Susanne Lang, Jan Pfaff
05.09.2011 | 15:10 6

Die Leistung hat sich gelohnt

Marke FDP Wolfgang Kubicki hat mal wieder die richtigen Worte für seine Partei gefunden: Die FDP, so das Vorstandsmitglied, habe als Marke verschissen. Na, willkommen im Club!

FDP-Vorstandsmitglied Wolfgang Kubicki übernimmt in seiner Partei gerne die verdienstvollen, also eher unangenehmen Aufgaben der Politik: "Klartext reden". "Wachrütteln". "Zum Angriff blasen". Nach dem stilvollen Reißen der 5-Prozent-Hürde bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern von gestern - da wird nicht lange herumgezittert, sondern einfach mal mit drei Prozent der Stimmen alles klargemacht -, sagte Kubicki der Leipziger Volkszeitung zwar nicht, dass die Kacke am Dampfen sei, näherte sich dem aber bildlich an: Die FDP habe "kein Westerwelle-Problem, sondern ein Marken-Problem". Denn als Marke habe sie derzeit "generell verschissen". Für den Fall, dass der Fraktionschef von Schleswig-Holstein da richtig läge, können wir an dieser Stelle nur die gute alte Solidarität bemühen und beruhigen: Mit diesem Problem steht die FDP nicht alleine da!

Unsere Top-Sechs der Marken, die in Kubickis Worten schon länger "verschissen" haben, dennoch aber kompatibel für die Talkshow-Society sind:

1. FDP

Markenkern: Leistung muss sich wieder lohnen. Deswegen lässt es die ehemalige Apothekerpartei-bevor-sie-Spaßpartei-war und heutige "Brot-und-Butter"-Partei (Christian Lindner) die Butter eben auch nicht beim Untergang vom Brot nehmen und lebt den deutschen Traum auch rückwärts in aller Konsequenz: Die liberale Partei lässt es nun genauso krachen wie bei ihrem vermeintlichen früheren Totalsiegen. Das Prinzip gehört zu der Partei wie ein Brüderle oder ein Vorsitzender, der regelt, während der Rest herumsegelt.

Was lief schief: Leistung, die sich lohnt, muss quasi als Rolemodel erbracht werden. Eine Marke hat ja in der restlichen Welt nicht nur eine schöne und austauschbare Verpackung, sondern auch etwas darin Verpacktes.

Prognose: Das wird schon wieder. Fragen Sie mal Genscher ...

2. Gaddafi

Markenkern: Exzellenter Waffenabnehmer der westlichen Welt, da Waffenabnehmer mit dem besten Spin: So ein total schräger Typ, der ab und an führenden Medienhäusern Interviews in Zelten gewährt, während seine Söhne sich mit einem der wenigen offiziell neutralen Ländern dieser Erde (also beste Lieferanten für alle Waffeninteressierte) bekriegen, der Schweiz. Eigentlich könnte er aber auch eine Galerie in Berlin-Neukölln eröffnen, mit Floppydiskkunst und Überwachungsanlagenbrikolagen.

Was lief schief: Irgendwann ging das Volk auf die Straße. Zwar nicht in Libyen, aber egal, die Nato wollte sich in der Region ja schon länger mal engagieren.

Prognose: Er ist bereits unsterblich.

3. EON

Markenkern: Das Ziel von Eon ist es, "saubere und bessere Energie zu liefern", wie es auf der eigenen Website heißt. Eigentlich verkauft man aber schlicht Strom und Gas. Wo die herkommen, hat bis vor kurzem kaum jemanden interessiert. Deswegen reichte es Eon, viele rote Plakate zu plakatieren, irgendwie „neue Energie“ zu versprechen und ansonsten einfach groß zu sein. Die Aktiengesellschaft ist der größte nichtstaatliche Energiekonzern der Welt, allerdings wohl nicht mehr lange.

Was lief schief? Bis zum 11. März gingen die Geschäfte prima: Die AKWs hatten von der schwarz-gelben Regierung (damals noch mit Pro-Atom-Haltung als Teil ihres Markenkerns) die Laufzeiten verlängert bekommen, Milliardengewinne schienen garantiert. Nach Fukushima beschloss Schwarz-Gelb als Neupositionierung des eignen Markenkerns sich von der Atomkraft zu verabschieden – und es zeigte sich, dass es mit der "neuen Energie" bei Eon nicht so weit her war. Der Konzern hatte stark auf Atomstrom gesetzt. Nun versucht man, sich mit einem radikalen Sparkurs an die neuen Zeiten anzupassen. Statt wie in den vergangenen Jahren Unternehmen hinzuzukaufen, will man schrumpfen.

Prognose: "Small is beautiful", lautet wohl der neue Markenslogan. Ob sich der Energieriese aber wirklich von seinen bisher gigantomanen Expansionsplänen verabschiedet? Wahrscheinlicher ist folgende Alternative: Eon rüstet eine Million Smarts zu Elektroautos um und steigt ins Tankstellengeschäft ein – rote Tanken mit riesigen Windrädern, an denen die Kleinwagen direkt mit "sauberer Energie" aufgeladen werden. Das könnte man dann sogar als Rückkehr zum Markenkern verkaufen.

4. Opel

Markenkern: Kennen Sie diese gehäkelten Häubchen, die lange Zeit zum Straßenbild dazugehörten wie die in ihnen verhüllte Klopapierrolle auf der Rückablage des Kadett? Opel war das Auto für den Spießbürger, der nie gut aussah, aber plötzlich überall hinkam.

Was lief schief: Irgendwann wollte Opel gut aussehen und baute Autos, die besser aussahen. Aber kennen Sie einen/eine, der oder die einen Opel fährt?

Prognose: Opel wird nie sterben. Wenn diese Arbeitsplätze irgendwann wirklich abgebaut würden, hätte sich die deutsche Bundesregierung – egal welcher Couleur – abgeschafft.

5. Nokia

Markenkern: Nokia will "Leute verbinden". Der finnische Konzern begann im 19. Jahrhundert mal als Papierfabrik, stellte dann Gummistiefel und Reifen her – und stürzte sich ab den 80er Jahren auf das Handy-Geschäft. Mit 25 Prozent Marktanteil ist Nokia heute der weltweit größte Mobiltelefonhersteller. Allerdings hat man ein klitzekleines Problem.

Was lief schief? Eine Firma in Kalifornien fand es eine gute Idee neben Computern und Musikabspielgeräten fortan auch Handys zu produzieren, die keine Tasten mehr hatten, dafür aber viel mehr konnten. Nach der Einführung des iPhone wirkten "normale Handys" auf einmal wahnsinnig anachronistisch. Nokia hat die Smartphones ziemlich verschlafen – und damit auch gegen das eigene Markenversprechen von "Connecting People" verstoßen. Die wollen nämlich nicht nur telefonieren, sondern über die Facebook-App immer gleich noch ihren aktuellen Standort dazu anzeigen.

Prognose: Bei den Smartphones rennt Nokia weiter hoffnungslos hinterher, deswegen stürzt man sich auf das „Internet der Dinge“ und nutzt die konzerneigenen Ressourcen. Man baut High-Tech-Reifen und smarte Gummistiefel, die ihre Oberflächen je nach Wettervorhersage aus dem Internet verändern und außerdem miteinander kommunzieren können. Den Markenslogan ändert man kurzerhand von "Connecting People" zu "Connecting Rubber Boots". Marken-Experten kritisieren die neue Strategie allerdings als "zu schrullig finnisch".

6. Veronica Ferres

Markenkern: Die einzige Kartoffelklauberin, die direkt vom Feld als Aktmodell in die Hitlertagebüchersatire Schtonk gecastet wurde. Seither gibt sie den blonden, mehr oder weniger wohl gerundeten Star, mit eingebauter Erfolgsgarantie: Die im wirklichen Leben Einzige-Tochter eines Kohlen- und Kartoffelhändlers wusste immer, wovon sie sprach.

Was lief schief? Irgendwann saß da plötzlich die Frau vom Checkpoint Charlie im Fernsehen und weinte in den Talkrunden fast genauso sehr über das "bewegende" Schicksal der eigenen Filmrolle wie angesichts aller anderen Missstände in der Welt. Erschwerend kam hinzu, dass sich die mittlerweile engagierte Charitylady Ferres vor knapp zwei Jahren einen besonderen Lebenspartner ausgesucht hat: Finanzdienstleister Carsten Maschmeyer, der von der (ansonsten gerne mal Ferres-beauftragenden) ARD als "Drückerkönig" entlarvt wurde.

Prognose: Geweint wird immer. 

Kommentare (6)

Nietzsche 2011 05.09.2011 | 23:23

Was noch fehlt, ist der Marken-Verkäufer.
Im Falle Ostdeutschlands war dies mehrere Wahlperioden hinweg DER Verkäufer der Marke FDP - H.D. Genscher. Egal, wie die FDP als Ganzes im Osten wahrgenommen wurde (und wird) - er hat solch Renommee in Wendezeit errungen, dass seine FDP schon aus Dankbarkeit gewählt wurde (das einzige FDP-Direktmandat in Halle/Saale hat real nicht der unbekannte Kandidat Hoyer, sondern "Genschman" geholt).
Tja, und jetzt - kein Verkäufer der Marke FDP, der im Osten Vertrauen genießt.

deviant 06.09.2011 | 00:37

Weil zu Nokia noch nichts gesagt wurde: Das "Smartphone" ist eine Erfindung aus dem Hause Nokia, das erste dieser Art kam gut ein Jahrzehnt vor dem ersten iPhone auf die Welt.

Was sie meinen, ist nicht "Smartphone", sondern "Touchscreen-Handy, für das man Programme verkaufen kann, die man gar nicht selbst entwickelt hat". Diese Entwicklung kam nicht aus dem Hause Nokia, das ist wahr, aber sie ist ja auch kein "Fortschritt", sondern ein "Hype".
Der konnte aufgrund der Verfasstheit der weltweiten Medien gar nicht von Nokia kommen - da musste Steve Jobbs schon der Journaille diese Spielerei als Heiligen Gral in die Zeitungen diktieren. Der könnte der Journaille das iPhone aber auch als Brotaufstrich verkaufen und morgen fragten die Redaktionen auf den Titelseiten: "Wie könnten wir nur je ohne Handies als Brotaufstrich leben?!"

Jan Pfaff 06.09.2011 | 12:14

@deviant: Erwischt! Das erste Smartphone stammt tatsächlich von Nokia: de.wikipedia.org/wiki/Smartphone#Geschichte

Der Siegeszug der "Apps" kam dann aber erst mit dem iPhone und da hinkte Nokia dann hinterher: de.wikipedia.org/wiki/App#Geschichte

Journalisten schmieren sich aber ganz andere Dinge aufs Brot, obwohl ein iPhone-Aufstrich da sicher auch gute Chancen hätte: www.freitag.de/alltag/1135-schmeckt-das-denn