Aus der Mitte entspringt der Hass

Islamkritik Eine Philippika gegen "Islamophilie" offenbart einen Bodensatz militanter Islamkritiker in der Wissenschaft. Und eine seltsame Koalition von ehemals Liberalen und Rechten

Über „die gelbäugigen Massenmörder mit Turban und Maschinenpistole“, Anhänger „des selbsternannten Propheten Mohammed“, „jenes geisteskranken Päderasten“ ereifert sich nicht der Schreiber eines rechten Flugblatts oder Blogs, wie man meinen könnte. Nein, der Verfasser, Herr Rosendorfer, war Richter an einem Oberlandesgericht und nennt sich Schriftsteller. Über Mohammed-Karikaturen aufgebrachte Muslime sollten arbeiten anstatt zu demonstrieren, meint er auch.

Ein kürzlich erschienener Sammelband zur „Islamkritik“ verdient Aufmerksamkeit, weil er die Tendenz zum Antiislamismus in Kreisen des akademischen Establishments und in der Mitte der Gesellschaft beleuchtet. Die beiden Herausgeber, der eine davon Initiator einer fragwürdigen Bürgerbewegung mit dem Namen „Pax Europa e. V.“, beanspruchen mit ihrem Verweis auf „eine Reihe angesehener Historiker, Islamwissenschaftler, Juristen, Philosophen und Theologen“ unter den Autoren und Autorinnen. Wissenschaftlichkeit für ihren Band.

Das ist freilich hochgestapelt. Unter den 25 Autoren findet man zwei Islamwissenschaftler, wovon einer nur ein kurzes Statement beigetragen hat, zwei Theologen, einen Historiker, einen betagten Staatsrechtler und den Philosophen Rohrmoser, der sich aber nur mit einer wütenden Polemik blamiert. Die Mehrheit der Beiträge stammt aus der Feder von Publizisten, Literaten, Journalisten, darunter Ralph Giordano und Klaus Rainer Röhl, früherer Herausgeber der linken Sektenblatts Konkret. Alle zusammen bilden eine seltsame Allianz, die sich der gemeinsamen Islamophobie verdankt.

Von Ausnahmen abgesehen, handelt es sich bei den Texten um Pamphlete und Polemiken, im Englischen würde man viele als hate speeches bezeichnen. Krasse Beispiele für dieses literarische Genre liefern der Jurist Herbert Rosendorfer und der kürzlich verstorbene Philosophieprofessor Günter Rohrmoser. Man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, die Verfasser seien mit Schaum vor dem Mund an ihrem Schreibtisch gesessen.

Letzte Hilfe Skinheads

Zur Illustration seien nur zwei, drei Textpassagen herausgegriffen. Rohrmoser schreibt, nachdem er – wie einige andere Autoren – die Hilflosigkeit der politischen Klasse, ihre Unterwürfigkeit gegenüber dem Islam gegeißelt hat, es sei nach Presseberichten schon so weit, dass sich Deutsche, die sich von Ausländern bedroht fühlten, „nicht mehr an den Staat, sondern an Skinheads wenden, weil sie der Meinung sind, ... die letzte Truppe in diesem Lande, von denen sie noch Schutz erwarten können, seien die Skinheads“.

Der Subtext dieses scheinbaren Kommentars zum Zeitgeschehen ist eine unmissverständliche Handlungsempfehlung. Schon einige Zeilen vorher behauptet der Verfasser, deutsche Jugendliche seien gewalttätigen Ausländern ausgeliefert, wenn sie sich nicht „mit Messern und anderen Gegenständen“ bewaffneten. Ein Lektor hätte den alten Herrn vor sich selbst schützen müssen; denn mit diesem Text gefährdet er nicht nur seinen Ruf, sondern handelt sich möglicherweise auch eine Anzeige wegen Volksverhetzung ein. Aber hätte ein Lektor solche Zeilen gestrichen, hätten wir nicht erfahren, was in den Gehirnen ehrenwerter Bürger herumspukt. Der Emeritus weist auch das Ansinnen zurück, „begabten Türken zu Studienstipendien (zu) verhelfen“ und weckt den Neid an den Stammtischen. „Was geht da manchen Eltern... wohl durch den Kopf“?

Die meisten Verfasser/innen sind dagegen bemüht, nicht nur Stammtische zu erreichen. Aber gemeinsam sind fast allen folgende Vereinfachungen: Erstens die Vorstellung von einem homogenen, militanten Islam, die Gleichsetzung von Islam und Islamismus, daher die Behauptung, der Islam sei von seinem Wesen her mit unserer Verfassung und Werteordnung inkompatibel.

Fast alle Beiträge kennzeichnet zweitens eine völlige Blindheit für historische Kontexte, für sozioökonomische und politische Hintergründe der Entwicklung des Islam. Auf Bedrohungsfantasien oder –szenarien wie der Islamisierung Europas reagieren die meisten Verfasser/innen viertens mit unterschiedlichen, meist rechtlich fragwürdigen Strategievorschlägen zur Gegenwehr. Die meisten Verfasser/innen offenbaren ein äußerst konservatives bis rechtslastiges Welt- und Gesellschaftsbild.

Repressive Politreligion

Diese Gemeinsamkeiten kann man beispielsweise bei Ralph Giordano sehen. Schon mit der Überschrift zu seiner Kölner Rede stellt er klar: „Nicht die Moschee, der Islam ist das Problem“. Der Theologe Winter weist die Unterstellung zurück, dass der Islamismus „mit dem eigentlichen Islam nichts zu tun habe“, und zwar mit Hinweis auf das Selbstverständnis der Islamisten und die „Geschichte der Unterdrückung, Vertreibung und Nötigung mit zahllosen Märtyrern bis heute“. Nach Ansicht einer anderen Verfasserin ist der Islam seinem Wesen nach eine „Politreligion“, gewalttätig, außerdem patriarchal, autoritär und repressiv. In einem weiteren Beitrag heißt es, der Koran sei „ein Buch der permanenten Drohung und Einschüchterung“, daher sei der Islamismus ein „’natürliches’ Entwicklungsprodukt“ des Islam.

Rolf Stolz, übrigens ehemaliges Vorstandsmitglied der Grünen, möchte zwar Islam und Islamismus nicht gleichsetzen, ist aber dann sehr großzügig mit seiner Zuordnung zu islamistischen Organisationen. Selbst die türkische Religionsbehörde Diyanet (DITIB) gehört für ihn dazu. Für einen anderen Autor trägt der Islam „faschistoide Züge“ und ist deshalb nicht vom Islamismus zu unterscheiden, zumal schon Mohammed „das Urbild des Terroristen“ abgebe. In dem militanten Expansionsstreben zeige sich „die ganze Abartigkeit des Islam“. Ob „gemäßigt oder radikal“, Muslim bleibt Muslim für diesen Autor.

Manche Einschätzungen zeugen von Unkenntnis oder mangelndem Realitätssinn. So behauptet eine Rechtsanwältin, Muslime in Deutschland hätten nicht das Recht, „sich von der Religion des Islam loszusagen“. In der Tat braucht es keinen Austritt wie aus der Kirche, weil der Islam nicht kirchlich verfasst ist. Es verwundert nicht, dass der Islam nach diesen Zuschreibungen für inkompatibel mit unserer Verfassung und Werteordnung gehalten wird, so auch von dem Staatsrechtler Karl Doehring. Der Jurist Björn Schumacher sekundiert mit Verweis auf die Scharia. Giordano meldet Zweifel an, ob der Islam reformierbar und modernisierbar ist. Sein Verdikt: „Die Integration ist gescheitert!“.

Muslime sind nach Einschätzung der meisten Verfasser/innen nicht in die westliche Zivilisation integrierbar oder kaum integrationsfähig. Sie sind durch die „Konfrontation mit der westlichen, fortschrittlichen Welt“ überfordert. Viele Verfasser/innen teilen die Auffassung einer Autorin vom radikalen Gegensatz und Kampf der Kulturen. Mehrmals beruft man sich auf Samuel Huntington. Auch Dialogbereitschaft und –fähigkeit wird den Muslimen abgesprochen. Mit dem völlig anderen „Vernunftverständnis“ wird dies ausgerechnet von dem katholischen Theologen Winter begründet. „Für einen Muslim bedeutet der Begriff [Dialog] aber nur Missionierung in Gesprächsform (Da’wa)“, so Winter. Ein Autor unterstellt, Täuschung sei für Muslime eine legitimes Mittel der Glaubensverbreitung und schreibt: „... wie kann man Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit auf muslimischer Seite, etwa beim Dialog, voraussetzen“?

Wille zur Macht

Dem Islam werden in essentialistischer Manier Wesenseigenschaften zugeschrieben. Daher blendet man historische, auch aktuelle Bedingungskonstellationen aus oder weist solche sogar ausdrücklich zurück. Rolf Stolz konzediert immerhin: „Soziale Konflikte in den islamischen Ländern, die imperiale Machtpolitik des Westens und Nordens der Welt... begünstigen den Islamismus und seine Demagogie“, fährt aber fort: „Aber weder Armut und Arbeitslosigkeit noch äußerer Druck oder fremde Schwächen sind die Ursachen für den Islamismus“. Röhl will Gründe wie Armut, Arroganz der westlichen Welt oder (Post)kolonialismus überhaupt nicht gelten lassen, wobei er allerdings nicht kulturalistisch argumentiert, sondern mit dem Willen zur Macht.

Die Einschätzung des Islam als seinem Wesen nach kriegerisch und expansiv sowie der Muslime als militant und fanatisch macht Bedrohungsfantasien verständlich. Je konservativer außerdem das Weltbild, desto größer die Angst vor Überfremdung. Stellenweise weiß man bei der Lektüre aber nicht, ob der jeweilige Autor die Zukunftsszenarien selbst glaubt oder eher die Leser/innen einschüchtern möchte. Rohrmoser formuliert sehr geschickt im Potentialis: Auch „relativ bedeutungslose Vorgänge“... „könnten den Keim zu dem enthalten, was einmal als eine Art Bürgerkrieg offen ausbrechen kann“.

Weniger zurückhaltend warnt Herausgeber Stefan Etzel vor „den sich abzeichnenden Bürgerkriegen in den Ballungsräumen Europas“. Andere Verfasser/innen gehen in ihren Fantasien viel weiter. Rosendorfer polemisiert: „...wenn unsere Gutmenschen weiterhin abwiegeln ... wird jedes Kreuz, das öffentlich sichtbar ist, zuletzt jede Frau, die nicht durch eine Burka verunstaltet ist, eine Beleidigung des Islam und damit nicht politisch correct und also quasi verboten sein. Wir schlittern in den Islam hinein“.

Für Giordano ist „die Furcht vor einer schleichenden Islamisierung unseres Landes (...) nur zu begründet“. Falsche Nachsicht und falsches Entgegenkommen reiche „bis in den Versuch, Teile der Scharia in die deutsche Rechtssprechung einzuspeisen“. Eine Lehrerin malt noch viel Schlimmeres als „unsere Zukunftsperspektive“ an die Wand, nämlich „eine Kopfsteuer für Christen und Juden“. „Die islamische Kolonialisierung Europas schreitet fort“, so scheinbar ihre tatsächliche Befürchtung. Denn: „Die Pro-Islam-Lobby sitzt im Innern der Demokratie“. Sie erwähnt Bürgermeister, die den Bau von „Mega-Moscheen“ protegieren. Ein pädagogischer Kollege von ihr sieht die Gefahr für Europa in der „Islamisierung auf leisen Sohlen“. Er verweist auf die Geburtenrate der Muslime und die Eroberung des öffentlichen Raumes (Großmoscheen, etcetera).

Ähnliche Strategien der „dritten Angriffswelle“ hat ein anderer Lehrer entdeckt: Einwanderung, Vermehrung, Infiltration, Netzwerkbildung, Terror . Er spricht von „der dritten Expansionswelle des Islam“ nach den Sarazeneneinfällen und den Türkenkriegen und sieht eine kontinuierliche globale Ausbreitung seit Gründung der Muslimbruderschaft 1928. Für ihn ist der Kampf „für das Christentum bereits verloren“.

Klaus Rainer Röhl denkt eher an militärische Mittel und fragt, was nach 9/11 noch auf uns zukommen könnte: „Mini-Atombomben? Chemische Waffen, Bakterienkrieg?“. Auch er stellt sich und den Lesern die Frage, „ob wir eines Tages ‚Schutzbefohlene’ des Islam werden wollen“. Solche Wahnvorstellungen lassen jeden Sinn für die realen weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Machtverhältnisse vermissen.

Angst vor Überfremdung

Die Angst vor Überfremdung erklärt sich, wie gesagt, aus dem meist konservativen, rückwärtsgewandten Welt- und Gesellschaftsbild. So wittert eine Verfasserin „Gefahr für unser Abendland“ und fordert „die Rückbesinnung auf eigene traditionelle Werte“. Mit Doehring wollen die meisten Verfasser/innen an „der christlich-abendländisch gewachsenen Kulturordnung“ festhalten. „Selbstverständigungsdiskurse“ unter Einbezug zugewanderter Minderheiten im Sinne von Habermas kämen für sie nicht in Frage. Überwiegend findet man in dem Band auch implizit oder explizit ein ethnisches Nationverständnis zu Grunde gelegt. Die Reform des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts, mit der man endlich vom Abstammungsprinzip abgerückt ist, wollen die Verfasser/innen nicht zur Kenntnis nehmen.

So tadelt Rohrmoser die Bundeskanzlerin für die Erklärung, sie sei „auch für die Andersstämmigen“ Kanzlerin. Er könne sich nicht vorstellen, dass in einem anderen Land der Premier „sein eigenes Volk... gleichzusetzen wagt mit einer ethnischen Partikulargruppe unter anderen“. Ein Autor sieht für uns nur dann eine Zukunft, „wenn die deutsche Nation sich als homogenes Kollektiv mit einer klar konturierten, im Kern traditionellen Leitkultur entwickelt“.

Gar ein völkisches Nationverständnis verrät ein Paul Gottfried, College-Professor in den USA, mit seiner knappen Gegenüberstellung von zwei Demokratiebegriffen. Er unterscheidet „eine bevormundende, staatlich aufgezwungene und eine aus einem einheitlichen Volk entstehende und durch Volksentscheid gesteuerte“ Demokratie. Bei ersterer bestehe die Tendenz, „das Eingewurzelte und Tradierte zu verdrängen“ durch „eine unbegrenzte Toleranz gegenüber dem Wesensfremden“. Der Verfasser setzt unter Berufung auf die Verfassungslehre von Carl Schmitt die „Volksgemeinschaft“ mit einem bewussten „Volkswillen“ voraus.

Was empfehlen die Verfasser/innen nun angesichts der drohenden Gefahr außer der Rückbesinnung auf die traditionellen Werte? In dieser Hinsicht sind sich übrigens einige nicht mehr sicher, ob dies in der Postmoderne noch möglich ist, ob der ‚Werteverfall’ noch zu stoppen ist. Der Staatsrechtler Doehring sieht im Fall des Islam Grenzen der Religionsfreiheit gegeben, ebenso eine Juristin, die eine „Beschränkung der Glaubensfreiheit“ befürwortet und legitimiert, indem sie das grundgesetzlich verankerte Recht ausschließlich als „Abwehrrecht“ gegen religiösen Zwang interpretiert. Wiederholte Forderung: keine Moscheen, zumindest keine Großmoscheen!

Auch islamischer Religionsunterricht wird abgelehnt, statt dessen „kritische Aufklärung über den Islam“ gefordert. Bei den im Band vorgetragenen Auffassungen kann man sich denken, was damit gemeint ist. Schließlich wird die Beschränkung von Einwanderung und Einbürgerungen postuliert. Bei Einbürgerungsanträgen von Muslimen hält der Staatsrechtler Doehring Misstrauen für angebracht. Der Herausgeber Etzel verlangt ein „fünfjähriges Moratorium für muslimische Zuwanderung“ und eine Debatte über einen neuen Integrationsbegriff, was man wohl im Sinne einer Schließung der Festung Europa deuten darf. Ebenso fordert der Jurist Schumacher ein Plebiszit über Zuwanderung und letztlich eine Einwanderungsbeschränkung.

Rückwanderung statt Integration

Rolf Stolz von den Grünen hält sogar „Rückwanderung“ für eine Lösung, was nichts anderes heißen kann als Zwangsremigration oder Abschiebung. Diese befürwortet ganz offen eine Anwältin für jeden, „der mit der hiesigen Lebens- und Denkweise... nicht zurechtkommt bzw. diese ablehnt. Der Theologe Winter plädiert für eine bevölkerungspolitische Weichenstellung („z. B. die verheerende Abtreibungspraxis aufgeben“), „damit nicht unser Grundgesetz durch die Scharia abgelöst wird“.

Nicht alle Beiträge des Bandes sind so kurios realitätsfern bis rassistisch. Es gibt rund fünf andere, ernstzunehmende, in denen zum Teil auch korrigiert wird, was in den übrigen Texten behauptet wird, zum Beispiel dass die Ausbreitung des islamischen Herrschaftsbereichs immer schon mit Unterdrückung und eifernder Missionierung verbunden gewesen sei oder dass Selbstmordattentate islamtypische, ausschließlich religiös-fundamentalistisch motivierte Handlungen seien.

Diese Texte lohnen immerhin eine Auseinandersetzung. Sie genügen wissenschaftlichen Ansprüchen durch eindeutige Fragestellung und Methode sowie durch Begründung und Beleg von Aussagen. Zu nennen ist hier der Beitrag des Theologen und kirchlichen Häretikers Hubertus Mynarek, der allen monotheistischen Offenbarungsreligionen, speziell den drei abrahamitischen, repressive Tendenzen aufgrund ihrer Ausschließlichkeitsansprüche attestiert. Er geht zwar mit dem Islam besonders ins Gericht, aber er vermeidet die verbreiteten Analogien zur christlichen Lehre, die zu fatalen Missverständnissen führen.

Thomas Junker, Wissenschaftshistoriker, ist der Autor, der die Sicht auf Selbstmordattentate zurechtrückt und der auch „aktuelle politische Ursachen“ für die Stärkung des politischen Islam wahrnimmt, vor allem die Unterstützung durch den Westen „aus kurzsichtigem politischem Kalkül“. Der Islamwissenschaftler Tilman Nagel fragt: „Kann es einen säkularisierten Islam geben?“ Er fokussiert seine Interpretation auf die muslimischen Vorstellungen von Individuum, Gesellschaft und Staat. Auf deren Basis ist nach ihm Säkularisierung im westlichen Verständnis eigentlich unmöglich. Diese könne von Muslimen nur billigend in Kauf genommen oder uminterpretiert werden, wenn sie nicht verworfen wird.

Bündnis gegen den Islam

Siegfried Kohlhammer setzt sich kritisch-hermeneutisch mit den Schriften von Tariq Ramadan auseinander, der einen Euro-Islam propagiert, aber aus Sicht Kohlhammers fundamentalistische Positionen vertritt. Der Ethnologe Thomas Bargatzky greift auf das Konzept der „Aufstiegsassimilation“ zurück, also die Anpassung an die jeweils prestigeträchtigeren Ethnien, und hat kein Problem mit Deutschen türkischer Herkunft, wobei offen bleibt, ob er diesen auch ein muslimisches Selbstverständnis zubilligen würde.

An dem Band irritiert nicht nur das Nebeneinander von Texten so unterschiedlicher Qualität. Es verwundert auch die seltsame Koalition zwischen eindeutig rechten und zumindest dem eigenen Anspruch nach liberalen, der Aufklärung verpflichteten Positionen. So dürften eigentlich Geister wie Ralph Giordano, die höchst sensibel auf jede Tendenz zum Antisemitismus reagieren – ein anderer Autor in dem Band ist Michael Miersch, früherer Koautor von Henryk Broder – nicht mit Vertretern völkischen Gedankenguts an einem Strang ziehen, möchte man meinen.

Aber wie ein Blick auf die Niederlande zeigt, ist das Bündnis von Liberalen und Rechten im Kampf gegen den Islam, vielleicht besser: die Verwirrung der Geister in diesem Kampf, scheinbar eine neue Konstellation, die Wachsamkeit verdient. Dies gibt dem vorliegenden Band exemplarischen Charakter und ist ein Grund, auf ihn aufmerksam zu machen. Lesen muss ihn niemand, nur wer die hier vorgetragene Einschätzung überprüfen möchte.

Gegen die feige Neutralität. Beiträge zur Islamkritik. Armin Geus & Stefan Etzel (Hg.). Basilisken-Presse im Verlag Natur & Text, Marburg 2008, 275 S., 24

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14:40 25.08.2009

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