Anna-Mareike Krause
Ausgabe 4916 | 28.12.2016 | 06:00 68

Für Räume des Respekts

Gegenrede Unsere Autorin betreut die Online-Community der „Tagesschau“ und ist dort pausenlos mit Hass konfrontiert. Wie lässt er sich bekämpfen?

Für Räume des Respekts

Hass im Netz verpufft nicht im luftleeren Raum. Er setzt sich in den Köpfen fest

Illustration: der Freitag, Material: yuoak/iStock

Der 1. Mai dieses Jahres war ein sonniger Sonntag. In Berlin waren es etwa 19 Grad, und auf dem Badeschiff ging der erste Badegast des Jahres schwimmen. Weil es ein harmloser, sonniger Nachmittag war, haben wir das Foto auf der Facebook-Seite der Tagesschau gepostet. Was wir nicht bedacht hatten: Der Mann, der da bei 14 Grad Wassertemperatur schwimmen ging, war nicht weiß.

In den kommenden Stunden wurde das Foto mehr als 400 Mal kommentiert: „Warum schwimmt da Kacke im Becken?“, fragte einer. „Das ist das Problem von offenen Schwimmbecken, da fällt sehr schnell alles Mögliche rein ...“, „Ich dachte, die können nicht schwimmen“, „Hoffentlich kommt keine Frau“ und „Die Fachkraft hat das Bad für sich ganz allein, damit er in Ruhe dort rein Scheissen & Onanieren kann“.

Diese Kommentare sind eine Auswahl. Und es sind noch nicht die schlimmsten. In ihnen finden sich typische rechtsextreme Legenden, die zuhauf im Netz verbreitet werden. Zum Beispiel wird nichtweißen Menschen unterstellt, sie würden grundsätzlich in Schwimmbecken ihre Notdurft verrichten oder Mädchen belästigen. Menschen mit Migrationshintergrund werden „Fachkraft“ genannt, eine Persiflierung der politischen Forderung, Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland zu holen. Nur ein Beispiel, wie eigentlich neutrale Begriffe umgedeutet werden.

Oder von den Betroffenen wird gegenständlich gesprochen – „da fällt schnell alles Mögliche rein“. So werden nichtweiße Menschen entindividualisiert. Es ist nicht ein einzelner Mensch, ein Individuum, im Schwimmbad zu sehen, sondern dieser ist Teil eines „die“. Die Flüchtlinge. Die Migranten. Alles, was andere, die Teil dieses „die“ sein sollen, jemals getan haben, wird übertragen auf jeden Einzelnen, der als Teil des „die“ gesehen wird. Wer nicht weiß ist, wird in den Augen dieser Menschen nicht an sich selbst gemessen. Sondern an den Fällen, in denen ein anderer nichtweißer Mensch aus der für ihn vorgesehenen Rolle fiel. Dieses Muster zeigt deutlich, wie sehr die User mit den gezeigten Kommentaren Rassismus verinnerlicht haben: Dass nichtweiße Menschen kein Recht darauf haben, Individuum zu sein, entmenschlicht sie.

Offen ausgestellt

Gleichzeitig sind sich diejenigen, die dieses Muster anwenden, besonders sicher, nicht rechts zu sein. Denn es ist schließlich passiert: Es hat sexualisierte Übergriffe von Flüchtlingen gegeben. Doch das rassistische Argument ist nicht, zu benennen, dass es solche Fälle gegeben hat. Sondern diese Fälle zu assoziieren mit einem Menschen, dessen einzige offensichtliche Gemeinsamkeit es ist, dass auch er nicht weiß ist. Wäre dieser Mensch auf dem Berliner Badeschiff weiß gewesen – hätten wir dann Referenzen zu weißen Sexualstraftätern gelesen? Unwahrscheinlich.

All diese Kommentare sind mit Klarnamen geschrieben worden. Wir prüfen zwar nicht nach, ob es die echten Klarnamen sind, aber es gibt bei vielen der Profile darüber hinaus Hinweise auf die Person. Der Mensch, der „Die Fachkraft hat das Bad für sich ganz allein ...“ schrieb, tat dies zum Beispiel unter Klarnamen. Wir wissen, wo er zur Schule gegangen ist und dass er AC/DC mag. Wir sehen auch, dass er verheiratet ist – und in welchem Ort er wohnt. Offen rassistische Positionen werden nicht mehr versteckt. Weil die Verfasser ihre Positionen nicht mehr außerhalb des gesellschaftlichen Wertekonsenses verorten.

Das hat sich verändert in den vergangenen zwei Jahren. Die Menschen, die rechte Hetze ins Netz schreiben, halten sich mittlerweile für die Mitte der Gesellschaft, für diejenigen, die einen angenommenen „wahren Volkswillen“ vertreten – die „Wahrheit“. Sie sehen sich mit ihren menschenverachtenden Positionen im Recht.

Dabei ist der rechte Hass selbst nicht neu. Mehrere Untersuchungen, zum Beispiel die Leipziger „Mitte-Studie“ oder das Projekt „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Deutschland“ der Uni Bielefeld, stellen seit Jahren ähnliche Zustimmungswerte zu rassistischen Aussagen fest. Das Potenzial derjenigen, die rassistischen Äußerungen zustimmen, liegt konstant zwischen 10 und 20 Prozent.

Rassismus ist also tief in einem Teil der Gesellschaft verwurzelt. Neu ist, dass dieser Hass sich offen zeigt, digital wie analog. Und er ist eben nicht eine Reaktion auf eine bestimmte Politik, sondern das Bild eines nichtweißen Menschen im Schwimmbad reicht aus, damit Menschen sich rassistisch äußern.

„Gehasst wird aufwärts oder abwärts, in jedem Fall in einer vertikalen Blickachse, gegen ‚die da oben‘ oder ‚die da unten‘“, schreibt die Publizistin Carolin Emcke in ihrem neuen Buch. Diese Beobachtung teile ich. Diejenigen, die Hasskommentare schreiben, sehen sich nicht auf Augenhöhe, nicht mit denjenigen, die sie verachten, nicht mit Politikern, die sie verantwortlich machen, und nicht mit uns. Wir, also die gesammelten „Systemmedien“, sind wahlweise Teil des Unterdrückungssystems der Eliten, der Regierung, der USA, der Wirtschaft oder von wem auch immer. Gleichzeitig sind wir aber auch zu dumm, zu schlecht informiert oder unfähig, unser Dasein als Marionetten zu durchschauen.

Aus dieser vertikalen Blickachse entsteht nicht nur eine Selbstvergewisserung, sondern auch die vermeintliche Notwendigkeit zur Verteidigung gegen eine gefühlte Unterdrückung durch die Eliten oder gegen eine gefühlte Masse von Menschen, denen man nicht die gleichen Rechte zugesteht.

Der Hass, der in die Kommentarspalten geschrieben wird, verpufft nicht im luftleeren Raum. Hass im Netz ist nicht virtuell, er ist in den Köpfen von Menschen, und dadurch, dass er an vielen Stellen öffentlich sichtbar wird, entfaltet er sein bedrohliches Potential. Die Orte im Netz, an denen Menschen unwidersprochen und sich gegenseitig beipflichtend Gerüchte und Hetze verbreiten, bieten den Nährboden für ein gesellschaftliches Klima, in dem Menschen Anschläge auf Unterkünfte geflüchteter Menschen für legitime Notwehr halten.

Diejenigen, die im Netz Hasskommentare schreiben, haben bisher juristisch wenig zu befürchten. Zwar sind in den vergangenen Wochen drei Männer zu Geld- oder Haftstrafen verurteilt worden, weil sie volksverhetzende Kommentare geschrieben hatten. Diese drei Fälle sind aber bislang immer noch Ausnahmen. Die Mehrheit der Verfahren wird eingestellt, teils mit Begründungen, die für Nichtjuristen nur schwer nachvollziehbar sind. Mordaufrufe werden als ironisch oder schlicht im Rahmen der Meinungsfreiheit ausgelegt. Auch der Mensch, der Tagesschau-Redakteure „aufschlitzen und an den Eingeweiden an der Reichstagskuppel aufhängen“ wollte, hat keine juristischen Konsequenzen erlebt. Von den Plattformen selbst werden nicht mal alle strafrechtlich relevanten Inhalte gelöscht. Twitter löscht ein Prozent, Youtube zehn und Facebook immerhin 46 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf Inhalte, die von Usern gemeldet wurden und die das Bundesjustizministerium in einer Auswertung als strafbar einstufte.

Die laute Minderheit

Am 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht, postete eine rechtsextreme Gruppe auf Facebook die Adressen jüdischer Geschäfte und Einrichtungen in Berlin mit dem Zusatz „Schöner Tag heute“. Zahlreiche Nutzer meldeten das Posting und erhielten von Facebook eine Absage. Erst als mehrere Medien darüber berichteten, wurde das Posting entfernt. Wenn wir also bei der Tagesschau eine Community wollen, in der Minderheiten nicht beleidigt oder bedroht werden, sind wir gezwungen, auf die Frage, bis wohin Meinungsfreiheit bei unserem Angebot geht, eine Antwort zu finden. Alle Betreiber großer Seiten sind das. Und unsere Antwort ist: bis zur schweren Beleidigung, Erniedrigung, Herabwürdigung und Menschenverachtung. Menschenwürde schlägt Meinungsfreiheit. Das ist unsere Haltung.

In der Praxis heißt das: Die eingangs genannten Kommentare haben wir gelöscht, mehr als 100 insgesamt. Drei User haben wir gesperrt, obwohl wohl keiner der Kommentare einer juristischen Verurteilung genügt hätte. Sie verstoßen gegen unsere Netiquette, unsere Hausordnung.

Wenn wir in solchen Fällen nicht eingreifen, profitiert davon vor allem eine laute Minderheit. Das Hate-Mining-Projekt hat kürzlich errechnet, dass beispielsweise in diesem Frühjahr bei welt.de 3,8 Prozent aller Nutzer 50 Prozent der Kommentare zu Artikeln zum Thema Flüchtlinge geschrieben haben, bei Focus Online waren es sechs, bei Zeit Online elf Prozent. Wir wollen aber keine Community, in der eine laute Minderheit andere vertreibt, in der Menschen mit arabisch klingendem Namen keinen Platz hätten, weil sie dort fremdenfeindliche Kommentare lesen müssten. Es wäre eine Meinungsfreiheit der wenigen.

Ist das, was wir machen, Zensur? Nein. Zum Glück ist das Internet groß, und alle können alles, was sie loswerden wollen, irgendwo ins Internet schreiben. Aber es gibt kein Menschenrecht darauf, jeden Inhalt an jedem Ort veröffentlichen zu können.

Wir befürchten, dass wir einen Teil der User insofern verloren haben, als sie nicht zugänglich für Argumente und Fakten sind. Es ist ein kleiner Teil, aber diese Leute kommen nicht zu uns, um sich zu informieren, sondern um ihre Verachtung des Establishments loszuwerden. Das sind Menschen, die den Begriff „Lügenpresse“ völlig ernsthaft verwenden. Und die gibt es nicht nur im rechten Spektrum. Dass wir „gleichgeschaltet“ seien, lesen wir auch von Usern aus dem linken Spektrum.

Wir konzentrieren uns auf diejenigen, die unentschieden sind. Die möglicherweise nur mitlesen. Bis vor zwei Jahren habe ich geglaubt, dass offensichtlich falsche Inhalte auch durch vielfache Wiederholungen nicht glaubwürdiger werden. Dass Behauptungen wie die, dass Flüchtlinge nicht strafrechtlich verfolgt werden dürften oder dass sie Pferde stehlen und essen würden, so offensichtlich absurd sind, dass dem niemand glaubt. Da habe ich mich getäuscht, etwas bleibt hängen. Deshalb müssen wir solche falschen Behauptungen korrigieren. Wenn wir das nicht täten, würden womöglich die Mitlesenden den Schluss daraus ziehen, dass daran nichts falsch sei.

Das gilt nicht nur für das Community-Management. Besonders bei Themen, die ideologisch umkämpft sind, liefern Fake-News oder Propaganda-Medien die einfacheren Erklärungsmodelle. Deshalb dürfen wir es diesen nicht überlassen, die Welt niedrigschwellig zu erklären. Gerade fürs Netz brauchen wir journalistische Formate, die Themen erklären und einordnen, in die investiert wird, damit dahinter gründliche Recherchen stehen können.

Aber allein schaffen Journalisten das nicht. Die österreichische Journalistin Ingrid Brodnig empfiehlt ausdrücklich jedem, im Netz zu diskutieren – auch, wenn man sein Gegenüber nicht unbedingt überzeugen kann. Sie nennt zwei andere Ziele, die sinnvoll sein können: ein Opfer einer verbalen Attacke in Schutz zu nehmen – oder Mitlesenden zusätzliche Informationen zu geben. Allerdings plädiert sie nur für Diskussionen in Räumen, in denen ein Mindestmaß an Respekt herrscht und die Chance auf einen fairen Austausch besteht. Es ist unser Job, diese herzustellen.

Wir diskutieren, wir löschen, wir erklären, und wir sperren notfalls Nutzer. Aber aus der Sicht derjenigen, die in ihrem Selbstverständnis Widerstand gegen Institutionen und Eliten leisten, bestätigt dies oft nur ihr Weltbild. Es ist daher notwendig, dass man, wenn man nicht an Verschwörungstheorien glaubt, wenn man nicht alle Menschen, die aus Syrien fliehen, im Mittelmeer ertrinken lassen will, Homosexualität nicht für widernatürlich hält und nicht glaubt, dass alle Medien lügen – dass man dann widerspricht. Nur so können wir verhindern, dass sich diejenigen mit diesen Überzeugungen für die Mehrheit halten. Sie sind es nicht.

Anna-Mareike Krause ist Social-Media-Koordinatorin der Tagesschau . Im Schnitt 12.000 Kommentare gehen dort am Tag ein

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 49/16.

Kommentare (68)

karamasoff 28.12.2016 | 09:49

"dass sich diejenigen mit diesen Überzeugungen für die Mehrheit halten. Sie sind es nicht."

Ich bin ja untröstlich, daß schreiben zu müssen, aber die müssen auch nicht die Mehrheit sein. Es reichten auch damals - sie wissen schon dieses damals das jeden Vergleich scheuen muss - schon so um die 20%, eine höhere Vernetzung und eine gehörige Bereitschaft Gewalt einzusetzen, um einer "Mehrheit" die politische Widerstandskraft auszutreiben.

So sehr ich das begrüße, daß man den Wortschwall der rechten Kommentarkameraden online betreut, das wird als sanftes Ruhekissen nicht ausreichen.

sch123 28.12.2016 | 12:02

Völlig richtig, strafrechtlich relevante und beleidigende, menschenverachtende etc. Kommentare zu löschen. Schließlich macht man sich als Plattform auch zum Mittäter.

Allerdings sollte man die Gefahr von Zensur auch nicht unterschätzen. Es sind auch nur Menschen, die löschen. Diese können Fehler machen, oder sogar eigenmächtig handeln und ihre Macht missbrauchen. Es bedürfte daher auch einer Kontrolle der Kontrolleure. Ich bezweifle aber, dass da ein Interesse daran besteht, dafür Resourcen bereitzustellen.

Der Aspekt Zensur wird noch wichtiger, wenn man die aktuelle Diskussion um Fakenews etc. berücksichtigt. Wird die Tagesschau -und andere Medien, anfangen auch Fakenews zu löschen und wer entscheidet dann was Fakenews sind?

Ich glaube der Autorin gerne, dass nur Hate-Posts gelöscht werden. Ich hoffe, dass das Problembewusstsein und die Sensibilität in der entspr. Redaktion gegeben ist, dass das auch so bleiben wird.

denkzone8 28.12.2016 | 13:54

daß sich die 4 prozent haß-erfüllt

und ausgrenzend äußern,

im bewußtsein, nicht allein dazustehen

und gebärden, als wäre ihre meinung mehrheits-fähig,

ist der nieder-schwelligkeit des netz-zugangs geschuldet.

da waren diese haltungen immer,

aber nicht präsent.

empfehle: wiki--->schweigespirale

das netz ist nicht nur ein aufklärungs-medium,

sondern auch eine klär-anlage,

in der auch harte brocken auf-tauchen.

uebung 28.12.2016 | 14:26

Sehr geehrte Frau Krause,

die Zustände, die sie beschreiben, sind schlimm. Selbst habe ich solche Postings bisher nicht gelesen. Da vieles sofort zensiert wird, und ich mich auf etwaigen Seiten nicht bewege, muss ich mich auf ihr Wort verlassen.

Das tue ich in diesem Fall mal. Ansonsten kann ich nur sagen, richtig, dass diese Diskussion aufgenommen wird. Solange sie einseitig gegen 'rechts' geführt wird, wird sich allerdings die Situation nur dramatisch verschlimmern. Sie, ihre Kollegen sind mittlerweile Teil des Problems, da sie ihre eigene Ideologie nicht reflektieren können.

Das ist kein spezifisches Journalistenproblem oder von speziellen Gruppen, sondern eigentlich auch menschlich. Obwohl mittlerweile schon wieder inflationär benutzt, finde ich den Begriff der 'Echokammer' sehr hilfreich. In welcher Echokammer befinden Sie und ihre Kollegen sich, dass es ihnen angesichts ihrer Strahlkraft bei der ARD nicht gelungen ist, die Atmosphäre im Land positiv zu beeinflussen? Was ist die Tagesschau, was ist die ARD im derzeitigen Karussell der Spannungssteigerung.

Ich nehme ihnen ihre persönliche Betroffenheit ab. An diesen Punkt kommt wohl jeder Mensch, der von der Gesellschaft und im gegenseitigen Umgang ein Mindestmaß an Humanismus abverlangt. Aber sie sind an einer mächtigen Position, im Vergleich zu den Personen, die posten.

Meiner Meinung nach wird an Symptomen rumgedoktort, weil auch Sie, Frau Krause, immer noch profitieren von der derzeitigen Situation. Sie können auf die kleinen Poster schelten. Doch wie ist die Gesellschaft im Ganzen in diese Lage gekommen? Durch diese kleinen Poster?

Zack 28.12.2016 | 15:55

Die vermutliche Antifaschistin, Humanistin und rigorose Menschenfreundin Frau Krause betreut die Online-Community der „Öffentlich-Rechtlichen“ Tagesschau und schreibt sich nicht über die blutige Propaganda ihres eigenen Ladens die Finger wund, sondern echauffiert sich ausschließlich über kommentierende Rassisten, die u. a. auch ihr Gehalt zwangsfinanzieren.

SusaBerlin 28.12.2016 | 17:32

Richtig - und wichtiger Artikel!

Ich unterschreibe jedes Wort davon. Und an alle, die es wieder nicht lassen können:

Hier geht es nicht um Propaganda. Auch nicht um Zwangsgebühren - oder um Zensur. Und schon gar nicht um die Echokammer. Nicht einmal darum, wer die Mehrheit inne hat.

Hier geht es nur um eines: Hassrede.

Wer meint, das noch relativieren zu müssen, entblößt sich selbst.

Gruß in die Runde - Susa

Sascha 28.12.2016 | 19:09

Ich kann den Botschaften im Artikel weitgehend zustimmen. Ich habe den Eindruck, mit dem ganzen Hass und der Verrohung in der Gesellschaft fallen wir gerade in unserer Zivilisation zurück. Die Decke der Zivilisation ist bekanntlich sehr dünn, aber diese ganzen hasserfüllten Menschen zünden gerade diese Decke an und stampfen auf den verkohlten Überresten herum.

Was mir an dem Artikel nicht so gut gefällt, ist die Zuschreibung, dass die ganzen Hater angeblich, wenn auch nur vom Selbstverständnis her, "Widerstand gegen Institutionen und Eliten" leisten. Ich habe den Eindruck, dass diese hasserfüllten Menschen die gute, alte Herrschaftskritik in den Dreck ziehen.

Ich ersuche hier also, mehr zu differenzieren: die Hater sehen alles als "Establishment", was ihnen nicht ins Konzept passt und überschwemmen das Internet mit ihrem giftigen Hass gegen manche Regierende, mit deren Politik sie nicht einverstanden sind.

Aber Herrschaftskritik ist dennoch legitim und sollte nicht mit diesem Hass verwechselt werden. Es gibt gute Gründe, Herrschaft zu hinterfragen und der Kritik auszusetzen - Herrschaftskritik im Sinne von Kritik an Machtstrukturen und politischen Verhältnissen. Herrschaftskritik heisst nicht, Merkel damit zu bedrohen, sie am nächsten Laternenpfosten aufzuhängen, wie es bei den Rechten üblich ist. Aber Herrschaftskritik bedeutet, politische Entscheidungen kritisch zu sehen und nicht alles kritiklos zu fressen, was "von oben" kommt.

Gugel 28.12.2016 | 20:24

Eigentlich ist der Beitrag völlig undemokratisch. Wer gibt der Dame das Recht sich per Status über das zu erheben, was da sich als "Meinung" herauskotzt.

Warum ist das Auskotzen aufeinmal so ekelhaft? Weil es denen, die nie in der Scheizze gelgen haben, die nie Scheizze schlucken mussten, unangenehm ist ?

Es ist aber so, dass es den NORMAL aufgestellten Menschen im prallen Leben der BRD angeht, dass es jetzt hier Menschen gibt, die sich herausnehmen etwas hier sich leisten zu köönne, das sie nie und mit nichts ! ! erweisenermaßen mit zu dem beigteragen haben, was dies ermöglicht. Die Mesnchen, die HIER sich den Po aufreißen, dass die Mesnchen dem Eelnd entkommen können hier einen save haven habe, die müssen sich HIER aufführsn also ob sie hier etwas geleistet hättet, was uns weitergebracht hätte. Welche Anmaßung derer aus kaputter Zivilisation und rückständiger Gesllschaftsstruktur.

Nichts von dem ist halktbar, was die Dame da schreibt, nur der eelenden Entfremdung des sog. Bildunsgbürges von der Wirklichkeit geschuldet.

Das ist das Elend der Dinge..... die Gutemiene- Gutemenschlichkeit ohne Bezug zur Realität.

Alex Lab 28.12.2016 | 20:28

Seit 1,5 Jahren plage ich mich mit einem Familienmitglied, das in die populistische Ecke abgerutscht ist. 'Lügenpresse' ist dabei noch ein harmloser Vorwurf. Das Verrückte daran ist, dass er (nenne ihn mal P.) noch nie regelmäßig eine Zeitung gelesen hat. Auch die ÖffRe sind ihm ein Dorn im Auge, schaut aber jeden Tag die Tagesschau. Jetzt meint man P. sei Unterschicht. Weit gefehlt, er hat studiert. (Studium ist also kein Garant für Bildung. Studium haben Tichy et al auch.) Im Internet habe ich mich auf die Suche nach den Ursprüngen des Populismus gemacht und 100derte dieser Kommentare gelesen und mich sogar mit einigen der Verfassern 'unterhalten'.

Inzwischen ist mir klar geworden, dass die Macht des Populismus nur auf der gleichzeitigen Wellenbewegung der Masse basiert. (Ich hatte manchmal den Eindruck jeden Tag flutet eine giftige Kohorte, die diversen Medien und kommentiert alles tot was differenzierte Gedanken äußert.)
Meine Gespräche mit P. sind so fruchtlos wie am ersten Tag. Man kehrt immer wieder an den Ausgangspunkt zurück.

Aufgrund all dessen und vielem mehr bin ich wahrscheinlich anderer Ansicht als viele, die auf Dialog und Meinungsaustausch setzen. Wer auch immer eine Webseite betreibt, hat dort das Hausrecht. Es gibt daher gar nichts daran zu kritisieren, würde mein Kommentar, warum auch immer gelöscht. Das ist vielen Usern überhaupt nicht klar. So heißt es direkt Zensur und Medien inkl. Twitter & FB lassen sich davon beeeindrucken. Dabei kann sich jeder innerhalb von 2 min eine Webseite inkl. Kommentarfunktion einrichten und 24/7 seine Meinung posten.

Ich bin ebenso der Auffassung, dass ohne Brechung dieser o. g. Wellenbewegung, der Populismus bestehen bleibt und ggf. sogar mehr Leute anspricht. Es geht eben sehr vielen nicht um Dialog /Vermittlung/Konsens, sondern um Macht - die Macht der Masse.

(btw für mich haben die seriösen Medien dieses Jahr einen unglaublich guten Job gemacht. Es gibt wenig Länder, die qualitativ so gute Zeitschriften u. Magazine haben wie wir. Danke dafür.)

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Ehemaliger Nutzer 28.12.2016 | 21:34

Ein großes Lob für das unermüdliche Wahrnehmen einer solch undankbaren Aufgabe. Tag für Tag die Regierungspolitik gegen wütende Betroffene verteidigen zu müssen, sie in nette Worte zu kleiden, schmackhaft zu machen, sie richtig zu kommunizieren, welch eine Sisyphusarbeit.

Was würde die Regierung nur ohne solche tapfern Kämpfer gegen den täglichen Hass der gebeutelten Politik-Opfer tun? Riegierungspolitik muss schlicht besser kommuniziert werden. Dann kommen HartzXYZ, Bankenrettungen, Kriegseinsätze, Pardon:Verantwortung usw. wesentlich schmackhafter bei den Betroffenen an und werden leichter geschluckt.

Den paar Unverbesserlichen, die diese alternativlose Politik weiterhin unverdaulich finden muss einfach der öffentliche Raum entzogen werden. Es kann doch nicht sein, dass ein paar Unverbesserliche über Qualitätsmedien und den dort Schaffenden kübelweise Hass ausschütten.

Nicht den Mut verlieren. Alles wird gut.

uebung 29.12.2016 | 00:16

Ähm, da ich den Begriff Echokammer einbrachte, fühle ich mich mal direkt angesprochen

und erwidere darauf,

schau dir die Kommentare hier einfach an und Du bemerkst, dass deiner einer unter vielen ist. Weshalb ich mal behaupte, dass er wie alle anderen nicht DAS gelbe vom Ei ist, sondern nur Teil dessen. Und aussagt, was Dir wichtig ist, nicht mehr, nicht weniger.

Warum muss es immer jemanden geben, der glaubt, sich über andere erheben zu müssen und bestimmen, was DAS Richtige sei. Echt ätzend diese Manier.

Einer der Hauptgründe, warum ich so abgegessen bin und den Hinweis darauf, es gehe hier NUR um Hassrede (eine spezifisierte, ideologisch definierte, eben nicht neutrale Hassrede -worum es mir persönlich geht, dass der Hass aus allen mögliche Richtungen überbordend ist), überhaupt mal nicht Ernst nehme. Wer andere in seiner Argumentation herabsetzt, will Respekt??? Nö. Diese Strategie ist seit dem letzten Herbst passé - bei mir.

gelse 29.12.2016 | 07:12

>>Was mir an dem Artikel nicht so gut gefällt, ist die Zuschreibung, dass die ganzen Hater angeblich, wenn auch nur vom Selbstverständnis her, "Widerstand gegen Institutionen und Eliten" leisten.<<
Richtig, genau das tun sie nicht. Hilflose Wut, die schliesslich zu Hass gegen diejenigen wird, die man noch ein Stück "unter sich" wähnt, ändert nichts und wirkt systemstabilisierend. Die dazu aufrufen wissen das natürlich: Teile & herrsche.

mister-ede 29.12.2016 | 11:27

Aktuelle läuft auf Tagesschau.de ein Beitrag zu einem CSU-Vorschlag zur Flüchtlingspolitik, der offensichtlich purer Populismus ist, auf den aber die Journalisten und eben auch entsprechende Foristen anspringen.

Um 7:56 schreibt ein gewisser „Löblicher“: „Hinzu kommen die kulturellen Unterschiede und die automatische eingeschleppte erhöhte Kriminalität

Hierauf antworte ich: ">Hinzu kommen die kulturellen Unterschiede und die automatische eingeschleppte erhöhte Kriminalität< Der hiesige Rassismus braucht ja seinen Raum. Und die Tagesschau verbreitet sowas dann auch noch in ihren Foren. "

Ihr dürft raten, welcher Kommentar von den Tagesschau-Social-Media-Leuten gelöscht wurde. Natürlich nicht der rassistische Kommentar, sondern meine Gegenrede. Was also soll das Rumgeheule von Frau Krause. Wer so eine Forenmoderation hat, braucht sich doch echt nicht wundern. Selbst schuld! Insgesamt die Hälfte meiner Kommentare wurden heute zensiert, während die rechten Pöbler freie Bahn haben.

Sascha 29.12.2016 | 13:07

Das finde ich interessant! Die Rolle der Forenmoderatoren und deren Beitrag zur Verbreitung von Hass wird nämlich bei solchen Debatten gerne verschwiegen. Ich poste manchmal im Forum der rechtsliberalen Tageszeitung DerStandard.at. Und die dort geübte Zensurpraxis funktioniert genauso wie Sie es beschreiben. Rassismus, Sexismus und sonstige Hasspostings passieren im Minutentakt und völlig problemlos die Zensur. Aber sobald du mit Gegenrede gegen den Hass argumentierst, ist es reines Zufallsprinzip, ob dein Posting jemals durch die Zensur geht. Und da kannst du noch so sachlich mit Quellenbelegen posten, es wird trotzdem gelöscht. Das "Beste" daran ist ja, dass sich diese Zeitungen selber in ihre Forenregeln hineinschreiben, dass Rassismus, Sexismus usw. nicht geduldet wird. Aber die reale Forenmoderation scheint dann doch eine sehr subjektive Sache zu sein - ob ein Posting gelöscht wird oder nicht, hängt scheinbar davon ab, ob der Moderator der darin geäußerten Meinung zustimmt oder nicht. Und wenn ein Rassist die Forenmoderation erledigt, dann dürfte klar sein, warum der rassistische Hass locker die Zensur passiert.

zelotti 29.12.2016 | 23:34

Sehr geehrte Frau Krause,

ich denke das Problem ist, die patronisierende Haltung, mit der viele vollkommen harmlose Kommentare bei der Tagessschau gelöscht respektive nicht freigeschaltet werden. Das führt dazu, dass die Kommentatoren aufgebracht sind und sich unfair behandelt fühlen. Gegen ungerechtfertigte Löschung gibt es keine Beschwerdemöglichkeit. Was gelöscht wird ist auch nicht der Kontrolle durch Dritte zugänglich.

Hinzu kommt ein selbstherrlicher journalistischer Dünkel mit dem gegen politische Minderheiten in unserem Lande exklusorisch gestänkert wird in den offiziellen Kommentaren, wo immer Personen ausgeschlossen werden.

Die Leute zahlen ihre Rundfunkgebühren.

"Es ist daher notwendig, dass man, wenn man nicht an Verschwörungstheorien glaubt, wenn man nicht alle Menschen, die aus Syrien fliehen, im Mittelmeer ertrinken lassen will, Homosexualität nicht für widernatürlich hält und nicht glaubt, dass alle Medien lügen – dass man dann widerspricht."

Als Journalist braucht man keinen "falschen" Meinungen zu widersprechen. In Deutschland herrscht die grudngesetzliche Freiheit der Weltanschaung. Jedem steht es frei Homosexualität für etwas widernatürliches zu halten. Der Staat darf das nicht. Er darf aber auch keinem Bürger erzählen, was er zu denken habe. Das gilt auch für Medien, die den Anspruch haben für alle zu sein. wieso muss man in Deutschland immer die Vernunft gegen den Unvernünftigen verteidigen, zu Intoleranz gegenüber ihn aufrufen. Das ist autoritär strukturiert. Medien für alle müssen das Vertrauen aller haben. Ich halte Homosexualität, die bis in die 70er unter dem gleichen GG strafbar war, für nichts widernatürliches, aber man muss den jeweiligen zeitgeistlichen Konsens doch nicht so drakonisch gegen politische Mindermeinungen durchexekutieren... Deutschland hat sich immer noch nicht vom strukturellen Totalitarismus, von der unreflektierten Ausgrenzung befreit. Lackmustest ist: Wie unfair gehen wir als Journalisten mit unseren "Feinden" um.

zelotti 30.12.2016 | 00:15

Beispiel für die Verdrehung:

Menschen mit Migrationshintergrund werden „Fachkraft“ genannt, eine Persiflierung der politischen Forderung, Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland zu holen. Nur ein Beispiel, wie eigentlich neutrale Begriffe umgedeutet werden.

Es wird gar nichts umgedeutet. Es wird lediglich die offiziöse neoliberale Propaganda persifliert, nachdem Einwanderung wünschenswert sei, weil man Fachkräfte brauche. Die Leute haben genau gelesen wie in zig herablassenden Politikerstellungnahmen, Talkshows und journalistischen Beiträgen tatsächlich analphabetische Migrantengruppen aus Afghanistan zu Fachkräften, Ärzten, Doktoren, die Deutschland brauche, umgedeutet wurden und natürlich war es dann nicht so.

Diese affirmative Propaganda fliegt den politischen und journalistischen Tätern nun um die Ohren, indem die Menschen jede kriminelle Tat eines Ausländers mit dem höhnischen Verweis auf "Fachkräfte", dass es ihnen "zu bunt" werde und man diese "Bereicherung" nicht schätze usw. kommentieren. Hier gilt wat mutt, datt mutt.

Die wirkliche Frage ist doch warum man erst diesen instrumentellen Popanz aufbauen muss.

Es sind Journalisten die uns scheinheilige Artikel wie diesen vorgesetzt haben, mit denen Klicks generiert wurden und Kommentarspalten angeheizt:

https://www.welt.de/wirtschaft/article159867382/Nur-die-Zuwanderer-verhindern-den-Fachkraefte-Kollaps.html

zelotti 30.12.2016 | 02:37

Liebe Susa,

natürlich wirkt der Kommentar sympathisch. Ich möchte mit Frau Krause nicht tauschen. Und doch sehe ich eines bei ÖR-Medien: Sie haben alle gesellschaftlichen Kräfte abzuholen. Stellung gegen etwas zu beziehen ist allein die Aufgabe des politischen Gegners. Der Journalist ist nur der Aufklärung verpflichtet. Er muss schlichten und von allen Seiten als vertrauenwürdige Instanz angenommen werden. Internet-Medien und Kommerzialisierung führen zur Polarisierung. Wenn das ÖR Medien nicht gelingt als ehrliche Instanz angenommen zu werden und exklusorisch argumentiert wird, müssen die Moderatoren von Kommentarspalten das ausbaden.
Es ist etwa nicht Aufgabe von Medien zu beurteilen, ob die Anliegen von Demonstranten berechtigt sind und Stimmungen zu polarisieren. In einer Demokratie müssen alle Seiten sich äußern können, und das tun sie ja auch. Wenn man Teile des politischen Spektrums ausgrenzt, und das wundern über Klarnamen zeigt ja, dass man es für natürlich hält, dass bestimmte Meinungen gesellschaftlich sanktioniert werden, hat man den Salat als Partei wahrgenommen zu werden. Die Leute, die Medien als Lügenpresse diffamieren, fühlen sich von ihr nicht mehr abgeholt. Es gilt die doppelten Standards in der Berichterstattung anzugehen und ich finde die Blogbeiträge von Herrn Gniffke einen Schritt in die richtige Richtung. Wir müssen immer fragen, wer sich ausgegrenzt fühlt, wenn einseitig gegen Russland Stellung bezogen wird, wenn Partei im syrischen Bürgerkrieg ergriffen wird und einseitig gut und böse feststehen, und dann doch alles komplizierter ist, als gestern berichtet wurde. Altera pars audienda est. Wenn das gewähleistet ist, dann gerät der Journalist nicht mehr ins Kreuzfeuer, sondern gilt als neutral und objektiv.

Der EU-Terminus Hassrede meint eine der Form nach für bestimmte Personen oder Gruppen unangenehme oder abwertende aber rechtlich zulässige Meinung. Das muss man von strafbaren Anwürfen trennen.

Alex Lab 30.12.2016 | 07:43

Ein Journalist kann genau so wenig objektiv und neutral sein, wie sie oder ich oder überhaupt irgendjemand. Was sie sich wünschen, ist ein neutraler Journalist, auf den jeder seine Ansicht projezieren kann, egal ob re oder li. Damit meinen sie eventuell, würden sich doch alle vertragen und jedem Genüge getan. Gesellschaft lichen Konsens herzustellen, ist doch nicht Aufgabe von Journalisten. Genausowenig wie die absolute Neutralität. Über einen Autounfall o. Ä. können sie sachlich berichte, doch nicht ü. Hasskommentare. Und was diese betrifft, ich habe den Eindruck, sie kennen das Ausmaß nicht ganz. Teilweise handelt es sich dabei um reine Folterfantasien....

karamasoff 30.12.2016 | 08:32

Das geht bis hin zum Aufruf zu Mord. Im Nachgang will man das dann alles weißgewaschen haben wollen mit Hinweis auf Meinungsfreiheiten.

Ich teile allerdings nicht die Auffassung, daß man solche Dinge wegzensiert. Im Gegenteil, man sollte sie eher als Beweismittel auffassen.

Wenn eine Gesellschaft (z.B. auch in Form nationalkonservativer Medien) bzw. ein Staat (ÖR, Justiz, Exekutive und Politik) dann aber hergeht und entsprechende Tatbestände gar nicht oder nur unzureichend als zu Strafendes behandelt oder inhaltlich ins Unklare entlässt, dann sollte man sich nicht wundern, daß sich entsprechend gewaltbereites Klientel von rechts immer mehr herausnimmt. Das übrigen erledigt dann eh die Bildungsmisere und der Abbau der Sozialsysteme.

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Ehemaliger Nutzer 30.12.2016 | 12:07

Offengestanden sind Facebook-"Communities" oft genug Jauchegruben. Allerdings werden hier die erschreckenden Seiten des "Community-Management" hervorgehoben. Ist eine solche "Community" überhaupt sinnvoll?

Etwas anderes sind die Foren der ARD selbst, etwa meta.tagesschau.de, wo die Moderation direkt "Hausrecht" hat.

Hier sind die Publikationsregeln intransparent. Wen es interessiert: https://c.gmx.net/@385816664165319056/vrzfDf5dSnWdqyWAPFgfMQ

Ich habe da mal alle veröffentlichten und nicht veröffentlichten Kommentare meinerseits hineingepackt. Ich sehe meist nicht, warum ein Beitrag publiziert wird und ein anderer nicht.

Seit knapp anderthalb Jahren gibt es keine offene Meinungszensur mehr in dem Sinne, dass der Redaktionslinie widersprechende Kommentare pauschal nicht veröffentlicht werden, was man auch sehen kann.

Aber transparente Regeln scheint es auch nicht zu geben, mancher scheint das eine, der oder die andere das andere zu blockieren. Gründe werden prinzipiell nicht angegeben.

Ich finde, dass der Kommentarbereich eines öffentlich-rechtlichen, auf gesetzlicher Basis zwangsfinanzierten Mediums nach anderen Regeln moderiert werden als ein privater Blog oder die Kommentarspalten einer Zeitung etc. Denn solche Medien kann der Abgewiesene "bestrafen", indem er/sie sie nicht mehr kauft/liest/anclickt. In den ÖR sollte jede nicht strafbare und die Diskussionsregeln nicht verletzende Meinungsäusserung publiziert werden.

Achtermann 30.12.2016 | 12:22

Wir haben eine recht differenzierte Presselandschaft.

Das ist mir neu. Was wir haben, sind oligarchische Strukturen in der "Presselandschaft". Beispiele sind: Funke Mediengruppe, DuMont Verlagsgesellschaft, Bertelsmann...

Schau mal rein, wie viele Titel bzw. Fernsehsender diese besitzen:

Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt, Bergedorfer Zeitung, Harzkurier, Braunschweiger Zeitung, Westdeusche Allgemeine Zeitung, Neue Ruhrzeitung, Westfälische Rundschau, Westfalenpost, Ostthüringer Zeitung, Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung, das alles sind Tageszeitungen aus einer Hand. Geführt von der Funke-Mediengruppe.

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Ehemaliger Nutzer 30.12.2016 | 12:45

Die Freischaltungspolitik bei meta.tagesschau.de ist völlig unprofessionell und krude, und sowas kann jederzeit passieren. Ich denke nicht einmal, dass da böse Absicht hinter stand, die "Moderatoren" fühlen sich mit 1500 bis max. 2000 Kommentaren dort überfordert, sie schliessen auch ständig die Kommentarfunktion.

Ich sehe aber auch ein Problem, wenn man rassistische, xenophobe oder sonst abstossende Meinungen, die nicht offen beleidigend oder strafbar sind, zensiert. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, und eigentlich sind die gesetzlich zwangsfinanzierten ÖR unmittelbar der Verfassung verpflichtet, wo ein Privatmedium auch nach Geschmack und Tendenz veröffentlichen kann.

kürsche 30.12.2016 | 14:15

Herr Zelotti spricht (2,37 Uhr ) die Kritik an den ÖRMedien an und meint, Journalisten müssten immer fragen, wer sich ausgegrenzt fühlt.

Ist das nicht sekundär? Was gibt das denn für Nachrichten?

Meine Kritik an der Tagesschau erfolgt zudem nicht, weil ich mich ausgegrenzt fühle. Ich denke hier nicht in Gruppen, sondern will andere Nachrichten, nämlich keine manipulierten.

Nun kostet es viel Zeit, immer wieder zu lesen und darauf zu antworten, dass es objektive, neutrale Nachrichten nicht gibt. Jaja. Es gibt aber trotzdem intersubjektiv gültige Wahrheiten und menschenmöglich neutrale Nachrichten und Kommentare.

Solche erwarte ich. Und die Tagesschau kriegt in den letzten Tagen ja auch die Kurve. Putin sass schon zweimal normal am Schreibtisch und sprach zum neuen Waffenstillstand in Syrien. Wunderbar ohne Negativ-Begleitwerk rübergebracht. (Wer will, kann ihn nun zum privaten Feind erklären.)

In den ÖRMedien sonst? Viermal die Szene mit Putin wie ein Zar , durch riesige sich öffnende vergoldete Türflügel schreitend und vor devot vorhandenen Untertanen Platz nehmend.

Oder die wiederholte Meldung, dass sich unter gefundenen Waffen Kalaschnikows befanden. Das kann einiges heißen.

Für mich ist das 1) Agitation, 2) in ÖR-Medien.

Leider kann meine Kritik mit der von anders Motivierten in einen Topf geworfen werden. Darf ich nun Journalisten oder Merkel nicht mehr bemängeln?

Achtermann 30.12.2016 | 14:23

Betrifft tagesschau.de

Insgesamt die Hälfte meiner Kommentare wurden heute zensiert, während die rechten Pöbler freie Bahn haben.

Das ist doch ein Grund, dort nix mehr zu schreiben. Auf solche Diskussionsgegenstände wird sich die Autorin des Artikels aber nicht einlassen. Außerdem: Wer sonst kann über seinen Job derart öffentlichkeitswirksam jammern und kriegt dann auch noch Geld dafür?

zelotti 30.12.2016 | 15:16

Lieber Axel Lab,

natürlich kann ein Journalist nicht "objektiv und neutral" sein. Aber er kann so berichten, dass er als das wahrgenommen wird. Und da ist natürlich die Frage von wem?

Wenn ich ÖR-Berichterstattung mache, dann bin ich allen verpflichtet, die Gebühren zahlen. Wenn ich dann bestimmte Leute ausschliesse, gegen sie polarisiere, muss ich micht nicht wundern, wenn diese Leute mich antagonisieren und meiner Berichterstattung nicht mehr vertrauern.

Und da sind wir beim "Abholen". Abholen heißt, wenn ich der Meinung bin, dass Pegida ein dummes Anliegen hat, was in meinem Falle zutrifft, und ich möchte über sie berichten, dann muss ich so berichten, dass die Leute über die ich berichte mir und meiner Kritik vertrauen können statt mit der dröhnenden Mehrheit eine politische Minderheit als Vollhonks darzustellen '(was sie ja durchaus sein können, ich muss es nur nicht laut brüllen).

Wenn man in den Medien über die Linke berichtet, dann nimmt man sich ja auch nicht immer alle unartikulierten einfachen Leute an der Parteibasis, die gegen die Kanzlerin wettern und wie die Treuhand sie betrogen hat, und schneidet best-of-freakshow zusammen. Oder hängt allen kleinen Leuten eine Kamera ins Gesicht und empört sich, dass sie nicht mit einem sprechen wollen, weil sie vollkommen zutreffend ahnen, dass hier nur abfällig über sie berichtet wird und ihnen Öffentlichkeit keinen Vorteil bringt.

Man muss sich ja nicht gut Freund machen. Lies doch mal Spiegel aus den 60ern. Wie scharf da das Sturmgeschütz geschossen hat. aber es hat auf einem Niveau geschossen, dass die getroffenen schimpften aber es annehmen konnten. Ein kritischer Journalist muss über die Linke so schreiben, dass Anhänger der Linke die Kritk als wahr erachten, selbst wenn sich die betreffenden Funktionäre dadurch erst mal angepisst fühlen. Wenn man so schreibt, dass man für Gruppe A (und ihre Vorurteile) gegen Gruppe B schreibt, dann ist das schlecht. Vor 89 hat der Osten die "Wahrheit" über den Westen gesagt und umgekehrt.

Wenn du nicht abholen hören willst, dann vielleicht empathisch. Wenn ich eine Doku über das Hells Angels Millieu mache, dann sollte es so sein, dass die Sympathisanten der Hells Angels sagen, oha, und selbst diese kritische Doku anschauen. Wenn sie aber so ist, dass die Sympathisanten der Hells Angels sagen, das ist Schmarrn, bei uns geht es anders zu, der agitiert nur gegen uns, dann stärke ich die Gemeinschaft für den billigen Effekt sie zu verteufeln bei den Nichtsympathisanten. Und alle potenziellen Freunde der Hells Angels werden sagen, sprich nicht mit diesem Journalisten, der hetzt nur gegen uns.

Gonzo 30.12.2016 | 15:27

Die ÖR haben eigentlich keinen Grund, sich zu beklagen, denn sie haben in den letzten Jahren populistisch die neoliberale Politik, die zu dem braunen Sumpf führt, mit als alternativlos propagiert.

Wenn ich mich allein an den unmöglichen Lanz erinnere, der den unsäglichen Elends-Euro auf abstoßende Weise als einzige Möglichkeit darzustellen half, indem er wie ein Rechtspopulist moderierte.

In den Nachrichten wurde oft das Thema soziale Gerechtigkeit abwertend als Sozialromantik abgetan und lächerlich gemacht.

Es gibt viele Beispiele für die Mitschuld der ÖR an der augenblicklichen Situation. Was soll das Gejammer, sie wollten es so und haben es umgesetzt.

zelotti 30.12.2016 | 16:09

Beispiel:

http://www.tagesschau.de/inland/bamf-asylantrag-101.html

"Hunderttausende unbearbeitete Asylanträge haben sich im Bundesflüchtlingsamt angehäuft. Die Behörde widmet sich zunehmend Altfällen."

Eigentlich eine Nicht-Nachricht. Es geht um Asyl, nicht Migration.

Bis jetzt seien 120.000 Schutzberechtigte in Arbeit gebracht worden, fügte der scheidende BAMF-Präsident hinzu. Auch wenn vorhandene Berufserfahrung genutzt werde, müsse aber jedem klar sein: "Das Problem des Fachkräftemangels in Deutschland kann so nicht vollständig behoben werden."

Halten wir fest: wir haben in Deutschland massenhafte Arbeitslosigkeit. In einzelnen Spezialbereichen gibt es Fachkräftemangel, d.h. Stellenüberschuss, was an sich auch gar kein Problem ist, sondern die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer stärkt. Ansonsten aber Hundertausende ohne Beschäftigung oder adäquaten, qualifikationsgemäßen Job.

Und dann haben wir einen Behördenchef, der so tut, als sei die Einwanderung nicht ausreichend um unser riesiges Stellendefizit zu befriedigen und als habe Asylstatus etwas mit Arbeitsmarkt statt politischer Verfolgung zu tun.

Nächster Satz:

"Die Milliardenausgaben für Flüchtlinge und deren eigener Konsum steigern Ökonomen zufolge dauerhaft das Wachstum."

Ja. Stimmt. Wie alle Staatsausgaben sind auch Miliardenausgaben für Flüchtlinge stimulierend. Aber was will man uns sagen?

Wenn nun Behörden bis zum Umfallen "Hans im Glück" spielen, bis hin ins passiv aggressive übertreiben und Journalisten das alles brav kolportieren oder noch weiter treiben, dann fühlen sich denkende Menschen beleidigt, auch solche, die dem Anliegen von Flüchtlingen als solchen positiv gegenüber gesonnen sind. Dann fühlt man sich beengt wie in einer Diktatur. Bei so etwas steigt die Wut hoch.

"2016 hätten Staatsausgaben für Geflüchtete das Wirtschaftswachstum "um etwa 0,3 Prozent erhöht", langfristig seien gar 0,7 Prozent pro Jahr möglich."

Ist das Journalismus?

Unter dem Artikel dann die bösen Kommentare, nur den ersten hier zitiert:

Neuester Kommentar von 'hung108' am 30.12.2016 14:03 Uhr

Welche....

...Integration in welchen Arbeitsmarkt? Gibt es inzwischen 100.000ende Arbeitsplätze für Analphabeten? Vielleicht als Sicherheitskräfte für Weihnachtsmärkte und Feiern aller Art, die inzwischen ja intensiv gesichert werden müssen. [..]

Der Witz ist: Im Kontext einen solchen Bullshit-Artikels wirkt ein hämischer Kommentar irgendwie befreiend. 1:0 für den Kommentarschreiber.

Vielleicht brauchen wir ja ein staatliches Stimulusprogramm in Milliardenhöhe, mit dem Tausende als Moderatoren von Social Media einen Job finden. Bei 20 Milliarden für Flüchtlinge (lt Artikel "Mehrausgaben"), können wir ja auch noch bestimmt 500 Millionen Euro für viele, viele Moderationsjobs abzweigen und das Wirtschaftswachstum in noch ungeahntere höhere Höhen treiben. Ich sehe schon die Artikel "Online-Hass als Wirtschaftsfaktor" und Frau Krause müsste Sätze wie "Ich liebe den Hass, denn ihm verdanke ich meinen erfüllenden Job. Viele sehen Hass als was Negatives aber Deutschland braucht Hass-Kommentatoren. In unserem Land müssen wir dringend mehr Social Media Moderatoren einstellen um die Hasslücke zu schliessen und unsere Wirtschaft anzukurbeln." und irgendwer wird zitiert: "Die staatlichen Leistungen für Social Media Moderation wirken wie ein kleines Konjunkturprogramm, denn ultimativ kommen sie vor allem deutschen Unternehmen und Arbeitnehmern durch eine höhere Nachfrage zugute."

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Ehemaliger Nutzer 01.01.2017 | 21:08

Die Tagesschau ist eine unter vielen Fake-News-Schleudern, und ihre "Community" auf dem Eigenauftritt "meta.tagesschau.de" ist heftig gegängelt und "moderiert".

Zur "Moderation" gehört, dass Artikel nur 8 Stunden ab Erscheinen auf tagesschau.de kommentiert werden können. Häufig werden Beiträge nach Mitternacht bis 4 Uhr geschaltet. Zwischen 8 und 11 passiert es dann oft, dass sich die "Moderation" von den vielen Kommentaren überfordert fühlt und die Kommentarfunktion abstellt. Das macht sie auch regelmässig in der Kommentar-Primetime zwischen 19 und 22 Uhr (gerade auch mal wieder). Auf diese Weise sind Artikel nur wenige Stunden kommentierbar. Die Freigabe oder Nichtfreigabe eines Kommentars ist komplett willkürlich und oft unabhängig vom Inhalt - ich habe inhaltlich fast identische Kommentare im Abstand von wenigen Stunden mal gesperrt, mal freigegeben bekommen, keiner verstiess gegen Regeln des Auftritts.

Zu den Fake-News: Gestern brachte die Tagesschau ungeprüft die Fake News der Washington Post über einen angeblichen russischen Hackerangriff auf das US-Stromnetz. Das kleinlaute Dementi der WaPo brachte sie nicht. Hier der Artikel von Glenn Greenwald: Russia Hysteria Infects WashPost Again: False Story About Hacking U.S. Electric Grid

und eine mehr technische Analyse einer US-IT-Securitybude über den Schwachsinn der Russland-Hackergeschichte: https://www.wordfence.com/blog/2016/12/russia-malware-ip-hack/

kürsche 03.01.2017 | 21:12

In Ihrem nun zweimal redigierten Beitrag vom 30.12. heben Sie noch in der Urschrift hervor, dass die Nachricht über Hunderttausende von Asylanträgen , die unbearbeitet herumlägen, von Ihnen persönlich als Nicht-Nachricht, als bullshit eingestuft werde. Die Fäkalsprache soll wohl den Leser abholen.

In der 2. Fassung heißt es moderater "eigentlich"eine Nicht-Nachricht. Dann folgt, es gehe um Asyl , nicht Migration. Das meint allerdings auch die inkriminierte Nachricht, die von Hunderttausenden Asylanträgen spricht und nicht von Migranten.

Schließlich hängen sie sich an einen Kommentator in tagesschau.de , der fragt , wo Arbeitsplätze für 100.000de Analphabeten herkommen sollen.

Der Mann ergänzt eigentlich die Sicht der Industriellen und des Bamf-Sprechers. Auf Sie aber wirkt der Kommentar irgendwie kontra und befreiend. 1:0 .

Ich sage 0:1 . Aber weg vom Kleinklein.

EinProblem ist noch, dass Sie auf meine Beispiele zu Putin und Kalaschnikow nicht eingehen.

(Tagesschau heute erneut polarisierend: Terrorist mit Kalaschnikow. Terrorist mit MP wäre neutraler, weil es auf die Herkunft gar nicht ankommt. Wäre aber wohl bullshit.)

Sie bemühen ein ganz anderes Thema, nämlich Asylbewerber. Sehr richtig im Sinne der Neurobiologie und der Framebildung, Aber eine Absage an eine Diskussion.

Würde ich nicht auf Ihre Beispiele umsteigen, könnten wir keine Argumente austauschen.

Ihre Einstellung zu Neutralität und Journalismus ist hoch interessant. Wer bestimmt, was bullshit ist? Was wird an den Journalistenschulen verkauft? Darauf gehe ich noch mal ein.

Den Tagesschaukritikern kann ich nur zustimmen. Es wird aber weiter gemacht wie 2008/9 in anderem Zusammenhang.

Auf Protest gegen 4 Krimisendungen hintereinander bei den ÖR antwortet der Intendant, die Leute wollen das.

Gegen Beispiele der inhaltlich einseitigen Berichterstattung wird emotional angeführt , man gehe nach bestem Wissen und Gewissen vor.

zelotti 04.01.2017 | 11:51

Sehr geehrter Herr Kürsche,

ich habe den Eindruck mich an dieser Debatte etwas zu exzessiv beteiligt zu haben, aber ich gehe gerne darauf noch einmal ein.

Nicht-Nachricht. Es steht "Hunderttausende unbearbeitete Asylanträge haben sich im Bundesflüchtlingsamt angehäuft. Die Behörde widmet sich zunehmend Altfällen". Genau das macht die Behörde aber schon seit Jahren. Da es nichts Neues ist, ist es keine Nachricht. Dieser Artikel hat natürlich eine Nachricht, die aber verschlüsselt ist. Der neue Behördenleiter hatte nämlich sich zur Aufgabe gemacht den Rückstau der Anträge bis zum Ende des Jahres bewältigt zu haben. Das hat er nicht erreicht. Davon steht aber nichts im Artikel. Auch nichts vom Ärger derer, die warten.

2. Als Bullshit, man könnte höflicher sagen Nebelkerzen bezeichne ich Phrasen, die nicht der wirkliche Kern sind und nur Verwirrung stiften sollen. Etwa, dass das Thema Bewältigungsstau bei Asylanträgen mit Migration und Integration in den Arbeitsmarkt affirmativ vermischt wird. Leerformeln etwa, das mit dem Konjunkturprogramm.

der fragt , wo Arbeitsplätze für 100.000de Analphabeten herkommen sollen. Der Mann ergänzt eigentlich die Sicht der Industriellen und des Bamf-Sprechers. Auf Sie aber wirkt der Kommentar irgendwie kontra und befreiend. 1:0 .

Bei Asyl geht es nur um politische Verfolgung. Bei politisch verfolgten ist die Integration in den Arbeitsmarkt rechtlich vollkommen Nebensache, und sie können gerne alle Analphabeten sein, das macht gar keinen Unterschied.

Vielleicht erkennen Sie nicht, warum die im Artikel erwähnten Stellungnahmen von BAMF usw. kontrafaktisch sind. Das ist eben das Schlimme. Ich habe starke Worte verwendet, weil ich dachte, das sieht jeder, das sei eindeutig. Da das Thema Asyl und Migration so polarisiert, war es vielleicht ein Fehler so ein Beispiel zu nehmen.

zelotti 04.01.2017 | 12:09

Also Herr Kürsche, nächstes Beispiel:

"Mehr als 1000 Frauen im Jahr werden in Pakistan Opfer sogenannter Ehrenmorde. Die Regierung versucht mit schärferen Gesetzen dagegen vorzugehen - so gilt die Familienehre nicht mehr als mildernder Umstand. Doch das allein wird den Frauen nicht helfen"

http://www.tagesschau.de/ausland/ehrenmorde-pakistan-101.html

Ehrenmorde gibt es in vielen Ländern auf der Welt und seit Jahrzehnten. Warum also gerade jetzt ein anlassloser Beitrag über Pakistan? Was für Kommentare wird man da wohl erhalten? Sicher tendenziell islamophobe.

"Auf den Philippinen haben mutmaßliche Islamisten ein Gefängnis gestürmt und dabei mehr als 150 Häftlinge befreit. Darunter sollen sich auch Anführer der radikalen Splittergruppe befunden haben. Mindestens sieben Personen wurden bei der Aktion getötet."

Was konkret Islamisten auf den Philippinen bedeutet, keine Ahnung. Hört sich mehr nach Bürgerkrieg as usual an, aber wenn statt Bewaffnete Islamisten, Kommunisten usw. steht, wird es in den höheren politischen Kontext eingeordnet. Was das wohl für Kommentare gibt?

http://www.tagesschau.de/ausland/schweden-asylpolitik-101.html

2015 verschärfte Schweden sein Asylrecht von einem der liberalsten zu einem der strengsten. Für viele Schweden war das ein Schock, war man doch stolz auf den Ruf als "Supermacht der Menschlichkeit". Doch Welche Folgen hatte der Politikwechsel?

Das wird schön erklärt, selbst Schweden sei nun Flüchtlingsgegner. Auch dieser Artikel hat einen passiv-aggressiven Grundton. Lass raten, was es da für Kommentare gibt.

All diese drei Artikel schimpfen und hetzen nicht, sie berichten nur neutral. Aber die Menschen verstehen trotzdem den Subtext, dass der Islam eine Bedrohung sein, respektive die Flüchtlingspolitik. Und genau das finden wir dann in den Kommentaren in weniger zurückhaltender Form.

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Ehemaliger Nutzer 09.01.2017 | 23:13

Die Tagesschau "berichtet" gemäss einem Narrativ des atlantischen Group Think. Allerdings sehe ich den in den aufgeführten Beiträgen nur sehr unterschwellig. Deutlicher wird er bei den "russischen Hacks", wo auch heute wieder "Berichterstattung" hart am Rande der offenen Falschmeldung erfolgt. Die Kommentarfunktion ist nach kurzer Zeit "wegen Überlastung der Moderation" deaktiviert, wohl weil zu viele sich misstrauisch zeigten.

Meta.tagesschau.de ist mit seiner "Moderation" eine Müllgrube und eine Verhöhnung der Leser und Schreiber. Angesichts der Tatsache, dass es sich um einen zwangsfinanzierten Auftritt handelt, ist das Verfassungsverrat gegen Art.5 GG "Eine Zensur findet nicht statt".

zelotti 16.01.2017 | 12:46

Seien wir mal skeptisch ggü. solchen Begriffen wie "Verfassungsverrat". Wenn aber Frau Krause über den Feedback jammert, dann hat sie natürlich Recht. Das Feedback sagt ihr, was die Berichte ihres Hauses evozieren. Im grunde meint man doch auch immer gegen "Populisten" angehen zu müssen, weil die sagen, was vereinfacht sei und an Instinkte appelliere, und das impliziert, dass die richtige demokratische Meinung unpopulär sei, also eine Art Idee, dass Demokratie, wenn sie funktioniert dem Elitenkonsens zu entsprechen hat, und nicht populär sein darf, im grunde genommen aber Demokratie gar nicht richtig funktioniere.