Die dänische Regierung könnte der europäischen Idee oder dem, was im Augenblick davon übrig ist, einen unschätzbaren Dienst erweisen, würde sie die EU-Präsidentschaft absagen oder wenigstens auf bessere Zeiten vertagen. Es gäbe gute Gründe. Wenn sich 2012 das Schicksal der europäischen Gemeinschaftswährung entscheidet, wofür fast alles spricht, muss dann ein Nicht-Euro-Staat die Gemeinschaft führen? Vor allem aber: Welch tieferen Sinn hat eine dänische Präsidentschaft unter deutscher Führung, die 2012 noch unerbittlicher und zielstrebiger ausfallen dürfte als 2011, wenn es um Sein oder Nichtsein des Euro geht.
Ohne Not und ohne Umschweife hat Helle Thorning-Schmidt, die sozialdemokratische Ministerpräsidentin in Kopenhagen, bereits zu verstehen gegeben, dass sie den von der deutschen Kanzlerin für richtig befundenen Euro-Rettungsakten keinesfalls im Wege stehen will. Unmittelbar vor Übernahme der EU-Präsidentschaft hat sie Angela Merkel in den höchsten Tönen gelobt – um nicht zu sagen hofiert. Thorning-Schmidt wörtlich: „Wir müssen froh sein über die Führungsrolle, die Deutschland in der jetzigen Situation übernommen hat. Ich wage gar nicht daran zu denken, wo wir stehen würden, wäre die deutsche Kanzlerin nicht vorangegangen.“ Was kündigt sich da für die nächsten sechs Monate an? Eine Moderation von Dominanz? Eine Entente cordiale zwischen Kopenhagen und Berlin? Verzicht auf den eigenen Gestaltungswillen, der sich bis zum 30. Juni 2012 durchaus entfalten und besonders für kleine, weniger machtbestückte EU- beziehungsweise Euro-Staaten hilfreich sein könnte. Bis zur Jahresmitte soll der Anfang Dezember auf dem EU-Gipfel besiegelte Europakt ausgehandelt sein – samt Schuldenbremse und Sanktionszwang. Zu welchen Konditionen für Griechenland und Portugal, die Slowakei und Slowenien?
Offenbar will Premierministerin Thorning-Schmidt dabei nicht stören, keine Zweifel an ihrer Einsicht in finanzmarktpolitische Notwendigkeiten schüren und dem Umstand Respekt zollen, dass Währungs- immer auch Hegemonial-Politik ist. Wer die Eurokrise seit ihrem Ausbruch im Frühjahr 2010 genau verfolgt, wird feststellen, dass inzwischen die Einladung gern angenommen wird, innerhalb der EU machtpolitische Konturen zu schärfen und mit dem avisierten neuen Stabilitätspakt vollendete Tatsachen zu schaffen. So zaudernd Angela Merkel noch 2010 auf den Vertrauensverfall für den Euro reagierte, so entschlossen hat sie im Herbst 2011 gehandelt, um den 17 Staaten der Eurozone ihr Anti-Krisen-Muster zu bescheren.
Historisches Verdienst
Mit resignativer Beflissenheit hat diese Hegemonie bereits die gerade zu Ende gegangene polnische Ratspräsidentschaft quittiert. Und auch Dänemark – immerhin schon seit 1973 EWG-Mitglied – dürfte kaum weniger erbötig verfahren: Gegen das deutsche Diktat einer europäischen Stabilitäts- und Austeritätspolitik kommt Kopenhagen nicht an: Wegen fehlender Konsequenz, um Berlin zu fordern – wegen fehlender Konvergenz mit anderen EU- beziehungsweise Euro-Staaten, die sich dem verschreiben würden, was 2012 not täte: Ein solidarisches Management der Schulden, um die europäische Idee zu stärken, die sich – wann sonst? – in einer Krise beweisen kann. Statt einer Fiskal- wäre dem am besten mit einer Transfer-Union gedient, die eine europäische Schuldenpolitik betreibt, indem es eine gemeinsame Haftung für vorhandene Verbindlichkeiten gibt.
Ob dafür allein die Auflage von Eurobonds in Frage kommt, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass die seit Monaten verfolgte offensive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) mit dem Aufkauf von griechischen, spanischen, italienischen oder portugiesischen Staatsanleihen einer Transfer-Union Vorschub leistet. Schließlich bürgen für die Konstitution, die Solvenz und Kapitalausstattung der EZB alle Euro-Staaten gemeinsam, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Es wäre das wahrlich historische Verdienst einer dänischen Ratspräsidentschaft, diese elementaren Wahrheiten wenigstens gelegentlich in Erinnerung zu rufen, wenn sich schon keine darauf fußende Politik in der EU durchsetzen lässt. Doch dazu wird es wohl nicht kommen.
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Hallo Lutz Herden,
was für gute Gründe gäbe es denn, wenn Dänemark seine EU-Präsidentschaft abgeben würde? Ach die gute Frau Thorning-Schmidt kann doch gar nicht anders, da Dänemark doch weitestgehend von Deutschland abhängig ist. Schliesslich exportiert Dänemark sehr viel nach Deutschland. So ist es halt, wenn man sich zu sehr abhängig macht. Dann wird man irgendwann hörig werden. www.50aar.eu/wirtschaft.html Und Frau Merkel wirds doch gerade recht sein, wenn eine gefolgsame Präsidentin genau die Strategie und Ziele einer deutschen Bundeskanzlerin umsetzt. Es wird sich noch in Zukunft zeigen, wer hier wen für seine Interessen benutzt. Und vorallem wem es denn im Endeffekt nutzen wird! Das alles gehört für mich zur Strategie unserer Bundeskanzlerin. Politik ist niemals Zufall! |
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Da haben Sie sicher, es handelt sich mit dem Titel auch mehr um eine rhetorische Frage, um das Problem auf den Punkt zu bringen.
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Werter Herr Herden,
das Problem ist unser Geldsystem, welches sich im Zusammenbruch befindet! Da werden auch Eurobonds wenig helfen. Oder glauben sie allen ernstes daran, dass ein Staat jehmals seine Schulden so ohne weiteres wieder zurück zahlen könnte?! Und das Weltweit!! Diese Krise kann eigentlich nur, wie einstmal schon S.Gesell Anfang des 19 Jahr. voraussagte, nur durch einen Krieg gelöst werden. Da man ja die Reichen eh nicht besteuern wird. Oder durch ein völlig neues Geldsystem!! www.ehrenhauser.at/lang/de/blog/unser-geld-entsteht-durch-verschuldung/ Und bitte, wenn Sie schon so einen Artikel hier rein stellen, dann doch bitte auch mit investigativem Hintergrund. Und nicht aus rein rethorischen Gründen. |
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Bezugnehmend auf den letzten Absatz im Artikel über die Auflage von Eurobonds mal einen Artikel aus der Taz von Ulrike Herrmann...
www.taz.de/Kommentar-Eurobonds/!82316/ Viel spannender dazu finde ich aber den Kommentar von Walta Ka: Auszug: Ein großer Propagandist sagte einst, damit Propaganda wirke, müsse sie auf das niedrigste Niveau in der Masse abgestimmt sein und permanent wiederholt werden. "Und die Lüge wurde zur Wahrheit", so sinngemäß Orwell in 1984. |
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schrieb am
01.01.2012 um 20:43
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Der Link scheint so nicht zu funktionieren. Sorry...
Dann einfach taz eurobonds herrmann googln. Der Artikel heißt: Idee gut, aber zu spät. Dann gibt es 3 Kommentare dazu. |
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"... was 2012 not täte: Ein solidarisches Management der Schulden, um die europäische Idee zu stärken, die sich – wann sonst? – in einer Krise beweisen kann."
Sehe ich auch so. Lieber Lutz Herden. Dass Angela Merkel die Auflage von Eurobonds vorerst verweigert, ist ihre taktische Waffe, um stark verschuldete Euro-Staaten zu gnadenlosem Sozialabbau zu zwingen. Das braucht noch einige Zeit. The German Vorbild. Nach diesen Kotaus kommen Eurobonds und wir müssen nicht spekulieren, wer mittel- bis längerfristig davon profitiert. |
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@weinsztein
Glauben Sie wirklich allen ernstes, dass je ein Staat seine Schulden so ohne weiteres zurück zahlen kann??!! Wir haben eine Geldsystemkrise, falls Ihnen das noch nicht geläufig ist. Wir befinden uns wieder in der Situation wie 1929!! www.ehrenhauser.at/lang/de/blog/unser-geld-entsteht-durch-verschuldung/ Ausserdem ist Deutschland mit seinem Export viel zu stark für die schwachen Länder! Wir treiben sie in den Abgrund um unseren Wohlstand, einiger weniger jedenfalls, zu erhalten. Es geht um Fressen und gefressen werden. Um es mal mit Brechts Worten zu formulieren. Da werden uns die Eurobonds auch wenig helfen. Der dumme ist eh nur der wertschöpfende Arbeiter! Wachen sie doch bitte mal auf. |
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Eurobonds wären insofern eine ausgleichende Gerechtigkeit, weil Deutschland damit für seine Außenhandelsvorteile eine Gegenleistung bringen würde.
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Was ich immer sage, früher hat die Wehrmacht gezeigt, wer das sagen in Europa hat.
Ist aber heute nicht mehr so ohne weiteres durchführbar. Trotzdem zeigen auch heute wieder die Deutschen (bitte nicht alle) wo es hergeht. Bin gespannt, wie lange Europa sich diesmal deutsche Politik gefallen lässt. Auf amerikanische Hilfe sollte Resteuropa diesmal aber nicht hoffen. Auch die rote Armee wird uns nicht mehr befreien. Das müssen wir schon selber tun. |
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Ich bin überhaupt dafür, Angela Merkel auf Lebenszeit zur Kanzlerin der BRD und zur Präsidentin der EU zu machen. Man sollte prüfen, ob sie nicht auch noch die Deutsche Bank und die NATO auf Lebenszeit übernehmen kann. Schließlich müsste eine Erbmonarchie eingerichtet werden. Irgend einen Balg, den sie adoptieren kann oder einen Neffen, Cousin, Großcousin, Großgroß... von ihr wird sich doch finden lassen.
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Die europafreundliche Newcomerin aus Kopenhagen, die eine europafeindliche Regierung abgelöst hat (noch im letzten Jahr führte Dänemark ohne erkennbaren Grund die Grenzkontrollen wieder ein) könnte sich zum Beispiel für Höchstrenditen oder Zielwerte bei Staatsanleihen aussprechen, die dann von der Europäischen Zentralbank zu verteidigen wären. Sie könnte auch für die Eurobonds werben, die bei Merkels einseitig auf Disziplin ausgelegten "Fiskalunion" schmerzlich fehlen - obwohl sie das sicherste Instrument sind, um die unerträglichen und unerklärlichen "Spreads" zu senken.
Oder sie könnte die Kredite, die sie selbst praktisch geschenkt bekommt, zu günstigen Zinsen an die krisengeplagten Südländer weiterleiten. Schon ein symbolischer Beitrag könnte, zumindest psychologisch, Wunder wirken - als Zeichen praktischer Solidarität. Doch offenbar ist auch den Dänen das Hemd näher als der Rock. siehe auch lostineurope.posterous.com/mission-impossible |
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Wenn Dänemark derzeit die EU-Ratspräsidentschaft bekleidet, ist zu berücksichtigen, dass hinter Dänemark auch der gesamte Nordische Rat steht, einem Zusammenschluss nordeuropäischer Staaten innerhalb und außerhalb der EU. Daher wird im Rahmen der rotierenden EU-Präsidentschaft wieder einmal die sog. Nordische Dimension die Politik der EU prägen, nachdem während der polnischen Präsidentschaft auch die Visegrád-Gruppe mitgedacht werden musste.
Daher kommt es nicht darauf an, dass Dänemark ein vergleichsweise kleiner EU-Mitgliedstaat ist. Außerdem werden die Ratspräsidentschaften seit Jahren als Trio organisiert, und zwar aus der jeweils amtierenden, der vorangegangenen sowie der nachfolgenden. Dadurch kann immerhin auf den Ausgleich kleiner und großer EU-Mitgliedstaaten sowie Euro- und Nichteurostaaten hingewirkt werden. |
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