Patrick Spät
Ausgabe 2117 | 14.06.2017 | 06:00 44

Keine Almosen

Zukunft Die Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens verharren in der Logik des Kapitalismus – anstatt ihn abzuschaffen

Keine Almosen

Die Welt gehört niemandem – und deshalb allen

Foto: dpa

Wenn du dein Produkt verkaufst, bleibst du trotzdem du selbst. Aber wenn du deine Arbeitskraft verkaufst, verkaufst du dich selbst. Du verlierst die Rechte von freien Menschen und wirst zu einem Vasallen eines gigantischen Apparats der Geldaristokratie, die jedem mit der Auslöschung droht, der ihr Recht zur Versklavung und Unterdrückung in Frage stellt. Diejenigen, die in den Fabriken arbeiten, sollten diese auch besitzen.“

Das forderten 1840 die Lowell Mill Girls, geknechtete Arbeiterinnen in den Textilfabriken der USA. Solche Rufe nach Freiheit sind heute kaum noch zu hören. Viele sind inzwischen der Eschatologie des Kapitalismus verfallen, dem Glauben an die heilbringende Kraft der freien Märkte. Der Wirtschaftsguru John Maynard Keynes prophezeite 1930, „dass Gier ein Laster wird, das Verlangen von Wucherzinsen ein Vergehen, die Liebe zum Geld verächtlich. Wir werden wieder diejenigen ehren, die uns lehren, der Stunde und dem Tage tugendhaft und gut gerecht zu werden, jene köstliche Menschen, die zu einem unmittelbaren Genuss der Dinge fähig sind, die Lilien des Feldes, die sich nicht mühen und die nicht spinnen. Aber hütet euch! Diese Zeit ist noch nicht gekommen. Gier, Wucher und Vorsicht müssen noch etwas länger unsere Götter bleiben. Denn nur sie können uns durch den Tunnel ökonomischer Notwendigkeit ans Tageslicht führen.“

Die Botschaft Keynes’ mutet religiös an: Nehmt Ausbeutung und Entbehrungen auf euch, plündert den Planeten und eure Mitmenschen aus, dann wird bald die Erlösung kommen – und die ebenfalls von Keynes prophezeite 15-Stunden-Woche für alle. Zwar ist Kapitalismuskritik spätestens mit der Krise seit 2008 wieder salonfähig geworden. Doch die Eschatologie des Kapitalismus ist damit keineswegs überwunden: „Es ist inzwischen einfacher, sich das Ende der Welt vorstellen als das Ende des Kapitalismus“, klagt der US-Kulturtheoretiker Fredric Jameson.

Erlösungsprophezeiung

In aller Munde ist ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE), dessen Fürsprecher dieser eschatologischen Erlösungsprophezeiung erliegen: Wenn das BGE erst einmal Wirklichkeit ist, dann werden wir alle ein unbeschwertes Leben führen. Aber man sollte auf seine Wünsche aufpassen, sie könnten wahr werden: Finnland (Freitag 01/2017) und Brasilien experimentieren mit dem BGE, Milliardäre wie Bill Gates fordern es; mit dem Bündnis Grundeinkommen wurde nun sogar eine Bundespartei gegründet. Und alle so: yeah!

Wo bleibt das Misstrauen, wenn sogar der Vater des Neoliberalismus, Milton Friedman, von einem Grundeinkommen träumte? Wo bleibt der Argwohn, wenn Staaten als Hofdiener des Kapitals auf einmal Almosen verteilen sollen? Zugegeben: Es ist verlockend, jeden Monat einfach 500 oder 1.000 Euro zu bekommen. Und ja, das Existenzrecht muss definitiv von der Arbeit entkoppelt werden, zumal die Lohnarbeit angesichts der Automatisierung ohnehin schwindet, Erfolg meist von sozialer Herkunft abhängt und ein DAX-Vorstand auf einen durchschnittlichen Stundenlohn von 5.000 Euro kommt.

Die Apologeten des BGE sind in der Logik des Kapitalismus gefangen. Sie begreifen nicht, dass man die Eigentumsverhältnisse verstehen und verändern muss, will man die Gesellschaft verstehen und verändern. Die Kritiker des BGE fragen meist nur, ob die Menschen dann nicht stinkfaul werden – ach, die meisten wissen sich schon zu beschäftigen. Oder ob das finanzierbar ist – sicher, wenn man Steueroasen austrocknet. Unter den Tisch fällt dabei völlig, dass auch eine Welt des BGE eine kapitalistische Welt ist. Eine Welt mit Ausbeutung, Lohnarbeit, Rassismus, Patriarchat und Umweltzerstörung. Eine Welt, in der ein einziger Mensch, Bill Gates, über 45 Milliarden US-Dollar auf seinem Konto hat, während über eine Milliarde Menschen hungern. Eine Welt, in der sich der Reichtum der wenigen auf der Armut der vielen gründet. Warum sollte man diesen Großverdienern und Millionären bedingungslos noch weiteres Geld in den Rachen werfen?

Es scheint, als müsste man den Befürwortern des BGE noch einmal klarmachen, was eigentlich Kapitalismus bedeutet. Ray Kroc, der Gründer von McDonald’s, erklärt es uns: „Wenn irgendeiner meiner Konkurrenten am Ertrinken wäre, dann würde ich ihm einen Schlauch in den Mund stecken und das Wasser aufdrehen. Das ist ein Kampf: jeder gegen jeden. Ich werde sie töten, und ich werde sie töten, bevor sie mich töten.“ Anders formuliert: Auch in einer Welt mit BGE werden die Leute ertrinken. Denn es gibt – quasi per Definition – keine Almosen im Kapitalismus. Wenn Staaten tatsächlich ein BGE einführen sollten, dann nur, um den ohnehin geschrumpften Sozialstaat verschwinden zu lassen.

Der Profit beruht im Kapitalismus auf Knappheit: Im Gegensatz zu einem Apfel wächst eine Goldmünze nicht an Bäumen, deshalb ist sie knapp und damit teuer. Ein Gemälde von Picasso ist einmalig, also äußerst knapp und damit sehr teuer. Und auch das Geld ist knapp, die Armen und Ärmsten wissen das allzu gut. Könnte der Staat jedem Bürger eine Goldmünze und einen Picasso pro Monat schenken, würden diese Dinge sofort an Wert verlieren, weil sie nicht mehr knapp sind. Insofern würde wohl auch ein BGE zu einer Geldentwertung und damit Preissteigerung führen. Mit einem BGE könnte man problemlos einen gigantischen, staatlich subventionierten Niedriglohnsektor rechtfertigen. Obendrein kann man die Forderung nach einem BGE nur an einen Nationalstaat stellen: Immigranten und Geflüchtete ohne Staatsbürgerschaft blieben außen vor, was zu sozialen Verwerfungen führen würde. Außerhalb unserer Grenzen würde das Elend einfach weitergehen: Im globalen Süden schuften die outgesourcten Sklaven des 21. Jahrhunderts täglich 16 Stunden in giftgeschwängerten Fabrikhallen, um unsere Smartphones, Spielsachen und Klamotten herzustellen – mit oder ohne BGE.

Ideen zum Kuscheln

Ein BGE wäre einzig in einer Welt wünschenswert, in der die Großeigentümer enteignet sind und alles allen gehört. Aber da sind wir schon am springenden Punkt: Eine solche Welt wäre eben nicht mehr kapitalistisch. Anders formuliert: Die Befürworter eines BGE müssen sich darüber klar werden, dass sie innerhalb der Logik des Kapitalismus denken – sie wollen ihn nicht mit einer Revolution abschaffen, sondern mit einer Reform bestätigen. „Realpolitik treiben, heißt, an Bestehendes anbauen, heißt, Verzicht leisten auf Abbruch und Erneuerung, heißt, das Dach flicken, wo der Unterbau morsch ist“, notierte Erich Mühsam. Reformen tun not, aber sie werden das kapitalistische System nicht auf links drehen, erst recht nicht ein BGE.

Wenn wir uns das Ende des Kapitalismus vorstellen wollen, sollten wir uns von der plüschigen Wohlfühlwelt des BGE verabschieden. Die Welt gehört niemandem – und deshalb allen. Die Produktionsmittel – Anbauflächen, Rohstoffe, Grundstücke, Infrastruktur, Kraftwerke, Maschinen, Fabriken, Roboter, Rechenzentren, Server – müssen zurück in die Hände der Allgemeinheit. Dann kommen eine 15-Stunden-Woche und das Grundeinkommen ganz automatisch. Wir brauchen Genossenschaften, Kollektivbetriebe und Commons – hier liegt der Schlüssel zur Erlösung, und nicht im BGE.

Vor allen sozialpolitischen Veränderungen steht der Bewusstseinswandel. Und deshalb ist es wichtig, offen über sozialpolitische Utopien wie den Anarchismus, Syndikalismus, Neozapatismus oder Kommunismus – als freiheitliche Utopien, nicht als verklärende Vorstellung staatlicher Diktatur – zu diskutieren. Nur mit solchen Ideen und Erzählungen können sich die Menschen überhaupt daran erinnern, dass eine andere Welt möglich, dass der Kapitalismus alles andere als alternativlos ist. Trotz oder gerade wegen dessen jahrhundertelanger Unüberwindbarkeit müssen wir solche Utopien am Leben halten.

Kuschelideen wie das BGE zementieren diesen Zustand und segnen damit die Ausbeutung von Mensch und Natur geradezu ab. Wir sollten nicht mit einem BGE in der Denke des Kapitalismus verharren, sondern wieder mehr Utopie wagen. Oder, wie die spanische Freiheitskämpferin Lucía Sánchez Saornil hinsichtlich ihrer Utopien zu sagen pflegte: „Wir werden sie erbauen, die umgekehrten Pyramiden!“

Patrick Spät hat zuletzt Die Freiheit nehm ich dir. 11 Kehrseiten des Kapitalismus veröffentlicht (Rotpunktverlag 2016, 184 S., 9,90 €)

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 21/17.

Kommentare (44)

na64 14.06.2017 | 08:40

Mir stellt sich die Frage: Wie bekommt man eine andere Kultur in den Kopf? Eine Gehirninventur? Nur wie soll das gehen? Es gibt ja nicht mal ein Bewusstsein für unsere Umwelt und Lebensbedingungen, außer man erkennt eine Selbstaufwertung . Es bleibt nur der Schmerz über ein Leiden was man erleben muss, damit eine Gehirninventur statt finden kann und unser Denken in einen anderen Modus versetzt. Freiwillig tun wir es nicht.

Rafaela 15.06.2017 | 02:01

Obwohl ich ein BGE (wohlgemerkt: welches diesen Namen verdiente, weil es kein systemstützendes, neoliberaleres Konstrukt mit diesem geklauten Etikett, sondern ein emanzipatorisches Grundeinkommen wäre) bislang unterstütze, bin ich von diesem Beitrag Patrick Späts sehr angetan.

Die Risiken, die Patrick Spät beschreibt, sind nicht von der Hand zu weisen; wahrscheinlich hat er -in logischer Linie und Konsequenz gedacht- sogar letztlich recht. Jedoch hebelt ein breiter Diskurs über ein emazipatorisches Grundeinkommen bspw. auch die weit verbreitete und tief verankerte Idiotie des Arbeitsfetischs aus - was wiederum zu weitaus umwälzenderen Erkenntnissen führen könnte... Jenen, die Patrick Spät beschreibt und für erforderlich und wünschenswert hält...

Danke aber auf jeden Fall für diesen gehaltvollen, engagierten und über den täglichen Tellerrand hinaus verweisenden Beitrag!

denkzone8 15.06.2017 | 04:10

oh,je..

die vorstellung, ein selbst-erzeugtes produkt

einem interessierten käufer

auf einem gepflasterten markt-platz auszuhändigen:

wie schlicht-ausgeprägt ist dabei das gesellschafts-bild,

die vorstellung einer arbeits-teiligen ökonomie,

das selbst-bild eines -->subjekts

(im alten sinne: des unterworfenen),

im aktuellen lebens-modus....

derart regressive muster geistern quick-lebendig

in entspannten denk-apparaten als trug-/traum-bilder.

und die konkrete unterworfenheit unter gesellschaftliche

bedingungen/verhältnisse wird leichterhand

mit sklaventum ineins gesetzt.

die sklaverei als bedeutsame historische lebens-form

und aktuell-bedrohliches szenario

für immer noch zuviele menschen

ist weithin ein so inhalts-leerer begriff,

daß er als synonym für jammer-zustände durchgeht.

was ist an keynes' konzept einer zivilisatorischen

aufgabe des kapitalismus: religiös?

wie anders hätte die bevölkerungs-explosion

beantwortet werden können?

die möglichkeit des privaten profits beruht auch nicht auf knappheit,

sondern auf der schönen tatsache,

daß menschliche arbeit eine produktivität erreichen kann,

die für mehr als eine einfache reproduktion langt.

ich ersehne hier ja nicht die präsentation des steins der weisen.

aber erlösung von den übeln der allzu simplen bilder,

die die sicht auf wirk-lichkeit verstellen.

iDog 15.06.2017 | 20:17

Hallo Freitag, BRAVO ! Endlich mal ein eindeutiger und mutiger Artikel . Bin angenehm überrascht über dieser Entscheidung und inhaltlich ausnahmsweise mal einverstanden.

Helocopter money ist einerseits die letzte Instanz der Unterwerfung unter das Kapital , andererseits die modernere Notlösung des Kapitalmonopolismus, um die eignen Ärsche in der Krise noch ein bisschen länger retten zu können. Aber nicht mal das haben "die" intelligent hinbekommen, denn die Chance das bedingungslose Unterwerfungseinkommen unauffällig an die Leute zu bringen ist offensichtlich längst vertan. War es also doch nur eine Fantasie pseudolinker Wichtigtuer? .... ein Ablenkuzngsmanövere ehe man zur reinen Biopolitik umschwenkt?

Grog 15.06.2017 | 22:42

Ein interessanter Artikel.

Leider finde ich, zu sehr im soziologisch-theoretischen Denken gefangen.

Warum ist Arbeit etwas negatives? Wer sagt, dass eine Arbeit im Angestelltenverhältnis einer Sklaverei nahekommt? Ich kenne viele, die die Vorzüge einer geregelten Arbeitszeit und die Sicherheiten schätzen und damit glücklich sind. Sie könnten sich selbständig machen - wollen sie aber nicht.

Ich fände es interessanter, das BGE von der psychologischen Seite her zu betrachten. Was ist für Menschen die Motivation zu arbeiten? Ändert ein BGE etwas daran? Kann man in der Arbeit und BGE eine Erfüllung finden? Würde das BGE überhaupt etwas ändern?

Nein, das BGE würde am jetzigen Kapitalismus wenig ändern. Ein Kapitalismus kann nur (muss) von einem Staat mit Gesetzen in engen Grenzen gehalten werden. Das wurde versäumt in den letzten Jahrzehnten. Den Neoliberalen hat man leider alles geglaubt...

Also erst die soziale Marktwirtschaft wiederherstellen und die Kumulation von Kapital verhindern (Transaktions-, Kapital- und Erbschaftssteuer wären z.B. dafür da)...

Das BGE spielt für den Umbau und eine Umverteilung in der Gesellschaft kaum eine Rolle.

gelse 16.06.2017 | 04:19

>>Ich kenne viele, die die Vorzüge einer geregelten Arbeitszeit und die Sicherheiten schätzen…<<
Ich kenne auch Welche, die es mit ihrer Lohnarbeit relativ gut getroffen haben. Und sie wissen, dass sie sich wahrscheinlich verschlechtern würden, wenn das mal zu Ende wäre. Zum Beispiel wenn Betriebsteile „geoutsourct“ werden, oder wenn Firmenerben den Laden an den meistbietenden Konzern verkloppen. Die Sicherheit schätzen die Meisten realistisch ein: Fragil.

>>… Umbau und eine Umverteilung in der Gesellschaft <<
Um mal eine Denkgrundlage zu haben:
http://www.imzuwi.org/index.php/taten/zukunftslabore/zukunftslabore2/125-die-genossenschaften-von-mondragon
Ich will damit keine 1:1-Kopie der Mondragón-Kooperativen empfehlen, sondern wie gesagt, einen Denkanstoss für den Umbau der Ökonomie in Richtung Demokratisierung.

4711_please 18.06.2017 | 11:52

"Ein BGE wäre einzig in einer Welt wünschenswert, in der die Großeigentümer enteignet sind und alles allen gehört." Also erst die Revolution, dann der Rest? Und nach der Revolution wird alles viel weniger totalitär sein? Sorry, aber ich kann mit einer solchen Utopie nichts anfangen.

Klar beinhaltet das BGE auch kritisierbare Aspekte. Richtig ist auch, dass es im herrschenden System eine Ausgleichsfunktion hätte, so wie die Einführung einer Krankenversicherung u.ä. Ich kann nicht nachvollziehen, was das revolutionäre Gelaber eigentlich will? Die Befreiung der Lohnabhängigen gegen ihren Willen? Ich nehme zur Kenntnis, dass "sozialpolitische Utopien wie [...] Anarchismus, Syndikalismus, Neozapatismus oder Kommunismus" nicht nur nicht mehrheitsfähig sind, sondern auch unter Linken, Gewerkschaftlern etc. höchst umstritten. Ich wäre ja schon dankbar, wenn sich innerhalb des bestehenden Kapitalismus anarchosyndikalistische Kleinunternehmen entstehen würden. Doch selbst das ist nur reine Utopie. Eine linke Revolution wird es im 21. Jahrhundert wohl nicht geben, eher eine faschistische.

Das Bewußtsein der Leute ist eben nicht so, wie man sich das wünscht. Will ich antitotalitärer Utopist bleiben, muss ich das zur Kenntnis nehmen und mit kleinen Schritten versuchen in eine Richtung zu gehen, die emanzipatorischen Charakter hätte. Die gewünschte Revolution, das wäre für mich eine generelle Bewußtseinsveränderung, ein epochaler Umbruch, der nicht erzwungen werden kann, sondern nur mit viel Geduld, ein möglicherweise von mehreren Generationen durchgeführter Diskurskampf, bei dem kleine Schritte innerhalb des Kapitalismus hilfreich wären, z.B. die Einführung des BGE oder die Gründung von selbstverwalteten Unternehmen und anderes mehr. Es wäre wohl mehr Evolution als Revolution. Das wäre meine Utopie.

kritikaster 19.06.2017 | 11:13

Ihr Text:
Die Welt gehört niemandem – und deshalb allen. Die Produktionsmittel … müssen zurück in die Hände der Allgemeinheit. …. Wir brauchen Genossenschaften, Kollektivbetriebe und Commons – hier liegt der Schlüssel zur Erlösung.

Das „Zurück in die Hände“ unterstellt, der Besitz der Produktionsmittel wäre mal in den Händen der Allgemeinheit gewesen.
Vor 5.000 Jahren entstanden die ersten Hochkulturen. In allen Hochkulturen wurde der Grundbesitz (damals Haupt-Produktionsmittel) auf die Oberschicht verteilt. Die Unterschicht durfte schuften und war mittellos. Diese Besitzverteilung wurde mit Gewalt durchgesetzt und hat sich bis heute gehalten:
https://www.freitag.de/autoren/kritikaster/irrweg-zivilisation

Die vorhandenen Produktionsmittel an Genossenschaften zu übergeben, bedeutet Enteignung und politische Unruhe. Und nach welchem Schlüssel wird verteilt?
Zudem sind ähnliche Versuche des Sozialismus gescheitert - auch weil die Chefs das Funktionieren der Wirtschaft nicht verstanden hatten.
Es gibt einen alternativen Weg, Produktionsmittel auf alle zu verteilen, ohne Enteignung:
https://www.freitag.de/autoren/kritikaster/wirtschaftliche-teilhabe-statt-robin-hood

gregory 19.06.2017 | 15:46

Die Welt ist aufgeteilt, alles gehört irgendjemand. D.h. wenn man nicht reich geboren ist und ein sich der Natur bemächtigen um zu überleben verboten ist, ist man dazu gezwungen sich zu verkaufen. Es ist eine rich mans world. Eine Welt aus der Perspektive und nach den Interessen der Reichen entworfen. Alles soll zum Verkauf stehen. Also Rousseau ist weiterhin aktuell. Es ist ein einziger Betrug. Menschen, die sich zu den Besitzern und Herrschern der Welt aufspielen.

Der Artikel hat schon Recht. Ein BGE verstetigt das nur. Das Einzige, was diesen wahnsinnigen Zug noch stoppen kann, ist der Kollaps der Biosphäre. Ich mein, das Erkennen der eigenen Unterdrückung ist evtl. auch ein schmerzhafter Akt. Das werden nicht nur positive Gefühle sein. Vielleicht wirkt da eine meterhohe Schicht aus Müll katalysierend.

iDog 19.06.2017 | 16:22

"Vor 5.000 Jahren entstanden die ersten Hochkulturen. In allen Hochkulturen wurde der Grundbesitz (damals Haupt-Produktionsmittel) auf die Oberschicht verteilt. Die Unterschicht durfte schuften und war mittellos. Diese Besitzverteilung wurde mit Gewalt durchgesetzt und hat sich bis heute gehalten:"

Ich finde sie vereinfachen das etwas zu stark. Als Beispiel der Fall der Gegend , in der ich heute lebe , um Besitzanspruch durch ideoligischen Verklärung kurz von Besitzsverthältnissen ( besitzen = nutzung )zu trennen. In dieser Gegend ist also die Almende erst 1860 enteignet worden unter einem Akt durch Napoleon III. Das ist Kerneuropa wohlgemerkt. Das in dieser Gegend die lokale Bevölkerung bis 1860 eine Subsistenzwirtschaft ( hauptsächlich Schaftzucht und Ziehenwirtschaft) auf einer Almende betreiben könnte , ist historisch belegt und bedeutet ein Besitzverhältnis und eine Lebenspraxis. Diese wurde dann abruppt beendet und die Bevölkerung befand sich wie viel vor ihnen in der Notlage ihre Lebenszeit als Arbeit an andere zur Mehrwerterzeugung zu verkaufen.

Das Beispiel soll zeigen , das Ihre Behauptung hire prinzipiell richtig ist . Der von Ihnen beschrieben Vorgang ging vor etwa 5000 Jahren regional los, hat aber bei diversem historischem auf und nieder von Macht- und Herrschaftsverhältnissen sehr häufig auch wieder zu natürlicheren Formen des Wirschaftens nicht nur zurückgefunden , sondern ist in Teilen erst wesentlich später enteignet worden als man sich das vorstellt. Der moderen Kapitalistismus als Enteignungsmaschine (nach Hannah Arendt) kam aus England und hat sich nur sehr langsam über Europa verbreitet und damit sein Prinzip des Eigentumstitels, der die Akkumulation des kKapitals bzw. eEigentums erst ermöglicht.

Bingocrash 21.06.2017 | 12:50

Die für mich zutreffenste Schilderung ist die von 4711_please. Weil da auf den Aspekt einer "Evolution" hingewiesen wird, um aus der Misere rauszukommen. Im ersten Kommentar (Na64) wurde von "Gehirninventur" geschrieben. Wahrscheinlich so gemeint, das sich die Bewusstseins-Inhalte möglichst aller Menschen ändern muss - ich nehme an, auch das langfristig gemeint.

Weiter wurde auf die Entstehung des Konzeptes des Eigentums hingewiesen, so um spätestens 3000 v.Chr. - mit dem meiner Meinung nach richtigem Hinweis auf eine Hierarchisierung und einhergehender Zuweisung von Privilegien.

Eine Andeutung von einem möglichem "reliogiösem" Charakter wurde auch angedeutet (wobei das Beispiel Keynes mir etwas seltsam vorkommt).

Zu allem erstmal vorangestellt sei eine These:

In den Anfängen (also vor mind. 5000 Jahren) wurde eine Entwicklung angestoßen, die durch Arbeitsteilung u.v.m. zumindest zu einer technologisch wie wissenschaftlich basierten Zivilisation führte - unabhängig erst mal davon, wie Zivilisation erklärt/interpretiert wird.

Wahrscheinlich waren die Triebfeder zu solchen Umwälzungen damals durchaus "humaner" Natur, weil die Wandlung der Menschheit vom Sammler/Jäger hin zur Seßhaftigkeit schon einige Jahrtausende lief.

Dabei spielten verschiedene Ansätze von Religionen durchaus eine zentrale Rolle, verlangte dieser Ansatz eine Unterordnung.

Die Vermischung von Religion und Organisation verlief über Hahrhunderte, begleitet immer wieder durch Gewalt usw. Solche "Lebensweisen" haben sich (Vermutung) in eine Art kollektivem Gedächtnis manifestiert.

Die These ist die, das es mehr als 20, 30 oder 40 Jahre benötigt, um einen allgemeinen Bewusstseinswandel hervorzubringen, der die Menschen als solche von ihrer (Hybris?) derzeitigen Postion der Krone der Schöpfung mit dem Recht auf absolute Herrschaft des Planeten abbringt und sich langsam als ein - wenn auch wichtiger - Bestandteil des Planeten begreift, der die Aufgabe eher des Hüters oder Wächter innehaben sollte, als sich seinen selbsterdachten Systemen gnadenlos zu unterwerfen.

Übrigens halte ich die auf lange Sicht bestimmten Dogmen fast aller Religionen (u.a. das Konzept der Schuld, einhergehend mit der "Vorverurteilung", der Mensch an sich ist ersmal schlecht usw.) als mittlerweile so hemmend und sogar kontraproduktiv gegenüber der mehr kurz/mittelfristigen "weltlichen" Dogmen, das es überfällig ist, hier (mittel/langfristig) eine Art Verabschiedung von archaischer/patriachalischer hin zu humanistisch geprägten Sichtweisen konsequent einzuleiten.

Mir ist übrigens klar, das mein Kommentar nicht sofort mit einem hier diskutiertem pro-BGE/contra-BGE in Verbindung zu bringen ist, aber (mit Hinweis des Kommentars von 4711_please) ist die Einführung eines BGE (was ich übrigens aus div. Gründen eher befürworte) dann eine Mosaiksteinchen hin zu eine Welt, wo der Mensch langfristig (in Jahrzehntauenden möglichst) bestehen kann.

Das alles geht aber nicht, wenn man die überaus komplizierten immer wieder ausser Acht lässt. Es ist also eher eine konsquente evolutionäre Herangehensweise, die weiterhilft, nicht Revolutionen, auch wenn das dem "will-alles-sofort-und-jetzt-haben" - Denken widerspricht.

Also: pro BGE, oder?

kritikaster 21.06.2017 | 13:56

Ihr Text:
Der modernen Kapitalismus als Enteignungsmaschine (nach Hannah Arendt) kam aus England und hat sich nur sehr langsam über Europa verbreitet

Der Kapitalismus ist eine neue Form der Abhängigkeit für die Unterschicht. In der Hoffnung auf ein besseres Einkommen wechselten die Tagelöhner der Landwirtschaft als Arbeiter in die Industrie. Die Unterschicht besaß weder vorher noch nachher Eigentum.
Die Eigentumsänderung vollzog sich an anderer Stelle: Die Bedeutung des Grundbesitzes ging verloren.

Das Eigentum gehörte immer der Oberschicht. Der Adel behielt sich immer das Eigentum auf Grundbesitz vor und ist heute noch in vielen Länder Großgrundbesitzer. Mit der Geldwirtschaft aus Italien und später mit der Industrialisierung in Großbritannien bildete sich vor etwa 500 Jahren neben dem Adel eine neue Kapital-Oberschicht, die Banken und Industrieunternehmen besaßen. Die Kapital-Oberschicht (Geldadel) hat bis heute das Monopol auf das Eigentum an den Großkonzernen.

Die Unterschicht war beim Eigentum immer außen vor.

iDog 21.06.2017 | 17:50

ich versteh was sie meinen, aber man sollte vielleicht versuchen genauer sein. Eigentum im Gegensatz zu Besitz gibt es es erst seit dem späten 14ten Jahundert, nämlich seit Erfindung des besagten Eigentumstitel , der den moderen Kapitalismus kennzeichnet und dazu dient sein Eigentum gleichzeitig bewirtschaften, also nutzen zu können, und es zu kapitalisiern, also Geld darauf zu leihen , um ihn ein zweites mal profitabel zu nutzen. Das wurde zuerst nach den Bauernaufständen ind England zur Praxis , um Arbeitslöhne bezahlen zu können bevor Erträge erzielt werden konnten ...

Es wurde also aus einer Aristokratie eine Eigentümerklasse, aus Herren bzw. kleine und großen "Herrschern" Eigentümer. ( Größte Grundeigentümer der Welt ist immer noch die Familie Windsor.)

Besitz ist das worauf man sitzt. Und auch wenn irgend ein König , Fürst oder wer auch immer mehr oder weniger aus Prinzip einen Anspruch geltend machte, so saßen die Leute doch irgndwo auf dem Land und wirtschafteten, bewirtschften es auf Höfen, Farmen etc. Der berüchtigte Lehnsherr hatte ein persönliches Interesse , dass die Leute gut wirtschafteten und lebten, denn dann lebter auch er gut , wenn er seinen, sagen wir mafiotischen , Anteil erhielt. Die Abpressung zu größer Forderungen führte zu Aufständen der Bauern.

Der Tagelöhner , von dem sie schreiben, taucht in dem Sinne erst auf , als der Kapitalismus schon entstanden war, die Aristokraten zu Eigentümern geworden waren , ihr Eigentum einzäunten, um , das war die erste Welle , Schafzucht für die neue Wollindustrie (Webstühle der Kontore) in England zu betreiben, und es also kein Land mehr gab auf dem von jedem gewirtschaftet werden konnte, wenn auch für einen Besitzer. Die Leute konnten also ihre gewohnte Subsitenzwirtschaft nicht mehr betreiben , nicht mal gegen Abgaben, sonderen wurden zu Arbeitssuchenden, weil es keine andere Möglichkeit gab und landeten in Massen in den frühen Industriemetropolen oder wurden eben Tagelöhner in der Argrarwirtschft , hier eben in der Schafzucht. Das ist wie gesagt die erste Welle des moderenen Kapitalismus , die auf die Bauernaufstände in England folgte. Die Aufstände waren natürlich eine Befreiung aus der Lehnsknechtschaft aber führte für die meisten ins Elend und noch größere Abhängigkeit.

Diese historische Entwicklung wird sehr gut von Polanyi in "The great transformation" beschrieben . Auch Wallerstein hat das alles sehr akribisch recherechiert (The Modern World-System). Zum Eigentumstitel beziehe ich mich auf Heinsohn und Steigers mittlerweile Standardwerk: "Eigentum , Zins und Geld".

Wie das Eigentum historisch überhaupt in die Welt kam beschreiben Heinsohn und Steiger auch ...

ich weiß natürlich nicht ob ich Ihnen hier grudnsätzlich was neues sage, denn man kann in einem Kommentar natürlich nicht alle Aspekte dieser Entwicklungen abdecken.

JR's China Blog 21.06.2017 | 21:30

Wie wär's? Sie lassen sich auf einer einsamen Insel irgenwo weit draußen vor dem Orinocco-Delta aussetzen, mit ein paar Kannibalen nebenan, und dann schau'mer mal, wie lange Ihr Weg zurück wohl dauert - und bringen sie bitte ordentlich Dublonen mit.

Dreihundert Jahre später über den weißen Fortschrittsglauben zu klugscheißern ist auch nicht der Wissenschaft letzter Schluss.

Nicki F. 22.06.2017 | 06:23

Uiiiuiuiui.

Da hat jemand aber tief in die Anarchiekiste gelangt und theoretisch verblendet VÖLLIG übersehen, was das BGE eigentlich ist. Ja! In der Tat: ein Entlastungsmodell im Kapitalismus! In welchem System auch sonst, immerhin befinden wir uns in ihm.

Ermüdend auch der Hinweis, dass ein BGE nur in einer 'enteigneten Welt" nützlich wäre. Nö. Ganz und gar nicht.

Ich habe gerade einen 90-minütigen Kinofilm über das Bedingungslose Grundeinkommen fertig gestellt und festgestellt, wie aktuell, wie wichtig, wie finanierbar, wie hilfreich, wie sinnvoll und entlastend die Realisierung des Bedingungslosen Grundeinkommens wäre.

Vielleicht schauen Sie ihn sich an? Ich lade Sie gerne zur Premiere im September nach Hamburg ein! Er heißt: "Können +Wollen statt Müssen+Sollen". Vielleicht hören Sie nach der Premiere auf, einen derartigen Blödsinn zu schreiben. Hochachtungsvoll, Nicki Brock

Nil 22.06.2017 | 10:12

Vielen lieben Dank für diesen Beitrag. Ein weltweites bedingungsloses Grundeinkommen, das mit verschiedenen anderen Massnahmen einhergeht, wäre gut. Dazu ein Vorschlag von der Partei Integrale Politik in der Schweiz, könnte als Modeleispiel auf andere Nationen, im groben, übertragen werden.

http://www.integrale-politik.ch/positionspapiere-integrale-politik/

INTEGRALE WIRTSCHAFT Kurzfassung der Positionen

Eine Wirtschaft im Dienst der Welt –
durch inneres Wachstum der Menschen

Die Wirtschaftsepoche, wie sie sich seit der industriellen Revolution bis heute entwickelt hat, geht ihrem Ende entgegen. Die Anforderungen an Produktivität und Wachs- tum entsprechen nicht mehr den heutigen oder künftigen menschlichen Bedürfnissen und den Herausforderungen unserer Mit- welt. Die Wirtschaft wird ihre Aktivitäten in den Dienst der menschlichen Gemeinschaft und unseres Planeten stellen. Die Wirtschaft wird so zu einer wichtigen Grundlage zur Schaffung einer neuen Gesellschaft.

Seit den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Marktwirtschaft stark im Interesse der Profitmaximierung und zugunsten des Finanzsektors ausgebaut. Es entstanden daraus problematische gesellschaftliche Entwicklungen wie die Verarmung der Mittelschichten und das Entstehen von Armut trotz Arbeit. Zudem verschlingt ein nicht nach ökologischen Kriterien reguliertes Wirtschaftswachstum die Ressourcen der Erde.

Vision

Wirtschaften dient der Erfüllung des Lebens und ist nicht Selbstzweck. Die entwicklungspoli- tischen Ziele der Wirtschaft (die derzeit auf Gewinnmaximierung und Massenkonsum ausge- richtet sind) richten sich vermehrt auf die Selbstentfaltung jedes Einzelnen und das Wohler- gehen der Gesellschaft und unserer Erde.

Ziel

Integrale Politik möchte den Wunsch nach persönlicher Freiheit mit der Verantwortung für das Gemeinwohl vereinen:

Der Markt findet ein neues Gleichgewicht zwischen Konkurrenz und Kooperation und orientiert sich neu am Ziel des Gemeinwohls und einer positiven Mitweltbilanz.

Wirtschaftsentwicklung und Selbstverwirklichung des Menschen basieren beide auf qualitativem Wachstum. Damit nimmt der Verbrauch an nicht erneuerbaren Ressour- cen ab und es steigen der Respekt gegenüber ökologischen Aspekten und das Interes- se an nicht materiellen Ressourcen.

Die neue Wirtschaft verhält sich konstruktiv, das heisst verantwortungsvoll gegenüber allen Menschen und der gesamten Mitwelt, qualitätsbewusst, kooperativ und krea

Konkrete Vorschläge

1. Förderung von Unternehmen mit Gemeinwohlbilanzen

Wir unterstützen Firmen und Organisationen, die nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien geführt werden. Wir tun das durch aktive Förderung pionierhafter Initiativen, mit innovativen Bildungsprogrammen und interdisziplinären Forschungsprojekten. Die Triple- Bottom-Line (Planet, People, Profit) kann helfen, den Sozial- und Umweltbeitrag einer Firma zu messen.

2. Entschleunigung der virtuellen Märkte

Haltefristen für Wertpapiere und Finanzprodukte, Besteuerung von Finanztransaktionen (inspiriert durch die Tobin-Steuer) sowie Alternativen zum Zinssystem könnten helfen, eine neue Spekulationsblase zu vermeiden.

3. Banken dienen wieder der Realwirtschaft

Statt der Ausrichtung auf Vermögensverwaltung und Investment banking werden Banken wieder ihrem ursprünglichen Zweck dienen, nämlich mit Kreditvergabe und Dienstleistungen als Wertaufbewahrungsinstitute den Unternehmen der Realwirtschaft zur Verfügung stehen.

4. Lenkungsmassnahmen für nachhaltiges Wirtschaften

Die Preise beinhalten externe Sozial- und Umweltkosten (Internalisierung der Kosten). Öko- logische Technologien und erneuerbare Energien werden finanziell und mit Steuererleichte- rungen gefördert. Giftstoffe und Verschmutzungen werden limitiert und ersetzt.

5. Höhere Konsumsteuern vermindern die Arbeitsbesteuerung

Eine gezielte Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Güter und Dienstleistungen mit einer negati- ven Sozial- und Umweltbilanz erlaubt eine Entlastung der Einkommenssteuer. Damit werden sowohl ein verantwortungsvollerer Konsum als auch die unternehmerische Kreativität gefördert.

6. Wir sorgen uns gemeinsam um Wasser, Erde und Luft

Die Sicherstellung einer nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen ist entscheidend zur Erhaltung einer lebenswerten Schweiz und einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Dazu müs- sen wir, – die Gesellschaft –, uns gemeinsam um die natürlichen Ressourcen kümmern können. Wir möchten diesbezüglich in Betracht ziehen, den privaten Grundbesitz durch ein lang- fristiges Nutzungs- und Pachtrecht zu ersetzen, das vererbt werden kann.

Mögliche längerfristige Lösungsansätze

Zur Sicherung der Existenz aller Bürger schlagen wir ein garantiertes Grundeinkommen vor.

Wir möchten, dass der Begriff «Arbeit» um sämtliche Aktivitäten, die dem Gemein- wohl und der ganzheitlichen Entwicklung des Individuums dienen, erweitert wird.

Die Einführung von Mindest- und Höchsteinkommen in einem Betrieb und die Be- schränkung des Gesamteinkommens pro Bürger schafft eine grössere soziale Gerechtigkeit. Durch diese Verminderung der Einkommensunterschiede wird eine ausgegli- chenere Wertschätzung der Arbeitsleistung erreicht.

Neue Bewertungsmassstäbe (z.B. die Gemeinwohlbilanz) erfordern ein neues Verständnis der Unternehmensführung: Unternehmen werden nach ethischen, sozialen und nachhaltigen Grundsätzen ökonomisch – effizient und effektiv – geführt.

Forschung orientiert sich an inter- und transdisziplinären Lösungsansätzen für eine nachhaltige Gesellschaft.

Eine Verringerung der Vermögensunterschiede durch entsprechende Änderungen der Vererbungskultur und der Erbgesetze und die Beschränkung der direkten Erbschaft auf ein angemessenes Maximum wird zu einer Erhöhung der Chancengleichheit führen. Ein noch zu definierender Erbenfond könnte geschaffen werden.

Wir freuen uns auf weitere Ideen und Initiativen dazu.

Hermann 22.06.2017 | 16:13

Sehr geehrter Herr Spät, vielen Dank für Ihre schonungslose Fundamentalkritik am BGE. Mit Ihrer Alternative kann ich mich allerdings nicht anfreunden.

„Vor allen sozialpolitischen Veränderungen steht der Bewusstseinswandel. Und deshalb ist es wichtig, offen über sozialpolitische Utopien wie den Anarchismus, Syndikalismus, Neozapatismus oder Kommunismus – als freiheitliche Utopien, nicht als verklärende Vorstellung staatlicher Diktatur – zu diskutieren.“

Das Bewusstsein der Menschen ändert sich leider nur sehr langsam und ich weiß nicht, ob wir seit dem Neolithikum schon Fortschritte gemacht haben. Immer noch ist der Mensch z.B. mitfühlend, gerecht, aufopferungsvoll aber eben auch gierig, machtbesessen oder egoistisch usw. Die Versuche im real existierenden Sozialismus mit Bildung und wenn das nichts fruchtete mit Gulag oder Kulturrevolution den „Neuen Menschen“ herzustellen, haben trotz intensiver Bemühungen keinen Erfolg gehabt. Im Kern ist daran ist der Sozialismus gescheitert und nicht an den Fehlern der damaligen Eliten.

Welche auch für viele Menschen positive Kraft dieses „bereichert euch“ des Kapitalismus entfalten kann, haben die letzten Jahrzehnte chinesischer Entwicklung eindrucksvoll demonstriert. Solange niemand eine realisierbare Alternative zum Kapitalismus hat, bleibt nur die immerwährende und mühselige Aufgabe, ihn so wenig schlecht wie möglich zu gestalten. Oder wie schon Eduard Bernstein formulierte: „Das, was man gemeinhin Endziel des Sozialismus nennt, ist mir nichts, die Bewegung alles.“

kritikaster 22.06.2017 | 19:18

Anmerkung zu Eigentum und Besitz:
Großgrundbesitzer wird definiert als "Eigentümer" von Großgrundbesitz.

Ich versuche die immer wieder zu lesende Wiederholung richtig zustellen, erst der Kapitalismus hätte der Unterschicht das Elend gebracht, wie Ihr Zitat von Hannah Arendt suggeriert.
Die wirtschaftliche Abhängigkeit der Unterschicht ist seit 5.000 Jahren immer die gleiche: oben bestimmt, unten leidet. Eine signifikante Verbesserung der restlichen Stellung gab es erst in den letzten 100 Jahren. Im Übrigen, die Tagelöhner waren vorher Leibeigene.

Der Kapitalismus beginnt in der Zeit, als neben der Landwirtschaft die Produktion von Gütern erheblich an Bedeutung gewann (breiteres Spektrum an Produktionsmitteln) und Geld als Finanzierungsmittel eine neue Funktion erhielt. Aber auch hier hat die Oberschicht das Monopol – neu: der Adel stellt nicht mehr alleine die Oberschicht. Diese Änderung ist am besten vor 500 Jahren in Venedig zu erkennen. Die Industrialisierung in Großbritannien verläuft nach demselben Prinzip: Oberschicht besitzt und entscheidet, Unterschicht schuftet und ist rechtlos.

meine Kernaussage:
Die Unterschicht war immer rechtlos, mittellos und ausgebeutet – im Feudalismus wie im Kapitalismus: der Irrweg Zivilisation.

https://www.freitag.de/autoren/kritikaster/irrweg-zivilisation

hakufu 22.06.2017 | 22:28

Sie beschreiben es richtig, genau so wie Hermann.

Insbesondere Ihre Kernaussage trifft des Pudels Kern. Man kann sie noch erweitern, Sozialismus und Kommunismus führen wieder zum Feudalismus, der Partei / des ZK.

Das BGE, man kann es auch das leistungslose GE nennen, ist unsozial :

- weil es nur auf einen bestimmten Staat oder Region bestimmt ist

- weil es weder Europa- noch weltweit eingeführt werden kann

- weil es die sozialem Unterschiede zwischen schwachen und starken Regionen verstärkt

- weil sich die Bedingungen für Aldi und Co. verbessern, da die Kaufkraft der unteren Schicht verbessert wird - an DM, Nachtigall ick hör die trapsen

- weil sich die Bedingungen für AG in Niedriglohnbranchen verbessern, der NL kann noch niedriger werden, weil der Grundstock ja da ist

- daraus ergibt sich, dass andere EU Staaten darin einen Wettbewerbsvorteil für D. sehen würden

- was bleibt, ist der süße Gedanke, sich ein wenig so zu fühlen, wie die Ureinwohner in den arabischen Golfstaaten.

iDog 22.06.2017 | 23:48

"Die Unterschicht war immer rechtlos, mittellos und ausgebeutet – im Feudalismus wie im Kapitalismus: der Irrweg Zivilisation."

Kann man so sagen. Ich würde da grundsätzlich und tendenziell zustimmen. Was ich also weiter oben ausführe, ist nicht etwa ein Widerspruch zu Ihrer Aussage, sonderen eine versuchte Präszisierung.

Man könnte natürlich meinen, dass es einem bei dem Status quo scheißegal sein könnte wie es genau dazu gekommen ist. Aber ich ich halte auch das für einen Irrtum. Man sollte so genau wie möglich wissen, was wirklich wie abgelaufen ist. Denn nur das kann verhindern , dass die selbe Falle historisch immer wieder zuschnappt. Leider ist aber genau das der Fall. Sie schnappt immer wieder zu, weil die meisten nicht genau genug wissen , was wirklich abläuft und was wie abgelaufen ist. Nur historisches Wissen und selbstbewusster Widerstand könnten eine Veränderung bedingen.

Rafaela 23.06.2017 | 00:23

Interessante Kommentare. In gutem wie in weniger gutem Sinn.

Selbstverständlich ist ein Grundeinkommen nicht die ultima ratio. Ein Grundeinkommen kann aber behilflich sein, die Logik, bzw. umenschliche Un-Logik des Kapitals und des zerstörerischen Prozesses seiner Akkumulation zu brechen. Ein BGE-Modell, welches ohne diesen subversiven Kern daherkommt, kann mir gestohlen bleiben (also Fake-BGEs à la G. Werner, Th. Straubhaar oder D. Althaus bspw.). Ein BGE jedoch, welches auf Grund seiner Konstruktion u.a. grundsätzlich und in Folge die bestehenden (Eigentums- und Macht-)Verhältnisse in Frage stellt, sie glaubhaft "bedroht", z.B. weil es eine starke und reale emanzipatorische (vom mir aus auch: "bewusstseinsverändernde") Komponente enthält, sei mir willkommen.

Einige Kommentatoren beharren auf (der im Grundsatz und als Dauerlösung fälschlichen) Annahme der Zügelbarkeit des Kapitalismus und entscheiden sich in einer Art Realismuskotau dafür, dass ihnen der sprichwörtliche Spatz in der Hand zunächst einmal lieber ist als die Taube auf dem Dach. Das ist verständlich. Aber es ist angesichts der die menschliche Existenz insgesamt bedrohenden Probleme, die der real existierende Kapitalismus gegenwärtig tagtäglich produziert, seiner fürchterlichen, massenhaften Verbrechen und Mördereien reichlich naiv, auch ein bisschen lächerlich, wenn nicht gar reaktionär.

Und natürlich bedarf es des Spinnens gesellschaftlicher Utopien, wie Patrick Spät sie aufzählt, wenn man den Kapitalismus, diesen inzwischen steinalten, giftigen, untoten Sack, endlich fachgerecht beim Wertstoffhof der Geschichte entsorgen will. Das geht aber vielleicht auch ein bisschen besser, wenn man nicht ständig malochen muss oder aber gerade "gefördert" und "gefordert" wird.

Und anbei noch mal zur Gier (Egoismus, Machtbessenheit et al.), der menschlichen: Ja, gibt es. Na und? Das verhindert doch nicht egalitäre oder hierarchiefreie Gesellschaften. Eine Denke aber, die anscheinend bereits verinnerlicht hat, dass der Kapitalismus auf Grund dieser (und anderer) schlechter (unsozialer; soziopathischer) menschlicher Eigenschaften zwangsläufig, gewissermaßen also "alternativlos"(!) sei, weil sie individuelle menschliche Eigenschaften auf ein Ding, das Kapital, projiziert, anstatt zu begreifen, dass dieser alles andere als vom Himmel gefallene ökonomische Mechanismus solche individuellen Eigenschaften zum selbstmörderischen Kultur- und Massenphänomen erhebt (Geiz ist eben nicht geil, sondern letztlich ziemlich blöd), ist es eben diese Kurzschluss-Denke vor allem, die eine grundsätzliche, bereits jetzt schon mögliche Veränderung der Verhältnisse derzeit am effektivsten behindert.

Wenn man den Kapitalismus wieder etwas zivilisieren möchte, muss man ihm ordentlich Angst einjagen - indem man ihm glaubhaft und nachvollziehbar mit seiner radikalen Abschaffung droht. Das hat selbst die (historisch zu Recht) verblichene Karikatur des Staatssozialismus im letzten Jahrhundert zu Wege gebracht. Am besten geht das heutzutage wahrscheinlich mit einem emanzipatorischen, subversiv konstruierten Grundeinkommen (wie bspw. W. Engler es beschreibt), welches Zeiten und Räume eröffnet, gesellschaftliche Utopien ganz konkret und individuell zu spinnen und dann auch zusammen zu führen zu kraftvollen, visionären politischen Programmen, nötigenfalls auch abseits etablierter, linker Berufspolitik.

-Die dann wahrscheinlich auch immer noch notwendig zu bauenden Barrikaden, um den völlig verängstigten, sackalten Kapitalismus endlich und relativ friedlich in einem artgerechten und gemütlich eingerichteten Abklingbecken dahinscheiden zu lassen, müssen vielleicht nicht mehr ganz so dramatisch hoch gebaut und horrend armiert werden...

Und falls das alles wider Erwarten doch nicht so ganz klappen sollte, gibt es ja u.a. auch immer noch die leichter zu begreifende Holzhammermethode nach Leo Bassi.
;-)

weinsztein 23.06.2017 | 03:12

Die Falle "schnappt immer wieder zu, weil die meisten nicht genau genug wissen , was wirklich abläuft und was wie abgelaufen ist. Nur historisches Wissen und selbstbewusster Widerstand könnten eine Veränderung bedingen."

Darum ist es gut, Sie zur Seite zu haben. Denn wir, die nicht genau genug wissen, was wirklich abläuft und was wie abgelaufen ist, verlassen uns fürderhin auf Sie. Danke.

denkzone8 23.06.2017 | 08:09

ihre kern-aussage ist von jammer geprägt,

aber nicht von genauem hinsehen,

das differenzierungen und fortschritte

in der geschichte der unterschichten

von der sklaven-haltung bis zum

kampf um rechts-ansprüchen sozialer sicherheit

in verbindung mit demokratischen einspruchs/einwirkungs-möglichkeiten.

eine irrige bilanz-ziehung, die weinerlich, mit großer geste,

beim zivilisations-verkloppen endet...

Hermann 23.06.2017 | 13:07

Letztendlich wird hier die schon ziemlich alte Diskussion Revolution oder Revisionismus geführt. Sie füllt schon Bibliotheken und ich fühle mich weder in der Lage noch berufen, dazu etwas grundsätzlich Neues beizutragen.

In einem Punkt gebe ich Ihnen recht: „Wenn man den Kapitalismus wieder etwas zivilisieren möchte, muss man ihm ordentlich Angst einjagen - indem man ihm glaubhaft und nachvollziehbar mit seiner radikalen Abschaffung droht. Das hat selbst die (historisch zu Recht) verblichene Karikatur des Staatssozialismus im letzten Jahrhundert zu Wege gebracht.“

Ob allerdings das BGE das richtige Instrument dazu ist, wage ich zu bezweifeln. Es macht ja die Lebensfähigkeit des Kapitalismus aus, dass er vom Grundsatz gegen ihn gerichtete Instrumente so umwandeln kann, dass sie letztendlich seinen Profitinteressen nutzen. Beim BGE ist man schon auf einem sehr guten Weg dazu.

iDog 23.06.2017 | 16:39

Wenn Sie sich auf mich verlassen wollen, ist das Ihre Sache. Ich würde Ihnen jedoch empfehlen, sich lieber selber schlau zu machen. Dann könnten Sie sich hier solche Kommentar sicher ersparen und vielleicht interessante Informationen zum Thema beisteuern. Das wiederum bezieht sich vor allem auf historisch Belegbares , denn Geschichte ist nun mal keine Sache der oberflächlichen Auslegung und auch kein Glaubensbekenntnis. Es geht um Quellenanalyse und damit im Allgemeinen gegen die Mythen des kapitalistischen Alltags.

harnisch 24.06.2017 | 10:43

Siehe meinen Kommentar bei: „Kapitalismus an sich ist ja nicht schlecht“ wo das BGE auch Erwähnung fand. Ich sehe es auch wie andere Kommentatoren als Versuch einer Evolution. Revolution in Massen kommt auch immer mit kognitiven Dissonanzen daher. Wahrscheinlich sollte man dünnere Bretter bohren und nicht erwarten, daß ein Erfolg in eigener Lebenszeit noch absehbar wird. Deshalb auch mein Hinweis auf den Begriff BGE, den ich verbrannt sehe. Der taucht nicht positiv ins Bewußtsein normaler Arbeitnehmer ein. – Fragt mich jetzt nur keiner was „normal“ bedeuten soll; halbwegs reflektierende Leser wissen es. Fragt mich jetzt nur keiner was halbwegs…

Übrigens war ich 8. 2009 ein WE bei attac für die Ausrichtung eines BGE dabei – grauenhaft! Das war ideologisch aller möglicher Linken Strömungen mit Maximalforderungen eingefärbt, was natürlich zu geistigen Blähungen und Schmähungen führte. Ich wurde anfangs interessiert bis irritiert angeschaut, da ich zu hoffen wagte, eine ideologiearme Diskussion führen zu können. Das war nicht möglich. Ich flüchtete und las noch ein wenig den Emailverkehr mit.
Ein Elend!

iDog 25.06.2017 | 11:20

Ihr Kommentar ist sehr klar und gut verständlich ... was offen bleibt ist die Differenz zwischne den beiden offensichtlichsten Ansätzen.

Wenn das BGE als gewaltfreie, freiwillige Übergangslösung in einen demokratischen Postkapitalismus gesehen wird, trägt es jenen evolutionären und sozialpolitischen, gar philosophishen Anspruch eines wünschenswerten, aufklärerischen und befreienden Aspektes, der es erst ermöglichen kann eine andere gesellschaftliche bzw ökonomische Prixis zu entwickeln udn zu leben jenseits der kapitalistischen Dogmatik von Monopolismus, Wachstum, pyramidaler Hierarchie, Herreschfatsanspruch etc.. Wie sie schon schreiben geht es um die "Bedenkzeit" , die für einen ertragbaren Wandel unabdingbar wäre.

Wird das BGE aber von der neoliberalen Doktrin aus betrachtet , ist der Ansatz ein gänzlich anderer, und bezieht sich auf die Erhaltung der Herrschaft in einem Transformationsprozess der Gesellschaft, der wie immer vor allem der Arbeitswelt trifft, durch die dritte industrielle Revolution, sprich globale Digialisierung. Die bedingungslose Verteilen von Geld an alle dient da nur noch der Ruhigstellung derer, die bereits mehr oder weniger von der kapitalitischen Ökonomie ausgeschlossen sind, und zwar in den Kerngebieten des globalen Kapitalismus. Es erscheint nur als humanistisch inspirierte Intelligenz, ist aber eine Notmaßnahme des Kaptalinteresses, das in der systembedingten Krise nicht nur überleben will, sondern wie ständig einen Weg sucht alternative Denk- und Wirtschaftsmodelle durch Assimilation zu maitrisieren. Man kann das mit der Sozialdemokratie und den Sozialsystemen im Kapitalismus ganz allgemein vergleichen, die faktisch auch nicht von einer Oppositionsbewegung erkämpft wurden, sondern letzendlich in das Systemmodell integriert und damit grunsätzlich unschädlich und ungefähhrlich gemacht werden konnte oder sogar nur Phänomen des kapitalistsichen Denkmodells waren zB. in Momenten, als Arbeit eine knappe "Ware" war ... wie diese Sachverhalte vom Linksliberalismus zum progressiven politischen Mythos erhoben wurde, ist sicher eine andere Debatte wert.

Ein globales BGE wird sich der Kapitalismus nicht leisten wollen. Eins, dass das Potenzial mit sich brächte die Herrschaftverhältnisse grundsätzlich zu ändern, steht sicher außer Debatte. Was bliebe wäre eins , das den status quo aufrecht erhält.

Die einzige Möglichkeit die sich mit dem BGE eröffnet, wäre eine nicht vorgesehene Eigendynamik, die von der Entscheidungselite nicht mehr verhindert werden kann, also ein Scheitern der Assimilationsbemühungen dieser Idee in das herrschende Denkmodell.

Querlenker 25.06.2017 | 17:39

Das BGE ist im Grunde nichts anderes als die Mangelwirtschaft, die wir in Deutschland aus der Zeit des 2.Weltkriegs und der ersten Nachkriegsjahre durch die Ausgabe von Lebensmittel-Bezugsscheinen kennen. Die waren im Prinzip auf alle Einwohner gleich verteilt. Satt wurden aber nur die Menschen, die Wege fanden, zusätzlich durch Beziehungen oder durch Tausch auf dem Schwarzmarkt oder durch Auslandskontakte an Lebensmittel zu gelangen.

Im Ergebnis ist es egal, ob ich das nahezu wertlose bedruckte Papier von einem Kapitalisten oder von einem staatlichen Funktionär ausgehändigt bekomme.

Kapitalisten und Funktionäre sind auch nur Menschen, die im Zweifel zuerst auf ihren eigenen Vorteil sehen. Damit die Utopie von echter "Gleichheit" und von Abwesenheit von Gier umgesetzt werden kann, brauchen wir einen neuen Menschen.

Das gelingt möglicherweise noch in dieser Generation durch die Gen-Technik. Ob wir danach aber glücklicher sind? Und ob dann nicht wieder einige durch den Kauf noch "besserer" Gene doch "gleicher" sind als die Masse?