Plausibilitätsüberlegungen an:
Nehmen wir an, es gäbe tatsächlich mehrere als Basis der Evolution geeignete chemische Elemente, die an die Stelle "unseres" Kohlenstoffs treten könnten. Dann können wir die Wahrscheinlichkeit einer solchen Biologie gegenüber der der Kohlenstoffbiologie nach dem Vorkommen dieser Elemente im Universum abschätzen.
Nun sind alle Elemente weit jenseits des Eisens (Ordnungszahl 26) selten, weil sie nur in seltenen Ereignissen (Supernovas) entstehen, während alle Elemente unterhalb Eisen relativ häufig sind, da sie in "normalen" Sternen überwiegend am Ende ihres Lebens erzeugt und im interstellaren Medium verteilt werden. Diese theoretische Abschätzung wird empirisch bestätigt: Kohlenstoff (Ordnungszahl 6) kommt im Sonnensystem über 70 Millionen mal häufiger vor als Wolfram (Ordnungszahl 74). Das Universum besteht zu fast 5 Promille aus Kohlenstoff. Wolfram ist insgesamt so selten, dass ich entsprechende Angaben nicht gefunden habe.
Wir können also alleine aus dieser Überlegung folgern, dass eventuelles Kohlenstoff-basiertes Leben im Universum mehrere Millionen mal häufiger zu erwarten ist als eventuelles Wolfram-basiertes Leben. Alternativen sond aber noch unwahrscheinlicher:
Zwischen dem Urknall (-13,7 Ga = Gigajahre = Milliarden Jahre) und der Entstehung des Sonnensystems (-4,6 Ga) liegen etwa 9 Ga. Das sind ungefähr 2 Sternenleben, während derer die schweren Elemente, die wir im Sonnensystem beobachten, ausgebrütet wurden. Kohlenstoffleben und seine Evolution auf der Erde wird seit 4 Ga vermutet, also gerade einmal 600 Ma nach der Erdentstehung. Viel früher (im Sinne von Milliarden Jahren) als auf der Erde konnte gar kein Leben entstehen, schon gar keines aus selteneren Elementen. Die Wahrscheinlichkeit, selbst nur für Silizium-basiertes Leben ist demnach viel geringer als für die Variante auf Kohlenstoff-Grundlage. Zudem muss man berücksichtigen, dass ein "Biosolvens", bei uns: Wasser, flüssig vorliegen sollte, damit chemische Reaktionen effizient ablaufen können. Ohne Flüssigkeit sind die Reaktionen ebenfalls möglich aber viel langsamer und ihre Produkte demnach im Universum seltener. Ein Biosolvens für Wolfram-basiertes Leben ist nicht in Sicht. Bei Silizium haben wir das Problem, dass für die notwendigen Reaktionen Temperaturen notwendig sind, bei denen Wasser nicht mehr flüssig ist. Schwefelsäure wäre eine Alternative, aber diese zu durchdenken überfordert meine Chemie-Kenntnisse.
Es ist also einfach nur vernünftig, nach Kohlenstoff-Leben zu suchen als nach "alternativen" Varianten - und mit Chauvinismus hat es nun überhaupt nichts zu tun.
Die Äußerungen der in B. Hänßlers Artikel genannten Wissenschaftler erscheinen mir als Trittbrettfahrerei: Im Moment haben die "Planetenjäger" berechtigte Publicity angesichts ihrer immensen Leistungen. Da wollen einige andere offensichtlich einen Hype erzeugen, auf dem sie reiten können. Bedeutung für die Exo-Biologie wird das kaum haben.
Auch an weiteren Stellen ist B. Hänßlers Artikel eher dunkel-raunend als erhellend:
Selbst wenn es gelingt, im Reagenzglas neuartige Biomoleküle zu schaffen, ist bis heute völlig unklar, wie aus den irdischen Bausteinen des Lebens Lebewesen wurden.
Wie ist der Zusammenhang zwischen den "neuen Biomolekülen" und der Abiogenese auf der Erde? Wieso Auch wenn…? Vieles ist zwar unklar: Wo lagen Moleküle in ausreichender Konzentration vor? Welche Strukturen können Katalysator-Wirkung entfalten? Welche Energiequellen gab es?, aber völlig unklar, wie der Autor meint, ist das alles nicht.
"Wir können nicht einmal davon ausgehen, dass die Evolution ein universeller Prozess ist oder ebenfalls erdähnliche Bedingungen braucht“, sagt Leitner.
Der Leser fragt sich aber: Evolution in einer Silikon- oder gar Wolfram-Welt braucht garantiert völlig andere Bedingungen als auf der Erde. Darum geht es doch gerade! Was soll diese Aussage? Was ist hier mit "erdähnlichen Bedingungen" gemeint?
Das Problem mit den universellen Zusammenhängen ist: Jaja! Die gibt's! Nur würden wir gerne wissen: Wie sind die Zusammenhänge genau beschaffen. Der Artikel erhellt diese Zusammenhänge eher nicht.
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Wessen Position teilst Du denn jetzt und welche Argumente konkret haben Dich überzeugt, Por?
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@Klaus.Fueller
".....während alle Elemente unterhalb Eisen relativ häufig sind" Wie wäre denn ein evolutionärer Prozess auf der Basis von Elementen unterhalb des Eisens oder Eisens denkbar? |
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Die uns bekannte Evolution auf der Basis von Kohlenstoff etc. findet doch im Wesentlichen auf der materiellen Grundlage von chemischen Elementen "unterhalb des Eisens" statt. Also: "unsere" Evolution _ist_ eine solche.
Mit "unterhalb" meine ich, dass die betreffenden Elemente Ordnungszahlen haben, die kleiner als die des Eisens (26) sind. Ich weiß nicht, ob es Gegenden im Universum gibt (genauer: ob es sie angesichts der Geschichte des Universums überhaupt geben kann), wo Elemente mit deutlich größeren Ordnungszahlen in so hoher Konzentration vorliegen, dass Leben auf ihrer Grundlage entstehen kann. Die Wahrscheinlichkeit von Wolfram-basiertem Leben ist jedenfalls so gering, dass es völlig unvernünftig ist, am Beginn der Suche nach Exo-Leben darauf Ressourcen zu verschwenden. (Siehe beispielsweise Wikipedia) |
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@Klaus.Fueller
Danke für die Klärung des "unterhalb" Bisher schreiben wir über unser Universum, was ist mit ganz anders gearteten Universen? |
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Die Sehnsucht nach "anderen Universen" finde ich sehr interessant! Das wäre einen längeren Blog-Eintrag wert. Immerhin wissen wir erst seit gut 90 Jahren, dass unser Universum überhaupt größer als unsere Milchstraße ist. Nun sollen es gleich viele, viele Universen sein.
Es gibt kein wissenschaftliches Unternehmen, dass mit der Frage "lasst uns nach Paralleluniversen suchen" vorangetrieben werden kann. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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