Jens Berger
23.07.2009 | 16:10 18

Die nächste Runde

Krise Für einen kurzen ­Moment sah es so aus, als ­würde der Kasinokapitalismus aus seinen Fehlern lernen. Das war ein Trugschluss

Vor nicht einmal einem Jahr stand das Finanzsystem weltweit unmittelbar vor dem Super-GAU. Nur durch staatliche Interventionen, die den Steuerzahler nach Schätzungen des IWF mindestens zehn Billionen Dollar kosten werden, konnte die Kernschmelze verhindert werden – in letzter Minute. Für einen ebenso kurzen Moment sah es danach so aus, als würde der Kasinokapitalismus aus seinen Fehlern lernen. Die Finanzakrobaten gelobten demütig Besserung, Staatschefs trafen sich, um ein neues Weltfinanzsystem zu entwerfen. Doch was ist davon geblieben?

Die Investmentbanker zocken wieder, als habe es nie eine Finanzkrise gegeben. Einige Banken vermelden Rekordgewinne und zahlen Rekordboni aus. Diesmal spekulieren sie nicht mit Schrotthypotheken, sondern mit Staatsanleihen. Mit jenem Geld also, das der Staat aufnehmen muss, um das Bankensystem vor sich selbst zu retten. Jenem Geld, das noch Generationen an Steuerzahlern mit ihrer Hände Arbeit erwirtschaften müssen. Mit Geld, das in den nächsten Jahren im Sozial-, Bildungs- und Kulturbereich eingespart werden muss. Doch wer nun über die schamlosen Banker schimpft, verkennt den Kern des Problems. Die Politik hat auf ganzer Linie versagt. Ihre Aufgabe wäre es gewesen, einen Relaunch des Kasinokapitalismus zu verhindern.

Die Angestellten der Investmentbank Goldman Sachs werden in diesem Jahr wohl im Schnitt 770.000 Dollar pro Kopf ausgezahlt bekommen – und dabei ist das Heer der schlecht bezahlten Sekretärinnen und Büroboten noch nicht einmal berücksichtigt. Banker sein lohnt sich wieder, Risiken einzugehen noch mehr. Wenn der Staat im Zweifelsfalle eingreift und die Banker gegen systemische Risiken absichert, so ist dies natürlich eine Einladung zum Zocken.

Goldman Sachs und JP Morgan konnten im letzten Quartal jeweils stolze 2,7 Milliarden Dollar Gewinne verbuchen. Auch die Deutsche Bank, die ihre Quartalsergebnisse am Mittwoch bekannt geben wird, hat Analysten zufolge im Investmentbanking wieder Rekordgewinne machen können.

Neue Regeln für die Finanzmärkte gibt es „noch“ nicht, also schnürt man schon wieder bunte, glitzernde, aber komplett intransparente Finanzinnovationen mit AAA-Rating, die wie selbstverständlich auch wieder ihre Kunden finden. Gier ist eine nur allzu menschliche Eigenschaft. Die Investmentprofis bei Goldman Sachs wollen nun auch wieder mit den toxischen Papieren, die die Krise auslösten, Geschäfte machen. Einige dieser Papiere in den Bilanzen der Banken sind wesentlich mehr wert, als es die hohen Wertabschreibungen vermuten lassen – nur weiß kaum jemand, welche Papiere dies eigentlich sind.

Verdienen an der Krise

Goldman Sachs hat da den entscheidenden Wissensvorsprung, schließlich haben die Goldmänner viele dieser „finanziellen Massenvernichtungswaffen“ selbst entworfen. Wenn aber die Mitverursacher der Krise den Markt für toxische Papiere nun ganz nach dem Motto „die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“ aufteilen, droht dem Steuerzahler ein weiterer Schlag ins Kontor, da nun die Gefahr besteht, dass die Mischkalkulation der staatlich garantierten Bad Banks nicht mehr aufgeht und der Staat schlussendlich nur auf dem hochgiftigen Finanzsondermüll sitzen bleibt.

Goldman Sachs, JP Morgan und die Deutsche Bank haben einiges gemeinsam – sie gelten als „Geschäftsbanken“ und haben somit Zugriff auf das Kreditfenster der Notenbanken und verdienen momentan prächtig an der Krise. Ein sehr lukratives Geschäft ist beispielsweise der Handel mit Staatsanleihen. Die hohe Bonität dieser Papiere erlaubt es den Investmentbanken, diese Staatsanleihen mit einem größeren Hebel aufzukaufen, das Geld dafür gibt es von den Notenbanken beinahe zum Nulltarif. Es mutet schon seltsam an – die Banken verzocken sich, der Staat muss sie auf Kosten der Steuerzahler retten und mit den Schulden, die der Staat für diese Rettung aufnehmen muss, machen die Banken Gewinne. Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass diese Gewinne nicht zur Minderung der Schulden eingesetzt werden, die den Steuerzahler auf Generationen hinweg belasten werden.

Ein weiteres lukratives Geschäftsfeld im Investmentbanking ist die Platzierung von Unternehmensanleihen und der Handel mit diesen. Da selbst solvente Unternehmen momentan Probleme haben, bei ihren Banken neue Kreditlinien ohne horrende Risikoaufschläge zu bekommen, sind viele von ihnen dazu übergegangen, selbst Schuldverschreibungen auf dem Markt zu platzieren. Die Investmentbanken kassieren dafür gleich doppelt. Zum einen erlaubt ihnen das bereinigte Marktumfeld höhere Gebühren für die Platzierung zu verlangen, zum anderen haben sie beim Handel mit diesen Papieren eine bevorzugte Position, da die Konkurrenz, die keinen Zugriff auf günstiges Geld von den Notenbanken hat, höhere Kosten für Fremdkapital einkalkulieren muss. Auch hier verdienen die Investmentbanken an der Krise, die sie selber mitverantwortet haben.

Während die Investmentbanken nicht trotz, sondern wegen der Krise wieder prächtige Renditen einfahren, schwebt das Damoklesschwert Wirtschaftskrise über dem Rest des Bankensystems. Arbeitslosigkeit, Auftragsflaute und der Einbruch des Welthandels werden dazu führen, dass viele Kredite an Privatpersonen und Unternehmen nicht mehr ordnungsgemäß bedient werden können. Das führt bei den Banken nicht nur zu Abschreibungen und Verlusten, sondern endet in einem prozyklischen Teufelskreislauf. Jeder Kredit, der nicht mehr regelmäßig bedient wird, muss mit einer höheren Risikobewertung versehen, und damit auch mit mehr Eigenkapital hinterlegt werden. Dieses Eigenkapital fehlt für neue Kreditvergaben. Ohne neue Kredite gibt es keine neuen Investitionen, und ohne neue Investitionen schrumpft die Wirtschaft weiter, was zu neuen Kreditausfällen führt. Die Investmentbanken stört dies weniger – sie verleihen kein Geld an Endkunden.

Das Fleisch der Schafe

Hätte der Staat nicht mit aller Macht und Billionen an Steuergeldern den Super-GAU des Finanzsystems verhindert, gäbe es heute auch keine Investmentbanken mehr. Hätte Washington den Versicherungskonzern AIG nicht mit 182 Milliarden Dollar vor dem Kollaps gerettet, wären sowohl Goldman Sachs als auch die Deutsche Bank die nächsten Dominosteine gewesen. Beide Banken waren Gegenparteien von AIG und hätten im Falle einer Insolvenz Milliardenabschreibungen durchführen müssen. Durch die Rettung von AIG flossen so 13 Milliarden Dollar in die Kassen von Goldman Sachs und 12 Milliarden Dollar über den Atlantik in die Kassen der Deutschen Bank. Wenn Deutschbanker Josef Ackermann sich nun rühmt, die Deutsche Bank mit einem guten Risikomanagement durch die stürmische See gelotst zu haben, so muss man ihm wohl ein hohes Maß an Realitätsverdrängung attestieren. Ohne die Rettungsmilliarden aus Washington wäre der deutsche Branchenprimus pleite.

Wer von Bankern nun aber Dankbarkeit erwartet, verkennt die Regeln dieses Spiels. Investmentbanker sind Wölfe, die sich vom Fleisch der Schafe ernähren. Kann man einem Wolf vorwerfen, dass er die Schafe reißt? Die Vorwürfe sind an anderer Stelle besser platziert. Es ist Aufgabe des Schäfers, sich darum zu kümmern, dass der Wolf nicht zum Zuge kommt. Der Schäfer ist der Staat und die Schafe sind wir alle. Auf dem Finanzmarkt hat der Schäfer allerdings nicht nur geschlafen, er hat sogar mit dem Wolf paktiert. Er hat die Weidezäune eingerissen und seinen Schäferhund an die Kette gelegt. Auch wenn der Schäfer nun vom süßen Wolfsgeheul der selbstregulierenden Märkte Abstand genommen hat, so ist weit und breit nicht zu erkennen, dass er es nun mit dem Schutz der Herde ernst nimmt.

Die wohlfeilen Worte der Regierungschefs auf den G20-Gipfeltreffen in Washington und London sind bereits verhallt. Allzu rigide Finanzmarktregulierungsvorschriften konnten durch die Lobbyisten in den Arbeitskreisen verhindert werden, während der klägliche Rest größtenteils noch nicht in Kraft ist. Das kurze Zeitfenster, in dem der Staat hätte handeln können, scheint nun wieder geschlossen.

Dabei wäre es volkswirtschaftlich durchaus sinnvoll, das Bankensystem von Grund auf neu zu organisieren. Klassische Banken, die die Wirtschaft mit Krediten versorgen sollen, haben im Finanzkasino nichts verloren. Große Investmentbanken, die munter weiterzocken, müssen zerschlagen und strenger überwacht werden. Nur so lässt sich sicherstellen, dass keine Bank „too big to fail“ ist. Leider haben die Volksvertreter aber nicht den Mut, so weit zu gehen. Nach der Krise ist vor der Krise.

Kommentare (18)

MMeester 23.07.2009 | 18:37

"Wenn aber die Mitverursacher der Krise den Markt für toxische Papiere nun ganz nach dem Motto „die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“ aufteilen, droht dem Steuerzahler ein weiterer Schlag ins Kontor, da nun die Gefahr besteht, dass die Mischkalkulation der staatlich garantierten Bad Banks nicht mehr aufgeht und der Staat schlussendlich nur auf dem hochgiftigen Finanzsondermüll sitzen bleibt."

Ich bin bereit, Wetten darauf einzugehen, daß exakt dies passieren wird. Ebenfalls bin ich bereit, darauf zu wetten, daß genau dies der Plan war, als dem Staat die sog. toxischen Papiere abgetreten wurden.

Ansonsten hat die Politik ihr Soll erfüllt: ein bisschen Show für die Öffentlichkeit, und ansonsten nicht weiter stören. Wer bei dieser ganzen Geschichte wen in der Hand hat, sollte doch mittlerweile sonnenklar sein.

Zhou er ge 23.07.2009 | 20:00

Gut gebrüllt, Wolf, ähh, ich meine, Löwe! ;-)

Herrn Ackermann allerdings "Realitätsverdrängung" (seltsames Wort!) zu attestieren, greift m. E. zu kurz. Der weiß ganz genau, was er wo wem zu sagen hat, und vor allem welche Replik er schlicht ignorieren kann.

Dazu vielleicht, wenn es gestattet ist, ein Hinweis in eigener Sache: Schau doch mal in meinen neuen Blogeintrag hier auf Freitag.de. Du kommst auch drin vor.

Baszlo 23.07.2009 | 20:16

@"Für einen kurzen ­Moment sah es so aus, als ­würde der Kasinokapitalismus aus seinen Fehlern lernen."

Na das hat er doch auch. Jetzt wird nicht mehr mit dem eigenen Geld gezockt, sondern mit dem des Steuerzahlers. Das macht Verluste erträglicher....

Und über das Bild, das die Politiker die Hirten der Herde sein sollten, um die Schafe vor den Wölfen zu schützen, kann man doch wohl nur lachen. Die Politiker sind bekanntlich Teil des Wolfsrudels!

Spiegelfechter 23.07.2009 | 21:56

Ich gebe ja zu, ich bin da Idealist ;-)

Aber das hat auch seinen Grund. Man muß unsere Mitbürger immer wieder daran erinnern, wer hier der Souverän im Lande ist. Wenn man sich allzu weit von dieser Erkenntnis entfernt, gibt man auch die gestalterische Option auf. Man muß die Politik dazu erziehen, sich wieder auf ihre verfassungsgemäße Funktion zu begeben. Zu sagen, das ist doch eh alles Kappes, ist m.E. nicht sonderlich konstruktiv ... auch wenn es sicher teilweise sogar stimmt.

Streifzug 23.07.2009 | 22:33

@Jens Berger,

Margaret Thatchers Berater Alan Budd sagte damals schon:
"Was eingefädelt wurde, war in marxistischen Begriffen eine Krise des Kapitalismus, die erneut eine Reservearmee von Arbeitern entstehen ließ und den Kapitalisten seither stets hohe Profite gestattete."
Quelle: David Harvey, Spaces of Hope

Vom gleichen Autor:
"Eine unheilige Allianz zwischen staatlichen Mächten und den raubtierhaften Aspekten des Finanzkapitals bildet den Übergang zu einem >Blutsaugerkapitalismus, dem es ebenso sehr um kannibalistische Praktiken und erzwungene Entwertungen geht wie um das Erreichen einer harmonischen weltweiten Entwicklung."

MMeester 23.07.2009 | 22:40

Spiegelfechter, mal ganz realistisch betrachtet:
wer ist denn tatsächlich der Souverän in unserem Land? Damit meine ich nicht, wer es "qua Papier" sein sollte. Ich frage, wer die Macht (das Geld?) hat, bestimmte Entscheidungen zu beeinflussen oder komplett herbeizuführen.

Weiterhin frage ich mich: kann "die Politik" (was ist das eigentlich?) überhaupt noch ihre verfassungsgemäße Funktion ausüben? Und, was eigentlich erheblich schlimmer ist: will sie es überhaupt noch?

Ansonsten durchaus idealistische Grüße. ;-)

Zhou er ge 24.07.2009 | 00:41

@Spiegelfechter: "Die Politik erziehen" - find ich gut! ;-)
Du hast natürlich völlig recht: Zu sagen, es ist alles Kappes ist die dümmste Haltung von allen. Nur leider sind die Foren voll davon. Man muss einfach begreifen, dass die Mächtigen solches Stammtischgemeckere umso leichter ignorieren können, je pauschaler und zynischer es daher kommt. Und der Atem derer, die sich hier den Frust von der Seele laden, reicht ja auch kaum darüber hinaus. Beim Wahltag werden wir's sehen. Ich würde Dir ja eine Wette darauf anbieten, aber ich wette aus Prinzip nicht.
Schönen Abend noch.

Pankefuchs 24.07.2009 | 15:34

Hat jemand was anderes erwartet?
Die Schnüre, an denen die Politiker hängen, sind ja schon bald mit bloßem Augen zu sehen.
Und oben, hinter dem schwarzen Vorhang, lachen sich die Banker kaputt.
Aber eine Wette gehe ich ein:
Im September wird der Michel wieder sein Kreuzchen an der "richtigen" Stelle machen.
Und dann gehts uns richtig an den Kragen!!!

Svepet 24.07.2009 | 18:45

Guten Tag
Der größte Diebstahl in der Geschichte der Menschheit
Er wird gerade von den Banken/Versicherungen/Ratingagenturen mit Hilfe der Regierungen durchgezogen!!! Um so mehr ich jeden Tag lese und höre, je mehr bin ich davon überzeugt.
Erst begibt man sich still und leise in eine Finanzkrise (die wenigen die gewarnt hatten wurden als Spinner oder Kommunisten beschimpft).
Als Folge der Finanzkrise, weil ja angeblich sonst das System zusammenkracht, lässt man von Regierungen Rettungsschirme spannen, immer einen neuen natürlich, bis die Staaten selbst vor dem Bankrott stehen. Weil die Staaten anfangs ja nicht drastisch die Steuern erhöhen oder die Sozialsysteme radikal zusammen streichen können, ohne das es zu Aufständen kommt, leihen sich die Staaten bei den sogenannten institutionellen Investoren über Staatsanleihen das Geld um die Rettungsschirme zu finanzieren. Natürlich mit einer Zinsgebühr!
Es gibt natürlich auch eine private Ratingagentur die diese Länder bewertet, solche Ratingagenturen die vorher jedes Schrottpapier mit tripple A bewertet haben.
Wer sind nun die sogenannten institutionellen Investoren?
Das sind Banken, Versicherungen etc. Diese machen den Löwenanteil (>90%) an der Börse aus und bestimmen damit maßgeblich die Kursentwicklungen.
Banken und Versicherungen? Das sind doch die, die gerade am laufenden Band eine Kapitalspritze nach der anderen von den Staaten bekommen, damit das System nicht zusammenbricht!
Die Staaten spannen Rettungsschirme um die Banken und Versicherungen angeblich nicht zusammenbrechen zu lassen und finanzieren das mit Geld das sie sich bei Banken und Versicherungen leihen?
Ich weis ja nicht wie andere das sehen, aber für mich ist das der größte Raub der Menschheitsgeschichte!!!
Siehe auch dieses:
Auf Kosten der Allgemeinheit: Deutsche Bank verdient an Finanzkrise 26.05.09
“Die Deutsche Bank hat mit ihrem Schwerpunkt auf Investmentbanking die Krise mitverursacht, dann durch Rettungspakete profitiert und verdient nun über das Geschäft mit Staatsanleihen auch noch an der Krise. Der Hauptgrund für den hohen Gewinn der Deutschen Bank im ersten Quartal 2009 in Höhe von 1,2 Milliarden Euro ist der Boom an Anleihen, insbesondere Staatsanleihen in Folge der staatlichen Konjunkturprogramme. Die Erträge der Deutschen Bank aus Geschäften mit Staatsanleihen stiegen um knapp 200 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro und machten damit fast die gesamten Einnahmen im Investmentbanking aus. “Das bedeutet nichts anderes als eine weitere Umverteilung von unten nach oben, von der Allgemeinheit hin zu privaten Vermögen”, sagte Silke Ötsch von der bundesweiten Attac-Arbeitsgruppe Steuern und Finanzmärkte.
Quelle: attac
Gruß
Svepet

Joerg 24.07.2009 | 19:09

Zwar haben Goldman Sachs und die Deutsche Bank von den Zuweisungen an AIG profitiert. Aber andererseits ist der Staat bei AIG selbst schuld, dass der Regulierung nicht auffiel das hier ein systemisches Risiko heranwächst. Sie haben schliesslich jahrelang blendend daran verdient alle Banken gegenüber der Finanzkrise zu versichern, man war sich dort sicher es würde nie eintreten und die Mitarbeiter wurden fürstlich belohnt. Dann trat die Finanzkrise ein und oh Schreck, diejenigen Policen von denen man dachte es würde in 100 Jahren nicht zu einem Schadensfall kommen wurden plötzlich alle fällig. Da hat natürlich der Kollaps von Lehman Brothers sehr zu beigetragen, hätte man hier an dem Punkt Lehman Brothers gerettet, wäre es womöglich für den Steuerzahler deutlich billiger gekommen.

demokratie-ist-wichtig.de 24.07.2009 | 23:38

"Kann man einem Wolf vorwerfen, dass er die Schafe reißt? [...] Es ist Aufgabe des Schäfers, sich darum zu kümmern, dass der Wolf nicht zum Zuge kommt."

Das ist der entscheidende Punkt. Diese ganze dumme Neid-Debatte, dieses ganze Manager-Gehälter-Deckeln, dieses ganz 'Schämt Euch, Ihr Reichen Leute', das geht, egal ob in Deutschland oder in den USA, vollkommen am Thema vorbei.

Banker wollen Geld verdienen. Viele andere auch. Aufgabe des Staates ist es, dafür zu sorgen, dass dieses nicht zu sehr auf Kosten anderer geschieht.

Freiwillige Selbstkontrolle hat noch nie funktioniert.

Warum auch?

mh 27.07.2009 | 11:01

dieses jonglieren der begriffe und verquickungen, ohne sie sinnvoll in eine form des zusammenhangs zu bringen, halte ich für wenig zweckdienlich. geeignet für einen artikel jedenfalls nicht.

1) es gibt immer noch investmentbanken
2) goldman sachs ist keine investmentbank mehr sondern eine geschäftsbank
3) warum das soweit erkannt wird, man dann aber trotzdem ständig von investmentbank redet .. nur logisch, wenn man polemisieren will.
4) um den status zu erhalten, muss goldman auch das bankgeschäft in diesem sinne betreiben
5) DBK und JPM haben zwar ihre investmentbanksparten, aber es ist nicht das hauptgeschäft
6) das suggestive "die vergeben keine kredite", beruhend auf dem vorwurf eines daseins als investmentbank, ist nicht nur blödsinn sondern irreführend
7) der handel mit anleihen ist weniger einträglich als es hier dargestellt wird
8) der verstärkte handel in anleihen senkt die renditen dieser anleihen, was den staaten bei der refi hilft
9) der handel in staatsanleihen ist bei weitem nicht so ausgeprägt wie es hier dargestellt wird
10) gewinne im investmentbanking stärken das EK der banken und sie sind dadurch in der lage mehr kredite zu vergeben
11) in den usa gibt es bisher noch kein durchgesetztes badbank-modell (das problem wurde bereits über umwege angegangen
12) hier werden us-banken mit deutschen banken und das deutsche bad bank modell vermischt, welches dann wiederum von einer us-bank darüber torpediert werden soll, dass sie nur schlechtes in eine bad bank gibt (im kundenauftrag?)
13) es ist irrsinnig anzunehmen, dass banken gutes und schlechtes in die bad bank geben wollen .. sie wollen natürlich nur schlechtes da rein tun .. auch ohne amis
14) dass wieder angefangen wird in den "miesen" papieren zu handeln, ist eine positive entwicklung insofern, als dass dadurch wieder bewertungen möglich werden und das EK-druck der banken entlastet wird
15) der hauptinitiator von ABS und CDS war JPM, nicht GS
16)dass die guten ergebnisse der banken hauptsächlich aus der lockerung der bilanzierungsregeln herrührt, vergisst der autor. stattdessen solls die rumzockerei sein. dabei war selbst bei GS das gute ergebnis auf ein paar wenige aber ertragsreiche deals zurückzuführen.

so im großen bin ich damit zwar noch nicht fertig, aber es langt .. um festzuhalten, dass der artikel keinen inhaltlichen wert hat. pure polemik ohne genaue aussagekraft. wäre es als polemik gekennzeichnet, könnt mans ja noch lustig finden.

HeribertSchramm 04.08.2009 | 11:49

Sehr geehrter Jens Berger,
vielen Dank für Ihre Zwischenbilanz und Vorausschau auf die nächste Runde der Finanzspekulation. Das Bild von den Wölfen und Schafen sowie der Verantwortung des Schäfers hat mir gefallen. Ich habe zwei Wünsche:
1. Bisher hat niemand auf der politischen Ebene Verantwortung übernommen. Bleiben wir in Deutschland: Welche Entscheidungen von Regierung und Parlament haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich ein Desaster diesen Ausmaßes entwickeln konnte? Stichworte: Lockerung der Bilanzierungs- und Eigenkapitalvorschriften, Möglichkeit der Auslagerung in Zweckgesellschaften, Zulassung von Hedge-Fonds … Wann wurde entschieden? Wer saß in der Regierung? Welche Oppositionsparteien haben zugestimmt? Ich würde mir eine Zusammenstellung wünschen, um die Parteien im kommenden Bundestagswahlkampf mit ihrer Verantwortung konfrontieren zu können.
2. Diese Krise kennt nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner. Eine alte Börsenweisheit lautet: Geld verschwindet nicht, es geht nur woanders hin. Ich habe bisher noch keine Aufstellung gelesen, in welcher die Geldströme nachgezeichnet wurden. Ein Beispiel: Die Bank Lehman Brothers (LB) soll einen Schuldenberg von 200 Milliarden Dollars hinterlassen haben. Wer sind die Gläubiger? Wo ist das Geld geblieben? Etwa bei der Citibank D für die Vermittlung von LB-Anleihen? Bei den LB-Mitarbeitern und –Vorständen in Form von Gehältern und Boni? Bei den Aktionären in Form von Dividenden - bevor ihre Aktien wertlos wurden?
Wenn jetzt und in den kommenden Jahrzehnten Arbeitslose und Beschäftigte, Steuerzahler, Zeichner von Lebensversicherungen und Rentenfonds … die Zeche zahlen, möchten wir doch gerne wissen, wer davon profitiert. Die Opfer dieser gigantischen Ausplünderung sind zum Teil bekannt. Die Profiteure sollten ins Licht treten – oder dorthin gestellt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Heribert Schramm