Axel Brüggemann und die Freitag-Redaktion
Ausgabe 0814 | 04.03.2014 | 16:00 83

Im dunkeldeutschen Wald

Rechtsdenker Wer hat Angst vor Schwulen, Moslems und Frauen? Eine neue Reaktion bekämpft das liberale Denken und will uns die Werte von Gestern als zukunftsweisend verkaufen

Vielleicht ist es tatsächlich die FDP, die unserem demokratischen System in diesen Tagen fehlt. Diese Partei, die einmal mit Werten von Liberalität, Freiheit, Menschenwürde und Gerechtigkeit angetreten ist und dann die Steuersenker, Neoliberalen und Erzkonservativen eingesammelt hat. Und die gerade deshalb als Regierungspartei scheitern musste.

Wer weiß, vielleicht hätten Jürgen Möllemann oder der damals noch ohne Rücksicht auf Verluste kämpfende Guido Westerwelle die Chuzpe gehabt, die FDP in jene Partei zu verwandeln, die es jenseits von Deutschland fast überall in Europa gibt: eine erzkonservative, nationale, antieuropäische und mit latenten Ressentiments spielende parlamentarische Größe. So wie die FPÖ mit Heinz-Christian Strache in Österreich (20,51 Prozent der Stimmen), die niederländische Freiheitspartei von Geert Wilders (10,1 Prozent) oder die Schweizer SVP von Christoph Blocher (26,6 Prozent) – letztere hat mit dem Volksentscheid gegen die Einwanderung sogar die knappe Mehrheit der Eidgenossen hinter sich versammelt.

Ein schwer übersehbares Feld

Zu einer Umorientierung der FDP in diese Richtung ist es nicht gekommen und dafür mag es mehrere Gründe geben. Sicher aber ist, dass das parlamentarische Ende der FDP nicht daran lag, dass es in Deutschland zu wenig moral-konservative und national-zentrierte Wähler gibt. Im Gegenteil, aber die FDP war eben nicht das richtige Gefäß für die aufkeimende Neue Rechte. Das wird umso klarer, seit es neben der großen Koalition von Angela Merkel und Sigmar Gabriel nur noch eine kleine, weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwundene Opposition gibt und der Kampf um den Ort des Erzkonservativen auf allen Ebenen begonnen hat. Die Leerstelle der FDP könnte perspektivisch durch eine rechtspopuläre Partei besetzt werden.

Bislang ist noch nicht so recht absehbar, wie sich das heterogene Feld der rechten Protagonisten in Deutschland ordnen wird. Unüberhörbar ist die neue Selbstverständlichkeit des nationalkonservativen Tones jedoch schon jetzt. Er schmückt sich gern mit dem Mythos des Revolutionären und Anti-Regierenden. Ganz bewusst setzen die neuen Rechtsdenker auf Themen wie Deutschlands Rolle in Europa und der Welt, Schwule und Lesben oder das militärische Engagement der Bundeswehr im Ausland. Der pseudoaufgeklärte, angeblich zukunftsweisende Protest soll das bislang Politisch-Korrekte diskriminieren und als Auslaufmodell des deutschen Spießertums brandmarken.

Glaubt man der Rhetorik der Neuen Rechten, geht es um eine radikale Neudeutung bestehender Normen, um einen Diskurs, den sich das Land bislang aus historischen Gründen selbst verboten hat, oder kurz: um eine Revolution der deutschen Selbstverständlichkeiten. Sie verkaufen gestrige Werte als zukunftsweisend und scheinen eine breite Masse der Bürger gerade dadurch zu begeistern, dass sie offen aussprechen, was viele bisher nur im Stillen gedacht haben. Thilo Sarrazin, dessen neues Buch Der neue Tugendterror in der kommenden Woche erscheint, ist das beste Beispiel dafür.

Tatsächlich passt das Wort Revolution besser zu den Wertebewahrern als zur Linken, mit der es gemeinhin assoziiert wird. Schließlich leitet sich Revolution vom lateinischen revolvere her – zu deutsch: zurückrollen. Die Stoßrichtung der neo-konservativen Kräfte erinnert sicherlich nicht ungewollt an die außerparlamentarische Bewegung der Weimarer Republik, an die „Konservative Revolution“. Adelige, rechte Intellektuelle und Wirtschaftslenker hatten damals ebenfalls das Vertrauen in die liberale „Zentrumspartei“ verloren, legten aber großen Wert drauf, sich von der NSDAP zu distanzieren. Später wurden sie als „Trotzkisten des Nationalsozialismus“ (so der Vordenker der Neuen Rechten, Armin Mohler) verfolgt und bestraft.

Die Freiheit des rechten Denkens

Die Ambivalenz der neuen konservativen Revolutionäre zwischen Liberalismus und Nationalismus ist wichtig, um das Phänomen zu verstehen, mit dem die ideologischen Grundlagen für eine allgemeine nationalkonservative Geisteshaltung gelegt werden soll, die im Nachkriegsdeutschland einmalig ist. Die Bewegung legitimiert sich durch die Freiheit des politisch unkorrekten Denkens und fordert sie als demokratisches Recht.

Es ist nicht leicht, Ordnung in die Vielstimmigkeit des aktuellen Diskurses zu bringen. Da ist zum einen die oppositionelle, weitgehend noch außerparlamentarische Politik, die sich um die Alternative für Deutschland und Alexander Gauland bewegt. Einer ihrer führenden Köpfe, Alexander Gauland, war 40 Jahre lang CDU-Mitglied. Derzeit versucht er gemeinsam mit dem AfD-Chef Bernd Lucke, frustrierte Alt-Politiker, vermeintliche Intellektuelle oder einst seriöse Wirtschaftslenker wie den neuen AfD-Europa-Kandidaten Hans-Olaf Henkel, an sich zu binden. Dabei spielt die AfD mit der angedeuteten Grenzüberschreitung bisher bestehender Regeln: Eindeutig ist man nur beim „Nein zum Euro“. Ansonsten lässt man Ausländerfeindlichkeit, Homophobie und Verdrossenheit mit dem parlamentarischen System nur wohlwollend mitschwingen.

Neulich war das sehr anschaulich bei Frank Plasbergs Hart aber fair zu sehen, als AfD-Sprecher Bernd Lucke sich an den Schweizer Weltwoche-Chefredakteur und konservativ-nationalen Sprachrohr von Blochers SVP, Roger Köppel, heranwanzte. Breit grinsend wünschte er sich eine Einwanderungsstopp-Volksabstimmung auch für Deutschland, und erinnerte dabei an den vorbildlichen demokratischen Prozess dabei. Ausgerechnet die AfD, die intern darüber debattiert, „die unteren Bevölkerungsschichten“ von Wahlen auszuschließen!

Während der Sendung sah SPD-Vize Ralf Stegner hauptsächlich schlecht gelaunt aus und schien persönlich betroffen, dass die Schweizer die Deutschen nicht mehr lieben. Wäre da nicht der Ökonom Michael Hüther gewesen, der Köppels und Luckes Angstargumentation faktensicher wegbügelte, die Sendung wäre eine reine Werbestunde für den AfD-Populismus gewesen.

Platte Ressentiments

Derweil ist die CDU, die mit ihrer Kanzlervorsitzenden politisch ohnehin immer weiter in die Mitte gerückt ist, gezwungen, Realpolitik in einer großen Koalition zu machen. Die Stellung am rechten Rand wird durch die »Wer-betrügt-fliegt-raus«-Kampagne der CSU gehalten, oder dadurch, dass Angela Merkel konservative Parteileute wie Katherina Reiche, Christean Wagner oder Armin Laschet bei Themen wie der Homo-Ehe an der langen Leine bellen lässt.

Angefeuert wird dieser Kampf um Stimmen durch Publizisten und Journalisten, die sich um den Springer-Verlag gruppieren. Viele von ihnen sind hauptsächlich Alpha-Tiere, die gelernt haben, dass ihr Marktwert durch Provokation steigt. Sie nutzen ihre Twitter- und Facebook-Accounts, um Texte bei ihrer Klientel zu streuen und durch außerredaktionelle Kommentare noch mehr anzuheizen: Matthias Matussek, Henryk M. Broder und in gewisser Weise auch Ulf Poschardt.

Grundsätzlich eint sie, dass sie versuchen, platte Ressentiments in einen intellektuellen oder gesellschaftlich relevanten Streit umzuwandeln. Keiner würde sich je offen zur AfD bekennen – viel mehr nehmen sie die Bohème-Attitüde der „Konservativen Revolution“ ein. Ihre eigentliche Funktion besteht darin, den an sich biederen Politikern der Neuen Rechten einen vermeintlich modern geführten und aufgeklärten Diskursraum zu bieten.

Erst in diesem journalistischen Umfeld, das zuweilen wie ein publizistisch-pubertierender Kindergarten anmutet, werden bislang bestehende Tabus scheinbar spielerisch und aus purer Lust an der Provokation gebrochen und hoffähig gemacht. Die Springer-Autoren öffnen so erzkonservative Ideen einem breiten Publikum. Und sie arbeiten unbeirrbar daran, ihren Kosmos auszuweiten. Umso bemerkenswerter ist, dass sich der einstige Debatten-Primus Frank Schirrmacher von der FAZ in diesen Auseinandersetzungen weitgehend zurückhält. Vielleicht will er nicht in den Dunstkreis des Populismus geraten?

Alles nur Pop?

Und noch etwas fällt auf: Eine „Neue Rechte“ gibt es in diesem Sinne nicht. Aber genau das macht sie so gefährlich. So heterogen wie die Protagonisten sind ihre Positionen. Auf der einen Seite steht die AfD mit ihren rechtspopulistischen Forderungen. Dagegen stehen die Konservativen der CDU, die, anders als die AfD, Deutschlands Stärke auch durch Militäreinsätze im Ausland behaupten wollen, mit Ausländerfeindlichkeit dagegen nur latent spielen. Außerdem sind da der Ultra-Katholik und Moralapostel Matthias Matussek, der seine Homophobie jüngst auf welt.de outete, und dort auf den aufgeklärten, aber nicht minder konservativen Ulf Poschardt trifft. Die beiden spielen sich die Bälle zu und inszenieren eine vermeintliche Debattenkultur innerhalb des konservativen Lagers.

Etwa, wenn Poschardt den Contra-Matussek-Text von Lucas Wiegelmann, der ebenfalls in der Welt erschien, lässig mit „Thänx Lucas Wiegelmann“ auf Facebook postet, um zwei Tage später selbst einen philosophisch-soziologischen Feuilleton-Aufmacher über Homosexualität und Pop zu formulieren. Wahrscheinlich beherrscht derzeit niemand das konservative DJ-tum besser als er.

Poschardt ist der Oswald Spengler der konservativen Revolution. Fragt sich nur, zu welchem Zweck er antritt. Fürchtet er tatsächlich den Untergang des Abendlandes oder ist das alles für ihn am Ende auch nur Pop? Oder gar Strategie? Auf jeden Fall findet der Diskurs der modernen konservativen Revolutionäre derzeit nur in wenigen Medien statt – aber gerade die machen sich durch ihre einsam in den dunkeldeutschen Wald rufenden Leitartikler unverzichtbar für Freund und Feind. Als Geschäftsmodell gar keine schlechte Idee.

Lagerkampf gegen die Feuilletoncowboys

Gerade weil die Gruppe der konservativen Revolutionäre so heterogen ist und noch nicht fest in angreifbaren Formen wie etwa Parteien geordnet ist, fällt es schwer, sie und ihre Argumente zu bekämpfen. Die Linke tappt derweil in die uralte Falle des Populismus: Sie lässt sich von den polemischen Thesen ihrer Gegner zum Kampf hinreißen, erwidert ebenfalls mit Polemik und bläst zum Lagerkampf. Nur, dass die alten Lager längst aufgelöst sind.

Die moderne „konservative Revolution“ funktioniert nach den historischen Mustern der Weimarer Republik: Sie inszeniert sich als verfolgter Outlaw, will ihre Gegner als Starrköpfe entlarven und den Diskurs aus der demokratischen Mitte in die Extreme ziehen. Aber anstatt zu wüten oder insgeheim mit den Thesen der Neuen Rechten zu flirten (EU-Bashing), sollte die Linke aus der aufgeklärten gesellschaftlichen Mitte heraus argumentieren.

All das mag nicht so sexy sein. Aber es wäre fatal, wenn die Linke sich von den Feuilleton-Cowboys zum hemdsärmligen Polit-Western herausfordern ließe und ihre Gegner ebenfalls im High-Noon-Stil bekämpfen würde. Die meisten von ihnen, Matussek, Henkel, Sarrazin, Köppel oder Broder haben nichts mehr zu verlieren: Sie haben ihre journalistische oder politische Glaubwürdigkeit längst eingebüßt. Das macht sie so unberechenbar. Und gefährlich. Axel Brüggemann


Der Gläubige

Der Glaube kann etwas Wunderbares sein. Er vermag es, das Leben mit Sinn zu erfüllen und Kraft zu schenken. Es kann mit dem Glauben aber auch ziemlich in die Hose gehen. Wie bei Matthias Matussek. Der war mal ein wirklich guter Journalist: mutig, originell und lustig. Aber dann widerfuhr ihm irgendein verhängnisvolles Damaskuserlebnis und machte ihn zum traurigen Ritter der katholischen Gestalt. Vielleicht liegt es daran, dass er sich als Strenggläubiger in säkularer Zeit in der Dauerdiaspora fühlt, oder er ist nach langer Wanderung einfach da angekommen, wo er immer schon hingehörte: Jedenfalls hat Matussek inzwischen seinen Platz in den Reihen der Neo-Reaktionäre gefunden und schimpft nun dauernd auf alles, was nicht männlich, weiß, katholisch ist. Und wenn er dann solche Sätze schreibt: „Wahrscheinlich bin ich homophob wie mein Freund, und das ist auch gut so“, dann ist das leider gar nicht mehr mutig, originell und lustig. Sondern eklig. Jakob Augstein


Die ZK-Feministin

Wenn es Alice Schwarzer nicht schon gäbe, sagen böse Zungen, hätte man sie erfinden müssen, um den Feminismus in Verruf zu bringen. Mit ihren Stoppschildern markiert sie das politische Gelände, ex cathedra und kraft selbstverliehener Deutungshoheit. Sie verabscheut das Kopftuch und steckt die einheimischen Frauen gleichzeitig in Soldatenmontur, als sei das der Gipfelpunkt der Gleichberechtigung. Dass sie sich mit der Bild-Zeitung ins Bett legte und Papst Benedikt zum 80. Geburtstag gratulierte, haben ihr viele Frauen übel genommen. Richtig unbeliebt gemacht hat sie sich zuletzt bei den Huren, denen sie vorschreiben wollte, wie sie zu leben und sich zu fühlen haben. Gäbe es ein ZK des Feminismus, würde sie den Vorsitz beanspruchen. So bleibt es bei der selbst ernannten Päpstin. Ulrike Baureithel

Der Einsame

Gibt es einen Menschen, der offen reaktionär ist? Ja, der Schriftsteller Botho Strauß. „Der Reaktionär ist Phantast, Erfinder.“ Er „lässt, was niemals war, geschehen sein“. So stand es in einem Spiegel-Essay. Dieser Reaktionär ist vor allem elitär. Internet, Smartphone, Psychotherapie – alles pöbelhaft. Nun führt Strauß in der Uckermark ja wirklich ein solitäres Leben. Und träumt von einer kleinen Verschwörung der Einsamen, die „nicht feind der Demokratie“ sind, aber „feind dem demokratischen Integralismus“. Ich bin bei Facebook, glaube an die Psychotherapie und singe zum Aufstehen das Lied der Toleranz! Der Reaktionär erträumt uns den Menschen dagegen, wie er nicht mehr sein darf. Tastend, garstig, verschlossen. Find’ ich gut. Als Politiker wäre Botho Strauß allerdings ein Albtraum.
Michael Angele

Der Zwangsdenker

Die letzte große Provokation des Philosophen Peter Sloterdijk datiert von 2009: Da schrieb er in der FAZ, man solle die „Zwangssteuern“ abschaffen und durch „Geschenke“ der Wohlhabenden „an die Allgemeinheit“ ersetzen. Damals mag der Eintritt der FDP in die Bundesregierung seine Phantasie erhitzt haben. Aber Anlässe für steile Gedankenflüge nach rechts findet er auch so immer wieder. So hob er im Jahr 2000 an Nietzsche in dessen 100. Todesjahr den Willen zum Selbstlob hervor, der in Lebens-„Steigerungen“ gründe, die „nur Wenige“ sich erlauben könnten. 1997 hatte sich eine öffentliche Debatte über Biotechnologien abgezeichnet. Da forderte er, man müsse sich klarmachen, dass die Menschheitsgeschichte eine Geschichte der Zähmung und Züchtung sei, und wollte deshalb genetische „Regeln für den Menschenpark“ aufstellen.
Michael Jäger

Der Hans-Olaf

Immer wenn es hierzulande darum ging, wer ein Aushängeschild einer noch zu gründenden rechtspopulären Partei sein könnte, fiel der Name von Hans-Olaf Henkel. Aber der zierte sich. Mal dockte er bei dem europakritischen Teil der FDP an, dann interessierte er sich für die Freien Wähler. Seit kurzem ist der 73-Jährige nun Europa-Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland. Als BDI-Chef war Henkel nur mäßig bekannt, sein marktradikales konservatives Profil gewann er erst später als Dauergast diverser Talkshows. Dort spielte er die Rolle des unangepassten Außenseiters und wetterte gegen angebliche Denkverbote, die Mainstream-Meinungen und den Linksruck der Gesellschaft, darin Thilo Sarrazin nicht unähnlich. Gut möglich, dass er ins EU-Parlament in Straßburg einzieht. Für die deutsche Politik wäre es kein Verlust. Für die deutschen Rechtspopulisten schon. Philip Grassmann

Der Wunderonkel

Harald Martenstein wäre gern ein Opfer. Schreibt er aus Witz dauernd in seinen Zeit Magazin-Kolumnen. Martenstein tritt auf, wie er spricht: wie ein lustiger Onkel. Ob er wirklich schlicht ist oder nur so tut, lässt sich nicht mehr sagen. Zur Beliebtheit trägt die Pose auf jeden Fall bei, das ist wie bei der Bild-Zeitung: Martenstein macht den Leuten keine Angst, er ist wie sie, wie die Leserschaft der Zeit: „normal“. Und er wundert er sich für sie über alles, was „unnormal“ ist. Etwa: Dass „unnormale“ Menschen gesellschaftliche Zurücksetzung beklagen, die sie doch so locker nehmen könnten wie er. Dabei weiß Harald Martenstein gar nicht, worüber er schreibt, weil Empathie ihm nicht zur Verfügung steht und er gesellschaftliche Zurücksetzung nicht erfährt. Noch weniger, seit er gut bezahlter Populärkolumnist ist. In diesem Sinne wäre er ein Opfer – seines Erfolges. Matthias Dell

Die Abtrünnige

Oft hat Necla Kelek mit ihrer Kritik an der islamischen Parallelgesellschaft ja recht. Wer aber, wie sie es tut, nur auf der Parallelgesellschaft herumhackt und verdrängt, dass die deutsche Aufnahmegesellschaft zu wenig Chancen bietet, damit islamische Jugendliche ihre Bikulturalität auf attraktive Weise leben können, fördert eher die Abschottung. Anders gesagt: Schnell wird das Richtige falsch, wenn es in allzu griffiger Formulierung oder im falschen Tonfall vorgetragen wird. Richtig ist, dass mit einem Kopftuch, sei es freiwillig oder gezwungenermaßen getragen, Heranwachsende beeinträchtigt werden, gerade wenn es darum geht, sich selbstbestimmt Geschlechterrollen anzueignen und sie zu behaupten. Wenn Kelek Kopftücher aber marktschreierisch eine „Körperverletzung“ nennt, aus der systemisch dann Zwangsheirat und Ehrenmord erwachsen, spielt sie jenen in die Hände, die in der islamischen Zivilisation allein Gewalt und Unterentwicklung sehen wollen. Und mit Muslimen nichts zu tun haben wollen.
Sabine Kebir


Das Role-Model

Mit Thilo Sarrazin fing alles an. Nicht das reaktionäre Denken, das ist älter. Aber der frühere Politiker und Zentralbanker schrieb 2010 Deutschland schafft sich ab und gab dem deutschen Rechtspopulismus damit Gesicht und Argument. Sarrazin verbindet emotionslose Intelligenz, kindischen Trotz und die erbitterte Suche nach Anerkennung mit einem rücksichtslosen Gespür für die Vorurteile seines Publikums. Das ließ ihn zum perfekten Vordenker einer neuen Bewegung der Kleinbürger-Propaganda werden. Seine Texte sind Volkshochschulkurse in solcher Propaganda. Logische Kurz- und Zirkelschlüsse, Anspielungen, Unterstellungen, bewusste Missverständnisse – und alles zielsicher in den Dienst einer Sache gestellt: den Kampf gegen das liberale Denken. So gesehen ist Thilo Sarrazin ohne Zweifel ein sehr gefährlicher Mann. Jakob Augstein

Die neue Eva Herman

Birgit Kelle, vierfache Mutter, bedient den Nischenplatz der weiblichen Konservativen derzeit fast so erfolgreich wie einst Thea Dorn oder Eva Herman. Überall wettert sie gegen „die Genderisierung unserer Gesellschaft“: Die Medien seien geknebelt von „Schreihälsen der Homo-Lobby“. Der „Mainstream“ ticke komplett familienfeindlich, und Mütter, die nicht berufstätig seien, würden verachtet, behauptet sie. Obwohl sie als Sachverständige der CSU einst erfolgreich für die Herdprämie warb. Für ihre steilen Thesen zitiert sie gern die Bild der Frau oder Umfragen des Staubsaugerherstellers Vorwerk. Über sich selbst sagt sie sinngemäß: Ich bin keine freudlose Spießerin. Dabei scheint sie ein mittelschweres Busenproblem zu haben: Dann mach doch die Bluse zu heißt ihr 2013 erschienenes Buch, Untertitel: Ein Aufschrei gegen den Gleichheitswahn. Einen Aufsatz gegen die Quote überschrieb sie mal mit den Worten „Schluss mit dem Titten-Bonus“. Katja Kullmann

Der Moralist

Henryk M. Broder ist ein Moralist. Und wie mancher vor ihm ist er über die Welt verbittert. Das ist für ihn traurig, für seine Leser aber noch mehr. Denn der verbitterte Moralist kennt keine Grenzen, er haut auf alles und jeden ein. Im Springer-Verlag haust er nun in einem rechten Winkel und schimpft auf Moslems, Grüne und Linke. Noam Chomsky ist für ihn ein „absoluter Psycho“, das Urgestein der Friedensbewegung Horst-Eberhard Richter betreibt „Psychoanalyse auf Al-Kaida-Niveau“. Dann gibt es noch die „1,5 Milliarden Moslems in aller Welt, die chronisch zum Beleidigtsein und unvorhersehbaren Reaktionen neigen“. Besonders dramatisch ist das hier in Deutschland, wo Broder eine „Inländerfeindlichkeit“ ausgemacht hat. Wem das noch nicht reicht: „Die Klimadebatte ist eine Art Feldgottesdienst der Ungläubigen, die sich im Glauben an das Ende der Welt zusammengefunden haben.“ Alles klar. Felix Werdermann

Axel Brüggemann ist Publizist und Buchautor. Zuletzt schrieb er über die Olympiade

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 08/14.

Kommentare (83)

Misty 01.03.2014 | 13:57

Wenn Frau Kelle die Berufstätigkeit von Müttern ablehnt, sollte sie mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Beruf aufgeben.

Ich bin es leid, dass konservative Frauen trotz Kindern Karriere machen, allen anderen Frauen aber das Recht absprechen, selbst berufstätig zu sein, geschweige denn Karriere zu machen.

Practice what you preach!

B.V. 02.03.2014 | 16:41

"...und will uns die Werte von Gestern als zukunftsweisend verkaufen." Vielleicht waren diese Werte nie weg, nur glaubten das Leute, die sich gerne für den Nabel der Welt halten (der linksliberale Meinungsmainstream ), Dieser war aber nie die Volksmehrheit, allenfalls in einigen kulturellen Teilbereichen der Gesellschaft. Nun muß man unliebsamen Realitäten ins Auge blicken, weil dessen Gegner nicht mehr kuschen und die Mehrheit im Volke beginnt, sich nicht mehr nerven zu lassen.

Frau Kelle und Andere bekommen viel zuspruch, das muß schmerzen. "Wenn Frau Kelle die Berufstätigkeit von Müttern ablehnt, sollte sie mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Beruf aufgeben." So viel ich weiß macht sie ihre Aktivitäten aus der Privatheit heraus( wie andere sich z. B nebenbei in Parteien angagieren oder ehrenamtliches tun) und ist ansonsten Hausfrau. Wo ist da bitte die Karriere?

Mr. Smith 04.03.2014 | 16:04

Zu Necla Kelek ist Martensteins Bild eingefügt, vielleicht lässt sich das noch ändern. Ansonsten ein guter Beitrag, vielen Dank.

Traurig ist, dass von diesen Leuten auf pseudomoralische Weise argumentiert wird und überkommene gedankliche Traditionen als sinnhafte Werte verkauft werden, wo doch seriöse Wissenschaft stets so ziemlich das Gegenteil des Geforderten als produktiver, freiheitlicher, demokratischer und nachhaltiger beschreibt. So manch vernunftbegabter Konservativer wird sich von solchen Trommlern distanzieren, die doch vor allem populistische Ziele verfolgen und derne Saturiertheit ein echtes Interesse an der sie umgebenden Gesellschaft erschweren oder gar verhindern.

aporeiter 04.03.2014 | 16:56

alles eine Ansammlung von genannten Schwafel-Blasen. Schon vorher kann man sagen was kommt. Im System eingebunden, dem eigenen materiellen Erfolg verpflichtet. Ich habe die ersten Emma-Hefte verschlungen weil es einfach ein Heft mit so vielen Tips für Männer nicht gab und nicht gibt. Und die Maxime war einfach: Ein Mann? Mädel hau drauf. Heute haben die Anwälte die Regeln geschrieben für die Worthülsen. Auch der Broder kann es gut, ein paar mutige Frechheiten, verpackt in ellen-langen Allgemeinplätzen, am Thema vorbei aber jubelnde Anhänger, die dann auch gleich kund tun was sie von allem halten: Der Bricht war Mist, aber wie schön von Ihnen zu lesen. Also wenn mir ein Lied gefällt, muß es noch lange nicht die ganze Platte...

wwalkie 04.03.2014 | 17:10

Es ist schon so, wie es im Strauß-Portrait steht: Keiner traut sich mehr, offen reaktionär zu sein. Darum diese Verbiegungen. Man kann sie nicht treffen. Andererseits müssen sie sich als "irgendwie Reaktionäre" auf dem ideologischen Feld vermarkten. Darum dieses Kokettieren mit der Macht oder den alten Ideologen der Macht.

Keiner traut sich aber auch, offen revolutionär zu sein.

Keiner traut sich überhaupt etwas.

Grundgütiger 04.03.2014 | 18:19

Guter Artikel, bis auf die Analyse der Linken.

Die muss sich nicht alleine mit Meilensteinen der Intelligenz plagen.

Von denen einige mit Sicherheit schon Platzangst kriegen.

Für wichtig halte weiterhin den Kampf gegen Rassismus.

Und da regiert im Moment der fatale Spruch:"Das muss man doch mal sagen können".

Der Handel mit Moral erklimmt neue Höhen.

Es muss ja nicht die eigene sein.

Noch ein Karnevalswitz.

Warum kriegen FDP-Mitglieder beim Arzt keine Tabletten?

Weil´s für A.....löcher nur Zäpfchen gibt.

koslowski 04.03.2014 | 20:54

Danke sehr. Sie haben, für mich plausibel, "Ordnung in die Vielstimmigkeit des aktuellen Diskurses" gebracht.

Martenstein allerdings, finde ich, gehört nicht zu den Männern im "dunkeldeutschen Wald". Er schreibt unpolitische Glossen, das ja, aber er tut es auf einem handwerklich hohen Niveau und gibt sich keine Mühe, seine linksliberale Grundhaltung zu verbergen.

Es fehlt meiner Meinung nach eine genauere Analyse der Partei DIE LINKE. Strömungen der Partei erinnern in ihren Platitüden über Parteien und parlamentarische Demokratie doch sehr an die konservativen Revolutionäre der WR, und ihre EU-Skepsis ist von der EU-Feindlichkeit der AfD schwer zu unterscheiden.

Aber nochmals: gute journalistische Arbeit!

janto ban 04.03.2014 | 22:07

Die deutsche Aufnahmegesellschaft bietet zu wenig Chancen, damit islamische Jugendliche ihre Bikulturalität auf attraktive Weise leben können..??? (vgl. "Die Abtrünnige")

Jetzt überlege ich natürlich, was ich ganz persönlich dazu beitragen kann, dass mehr Chancen geboten werden, damit islamische Jugendliche ihre Bikulturalität attraktiver ausleben können.

Islamische Jugendliche.. Bikulturalität..

Gibt's auch Trikulturalität? Ich dachte eigentlich immer, Kultur gehört zum Menschen - und nicht umgekehrt. Hmmmm..

Ich bin schwul, katholisch und irgendwie links. Alles gleichzeitig. Chancen dringend gesucht. Gern auch attraktive. Bitte nur ernst gemeinte Zuschriften. Danke.

B.V. 04.03.2014 | 22:36

@WHITEPLASTIC . "... Einen „linksliberalen Meinungsmainstream“ zu konstruieren, wo doch angeblich die „Volksmehrheit“ sowieso „politisch inkorrekt“ denkt ist aber dann doch sehr widersprüchlich." Das ist gar kein Widerspruch, meine Argumentation betreffend, denn der linksliberale Medienmainstream bezieht sich auf die Medien (Print, Radio, TV), nicht aber auf die Mehrheit der Menschen im Volk. So ist ein Widerspruch nur hier auszumachen, also: zwischen Volksmehrheit und Medienmacht.

Sägerei 04.03.2014 | 23:09

Nahezu 100% aller maßgeblichen Journalisten in TV-Sendern, bei Springer, Bertelsmann etc. sind Mitglieder transatlantischer Vereinigungen, in Vereinigungen wie INSM und besucht die mannigfaltigen berliner Gesprächskreise. Es gibt zwar einen linken Mainstream (taz, Freitag), aber der hat nichts mit der Medienlandschaft der Berliner Republik zu tun, ist seit 1990 auf dem Rückzug und von allen Machtzirkeln ausgeschlossen. Als Sündenböcke sind wir aber nach wie vor top.

iDog 04.03.2014 | 23:29

Wenn totalitäre Tendenzen im öffentlichen Diskurs, sei es als Widerspruch oder als Geschäftsmodell, meist sind sie beides, auf immer mehr Gehör stoßen, zeigt das nicht nur, dass es vielen wirtschaftlich schlechter geht und die Demokratie nicht demokratisch genug ist, um die sozialen Konsequenzen dessen aufzufangen, sondern auch, dass diese Tendenzen, die vorher weniger Relevanz hatten, erschreckender Weise latent immer noch seht verbreitet waren im Sinne einer Opportunität, welche diesen Tendenzen als Angst des total Abhängigen eigen ist. Das Revival ist wie in der Popmusik meist peinlich, aber ungleich gefährlicher.

Es ist und bleibt bemerkenswert, dass viele bei dem erzkonservativen Ruf: "Rette sich wer kann", die Gefahr verkennen und in die falsche Richtung rennen. Dies scheint auf der Konditionierung zu gründen, die die Bestätigung des vermeintlich eigenen Urteils in der Endlosschleife zur statischen Wahrheit stilisiert. Der Zeitfaktor wird dabei erfolgreich ausgeblendet. Verantwortung für eine wie auch immer geartete Zukunft findet nicht statt. Denken wird zum faut pas. Und das, wenn es am dringendsten gebraucht würde. Man ist überfordert.

Panik ist ein gut verstandenes Massenphänomen. Es wir gewöhnlich von wenigen Individuen ausgelöst. Die haben entweder wirklich begründet Angst, oder sie verbreiten diese mit vollem Bewusstsein. Der Rest ist Geschichte.

Daniel Domeinski 04.03.2014 | 23:57

Etwas mehr Liebe zum Detail würde diesen Artikel gut tun. Es wäre z.B sinnvoll gewesen die Behauptung Mohlers, "später wurden sie als „Trotzkisten des Nationalsozialismus“ (...)verfolgt und bestraft", nicht einfach so kritiklos zu übernehmen. Schmitt und Heidegger traten aus opportunistischen Gründen der Partei bei. Jünger konnte sich der Schriftstellerei widmen...

Amanda Donata 05.03.2014 | 01:01

Und finden Sie nicht, daß Sie, mein Lieber (Vf.) selbst konservativ (also "rechtz" denkend) sind .. da Sie (wie oben zu lesen) ein wenig klischeemäßig denkschreiben .. also ein rechter Linker sind ..;-))) .. und Ihre Polemik steht der der "Rechtzdenker" in nichts nach ..

Habe den Eindruck, daß "rechts" und "links" Sachen sind, die in die Dada-Suppe gehören .. neu garen lassen .. das ganze ..;-)

AD

dame.von.welt 05.03.2014 | 09:14

... sondern daß die "von Gestern" ihre demokratischen Rede- bzw. Versammlungsrechte immer bewußter werden ...

Hm, das machte mich nun nachdenklich.

Sie glauben, die "von Gestern" könnten tatsächlich derartig von gestern sein, daß ihnen die im Grundgesetz garantierten Rechte erst seit Kurzem °immer bewußter° werden?

Falls Ihre erschütternde Enthüllung den Tatsachen entsprechen und weiterer Nachholbedarf bestehen sollte, die Rettung naht!

dame.von.welt 05.03.2014 | 09:44

Martenstein allerdings, finde ich, gehört nicht zu den Männern im "dunkeldeutschen Wald". Er schreibt unpolitische Glossen, das ja, aber er tut es auf einem handwerklich hohen Niveau und gibt sich keine Mühe, seine linksliberale Grundhaltung zu verbergen.

Martenstein verkündet vor allem zu allem eine ihm persönlich möglichst revolutionär erscheinende Meinung klickklack. Aus meiner Sicht weder unpolitisch, noch handwerkliches Niveau noch linksliberale Grundhaltung. Es sei denn, Sie sähen diese drei Qualitäten auch bei Franz-Josef Wagner von der Blödzeitung, Martenstein ist dessen Äquivalent bei Die Zeit.

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Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 11:05

Mehr Schulden als ALLE islamischen Länder z u s a m m en in D -land oder Frankreich allein!

Nachwuchsprobleme in den Männerberufen, die Schwächung der Armee, die Überkapazitäten in den Medien, in der Sozial-Industrie( Moslems leben hier mit Familie und ohne Arbeit besser als im eigenen Land mit Arbeit- deshalb sind sie hier!), zu viele planwirtschaftlich finanzierte Mode-Studiengänge, die die Welt überhaupt nicht braucht- komischerweise nennen sich alle `Wissenschaft`..., u.s.w. .

10 Tausend gewaltbereite, möchtegerndeutsche Nazi`s und 100 Tausend gewaltbereite, möchtegerngläubige Moslems die hier wie überall in EU die grosse Kriminalität machen (Angabe BKA).

Historisch hat der linke Internationalsozialismus mehr Opfer gefordert als der vermaledeite Nationalsozialismus !!!

Magda 05.03.2014 | 13:15

Mit dem "rechts" und "links" Label habe auch so meine Probleme.

Alice Schwarzer hat "linke" und "konservative" Statements abgegeben. Sie mit der Birgit Kelle und Matussek in einer Reihe zu sein,das macht mir ein gewisses Unbehagen. Necla Kelek - bei ihr ist es auch die Einseitigkeit. Es gab Zeiten, da hab ich

Bei anderen Protagonisten bin ich nicht so sachkundig bis auf den Sloterdijk, der ja so skandalisiert, dass man ein bisschen was erfährt.

Necla Kelek ist "gut getroffen", sie hatte in manchem Recht, aber bei der Ursachenforschung ist sie nicht so recht vorangekommen. Und nun ist sie "rechts", das ist alles recht einfach.

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Ehemaliger Nutzer 05.03.2014 | 13:16

"Michael Angele" ist nicht kursiv gesetzt.

Mir fehlt etwas die Tiefenanbindung, Verknüpfungen mit "historischem" Gedankengut, wie beispielsweise im schon 1997 erschienenen Buch von Lenk, Meuter, Otten - Vordenker der Neuen Rechten - aufgezeigt, auch hier wird übrigens Botho Strauß erwähnt.

Die Verschiebung des gesamten (nicht nur deutschen) Spektrums nach Rechts wird kaum thematisiert, immerhin werden die Genannten nicht nur in abstrusen rechten Blättchen gedruckt, sondern überwiegend auflagewirksam in Massenmedien (Spiegel, Springer, FAZ, Zeit). Aber das macht nichts, ist es doch eines meiner nächsten Themen, wenn die Ukraine endlich "befriedet" ist.

Als Rechtsdenker würde ich nur Botho Strauß und Peter Sloterdijk bezeichnen, der Rest sind Rechtspopulisten oder Hohlraumpopulisten, wie dann auch im jeweiligen Portrait erwähnt.

Frau Schwarzer gehört nun wirklich nicht in diese Liste, sie dort einzubauen ist ein ganz eigener Populismus.

karamasoff 05.03.2014 | 13:51

@Mopperkopp

Ich würde sogar noch weiter gehen und die ganz grosse Gefahr darin sehen, daß diese Pseudointellektuellen eine Denkart populär machen, die bar jeder Aufklärung ist und die Logik des Lynchmobs ist.

Daß Leute wie Sloterdijk langsam dazu übergehen diese Denkart versuchen logisch zu ergründen gehört mit zum zwanghaft integrativen Charakter des westlichen Demokratieverständnisses, der meines Erachtens darin begründet sein muss, daß der Westen die Demokratie aufgeordert bekam und auch fleissig umsetzte, aber nie reflektiv die eigentliche Kraft einer sozialen und aufgeklärten Gesellschaft entfaltet oder verinnerlicht hat.

Symptomatisch und die Spitze des Eisberges sind da die pseudowissenschaftlichen Vorträge eines Axel Stoll, dessen wissenschaftlicher Mumpitz ja tatsächlich von einigen für bare Münze genommen wird. Inhaltlich mag das noch ziemlich differieren vom Mumpitz eines Sarrazin, aber strukturell ist es exakt genauso begründet, adaptiert und weitergereicht durch breiteste Öffentlichkeiten.

Es ist diese Art intellektuellen Niederganges von Vernunft, Logik und Empathie die mir wirklich Angst macht, denn damit lässt sich ausnahmslos ALLES rechtfertigen, was der Mensch an Sadismen, Brutalitäten und antigesellschaftlichem Verhalten abzurufen im Stande ist.

Rufus T. Firefly 05.03.2014 | 16:45

Ist der Kräterwatsch (oder wie der Name auch war?) etwa gesperrt worden, weil er auf für die FC-Redaktion unrühmliche Vorgänge verlinkt und hinweist? Etwas seltsam mutet es doch an, dass der Nutzer kurze Zeit nach Einstellen dieses Kommmentars nun ein ehemaliger geworden ist. Dieses intransparente und teilweise willkürlich anmutende Vorgehen bei Sperrungen und Löschungen der Nutzer ist m.M.n. unhaltbar für ein sog. Meinungsmedium mit angegliederter Community. Und nährt zudem Spekulationen und Gerüchte. Wie das Beispiel Wolfram Heinrich zeigt; meine Vermutung war, dass er gesperrt wurde. Tatsache ist aber offensichtlich, dass er auf eigenes Verlangen gelöscht wurde. Wobei "gegangen wurde" wohl für den Vorgang passender ist...

Columbus 05.03.2014 | 19:20

Ihr habt, wie gedruckt, Recht. Diese Seite Eins und das Center-Fold Seite 06/07, treffen.

I Der gute Kern in manchem konservativ-rechten Feuilletondenken

Weil aber so viel am Rechtsdenken schon ein Geschäftsmodell ist, von der lustvollen Frustabfuhr, über die öffentliche Zornbewältigung mittels der Polemik, über die Elitenäthetik, die einer Aufforderung zur Gralssuche nahekommt, also Teil größter Effekthascherei ist, bewahrten sich einige aus der zukünftigen Ahnengalerie der rechtskonservativen, deutschen Meinungsunterhaltung auch noch ein paar Nischen dessen, womit sie thematisch einst ein paar Nägel auf den Kopf trafen.

So überzieht Alice Schwarzer heute mit ihrer unerbittlich geführten PornNo-Debatte. Sie hat da auch manches schlichtweg verdrängt, was sie von ihrer Freundin Margarete Mitscherlich doch hätte noch annehmen können und sollen, geht es um die selbstbestimmten Möglicheiten der Sexualität und die Vermarktung der eigenen Person, die ja längst diesen Bereich verlassen hat und Wesen, auch recht viele Frauenwesen, erschuf, die es nur in Verbindung mit Massenmedien geben kann.

Bezüglich des gigantischer Sklavenmarktes der bestens funktionierenden Prostitutionsindustrie, die sogar den tendenziellen Fall der Profitrate und Wirtschaftskrisen über Dicountgeschäfte abbildet, in dem ganz überwiegend nicht das Reich der Freiheit selbstbestimmter DienstleisterInnen die einem sozial absichernden Beruf nachgehen, hat Alice Schwarzer völlig Recht. Hände, Münder, Geschlechtsteile und viel wichtiger noch, die Gefühle und das Denken, sie sind da nicht etwa von williger Selbstbestimmung in Bewegung gesetzt, sondern von Nöten und massiven Abhängigkeiten.

Die Frischfleischpumpe spült, vornehmlich aus den östlichen und südöstlichen Transformationsgesellschaften und den jüngeren EU-Mitgliedern, die Ware „Frau“, in einem ganz dunklen und durchaus nicht kleinen Bereich sind es „Mädchen“, irgendwo um die Volljährigkeit, nach Deutschland, das mittlerweile als eine Drehscheibe des europäischen Handels und zugleich als einkaufstärkstes Absatzgebiet gilt. Viele Gesetze und noch mehr regionale und kommunale Verordnungen stehen bei uns nur auf dem Papier. Massive staatliche Eingriffe erfolgen in aller Regel nicht gegen die Händler und Geschäftsleute und gegen deren Vermögen, sondern gegen die „Angestellten“. - Ganz offenbar bauen Papiere keinen wirksamen Schutz gegen Menschenhandel und Ausnutzung auf.

II Psychoanalyse und Psychologie als „Buh“-Thema der Rechtsdenker

Nicht nur bei bei der Feuilleton-Rechten, fällt eine um sich greifende, gehässige Feindschaft gegen die Psychoanalyse Sigmund Freuds auf. Dabei ist die Analyse ein Aufklärungs- und Selbstertüchtigungsinstrument. Weder Facebook-kompatibel, noch vereinbar mit der Herrschaft des Über- Ichs oder des Es, des Marktes und der Wunscherfüllungen. Die Analyse will als Gesellschaftstheorie immerhin nichts weniger, als die Befreiung von Einflüsterungen, von erzwungenen Kollektiven im Denken und Handeln, Befreiung von den mächtigsten Instanzen des Über-Ichs (Staat, heilige Familie, übergriffige Partner), aber eben auch nicht die Herrschaft der Triebstruktur, die erstaunlich oft Kränkungen und Versagungen in die eine oder andere Form von Gewalt wandelt.

Solche recht(s)denkenden Superindividualisten, die alle, laut Selbstauskunft, im Namen irgend einer Aufklärung unterwegs sind, die gerne einmal beim Volke sitzen und darum Vorurteile bedienen, weil das so beliebt macht und damit auch markterobernd wirkt, müssten daher mehr von der Analyse kennen. Die ist nämlich, mit dem Konzept der Ich-Stärkung und des Selbst, da, wo sie mehr ist als Behandlungstechnik, eine Theorie für die seelische Wundermaschine des zukünftigen Übermemschen, der letztlich nichts anderes ist, als einer, der zu sich „Ich“ sagen kann ohne die Welt zu verbrennen oder sie stellvertretend für die eigenen inneren Schwächen anzuklagen.

Einer ist allerdings in der Galerie dabei, der sich vom eigenen, grandiosen Ich schon so weit hat treiben lassen, dass er sich bis zuletzt als Kasperl neben Wachtmeister Dimpfel-Goethe sah und sich in seiner publizistischen Polemik mit Heinrich Heine und Ludwig Börne verglichen wissen wollte.

Martenstein, der meist was nicht versteht, Botho aus der Uckermark und Henryk M. auf Achse, ja, selbst der zornige Zwangsdenker Sloterdijk, lassen sich in schöner Regelmäßigkeit zu Ausfällen gegen die Analyse hinreißen.

III Das Schöne, Wahre, Gute, es hat Traditionen, die man kennen sollte

Und Botho Strauß sucht und findet vielleicht in der Uckermark das Erhabene, ewig Wahre und Schöne, -was grundsätzlich sehr löblich ist-, in der natürlich wirkenden Natur, aber auch im thematischen Rückzug auf die Verbindung von Schreibkunst und bildender Kunst. Tritt er aber als Essayist und Journalist auf, das Handwerk kennt er ja, dann werden daraus schnell solche Thesen, wie, es wäre uns zunehmend unmöglich andere Kunst als die unmittelbare, die real wirksame zu verstehen. Shakespeare oder Hofmannsthal zum Beispiel, unverständlich, ohne tiefe Befassung in stiller Abgeschiedenheit und Bildungshorizont, nicht neu interpretierbar. - Dabei gilt doch für das Theater, Botho Strauß wahres Reich, den Umsturz, die Neuigkeit genau so zu wagen, wie die mythische Überhöhung!

Mit seiner Feststellung, die Quote jene neue, heilige Ziffer der Mediengesellschaft, die allein Geltung, Ansehen und Auskommen vermittelt, reduziere die Fähigkeiten differenziert zu betrachten und differenziert zu lesen, sie enge daher die Gefühlswelt und das Denken ein, hat er jedoch völlig Recht.

In vielen Bereichen der Kultur herrscht heuer eine demokratische Konformität im Ankaufverhalten und ein Kommunismus der Mediennutzung, die gar nichts Befreiendes mit sich führen. Auch mit dem Befund, dass es zukünftig für Außenseiter, die am Gewinnspiel nicht teilnehmen, schlichtweg keinen Arbeitsplatz mehr gibt, weder in medialen Anstalten, noch in Presseorganen, noch in großen Medienverlagen, trifft zu.

IV Die gefährlichen Typen der rechtskonservativen Zukunft

Eine Spezies der modernen, populistischen Rechtsdenker, die einmal wirklich gefährlich werden könnte, verbände sich mit deren Denken und Fühlen auch ein gewisses Charisma,- dazu zählt Sarrazin, dazu gehört auch Kelek-, ist jene, der ein deutsches Wörtchen nicht zufällig häufig herausrutscht: "Unvereinbar!"

Die als „unvereinbar“ Definierten, sind nicht nur dauerhaft bestimmt, tragen von da ab ein Mal, sondern ihnen wird auch per se die Dialog- und Diskursfähigkeit abgesprochen. -Von da an, beginnt es sehr gefährlich zu werden. - Mit uns, als Person, als soziale Gruppe, als Volk, als Kultur, „unvereinbar“, sind Muslime, Türken, Sinti und Roma, Straftäter, Arme die nicht arbeiten, manches Mal sogar das andere Geschlecht!

Das muss zu Abgrenzungen und zu einem Dauerressentiment führen, das ist kaum hintergehbar. Wie schon häufiger geschrieben: Gefühle sind immer echt und wirksam, auch dann wenn sie nicht passen.

V Recht(s)denker unter Naturwissenschaftlern und in den Funktionseliten?

Ist übrigens aufgefallen, dass sich für die Schar der Rechtsdenker kein Naturwissenschaftler, Arzt oder Techniker befindet? Auch Architekten und Ingenieure sind nicht dabei, ebenso keine einzige Juristin.

Sarrazin, der auf einer Seite so viele Torheiten und Trugschlüsse zur (Sozio-)Biologie und spezieller zur Humangenetik unterbringt, dass es wirklich Sklavenarbeit ist das wieder zu entwirren, gilt nicht. Denn seine krude Ausgabe einer Volkswirtschafts- Erbbiologie ist unsachlich und frei von Wissenschaft.

Es gibt jedoch auch Wissenschaftler, die mit der (neo-) "konservativen Revolution" nach Mohler oder dem Gedanken von der einen, ewigwahren und alleinigen Weltanschauung, in Verbindung mit einer verfeinerter Selektion des Erbgutes, durchaus was anfangen können und es gibt Feindstrafrechtler, die das Böse, wenn es geschieht oder antizipiert wird, nicht für Zeiten einsperren, sondern vor allem ausmerzen möchten.

Zu Sloterdijk, der sich zuletzt für eine Gebergesellschaft einsetzte, bei der Reiche, -was sie heute schon tun-, über die Verwendungsart ihrer Gaben noch mehr mitbestimmen dürften und damit dann eine andere, höhere Art der freiwilligen und willkürlichen Steuer zahlten, fiel mir noch ein, dass jene, die so viel geben, vorher viel genommen haben müssten.

Beste Grüße und nur weiter

Christoph Leusch

PS. Allein die Schrifttypen können bedauert werden, denn die Fraktur, ebenso wie andere, gebrochene Schriften, z.B. die Schwabacher, die bis heute so sehr Assoziationen auslösen, wurde im Dritten Reich, auf Erlass Bormanns (1941?), als jüdische, als undeutsche Schriften, verboten.

Im dunkeldeutschen Wald 05.03.2014 | 20:10

Der Freitag vom 20.02.2014 ein Sonntag, vom 23.02.2014

Ihr Leitartikel „Im dunkeldeutschen Wald“ von Axel Brüggemann

Sehr geehrter Herr Augstein, sehr geehrter Herr Brüggemann,

sehr geehrte Damen und Herren,

seit langem war ich auf der Suche nach einem geeigneten Blatt dass gut recherchiert interessante Beiträge zum Weltgeschehen, in Philosophie, Politik sowie in Kunst und Kultur, dies in einer Form, die ich auch in einer Woche irgendwie bewältigen kann vorlegt. Ich hatte Sie, Herrn Augstein, auch im Rundfunk gehört, als Sie dort Ihr Konzept zum Freitag vorstellten und ich muss wirklich sagen, dass ich damals sehr von Ihnen eingenommen war. Nun hat es doch eine ganze Weile gedauert, bis ich mich wirklich entschied eine Wochenzeitschrift zu abonnieren. Auch dies ging einige Male hin und her und nach einigen Anläufen dachte ich mir, so ein linksliberales Blatt tut mir gut und wird wohl öfter einmal den Finger in die Wunden legen, und zwar dies in einer Weise, das ich interessiert auf Dinge, die bedenkenswert sind hingewiesen werde und so stets sichere Anregung habe. Zwischenzeitlich habe ich einige Ausgaben des Freitags am Kiosk gekauft und mit großem Interesse gelesen.

Nun habe ich den Freitag abonniert und hatte mich auf die per e-mail angekündigte Ausgabe sehr gefreut. Und natürlich habe ich mir gleich Ihren dort empfohlenen Leitartikel vorgenommen.

Im Ergebnis der Lektüre muss ich Ihnen sagen, dass ich schon lange nicht mehr von einer journalistischen Arbeit so enttäuscht wurde, wie von dieser. Das tut mir umso mehr leid, als das auch Sie, Herr Augstein hier Hand mit anlegten.

Wie gesagt, linksliberales Denken dachte ich, ist meine Heimat. Ich glaubte, dort bin ich irgendwie durch meine Sozialisierung tief verankert. Aber nun stelle ich fest, eingestehend, dass ich öfter meine Meinung zu bestimmten Dingen, was mir durchaus bewusst war, geändert habe, sondern nun auch offenbar soweit von meinen Wurzeln entfernt bin, dass ich mich nach der von Ihnen vorgenommen Kategorisierung tief im Rechtsnationalen Lager wiederfinde. Das war mir so noch nicht bewusst. Aber wer wagt es heute noch gestandenen Journalisten zu widersprechen?

Ich denke langsam und bin nur politisch interessiert. Meine akademische Graduierung ist mittelmäßig; ich bin mittelmäßig verdiendender Techniker. Um mich politisch zu bilden bzw. auf dem Laufenden zu halten, nutze ich Medien wie Radiosendungen, eben seit jüngstem eine linksliberale Zeitungen, hin und wieder auch das Internet und nur selten das Fernsehen. Aber vor allem das Gespräch mit anderen und den Blick in die Lebensrealität einer Großstadt. Nun mag es tatsächlich sein, das guter Wille, wie Kant meinte, nicht ausreicht, mittelmäßiger Intellekt, und übliche Lebenserfahrung auf Grund des fortgeschrittenen Alters nicht genügen, um zu den Quellen vorzustoßen, die Sie zur Verfertigung Textinhalte zapfen und letztendlich moralisch gut gegründete Positionen einzunehmen. Dennoch erlaube ich mir, Ihnen hier einfach, mit dem Recht eines anders denkenden Lesers zu widersprechen. (Es tut mir auch sehr leid, dass ich mich allein mit der Tatsache nicht so zu denken wie es sich ein eventuell vorhandenes linksliberales Lager wünscht und mich damit bereits als Rechtsnationaler, ob ich das nun will oder nicht, positioniere) Wie war das mit Schoppenhauer: Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will. Na und wir wissen ja, dass Schoppenhauer sich auch im ersten Teil seiner Aussage täuschte.

Zu Ihrem Leitartikel:

Zunächst einmal scheint der Begriff der „Neuen Rechten“, wenn nicht von Ihnen ersonnen, so doch ein Erzeugnis neuster politisch motivierter Wortschöpfung zu sein. Zumindest habe ich von den hier vorgestellten „Neuen Rechten“ in diesem Sinne noch nichts vernommen. Vielleicht ist es mir entgangen, dass die Protagonisten sich als Neue Rechte verstehen. Ihr Redakteur Herr Brüggemann stellte ja auch im Text fest, dass die dort Vorgestellten sich selber nicht unter dem Dach des Begriffes scharen. (Und das macht sie so gefährlich, eben weil sie sich nicht erkennbar in einer Gemeinschaft Gruppe, Partei formieren. Aber sie formieren sich! Mit anderen Worten meint Her Brüggmann dann das Denken des Einzelnen. Also ganz konkret die Gesinnungsfreiheit. Das was der einzelne Bürger denkt und so er die Möglichkeiten hat publiziert oder anders verlautbart.) Nun fragt sich der geneigte Leser, was soll diese Zuordnung und wer vergibt solche Prädikate? Machen Sie das?

Interessant zu lesen, wer hier alles zur nationalen rechten Stoßtruppe hinzugestellt ist. Sloterdijk neben Schwarzer, Sarrazin neben Martenstein usw. Es fehlen nach meinem Dafür noch Claudia Roth, Helmut Kohl, R. v. Weizsäcker, R. Herzog, G. Gysi, O. Lafontaine, F. Bsirske, G. Westerwelle, H.Seehofer, J. Uekermann, H. Klum, D.Barenboim, und der Maler Penck und R. Hochhuth vielleicht habe ich noch einige vergessen. Ich bin mir sicher, dass alle Genannten in irgendeinem Zusammenhang schon einmal die Worte „Deutschland“ „Ausländer“ „die Linken“ „Homosexuelle“ „Rechts und Staatlichkeit und Rechtsstaatlichkeit“ in welchem Zusammenhang auch immer gesagt haben, wenn nicht, ist es aber dennoch gut vorstellbar. Und das muss ja dann schon reichen.

Ich bin kein wirklicher Verehrer von A. Schwarzer. Aber Frau Schwarzer in einen Topf mit sog. Homophoben zu werfen, fand ich dann doch schon interessant. Ich kenne nicht Herrn Solterdijks diesbezügliche Einstellung, aber dass er sich zum Sprachführer der Homophoben macht, war mir auch neu. Man kann über Sarrazin denken was man will. Es ist schon einigermaßen auffällig, wie bestimmte Aussagen auf den journalistischen Seziertisch gezerrt werden, die Tatsache aber, dass er als bekennender Sozialdemokrat verstanden werden will und er sich vehement gegen einen Parteiausschluss wehrte, scheinen hingegen etwas aus dem Fokus der Einschätzung seiner Person und damit auch dem was er eigentlich anregen wollte gerutscht zu sein. Nun, zum Glück spricht ja auch kein Journalist, der nicht gerade ein persönliches Karriere-Harakiri im Blick hat mehr darüber. Es ist immer schon besser gewesen, wohlfeil das nachzubrabbeln, was das Denk-Establishment, die Denk-Hygieniker der Charite‘ des aufgeklärten Bürgertums zum Denken freigeben haben. „Kommt Kinder! Nehmt das Eimerchen und dann ab in den Sandkasten. Dort ist frisch entkeimter Spielsand. Aber Nichts in den Mund nehmen und nicht mit dem Schippchen hauen!“ So agieren unsere sogenannten Meinungsbildner in erster Linie. Backe backe Kuchen natürlich im geschliffen Deutsch, als Merkmal intellektuellen Anspruchs; -versteht sich. Ich habe Sarrazin strittiges Buch auch gut durchgearbeitet. Ich kann nicht finden, das dies grob populistisch daher kommt. Er nennt viele Zahlen und Fakten und interpretiert diese. Ich muss auch feststellen, dass er in vielem was er schreibt und darstellt, eine deutliche Kongruenz mit meinen persönlichen Erfahrungen herstellt. Muss mir nun die aufgeklärte Linke in die Seite fahren und mein Erfahrungsmuster richten? Das wird sicher an meinem niedrigen Intellekt liegen, dass ich so schlecht gute Recherche von Populismus unterscheiden kann. Ich hätte mich dennoch gefreut, wenn Ihr Artikel zumindest anteilig so mit Faktischem wie Sarrazin „Schmuddelwerk“ –ich will den Titel gar nicht in den Mund nehmen- geistige Verwesung überträgt sich ja viral durch Aussprache oder Niederschrift, durch eine Art Tröpfchen- schlimmer noch durch Schmierinfektion, wie Sie wissen.-durchsetzt gewesen wäre. Was der so alles schreibt?! ………dieses Schwein!

Nun steht er endlich da, wo man ihn ja sofort sicher und unstrittig verortete hatte, und von daher zum Abschuss freigeben ist. Und da es ja gedanklich über einen ausreichenden Zeitraum insoweit umfassend vorbereitet wurde, dürfen wir es nun endlich klar und deutlich sagen. Es ist bewiesen, dass er ein Nazi ist. Nun, ich bin sicher, dass eine Abschussforderung demnächst als wörtliche Aufforderung in gut ausgerichteten, vielleicht dann wieder linken Köpfen aus formuliert wird. (Hier im Sinne tatsächlich von Propaganda—Ideologie,-Rechtspopulismus,- Goebels, alles ist Ideologie, Man reite nur lange genug darauf herum und lasse nichts anderes zu, in freiheitlichen Landen.) Und auch ein geistiger wie linker Vater stellte ja schon richtig fest: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!“ Es ist wie mit der Bibel: Man findet dort eben zu jedem Lebensbezug irgendwie eine Stelle, die immer so irgendwie passt. Man bedenke: Das Volk ist ja wirklich leicht beeinflussbar (dumm). Nicht jeder hat Politikwissenschaft studiert und kann beim Brötcheneinkauf die politische Dimension erahnen) und braucht schon so ein klein wenig Zensur. –find ich. Sie nicht auch?)

Offen gestanden, finde ich gerade die Sarazzinschelte für derart verkorkst, das mir ganz schwummrig wird, wenn sich immer wieder die „sich selbst den Persilschein verabreichenden korrekten Medien“ daran abwetzen. Irgendwie hat er ja die Anmutung eines räudigen Köters. ……So auf ihrem Bild….. Der rennt auch jeden Tag um das gleiche Care‘ und hinterlässt seine Marken an den glichen Stellen. Nein, nicht Sarrazin. Ich meinte den Journalismus. Solche Journalisten, die nicht müde werden, ihn einen Hetzer zu nennen und bis jetzt nicht eine These, die er in seinem Bauch aufgreift diskutieren.. Und nun hängt man sich auf, an der wirklich unnötigen aber, ich denke vor allen, auch unglücklichen Formulierung vor laufender Kamera. Komisch, ein so dickes Buch -und nur ein Satz drin? Solche Papierverschwendung. Das ist wirklich ein Idiot, eben, so wie er im BUCHE steht. Und genau deshalb brauchen wir es nicht lesen. Das ist doch sowieso nur Hetze.

Herr Augstein, ich gesteh, ich war ein schlechter Deutschschüler. Ich kann nicht lesen.

Das ich nicht denken kann, habe ich schon vorsichtig andeuten wollen. Es ist in Wahrheit noch viel schlimmer.

Nach meinem Dafür könnte der Straßenköter Sarrazin etwas gekämmt, gut gefüttert und freundlich angesprochen ein echt treuer Begleiter sein, und einem vor so machen Ungemach warnen. So, wie das aufmerksame Köter ebenso tun…. ohne Verstand und ohne Charakter. Und das brave Hündchen im eingezäunten deutschen linksliberalen Vorgarten bekommt Leckerli, wenn denn es sein Amt verrichtet und den Postboten ankläfft und ein einfach zu entsorgendes Kothäufchen im abgezirkelten Rasenstreifen hinterlässt. Ist doch alles fein, Herr Augstein, finden Sie nicht? Alles braucht seine Ordnung in der neu auszurichtenden Welt. Ach so, dies machen ja nur die Rechtsnationalen. Also Frau Schwarzer oder Herr Martenstein. Ja der verpestet nun wirklich das linksliberale Klima mit seinen Kolumnen und Büchlein. Also wenn Martenstein nicht ein Vordenker rechten Gedankenguts ist, na dann gab es wohl noch nie einen. Goebels könnte noch was lernen. Martenstein und die Judenfrage. Martenstein, Sarrazin, Judenfrage, Augstein, Hilfe, Hilfe überall Nazis?!? Wollen wir beide ihn nicht wirklich beim Namen nennen? Martenstein ist auch Nazi. Glauben sie mir! Also, ich bin davon tief überzeugt. Seine Kolumnen, die man ja vor allem von Ihm wahrnimmt sind Ausgeburten rechten Gedankenguts. Abscheulich!

Denn, die Termini Rechts und National meinen doch nichts anderes als summarisch gedacht Nationalsozialismus. Oh, Sie haben Recht. Ihre vorgeführten Protagonisten als Nazis zu titulieren könnte justitiabel werden. Na, dann lassen wir das lieber. Aber wir nutzen Formulierungen, wie die Jünger Jüngers, also assoziativ. Da braucht man nicht aussprechen, was man meint und jeder weiß trotzdem was gemeint ist. So wie nonverbale Kommunikation. Ohne Worte. Manchmal kann man sogar auch mit „………….“mitteilen, was von einer Sache oder Person zu halten ist. Und manchmal ist das auch besser so. Aber nun ist es wirklich streng populistisch geworden. Das müssen Sie sich nicht bieten lassen. Nein!

Fein zu lesen, wie die Linke aus der „aufgeklärten Mitte“ den Neuen Rechten gegenüber treten soll! Und von mir dazu: Na, Spannemann geh du voran. Ist die aufgeklärte Mitte links? Ach so, nein. Die Linke liegt ja gerade zu Hause auf dem Sofa, mit eingegipstem Bein. -Ski-Unfall in Zermatt- wenn ich Ihren Artikel recht verstand?. Dann vielleicht so: Wenn ich in der Mitte also Links bin und nach links blicke, dann sehe ich? ?.....die sich in der Unendlichkeit verlierende Gerade. Also kein Ende. Das ist auch nicht gut für jemanden, der Orientierung im Links-Rechts-Mitte-Quark braucht. Als Techniker schlage ich Ihnen zur Positionsbestimmung Folgendes vor. Denken Sie einen Kreis. Wenn Sie dort Links festlegen und von dort sich entgegen dem Uhrzeigersinn, entlang des Kreises nach links bewegen, kommen Sie rechts an. Und von rechts, ist es auch schön. Bewegen Sie sich von dort im Uhrzeigersinn nach rechts, kommen Sie links an. Ich glaube jetzt habe ich‘s. Ich wusste es doch immer. Die Dinge verändern sich nur dadurch, aus welcher Richtung man sie beschaut. An den Dingen selber ändert sich ja nichts. Geht ja auch nicht, die sind ja eben so wie sie sind. Das sind dann die Fakten. Aber da kenne ich mich nicht aus, ….schreibe trotzdem weiter.

Bevor sie nun mein Schreiben zu recht dem Papierkorb übereignen, nur noch ein Wort zur Revolution.

Der Begriff wurde wirklich in sehr schöner Form auf den lateinischen Ursprung „zurückrollen“ zurückgeführt. Ich möchte keines Wegs schulmeisterlich auftreten, aber ich dachte, wir leben im 21. Jahrhundert und hier, in Deutschland. (Vorsicht! Falle: Das darf man nicht sagen. Deutschland sagen immer nur populistische Kriegstreiber) Und ich kenne hier wirklich nicht so viele, die das Wort Revolution auf den Wortursprung zurückführend als„zurückrollen“ verwenden. Das ist sicher ein Fehler. Wir sollten alle mehr auf das Rekursive achten. Wenn ich mir die Schar der Neuen Rechten so betrachte, kann man sich ja gut vorstellen, das ein Großteil von denen, die sogenannten wilden 60-iger noch so richtig miterlebten. Der linke Mob von einst. Viele von denen hatten doch auch in Berlin Steine geworfen und den Bullen, der Justiz, dem Staat als Ganzem, das Schwanger-gehen mit der Nazivergangenheit vorgeworfen. Na… Martenstien, Sie haben ja noch heute lange Haare. Na, und Sloterdijk. Sloterdijk.!!!! Der Name ist doch schon so undeutsch und weist doch auf eine schwere Kiffer-Jugend hin. Sloterdijk war doch APO. Wenn nicht dabei gewesen, dann doch wenigstens sympathisiert. Sein wir doch mal ehrlich. Damals links, wie alle, dann nach Jura-, Soziologie-, Politik-, „Ach gar Philosophie und leider auch Theologie“ studium nun das fette Leben in der gar nicht so üblen bundesrepublikanischen Mitte gefunden, wird man doch automatisch ein bisschen rechts, ein bisschen Nazi, Na, da muss man dann irgendwann doch auch mal an das eigene Heim denken und nicht nur an Vietnam, Korea, später dann noch ein bisschen Bosnien, Irak und Afghanistan und heute noch ein bisschen NSA-Quatsch. Und wie soll das verteidigt werden, Herr Augstein? Mit Regenbogenfähnchen-Winkelementen, Trillerpfeifen, Transparenten „Wir wollen keinen hauen!“? Herr Augstein, wie möchten Sie denn Ihre „Heimat“, -als Kosmopolit sicher die ganze Welt, oder nein, als Deutscher lieber nicht die ganze Welt, dann doch nicht kosmopolitisch die ganze Welt, sondern dann doch nur Deutschland, in den Grenzen nach 45 - verteidigen? Also, wie soll es denn so sein, das Deutschland nach 45 im Jahre 2014?

Wollen wir darüber reden oder setzen wir uns in die neuen Kirchen der Artigkeit und singen den Katechismus der wohlfeilen Bürger, die, so ein bisschen gegen rechts sind.

„Darüber reden“, das wäre Ihr Geschäft gewesen. Rumsülzen kann ich besser. Das ist mein Amt.

Ihren Leitartikel fand ich in jeder Weise impotent.

Linksliberal sollte Möglichkeiten zum Bestehenden zeigen. Quatsch, kann ich hier auch ohne den Freitag am Sonntag zusammen reimen.

Mein Schreiben war ausnahmslos faktenfrei ist deshalb ein rein populistisches Machwerk.

Mit freundlichen Grüßen und Gute Nacht im dunkeldeutschen Wald

Ihr neuer, aber alter Leser Ingolf Petzold aus der Hauptstadt der Bundesrepublik Germanicheskyie

anne mohnen 05.03.2014 | 21:38

Hmm, wird schon stimmen (...)

Wenigsten bei Porsche-Fan Poschardt schleicht sich dann nicht ein wenig Zweifel ein Immerhin war Oswald Spengler * doch bekennender K:))))vallerist: „der Ersatz des Pferdes durch die Pferdekraft der faustischen Technik“ erschien ihm als Verlust von „ritterlichem Stolz, Abenteuerlust und Heldentum“ .(S. 37) Außerdem hatte er durchaus Sympathie für August Bebel , tsssssss

Und über Journalismus: "Journalismus (...) zum Gebrauch für geistig Mittelmäßige verdünnt und verflacht, und man vergesse nicht, daß das griechische krinein scheiden, zerlegen, setzen bedeutet. Drama, Lyrik, Philosophie, sogar Naturwissenschaft und Geschichtsschreibung werden zu m Leitbild des Feuilletons, mit einer maßlosen Tendenz gegen alles, was konservativ ist und einmal Ehrfurcht eingeflößt hat." (85)

;)))))))))))) https://encrypted-tbn3.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcTqciuHMQfzo-v5LGE09-NYDMIv5BEAod5gGCdM7gVbcY4Elz15

* (O.Spengler „Jahre der Entscheidung. Erster Teil. Deutschalnd und die Weltgeschichtliche Entwicklung, München 1933 )

karamasoff 05.03.2014 | 22:05

@im dunkeldetsuchen wald

ihr durchaus bemühter text (nur um was ist mir in der textwand nicht klar geworden) offenbart erneut DIE zentrale seit jeher existierende schwäche jeder kritik von rechtskonservativen:es gibt sie nur in form von reflexhaft geäusserten feind-ortungen von haltungen und meinungen im konstruierten politischen gegenüber und nicht in der eigenen sache vorstellig .

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Ehemaliger Nutzer 06.03.2014 | 02:24

Ich mag ihn ja auch. Gefährlich ist seine Philosophie. Trotzdem einer der hellsichtigsten Menschen eines ganzen Jahrhunderts. Wo er nicht irgendwas will, sondern nur die großen Fäden zusammenfügt und "weissagt", ist er genial. Man sehe sich den Kampf zwischen dem sozialistischen Cäsaren und der reinen Geldherrschaft namens Demokratie im Abschlußkapitel des "Untergangs" einmal an - und denke dabei an Putin und Obama...

"Man nennt das Fortschritt. Es war das große Wort des vorigen Jahrhunderts. Man sah die Geschichte wie eine Straße vor sich, auf welcher »die Menschheit« tapfer immer weiter marschierte – das heißt im Grunde nur die weißen Völker, das heißt nur die Großstädter unter ihnen, das heißt unter diesen nur die »Gebildeten«.

Aber wohin? Wie lange? U n d w a s d a n n?"

^^

(aus 'Der Mensch und die Technik', S.8)

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Ehemaliger Nutzer 06.03.2014 | 09:35

Damit der intellektuell wenig beschlagene Blockwart es beim Urteilen leichter hat und Orientierung in der Nachbarschaft des Denkens findet (ein "Unlike Button" oder ein "struwwelpeterscher warnender Zeigefinger" wären durchaus zeitgemäß gewesen) werden dem Leser die bösen Buben und Mädels ergo gleich per Bild und Kurzbeschreibung vorgeführt.

Wenn das nur erbärmlich wäre - erinnert es mich doch zugleich an meine Kindheit, wo in den Postämtern die Bilder der Revolutionären Staatsfeinde hingen.

Bei mir als Kind hatte das damals allerdings nicht den von staatlicher Seite gewünschten Effekt.

Vielleicht ist es ja ein Defekt, doch ich empfinde zu leicht Sympathie für Leute, die man an den Pranger stellt - davon abgesehen finde ich hier schon einige vor, die nicht gerade zu den Dümmsten und Uninteressantesten hierzulande gehören.

(Was allerdings Alice Schwarzer, die Ikone der Linken, hier soll, ist mir schleierhaft. Schätze, sie hat wohl mal was verlauten lassen, was dem Herrn Rigorosus, vulgo dem Autor des Artikels nicht gefällt - und schon landet sie in Dantes Inferno! Ts, ts, ts, das ist aber wirklich undankbar!)

Insgesamt aber: vielen DANKE noch mal für dieses schönen Beleg des grassierenden neudeutschen linken Antiintellektualismus.

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Ehemaliger Nutzer 06.03.2014 | 16:53

Grundsätzlich kann man sagen das dunkle Seelen, Feinde der Menschheit und des Lebens, das Links, Rechts und die Religionen mit Wahrhaftigkeitsanspruch erfunden haben die mittels Gewalt verkündet werden und die Menschen zwingen gewalttätig zu werden weil sie überleben wollen. Es fing alles mit der Staatenbildung, Eigentum, Banken und den monotheistischen erfundenen Religionen an die den Menschen von Anfang an mittels Gewalt aufgezwungen wurden(Vertreibung aus dem Paradies). Danach wurden auch Männer und Frauen bewusst gegeneinander aufgebracht die bis dahin in vollendeter Harmonie lebten. Kann man alles in Geschichtsbüchern und der Weltentwicklungsgeschichte nachlesen. Zu guter Letzt braucht man nur die gewalttätigsten, dümmsten Bauern in Verantwortungspositionen zu bringen und in eine Propagandasoße zu rühren und fertig ist eine Weltordnung die nach dem Muster Funktioniert, wie der Mensch als Säugetier nun mal ist, erst kommt das Fressen dann die Moral. Was immer wieder dazu führt; Der Wald ist schön bot aber den zu viel werdenden Menschen nur Eicheln zu fressen womit alles Anfing, ein Kriegsvolk bildeten mit Blut aufm Stein und so wird es auch enden, dann ist Ruhe und dann geht es wieder vorne los, so ist das Leben.

Sabine Manning 06.03.2014 | 17:58

Mit seinem Wochenthema über die Rechtsdenker hat der FREITAG Zeichen gesetzt. Nicht nur die Auswahl der gerahmten Denker, mit pointierten Kommentaren präsentiert, ist ein Aha-Erlebnis, das nachdenklich stimmt. Vor allem Axel Brüggemanns Gesamtschau dieser heterogenen Gruppe lässt erahnen, welche Gefahr sich da zusammenbrauen könnte. Wie aber erkennt man häufig verborgene rechte Ansichten im täglichen Rauschen des Medienwaldes? Ein Schlüssel hierfür sind im Artikel genannte Themen, u.a. Diskurse über gesellschaftliche Tabus oder Deutschlands Rolle in der Welt, und zitierte Schlagwörter, u.a. Protest gegen angebliche 'Denkverbote' und 'Tugendterror'. Solche sprachlichen Signale lassen zwar an sich noch keine Rückschlüsse zu, doch sie machen uns hellhörig, und darum geht's!

karamasoff 06.03.2014 | 20:50

"Hannah Arendt sprach im berühmten TV-Gespräch mit Günter Gaus in den sechziger Jahren über die Jahre der NS-Machtergreifung in Deutschland. Sie bemerkte sehr konzis, nicht die Feinde seien das Problem gewesen bei den ersten Aktionen der neuen Machthaber gegen die jüdischen Deutschen, sondern die Freunde – die einen im Stich ließen und keine Solidarität übten."

aus der TAZ.

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Ehemaliger Nutzer 06.03.2014 | 21:45

Hannah Arendt zu zitieren, um damit gegen (z.B.) Broder zu polemisieren, d.h. ihn so auf dieselbe Stufe wie die Nazis anno 33 zu stellen, das ist - mit Verlaub - Dummheit im Superlativ, aber mindestens.

Doch was Wunder, wenn sich die Armen im Geiste bei solchen Artikeln angesprochen fühlen.

Bei den einen (Leser) ersetzt die Haltung dann das Denken, bei den anderen das eigene Bemühen - ich glaube kaum, dass viele sich hier im Forum wirklich mit den "bösen Struwwelpeter-Buben und Mädels" beschäftigt haben, d.h. sie wenigstens g e l e s e n haben.

Hätten sie dies, so würden sie protestiert haben gegen diese primitive Form der Zuweisung und Etikettierung.

Dass so wenig Widerspruch kommt, beweist eigentlich nur, dass hier im Forum der schlicht denkende Nichtleser dominiert. Dem kann man solche schmale Kost wie diesen Artikel gerne servieren...

Martenstein, Sloterdijk, Matussek und Broder (und Co) als Gefahr für Demokratie und Leib und Leben - Hilfe, Hilfe, ich krieg ganz doll Angst!

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Ehemaliger Nutzer 07.03.2014 | 00:27

Verehrter @Karamasoff,

die Sprache des Faschismus (LTI) ist ein Gegenstand, den ich mir zu (Uni-) Prüfungszwecken einmal näher ansehen musste. Leider, denn sie ist wahrhaft kein besonders ergiebiges oder auch nur interessantes Feld.

Eher reiz- und witzlos das Ganze und schnell abgetan. Insofern Ihrem Kommentar nicht unähnlich. Sie scheinen mir, mit Verlaub, zu jener Sorte Tölpel zu gehören, die gleich die Pistole entsichern, sobald sie auch nur Kultur wittern, stimmt´s?

Und Sie haben es halt gerne, wenn die Welt schön einfach bleibt.

Jawoll, ja, und wenn der Feind endlich erkannt ist, dann immer druff, so auf Teufel komm raus, druff und immer druff. Wo jehobelt wird, da fallen ... OK, Sie stehen halt auf denunzieren, mobben, anbrüllen und angeifern, was soll man da machen?

Fair enough, mein Freund, doch die Sache hat leider einen Haken:

Man wird mit so einer Einstellung auf Dauer nicht glücklich, denn das Primitive hat ja etwas so schrecklich Triviales an sich. Wenn Sie mir doch nur glaubten: Das Glück ist eine Frage der Nuance.

Übrigens schreibt man "Sie" groß, wenn man jemanden anredet, schon vergessen?

goedzak 07.03.2014 | 10:11

Zwei gute Zeitungsseiten. Von Zeitungsseiten erwarte ich ja keine letztgültigen, allumfassenden Analysen, sondern einen trefflichen und treffenden Schnappschuss. Der ist gelungen! Besonders die einführende Einschätzung des Phänomens rechtspopulistischer Selbstdarstellung durch Axel Brüggemann ist anregend und lässt einen gar schmunzeln (eine Leistung bei dem Thema!)

Was vielleicht noch im Rahmen eines journalistischen Schnellschusses möglich, auf jeden Fall nötig gewesen wäre, ist ein Hinweis darauf, dass die dargestellten Medienphänomene keineswegs damit erschöpfend eingeschätzt werden können, dass sie sozusagen narzisstischer Rechts-Pop sind, also individuelle, subjektive Attitüde (wenngleich "gefährlich"), sondern Indiz für etwas. Nämlich für eine erneute Häutung des Kapitalismus. Der ökonomische Neoliberalismus ist etabliert. Jetzt müssen seine wissend in Kauf genommenen, aber dennoch lästigen Nebenwirkungen, die durch soziale Verwerfungen entstehenden Unruhe-Symptome, ordnungspolitisch in den Griff bekommen bzw. prophylaktisch die Bedingungen ihrer Beherrschbarkeit entwickelt werden. Dazu muss nicht nur kontrolliert und ausspioniert werden, sondern auch die Schönwetter-Toleranz-Ideologie gegen die Feindbild-Fakes aus dem Repertoire xenophober Ideologien ausgetauscht werden. Wer einen globalisierten, von seinem Wesen her demokratischen, mittelschichtgestützten Technologie- und Konsumkapitalismus immer noch am Wirken sieht bzw. für die einzig mögliche Form von modernem Kapitalismus hält, muss die hier karikierten Figuren als dämliche Ausrutscher sehen. Sind sie aber nicht.

Und was ich mir auch noch wünschte, aber das ist vielleicht auch ein Thema für eine nächste derartige Doppelseite, ist eine entsprechende Vorführung einiger Protagonisten des sog. "Linksseins" (die Nicht-rechts-nicht-links-sondern-vorn-Fraktion miteingeschlossen).

Und weil ich gerade beim Wünschen bin: In der Jubiläumsbeilage 5 Jahre Relaunch hat eines gefehlt, kann aber nachgeholt werden: Was hat die Tendenz-Parole "irgendwie links" gebracht? Im redaktionellen Teil, möchte ich meinen, funktioniert das noch ganz gut (von Ausrutschern ins Belanglose und Mainstreamige mal abgesehen). Aber was ist mit dem Community-Forum? Aus dieser famosen Community heraus habt Ihr Redakteure ja quasi täglich jede Menge schlechtgelauntes Genörgle, um mich mal verharmlosend auszudrücken, hinzunehmen. Dreht doch einfach mal den Spieß um! Naja, natürlich fordere ich Euch nicht auf, den selben Nörgelton anzuschlagen. Ihr seit ja Profis und kriegt das sachlich und/oder richtig satirisch hin. Wo also ist das "irgendwie linke", was ja auch nur etwas "Linkes" sein kann, das den Namen noch verdient, im Forum geblieben?

karamasoff 07.03.2014 | 14:42

"sie" antworten weder mit sachlichen Argumenten und werfen mir genau das vor, was "sie" selbst in ihrem Kommentar vollziehen.

Um ihr Inhaltsleeres Emotionsgeschreibe mal zusammenzufassen:

"Sie scheinen mir, mit Verlaub, zu jener Sorte Tölpel zu gehören,"

"Und Sie haben es halt gerne, wenn die Welt schön einfach bleibt."

"OK, Sie stehen halt auf denunzieren, mobben, anbrüllen und angeifern"

"Dummheit im Superlativ, aber mindestens."

Zu ihrem "Glauben":

Ich glaube gar nichts, nicht an Gott und nicht an "sie"

Zu ihrem "Studium":

Der Hinweis darauf irgendetwas studiert zu haben ist kein valides Instrument zur Widerlegung. Nichtmal wenn gar nicht genau klar wird WAS überhaupt widerlegt werden soll.

Und nun zuletzt zu ihrem Text:

Leider haben sie in ihrem emotional entgleisten Kommentar nichtmal begriffen, daß es weder um das Gegenseitige ausspielen von Hannah Ahrendt gegen wen auch immer ging, noch daß es um eine eskalative Gegenüberstellung der Zeit des Nationalsozialismus mit der Gegenwart ging, sondern daß der kleine Hinweis "die Freunde – die einen im Stich ließen und keine Solidarität übten." das wichtige war.

Es wundert mich aber wenig, daß Texte nicht ihrem Inhalt nach gelesen werden, sondern nur Initialbestätigungen sein sollen für emotionalen Ranz.

Ganz im Geiste faschistischer Kommunikation, deren oberstes Ziel es war den Bürger zu nicht zu informieren, sondern zu emotionalisieren, um den Nährboden für Diffamierungen und Schmähungen zu bereiten.

Im übrigen gibts von mir mit voller Absicht ein kleingeschriebenes "sie".

Guy Malino 07.03.2014 | 14:58

Ich habe diesen Artikel schon in der Printausgabe gelesen und kann prinzipiel zustimmen. Meiner bescheidenen Meinung nach nicht unwichtig vor diesem auffälligen Symptom im Medienmainstream zu warnen, bzw. zu sensibilisieren.

Aber Einer hat mir darin doch wirklich gefehlt! Warum nicht auch eine Box für die Fusshupe der Klimawandelleugner? Sie wissen schon, Herrn Fleischhauer. Diesen Wicht hätte man doch so schön als z.B. "Der Flachmann" beschreiben können. Sie verstehen schon, in Anlehnung an seinen Flach-Preis...Naja, wahrscheinlich ist er einfach zu unbedeutend. Obwohl dessen Medienwirksamkeit bestimmt weit über die der Frau Kelle hinausgeht.

Für mich ist dieses Phänomen des "Zurückbesinnens auf alte Werte" vor allem auf eines zurückzuführen:

Angst.

Es werden, gesteuert oder unbewusst, alte Feindbilder/Ängste heraufbeschworen, um von den wirklich elementaren Problemen unserer Gegenwart abzulenken. Peak-oil und Klimawandel, mit allen dazugehörigen gesellschaftlichen Verwerfungen sind m. M. nach die Probleme, die natürlich auch in konsevativen Kreisen in den Focus dringen. Was macht der konservative, system- und fortschrittsgläubige Bürger, sobald ihm die Perspektivlosigkeit "seiner" Lebenswirklichkeit, zumindest unterbewusst, bekannt wird? Genau, er lenkt sich ab, negiert die wissenschaftlichen Fakten mit Milchmädchenvergleichen, macht die Augen zu vor der Zukunft die nicht in sein Weltbild passt und besinnt sich auf gestern.

Ja, früher war vieles besser, aber die Party ist vorbei. Diese Erkenntnis kostet allerdings. Die können sich nur Defätisten leisten, die sich über Sein, nicht über Haben definieren. Alle anderen reagieren wie das Kindergartenkind, dem man das Lieblingsspielzeug nimmt, mit Aggression, Schuldzuweisungen und tiefster Empörung.

Übrigens habe ich das Gefühl, dass der christliche Fundamentalismus spürbar auf dem Vormarsch ist, scheinbar wirken diese Abgrenzungs- und Gemeinschaftsrituale auch heutzutage noch exzellent. Alles eindeutige Zeichen auf große gesellschaftliche Veränderungen. Bestimmt sehr schmerzhafte.

Schade, dass das nicht geklappt hat, mit Kant, Rousseau und Zaratustra. Sehr schade.

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Ehemaliger Nutzer 07.03.2014 | 23:27

"Schade, dass das nicht geklappt hat, mit Kant, Rousseau und Zaratustra. Sehr schade."

Wie? Kant war Atheist? Und Rousseau ebenfalls?

(Nietzsches) Zarathustra, ja, das war ein Gläubiger, glaubte der doch an den Übermenschen, die Ewige Wiederkehr und an den Willen zur Macht - das ist nach Ihrem Geschmackt, wirklich?

Dann doch lieber Nächtenliebe und Mitleid.

Wie Sie drauf kommen, dass der christliche Fundamentalismus auf dem Vormarsch sei, ist mir völlig schleierhaft.

Was ich feststelle, ist, dass Christen heute sich nicht so gerne "outen". Ganz einfach, weil Christ sein nicht so gut ankommt in der Öffentlichkeit und bei Halbgebildeten und Viertelsgebildeten - wie z.B. Ihnen.

Wie wäre es, wenn Sie sich tatsächlich mal ein bisschen in der Philosphie und Kulturgeschichte umtun würden, glauben Sie mir, Sie wären verblüfft, wieviel Christliches selbst in Ihnen steckt!

Nun zu mir:

Ohne mich selbst als Christ bezeichnen zu können (bin wohl im Sinne Goethes eher ein Heide), habe ich immer Respekt vor Menschen gehabt, die fromm somit bereit waren Anderen zu helfen, eben weil sie sich aufgrund ihrer Religion dazu verpflichet fühlten.

Und es gibt genug Vorbilder für wahrhaft vorbildliches Verhalten in diesem Zusammenhang. Ich nenne an dieser Stelle nur Albert Schweizer und Bonnhoeffer.

Doch Respekt vor Anderen ist nicht so Ihre Sache wie mir scheint.

Toleranz anscheinend ebenfalls nicht. Schade eigentlich. Ich schlage also vor:

Bilden Sie sich, das schützt vor allzu einfachen Meinungen und macht angesichts der (kulturellen) Leistungen der Anderen demütig. Das wird Ihnen guttun.


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Ehemaliger Nutzer 07.03.2014 | 23:42

"Sie bezeichnen Alice Schwarzer als Ikone der Linken. Wie kommen Sie darauf? Ich bitte um Antwort."

Also wirklich, das ist doch nicht Ihr Ernst!

Der Feministmus, dessen herausragendste Vertreterin in Deutschland nun mal Schwarzer ist (wer würde das ernsthaft bestreiten wollen), ist ein ureigenes Projekt der Linken.

Das sollte Ihnen entgangen sein? Du meine Güte.

Das Aufklärerische, Emazipatorische, die pol. Gruppierung oder Bewegung, die die grundstäzlich den Gleichheitsgrundsatz stark betont wird im Allgemeinen als pol. links verortet.

Wenn die gute Alice nun hier plötzlich unter den bösen Buben und Mädels von rechts auftaucht, dann wohl deshalb, weil sie gegen bestimmte Phänomene des Islam polemisiert hat.

Dass sie Freiheits- und Gleichheitsrechte von Frauen auch in islamischen Ländern einfordert, macht sie aber nicht per se zu einer Rechten sondern ist im Grunde nur konsequent. Immerhin hat sich die Emanzipatonsbewegung in Europa auch gegen überholte religiöse (vulgo christliche) Vorstellungen durchsetzen müssen.

Und Alice kennt halt nur einen Gott - und der ist weder islamisch noch ist er christlich; er ist nämlich weiblich!

Ich hoffe, ich konnte Ihnen da ein bisschen auf die Sprünge helfen.

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Ehemaliger Nutzer 08.03.2014 | 00:05

Ich weiß wirklich nicht, was Sie immer mit der "faschistischen Kommunikation" haben, das scheint irgendwie ein Tick von Ihnen zu sein.

Haben Sie Klemperers LTI gelesen?

Wenn nicht, dann holen Sie das halt nach, es ist immer gut die Begriffe zu kennen, die man benutzt.

Sie dürfen allerdings nicht bei Klemperer stehen bleiben, das ist nur ein wunderbar lesbarer Ausgangspunkt für die weitere Vertiefung in die Materie. Wenn Sie dann tatsächlich ein wenig tiefer drin stecken, werden Sie aber plötzlich merken:

Hoppla, das ist ja gar nicht so einfach wie gedacht. Die LTI ist gar keine isoliert zu betrachtende Kunst-Sprache, wie man gemeinhin gerne meinen möchte, dazu ähnelt sie zu stark der pol. Sprache, die in der Weimarer Republik quer durch die pol. Landschaft gesprochen wurde etc. p.p.

Ich will aber nicht vorgreifen. Warum erzähle ich das nun?

Wenn man erst einmal tiefer in die Materie einsteigt, dann wird es interessant. Was denken Sie, wäre dieser Satz nicht auch hier angebracht?

Martenstein, Sloterdijk, Broder und Mattusek sowie viele der Anderen als Achse des Bösen hinzupinseln und den Leuten damit Angst machen zu wollen, halte ich, mit Verlaub, schon für ziemlich primitiv.

Für so primitiv, dass es einer Beleidigung meiner Intelligenz als Leser gleichkommt. Wenn Sie damit keine Probleme haben - fair enough.

Übrigens pflege ich bei Anredeformen die Großschreibung und zwar auch dann, wenn ich von dem Angesprochenen nicht so doll viel halte. Ich finde, das gebietet die Erziehung, wenn Sie keine haben, so bleiben Sie halt bei der Kleinschreibung.

Johannes Renault 08.03.2014 | 04:33

Im Grunde sind wir doch nur die Penner die nicht raffen dass wir 99% unserer Energie damit vergeuden irgendwelche Symptome zu zu beklagen, anstatt genügnend Menschen zur Erkenntnis zu bewegen, dass genau das Geld, das den Huren, Armutsflüchtlingen, den Homos zur Gleichstellung, Frauen/Müttern zum Nestbauen usw, fehlt, genau den Betrag ausmacht, den eine Handvoll internationaler reicher und wirklich schöner Menschen pausenlos auf ihre hohe Kannte verdienen. Sogar das gar nicht richtige "geschöpfte" - virtuelle - Geld.

Den Handvoll Rechtspfosten da oben aus dem Artikel schwant das selbe. Nur dass sie glauben sie müssten nach unten treten, rechtfertigen, um noch zu den Gewinnern zu gehöhren. Also, in etwa.

Ganoven-Alice ist fettes Establishment, die anderen meinen sich och als Player, und da man die Sache mit den verschwundenen Billionen weltweit nicht mehr rückgängig machen kann, basteln sie an ihrer eigenen, europäischen, deutschen Tee-Party. Auf das es noch so eine Weile bleibe.

Snoop Doggy IDOG hat mit seinem Kommentar recht.

Und Hr.Müller:

Wir waren Hamlet. Wir standen an der Küste und redeten mit der Brandung BLABLA, im Rücken die Ruinen von Europa. Die Glocken läuteten das Staatsbegräbnis ein, Mörder und Witwe ein Paar, im Stechschritt hinter dem Sarg des hohen Kadavers die Räte, heulend in schlechtbezahlter Trauer.

Alles eine Show in der es gut ist darüber geredet zu haben.

Exilant 08.03.2014 | 13:25

Die Frage muß lauten: Wie kommt es dazu, daß sich hier ein in der Anonymität "heldenhafter" Pöbel eingeschlichen hat?

Gerade dies kommt nicht von den "Neuen Rechten". Denn diese gut charakterisierten Köpfe sind teilweise Trittbrettfahrer, die sich auf einem fahrenden Zug befinden, der gar nicht von ihnen ins Rollen gebracht wurde

Das Problem ist nämlich, daß sich linke Intellektuelle vor ca. 10 Jahren in Schröders Karren haben einspannen lassen, genauso wie Kirchen und Gewerkschaften.

Der amerikanische Nobelpreisträger Paul Krugman hat - lt. "Nachdenkseiten" vor ein paar Wochen - gesagt, daß es "Mitte-links" gewesen ist, das Europa zerstört hat. Ich empfinde dies genauso.

In Berlin ist jetzt das Netzwerk "Berlin-gegen-Nazis" entstanden. Hoffentlich ist das Kind nicht schon in den Brunnen gefallen. ist

Guy Malino 08.03.2014 | 21:42

Scheinbar haben Sie da etwas missverstanden. Mit dem von Ihnen zitierten Satz wollte ich auf die m. M. nach misslungene Aufklärung und die "Weiterentwicklung" des Menschen hinweisen. Von Atheismus habe ich nicht gesprochen. Und um Ihre erste Frage zu beantworten, ja, die Weiterentwicklung des Menschen weg vom Herdentier ist in meinem Interesse.

Das der christliche Fundamentalismus auf dem Vormarsch ist, war eben ein Gefühl, ich hab dann mal etwas recherchiert und hier http://www.remid.de zumindest bei der Vereinigung evangelischer Freikirchen einen Zuwachs von ca. 10 % von 2007 bis 2013 festgestellt. Das das "moderate" Christentum sich nicht gerne outet ist nicht mein Problem, immerhin sprechen wir von ca. 50% der Bevölkerung in katholischen und evangelischen Landeskirchen. Ich denke mehr als genug, ob die sich "outen" oder nicht interessiert mich nicht.

Wieso soll Respekt vor anderen nicht so meine Sache sein, wie kommen Sie auf solche irrsinnige Behauptungen? Aber mit Demut kann ich wirklich nicht viel anfangen, besonders nicht, wenn ich mir die meisten Mitglieder unserer Konsumgesellschaft und deren Handeln so anschaue. Als größte kulturelle Leistung sehe ich, auch in Zusammenhang mit "unserer" Religion, immer noch die rücksichslose Ausbeutung des gesamten Planeten. Da ist leider kein Platz für Demut. Höchstens für Tränen.

Gerne würde ich von Ihnen noch wissen, wer denn der gänzlich Gebildete ist, von dessen Bildungsstand Sie mir 1/4 zubilligen.

Mit meinen "einfachen Meinungen" bin ich, ehrlich gesagt, ganz zufrieden. Aber danke für den Hinweis.

karamasoff 08.03.2014 | 22:47

"was Sie immer"

"irgendwie ein Tick von Ihnen"

"Sie dürfen allerdings nicht"

"holen Sie das halt nach"

"gar nicht so einfach wie gedacht"

"wenn Sie keine haben"

"Wenn Sie damit keine Probleme haben"

"Wenn man erst einmal tiefer in die Materie einsteigt"

"viele der Anderen als Achse des Bösen hinzupinseln"

"damit Angst machen zu wollen"

"Beleidigung meiner Intelligenz als Leser"

"das gebietet die Erziehung"

"wenn Sie keine haben"

wen wollen sie eigentlich mit so ewas überzeugen oder beeindrucken?

lebowski 09.03.2014 | 12:42

"Wäre da nicht der Ökonom Michael Hüther gewesen, der Köppels und Luckes Angstargumentation faktensicher wegbügelte, die Sendung wäre eine reine Werbestunde für den AfD-Populismus gewesen."

Applaus,Applaus- Freitag-Redaktion! Im taz-Blog "Monarchie und Alltag" gibts ne schöne Regel, die ihr unbedingt beherzigen solltet: man schießt nicht auf Ziele, bei denen das Treffen keinen Spass macht, weil sie zu groß sind. Lucke und Köppel sind zwei solche Ziele.

Und während sich Lucke an Köppel ranwanzt, wanzt sich die Freitagsredaktion an das bekannte Arbeitgebersprachrohr Hüther ran, nur um diese beiden Nullapostel argumentativ bloß zu stellen. Und dann soll der Hüther auch noch faktensicher sein. Ein großartiger Joke. Fakten sind bei Hüther das, was seinen Auftraggebern in den Kram passt. Z.B. das hier: „Aspekte wie Arbeitsplatzsicherheit, höheres Gehalt, wenig Stress oder nette Kollegen seien für viele Befragte weniger wichtig, als es in der öffentlichen Diskussion häufig den Anschein habe“.

Ohne die Sendung konkret gesehen zu haben, gehe ich dann doch mal bombenfest davon aus, dass es nicht Philantropie ist, die Hüther zu ausländerfreundlichen Statements bewegt, sondern der Wunsch seiner Geldgeber, denn die sind auf einen konstanten Zustrom verzweifelter ausländischer Arbeitskräfte angewiesen, die bereit sind, sich für einen Minilohn den Buckel krumm zu schuften.

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2014 | 17:12

Für jemanden, der als Teenager noch Dabatten zwischen Konservativen und Sozialdemokraten miterlebt hat, ist es schon erstaunlich, wie das hier durcheinandergeht.

Ein Konservativer - und so würde ich jeden der an den freitäglichen Pranger gestellten bezeichnen - hat einige Vorteile.

Da ist erstens der, dass seine Auffassung meist der des "gewöhnlichen" Volkes entspricht. Das "gewöhnliche" Volk ist mehrheitlich in einer Tradition groß geworden, in der die Mama zu Hause war, Homosexualität als Beleidigung galt (auf den Schulhöfen bis heute) und Ausländer misstrauisch beäugt wurden.

Heute erlebt er, dass das, was er gelernt hat und was noch existiert, womit er noch in der Mehrheit ist, sich auflöst: der sohn outet sich als schwul und erwartet, dass er das auch noch akzeptieren soll, die Tochter studiert und man hört von Problemgebieten wie Neukölln. Dazu kommt, dass der lebesnlange Arbeitsplatz Vergangenheit ist und er anders als früher u.U. Mühe hat, sein Haus abzubezahlen. auch die Rente, hört man, soll nciht mehr sicher sein - und weiß er, ob er bis 67 fit genug sein wird?

Daher - und das ist der zweite Vorteil der Konservativen - möchte er gerne, dass es so bleibt wie früher und sich auch die Bonzen einfach an die Gesetze halten. Dann, so meint er, ist alles wieder gut, indem die alte Ordnung wieder hergestellt wird.

Dann schlägt er mal ein anderes Blett als die Bildzeitung auf und liest, dass seine Frotzeleien dem dunkelhäutigen Kollegen gegenüber nicht der modernen Sprachregelung entsprechen. Auch dass er Schwulen und Ausländern gegenüber misstrauisch ist, darf er nicht mehr sagen.

Und - das ist der dritte Vorteil der Konservativen - man sagt ihm, dass er das den Linken zu verdanken hat, die ihm jetzt verbieten wollen, sien Selbstverständnis zu äußern.

Die Linke dagegen tut sich schwer mit der Standortbestimmung: Marx scheint "drüben" an der Realität gescheitert, (sehr) wenige üben das (Weiter)Denken mit Badiou. Der Rest hat oft keine Vorstellung (keine einheitliche) davon, was links ist. Der ursprünglichen linken Utopie ist das gemeinsame Ziel abhanden gekommen, und gemeinsam mit der Rechten glauben manche Linke allen Ernstes, dass pc und das Verweigern von Diskursen, links ist und die Gleichheit fördert.

Dabei merken sie nicht (und auch Sarrazin nicht), dass es eine dritte Kraft gibt, die herrscht. Diese Kraft hat keinen Inhalt außer dem ökonomischen, ihr geht es um die Verwertung von Ressourcen, und Auseinandersetzungen zwischen den "ethnischen" Gruppierungen "Links" und "Rechts" dürfte sie mit einigem Amüsement betrachten. Waren doch Wagenknecht und Lucke bei einer Fernsehdiskussion schon mla so weit, festzustellen, dass ihre Kritik eine ähnliche ist - wobei Wagenknecht sagte, dass die Differenz in den Lösungen besteht.

Und das ist der Punkt, und die Gefahr bei der Linken:

dass sie sich vom Ökonomismus vereinnahmen lässt und artig das Wohlverhalten fordert, das den Konzernen nützt und den sie unterstützenden Politikern.

Wirklich, also ernstzunehmend links wäre, die Probleme, die es z.B. mit der Integration des Islam gibt, nicht zu negieren, sondern dafür Lösungen zu finden. Wirklich "Multikulti" wäre es, den Frauen freizustellen, welches Modell sie leben.

Die Dinge ändern sich - und das ist die Schwäche der Konservativen - ohne danach zu fragen, was früher mal war. In den letzten 20 Jahren sind Fakten geschaffen worden, die nicht mehr zurückzudrehen sind.

Einer dieser Fakten ist z.B. die EU. Man kann versuchen, die Zeit (wie Cameron) auf den Binnenmarkt zurückzudrehen, weiter national zu sein, unabhängig. Cameron ist aber nciht unabhängig und ungeschützt, er kann sich notfalls als 51. bundesstaat der USA zuschlagen.

Konzerne operieren global, heimatlos. Dem weiter wirtschalich in Zukunft immer bedeutungsloser werdende europ. Splitterstaaten gegenüber zu stellen bedeutet, sich künftig keine Überlegungen über dne Sozialstaat machen zu müssen, weil der eigene Zwergstaat uns seine Standortbedingungen derart marginal für den Konzern sind, dass er sich den aussuchen kann, der ihm die besten Bedingungen bietet. Die Nationalstaaterei mancher Konservativer ist also kaum die Lösung. auch die Behauptung mit Kultur und Ethnie ist nur bedingt haltbar: es gab zu allen Zeiten Wanderungen, die die etablierte Ordnung zunächst verstörten und die dann doch langfristig integriert wurden.

BTW Hätte ein anderes Blatt einen solchen Pranger entworfen, dann ist nciht ausgeschlossen, dass auch Jakob Augstein mit seinen israelkritischen Äußerungen dor gelandet wäre.

Was also ist links? Konservative tun sich leichter, weil sie aufs Bestehende verweisen und das behalten oder zurückdrehen wollen. Solange links aus Schweigegeboten und emotionaler Empörung ihre eigentlichen Aufgaben nicht begreift, wird sie dem nicht Überzeugendes entgegenzusetzen haben. Und dabei wird sie dringend gebraucht .....

Die Aufgabe der Linken wäre, Wege aufzuzeigen, wie man diese Entwicklungen sinnvoll begleitet und die Probleme des Übergangs löst.

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 11:05

"Rechtsdenker Wer hat Angst vor Schwulen, Moslems und Frauen? Eine neue Reaktion bekämpft das liberale Denken und will uns die Werte von Gestern als zukunftsweisend verkaufen..."

Das, so nehme ich an, sollen die Gemeinsamkeiten der abgebildeten, als "Rechtsdenker" ausgerufenen Personen sein.

"Angst vor Schwulen, Moslems und Frauen" Ist das ernst gemeint? Oder habe ich das falsch verstanden?

Wer das im Zusammenhang mit Necla Kelek (die anderen, sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten) lasse ich der Einfachheit halber mal beiseite, der ist weder links (nach meinem Verständnis, noch, Entschuldigung (Ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen und entschuldige mich dann), Denker.

ff

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 11:06

Abgesehen davon, dass "Rechtsdenker" ein Paradoxon ist, finde ich es regelrecht verantwortungslos, die dort genannten Personen in eine rechte Ecke zu drängen.

Das ist nicht nur eine Banalisierung rechter Ideologien, sondern auch eine Verwischung und vermischung rechter und linker, rückschrittlicher und fortschrittlicher Absichten.

Geht's noch? Wissen Sie eigentlich, was Sie damit anrichten? Sie spielen den wirklichen Rechten und Radikalen in die Hände!

ff

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2014 | 11:06

Warum, verdammt noch mal, greifen Sie, die sich mit diesem Artikel als vermeintliche "Linksdenker" auf die andere Seite der "Rechtsdenker" projizieren, nicht Thesen der Kritisierten auf und widerlegen sie?

Reicht es dazu nicht? Oder lässt sich das nicht so gut verkaufen?

Es ist eine Schande, dass ich, statt mich mit durchaus kritikwürdigen und zum Teil haarsträubenden und falschen Thesen eines Sarrazin und Broder und ... auseinandersetze, mit Freitagsredakteuren und Freitagsartikeln auseinadersetzen muss.

Sehr schön: Die Linken, Pseudolinken oder wenigstens Nichtrechten zerfleddern sich gegenseitig. Gratuliere.

Offen sichtlich habe ich mich geirrt und unter Rechten gibt es doch "Denker" (=Schlitzohren), die geschickt und raffiniert genug sind , ihre Gegner gegeneinander auszuspielen, so dass sie selbst ihnen ihre Drecksarbeit abnehmen.

Die sitzen irgendwo und schlagen sich auf die Schenkel vor Lachen. Gratuliere Herr Augstein und Co.

karamasoff 10.03.2014 | 15:33

Was in diesem Freitagartikel kritisiert wird ist in erster Linie, daß mit populistschen Inhalten pseudowissenschaftlich bis fahrlässig um sich geschmissen wird, ob nun echte Haltungen dahinterstecken oder einfach nur die pervertierten Eigeninteressen am Profit ohne Rücksicht auf Konsequenzen.

Das stellt für mich noch keine Strategie dar, es ist einfach nur der Kampf gegen Wissenschaftsklitterung, diffuses Denken, Legendenbildungen, Aufbau von Ambivalenzen der Werte udnder Information, simplen Polarisierungen und Redundanzen usw.

Es sind immer die gleichen Mechanismen zur Aufweichung und Destabilisierung von Meinung und Geist. Und zumindeste für mich sind Meinungen wie "die Erde ist innen hohl und die Sonne schwarz" keine, sondern unbewiesene Behauptungen aus dem Fundus esoterischer Phrasen.

Wenn man sich Texte aus dem rechtsextremen Spektrum wie dem Thule-Seminar ansieht, dann sind die eindeutig als solche zu erkennen. Eine Zerfledderung ist in erster Linie immer nicht politschen Positionen geschuldet, sondern einer Unschärfe im Denken und in Ausformulierung von Ideen, einem Mangel an Wissen.

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Ehemaliger Nutzer 11.03.2014 | 11:26

Was ist dagegen einzuwenden, wenn sich jemand auf seinem Fachgebiet für schlau hält, solange er andere nicht als Person generell abwertet und deren Leistungen und Fähigkeiten nicht generell schlechtredet (einzig und allein, um sich aufzuwerten)?

Sich für schlau, groß und gut zu halten, von mir aus auch für den Größten auf seinem Fachgebiet (wie z.B. Dali sich für den größten aller Maler seiner Zeit gehalten haben soll), kann, glaube ich aufgrund der autosuggestiven Wirkung, dazu führen, dass man tatsächlich Höchstleistungen bringt.

Besser nach dem Motto: "Ich kann das! Ich schaffe das! Ich bin gut!" :-) als: "Die anderen sind viel besser. Das schaffe ich nicht. Ich kann gar nichts." :-(

Vermutlich reden Sie aber von Leuten, die sich quasi per Zufall der Geburt bzw. allein wegen ihrer Herkunft für die Größten und Besten halten und andere aufgrund des Zufalls ihrer nationalen Zugehörigkeit abwerten. Eine solche Einstellung ist mMn tatsächlich rechts und hat eben nichts mit Denken zu tun.

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Ehemaliger Nutzer 11.03.2014 | 11:34

Mir ist es - trotz Nachgrübeln - immer noch ein Rätsel, was dieses an den öffentlichen Prangerstellen der obigen Personen bewirken bzw. bezwecken soll.

Worin unterscheidet sich diese Auflistung und Abqualifizierung von der Top-ten- Antisemitenliste des SWC?

Von den vielen, für diesen Artikel verantwortlichen Redakteuren, lässt sich wohl niemand dazu herab, dem schnöden Foristenfolk zu antworten. Überzeugen Sie mich, dass ich Unrecht habe. Bitte.

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Ehemaliger Nutzer 11.03.2014 | 12:12

Von Prangern und anderen Gewalttätigkeiten halte ich auch nichts!!!

Es ist halt meine Beobachtung das Menschen immer nur ihre persönliche Sichtweise sehen können(Egoismus, Überlebenstrieb), letztendlich eine philosophische Frage die wir überwinden müssen sonst hat die Menschheit, nach meiner Meinung, keine Zukunft. Sicherlich ist es nicht verwerflich wenn Menschen viel Lesen aber zumeist ist es so, dass diese das Gelesene nicht verstanden haben und es nur weiter geben(rezitieren). Es entstehen egoistisch begründete Irrtümer der Wissenschaft, wie zum Beispiel das Weltwirtschaftssystem. Was wiederum verdeutlicht, das von vornerein falsche Weisheiten niemals hinterfragt aber anderen Menschen als grundsätzliche Weisheit übergestülpt werden wie zum Beispiel der Kapitalismus, Diktatur, Religionen, Weltanschauungen, Leistung, usw., mit dem Ziel und dem Hintergrund nichts als das Ego zu befriedigen.

Ich halte nur etwas von Hochleistungen wenn diese auch Sinnvoll sind und der Allgemeinheit keinen Schaden zufügen. Die Motivation ist für mich entscheidend und Sinngebend. Wenn Hochleistungen nur egoistisch begründet sind führt das nicht nur zur Goldmedaille sondern auch zur Diktatur wie Kapitalismus, Atombombe, Krieg, Folter, Umweltzerstörung weil die Aktivisten nur sich selbst Realisieren und war nehmen können denn so ist der Mensch.

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Ehemaliger Nutzer 11.03.2014 | 18:48

"Mir ist es - trotz Nachgrübeln - immer noch ein Rätsel, was dieses an den öffentlichen Prangerstellen der obigen Personen bewirken bzw. bezwecken soll."

Das ist eine sehr wichtige Frage.

Meiner Meinung nach erfüllt dieser Pranger zwei Funktionen, die erste nach innen: Die Gruppe derjenigen, die sich als links einordnen (der "gemeine" Freitagleser) kann sich über solcherlei Abgrenzungen intern verständigen, plus - es wird ein wohliges Gruppengefühl erzeugt; die zweite ist nach außen gerichtet, man führt einen kämpferischen Impetus vor, nach dem Motto:

"Wie ihr sehen könnt - wir können auch losschlagen. Also seid auf der Hut, mit dem, was ihr sagt und denkt. Es könnte schnell euer Bild sein, das wir hier den blindwütigen Foristen zum Fraß vorgewerfen."

Ganz ehrlich, mir persönlich versaut diese Form des Denunzierens ganz gehörig den Tag (die Woche!). Denn ich muss bei sowas einfach unwillkürlich an mittelalterliche, sowjetische oder sonstwelche Praktiken denken.

Und sehe ich mir dann einzelne Leute an, die hier Richter-Gnadenlos ins Fadenkreuz genommen werden, so bin ich erst recht fassungslos.

Wer ist das, der sich anmaßt z.B. Sloterdijks philosophische und intellektuelle Leitungen derart herabzuwürdigen? Ich teile in einigen Punkten dessen Positionen nicht (z.B. Steuer, Menschenpark), doch ich halte ihn trotzdem für einen der anregendsten modernen Denker in Deutschland. Seinen Büchern jedenfalls verdanke ich viel.

Martenstein - was, um Himmels willen, ist denn in die Autoren gefahren, diesen originellen Prosaist leichter Kost in die Achse des Bösen einzugliedern? Es reicht scheinbar schon, mit ein zwei Kolumnen nicht konform zu gehen, um den Kolumnisten deshalb in die rechte Ecke und zum Abschluss frei geben zu dürfen. Das ist ja gruselig!

Mattusek, ja, er ist zuletzt ziemlich katholisch geworden und das ist manchmal sehr sehr seltsam (und manchmal sogar mehr als das!!!), doch es ist erst knappe zwei Wochen her, da las ich von ihm diesen wahrhaft beglückenden Spiegel-Artikel über Kuba ... und da gibt es noch so viele andere Artikel, die ich mit echter Bewunderung verschlungen ...

Broder? Ein Provokateur, ein intellektueller Abenteuerer, ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen, der Protyp des Dandy-Denkers (leider vom Aussterben bedroht, Raddatz ist noch so einer), ein immerfort agiler Anreger, Störer, Frechdachs, der selbst nicht immer von dem überzeugt ist, was er so vom Stapel lässt. Was soll das? Was hat der hier zu suchen? (Wohl wieder der bekannte antiintellektuellen Impuls - leider so vieler Linker!)

Ich könnte mühelos weitermachen ...

Wenn es solche Leute hierzulande nicht mehr geben darf und sich stattdessen jeder Tölpel via Glotze und Forum in Szene setzen darf (auf Kosten anderer!), dann packe ich lieber wieder meine Koffer.

Zusammengefasst: Das Ganze ist beschämend und intellektuell erbärmlich.

Ich schätze Augstein. Doch dass gerade er sich für sowas hergibt, enttäuscht mich, ehrlich gesagt, sehr.

Herr Zhao 16.03.2014 | 16:25

Ihre These von der Schädlichkeit der politischen Korrektheit könnte ich glauben, wenn es jemand in der BRD schaffen würde, die deutsche Folklore Forschung davon zu überzeugen die Erforschung der politischen Mythen, Lieder und oralen Erinnerns politischen Gedächtnisses zu übernehmen. Wenn dann noch ein Computer Linguist die Artefakte begrifflich zerlegt und formalisiert, so dass ein Spezialist für Computer Narratology eine Story Grammar für die vorgefundenden politischen Narrative findet und in eine Story Datenbank implementiert. Hellauf begeistert wäre ich, wenn die Story Grammar auch für Traumsequenzen mit politischen Inhalt funktioniert. Wenn dann auch noch ein Halbgott aus der Bildwissenschaft und Informatik das Analoge für piktoriale Narrative also Karikaturen, Plakate, Flyer, Talkshows, Filme und Fernsehen leistet. Dazu müßte man in Deutschland nur lernen abzuschreiben von Amerikanern, Japanern und Taiwanesen, um eine thematische Landkarten des politischen Diskurses semi-automatisch erstellen zu können. Die Kärnerarbeit führt sicherlich zu rationalen Politikstilen im Kampf gegen die "Rechte". Die deutschen Debatten sind irgendwie seltsam - das meiste kommt mir vor wie eine Kopie us-amerikanischer, australischer und kanadischer Debatten, die ich alle bereits kenne und bereits vor Jahren stattgefunden haben.

Herr Zhao 17.03.2014 | 15:20

Sehen Sie eigentlich ist alles viel harmloser mit der politischen Korrektheit als man denkt. In den USA haben die Republikaner den Rassismusvorwurf einfach umgedreht und den Political Correctness Diskurs erfunden. Wenn die Demokraten von Rassismus sprachen, haben die Republikaner sie einfach beschuldigt Rassismus aufrecht zu erhalten durch das Reden darüber. Irgendwann haben die Demokraten aufgehört über Rassismus zu reden, als sie gemerkt haben, dass es weiße Wähler vor dem Kopf stößt. Klugerweise perpetuieren Republikaner anti-schwarzen Rassismus aber durch geschickt gewählte piktoriale Narrative, die das kollektive Unterbewußte beeinflussen können.

Nehmen wir z.B. die piktorialen Narrative zu Präsident Obama. Er wird durch Collagen als falscher Jesus identifiziert. Er wird als Ausserirdischer dargestellt, dann als Anti-Christen. Es werden Verschwörungstheorien über seine ausländische Geburt in die Zirkulation gebracht. Hollywood bastelt fleißig am Mythos der multikulturellen Nation - und Star Trek propagiert die Salad Bowl mit den Nicht-Weißen als Crew-Mitglieder und Auserirdischen, die an Europäer, Russen und Asiaten erinnern.

Die Diskursstrategien migrieren über supranationale Institutionen, Konferenzen Großbritannien und Kirchen in das kontinentale Europa.

Alle Figurationen rechter Weltbilder wie Sarrazin, Nekla Kelek, Botho Strauss, Sloterdjik...sind letzten Endes Variationen in einer Story Grammar rechter Mythen. In den USA haben wie die Soziologen Young und Bell in der Rolle des Sarrazins, Michelle Malkin, Waris Dirie für die Keleks Rolle im anti-immigrantischen Diskurs, Ayn Rand Epigonen spielen für Sloterdjik, hunderte von Evangelikalen spielen für Matussek.

Die Figuration ist gar nicht so wichtig - wesentlich ist die Story Grammar der Mythen und die Stilmittel , um Intertextualität und Intervisualität zu erreichen. Die Artikulation muss stimmig sein mit der Story Grammar des sozialen Gedächtnisses, dass der Nationalstaat mittels seines Schulsystems, seiner Sportdiskurse, seiner Medien und seiner steinernden Erinnerungs-Architektur gesetzt hat.

Deren Antagonisten sollten weg gehen von der üblen Obsession der Einzelwissenschaften mit Ökonometrie und Event Zeitreihen und sich ordentlich den software-gestützten Narrative Turn zuwenden. Damit kann man z.B. tausende von Zeitungsartikeln und politischer Literatur analysieren mit einem ausreichenden Heer an Heloten, die die gewerkschaftsnahen und "sozialdemokratischen" Think Tank mobiliseren können.

Es gibt Subjekte = {Staat, Partei, Gewerkschaft}, Objekte = {Fabrik, Parlament, öffentlicher Platz} und Aktionen = {Streiken, Aussperren, Wahlsieg, Kundgebung, Attentat...}. Mit einer so einfachen Kodierung kann man schon 10 000 Zeitungsartikel analysieren und die Dynamik der Kräfteverhältnisse im geistigen Kampf in Zeitungen finden. Das geht für die 30 Feminismen, Dutzende von Diaspora-Ideologien, NGO-Verlautbarungen etc. Man braucht eine ordentlich aufgesetztes Datenmodell und eine Reading-Machine mit semi-automatisierten Highlighting und Textsegmentierung. Alles kein Problem - man übernimmt einfach die Software der internationalen Folklore Research Community und passt sie an eigene Zwecke an.

Bei politischer Literatur muss man weiter ausholen und etwas von statisischer Theorie über Buchverkäufe verstehen, ebenso von Hollywood Economics um politische Filme und ihre Reichweite einschätzen zu können. Jedenfalls braucht man erst einmal eine Story Grammar, um die politische Kommunikation einordnen zu können.

Was man heutzutage in der politischen Psychologie macht und der politischen Geographie mit ihrer Codierung mit demographischen Variablen und Einstellungstests sind ziemlicher Mist.

Politische Handlungen und Artikulationen haben ein politisches Subjekt, ein Objekt und eine Aktionsform.

Befürworter und Gegner können sich weiter damit befassen den Schlagabtausch der Argumente aus dem anglophonen Raum zu imitieren - oder sie machen sich einfach mal ordentlich an die Arbeit und betreiben mal Niederlagen-Analyse.

Sogar ganz unkundige Leute bekommen eine semi-professionelle Diskurs Datenbank auf der Grundlage von Mediawiki hin - z.B. so wie da hier

http://www.discoursedb.org/wiki/Main_Page

Ich würde ja selbst die schreckliche Close-Reading Praktiken der Kritischen Diskursanalyse in Deutschland durch moderne Techniken aus den Digital Humanities und der internationalen Computational Folkloristic ersetzen, um mit der statistisch orientierten Gesellschaftswissenschaften gleich zu ziehen. Für Wirkungsmächtigkeit der Universität muss man nämlich paradigmatisches und narratives Wissen generieren können. Narrative sind sozusagen das Analogon der Datenbanken, experimentelles und ökonometrisches Wissen der Gebildeten. Die Gebildeten haben aber entweder keine Lust oder keine Kompetenz dazu beide Funktionen der Intelligenz simultan erfüllen zu können. Akademischer Kotau hat nämlich Tradition in Deutschland - warum auch immer. Denn eigentlich ist das deutsche Bidngssystem vergleichbar demokratich.

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Ehemaliger Nutzer 17.03.2014 | 18:34

Mir ist nicht ganz klar, was eine solch aufwändige "Niederlagen-Analyse" bewirken soll?

Einmal denke ich, dass der Faktenreichtum erschlagen würde. Es gibt unzählige fast identische Paradigmen, die wiederum tiefse Verästelungen auslösen. "Man" könnte sicher die geläufigsten Narrative zu extrahieren versuchen, um sie sozusagen "ein- für allemal" darzustellen.

Aber wozu? Zumal das psychologische Moment dabei aus dem Blick gerät:

die Anhänglichkeit an bestimmte Positionen verhindert oft genug, anderes auch nur wahr, geschweige denn ernst zu nehmen. Daran würde auch der fundierte Hinweis, dass das bereits in einer Datenbank steht, nichts. So wenig, wie die Umetikettierung von ABC-Begriffen die grundlegende Einstellung verändert - es macht sie lediglich schwerer lesbar.

Dazu müsste man über eine Datenbank, wie Sie Ihnen vorschwebt, auch die narrative und Paradigmen "fälschen" (bezogen auf den historischen Kontext) und diese Fälschung medial vermitteln.

Friedus 19.03.2014 | 22:21

Dunkeldeutsches Waldsterben

Finde das Thema interessant und wichtig. Doch leider sehr merkwürdig, in der Auffindung und Zusammenstellung der reaktionären Personen: z. B. Eva Hermann ist als Autorin des verschwörungsesotherischen Kopp Verlag so extem daneben, das ein Vergleich mit Frau Kelle, bei allem Unwohlwollen, mehr als hinkt, dann ein Sloterdijk der eh durch seine sich widers- prechenden Ideen, kaum einsortierbar ist. Martenstein, amü- santer Grantler. Kurzum die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen, etwas zu einfach. Denn diese Formation um Sarrazin, Henkel u. co., ist ein Hort der unrefektiert unzufriede- en Klein-u- Großbürger - kurzum der Stammtisch und der Golf- club werden gleichermaßen bedient. Die AfD wäre das ideale Untersuchungsfeld für diese "neuen" Rechten.

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Ehemaliger Nutzer 28.05.2014 | 14:27

Gescheitert. Rechts ist heterogen, links war es schon immer, konservativ war noch nie zu fassen. Und nun?

Liebe Freitag-Redaktion, werft einfach diesen Sprachballast aus der Weimarer Zeit endlich über Bord! Ellenlange Artikel die bemüht sind die Verschubladung aufrecht zu erhalten, wirken eher lächerlich. Noch dazu wenn sie mit dem rechts-Alarmismus der Reeducation daherkommen.

Das passt einfach nicht mehr in eine Zeit, in der die Initiatoren der Reeducation D wieder aufrüsten und für ihre Ziele nutzen wollen...