Schnee vom Kilimandscharo

Berliner Abende Dauernd kriege ich E-Mails von Sven Gábor Jánszky. Ich weiß nicht warum. Der Mann ist Zukunftstrainer und leitet den "forward2business-ThinkTank". ...

Dauernd kriege ich E-Mails von Sven Gábor Jánszky. Ich weiß nicht warum. Der Mann ist Zukunftstrainer und leitet den "forward2business-ThinkTank". Was auch immer das ist, eine Geheimorganisation, ein Kabarett oder eine moderne Form der Kinderbetreuung, ich finde, es klingt sexy.

Wenn mir Sven Gábor schreibt, stellt er knifflige Fragen. Was können Sie für Ihr Geschäft aus den Zukunftsstrategien der Human Resources lernen? Oder: In welchen Business Cases können Sie heute schon Ihre Zukunft sehen? Ehrlich gesagt, ich seh da nichts. In den vergangenen Monaten habe er, Sven Gábor, "intensiv in Trendtagen, Analysen und Keynotes die Zukunftsmodelle des HR-Bereiches analysiert", schreibt er. Und wieder weiß ich weder, was das bedeutet, noch ob ich mich davor fürchten oder ob ich mich darauf freuen soll. Egal. Ich glaube, er glaubt: Wenn wir solche Wortsalben auflegen und nur immer so weiter reden bis in alle Ewigkeit, dann kann uns keine Krise, keine Krankheit, kein Tod und kein Stück Wirklichkeit etwas anhaben.

Vor ein paar Wochen fand bei mir um die Ecke im Berliner Velodrom eine Veranstaltung statt, die "b2d Dialogmesse". Wobei das b2d für "business to dialog" stand und dahinter wiederum mein Freund und E-Mail-Schreiber Jánszky. Da ich am Veranstaltungsort sowieso jeden Tag meinen Hund spazieren führe, dachte ich, vielleicht lerne ich den Vordenker ja mal persönlich kennen.

Sie müssen sich das Velodrom so vorstellen: Wo früher einmal die Werner-Seelenbinder-Halle stand (benannt nach einem Sportler, den heute keiner mehr kennt) ist jetzt so eine Art Hochebene. In die sind das Velodrom (eine Radsporthalle, in der zum Beispiel das Berliner Sechs-Tage-Rennen ausgetragen wird) und eine Schwimmhalle eingelassen. All das war mal für Olympia gedacht. Besagte Hochebene ist mit Gras und kleinen Ostbäumen bepflanzt. Dorthin kacken die Hunde. Meiner auch. Ich bestieg also das Plateau. An diesem Tag hatte es zum ersten Mal geschneit, ein dünner weißer Gries lag auf den Wegen und dem Gras. Alles sah sauber und geradezu unschuldig aus. Ich stromerte umher, und mein Hund setzte einen Haufen. Sven Gábor sah ich nicht. Stattdessen eilten schwarze Anzüge mit wichtigen Koffern vorbei, und eine Dame fragte, wo es zu dieser Dialogmesse ginge. Dabei standen alle zwei Meter die Hinweisschilder. Ich guckte dann auch tatsächlich mal durch die Scheiben ins Innere des Velodroms. Ich sah ein paar Messestände, über einem stand in großen Lettern "Saftladen".

Im März besteigt Sven Gábor mit seinem Denk-Tanker den Kilimandscharo. Auch das hat er mir in einer E-Mail mitgeteilt. Da liegt dann also auch Schnee. Die Führungskräfte absolvieren dort in dünner Luft ein Innovations- und Kreativtraining: das "Kilimandscharo-Strategic-War-Game", spielen also Krieg in Afrika. Jeder gegen jeden? Oder weiß gegen schwarz? Ob sie auch ihre Hunde mitbringen dürfen? Und dürfen die dann auf den Kilimandscharo kacken? Und die Führungskräfte, wie machen die das? Gibt es da oben ein Dixi-Klo? Oder friert das ein? Auf solche Fragen gibt der ThinkTank natürlich keine Antworten. Aber vielleicht wird das ja in den nächsten Keynotes mal analysiert. Ich krieg auf jeden Fall eine E-Mail.

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00:00 09.01.2009

Ausgabe 38/2020

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