Behrang Samsami
28.07.2016 | 12:50 37

Braune Brüder im Geiste

München Der Amokläufer war Deutsch-Iraner und sah sich als "Arier". Wie passt das zusammen? Er konnte dabei an einen dunklen Strang persischer Geschichte anschließen

Braune Brüder im Geiste

Reza Shah wollte aus dem Vielvölkerstaat Iran einen zentralistischen, rein persisch geprägten Nationalstaat schaffen

Foto: zvg

Für deutsche Ohren mutet es wahrscheinlich seltsam an – der deutsch-iranische Attentäter von München, Ali David S., soll laut Informationen der FAZ rechtsextrem und stolz auf sein Ariertum gewesen sein. Wie Adolf Hitler am 20. April geboren, hat der rassistisch motivierte S. bewusst den fünften Jahrestag von Anders Behring Breiviks Terrorakt in Oslo und auf der Insel Utøya gewählt und gezielt Menschen mit Migrationshintergrund erschossen. S. soll Türken und Araber gehasst und ihnen gegenüber ein "Höherwertigkeitsgefühl" gehegt haben.

Wie passt das zusammen, dass der 18-jährige Attentäter stolz darauf war, als Deutscher und Iraner Arier zu sein? Es handelt sich dabei nicht um eine zusammengeklaubte Privatideologie von Ali David S., sondern es gibt eine Vielzahl von Menschen im Iran, die so denken. Das ist die Folge einer verqueren Ideologisierung, die ihren Anfang in der Herrschaftszeit der Pahlewi-Dynastie (1925-1979) nahm und seitdem – trotz der islamischen Revolution – starke Wurzeln im Land geschlagen hat.

Nicht alle Iraner sind Perser

Den Iran kennen die meisten hierzulande als islamische Republik. Doch dass es vor allem ein Vielvölkerstaat mit großen sprachlichen und kulturellen Unterschieden ist, wissen nur wenige. Das merkt man in Deutschland am Gebrauch der Begriffe "Iraner" und "Perser". Sie werden meist als Synonyme verwendet. Zwar sind alle Perser Iraner, aber nicht alle Iraner Perser. Es gibt noch, um nur ein paar Ethnien zu nennen: Aserbaidschaner, Kurden, Belutschen, Araber und Turkmenen.

Dass Iran ein Vielvölkerstaat ist, war seit der Machtergreifung der persischstämmigen Pahlewis Tabu. Der wenig gebildete Offizier Reza Khan bestieg 1925 mit Hilfe der Briten und ihrer Agenten wie des indischen Zoroastriers Ardeshir Reporter den Pfauenthron und gab sich den Namen Pahlewi – nach der gleichnamigen mittelpersischen Sprache. Er befahl, dass man den Menschen im Iran lehren sollte, dass die Perser arischen Ursprungs wären und eine höherwertige Kultur besäßen als die anderen Ethnien im Land. Tatsächlich sollen Stämme, die sich selbst als Arier bezeichnet haben sollen, mehrere Jahrtausende vor Christus aus der Region nördlich des Schwarzen Meeres und des Kaspischen Meeres nach Nordindien und Iran migriert sein. Die "Aufwertung" als Bezeichnung für eine Herrenrasse erhielt der Begriff Arier dann aber erst im 19. Jahrhundert durch europäische Rassentheorien.

Dies nutzten Reza Schah, später auch sein Sohn Mohammed Reza Pahlewi und ihre Berater. Sie zielten darauf ab, aus dem Vielvölkerstaat einen zentralistischen, rein persisch geprägten Nationalstaat zu schaffen, dem das antike, zoroastrische Perserreich als Vorbild diente. Diese Art Konstruktion eines Nationalstaats war typisch für die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Die Pahlewis wollten mit ihrer Arier-Ideologie den Türken und Arabern nicht nachstehen, die nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs ihrerseits eine neue Identität mit Hilfe von Nationalismus suchten.

Die Pahlewis nutzten auch die Geschichtsschreibung, um die persische Kultur hochleben zu lassen, die ihrer Meinung nach deswegen höherwertig war, weil sie sich angeblich durch die Jahrtausende gegen äußere Feinde – Araber, Mongolen, Türken, Aserbaidschaner – behauptet hatte. Als Beleg wurde das mittelalterliche Heldenepos Schahnameh des Dichters Firdausi, das Nationalepos der Perser, herangezogen. Es spielt in der vorislamischen Zeit und thematisiert unter anderem die Kämpfe gegen die turkischen Völker, die ins südliche Zentralasien und in den Nordosten des heutigen Iran migriert waren.

Der Islam als unpersische Religion

Folgerichtig war es die Politik der Pahlewis, den Islam als unpersische, weil aufgepfropfte, arabische Religion zu diskreditieren, die das Land verunreinige und seiner antiken Identität beraube. Zum anderen stellten die Pahlewi ihre Vorgängerdynastie, die Kadscharen, einen turkisch-aserbaidschanischen Nomadenstamm, als rückständig und degeneriert dar. Dass es freilich die im Iran herrschenden turkischen Dynastien waren, die seit dem Mittelalter an Persisch als Amts- und Literatursprache festgehalten und damit bis ins 20. Jahrhundert hinüber gerettet hatten, wurde der Bevölkerung verschwiegen.

Welche Ausmaße die rassistische Politik der Pahlewis annahm, zeigte sich nicht nur in der brutalen Entrechtung und Unterdrückung anderer Ethnien, die ihre Sprachen und Kulturen nicht mehr pflegen durften. Ab 1933 kam es auch zu einer Zusammenarbeit mit Hitler-Deutschland. Ein gemeinsamer Gegner waren der Bolschewismus und der unter Stalin erstarkte junge Sowjetstaat.

Reza Shah suchte die Nähe der Deutschen, die im "Orient" spätestens seit dem Ersten Weltkrieg den Ruf hatten, Gegner von Briten und Russen und Bundesgenossen der unterdrückten Völker zu sein. Es war zudem im Geist und Glauben an die gleiche höherwertige Herkunft, dass die Pahlewis 1934/35 anordneten, das im Westen bisher als "Persien" bezeichnete Land auch offiziell in Iran, "Land der Arier", umzubenennen. Sie änderten auch Namen von Städten. Urmia in Iranisch-Aserbaidschan etwa wurde nach dem Herrscher in "Rezaieh" umbenannt. Nach der islamischen Revolution 1979 wurden diese Umbenennungen jedoch zum größten Teil wieder aufgehoben.

Nazi-Propaganda in Massen

Dass der Iran für das nationalsozialistische Deutschland ein wichtiger politischer, wirtschaftlicher und ideologischer Bündnispartner war, machen die Reisen etwa von Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht im Jahre 1936 und von Reichsjugendführer Baldur von Schirach ein Jahr später deutlich. Nazi-Propaganda in Form von kostenlosen Zeitschriften und Filmen wurde in Massen in den Iran eingeführt. Umgekehrt besuchten iranische Politiker das Dritte Reich, wie 1937 Hossein Esfandiary, Sprecher des iranischen Parlaments, der auch von Hitler empfangen wurde. Seit 1939 war Deutschland der wichtigste Handelspartner des Iran, bis 1941 Briten und Amerikaner Reza Shah wegen seiner nazifreundlichen Politik zur Abdankung zwangen und das Land besetzten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der rassistische Spuk im Iran allerdings nicht zu Ende. Davud Monshizadeh, der im Dritten Reich studiert und für die persischsprachigen Sendungen des NS-Radios gearbeitet hatte, gründete Anfang der 1950er, nach seiner Rückkehr in den Iran, mit anderen die nationalsozialistische Partei SUMKA, das iranische Pendant der NSDAP. Andere Faschisten gründeten in den 1940ern die "Paniranist Party" und zielten – bis heute – auf die Schaffung eines einzig persisch geprägten Groß-Iran. Mohammed Reza Pahlewi nutzte diese Ideologie auch, um die Herrschaft seiner Familie zu legitimieren und sie in eine Tradition mit dem antiken Persien zu stellen. So ließ er etwa 1971 in Persepolis eine 2500-Jahr-Feier der iranischen Monarchie feiern, die an das Todesjahr von Koroush II., der das zoroastrische Perserreich gegründet hatte, erinnern sollte.

Die Revolution als arabische Invasion

Die islamische Revolution 1979 hat an dem Glauben persischer Rassisten nichts geändert. Im Gegenteil wird die Herrschaft der Geistlichen, die dem Arierkult, der radikalen Verwestlichung und Modernisierung des Landes unter dem Schah eine strikte Re-Islamisierung entgegensetzten, als eine zweite Invasion der Araber angesehen, die den Iran besetzt hielten und darum bekämpft werden müssten.

Der Attentäter von München hat vermutlich in dieser Gedankenwelt gelebt. Dass Ali David S. kein Einzelfall ist, sondern viele solcher Brüder im Geiste hat, konnte man etwa im Oktober 2004 bei einem Freundschaftsspiel zwischen der deutschen und iranischen Fußballnationalmannschaft in Teheran erleben. Während die deutsche Nationalhymne erklang, hoben persische Fans den rechten Arm zum Hitlergruß. Was der deutsche Fußballreporter damals sogleich als "perversen Auswuchs" bezeichnete, war für jene im Gegenteil eine Ehrenbekundung für die arischen Rassegenossen in Deutschland.

Eingebetteter MedieninhaltDer Rassismus und das imaginierte Ariertum des Münchner Attentäters gehen damit letztlich auch auf eine jahrhundertalte Identitätskrise bei einer Vielzahl von Persern im In- und Ausland zurück, die wegen der anhaltenden repressiven Situation im Iran nicht kritisch diskutiert und aufgearbeitet werden kann. Darum wuchern bis heute der Glaube an das persische Ariertum und die Diskriminierung nichtpersischer Ethnien im Land. So hat dem Autor dieser Zeilen ein persischer Landsmann vor ein paar Jahren zu verstehen gegeben, dass die Aserbaidschaner auch Iraner seien – allerdings solche, die bedauerlicherweise von Mongolen vergewaltigt worden wären.

Behrang Samsami wurde 1981 in Urmia im Nordwesten des Irans geboren. Er kam mit seiner Familie 1986 nach Deutschland

Kommentare (37)

denkzone8 28.07.2016 | 14:50

toll,

hier jemand zu haben, der auskunft geben kann

über imaginierte wurzeln und identitäts-bildungs-versuche im iran.

es geht ja nicht um historisch-abgelegte, unterhaltsame narrative.

die sub-kulturell wiederbelebten rück-und hinweise

sollen ja tief-wurzelnde qualitäten und verwandtschaften präparieren und präsentieren,

damit zukünftige aus-richtungen als natürlich-legitimierende erscheinen.

interessiert wäre ich an araber-distanzierenden vorstellungen im iran und gegebenenfalls narrative, die türkei/türken betreffend.

vielen dank erstmal.

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Ehemaliger Nutzer 28.07.2016 | 15:01

"Sie zielten darauf ab, aus dem Vielvölkerstaat einen zentralistischen, rein (xxxxx) geprägten Nationalstaat zu schaffen ..."

Dieses Denken ist typisch für die Bildung der Nationalstaaten im Bereich der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie, aber auch in der heutigen Türkei auf den Trümmern des osmanischen Reiches. Dabei wurden andere Ethnien vertrieben (Armenier) und/oder unterdrückt (Kurden)

"Die türkischen Nationalisten waren 1923 mit der Gründung der türkischen Republik bemüht, eine neue Einheitsgeschichte zu schreiben und eine Einheitssprache zu entwickeln." (Siehe z. B. http://www.navend.de/html/kurdistan_heute/artikel/16-17_Tuerk_Rassismus.htm)

Der für Persien aufgezeigte Nationalismus dürfte auch ein Erinnerungselement für diejenigen, die vor dem Mullah-Regime geflüchtet sind. (Siehe auch im Freitag 12.02.2015: : "36 Jahre religiöse Diktatur im Iran" von Albrecht Wilkins.)

Welche Gedankensplitter den Mörder von München letztlich beschäftigt haben, ist nicht zu klären. Der im FAZ-Artikel verwendete Sprachgebrauch "aus Sicherheitskreisen" ist m. E. grundsätzlich dubios.

Jedem, der in der Region gearbeitet bzw. sich näher damit beschäftigt hat, ist das kritische Verhältnis zwischen schiitischen Persern und (überwiegend sunnitischen) Arabern sowie Türken bekannt. Im friedlichen Alltag lebt man problemlos nebeneinander, aber für die jeweiligen Extremisten ist es einen Todfeindschaft. Für mich seltsam, dass in dem Artikel dieser Aspekt bei dem Hass des Mörders auf Araber und Türken nicht erwähnt wurde; die religiöse Dimension der persischen Erinnerung ist von der nationalen m. E. nicht zu trennen.

schna´sel 28.07.2016 | 15:05

Vielen Dank für diese Hintergrundinformation. Überraschend in dem Moment jetzt, aber irgendwie mittlerweile auch nur eine mehr, von der Sorte Geschichten, die man bis vor kurzem nicht für möglich gehalten hätte.

»Er befahl, dass man den Menschen im Iran lehren sollte, dass die Perser arischen Ursprungs wären und eine höherwertige Kultur besäßen als die anderen Ethnien im Land.«

Mein Gott, wie krank. Und wie diese Krankheit sich gleicht, egal ob es um die "Wahren Finnen" oder "türkisches Blut" handelt, das ja laut Erdogan angeblich in Cem Özdemir nicht wirklich fließen kann.

»Die Pahlewis nutzten auch die Geschichtsschreibung, um die persische Kultur hochleben zu lassen, die ihrer Meinung nach deswegen höherwertig war, weil sie sich angeblich durch die Jahrtausende gegen äußere Feinde – Araber, Mongolen, Türken, Aserbaidschaner – behauptet hatte. Als Beleg wurde das mittelalterliche Heldenepos Schahnameh des Dichters Firdausi, das Nationalepos der Perser, herangezogen.«

"Unpersisch", "Undeutsch", "Very British", "God's own country", "Gottes auserwähltes Volk", das wahlweise vom einem Sohn des Himmels persönlich, dem Sonnenkönig oder in der ägyptischen Variante, einem Pharao regiert wird. Und alles immer mit den entsprechenden Heldenepen, mythologischen Erzählungen und absolut göttlicher Wahrheit legitimiert und gerechtfertigt. Quer durch alle Kulturen und Zeitalter. Und das Volk läuft hinter diesen Mythen her, um sich in letzter Konsequenz ver(b)raten zu lassen. Egal, wie viel Wissen man hinein kippt, scheint am Ende immer und überall nur das Gleiche heraus zu kommen: Krieg. Vor dem Hintergrund dieser Tradition sind auch die Islamisten nur noch eine Variante. Und das man diese Variante, mit Recht als eine Reaktion auf den Zustand begreifen kann, in den die Welt in erster Linie durch die aufgeklärte westliche Zivilisation versetzt worden ist, macht es nur noch noch grässlicher, weil einem damit fast automatisch der Glaube daran genommen wird, dass sich all diese alten irrationalen Narrative auflösen ließen, wenn man sie nur vernünftig genug hinterfragt.

karamasoff 28.07.2016 | 15:54

Das sieht die FAZ im gleichen Dunkel:

Amokläufer von München war Rechtsextremist

Das muss dann wohl daran liegen, daß aus dem Deutschen David S. je nach Bedarf ein Deutsch-Iraner namens David Ali S. oder auch Ali David S. wird. Das "Ali" ist wichtig für die korrekte Konnotation.

Was interessiert auch, daß man den Namen weglassen sollte bei Berichterstattungen über Amokläufer, wenn es gilt dem Michel klar zu machen wo die Gefahr lauert. Da kommt dann sowas wie eine Akute "Sonderlage dahoam" bei rum:

"Der mit geschwellter Brust agierende "starke Staat" provoziert genau das, was er zu verhindern vorgibt: Panik, Terrorangst und das beklemmende Gefühl lähmender Ohnmacht gegenüber einer unfassbaren Bedrohung aus der eigenen Gesellschaft heraus, die ihr hausgemachtes Versagen gern nach außen projeziert und von sich abspalten will, sich damit aber zunehmend nur selbst verstümmelt und verroht."

rita 28.07.2016 | 18:05

Arier, avestisch airiia, altpersischariya, neupersisch äryä hat seinen Stamm in einer indogermanischen Wurzel ar.. mit unsicherem Bedeutungssatz, ist eine Selsbstbezeichnung von indoiranischen Sprachen.

Die Rassenideologie/en des 19./und 20,en Jahrhunderts adaptierten es zum/zur Angehörigkeit einer bestimmten Rasse bzw. Herrenrasse, dieser Idiotie verfiel wohl nach dem Mauerfall auch die neue heute selbsternannte Elite die uns (vor-) führen will.

Die Glaubenskriege, der Templer und Freimaurer sind noch lange nicht vorbei, sie dauern jetzt 2000 Jahre.

Wir sind keine Arier, nie gewesen. Wir sind Germanen, vielleicht Kelten, auf jeden Fall ein Völkergemisch als Ergebnis der Völkerwanderungen. Vielleicht noch mit den Arabern durch die maurische Bevölkerung in Südspanien genetisch verbunden.

Diese Idiotie des 3. Reiches arisch ist germanisch heute wieder ins Gespräch zu bringen zeigt wie degeneriert unsere politische "Elite" mental geworden ist. Meine ganz private und persönliche Meinung.

Abendland ist da noch eine sehr freundliche Umschreibung. Gott sei Dank gibts da noch andere Länder, nicht nur Deutschland.

Können sie gerne wieder verschlüsseln, ich stehe zu dem was ich geschrieben habe.

rita 28.07.2016 | 18:05

Arier, avestisch airiia, altpersischariya, neupersisch äryä hat seinen Stamm in einer indogermanischen Wurzel ar.. mit unsicherem Bedeutungssatz, ist eine Selsbstbezeichnung von indoiranischen Sprachen.

Die Rassenideologie/en des 19./und 20,en Jahrhunderts adaptierten es zum/zur Angehörigkeit einer bestimmten Rasse bzw. Herrenrasse, dieser Idiotie verfiel wohl nach dem Mauerfall auch die neue heute selbsternannte Elite die uns (vor-) führen will.

Die Glaubenskriege, der Templer und Freimaurer sind noch lange nicht vorbei, sie dauern jetzt 2000 Jahre.

Wir sind keine Arier, nie gewesen. Wir sind Germanen, vielleicht Kelten, auf jeden Fall ein Völkergemisch als Ergebnis der Völkerwanderungen. Vielleicht noch mit den Arabern durch die maurische Bevölkerung in Südspanien genetisch verbunden.

Diese Idiotie des 3. Reiches arisch ist germanisch heute wieder ins Gespräch zu bringen zeigt wie degeneriert unsere politische "Elite" mental geworden ist. Meine ganz private und persönliche Meinung.

Abendland ist da noch eine sehr freundliche Umschreibung. Gott sei Dank gibts da noch andere Länder, nicht nur Deutschland.

Können sie gerne wieder verschlüsseln, ich stehe zu dem was ich geschrieben habe.

Mago 28.07.2016 | 19:50

Entgegen der Meinung der anderen Kommentatoren, würde ich gerne darauf hinweisen, dem Autor nicht auf dem Leim zu gehen. Viele Aussagen in diesem Artikel sind mehr als fragwürdig zu betrachten.

Der erste Punkt ist die rassistische Ideologie von David S.:
Es sollte inzwischen hinreichend bekannt sein, dass der Täter von Hass und durch jahrelanges quälen einen ausgeprägten Menschenhass entwickelt hat.
Menschenhass ist einer der Hauptmotive des Faschismus, es ist allerdings interessant wie der Autor versucht einen Gesamtzusammenhang zur iranischen Gesellschaft herzustellen.
Im Klartext: David S. Ist in Deutschland geboren und nicht im Iran groß geworden, es ist also eher unwahrscheinlich, dass persischer Alltagsrassismus den Jungen in diese Richtung gelenkt hat.
Er ist ein isolierter Einzeltäter und nicht das Produkt einer rassistischen iranischen Gesellschaft.

Der Punkt „Dass Iran ein Vielvölkerstaat ist, war seit der Machtergreifung der persischstämmigen Pahlewis Tabu.“
Stimmt so einfach nicht, wo wurde das festgelegt, dass der Iran kein Vielvölkerstaat sei? Jeder im Iran wusste es und weiß es oder will man sagen, die Iraner wussten seit den Pahlaviden nicht mehr, dass Iran ein Vielvölkerstaat ist?

Die Umbenennung „Persiens“ in „Iran“ verstehe ich jetzt auch nicht, warum dahinter etwas rassistisches Stecken muss?
Schließlich hieß das Land nun einmal so, der Name ist übrigens mit dem Untergang der Sasaniden verschwunden und tauchte erst unter der mongolischen Dynastie der Ilkhanate wieder auf, der Begriff und die Ideologie Iran war damals „chic“ und wurde maßgeblich von Mongolen und später von den turkischen Safawiden etabliert, nicht von Persern.

Ebenso der Punkt, dass die Iraner bzw. die Pahlaviden die Kadscharen als degeneriert betrachten, weil sie von einem turkischen Stamm abstammen, ist absoluter Humbug.
Das habe ich noch nie gehört, dass deshalb die Majorität der iranischen Bevölkerung ein Problem mit den Kadscharen hat, dann müssten sie sich doch auch an den Safawiden stören oder auch an Nader Shah, der gefeiert wird für seine Erfolge, komisch, wenn doch alles gehasst wird, was nicht aus Fars kommt ;)?
Nein, der Punkt ist, ja man mag die Kadscharen nicht, aber aus dem einfachen Grund, dass sie sehr große territoriale Einbußen zu verzeichnen hatten und das Könige wie Fath Ali Khan wegen ihrer Dekadenz bekannt waren, aber sie wurden bestimmt nicht verachtet, weil sie von einem oghusischen Stamm kommen.


„Folgerichtig war es die Politik der Pahlewis, den Islam als unpersische, weil aufgepfropfte, arabische Religion zu diskreditieren, die das Land verunreinige und seiner antiken Identität beraube“

Unabhängig von der Beurteilung der Pahlaviden, stelle ich eine Gegenfrage, war der Islam nicht auch eine nicht iranische Religion, die durch Gewalt ins Land kam?
Natürlich wurde der Islam Teil der iranischen Kultur und Geschichte, aber man will doch nicht negieren, dass es großen Widerstand in der iranischen Geschichte gab. Es ist doch nicht so, dass es von Seiten der Araber keine Ressentiments gab oder was hat es mit dem Begriff „Ajam“auf sich, der ganz klar ausgrenzend ist?


Das Problem ist, dass der Autor selbst eine sehr starke Sichtweise gegen den Iran vertritt, die mir persönlich sehr bekannt vorkommt, da ich selbst Azeri bin. Ich weiß, was Ausgrenzung bedeutet und wie sich der Rassismus im Iran zeigt, aber die Azeris und andere Volksgruppen sind nicht weniger rassistisch, genauso wie die Perser nicht rassistischer sind als die Azeris.
Viele Azeris stören sich an den Kurden, beim Fussballclub „Traktorsazi“ aus Tabriz hört man häufig antiiranische Statements, sogar ein armenischer Spieler durfte nicht beim Club aus Tabriz unterzeichnen, weil von Seiten der Fans antiarmenische Äußerungen und faschistisch aserbaidschanische Statements zu hören waren, aber dieses Topic verschwiegt uns der Autor wohl.

Der Rassismus im Iran ist ein typisches Phänomen von emotionalen und häufig ungebildeten Menschen, aber kein exklusiv „persisches“ Problem.

Peyman 28.07.2016 | 21:05

Fast die Hälfte von dem, was der Texter Ihnen als Hintergrundinformationen präsentiert, ist eine Ansammlung subjektiver Behauptungen, die auf persönlichen Gefühlen basieren. Ohne seriöse Fakten sind seine Thesen nicht haltbar. Wenn man den Iran nicht kennt, klingt das Ganze sehr spannend, weil sich die Argumentationskette schlüssig anhört. Und der Videobeweis - als einzig gelieferte Beweis- rundet alles ab. Wären da nicht nur in paar kleine Schoenheitsfehler: Die heutige Jugend Irans z.B. kennt Hitler nur sehr oberflächlich. Das Thema wird nicht in den Schulen bearbeitet. Die meisten denken, dass die Deutschen irgendwie mit den Iranern verwandt sind und Hitler damals den Iranern gegen Aggressoren "Die Engländer" geholfen hat. Das ist so ziemlich alles, was sie über diesen Kerl wissen. Der Gruß von einer Generation, die lange nach der Shah-Ära geboren wurde, ist in diesem Kontext zu begreifen. Dass der Texter aus der Stadt Orumieh stammt, erklärt den Hass gegenüber seiner Heimat. Einige iranischen Azarbayjaner, zu denen er gehören wird, erheben chauvinistische Ansprüche innerhalb der iranischen Völkergemeinschaft. Sobald man ihnen keine Extrabehandlung zukommen lässt, fühlen sie sich leider schnell diskriminiert und ergreifen Partei gegenüber ihrer (alten) Heimat. Den Hass lese ich als Kenner zwischen den Zeilen. Wie z.B. das Vortäuschen von Diskriminierung von Ethnien in der Zeit der Pahlavi-Ära. Jede Gruppe hatte und hat einen Vertreter im Parlament. Das, was diese kleine Gruppe z.B. fordert, ist es, die Jahrtausend alte persische Sprache durch "Azaribayjanisch" zu ersetzen. Also ein Mix aus dem Türkischen und Persischen soll die Nationalsprache des Iran werden. Wenn man noch bedenkt, dass das Türkische Selbst zu ca. 70% aus persischen, arabischen und europäischen Begriffen besteht und dass das Persische nicht nur seit Jahrtausenden und nicht erst seit der Pahlavi-Ära von fast allen Ethnien, aber auch von Nachbarländern wie Afghanistan, Tadjikistan usw... gesprochen wird, dann versteht man erst wie grotesk eine solche Forderung ist. Jeder, der solchen Forderungen eine Absage erteilt, ist in den Augen dieser Menschen ein persischer Chauvinist! Das Ganze ist etwa damit vergleichbar, dass ein Iraner sich von einem Holländer Deutschland erklären lässt, wobei mein Vergleich bewußt etwas überspitzt formuliert ist.

maziar jafroodi 29.07.2016 | 06:32

Auch mir hat der Beitrag im grossen und ganzen gefallen. Nur finde ich dass gewisse Begriffe in unterschiedlichen Kulturtraditionen auch unterschiedliche Bedeutungen haben.

Zum Beispiel ist der Glaube an Rassismus bei einem Menschen der in Deutschland sozialisiert wurde ein definitiver Hinweis darauf, das der Betreffende ein Rassist ist, aber im Iran gibt es diesen Zusammenhang nicht.

Oder falls sich in Deutschland einer als Arier bezeichnet, dann faellt er als ein Rechtextremer auf, aber in Iran tun dies auch die normalen Menschen, die dabei politisch ganz unmotiviert sind. Also muss hier Differenziert werden, ansonsten entstehen Misverstaendnisse.

Iranian 29.07.2016 | 07:16

-Iran, so nennt sich das Land schon seit mehr als 1500 Jahren. Im persischen gibt es keine Übersetzung für eine Landesbezeichnung "Persien".

-Die Sprache Persich ist Landessprache im Iran. Die genannten Ethnien im Iran kommunizieren auf persisch. Es gibt persischsprechende Iraner, genauso wie es azari sprechende Iraner gibt.

-Der Iran ist ein moderner Nationalstaat, die Führung in Teheran wird aus unterschiedlichen Ethnien aus dem Iran gebildet.

Beispiele :Ayatollah Khamenei ist Azari-Türke genauso wie sein Widersacher Mir-Hossein Mussavi. Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates Hr.Shamkhani und Mitglied des Schlichtungsrates und ex-Chef der Revolutionsgarden Hr. Rezai haben arabisch-shiitische Wurzeln.

-Im persischen gibt es keine Ethnie die "Perser" heisst, "Perser" im Iran werden persischsprechende Iraner genannt.

Der Autor würfelt mit einer hohen Eigeninterpretation von Begriffen, nach seiner Logik und Interpretation gibt und gab es einen Preußischen Nationalismus in der Bundesrepublik Deutschland. und die Ethnie "Bayer" wird durch die Preußen unterdrückt.

rita 29.07.2016 | 12:15

Da braucht es keinen Seehofer und keine CSU. Das sich die neuen Bundesländler für die besseren Deutschen halten erlebt man im Alltag zu oft um es übersehen zu können. Siehe Frau Merkel sie hat dieses elitäre Denken im Bundestag integriert.

Der deutsche Krieg Beginn 1788 bis 1789 (Erbfolgekrieg) geführt von Friedrich dem II. gegen Österreich und das Fürstentum Bayern auf Grund des Ablebens von Kurfürst Maximillian den III. Josef. Im Preussisch Deutschen Krieg 1866 ging es um die zu- nehmende Dominanz Preussens in Deutschland die Ludwig der III. fürchtete. 1913 streikten die Bayern gegen die ewigen Kriege.

Das jungste Beispiel dieser Preussischen elitären Hybris ist der Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin.

Völlig überflüssig, völlig finanziell überzogen, die Politik hat es nicht verbessert eher das Gegenteil ist der Fall.

Ich will garnicht schreiben was ich über die Urgründe denke, aber die Wiederherstellung der alten "Prachtbauten" erinnert doch schwer an Zeiten die die meisten Zivilbürger gerne vergessen und nie wieder haben wollen.

Elitär eben. Deutschland / Preussen. Mehr gibts da nicht zu sagen.

Ich bin weder Katholik noch Bayer und weder CDU noch CSU Wähler. Sind sie ein schlafwandelnder Preusse?

zelotti 29.07.2016 | 15:36

Der letzte bekennende preussische Nationalist war der Schriftsteller und Weimarer Terrorist Ernst von Salomon. Adenauer hat die Preussen mit seiner Westintegration an den Rand gedrängt, ob Otto Braun, Kurt Schumacher usw. Heute ist Preussen nur noch als bayrisches Gegenbild vorhanden.

Ich denke dennoch, dass die meisten Iraner, die ich kenne, erwähnen, dass sie "arisch" seien, und das ein üblicher Schnack bei Iranern ist. Das hat mit der Rasseideologie des 19. Jh. und ihrem Konstrukt einer "arischen Rasse" nicht viel am Hut.

schna´sel 29.07.2016 | 15:59

»Sind sie ein schlafwandelnder Preusse?«

Ich werd' mir hier das Maul zerreißen
und Sie dann schimpfen über Preussen...

Meine Meinung habe ich → hier zum Ausdruck gebracht. Ich denke, auch deutlich genug, dass Sie, oder wer auch immer meint, irgendeine "Ethnie" pauschal bevorzugen zu müssen, oder eine andere ebenso pauschal zu verurteilen, ohne einen weiteren Kommentar von meiner Seite davon ausgehen kann, dass ich diesen Geist für überkommen, und für nicht mehr angemesssen halte, um auf die Herausforderungen unserer globalisierten Welt eine adäquate Antwort geben zu können. Insellösungen sind so lange effektiv, wie es nicht zu globalen Katastrophen kommt. Und die werden wir erleben. Auch wenn die neoliberale Presse das für Weltuntergangsgeschrei hält.

Wenn Sie mögen, kann ich gerne zu meiner obigen Aufzählung der "Wahren Finnen", "Türken", und so weiter und so weiter, auch Preußens Gloria und die Bayernhymne hinzufügen. Oder die Rettung des christlichen Abendlandes. Ich denke nur, dass der ganze Platz, den wir hier zur Verfügung haben nicht ausreichen würde, um all die kleinen verqueren Lokalpatriotismen und die größeren Nationalismen unterzubringen, die als Antwort auf die Probleme der Zeit Lösungen vorschlagen, welche allesamt eine Welt restaurieren möchten, die es in der Form nie wieder geben wird. Bayerische Politiker und populistisch bewegte Bayernfans sind da weder eine Ausnahme, noch machen sie den Kohl fett. Sie unterscheiden sich in dem Punkt nicht von all den anderen Reaktionären und Schlafwandlern der Welt. Und auch wenn sie vermutlich alle ihren Willen bekommen werden, wenn es wieder ein Europa, eine Welt, mit den nationalen Identitäten geben wird, die sie alle so sehr vermissen: Lösungen werden daraus nicht entstehen. Auch nicht für Ihren pazifistischen Anarchismus. So weit ich die aktuellen Entwicklungen und Trends aus meiner, natürlich auch beschränkten Perspektive beurteilen kann. Das was wir jetzt erleben ist nur das Vorspiel für Klimaflüchtlinge und Entwurzelung der Menschen auf der ganzen Welt. Und für brutal durchgsetzte Machtinteresssen. Und ihre Märchenkönige werden auch nur für den Stoff zuständig sein, mit dem diese Welt all jene belohnt, die das grausige Spiel mitspielen. Wie gehabt. Das wird die Welt zurück werfen, aber vielleicht sind wir danach in der Lage zu begreifen, welche Chancen wir aus Gier und Blindheit "in die Tonne gekloppt" haben. So sehe ich das, und deswegen sehne ich mich weder nach Kaiser Wilhelm, noch nach König Ludwig.

Behrang Samsami 29.07.2016 | 16:33

@Peyman:

Einige Entgegnungen zu Ihrem Kommentar:

1. Dieser Hintergrundbericht ist ein journalistischer Beitrag und keine wissenschaftliche Abhandlung für ein Fachmagazin.

2. Sie schreiben: „Die heutige Jugend Irans z.B. kennt Hitler nur sehr oberflächlich. Das Thema wird nicht in den Schulen bearbeitet.“ Das ist ja eben das Problem. Hitlers "Mein Kampf" ist im Iran problemlos erhältlich. Aber mit Nationalsozialismus und dem rassistisch unterfütterten Arierkult der Pahlewis setzt man sich dort in Schulen nicht auseinander. Darum pflanzt sich diese Ideologie mit all ihren Vorurteilen gegen Nichtperser in den persischen Familien fort. Bestimmte Kreise, vor allem paniranistische Gruppierungen, befürworten und forcieren die Tradierung dieses falschen Denkgebäudes im Land.

3. Sie schreiben: „Den Hass lese ich als Kenner zwischen den Zeilen. Wie z.B. das Vortäuschen von Diskriminierung von Ethnien in der Zeit der Pahlavi-Ära. Jede Gruppe hatte und hat einen Vertreter im Parlament.“ Richtig ist, dass Minderheiten wie die Juden, Christen und die Zoroastrier jeweils einen Vertreter im Parlament hatten und haben. Aber halten Sie beispielsweise die Aserbaidschaner allen Ernstes ebenfalls für eine Minderheit? Irans Außenminister Ali Akbar Salehi hat bei einem Türkei-Besuch vor einigen Jahren gesagt, dass 40 Prozent der iranischen Bevölkerung „Türkisch“, also Aserbaidschanisch, sprechen würden. Dass dies ein „seriöser Fakt“ ist, sehen Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=KiiicAtcVDM

4. Sollte es auf Seiten der Iran-Aserbaidschaner Kritik geben, dann ist diese meines Erachtens nicht nur eine Reaktion auf eine jahrzehntelange Unterdrückung ihrer Sprache und Kultur, sondern auch auf Diskriminierungen. Ein Beispiel ist der iranische Karikaturenstreit im Jahr 2006, als ein Cartoonist einen beleidigenden Comic in einem Magazin veröffentlichte, in der ein persischsprachiges Kind mit einer Kakerlake spricht und diese auf Aserbaidschanisch antwortet. Lautstarke Proteste im Nordwesten des Landes waren das Ergebnis.

schna´sel 29.07.2016 | 16:47

»Ich denke dennoch, dass die meisten Iraner, die ich kenne, erwähnen, dass sie "arisch" seien, und das ein üblicher Schnack bei Iranern ist. Das hat mit der Rasseideologie des 19. Jh. und ihrem Konstrukt einer "arischen Rasse" nicht viel am Hut.«

Völlig egal, in welchen Teil der Welt Du einwanderst, ob Du den Kontinent wechselst, einen ganz anderen Kulturkreis betrittst, oder ob Du aus Pusemuckel nach Hintertupfingen umziehst: Ein gewisser Teil der "Alteingesessenen" wird Dich niemals als "Einen der Ihren" anerkennen. Das Bewusstsein, zu einer bestimmten "Sorte Mensch" zu gehören, das seine Identität aus der lokalen, oder durch die Geburt in eine bestimmte soziale Umgebung, Familie oder Herkunft ableitet, kann witzige Facetten haben, weil es ja tatsächlich Charakterunterschiede, und ausgeprägt andere Mentalitäten zwischen den Menschen unterschiedlicher Regionen gibt. Aber das zu einer grundsätzlichen Bewertung zu machen, sich einzubilden, besser und überlegen zu sein, das ist in meinen Augen etwas anderes. Die Rassenideologie der Nazis war da nur ein besonders schreckliches Beispiel für die Konsequenz dieser Dummheit. Wenn also jemand meint, diese Abgrenzung für sich in Anspruch nehmen zu müssen, dann ist die Frage der Absicht grundlegend. Wenn ein Bayer mir damit zeigen will, dass und wie er sich von mir unterscheidet, dann kommt es darauf an, ob er mich damit abwerten will, indem er sich aufwertet, oder ob er trotz der anderen Mentalität davon ausgeht, dass wir beide gleichberechtigte und gleichwertige menschliche Wesen sind. Die von den Unterschieden sogar profitieren. Und sei es nur, dass sie darüber gemeinsam lachen können. Und das war's auch schon, was meines Erachtens darüber noch zu sagen wäre.

Behrang Samsami 29.07.2016 | 17:33

@Mago

Einige Entgegnungen zu Ihrem Kommentar:

1. Sie schreiben: „David S. ist in Deutschland geboren und nicht im Iran groß geworden, es ist also eher unwahrscheinlich, dass persischer Alltagsrassismus den Jungen in diese Richtung gelenkt hat. Er ist ein isolierter Einzeltäter und nicht das Produkt einer rassistischen iranischen Gesellschaft.“ Ob der Attentäter wirklich ein isolierter Einzeltäter war, werden die Ermittlungen zeigen. Rassistische Diskurse sind zudem nicht an das Heimatland der Familie gebunden, sondern bestehen auch nach der Auswanderung weiter – und können sich in der anfangs fremden Umgebung noch verstärken.

2. Sie schreiben: „Nein, der Punkt ist, ja man mag die Kadscharen nicht, aber aus dem einfachen Grund, dass sie sehr große territoriale Einbußen zu verzeichnen hatten und das Könige wie Fath Ali Khan wegen ihrer Dekadenz bekannt waren, aber sie wurden bestimmt nicht verachtet, weil sie von einem oghusischen Stamm kommen.“ Gebietsverluste und Dekadenz sind nachvollziehbare Gründe für Kritik oder sogar Ablehnung. In der Zeit der Pahlewis wurde die Ablehnung der Kadscharen allerdings stark mit rassistischen Argumenten und auch Unwahrheiten unterfüttert. Man sollte in diesem Kontext nicht vergessen, dass Reza Khan 1925 den letzten Kadscharen Ahmad Schah mit ausländischer Hilfe abgesetzt hat. Um das zu kaschieren und zugleich um die Rechtmäßigkeit der Absetzung zu betonen, unternahmen die Pahlewis alles, um ihre Vorgänger zu diffamieren. Das wirken bis heute.

3. Sie schreiben: „Der Rassismus im Iran ist ein typisches Phänomen von emotionalen und häufig ungebildeten Menschen, aber kein exklusiv „persisches“ Problem.“ Man wird – auch im Iran – nicht als Rassist geboren. Da, wo eine und konstruktive Diskussion nicht möglich ist, bleiben tradierte Bilder und Vorstellungen weiter wirksam. Für den Iran kann man nur hoffen, dass sich eines Tages die Möglichkeit ergibt, dass die rassistischen Parolen einer kritischen Untersuchung unterzogen werden und folgerichtig alle Ethnien im Land die gleichen Rechte erhalten – wie sie die Perser bereits besitzen.

Iranian 29.07.2016 | 17:52

Herr Samsami, Sie haben recht, dass Ihr Beitrag keine wissenschaftliche Abhandlung ist, aber dass Ihr Beitrag ein journalistischer Beitrag ist...ist äusserst zu bezweifeln.

Reza Pahlawi war kein Mitglied der Linken oder FDP, AFD, CDU etc. er war kein Friedensaktivist oder Pazifist. Ich gehe davon aus dass Sie dies auch stört.

Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Alle die 20% oder fiktiven 40% der azarbaijanisch sprechenden Iraner (oder nach Ihrem pan-turanistischen Bild : "Azarbaijaner") sollten mehr politische Autonomie bekommen.

-Die Uni Tabriz oder Uni Orumie unterrichten nur noch in Azari-Türkisch. Es gibt eine Azari Fussball Nationalmannschaft und sogar die Sendung "Azarbaijan sucht den Superstar". Eine Azarbaijanische Version von Let`s Dance wird es geben, damit sichergestellt ist dass Azarbaijaner gewinnen werden.

Natürlich gibt es nur Azarbaijaner die im "Freistaat Azarbaijan" gewählt werden und über Politik, Wirtschaft und Kultur in West- und Ost-Azarbaijan bestimmen werden.

Jedoch wird diese politische Autonomie auch bedeuten, dass die Wirtschaft vom "Freistaat Azarbaijan" von Erdöl- und Gaseinnahmen des Irans getrennt sind. Die Millionen Azaris , die heute in Tehran leben werden zurück nach Tabriz oder Orumie gehen (müssen).

Die Qajaren-Dynastie wird auch ein Teil der neuen "azarbaijanischen" Geschichte und kein Teil mehr der Iranischen Geschichte.

Nicht zu vergessen, auch die Azarbaijan Hymne nach dem Vorbild Bayern wird es geben.

Peyman 29.07.2016 | 19:51

@ Behrang

Sehen Sie: Ich habe mich sehr bewußt den Begriff "Texter" entschieden, da ich absolut keine journalistische Wertigkeit feststellen konnte. Dafür habe ich auch Belege: Allein die Grundlage, von der Sie ausgehen, ist gar nicht gegeben. Sie sprechen von einem Volk der Perser, welches in welcher Beziehung auch immer zu anderen Ethnien im Iran steht. Das ist ein sehr "deutschtes Bild" welches Ihnen jeder Iraner - und ich betone JEDER REAL EXISTIERENDE IRANER - absprechen wird. Beweis: Haben Sie im Iran je einen Menschen erlebt, der Ihnen gesagt hat, er wäre ein Perser? Oder aus Persisch "Man Fars hastam" ? Nein, haben Sie nich! Denn dieser BEgriff "Perser" existiert nur außerhalb Irans für eine Rasse. Innerhalb Irans existiert dieser Begriff für die Sprache und für einen Kulturkreis und nicht für eine heute noch existierende Rasse. Die Perser haben sich seit Jahrtausenden mit anderen Rassen gemischt, nur sind sie realistischer als andere, wie z.B. als Deutsche oder Türken, die mit der Bezeichnung ihrer Nation immer Reinrassigkeit asoziieren und den Begriff "Volk" benutzen. Der Name "Iran" spiegelt genau das wieder. Rassenunabhängiger Vielvölkerstaat! Nun gibt es aber in unserer Nachbarschaft so einige Staaten, die zum Teil relativ jung sind und aufgrund fehlender Zeit historisch und kulturell nicht sehr viel anbieten können. Diese neuen "Völkchen" finden die Legitimation ihrer neuen Staaten hauptsächlich in der Rasse. Dann fangen sie einerseits an sich eine Fantasie - Geschichte aufzubauen bzw. Kulturraub zu begehen und andererseits narzistisch eien Opferrolle zu spielen. Bestes Beispiel, um auf Menschen wie Sie zurück zu kommen, sind die Azaris. Da Sie selbst von diesem Rassengedanken getrieben werden, beschuldigen sie die anderen Ethnien Irans die Azaris unterdrückt zu haben bzw. zu unterdrücken. Da Sie allem Anschein nach zu dem Teil der Azaris gehören, die davon ausgehen, dass sie mit den Türken ethnisch verwandt sind, benutzen Sie den Begriff "Perser" als sozusagen die große Gegenrasse, die so im Alltag Irans gar nicht existiert! Das ist Ihnen bei ihrer journalistischen Arbeit wohl entfallen und ich frage mich tatsächlich wie das sein kann. Von einem Nichtiraner ist es zu erwarten, weil er die Verhältnisse gar nicht kennt. Sie sollten sich lieber in einem Artikel darüber empören, wie beschämend sich Türken, Azaris, Kurden (die einen Staat gründen wollen), Araber(wie in den Emiraten am Golf) mit diesem abscheulich rassistischen Gedankengut plötzlich iranische Wissenschaftler zu ihren erklären, da sie den einen Wissenschaftler oder den anderen als einen der ihren vermuten! Aus einer Zeit, in der es diese Staaten gar nicht gab. Auch Gentests sind sie bis heute schuldig geblieben. Und die Aussage ihrer Opfer bezüglich einer fremden und nicht iranischen Herkunft erst recht nicht!

Ich möchte mir aber gerne hier nochmal explizit die Mühe machen und ihnen das Folgende noch mit auf den Weg geben: Wir benutzen den Begriff "Perser" im Deutschen, um 1) auf die Geschichte aufmerksam zu machen 2) Um Widerstand gegen den Kulturraub zu leisten. Persische Rassisten kann es geben, aber diese müssten behandelt werden, da die persische Kultur einen Rassismus gar nicht hergibt, was in Deutschland kaum zu verstehen ist, und nur darum, weil Sie aus der deutschen Brille schreiben, kann ihr Text dem einen und anderen hier gefallen. Der persische Nationalismus ist seit eh nämlich einbindend und nicht ausgrenzend. Jeder, der PErsisch spricht, zählt zu diesem Kulturkreis und die größten "persischen Nationalisten" der Geschichte waren aus den unterschiedlichsten Ethnien innerhalb und sogar außerhalb Irans, die integriert wurden, wie ein Cem Özdemir in Deutschland integriert ist. Nur in Kriegsfällen wird diese Mentalität kurzzeitig ausgeschaltet.

PS: Sie wollen den Leuten hoffentlich nicht erzählen, dass die jungen Zuschauer alle "Mein Kampf" gelesen haben, Hitlers Ideen kennen und daher den Arm hoch heben!

Peyman 29.07.2016 | 19:59

Ich zitiere Ihnen noch ein paar Zeilen aus meiner Website zum Thema Gemeinschaft aus dem Artikel "Trugbild einer Spaltung", damit Sie nicht in einem Europa sitzen, das zusammen hält, sich aber wie die Briten eine eigene Definition der Gemeinschaft herleiten, die die Briten übigens teuer zu bezahlen haben werden:

Eine größere Anzahl an Individuen können durch verschiedene Faktoren vereint werden: Blut, Territorium, Ideologie, Sprache, Kultur und Geschichte. Die Loyalität und die gefühlte Bindung durch gemeinsame Erfahrung oder Schicksalteilung verleihen der Gruppe Dynamik und Kraft. Je nach Kanalisierung der Kräfte kann die Kraft positive oder negative Auswirkungen haben. Im Versuch diesen Text so kurz wie möglich zu halten, nehme ich die relevanten Effekte heraus:

- Blut und Rasse können kein Kriterium für eine bestehende politische Gemeinschaft darstellen, denn sie schaffen eine Abgrenzungsautomatik, und damit auf Gewalt basierende und aufgezwungene Gemeinschaftsinteressen, die den einfachsten menschlichen Gesellschaftsbedürfnissen wie Gerechtigkeitsverlangen nicht Herr werden können. Schon die Basis, nämlich die Blutsverwandtschaft ist ein reiner Zufall und hat mit dem Geiste und dem bewussten Willen nichts zu tun. Eine solche Konstellation ist dazu verdammt in Aggressionen, Gewalt und letztlich Selbstzerstörung zu enden.

- Territoriale Loyalität bringt die Gefahr mit sich, dass Werte und Wertlosigkeiten wie Wahrhaftigkeit und Falschheit, Reinheit und Unsittlichkeit, Aufrichtigkeit Verstellungsgeschick usw… durch die Einengung der Territoriumsliebe subjektiv gemessen und beurteilt werden. Resultate solcher Gesellschaftsprozesse haben eventuell kurzfristige Erfolge, jedoch lehrt uns die Geschichte, dass am Ende gar Selbstzerstörung für eine Gemeinschaft anstehen kann.

- Ideologisch zusammengeschweißte Gemeinschaften haben als Ausgangsbasis und Bedingung Gesellschaftsstrukturen, die politische, soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit wegfegen, da alle Komponenten als Mittel zur Durchsetzung einer bestimmten gewünschten Lebensform und schliesslich zum Überleben des ideologischen Gesellschaftssystems benutzt und missbraucht werden müssen. Das soziale Leben wird gezwungen zumindest nach Außen eine bestimmte "politisch korrekte" Haltung einzunehmen, um die Souveränität der gemeinschaftlichen Ideologie als freien Wunsch aller Individuen zu präsentieren und ein Unterdrückungssystem durch eine Aufführung, bei dem die Massen höchstens als Statisten funktionieren, gegenüber anderen Gesellschaftsformen zu legitimieren. Da aber jede Ideologie für sich die Verbesserung der menschlichen Lebensweise in Anspruch nimmt, steht eine institutionell erzwungene Ideologie im absoluten Widerspruch zum jeweiligen Ziel. Im Falle Irans erkennt man sehr deutlich, dass die Verstaatlichung und Politisierung des Islams in dieser faschistisch ausgrenzenden Art und Weise einen hochgradigen Widerspruch zu islamischen Fundamenten darstellt. Denn es heißt im Heiligen Koran: O ihr, die ihr glaubt! Setzt euch für G_tt ein und seid Zeugen der Gerechtigkeit. Und der Hass gegen eine Gruppe soll euch nicht dazu verleiten, anders als gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist der G_ttesfurcht näher. Fürchtet ihn; wahrlich G_tt ist eures Tuns kundig.(5;9)

- Bei der Bildung oder Pflege und Beibehaltung einer größeren Gemeinschaft mit zueinander loyalen Einzelpersonen wie die Nation kann die gemeinsame Sprache eine große Rolle spielen, jedoch reicht sie in Zeiten der Kapitalistischen Gesellschaftsordnung, in denen die Loyalität der Individuen in erster Linie dem Kapital gilt, absolut nicht aus. Das kann man am Besten bei den ganzen arabischsprachigen Ländern beobachten.

- Meiner Meinung nach kann das Besinnen auf eine gemeinsame Geschichte und Kultur die alleinige Basis für gemeinsame Interessen schaffen. Nämlich nicht nur zwischen den heutigen Iranern, sondern sogar über die Grenzen hinweg. Die Schaffung einer Zivilisation, deren Stärke traditionell durch die iranische Lebensweise, die zwar unter westlichen Einflüssen einerseits und künstlichen antiiranischen Lustspielen seitens der Staatsmacht andererseits fast in Vergessenheit geraten ist, die kulturellen Herausforderungen der neuen Zeit meistern kann. Eine auf die modernen Lebensverhältnisse zugeschnittene und doch die alten Werten wieder belebende Lebensweise kann kulturelle Lückenentstehungen nicht nur stoppen, sondern auch füllen und die den Bedürfnissen aller Menschen im Orient gerecht werden.

Mago 29.07.2016 | 21:02

@Behrang Samsami:

1. Den Gesamtzusammenhang haben Sie aufgestellt, indem Sie meinen, dass Reza Pahlavi ein "brauner Bruder" der Nazis sei und dadurch David S. sich legitimiert sah, ich habe nur in Frage gestellt inwiefern man wirklich so eine Verbindung herstellen kann, denn offen nationalsozialistisch sind wohl die allerwenigsten Iran, also paniiranisch oder "SUMKA" nah sind kaum welche.

2. Auch dazu muss man sagen, jenes stimmt nicht wirklich, die Kadscharen waren am Ende nur noch eine Scheinmonarchie sie waren doch schon seit der Enghelab-e-Mashruteh (die "Konstitutionelle Revolution" von 1906) enorm eingeschränkt.
Faktisch waren sie schon lange vor Reza Pahlavi kein Machtfaktor mehr.
Großbritanniens Politik zur Unterstützung von Reza Pahlavi ist keine Besonderheit, sondern Großbritannien führte die Politik fort, die sie schon unter den Kadscharen führten. Gerade unter den Kadscharen hatten die Briten Sonderrechte bis zur Revolution von 1906, sie konnten ohne Steuern zu zahlen in den Iran importieren mussten keine Zölle zahlen und hatten ein Handelsüberschuss von 20% gegenüber den Iran, der sich immer mehr verschuldete.
Im Klartext: Reza Pahlavi war die Fortführung dieser Politik und keine Neuheit, das einzig neue unter den Pahlaviden war, dass Russlands Einflusssphäre aufgrund des Bolschewismus zurückging und England dadurch seine Machtinteressen besser umsetzen konnte. Ich bezweifele, dass es nur eine Dämonisierung der Turkvölker gab, sonst hätte Reza Pahlavi doch keine Ayromlou geheiratet und sein Sohn auch nicht Farah Diba.

3. Ja, man muss auf jeden Fall gegen die rassistischen Parolen vorgehen, doch sie stören sich daran, dass im Iran die Perser überproportional vertreten sind. Hier muss man aber sagen, der Iran war immer schon ein Vielvölkerstaat, doch das was den Kulturraum zusammenhielt war die persische Sprache und es ist ein normaler Prozess des Nationalstaates.
Eine Sprache oder manchmal auch Kultur dominiert ist häufig der Fall, da ist doch der Iran gar kein besonderes Phänomen.
In Frankreich hat sich viel radikaler die Sprache und Kultur Nordfrankreichs durchgesetzt gegen alles andere, die Menschen aus dem okzitanischen Frankreich existieren faktisch nicht mehr, dabei war das früher prägend für das Reich.
Wenn man bedenkt in welcher Region der Iran liegt, herrscht noch ein relativ hoher Grad an Pluralismus.

Es gibt nur einen sehr deutlichen Fall von Rassismus im Iran und der ist nicht gegen die Azeris, Kurden, Luren etc. sondern gegen die Afghanen, hier wird sogar vom Staat offen rassistisch gegen diese Bevölkerung vorgegangen, komisch, dass nur eine Sichtweise von Azeris hier genannt wird, während die echten Ungerechtigkeiten unkommentiert bleiben in der heutigen Islamischen Republik.

@Rita : Ich kann nicht ganz Folgen, was meinen Sie? Was unterscheindet wem von welchem Staat?