Mark Weisbrot
Ausgabe 1514 | 23.04.2014 | 06:00 29

Der Gucci-Aufstand

Venezuela Steht das Land wegen der Proteste gegen die Regierung bald vor dem Kollaps? Der „Guardian“ wollte sich ein Bild machen und schickte einen Reporter nach Caracas

Der Gucci-Aufstand

Fotos: Leo Ramirez/ AFP / Getty Images

Bilder verfälschen die Realität. Videosequenzen, selbst unbewegte Abbildungen können sich tief ins Bewusstsein der Menschen einbrennen, ohne dass die es überhaupt merken. Ich hielt mich selbst eigentlich für immun gegen die immer wiederkehrende Beschreibung Venezuelas als kriselnder, gar scheiternder Staat, dessen Bevölkerung aufbegehrt. Doch ich war nicht vorbereitet auf das, was es gerade in Caracas zu erleben gibt: Wie wenig das tägliche Leben von den Protesten betroffen und wie groß die Normalität ist, die in weiten Teilen der Stadt herrscht. Auch ich hatte mich von den Medienbildern blenden lassen.

Wenn darüber berichtet wurde, dass sich die Armen nicht an Aktionen der rechtsgerichteten Opposition beteiligen, so ist dies untertrieben: Es sind nicht nur die Armen, die nicht mitmachen. In Caracas liefern sich nur in einigen wenigen reichen Vierteln wie Altamira Gruppen von Demonstranten nächtliche Schlachten mit den Sicherheitskräften und werfen Steine oder Brandbomben oder beides.

Läuft man aus dem Arbeiterbezirk Sabana Grande ins Zentrum, fehlt es an äußeren Zeichen, die bezeugen, dass Venezuela vor dem Kollaps steht und die Organization of American States (OAS) intervenieren sollte, wie es US-Außenminister John Kerry verlangt. Erste Barrikaden sehe ich in Los Palos Grandes. Hier wohnen Besserverdienende, von denen die Protestierenden hofiert werden. Jeder Versuch, die Barrieren zu entfernen, wird von den Anwohnern behindert und kann gefährlich werden: Man erzählt, es seien bereits Menschen erschossen worden, die versucht hätten, Absperrungen wegzuräumen. Doch selbst hier geht das Leben weiter. Am Sonntag ist der Parque del Este voller Familien und Jogger. Vor Hugo Chávez musste man hier Eintritt zahlen. Die Anwohner seien enttäuscht gewesen, als die weniger gut Betuchten plötzlich durch die Anlagen flanierten, erfahre ich.

Mein Trip ist nur kurz, erlaubt aber einen Realitätsabgleich. Was ich sehe, lässt mich an der Behauptung zweifeln, ein sich stetig verschärfender Mangel an Nahrungsmitteln und Gebrauchsgütern sei der Grund für die Unruhen. Diese Angebotslücken treffen besonders die arme und arbeitende Bevölkerung. Die Bewohner von Vierteln wie Los Palos Grandes und Altamira, in denen ich Zeuge von Protesten bin, haben Bedienstete, die sich für sie anstellen. Sie verfügen über das Einkommen wie auch den Platz, Vorräte zu lagern.

Das Milliarden-Geschenk

Diesen Leuten geht es nicht schlecht – im Gegenteil. Ihr Einkommen ist gestiegen, seit Chávez 2004 die Ölindustrie verstaatlichen ließ. Die Regierung macht ihnen teure Geschenke: Jeder Kreditkarteninhaber – die Armen also ausgenommen – hat pro Jahr Anspruch auf 3.000 Dollar zu einem subventionierten Wechselkurs. Diese Devisen lassen sich derzeit für das Sechsfache des Kaufpreises veräußern. Mit anderen Worten, die ohnehin schon Privilegierten erhalten jährlich einen mehrere Milliarden Dollar schweren Zuschuss. Und dennoch boykottieren sie „das System“?

Dass die innere Konfrontation zum Klassenkampf neigt, stand selten infrage. Derzeit gilt es mehr denn je. Die Zeremonie, mit der am 5. März des Todes von Hugo Chávez vor einem Jahr gedacht wurde, versammelte Zehntausende aus der Arbeiterschicht. Teure Designer-Mode oder 300-Dollar-Schuhe sah man nicht. Was für ein Kontrast zum aufbegehrenden Establishment von Los Palos Grandes. Dort prangt auf einem 40.000-Dollar-Jeep der Slogan des Augenblicks: SOS VENEZUELA!

Außenminister John Kerry weiß, auf welcher Seite er steht. Als ich in Caracas bin, schießt er gerade von Washington aus Salven gegen Staatschef Maduro ab und wirft ihm vor, eine „Terrorkampagne gegen die eigene Bevölkerung“ zu führen. Deshalb müssten laut Interamerikanischer Demokratiecharta der OAS Sanktionen verhängt werden. Es ist Kerry vielleicht entgangen: Nur Tage vor seiner Drohung verwarf die OAS eine Resolution seines Landes gegen Venezuela, und 29 von 34 Mitgliedsländern erklärten sich „solidarisch“ mit Maduro. Nur Panama, Grenada, Honduras und Kanada stellten sich an die Seite der USA. Artikel 21 der OAS-Demokratiecharta bezieht sich übrigens auf die „verfassungswidrige Störung der demokratischen Ordnung eines Mitgliedsstaates“, etwa den von Washington legitimierten Militärputsch im Sommer 2009 gegen den gewählten Präsidenten Manuel Zelaya von Honduras.

Staatspapiere im Aufwind

Kerrys „Terrorkampagnen“-Rhetorik ist realitätsfern, denn die Wahrheit in Sachen „innerer Terror“ lautet: Seit Beginn der Proteste sind in Venezuela mehr Menschen durch Gewalt von Demonstranten ums Leben gekommen als durch Sicherheitskräfte. Laut Center for Economic and Policy Research (CEPR) starben im März sieben Venezolaner durch teils monströse Hindernisse, die von Demonstranten aufgebaut worden waren. Ein Motorradfahrer wurde durch einen über die Straße gespannten Draht enthauptet. Zudem starben fünf Nationalgardisten.

Was die Gewalt der staatlichen Ordnungsorgane betrifft, hat die Polizei mindestens drei Opfer zu verantworten – zwei Demonstranten und einen Pro-Regierungsaktivisten. Oppositionspolitiker bringen die Regierung mit drei weiteren Todesfällen in Verbindung, doch in einem Land, in dem pro Tag im Schnitt 65 Morde begangen werden, ist definitive Klarheit schwer zu haben. Nur so viel steht fest – es warten 21 Polizisten wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens auf ein Verfahren. Für eine „Terrorkampagne“, wie Kerry meint, spricht das nicht.

Tatsächlich ist eine ökonomische Stabilisierung in Sicht. Im März sank der Dollarpreis auf dem Schwarzmarkt drastisch, als die Regierung einen marktbasierten Wechselkurs einführte. Staatsanleihen brachten von Mitte Februar bis Mitte März durchschnittlich 11,5 Prozent Rendite, die höchste im Bloomberg Dollar Emerging Market Bond Index. Für die Opposition keine erfreulichen Indikatoren, auch weil sich bis zur nächsten Wahl – dem Parlamentsvotum Ende 2015 – die Versorgungslage entspannen und die Inflation abgeflaut sein dürfte. Auch hat die Taktik des permanenten Aufruhrs einen Nebeneffekt: Gegnerischer Druck eint die Chavisten.

Mark Weisbrot ist Guardian -Kolumnist 

 

Übersetzung: Zilla Hofman

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 15/14.

Kommentare (29)

Hans Springstein 23.04.2014 | 13:52

Das ist doch mal was: Auch ich hatte mich von den Medienbildern blenden lassen.

Wenn darüber berichtet wurde, dass sich die Armen nicht an Aktionen der rechtsgerichteten Opposition beteiligen, so ist dies untertrieben: Es sind nicht nur die Armen, die nicht mitmachen. In Caracas liefern sich nur in einigen wenigen reichen Vierteln wie Altamira Gruppen von Demonstranten nächtliche Schlachten mit den Sicherheitskräften und werfen Steine oder Brandbomben oder beides.

Besser lassen sich die Revolutions- und Protestlegenden westlicher Medien und ihrer politischen Auftraggeber und ihrer Nachplapperer, die sie immer in und aus Ländern, die sie noch nicht oder nicht mehr kontrollieren, in die Welt setzen, nicht dementieren. Danke!

madi 24.04.2014 | 10:52

Danke, Freitag, für diesen Text. Das deckt sich auch mit den Berichten, die ich von venezolanischen Freunden bekomme. Die Schreckensbilder, welche die Opposition malt und die Agenturen und Korrspondenten an die hiesigen Medien weiterreichen, haben nichts mit der Realität zu tun.

Mein Eindruck ist, dass die wirtschaftliche Situation im letzten Jahr schwieriger geworden ist – vor allem durch die falsche Währungspolitik, die ein Anreiz zum Betrug bietet –, aber insgesamt geht es den Venezolanern deutlich besser als vor zehn Jahren und auch besser als den Menschen in den meisten Nachbarländern....

"Gucci-Aufstand" trifft das Problem genau! Hier ausführlich beschrieben:

Rechte in linkem Gewand

Magda 24.04.2014 | 13:11

Besser lassen sich die Revolutions- und Protestlegenden westlicher Medien und ihrer politischen Auftraggeber und ihrer Nachplapperer, die sie immer in und aus Ländern, die sie noch nicht oder nicht mehr kontrollieren, in die Welt setzen, nicht dementieren. Danke!

Genau. Das ist das Problem - überall. Was ist Wirklichkeit und was ist medial inszenierte Wirklichkeit. Überall auf der Welt, nicht nur bei "westlichen Medien".

myland 27.04.2014 | 09:00

Vor 2 Monaten war ich in Venzueala, 4 Wochen lang.

Ich muss sagen, dass ich mich aeusserts schwer tat, die Grundnahrungsmittel zu finden, einige gabe es gar nicht. Ich war in den verschiedenen Stadtteilen, ob reich oder arm. Die Laeden sind praktisch leer.

Was nicht minder beaengstigend ist, ist die Tatsache, dass ich fuer meine alte Mutter keine Medikamente gefunden habe. Mein Schwager hat akute Herzprobleme, auch er kann die verschriebenen Medikamente nicht finden.

Vielleicht sollten die Leser dieses Artikels auch wissen, dass der Autor ein Intimfreund von Chaves ist/war. Viele Bilder zeigen ihn in innig an der Seite vom verstorbenen Leader.

Meine Frau wurde zweimal auf der Strasse beraubt, einmal mit vorgehaltener Pistole, einmal mit einem Messer. Fuer ein paar Bolivar und ein Handy. Viele Freunde wurden genauso ausgeraubt, die Banditen halten neben dem Auto an und fordern die Rausgabe aller "Wertgegenstaende". Man muss nicht reich sein, es werden alle Leute bedroht.

65 Morde pro Tag, da sollte sich auch der Autor ein paar Gedanken machen, ob er mit seinem Artikel Menschen informieren will, kann oder darf, welche die wirkliche Lage im Land nur aus der Presse kennen. Und damit auch glauben, was ihnen in Schriftform oder Video vorgesetzt wird.

Ich bin kein Freund der USA, im Gegenteil! Z.B. ekelt es mich beinahe an, wie Propaganda fuer die "Regierung" in Kiev gemacht wird und versucht wird, einen Keil zwischen Europa und Russland zu schieben. Man sollte jedoch unterscheiden koennen und sich selbst ein moeglichst objektives Bild machen.

P.G.

antje neumann 27.04.2014 | 10:02

Warum nur lesen sich diese Beschwerden hier über Venezuela, (keine Grundnahrungsmittel, keine Medikamente für die arme alte kranke Mutter - natürlich, darunter geht's nicht - und Überfälle nebst einem persönlichen Angriff auf den Autoren - der natürlich weder beweisbar, noch widerlegbar ist) wie eh und je, wenn es ein Land bzw einen Autoren zu diskreditieren gilt?

Rs werden immer die gleichen Knöpfe gedrückt. Und auch immer gleich alle auf einmal. Damit die Tränendrüsen auch wirklich sicher angeregt werden.

Ich mein, es ist ja nicht ausgeschlossen, dass etwas davon zutrifft. Aber alles auf einmal, und dazu der Griff tief in die Kiste der unbeweisbaren Vorwürfe, die es immer gibt - das halte ich für ein Fake. Dh einen Troll-Beitrag. Zumal sich der Kommentieren extra für diesen neu angemeldet hat hier.

tlacuache 27.04.2014 | 11:02

Hach bin ich wieder faul heute, kleine Googleuebersetzung:

..."Los manifestantes, acompañados por dirigentes políticos, entre ellos la diputada desaforada María Corina Machado, se movilizaron entre los municipios de Chacao y Baruta, bajo el control de la oposición, donde expresaron su rechazo a una reforma educativa que emprende el gobierno."...

Schnelluebersetzung:
..."Die Demonstranten, von den politischen Führern, darunter die Kongressabgeordnete Maria Corina Machado empörend verbunden sind, bewegt sich zwischen den Gemeinden Chacao und Baruta, unter der Kontrolle der Opposition, wo sie ihren Widerstand gegen die Bildungsreform von der Regierung unternommen ausgedrückt"...

Vielleicht ist sie ja die neue demokratische Hoffnung Venezuelas, ich gönne es dem Land, aber solche Fotos machen mich doch eher skeptisch...

http://www.patriagrande.com.ve/wp-content/uploads/2011/04/Maria-Corina-Bush.jpg

(2005)

Leo 27.04.2014 | 11:50

"Diesen Leuten geht es nicht schlecht – im Gegenteil. Ihr Einkommen ist gestiegen, seit Chávez 2004 die Ölindustrie verstaatlichen ließ. Die Regierung macht ihnen teure Geschenke: Jeder Kreditkarteninhaber – die Armen also ausgenommen – hat pro Jahr Anspruch auf 3.000 Dollar zu einem subventionierten Wechselkurs. Diese Devisen lassen sich derzeit für das Sechsfache des Kaufpreises veräußern. Mit anderen Worten, die ohnehin schon Privilegierten erhalten jährlich einen mehrere Milliarden Dollar schweren Zuschuss. Und dennoch boykottieren sie „das System“?" Und dass die ohnehin schon Privilegierten von einem vermeintlich "sozialistischen" System auch noch Zuschüsse erhalten ist jetzt als positiv zu bewerten, oder was? Dass die doch alle gar nicht so böse mit den Reichen sind? Was stellen DIE sich denn ausgerechnet so an. Und die Armen, ja die Armen sind doch eigentlich ganz zufrieden, dürfen sie doch jetzt in Parkanlagen in die sie früher nicht durften. Also bitte liebe Venezolaner, haltet doch bitte die Füße still! Das System funktioniert doch! Wer Geld hat kann sich ja ohnehin aus seinem "sozialistischen Schicksal" freikaufen und wer keins hat hat ja auch keine höheren Ansprüche. Alles gut, oder? Und solange die Regierung für "die Armen" immer mal wieder subventionierte Kredite für Fernseher springen lässt oder Laptops verschenkt sollten wir doch bitte alle einfach mal zufrieden sein. #Ironie

Leo 27.04.2014 | 11:58

Nachtrag: "Laut Center for Economic and Policy Research (CEPR)..."

Lieber Herr Weisbrot, wenn Sie sich schon so stark persönlich in den Artikel einbringen, wäre es nicht ehrlicher gewesen zu schreiben: "Laut Studien des Centers das ich selbst in Washington betreibe..."?? Gehört so etwas nicht auch zu einem gewissen journalistischen Ehrenkodex?

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Ehemaliger Nutzer 27.04.2014 | 12:46

"Also bitte liebe Venezolaner, haltet doch bitte die Füße still! Das System funktioniert doch!"

Welche eine Arroganz!

Mein Vorschlag, machen Sie einmal einen Urlaub in Venezuela und schauen Sie sich an, in welchem Zustand sich das Land mit den sechstgrößten Ölvorkommen der Welt befindet. (Vergleichen Sie danach einmal, wie die Menschen in den 5 Öl-Ländern in der Rangliste davor leben.)

Aber passen Sie auf sich auf!

Noch in den späten 80er Jahren hat man bei Kontinentübergreifenden Studien zur Kriminalität gerne auf Venezuela verzichtet, weil dort statistsch Relevantes praktisch nicht anzutreffen war. Das sieht heute ein bisschen anders aus. (Nicht alles die Schuld von Chavez, doch in einem bestimmten Umfang schon.)

Dann sehen Sie sich einmal die Vorsorge der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Arznei und die Infrastruktur des Landes an.

Möglich, dass Sie dann Ihre Großspurigkeit vergeht.

tlacuache 27.04.2014 | 13:49

..."Venezuela hat weltweit die groessten Oelvorkommen"...

Das ist genau der Haken an der Geschichte von Venezuela, es gab und gibt überhaupt kein Interesse dass sich Venezuela und andere vergleichbare Länder stabilisieren, mal so aus londoner Docklands und Wall - Street betrachtet.

1821 zich war schon wieder die Barclays Bank und/oder andere aus London, Paris oder Washington da und hat fette Kredite vergeben, allerdings nicht gerade zu guten Konditionen, aus Sicht der Kreditnehmer...

Die Durchschlagskraft ist bist heute zu bewundern.

Stichwort Monroe-Doktrin

;-)

tlacuache 27.04.2014 | 14:14

..."Noch in den späten 80er Jahren hat man bei Kontinentübergreifenden Studien zur Kriminalität gerne auf Venezuela verzichtet, weil dort statistsch Relevantes praktisch nicht anzutreffen war. Das sieht heute ein bisschen anders aus. (Nicht alles die Schuld von Chavez, doch in einem bestimmten Umfang schon."...

Najö,

..."En 1979, Luis Herrera Campins es investido como Presidente. Inauguró múltiples instalaciones culturales y deportivas. Aunque los ingresos petroleros siguieron en alza, no pudo impedirse el endeudamiento en las finanzas internacionales, forzando el apego a los dictámenes del FMI. En 1983 se devaluó el bolívar en el Viernes Negro, desatando una fuerte crisis económica. En el gobierno de Jaime Lusinchi, se haría poco para contrarrestarla. La corrupción se incrementó y la política económica mantuvo la línea rentista. Por otra parte, en 1987 el Incidente de la Corbeta Caldas generó uno de los mayores momentos de tensión internacional con Colombia, debido a la disputa por la soberanía sobre golfo de Venezuela entre ambas naciones.
Carlos Andrés Pérez es nuevamente elegido en 1988 y durante su mandato buscó solventar la recesión al adoptar medidas que originaron grandes protestas sociales, la más grande siendo el Caracazo de 1989. Ese mismo año tuvieron lugar las primeras elecciones directas de gobernadores y alcaldes regionales. Posteriormente se produjeron dos intentos de golpe de Estado en febrero y en noviembre de 1992, y Pérez fue finalmente destituido por el Congreso en 1993. Octavio Lepage fue Presidente provisional por pocos días, hasta que el historiador y parlamentario Ramón José Velázquez fue designado como interino"...

Da hat natürlich nur Chávez dran Schuld...

Dass die Unabhängigkeit Venezuelas von der Capitanía de nueva España eigentlich nur geschuldet ist weil Napoleón Bonaparte in Madrid 1808 einmarschiert ist, seinen Dummbatz von Bruder da hingesetzt hat und mit Preussen und Russland beschäftigt war ist Ihnen sicher bekannt.

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Ehemaliger Nutzer 27.04.2014 | 17:18

Mein lieber Ttlacuache,

ich verstehe nicht, wofür Sie das Zitat hier anführen. Es besagt letztlich nicht anderes als dass es auch vor Chavez politische Instabilität in Venezuela gegeben hat. Habe ich das bestritten?

Wollten Sie aber tatsächlich einmal die politische und ökonimische Situation (plus Kriminalitätsrate) in dem Land mit den jetzigen Verhältnissen vergleichen, so dürfte Ihnen auffallen, dass es da heute schon sehr sehr trübe aussieht.

Ich denke, wir könnten uns viele Meinungsverschiedenheiten sparen, wenn man einmal verstehen würde, dass politsche Führer in Lateinamerika nicht so einfach in ein Links/ Rechts-Schema eingeordnet werden können.

Chavez besitzt die Züge eines typischen lateinamerikanischen Führertypus, der am besten mit dem schlichten Begriff des Populisten beschrieben werden kann. (In dieser Reihe finden sich ganz viele, an prominentester Stelle Peron)

Man braucht sich dafür nur seine TV-Sendung anzusehen und erhält genügend Anschauungsmaterial.

Hinter dem so treuherzig für seine Landsleute sorgenden TV-Präsidenten stand in Wirklichkeit immer der Machtmensch, der seiner (neuen) korrupten Bewegung, die er selbst geschaffen hat, Tribut zu liefern hat. (Dass seine ehemals arme Familie im Reichtum schwimmt, ist ebenfalls nicht verwunderlich.)

Mit einer Demokratie in europäischem Verständnis haben die Verhältnisse unter Chavez und seinem Nachfolger nicht viel zu tun. Im Gegenteil. Chavez hat für eine brutale Spaltung der Gesellschaft gesorgt, die sich jetzt rächt.

Es ist keinesfalls so, dass alle Gegner von Chavez "Gucci" tragen.

Unter diesen befindet sich eine große Anzahl von Menschen, die von der Misswirtschaft und der Korruption ihrer Führung noch nicht aus dem Land geflüchtet ist (weil sie es sich finanzielle nicht leisten konnte.)

Dass man hier in Europa glaubt, in Chavez die Linke verteidigen zu müssen, ist ein Missverständnis, das nur der Entfernung und dem mangelnden Wissen um die Verhältnisse geschuldet ist.

(Oder der Sehnsucht nach einem neuen starken Mann aufseiten der Linken - hier hat es ja in der Vergangenheit schon einige Missverständnisse gegeben.)

tlacuache 27.04.2014 | 17:31

..."Ich denke, wir könnten uns viele Meinungsverschiedenheiten sparen, wenn man einmal verstehen würde, dass politsche Führer in Lateinamerika nicht so einfach in ein Links/ Rechts-Schema eingeordnet werden können"...

Richtig.

..."Dass man hier in Europa glaubt, in Chavez die Linke verteidigen zu müssen, ist ein Missverständnis, das nur der Entfernung und dem mangelnden Wissen um die Verhältnisse geschuldet ist"...

Auch da gebe ich Ihnen Recht.

Und wenn einer meint, auch ein Mark Weisbrot, er hätte im entferntesten Ahnung von Lateinamerika, sollte sich mal "El laberinto de la soledad" von Octavio Paz im Original auf Spanisch reinziehen, Erstausgabe 1950 nebenbei, und da ist in 64 Jahren nicht viel passiert.

Es gibt in Lateinameria kein "Links" oder "Rechts", nur Interessenfäden.

Gruss Hunter, damit haben wir das auch mal ausgeräumt...

Leo 28.04.2014 | 07:26

@Hunter & @Myland

Es scheint Ihnen entgangen zu sein, dass mein Text ironisch geschrieben ist (daher auch am Ende der #Ironie). Ich kritisiere damit die Arroganz derjenigen die ja offensichtlich der Meinung sind in Venezuela sei alles gar nicht so schlimm. Der Meinung bin ich nicht!! Also, meine Kommentare bitte nochmal lesen, bis zu Schluss!!

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Ehemaliger Nutzer 28.04.2014 | 16:18

Er funktioniert halt mal nicht - der praktizierte, früher nannte man ihn zutreffender, real-existierende, Sozialismus. Ob nun Chavez oder Maduro, beide haben es nicht vermocht, Venezuela erfolgreich aus Armut, Korruption und Kriminalität zu führen. Ein Eingeständnis des eigenen Versagens wäre da viel hilfreicher, als das ständige Schuldzuweisen in Richtung USA, frei nach dem Motto: an uns kann es ja nicht liegen.

Venezuela hätte viel Potential, das nur richtig und fair genutzt werden muss!

smukster 28.04.2014 | 22:55

Bin grad in Venezuela auf Durchreise, daher ein paar Anmerkungen:

Ja, es ist absurd, dass unpolitische Jugendliche aus der (gehobenen) Mittelschicht Strassensperren bauen und von der Polizei verfolgt werden, und ja, die Unterschicht ist weiterhin weitgehend chavistisch - und mischt sich nur sehr sporadisch ein, wie auch die Polizei die Protestierer oft in einer Weise gewaehren laesst, die in Europa undenkbar waere.

Wirklich "dramatisch" ist die Situation in keinster Weise, ein wirklicher "Aufstand" nicht in Sicht. Wenn dem so waere, wuerden sich rasch die wahren Kraefteverhaeltnisse zeigen - was in Venezuela leider oft heisst: die Bewaffnung der Kontrahenten. Denn das ist, neben der durchaus schmerzhaft vorhandenen Knappheit vieler Gueter, ein sehr reales Problem Venezuelas, das sich in den letzten Jahren offenbar verschlimmert hat. Es sind zahllose Waffen im Umlauf und es gibt eine recht geringe Hemmschwelle, diese auch einzusetzen, was wohl am niedrigen allgemeinen Bildungsgrad und der Ineffizienz der Polizei liegt.

Das Land hat sehr reale (wirtschaftliche und Sicherheits-) Probleme, und darueber koennen hohe Renditen nicht hinwegtaeuschen - und es gibt zu wenig Gruppen, die konstruktiv ueber diese reden und Loesungen propagieren. Stattdessen begeben sich beide Lager in ihre Schuetzengraeben und schliessen ihre Reihen im Kampf "wir gegen die". Der Regierung traue ich echte wirksame Reformen derzeit nicht zu, aber die Opposition hat nach wie vor nur eine Minderheit der Bevoelkerung im Blick, die Unterschicht existiert fuer sie nur als "kriminelle Banden". In der gegenwaertigen Situation haben es alternative Kraefte, etwa Basis-Chavisten, die Korruption und Ineffizienz kritisieren, natuerlich schwer...ich hoffe fuer das Land und seine Menschen, dass sich die Dinge bald bessern, bin aber auch ziemlich ratlos.

Nur wegen diesem Artikel hier 29.04.2014 | 12:09

Einige Punkte sind richtig, an anderer Stelle frage ich mich ob der Verfasser unabhängig ist. Die Regulierung des Dollars wird von der Regierung schon seit mehr als zehn Jahren durchgeführt, mit dem Hintergrund Kapital im Land zu halten. Der Wechselkurs ist mehr als schlecht. Daher gibt es neben dem offiziellen Wechselkurs den von beinah allen genutzten Schwarzmarkt-Kurs, auch weil die Herausgabe von anderen Währungen pro Person limitiert ist. Diejenigen die davon profitieren, sind lediglich Regierungsanhänger und deren Familien.

Die Straßenschlachten sind nicht in allen Teilen der Stadt...ja ach, das wurde aber auch nie behauptet. Auch in Kriegsgebieten gibt es Ruhepausen, sowie von den Auseinandersetzungen weitesgehend unberührte Stadtteile. Das kann sich aber jederzeit ändern, die Bevölkerung lebt in ständiger Angst.

Das ein Warenmangel herrscht und willkürliche Preisbildung die Bevölkerung mit alltäglichen Gebrauchsgegenständen mehr als knapp hält wurde nicht erwähnt. Das dies durch die Regierung bewusst gemacht wird, indem der Zoll Wareneingänge einfach nicht freigibt, besonders schnell verderbliche Lebensmittel solange "stehen" bleiben bis sie schlecht sind, wird auch nirgends erwähnt. Ach und hierbei ist auch interessant, dass jene Produkte sehr oft auf dem Schwarzmarkt auftauchen, also geklaut werden. Die Regierung unterstützt dies...
Das einige wenige, meist Regierungsanhänger, Vorräte aufstocken, ist meiner Meinung nach schon ein Indiz für die ungerechte Verteilung der Ressourcen. Das war auch vor den Aufständen so und ist einer der Punkte die zu den Aufständen geführt haben...

Der Artikel ist sehr denkwürdig und löste in mir leichte Aggressionen aus. Vor allem weil es die Situation in Venezuela, als von den Medien übertrieben dargestellt hat. Man stellte es sich schlimmer vor als es tatsächlich ist...wen interessiert die Wahrnehmung von Unbeteiligten, die im Ausland ab und zu Nachrichten verfolgen? Oder die Meinung einer abhängigen Reporterin...Korruption steht an der Tagesordnung.
Das Land hat keine funktionierende Wirtschaft. Das Bildungssystem wurde in diesem Jahr willkürlich geändert und die Geschichte umgeschrieben. Ja, umgeschrieben...an Schulen werden Karikaturen von Chavez und Bolivar verbreitet, auf denen sie Hände schütteln. Es wird gesagt Chavez habe die Arbeit von Bolivar zur Unabhängigkeit fortgesetzt und sogar noch besser gemacht. Warum werden dann Grundnahrungsmittel importiert, die vor 30 Jahren im Land selbst hergestellt wurden? Warum gibt es keine funktionierende Wirtschaft wegen der Regulierung der Wechselkurse womit Güter gehandelt werden könnten? Warum ist die kubanische Regierung an Entscheidungen beteiligt und erhält kostenlose Erdöllieferungen? Und warum ist ein ungebildeter Lastkraftwagenfahrer sowie seine Familie und Freunde Multimillionäre?

Sikkimoto 29.04.2014 | 18:04

>Der Artikel ist sehr denkwürdig und löste in mir leichte Aggressionen aus. Vor allem weil es die Situation in Venezuela, als von den Medien übertrieben dargestellt hat.<

Wenn es um die Desinformation in den hiesigen Medien geht reden wir über schlichte Tatsachen. Schauen sie sich die Artikel an, auf Zeit, Spiegel, oder FAZ. Unterhalb von "das Volk revoltiert" geht da gar nichts. Besonders schön war das ersichtlich, als dieses "Volk" zeitgleich mit den Unterstützern der roten Flora demontrierte. Letztere waren zu diesem Zeitpunkt zahlreicher. Trotzdem spricht man hier von Krawallschlägern und Extremisten, komischerweise nie vom "Volk". Auch schön ist die Methode Opferzahlen anzugeben im Stile von "bei Zusammenstößen mit der Polizei starben ..." Das dabei idR der größere Teil von den ach so putzigen Oppositionellen ermordet wurde, das erwähnt man nicht.

Tut mir ja leid wenn sie da nicht folgen wollen, aber der Groteil dessen, was hierzulande an Venezuelaberichterstattung zu haben ist ist lupenreine Propaganda. Da freue ich mich über jede Gegendarstellung, selbst wenn es Zweifel an der Unabhängigkeit des Verfassers gibt.

Ludwig Brunner 29.04.2014 | 22:06

"Korruption" macht sich für kein System gut und für eine Gesellschaftsordnung, welche sich "Sozialismus" schimpft, sind die Anforderungen in dieser Hinsicht per se höher, weil her staatliche Instanzen überproportionale Einflussmöglichkeiten auf die Gesellschaft besitzen und deshalb besonders argwöhnisch beäugt werden müssen.

Unterernährung und Hungertode gibt es aber auch in Staaten, deren Kaufhäuser ein reichhaltiges Angebot an Grundnahrungsmitteln aufzuweisen haben. Fehlende Kaufkraft und ein zu knappes Angebot unterscheiden sich in dieser Hinsicht nicht besonders.

Man sollte aber wohl nicht glauben, dass bei einem Regierungswechsel Hungernde automatisch satt würden und Arme zu Wohlstand kämen. Dafür gibt es auf dieser Welt viel zu viele Beispiele, welche diese These bestätigen, anstatt sie zu entkräften.