Eine zeitgemäße Aufnahme der Crossover-Idee muss die alten Zöpfe der Mitte-Links-Regierungen der neunziger Jahre abschneiden. Die neue Mitte, ordoliberale „Balance“ zwischen Markt und Staat, Drangsalierung der Erwerbslosen, aktivierende Sozialpolitik – all das ist zu Recht diskreditiert und gescheitert. Im Mittelpunkt der aktuellen Crossover-Diskussion muss die Frage stehen, wie das linke Lager eine wirkliche Reformperspektive (Energiewende, demokratischer Sozialstaat, friedliche Außenpolitik) entwickeln kann, die Grundlage für die Konstitution eines gesellschaftlichen Lagers ist, das einem Postneoliberalismus den Weg bereitet.
Insofern geht es in den nächsten Jahren nicht nur um die Frage, wie ein linker Veto-Block entstehen kann, der die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung erfolgreich blockiert, sondern auch darum, ein Projekt zu formulieren, das die unterschiedlichen Parteien, Milieus und sozialen Bewegungen des linken Lagers verbindet und für das eine neue gesellschaftliche Hegemonie gewonnen werden kann.
Vor dem Hintergrund der ökologischen Entwicklungen ("Klimawandel") und der neoliberalen Politik der vergangen drei Dekaden, schlagen wir einen Red-Green-Deal als gemeinsames Projekt der postneoliberalen Linken vor. Der Klimawandel in seiner jetzigen Form ist – und dies ist durch die so genannte Fußabdruckmethode bewiesen – durch menschlich bedingte Umweltverschmutzung verursacht. Seine Folgen sind enorm und bedrohen zunehmend zivilisatorische Errungenschaften sowie die menschliche Existenz an sich. Wer also die ökologische Frage als Nebenwiderspruch abtut, irrt gewaltig. Denn: All die von der ArbeiterInnenbewegung erkämpften Rechte und sozialen Fortschritte können über kurz oder lang vom Klimawandel im wahrsten Sinne des Wortes weggespült werden. Der Kampf um Klimagerechtigkeit ist eine existentielle Aufgabe und die Herausforderung unserer Zeit.
Destruktive Maßlosigkeit
Klimawandel und Umweltverschmutzung sind Ausdruck dessen, dass sich in einer kapitalistischen Gesellschaft die freigesetzten Produktivkräfte durch den Druck der Profitlogik menschenfeindlich entladen und damit in Destruktivkräfte verwandeln können. Der Kapitalismus neigt sogar dazu, seine eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören. Er ist sowohl maßlos gegenüber der Arbeit, Schöpfer seines Lebenselixiers des Profits, als auch gegenüber der Umwelt, die die Gebrauchswerte bereit stellt, ohne die kein Tauschwert sein kann. Seine Prinzipien, die auf Wachstum und Kolonialisierung aller Weltregionen und Lebensbereiche ausgerichtet sind, werden für die Menschen zunehmend lebensbedrohlich. Deshalb sind soziale und ökologische Fragen häufig – obwohl zunächst gegensätzlich wahrgenommen – durchaus jeweils Gegenstand des gleichen gesellschaftlichen Konflikts: der Konflikt um eine aus menschlicher Sicht sinnhafte Form der Produktion.
Dem unter diesen Bedingungen produzierten Reichtum wohnt die Tendenz inne, neue Armut zu schaffen. In den 1940er Jahren wurde mit dem New Deal die Maßlosigkeit des Kapitals gegenüber der Arbeit gebändigt. Getrieben von der Angst, den eigenen Krisen zu erliegen und in der Systemkonkurrenz mit dem real existierenden Sozialismus das Nachsehen zu haben, stellte der ideelle Gesamtkapitalist in der Zeit zwischen 1950 und 1970 Regeln auf, die dem Kapitalismus ein menschliches Antlitz gaben. Der drohende Klimawandel ist nun wieder so ein mächtiges Problem. Und wieder soll ein New Deal helfen, diesmal nicht nur den Kapitalismus, sondern gleich die ganze Menschheit zu retten.
Kapitalistische Logik
Der Green New Deal – im internationalen Diskurs ehrlicher als „green capitalism“ bezeichnet – soll den Kapitalismus grün und nachhaltig werden lassen. In allerlei wissenschaftlichen Studien und politischen Programmen werden Vorschläge erarbeitet, wie mit Hilfe marktwirtschaftlicher Methoden der Kapitalismus vor einem ökologischen Kollaps und die Menschheit vor ihrem Untergang bewahrt werden kann. Gemeinsam ist allen Konzepten, dass sie die Logik kapitalistischer Ökonomie nicht in Frage stellen. So soll der Green New Deal den Handel mit Emissionszertifikaten, eine effektivere regionale Energieversorgung, eine Stärkung des Schienenverkehrs und des ÖPNV gegenüber dem Individualverkehr, die Förderung regenerativer Energien sowie eine Preis- und Steuerpolitik, die ökologische Produkte fördert bzw. umweltschädliche Produkte verteuert, umfassen.
Obwohl der Green New Deal als globales Projekt verstanden wird, ist keineswegs sicher, dass seinen Konzepten eine internationale Perspektive eingeschrieben ist. In der Studie „Auf dem Weg zu einem Green New Deal“ der grünen Heinrich-Böll-Stiftung kommt die Problematik der sich industriell entwickelnden Schwellenländer oder gar der Wunsch nach Überwindung materieller Armut in den Ländern der sogenannten Dritten Welt nicht vor. Es wird darauf vertraut, dass die bisher zerstörerische Kraft der kapitalistischen Zentren USA und EU zu einer kreativen Kraft mutiert und deren leuchtendes Beispiel China, Indien und andere Länder dazu anhalten möge, in ähnlicher Weise ihre Ökonomie ökologisch umzugestalten bzw. gleich die Fehler der alten kapitalistischen Ökonomien zu vermeiden.
Entschleunigung, Begrenzung
Es gibt daher viele Gründe, warum eine politische Linke sich nicht einfach dem Konzept des Green New Deal anschließen sollte. Dabei ist die Kritik, dass er in marktwirtschaftlicher – also kapitalistischer – Logik gefangen bleibt, zu billig. Denn tatsächlich ist seinen Apologeten zuzugestehen, dass sie interessante Konzepte zum Umbau der kapitalistischen Ökonomie vorhalten, die ihre naturzerstörende Kraft bändigen können. Der Green New Deal krankt aber daran, dass er die ökologische Frage ohne die soziale lösen will. Dies wird allerdings dazu führen, dass diejenigen, deren ökologischer Fußabdruck (wenn auch unfreiwillig) am kleinsten ist, die Rechnung derjenigen zu begleichen haben, die ihren Reichtum auf ihrer naturzerstörenden Produktions-und Konsumtionsweise gründeten. Der gegenwärtig in grünen Kreisen diskutierte Green New Deal muss daher um eine soziale und internationale Perspektive erweitert werden.
Was wir brauchen ist ein Red-Green-Deal, der weder der Logik einer apokalyptischen Politik verfallen darf, dernach die Welt gerettet werden müsse – egal wie; noch der Logik der alten naturzerstörenden Industriepolitik, wie sie lange Zeit selbst von Betonsozialisten aller Länder und aller Couleur vertreten worden ist. Er muss sich vielmehr zu einer Politik der Entschleunigung und der Wachstumsbegrenzung bekennen. Dem Wahnsinn der kapitalistischen Profitlogik muss die Rationalität der technischen, ökologischen und sozialen Vernunft entgegengesetzt werden. Ökologische Politik – will sie nicht offen autoritär sein – muss letztlich auch eine soziale Politik sein, weil sie ohne die Akzeptanz der Vielen zum Scheitern verurteilt ist. Der Red-Green-Deal muss daher folgende konkrete Punkte umfassen:
Sechs Punkte für einen Red-Green-Deal
1. Die Kosten des ökologischen Umbaus müssen diejenigen zahlen, die die Mittel dazu haben und die bisher durch ihren verschwenderischen Lebensstil die Klimakatastrophe verantwortet haben. Das bedeutet, dass die Länder des industrialisierten Nordens (hier vor allem die USA und die EU) erhebliche Mittel aufbringen müssen, um Länder des globalen Südens bei der Entwicklung einer ökologisch verträglichen Ökonomie zu unterstützen. Dazu gehören internationale Regeln zur Internalisierung der externen Kosten. Zu den externen Kosten von Emissionen gehört die Zerstörung von Lebensräumen, die Schäden, die durch Extremwetterlagen entstehen, die Krankheiten und Todesfälle, die durch Umweltverschmutzung befördert werden. All diese Kosten sind nicht in den Kosten für Sprit und Kerosin enthalten. Diese Kosten muss die Allgemeinheit tragen. Die Konzerne, die Gewinne machen, dabei Abgase und damit Umweltverschmutzung produzieren, müssen nur die allgemeinen Transportkosten bezahlen. Unternehmen, deren Logistik auf lange Transportwege angelegt ist, zahlen nur die allgemeinen Spritkosten. Die Umweltbewegung fordert deswegen zu Recht seit langem, dass die Verursacher auch die externen Kosten zu tragen haben. Vorstellbar wäre dies durch eine entsprechende Besteuerung der von Unternehmen verursachten Emissionen.
2. Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern, muss es global zu einer enormen Reduktion der Emissionen kommen. Diese Reduktion müssen die westlichen Industrienationen erbringen, während die notwendige Entwicklung der Produktivkräfte in den Entwicklungsländern wohl nicht ganz ohne ein quantitatives Wachstum zu realisieren ist. Allerdings sollten diese Regionen nicht die Fehler der westlichen Welt wiederholen. Konkret bedeutet das: Anstatt zuerst den Irrweg mit Atomkraftwerken und Spritschleudern weiterzuverfolgen, empfiehlt es sich die flächendeckende Energieversorgung auf Grundlage erneuerbarer Energien und dezentraler Kraftwerke sowie die Mobilität für alle auf Grundlage von Bus und Bahn – auch für die Armen im globalen Süden – zu befördern. Die ärmeren Länder haben ein Recht darauf, die Entwicklung der westlichen Welt nachzuholen. Aber hier empfiehlt sich ein Aufholen ohne das Wiederholen der Fehler. Das könnte heißen: Produktionsstätten für Fahrräder oder für Brennstoffzellenautos statt Fabriken, in denen Spritschleudern hergestellt werden. Konkret sollte das bedeuten, soziale Bewegungen und andere zivilgesellschaftliche Akteure an diesen Prozessen zu beteiligen, anstatt die „Organisierung von Fortschritt“ den Eliten und dem Kapital zu überlassen.
3. Es muss für einen Know-How-Transfer ökologischer Technologien gesorgt werden. Eine Politik, die internationale ökologische Standards als Mittel der nationalen Standortpolitik begreift, indem sie stets ausgerechnet jene Technologien und Produktionsformen standardisieren will, in denen die eigene Wirtschaft zu den führenden der Welt gehört, ist abzulehnen. Neue technologische Entwicklungen müssen direkt weltweit verfügbar sein und eingesetzt werden können. Patentrechte sind entsprechend so zu gestalten, dass ökologisch sinnvolle Veränderungen in der Produktion zeitnah vorgenommen werden können.
4. Innerhalb der Länder des industrialisierten Nordens ist die Steuer-, Verkehrs- und Energiepolitik so zu gestalten, dass der ökologische Umbau nicht zur Exklusion von Teilen der Bevölkerung von Mobilität oder gar der Energieversorgung führt. Die Steuerpolitik als ein zentrales Steuerungsmodul kapitalistischer Ökonomie darf nicht so gestaltet werden, dass durch die Erhöhung indirekter Verbrauchssteuern auf vermeintlich umweltschädliche Produkte die soziale Ausgrenzung im Namen der Umwelt verschäft wird. Ein Red Green Deal muss stattdessen auf direkte Einkommens- und Vermögenssteuern setzen, um eine sozial gerechte Einkommensverteilung zu ermöglichen. Diese Verteilung wiederum ist die Grundlage für eine Besteuerung umweltschädlicher Produkte und Produktionsprozesse, um die Externalisierung ökologischer Folgekosten auf die Gesellschaft zu verhindern.
5. Das Mitspracherecht der Betroffenen vor Ort bei der Planung und Durchführung von großen Infrastrukturprojekten muss ermöglicht bzw. erweitert werden. Auf diese Weise wird nicht nur die demokratische Teilhabe gestärkt, sondern kann auch die Durchsetzung von irrsinnigen Großprojekten be- bzw. verhindert werden. Atomanlagen, Autobahnen oder Stauseen beispielsweise wären wesentlich schwerer durchzusetzen, wenn es ein umfassendes Mitspracherecht der konkret Betroffenen geben würde.
6. Schrumpfung und Konversion sind die Schlagworte der neuen Ökonomie. Es gibt auch ein gutes Leben jenseits der Flächen zersiedelnden und versiegelnden Einfamilienhäuser und ohne Spritschleudern. Dabei können ökologische Wohnprojekte, Carsharing, ein kostenfreier und gut ausgebauter ÖPNV oder ein gemeinsamer Technikpool das Leben sogar angenehmer werden lassen. Die Konversion ökologisch schädlicher Produktionen in ökologisch sinnvolle würde auch nicht zur allseits gefürchteten Massenerwerbsarbeitslosigkeit durch eine schrumpfende Wirtschaftskraft führen. Aber selbst wenn insgesamt weniger gearbeitet werden sollte, weil eine geringere Produktion weniger Arbeitskraft erfordert, ist dies nicht dramatisch. Die Menschen würden ein Gut zurückgewinnen, das vielen als nahezu unbezahlbar gilt: Zeit.
Labor einer neuen Linken
Es gibt eine global vernetzte Bewegung für Klimagerechtigkeit. In Kopenhagen war eine Bewegung zu erleben, die sich durch eine Aktions-Orientierung auszeichnet, die Fragen der Ökologie mit der Kritik der Produktionsverhältnisse verbindet und an Aktionsformen aus Gipfelprotesten sowie Formen des zivilen Ungehorsams anknüpft. Die neue Klimabewegung ist aus zwei Gründen eine Hoffnungsträgerin unserer Zeit: Erstens kämpft sie für globale Klimagerechtigkeit und für die Abwendung existenzieller ökologischer Bedrohungen. Zweitens kann sie zu einem Laboratorium für eine neue Linke werden, die global vernetzt ist, soziale und ökologische Problemlagen zusammenbringt und dabei politisches Handeln neu denkt und attraktiv macht. Positiv an der neuen Klimabewegung ist deshalb auch, dass sie bisher nicht zum Spielfeld der dogmatischen Beton-Linken geworden ist.
Die Durchsetzung eines Red Green Deal braucht Mut und Kraft zu harten politischen Auseinandersetzungen. Ohne die Klimabewegung, globalisierungskritische Bewegung und Gewerkschaften sind diese Reformen nicht gegen die Lobby der großen Konzerne und die organisierte politische Rechte in Politik und Medien durchzusetzen. Leider durchzieht bisher sowohl die gesellschaftliche Linke als auch die Parteien der SPD, der Grünen und der Linken ein Konflikt zwischen zwei Varianten der Reformpolitik: Die Verwaltungslinke setzt darauf, die bestehenden Problemlagen öffentlicher Institutionen – Haushaltsdefizite, enge Handlungsspielräume, schlechte Einnahmesituation – mit linken Akzenten zu verwalten. Sie nimmt dabei ein „moderierendes“ Verhältnis zur neoliberalen Politik ein. Sie will nicht alles anders, aber vieles besser machen.
Zwei Varianten der Reformpolitik
Der Vorschlag eines Red Green Deal ist allerdings keine Verwaltungsoption im Rahmen bestehender Missstände. Zur Durchsetzung eines Red Green Deal bedarf es daher einer Stärkung der Veränderungslinken, die an der Idee einer Reformpolitik festhält, die substantielle politische Veränderung umfasst, die dazu bereit ist, Sand ins Getriebe zu streuen und die sich um die Forderung nach einem konkreten Politikwechsel sammelt.
Zunächst ist der Red Green Deal daher auch nur ein Angebot an die verschiedenen Strömungen der Linken, sich auf eine substantielle Reformpolitik zu verständigen. Hat das linke Lager eine solche gemeinsame Perspektive gefunden, kann Politik aber wieder werden, was sie war, bevor sie sich selbst zur Verwaltung systemischer Zwänge degradierte: die demokratische Steuerung von Staat, Ökonomie und Gesellschaft.
Katja Kipping ist Bundestagsabgeordnete der Linken und stellvertretende Parteivorsitzende. Sie gehört wie Thomas Lohmeier der Redaktion des prager frühling - Magazin für Freiheit und Sozialismus an. Der Artikel basiert auf den Thesen der Redaktion zu Crossover und zu Klimagerechtigkeit. In der kommenden Ausgabe des prager frühlings, die im Juni erscheint, beschäftigt sich das Magazin in seinem Schwerpunkt mit dem aktuellen Crossover-Prozess. Die aktuelle Ausgabe (Februar 2010) hat den Schwerpunkt Klimagerechtigkeit. Mehr unter: www.prager-fruehling-magazin.de
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Zu diesem Artikel ist ja einiges zu sagen, ich versuche meine Gedanken mal halbwegs geordnet zu äußern:
1. Ja, eine gemeinsame Vision, ein gemeinsames Projekt der links-ökologischen Parteien ist notwendig. Reine Opposition eröffnet keine gesellschaftliche Perspektive für die Durchsetzung wirklicher Reformen. 2. Eine solche Vision ist in der Tat nur jenseits der "Neuen Mitte", "grünem Kapitalismus" und reinem "Industriesozialismus" denkbar. Entscheidendes Kriterium für ein solches Projekt ist aber, dass ein positives Bild für eine gesellschaftliche Zukunft entsteht, das sich vermitteln lässt und gesellschaftliche Mehrheiten ermöglicht. In dieser Hinsicht sind Veränderungen, die in den skandinavischen Ländern durchgesetzt wurden, als Vorbild zu betrachten - wohlgemerkt: als Vorbild, es geht nicht um Plagiate. 3. Die notwendigen Reformen in Deutschland - wie in der EU bzw. auf internationaler Ebene - können aber nur dann vermittelt werden, wenn deutlich gemacht werden kann, was bleiben soll oder anders gesichert wird als heute. Vorurteile über gesellschaftliche Zusammenhänge aufzubrechen und neue Wege zu beschreiten kann nur gelingen, wenn die Menschen sich sicher fühlen. Dieser psychologische Faktor wurde von der Linken oft übergangen, und letztlich wurde er den ersten Jahren der rot-grünen Bundesregierung zum Verhängnis. Politische Projekte können intellektuell noch so brillant sein, wenn sie emotional nicht überzeugen, werden sie nie Wirklichkeit werden. 4. Ich bin nun wirklich kein nationaler Sprachpurist, aber ein New-Red-Green-Deal, postneoliberale Linke und Crossover-Projekt gemeinsam im Untertitel des Artikels zu verwenden, überfordert den Leser. Zumal mir Anglizismen zu sehr nach Pseudo-Manager-Sprech der "Neuen Mitte"-Rhetorik klingt. Solidarische Moderne klingt schon überzeugender, "Menschliche Zukunft? links abbiegen!" ist vielleicht noch deutlicher... |
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Das ist mir alles ein wenig zu schematisch gedacht. Die Kontroversen um den Klimawandel werden mir auch zu leichtfertig abgetan, in dem mal einfach eine Position als erwiesen hingestellt wird und darauf aufbauend dann ein visonäres geschlossenes Weltrettungs-Politikkonzept gefordert wird. Ich halte sowas für illusionär. Es sollte schon noch einen Weg zwischen "Verwaltungslinke", post-neoliberalen-rot-grünem Kapitalismus und andererseits linksillusionären Visonen geben.
Und in der Tat halte ich die soziale Frage nach wie vor für dringlicher. Das wird sich wahrscheinlich sogar in nächster Zeit ganz objektiv beweisen, das dem so ist, egal ob das nun bestimmten Linken ins Konzept passt oder nicht. |
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"Ohne die Klimabewegung, globalisierungskritische Bewegung und Gewerkschaften sind diese Reformen nicht gegen die Lobby der großen Konzerne und die organisierte politische Rechte in Politik und Medien durchzusetzen."
Gesine Schwan hat gestern an die NGOs appelliert. Sie seien wichtige Träger zur Bildung der Zivilgesellschaft. Ich teile diese Ansichten. Leider sind die jungen Generationen zum Großteil komplett entpolitisiert. Zu mehr als Saufgelagepolitik mit plumpen Stammtischparolen reicht es meist wirklich nicht. Die Anglizismen nerven echt, zumal das häufig kein richtiges Englisch sondern Denglisch ist. Zum Beispiel heißt das Wirtschaftsinstitut der Goethe Universität Frankfurt am Main nach seiner Modernisierung allen Ernstes 'Home of Finance'. |
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Hmm, gebe Dir in großen Teilen recht, glaube aber nicht, dass die jungen Generationen generell das Prolem sind. Wenn sich niemand in den meinungsbestimmenden Medien "traut", die gegebene Wirklichkeit zu hinterfragen, dann wird eine heranwachsende Generation nicht so schnell auf die Idee kommen, dass es andere Gesellschaftsmodelle gibt.
Noch kritischer ist allerdings, dass die Medien einen immer demokratiefeindlicheren und autoritären Ansatz verfolgen: "Der Wähler will keinen Parteienstreit." Die demokratische Unkultur hat im öffentlichen Raum einen Höhepunkt erreicht, der die Politisierung ganzer Bevölkerungsschichten zunehmend erschwert. Leider ist die "Bloggerbewegung" noch nicht soweit wie in den USA oder in anderen Staaten, wo sich eine gewisse informierte, kritische Gegenöffentlichkeit gebildet hat. |
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vielleicht fällt ja nächste Woche bei Anne Will etwas dazu:
www.freitag.de/community/blogs/technixer/anne-will-ist-unsere-jugend-zu-doof-heute-abend-eine-vorschau |
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Wie Du in Deinem - sehr guten - Beitrag ja schon sagst: wohl kaum. Von der Gruppe der Diskutanten ist doch nur das zu erwarten, was Wirtschaft und Medien denn gerne an Schlagworten so hören wollen.
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Ja, die Denglisch-Blödheit kennt keine Grenzen. Interessant das sie bei den "Intelligenzlern" (also einigermaßen Gebildeten) am häufigsten Auftritt (klar, der Rest kann kaum oder gar kein englisch). Damit ist eigentlich erwiesen, das Dummheit nicht im Gegensatz zu Bildung & Intelligenz stehen muß, vielmehr kann sie unabhängig davon überall auftreten. ;-)
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Wieso kommst du im nick als general da her?
und vermeidest, dich in all dem klug geschriebenen direkt ansprechen zu dürfen? |
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sorry,
dann verstehst du wohl das C in der fC : freitags-Community nicht. |
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schrieb am
27.04.2010 um 22:19
verständlich, bei deinem lenzschen nutzerbild .-))
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Warum kommst Du im "nick" als lausemädchen daher, Herr Meier-Wilms?
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Optimistisch, kunstruktiv, schön wohl klingend und das beste wollend unterschreibe ich das ja gerne mit dem Hinweis auf #4 von starkerkaffe.
Bloss "Insofern geht es in den nächsten Jahren nicht nur um die Frage, wie ein linker Veto-Block entstehen kann, der die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung erfolgreich blockiert, sondern auch darum, ein Projekt zu formulieren, das die unterschiedlichen Parteien, Milieus und sozialen Bewegungen des linken Lagers verbindet und für das eine neue gesellschaftliche Hegemonie gewonnen werden kann." werden die schwarz-gelben, wie die sie tragenden Funktionäre und Führungspersonen in Verbänden und Wirtschaft diesen Versuch ein Vetoblock mit Verwuzelung im (Wahl-)Volk aufzubauen verhindern zu versuchen. Mit allen Optionen die Geld, Einfluss und Abhängigkeiten hergeben. Und sie werden es schaffen. Je mehr schwarz-gelber Inhalte durch ein blassrot/grünes Filterchen entschärft wird, umso länger werden erstere sich halten, umso weniger Vetoblock wird es geben. Ich gehe davon aus, es braucht einen Schubs (um nicht Ruck zu nehmen), der die Leute bewegt (auch das Wahlvolk) die Strassen und Plätze nachhaltig aufzusuchen. Es geht dabei ausdrücklich nicht um Gewalt. Es geht an sich nur um das sich bemerkbar machen. Dafür hat die sogenannte Finanzkrise samt Wirtschaftskrise nicht gereicht, weil man durchaus klug und weise per zB Kurzarbeiterausweitung diese hat (noch) nicht durchschlagen lassen. Es fehlt tortz riesigem Unmut im Wahlvolk jede Aufbruchstimmung, um sich von seinen Belastungen und den Profiteuren zu befreien und neuen Köpfen neue (so neu sind die gar nicht) Aufgaben zu überantworten. Es Bedarf (vielleicht?) einer zweiten Krise vergleichbaren Charkters, die Gier und Armut, die Arroganz und Bedutungslosigkeit am Ende doch erlebbarer macht - so zynisch das ist. Griechenland steht im Türrahmen. Portugal klopft an. Das ist die Fortsetzung der selben Krise - nur anders. Aus der Destruktivität dieser Krise könnte jene konstruktive Aufbruchstimmung europaweit entstehen. Man wird sie (wahrscheinlich?) benötigen. |
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"Red-Green-Deal" ist Denglisch und es ist schludrig gedacht. Vor allem, weil die zur Wahl stehenden Personen nicht "post-" sind, sondern unveränderlich "neo-" in allen nur denkbaren Zusammensetzungen. Mir graut davor, 2013 einen Kanzler Gabriel und eine Vizekanzlerin Kühnast zu haben und alles wird immer noch schlimmer: die Umweltzerstörung, die Angriffskriege und der Sozialraub. Dafür jubele ich nicht drei Jahre den Krumbiegel-"Prinzen" von der "Solidarischen Moderne" zu, die ich im MDR-Fernsehen längst abschalte ...
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a, die Denglisch-Blödheit kennt keine Grenzen. Interessant das sie bei den "Intelligenzlern" (also einigermaßen Gebildeten) am häufigsten Auftritt (klar, der Rest kann kaum oder gar kein englisch). Damit ist eigentlich erwiesen, das Dummheit nicht im Gegensatz zu Bildung & Intelligenz stehen muß, vielmehr kann sie unabhängig davon überall auftreten. ;-)
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leider ist es mir nicht gelungen den unterschied zu erkennen. im wesentlichen sind die aussagen blendgranaten, ähnlich wie gute arbeit oder gute schule.
was allerdings deutlich wird ist das es beim kapitalismus bleiben soll. was war in den 70jahren den so toll? ich musste da schon schuften und fand es scheisse das ich dem kapitalisten das schöne leben schaffen musste. dann auch die schöne "mitbestimmung" warum nich bestimmung. wie toll es läuft mit der mitbestimmung ist, ist an neue heimat, bank für gemeinwirtschaft, konsum und anderen selbstausbeuterischen versuchen zu sehen. es wäre doch nett mal eine welt zu zeichnen die mit den vorgeschlagenen mitteln entsteht. Gruß p.s. dem kapital ist das wachstum immanent, (tendenzieller fall der profitrate) |
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Ich habe da so meine Skepsis mit diesem Artikel, weil er sich des "was nicht" sicher ist. Letzten Endes zählt es doch Pferde in Stall zu haben, die rennen können. Da stellt sich irgendwie das die Frage des "hic rhodos hic salta". Die Grünen haben den Green New Deal, promotet von so der Rechtsabweichung unverdächtigen Leuten wie Giegold. Klar, die Anglizismen sind peinlich.
Aber alles, was einfällt ist die positionelle Schmähung. Was ist denn das Rezept. Und ich meine nicht Ziele. Ob nun das das Fähnchen rot oder grün oder "neokapitalitisch" ist, das ist reine Fühlpolitik. |
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Für mich sind die Anglizismen das geringste Problem..
Vielleicht verstehe ich die Hintergründe zu wenig. Vielleicht bin ich aber auch einer der „dogmatischen Beton-Linken“ , aber mit großer Wahrscheinlichkeit gehöre ich nicht zu „postneoliberale Linke“ oder zu den „Verwaltungslinke“ – lieber wären mir da schon die „Veränderungslinke“ (wobei , glaube ich, alle Linke´Veränderungen wollen .. oder?). Meines Erachtens zeigt das Verwenden solcher Klassifizierungen , dass es auch „postneoliberale Beton-Linke“ geben muss. Klimawandel und Umweltverschmutzung sind für mich (nur) Ausdruck des Wirkens von wertschöpfenden Menschen. Wichtig ist, die Auswirkungen zu begrenzen und diese, gemäß einem Verursacherprinzip, kostenmäßig zu bewerten und den Produktkosten zuzuschlagen. „Entschleunigung und Wachstumsbegrenzung“ sind für mich wieder Worte, die an der Sache weit vorbei gehen. Warum soll es nicht möglich sein, „intelligenzintensiv“ noch schneller zu wachsen? Die Profitlogik ist sicher ein großes Moment, allerdings sehe ich den ungezügelten Konkurrenzkampf als wesentlicheren Bestandteil, insbesondere weil dann auch das Agieren der früheren sozialistischen Staaten in das Schema passt. Dieser Konkurrenzkampf (im Einklang mit der Profitorientierung) sorgt auch dafür, dass Umweltkosten sozialisiert werden. Ist man eigentlich schon links stehend wenn man Umweltverantwortung einfordert? – Meines Erachtens nicht, trotzdem sollten wir zusammenarbeiten und hier Änderungen erreichen – Ist das mit „Vernetzen“ gemeint? Ich finde, der Artikel enthält pragmatische Ansätze, die den „Verwaltungslinken“ als Leitlinien dienen können. Allerdings finde ich nur wenig visionäre Ansätze, vielleicht sollte „man“ sich hierzu mit den Betonlinken an einen Tisch setzen und ein Stück Theorie nachreichen. Oder sind wir schon wieder so zersplittert das kein gemeinsamer Weg machbar scheint? Dann sollten wir erst mal (oder parallel) ein paar „Verschmutzungen“ bei uns selbst beseitigen. |
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Es freut mich als Leser zunächst, dass hier endlich mal ein paar andere, stärker kritischere Töne zu vernehmen sind, inkl. eines Verweises auf die Logik des Kapitalismus selbst. Nur warum, wird dem nicht wirklich konsequent nachgegangen???
Stattdessen ist zu lesen: "Dabei ist die Kritik, dass er in marktwirtschaftlicher – also kapitalistischer – Logik gefangen bleibt, zu billig. Denn tatsächlich ist seinen Apologeten zuzugestehen, dass sie interessante Konzepte zum Umbau der kapitalistischen Ökonomie vorhalten, die ihre naturzerstörende Kraft bändigen können." Schade... Mit solchen Pseudoargumenten täuschen sich die Autoren selbst. Sie hätten eigentlich das Potential es besser zu wissen. Weiter heißt es dann sogar: "Der Green New Deal krankt aber daran, dass er die ökologische Frage ohne die soziale lösen will." Das ist besonders interessant, da die Autoren hier im Widerspruch der kapitalistischen Verwertungslogik gefangen bleiben. Dabei wäre vielmehr nicht die Kritik am Green New Deal und Kapitalismus als "billig" abzuqualifizieren, sondern die mangelhafte logische Konsequenz des Green New Deal sowie der Gedankengänge der Autoren selber, weil sie damit die Illusionen erzeugen, der Kapitalismus könne letztlich den Widerspruch von "Arm" und "Reich" Dank "linker Regulation" zu einem Green Red Deal mutieren und mit genau der Verwertungslogik alle Probleme lösen, die ursächlich mit ebendieser Logik erst geschaffen wurden. Wenn das tatsächlich möglich wäre, würden die Kapitalisten selbst alles politisch daran setzen, dass es diesen Green Red Deal oder zumindest einen ähnlichen Trend gibt, weil sie ja selbst am meisten davon profitieren würden, wenn der Kapitalismus diese historische Krise meistern könnte. Passiert das? Natürlich nicht. Dieses Paradoxon weist darauf hin, dass die Autoren da leider einer Illusion aufgesessen sind, die nur in neuen Farben lackiert werden soll. Schade... ---------------------------------------------------- Dabei ließe sich das sehr einfach widerlegen. Die abstrakte Verwertung des Wertes ist und bleibt stets an seine stoffliche Träger gebunden. Da diese endlich sind, können sie dem Bedarf an Wachstum, welches real benötigt würde, um allein die soziale Frage systemimmanent (also auf der Wertebene!!!) lösen zu können, nicht entsprechen, weil das Problem ja gerade daher rührt, das langfristig die gesamtgesellschaftliche Masse an Mehrwert sinkt (vgl. auch "Ein Widerspruch in Stoff und Form" von Claus Peter Ortlieb, erschienen in EXIT! Heft 6, Oktober 2009). Solange diese innere Dynamik des Kapitals erhalten bleibt, ändert sich nichts. www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=3&posnr=382&backtext1=text1.php -------------------------------------------------- Auf der Ebene des stofflichen Reichtums spricht natürlich nichts dagegen. Solange jedoch Profit der alleinige und entscheidende Grund bleibt, ein Unternehmen zu betreiben, kann das nicht funktionieren. In Unternehmensbilanzen werden nur Kapitalformen erfasst, aber nie sowas wie Kundenzufriedenheit, soziale Zufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit, Energie- und Schadstoffreduktion o.ä. Was diese Gesellschaft braucht ist nicht eine neue Lackierung, sondern eine komplette Überwindung des Kapitals an sich! Hier helfen keine wie auch immer geartete Reförmchen mehr. |
Ausgabe 05/12
02.02.2012
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