Magnificat & Sobre Las Cuatro Estaciones

Wagners Randnotiz Ulmer Erstaufführung - Geistliche Tangomusik aus Argentinien von Komponist Martín Palmeri
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Ulmer Erstaufführung Magnificat & Sobre Las Cuatro Estaciones

Bravo! Gratulation! Dem Oratorienchor Ulm unter der Leitung von Thomas Kammel ist am 24.04.2016 in der Pauluskirche in Ulm ein musikalisches Highlight gelungen, das für viele KonzertbesucherInnen unvergesslich bleiben wird. Kammel studierte mit dem Chor zeitgenössische Musik des argentinischen Komponisten Martín Palmeri ein. Jene geistliche Tangomusik aus Argentinien, die Palmerie schrieb, geht wunderbar ins Ohr und hat Suchtpotenzial. Super auch, dass Palmeri die Einladung des Oratorienchors zur Ulmer Erstaufführung von Magnificat & Sobre las Cuatro Estaciones annahm, um während des Konzerts nicht etwa in der ersten Reihe zu sitzen oder den Oratorienchor Ulm zu dirigieren, sondern den Klavierpart übernahm. Er ist nicht nur ein genialer Komponist, sondern ein vorzüglich Musiker. Er gehört zu jenen Komponisten, die zeitgenössische Musik für Chöre singbar machen, auch schwierigere Partien. Ich behaupte nun einfach, da Palmeri selbst Gesang und auch das Fach Chorleitung studierte, dass er ganz genau weiß, was man einem Chor zumuten kann. Wer sich mit seiner Biografie beschäftigt, liest heraus, was er inzwischen geschaffen hat. Das Ensemble „musica viva Stuttgart“ zog das Publikum in den musikalischen Bann, gerade auch im Zusammenspiel mit dem brillanten Virtuosen am Bandoneon, dem Italiener Mario Stefano Pietrodarchi, der mich mit seiner herausragenden Musikalität sehr beeindruckte. Für viele KonzertbesucherInnen war er auch ein optischer Hingucker, da er die gelebte, gefühlte Musik auch mit seiner Körpersprache zeigte. Sobre Las Cuatro Estaciones für Solo-Bandoneon, Piano und Streichorchester, dieses Werk hätte ich in Endlosschleife hören können und dies lag nicht nur an der Komposition, sondern auch an den Musikern. Es ist absolut nachzuvollziehen, warum bekannte SängerInnen aus dem Klassik-Bereich wie z.B. Angela Gheorghiu, Anna Netrebko, Andrea Bocelli oder Erwin Schrott mit Pietrodarchi musizieren. Deshalb ist es vermutlich auch nicht verwunderlich, dass die Sopranistin Katarzyna Jagiello und der Mezzosopran Kinga Dobay mit großer Freude die geistliche Tangomusik von Palmeri sangen. Ein hörbarer Genuss, denn beide Sopranstimmen harmonierten prima und weder ein schriller Sopran noch irgendein fieses Tremolo ertönte in der Pauluskirche. Der Oratorienchor Ulm hat mit diesem Abend mal wieder bewiesen, dass Chorgesang eine große musikalische Bereicherung ist. Ein dickes Lob an Chorleiter Thomas Kammel, der die Ulmer Erstaufführung von Magnificat & Sobre la Cuatro Estaciones dirigierte.

Corina Wagner, 25.04. 2016

Infos:

Martín Palmeri https://de.wikipedia.org/wiki/Mart%C3%ADn_Palmeri

Klangbeispiel Magnificat/ Stuttgarter Oratorienchor e.V. https://www.youtube.com/watch?v=W6ownjeQySA

Klangbeispiel: Mario Stefano Pietrodarchi https://www.youtube.com/watch?v=uMN8fxAr6TQ

www.oratorienchor-ulm.com

15:49 25.04.2016
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Geschrieben von

Corina Wagner

Wer das Wort Alphabet buchstabieren kann, ist noch kein/e Autor/in. (C.W.)
Corina Wagner

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