Magnus Klaue
28.01.2010 | 11:30 48

Verschleierte Frauenrechtlerinnen

Feminismus Es ist ein Irrglaube, dass sich Frauen stets für den Feminismus einsetzen: Ein paar kritische Anmerkungen zum Streit über die islamkritische Frauenbewegung

Die Psychologin Birgit Rommels­pacher, die an der Berliner Alice-Salomon-Fachhochschule Interkulturalität und Geschlechterstudien lehrt, hat der Frauenbewegung einen inneren Feind beschert: den „antimuslimischen Feminismus“. Seine Agentinnen, so schrieb sie in der taz, predigten eine „Essenzialisierung von Differenz“ und machten „gemeinsame Sache mit Rechten“. ­Namentlich klagt sie Ayaan Hirsi Ali, Necla Kelek und Seyran Ates an, weil diese den Islam „zugunsten des Christentums abschaffen“ wollten und das Scheitern des „multikulturellen Zusammenlebens“ herbeiredeten. Dass die Genannten selbst dem islamischen Kulturkreis angehören, ihre ­Aversion also auf reale Erfahrungen zurückzuführen sein könnte, kommt Rommelspacher nicht in den Sinn. Stattdessen schürt sie das Ressentiment gegen das „europäische Erbe“ und die „aufgeklärte Wissenschaft“, die sie für identisch mit „Kolonialismus“ und „Rassismus“ hält.

Nun wurde sie von der taz-Redakteurin Heide Oestreich verteidigt: „Anhand verschiedener historischer Beispiele verwies Rommelspacher darauf, dass die Fahne der Emanzipation auch mal in einem Wind wehen kann, der eher freiheitsfeindlich ist.“ Dieser Wind ist allerdings selbsterzeugt. Der Irrglaube, Feministinnen würden sich stets für die Sache der Frauen einsetzen, hätte lange vor Rommelspachers Auslassungen erschüttert werden müssen. Sind es doch mehrheitlich „Feministinnen“, die in ihrer Funktion als Gender- und Post­kolonialismus-Forscherinnen seit Jahren Öffentlichkeitsarbeit für den Abbau von Frauenrechten betreiben. Die Auseinandersetzung mit dem Islam ist dabei nur eine ihrer Baustellen. Da­rüberhinaus zeigen sie Verständnis für afrikanische Beschneidungsrituale, Frauenhandel, Polygamie und sonstige Riten „fremder Kulturen“, die allein qua ihres angeblichen Fremdseins als das Bessere der „westlichen Zivilisation“ vorgestellt werden. Dieser wird dann im Gegenzug attestiert, die Ursprungsstätte frauenfeindlichen Denkens zu sein, als wären es nicht die Vereinigten Staaten und Westeuropa, wo die Frauenbewegung ihre größten Erfolge verbuchen konnte. Die Berliner Kulturwissenschaftlerinnen Christina von Braun und Bettina Mathes etwa deuten in ihrem 2007 erschienenen Buch Verschleierte Wirklichkeit das von europäischen Politikern mit guten und schlechten Argumenten geforderte Kopftuch- und Schleierverbot als Ausdruck eines Bedürfnisses nach „Penetration“. In dieselbe Richtung zielt der von der Genderforscherin Gabriele Dietze geprägte Terminus des „Political Veil“, des „politischen Schleiers“, der die Forderung nach Aufhebung des Schleierzwangs als Sehnsucht nach der Unterwerfung des Frauenkörpers unter die kapitalistische Warenlogik zu deuten versucht.

Was den postkolonialistischen Feminismus so unangenehm macht, ist aber nicht nur seine Neigung zur Psycho­logisiererei, sondern vor allem die Tatsache, dass muslimische Frauen in ihm gar nicht vorkommen. Gebraucht werden sie lediglich als Stichwortlieferanten, sei es als selbsterklärte „Opfer“ oder irregeleitete „Verführte“ west­lichen Denkens. Anders als der Traditionsfeminismus, dessen Vertreterinnen genau wussten, für wen sie Partei zu ­ergreifen hatten, bewegt sich der postmoderne Feminismus damit in dem­selben Zirkel, den er seinen Kritikern unterstellt: Er ist eine Selbstbespieglung westlicher Akademikerinnen im Spiegel des „Anderen“, als dessen ­Popanz „fremde Kulturen“ herhalten müssen.

Kommentare (48)

schwarzbart 28.01.2010 | 13:45

Was soll man sagen: Feminismus als Ausdruck von Männer- und Selbsthass ist nicht das Ticket in eine emanzipierte Gesellschaft. Diese Arbeit ist viel mehr von allen Geschlechtern zu leisten, Frauen, Männern und denen, die in der Twilight-Zone dazwischen sind.
Und natürlich ruht die UN-Erklärung der Menschenrechte auf den jüngeren Entwicklungen in den USA und Europa, in Japan, in Neuseeland. Diese Entwicklungen sind aber nun mal diametral entgegengesetzt zu den Überzeugungen in der islamischen Welt. Hier versagt der Feminismus vollend, insbesondere in dem eingeübten Reflex [Bedingungsloser Multikulturalismus => rechte Ecke]. Ein Diskurs findet nicht statt.

Avatar
rahab 28.01.2010 | 15:11

hier gehört als erstes mal der link zu Rommelspachers kolumne hin - voila: www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/ungebrochene-selbstidealisierung/

dann gehört ne weile darüber gegrübelt, ob das bild wirklich und wahrhaftig eine burka zeigt...

und dann gehört dies
library.fes.de/pdf-files/iez/04355.pdf
durchgearbeitet und das
library.fes.de/pdf-files/akademie/berlin/06745-20091021.pdf
gehört auch durchgearbeitet
und zur kenntnis genommen
und bedacht

und dann gehört nochmal die frage gestellt, ob das bild wirklich eine burka zeigt!

Magda 28.01.2010 | 18:08

"Manchmal lohnt es sich aber, sich mit Positionen eingehender zu befassen."

Gewiss, gewiss. Positionen gibt es dazu viele, interessante, mit vielen unterschiedlichen Aspekten.

Aber, den Frauen, die in fremden Landen mit Burka rumlaufen wollen oder müssen oder - verunsichert - nicht wissen, was sie tun sollen, an wen sie sich wenden sollen, was die Männer sagen, wenn sie die Burka ablegen wollen. Denen nutzt das alles garnischt.

Das alles ist - von mir aus im gehobenen Sinne - selbstreferentiell.

Avatar
rahab 28.01.2010 | 18:21

nix für ungut, Michael Angele, aber es ist nicht gut.
Jedenfalls so lange nicht, wie beispielsweise abschiebungsverfügungen immer noch sinngemäß damit begründet werden, dass nun mal im herkunftsland der betroffenen die gleichberechtigung der frau nicht gewährt worden sei. Das "nicht gewährt" muß mann-frau sich auf der zunge und im hirn zergehen lassen!
Wie es auch so lange nicht gut ist, wie sich fortschrittlich dünkende jungs meinen, verschleierte frauen als "Pinguine" betiteln und auf diese weise ihren beitrag zur emanzipation der frau leisten zu dürfen.

Alien59 28.01.2010 | 18:27

Keine Burka. Wird i.d.R. Niqab genannt.

Ich hatte ja bei der ersten Idee eines Anti-Burka-Gesetzes gelästert, das möge man doch tun, jede Niqab-Trägerin würde dann zu Recht argumentieren können, dass sie ja dagegen, mangels Burka, gar nicht verstoße.

Generell: mir stößt auch immer wieder die Zwangsbeglückung und Ver-Gegenständlichung der Muslimas auf. Das ist - egal ob von Männern oder Frauen - eine nahezu kolonialistische Attitüde.

Azenion 28.01.2010 | 22:00

Die Betrachtung von Zielgruppen entweder als „Opfer“ oder „Verführte“ ist allen elitären Erlösungsbewegungen gemein, so eben auch dem "Traditionsfeminismus".

Bei diesem betrifft diese Haltung z.B. Prostituierte oder Frauen, die dem "patriarchalen" Rollenbild entsprechen und dem Gemahl die Pantoffeln hinterhertragen.

Zugrundeliegender Gedanke: "Was ich nicht will, soll sonst niemand dürfen." Das ist die häßliche Kehrseite der Empathie.

Ich meine, daß das Prinzip der Freiwilligkeit unverzichtbar ist: Man "errette" nur die, die errettet werden wollen, nachdem man es ihnen angeboten hat.

Ansonsten: Man lebe so, daß die Zielgruppe von sich aus den Wunsch verspürt, dem nachzufolgen.

Zwangserlösung ist ein Zeichen für Totalitarismus.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 28.01.2010 | 23:25

Ganz ehrlich, nach dem Lesen der Zusammenfassung der geistigen Ergüsse der Damen Birgit Rommelspacher, Heide Oestreich und den Kulturwissenschaftlerinnen Christina von Braun und Bettina Mathes drehte sich mir der Magen um. Mir fällt dazu nur eins ein: sie schwafeln auf intellektuell hohem Niveau voll am Kerngedanken der Emanzipation und des Feminismus vorbei.
Natürlich gibt es auch ein Recht auf Unterdrückung, Genitalverstümmelung und der Gleichen, soll heißen, wenn sich eine Frau wirklich freiwillig unterdrücken lassen will, dann hat sie das Recht dazu. Aber das Wesen der meisten Menschen strebt nun mal nach Freiheit, wie wir anhand empirischer Beobachtungen feststellen können.

Natürlich kann man sich für Kulturfreiheit einsetzen. Aber warum muss man dann einer humanistischen, emanzipatorischen Bewegung ans Bein pinkeln und sich ein absurdes Konstrukt basteln? Weil die Damen nicht den leisten Schimmer haben wovon sie reden und was noch viel schlimmer ist, nicht konkret wissen worauf sie im Kern eigentlich hinaus wollen. Grauenhaft! Aber Faseln auf hohem Niveau, bei völligem Mangel einer differenzierten thematischen Kernkompetenz und gleichzeitiger Realitätsfremdheit findet man leider nicht selten vor. Aber wie heißt es so schön, im Plüschsessel lässt es sich schön bequem pupsen, -

Rainer Wein 29.01.2010 | 02:02

Zu Karneval sollte Burka, Niquab, Tschador, Märchenfee, Bauchtänzerin, etc. erlaubt sein, das entspricht unserer Tradition in Deutschland.
Ansonsten sollte man freundliche Sozialarbeiter-/innen in die Familien schicken, wo sich gerne verschleiert wird, die ein freundliches Wörtchen mit den erwachsenen Menschen sprechen, Angebote zu Sprachunterricht, Kennenlernen der deutschen Kultur, etc. anbieten.
Es muß nicht gleich Schweinebraten gegessen werden, aber es wäre auf Dauer nicht zuträglich alle Angehörigen "fremder Kulturen" dazu aufzufordern, ihre "fremde Kultur" 1:1 in Deutschland umzusetzen.
Wer es als Deutscher gern exotisch hat, der soll eben auf eine Fernreise sparen und sich die Verschleierung vor Ort anschauen. Das ist ja dann auch viel "authentischer".

Ingo Arend 29.01.2010 | 08:51

ich finde es einigermaßen abenteuerlich, in dieser pauschalität zu behaupten, das gender- und postkolonialismus-forscherinnen "öffentlichkeitsarbeit für den abbau von frauenrechten" betrieben. das kommt vielleicht gut. hilft aber auch nicht viel weiter. welchen grund sollten die inkriminierten dafür haben? in dieser zeitung wurde das buch von christina von braun zwar auch kritisch besprochen: http://www.freitag.de/2007/12/07122302.php trotzdem ist es nicht verboten, hintergründe und motive der westlichen schleierphobie zu durchleuchten. gerade ihre kritischen hinweise auf den symbolischen umgang mit dem körper der frau im westen ist ja von einem emanzipatorischen interesse geleitet.
mit dieser catch-all-polemik läuft der autor gefahr, nur das feindbild von den durchgeknallten genderforscherinnen mit ihren kruden begriffsbildungen (phallozentrismus) bedienen zu wollen, statt sie in der sache zu stellen.

Connie Uschtrin 29.01.2010 | 11:33

Peinlich, peinlich, wenn man so offensichtlich auf Reizworte wie „Psychologie“ und „Differenz“ anspringt, ohne offenbar viel verstanden zu haben. Das ist Rumholzerei auf unbekanntem Terrain. Danke Rahab, für den link zu Rommelspacher, ein sehr lesenswerter Beitrag. Ausgerechnet der historisierenden und durchaus geerdeten Frau Rommelspacher hier Realitätsferne vorzuwerfen, entblößt an dieser Stelle den Autor.

Michael Angele 29.01.2010 | 13:52

Man möge mich steinigen, aber ich finde Magnus Klaue hat etwas getroffen, das man die "Hypostasierung des Fremden" nennen könnte, also die Vorstellung, dass das "Fremde" qua Fremdsein schon einen Wert darstellt.

Ich glaube, dass man diese Haltung nicht nur bei den von Klaue zu Recht oder zu Unrecht ins Visier genommenen Frauen findet. Er hätte aber auch meiner Meinung nach seine Vorwürfe besser belegen sollen, und als verantwortlicher Redakteur nehme ich auf meine Kappe, ihn dazu nicht gedrängt zu haben.

Wenn ich dann aber die Besprechung des Buchs von Christina von Braun lese, werde ich schon wieder renitent. Da steht:
"Von Braun und Mathes gehen von Erkenntnissen aus, die psychoanalytisch inspiriert sind und die auf eine Kritik am Logozentrismus, dieser Spezialität des Westens, hinauslaufen. Logozentrismus meint die schlichte Zweiteilung der Welt, in der das Eigene konstituiert wird durch Abgrenzung und Abwertung des Anderen."

Wieso soll ein so verstandener Logozentrismus eine "Spezialität des Westens" sein? Sind Abgrenzung und Abwertung des Anderen der islamischen Weltsicht so fremd? Steht im Koran nur, dass man seine Feinde lieben soll, ja dass sie in Wahrheit gar keine sind?

Bestimmt gibt es Gesellschaften, die weniger "logozentrisch" sind als unsere, aber man fände sie wohl eher in Weltgegenden, die nicht von einer monotheistischen Religion geprägt sind.
MA

Matthias Dell 29.01.2010 | 14:23

man möge. kleiner scherz. aber die "hypostasierung des fremden" ist doch erstens so pauschal, dass sie nicht stimmt, und zweitens so durch, dass sie der debatte nicht gerecht wird - exotismus mag es heute geben, aber damit alles abzuwerten, was nicht paternalismus meint, scheint mir doch sehr cheap. koranstellen als beweismaterial für wasauchimmer finde ich ohne nähere kenntnis schwierig.

Matthias Dell 29.01.2010 | 14:25

das ist ein gedanke, der mir auch durch den kopf ging: dass in dieser debatte so getan wird, als sei gleichstellung bei uns am start. genau daran, dass es m.e. nicht so ist, könnte man aber sehen, wie lange zeit braucht. nach der logik der verbieter (mit dem angeblichen ziel der frauen-emanzipation) dürfte das problem der ungleichstellung bei uns doch nicht mehr virulent sein nach der 2. frauenbewegung.

thinktankgirl 29.01.2010 | 15:57

@Michael Angele

Ich habe noch etwas Nettes anzubieten:

www.ahlu-sunnah.com/threads/26718-Das-Urteil-des-Islams-ber-die-Teilname-der-muslimischen-Frau-in-gemischten-Foren

Leider konnte ich nicht rausfinden, um was für einen Verein es sich da handelt, da kein Impressum vorhanden.
Ich nehme mal an, daß die nicht repräsentativ für den Islam sind und es vielleicht um einen Haufen Konvertiten handelt, die ja sowieso immer päbstlicher als der Pabst sind.

Michael Angele 29.01.2010 | 16:39

@ Rahab "Die wolke und die feuersäule wurden 'übersetzt'". Ist ja richtig. Aber wer kann mit welchem Recht über die Richtigkeit einer Übersetzung urteilen? Anders gesagt: Heilige Schriften sind Auslegungssache, aber ich bezweifle, dass eine richtige Auslegung streng genommen möglich ist (da halte ich es mit den Kabbalisten und der Dekonstruktion). Ich gebe Ihnen ein Beispiel.

In einem Artikel (www.freitag.de/kultur/0951-denkerinnen-des-islam) über Islamforscherinnen bei uns im Freitag war zu lesen:

"Die in Kartum lehrende Ägypterin Samia Osman beschäftigten sich mit der patriarchalen Deutung einer der vielen grammatisch mehrdeutigen Koranpassagen: 'Die Männer sind die Verantwortlichen über die Frauen, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben.' (Sure 4,34)"

Eine recht eindeutige Sache, würde man meinen. Wäre ich der Ansicht, dass der Mann der Frau überlegen ist, würde ich diese Stelle aus dem Koran heranziehen, um meine Meinung zu autorisieren.

Schwieriger wird es, wenn ich umgekehrt dem Koran eine Autorität beimesse, aber nicht der Ansicht bin, dass der Mann der Frau überlegen ist. Dann passiert Folgendes. Ich zitiere:

"Nach Osman „wird dieser Vers so gelesen, als hieße es 'weil Gott die Männer vor den Frauen ausgezeichnet hat'. Tatsächlich steht aber nur ganz allgemein, daß Er 'einige von ihnen vor den anderen ausgezeichnet hat', wobei keineswegs eindeutig ist, wer die einen und die anderen sind.“ So schreibt sie in einem Aufsatz über Die Stellung der Frau im Islam und im Okzient. Der Vers spreche nicht davon, dass Gott die Männer gegenüber den Frauen, sondern einige Männer gegenüber anderen Männern ausgezeichnet habe. Man müsse lesen: „Die Männer übernehmen die [materielle – S. K.] Verantwortung für die Frauen gemäß den Gaben, mit denen Gott sie vor den anderen (Männern) bevorzugt hat und auf Grund dessen, dass sie, (zugunsten der Frauen) ihr Vermögen ausgeben.“ Die eigentliche Aussage ist, dass Männer verpflichtet wurden, ihre Frauen gemäß ihrer Vermögenslage zu versorgen."

Es braucht ja schon einen erheblichen interpretatorischen Aufwand, um das Naheliegende nicht zu behaupten – aber darüber hinaus zu statuieren, dies sei die "eigentliche" Aussage, ist schon ein Ding.

Man muss noch nicht einmal die beiden Interpretationen gegen einander ausspielen, um mindestens behaupten zu können, dass keine der anderen überlegen ist. In der Konsequenz: jeder liest aus den heiligen Texten eben heraus, was ihm nutzt. Der Friedliebende das seine und der Kämpferische das seine.

Die aufklärererische Frage schiene mir dann schon eher, unter welchen Bedingnungen Texte eine solche Macht entfalten, dass eindeutige Lesarten unbedingt behauptet werden müssen, und dann sind wir bei Fragen nach dem "Logozentrismus" in seiner eigentlichen, literaturwissenschaftlichen Bedeutung.
Freundliche Grüße

miauxx 29.01.2010 | 19:20

Ein wesentliches Problem wird wohl sein, dass es offenbar kein einheitliches Verständnis von `Feminismus` gibt. Kein Wunder: die Vorstellungen davon, was Frauen wollen bzw. wie sie verstanden werden wollen, werden eben auch abhängig von Traditionen und Erfahrungshorizonten verschieden sein.
Deshalb kann man eben nicht einer muslimischen Frau plötzlich untersagen, ein Kopftuch oder gar eine Burkha zu tragen und davon ausgehen, dass sie das ja eigentlich auch will.
Andererseits zitiert Alice Schwarzers "Emma" am liebsten weibliche Führungskräfte in der Wirtschaft, um darzustellen, das Gleichstellung im Beruf keine Frage sei. Frauen sind danach die besseren Frauen, wenn sie selbstverständlich ehemalige Männerdomänen übernehmen.

Ich würde zwar nicht der Meinung zuneigen, dass Kopftuchverbote nur der westlichen "Warenlogik" zuspielten; dennoch ist ein Erklären vermeintlicher universeller und vereinbarter Frauenrechte - gar zugunsten des Christentums - ein Irren, das allzu sehr an Zeiten der Missionierung und Kolonialisierung erinnert.

Aksel 29.01.2010 | 19:45

Die Menschenverachtung zum Beispiel solcher Aussagen: \"Steckt denn unter jeder Burka eine tyrannisierte Frau? Wir wissen es nicht.\", also zu unterstellen, es handle sich um gebildete, aufgeklärte und unabhängige Frauen, die sich freiwillig und aus Überzeugung unterwerfen, und wir alle wissen, dass dem mitnichten so ist, vor allem wenn im Sommer der Mann in kurzen Hosen und T-Shirt daneben steht und seine Frau wie einen Köter hinter sich her trotteln lässt, ist ein Zynismus der selbsternannten Frauenlebenverbesserer, die sich am Leid ihrer Geschlechtsgenossinnen ergötzen, und oft ist es ein Ergötzen von Frauen, die es geschafft haben und ein Negativ brauchen, um sich immer wieder bestätigt zu fühlen. Ja, es ist Selbstbefriedigung, mit der einige Frauen die Ganzkörperverhüllung beklatschen. Und damit stehen diese Frauen auf demselben Niveau wie die Männer, die sich solche Frauen halten.

Die Polemik von Magnus Klaue war überfällig. Arme Nase des Tages ist aber nicht eine Frau sondern Michael Angele mit dem popeligen Spruch: "Er hätte aber auch meiner Meinung nach seine Vorwürfe besser belegen sollen, und als verantwortlicher Redakteur nehme ich auf meine Kappe, ihn dazu nicht gedrängt zu haben."

Für so einen Dolchstoß gibt es eigentlich Klassenkeile.

Avatar
rahab 29.01.2010 | 19:55

@Michael Angele
das letzte mal, dass ich einen mann mit großem ernst in der stimme habe sagen hören, dass die übersetzung einer sog. heiligen schrift auslegung sei, war's der bruder Huber in seiner stellungnahme zur bibel in u.a. geschlechter-gerechter sprache.
Damit hatte er auch recht, der bruder Huber. Und es war auch keine große überraschung, dass ihm diese neue übersetzung/auslegung nicht so recht behagte. Weshalb er sie nicht für den liturgischen gebrauch empfehlen mochte.

So ähnlich verhält es sich mit der von Ihnen angeführten sure und deren auslegung/übersetzung durch Samia Osman. Die wird auch einigen nicht behagen, aus allerlei gründen. Weshalb sie für das nicht-behagen auch allerlei gründe anführen werden, darunter vermutlich auch den, dass sie umständlich sei.
Andere hingegen werden sagen, dass mann-frau es so natürlich auch machen könne. Und dass das ergebnis befriedigend sei.

Die frage ist: welche auslegung/übersetzung setzt sich durch? genauer: wer setzt welche durch?

Wenn Sie nun zurückdenken, welchen nicht nur zeitlich langen weg die auslegung von § 1360 BGB (unterhaltspflicht der ehegatten) in der fassung von 1900 bis zur heutigen nahm -und wenn Sie weiter versuchen, sich vorzustellen, welch langer weg der auslegung diesem § 1360 noch bevorstehen mag, bis nicht nur in aller köpfe sondern auch in aller praxis ein egalitäres verständnis/eine egalitäre praxis angekommen sein wird - dann sind wir auf dem weg, uns der frage anzunähern, wovon die macht ausgeht. Von texten sicherlich nicht - die dienen mit ihren zuweilen langen und nicht immer widerspruchsfreien tradierungsketten und -geschichten lediglich der legitimation. Und manchmal auch der verständigung darüber, was nun bis auf weiteres gelten soll.

Kritische Masse 29.01.2010 | 20:24

Ich kenne nicht alle angeführten Autorinnen, halte aber das meiste für eine schlechte Interpretation postkolonialer Kritik. Der Beitrag hier erscheint doch als typisch für die überscheumenden Debatten um Burka und Kopftuch. Es sind Symboldebatten, bei denen Rassisten, sich als Feministen ausgeben, nur um ihren Rassismus auch noch aufklärerische zu ummänteln. Liebe "weiße", deutsche, christliche "Feministen", redet doch mal über eure waren Interessen und darüber, wie ihr "eure" Frauen behandelt. Die Gewalt in der Ehe ist im hier ach so emanzipierten Deutschland erst sein wenigen Jahren strafbar.

Hätte der Autor doch vorher meine Satire gelesen:
Burka. Nichts macht weiße Männer mehr an!
www.freitag.de/community/blogs/kritische-masse/burka-nichts-macht-weisse-maenner-mehr-an

Michael Angele 29.01.2010 | 23:39

@Aksel. Bevor Sie mich verprügeln: können Sie Herrn Klaue kurz beiseite springen? Gerade weil ich seinen Kommentar am entscheidenden Punkt richtig finde (und im übrigen ins Blatt gebracht habe), könnten Sie doch an seiner Stelle die folgenden Behauptungen kurz mit schlagenden Beispielen untermauern, es fällt ihnen bestimmt nicht schwer:

"Da rüberhinaus zeigen sie Verständnis für afrikanische Beschneidungsrituale, Frauenhandel, Polygamie und sonstige Riten „fremder Kulturen“..."

Danke im Voraus.
Michael Angele

Michael Angele 30.01.2010 | 00:04

@Connie. Hast Du auch die vielen Kommentare unter dem Artikel von Frau Rommelspacher gelesen? Die allermeisten sind dem Beitrag gegenüber dezidiert kritisch eingestellt, die Mehrheit stammt, wenn ich das richtig sehe, von Frauen. Das ist doch keine Verschwörung (fast könnte man es aber glauben, so unisono ist die Kritik) und das sind doch nicht alles "Rechte" oder Ahnungslose. Hier manifestiert sich doch etwas, das man nicht einfach mit "Rumholzerei" oder Ignoranz abtun kann.
Michael

Avatar
rahab 30.01.2010 | 00:16

dann schlage ich vor, Sie fragen Salman Rushdie!

was ist an meiner antwort so unverständlich?
Sie zitieren eine sure und eine (wahrscheinlich geraffte) auslegung derselben und ich verweise Sie auf § 1360 BGB.
Dazu finden Sie unter : www.rechtswoerterbuch.de/recht/u/unterhaltspflicht-zwischen-ehegatten/
unter anderem das folgende:
"„Während des Bestehens der Ehe hat jeder Ehegatte gemäß § 1360 S. 1 BGB einen Anspruch gegen den anderen darauf, dass dieser einen angemessenen Beitrag zum Familienunterhalt leistet.
Angemessener Unterhalt ist der gesamte Lebensbedarf der Familie. Dazu gehört alles, was notwendig ist zur Bestreitung der Haushaltskosten, der persönlichen Bedürfnisse beider Ehegatten und der Kinder. Das Maß des Unterhalts bestimmt sich also danach, was nach den Verhältnissen der Ehegatten für die Bedürfnisse erforderlich ist.
Die Art der Unterhaltsleistung bestimmt sich nach der Ausgestaltung der ehelichen Lebensgemeinschaft.“

Das obige zitat stellt in etwas anderen worten ebenfalls eine auslegung zu sure 4,34 dar. Es fehlt allerdings ein direkter gottesbezug - es sei denn, Sie denken sich den in der präambel des GG dazu.

Und nun sagen Sie mir: wieviel macht geht von diesem text aus?

derDonnerstag 30.01.2010 | 02:19

@Matthias Dell
"dass in dieser debatte so getan wird, als sei gleichstellung bei uns am start."

Ich sehe eher, dass behauptet wird, dass die Gleichstellung bei uns weiter vorangeschritten ist als z.B. in Saudi-Arabien. Wer dieses offensichtliche Faktum in Zweifel ziehen möchte - vielleicht weil er um keinen Preis die Kultur der Saudis "herabwürdigen" will -, der muss sein Gehirn schon ordentlich verbiegen. Heraus kommt dann so ein unverdauliches Geschwurbel wie bei Rommelspacher.
Vielleicht erklärt die Ahnung solcher Leute, dass sie Unsinn reden, z.T. ihren Hass auf "Islamkritiker". Wenn man schon die fremdländische Sitte der Burka nicht negativ bewerten darf, dann müssen eben die Überbringer der Botschaft verteufelt werden. Denn eigentlich müssten Frauenrechtlerinnen, die sich bei uns darüber ereifern, dass Ampelmännchen keine Weibchen sind, doch Sitten wie Polygamie, Burkazwang oder Steinigung von "Eherbrecherinnen" mindestens ebenso vehement ablehnen.
Würden sie auch, wenn diese Sitten bei uns heimisch wären. Sind sie aber nicht und der durch das Dogma, alle "Kulturen" seien gleichwertig, ausgelöste Konflikt lässt sich nur durch Hirnwixerei lösen.

derDonnerstag 30.01.2010 | 02:35

PS.
Was die Gleichwertigkeit der Kulturen betrifft:
Wir sind uns sicher einig, dass es um die Rechte von Frauen bei uns heute deutlich besser gestellt ist als vor 100 oder 1000 Jahren. "Kulturen" können sich eben auch wandeln, zum Besseren wie zum Schlechteren.
Diese Binsenweisheit lässt man aber außer acht, wenn man Kritik an - aus unserer Sicht - zurückgebliebenen* Kulturen mit dem Hinweis abtut, bei uns sei auch noch nicht alles perfekt. Entweder es gibt einen kulturellen Fortschritt - die Gleichstellung von Frauen z.B. - oder es gibt ihn nicht, weil alle Kulturen gleichwertig sind. Falls Letzteres zutrifft, stellt sich allerdings die Frage: wozu dann noch Feminismus?

*)Dass diese tatsächlich als nicht gleichwertig betrachtet werden, ergibt sich schon aus eben jenem Hinweis, "bei uns ist auch nicht alles perfekt." Nur darf man diese Tatsache eben nicht benennen. Um der Erkenntnis auszuweichen, bietet sich noch das Hilfsargument an: "aber bei uns, früher, die Kreuzzüge, die Hexenverfolgung etc." Wenn schon gleichzeitig existierende Kulturen in fernen Ländern gleichwertig sind, dann doch sicher auch die Kulturen in diversen historischen Epochen.
Daher nochmal die Frage: wieso dann Feminismus, wenn doch eh alles egal ist.

derDonnerstag 30.01.2010 | 03:10

@Michael Angele
Ich finde die zitierte Aussage auch etwas polemisch. Ohne sie im Detail zu begründen, könnte man allerdings argumentieren, dass z.B. Birgit Rommelspacher indirekt Verständnis dafür signalisiert.
Z.B. mit dieser Aussage in Ihrem taz-Artikel:

Man benützt also nicht mehr so sehr das Argument "rassischer" Überlegenheit, sondern stützt sich vielmehr auf die zivilisatorische Funktion des Westens. Teil dieser "zivilisatorischen Mission" war jedoch auch schon zu Zeiten des Kolonialismus das Bestreben, "die unterdrückte Muslimin" zu befreien, was Leila Ahmed von einem "kolonialen Feminismus" sprechen lässt."

Rommelspacher geht offenbar davon aus, dass nicht alle Rechte, die Feministinnen im Westen erkämpft haben, gut für alle Frauen sind. Oder etwa doch nicht? Tatsächlich stellt sie nur jeden Versuch, Frauenrechte für muslimische Frauen einzufordern, unter den Generalverdacht des Rassismus. Was letztlich auf dasselbe hinausläuft.

Avatar
rahab 30.01.2010 | 09:06

Aus: Birgit Rommelspacher „Was ist eigentlich Rassismus?“

Zitate aus einem Vortrag auf der Tagung: Rassismus – eine Jugendsünde? Aktuelle antirassistische und interkulturelle Perspektiven der Jugendarbeit. IDA
Bonn, 25./26. November2005 – leicht unter dem obigen titel bei angabe der autorin zu erguhgeln, auch als erweiterte fassung.

„Nach Stuart Hall (2004)1 geht es beim Rassismus um die Markierung von Unterschieden,
die man dazu braucht, um sich gegenüber anderen abzugrenzen, vorausgesetzt
diese Markierungen dienen dazu, soziale, politische und wirtschaftliche
Handlungen zu begründen, die bestimmte Gruppen vom Zugang zu materiellen
und symbolischen Ressourcen ausschließen und dadurch der ausschließenden
Gruppe einen privilegierten Zugang sichern. Entscheidend ist dabei, dass die
Gruppen aufgrund willkürlich gewählter Kriterien gebildet werden (wie etwa
Herkunft oder Hautfarbe), und dass mit diesen Einteilungen eine bestimmte
Zielsetzung verfolgt wird.“

„Beim antiislamischen Rassismus kann man heute die Entstehung von Rassismus
gewissermaßen im statu nascendi beobachten. Dieser Rassifi zierungsprozess ist
keineswegs abgeschlossen und vielfach uneinheitlich und inkonsistent. So lässt
sich derzeit lediglich sagen, dass je mehr „der“ Islam zu einem Differenzierungsmerkmal
gemacht wird, das das „Wesen“ aller Muslime zu durchdringen scheint
und sich wie eine biologische Eigenschaft von einer Generation auf die andere
wei tervererbt, desto eher kann man auch den antiislamischen Rassismus als einen
Rassismus bezeichnen; je mehr also die „Andersheit“ der Muslime in ihre „Natur“
eingeschrieben wird und je mehr dies der Legitimation gesellschaftlicher Hierarchien
und Herrschaftsverhältnissen dient. Das gilt ebenso für andere Rassismen
wie etwa den Antislawismus und den Antiziganismus.“

„Zusammenfassend können wir Rassismus also defi nieren als ein System von
Diskursen und Praxen, die historisch entwickelte und aktuelle Machtverhältnisse
legitimieren und reproduzieren. Rassismus im modernen westlichen Sinn basiert
auf der „Theorie“ der Unterschiedlichkeit menschlicher „Rassen“ aufgrund biologischer
Merkmale. Dabei werden soziale und kulturelle Differenzen naturalisiert und
somit soziale Beziehungen zwischen Menschen als unveränderliche und vererbbare
verstanden (Naturalisierung). Die Menschen werden dafür in jeweils ho mogenen
Gruppen zusammengefasst und vereinheitlicht (Homogenisierung) und den anderen
als grundsätzlich verschieden und unvereinbar gegenübergestellt (Polarisierung)
und damit zugleich in eine Rangordnung gebracht (Hierarchisierung). Beim Rassismus
handelt es sich also nicht einfach um individuelle Vorurteile, sondern um
die Legitimation von gesellschaftlichen Hierarchien, die auf der Diskriminierung
der so konstruierten Gruppen basieren. In diesem Sinn ist Rassismus immer ein
gesellschaftliches Verhältnis.“

„Über Rassismus wird zentral der Zugang zu ökonomischen, sozialem, kulturellem
und symbolischem Kapital in der Gesellschaft geregelt. Das geschieht vor
allem durch ein Zugehörigkeitsmanagment, das die Einen als zugehörig und die
Anderen als Außenstehende ausweist. Dabei sichern sich die Mehrheitsangehörigen
das Privileg, in der Norm zu leben und ihre Normalität als verbindlich für die
Anderen zu defi nieren. Sie leben in einer Welt, die für sie gemacht ist und in der
sie sich repräsentiert fühlen. Sie haben einen leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt
und Bildungssystem, zu sozialen Beziehungen und zu persönlichem wie gesellschaftlichem
Ansehen. Allerdings wird dies alles von ihnen meist nicht als Privileg
empfunden, da es in der Selbstverständlichkeit der Normalität verborgen ist, und es
scheint sehr viel leichter zu sein, die Diskriminierung der Anderen wahrzunehmen
als eigene Privilegierungen zu erkennen.14 Das ist einer der Gründe, warum der
Thematisierung von Rassismus so viel Widerstand entgegengesetzt wird.“

„Die Tatsache, dass nur wenige Menschen sich selbst als rassistisch bezeichnen
und die meisten sich vielmehr als offen und tolerant verstehen, erklärt zu einem
Gutteil die großen Widerstände gegen die Thematisierung von Rassismus. Denn
ebenso wie der Rassismusbegriff in der gesellschaftlichen Diskursen auf den Widerspruch
zwischen einem aufgeklärten demokratischen Gemeinwesen und der
Realität rassistischer Hierarchien und Ausgrenzung verweist, so verweist er bei
den einzelnen Menschen auf Ambivalenzen zwischen Egalitätsvorstellungen und
Hierarchieinteressen. Der Rassismus widerspricht dem positiven Selbstbild des
Einzelnen wie der gesamten Gesellschaft und muss deshalb in seiner Bedeutung
heruntergespielt, wenn nicht gar ganz geleugnet werden.“

Wer’s genauer wissen will, wird sich wohl der anstrengung zumindest der lektüre wenn nicht auch noch des begreifens unterziehen müssen.

Wer’s etwas leichter haben will, der begnügt sich mit Claudia Pinls „der ewig reizbare Mann“
www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/der-ewig-reizbare-mann/
oder auch Regina Mönchs „Maulkorb für Islamkritiker“
www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E02D56D692E4C48EFBD72D33B3932019A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Ansonsten verstehe ich den Magnus Klaue nach einigem rumlesen so, dass der im bestreben, den männern zu sagen, wo’s lang geht, gern auch mal „Feminismus“ batscht, mit der großen fliegenpatsche, versteht sich. Nu?- soll er halt! Manche brauchen so was fürs selbstwertgefühl. Was möglicherweise daran liegt, dass sie mit ihren schönen augen keine und keinen mehr bekirken können. Letztlich tun sie – und für Magnus Klaue und alle, die seinen erguß goutieren, gilt dies auch – nichts anderes als das altbekannte „saving brown women from brown men“ fortzusetzen. Wobei sie auch weiterhin unter „the white man’s burden“ stöhnen werden, dass es g’tt erbarm!

Ach ja … da fällt mir noch ein: auch Dänemark erwägt wieder ein Burka-verbot. Weil das nun aber nicht in gesetzes-form zu packen ist, weil es unter anderem gegen die EMRK verstieße, will Dänemark nun die wirtschaft dazu aufrufen, dieses mithilfe betriebsinterner regelungen durchzusetzen. Weil nämlich „auf Arbeit“ die menschenrechte keine gültigkeit beanspruchen können. – Schön, damit wissen wir ja endlich wieder, woran wir sind und in welcher besten aller welten wir leben!

Avatar
Ehemaliger Nutzer 30.01.2010 | 13:14

`Ein wesentliches Problem wird wohl sein, dass es offenbar kein einheitliches Verständnis von `Feminismus` gibt.`

Ich fürchte auch, das ist das wesentliche Problem des westlichen Feminismus. Zum einen führt ein radikaler Feminismus sich heutzutage selbst ad absurdum. Zum anderen setzen sich heute Männer stärker für Frauenrechte ein, denn ein Engagement für Humanität und universelle Menschenrechte schließt Frauen nun mal automatisch ein.
Zum anderen zeigt sich in der Realität, dass Frauen keineswegs die besseren, klügeren Menschen, Führungskräfte, was auch immer sind. Diese bittere Pille der Erfahrung, die sich aus der Feminismusbewegung heraus selbst ergab, muss die Frauenbewegung erst mal schlucken. Allen voran Alice Schwarzer. Obwohl es u.a. ihr und der schlicht notwendigen, radikalen feministischen Bewegung der 70ziger Jahre zu verdanken ist, dass Frauen heute immerhin mehr Möglichkeiten, Chancen und Rechte für ein unabhängigeres Leben haben. Es bleibt Frauen aber, dem Wesen einer freiheitlichen Bewegung zufolge, immer noch selbst überlassen, ob und wie sie ihre Chancen nutzen wollen.

Muslimische Frauenrechtlerinnen, wie Ayaan Hirsi Ali, Necla Kelek und Seyran Ates, knacken aber innerhalb ihres `Kulturkreises` noch am Punkt einer notwenigen radikalen Aufdeckung antihumanistischer, kulturell evozierten Frauenfeindlichkeit, die sie schonungslos benennen müssen. Die westliche Frauenbewegung befindet sich in einer paradoxen Situation; - zum einen ist intellektuelle Radikalität unter bestimmten Bedingungen einfach notwendig; - zum anderen unterwandert Radikalität auf Dauer das Wesen einer freiheitlichen Bewegung. Was also tun?

Ich halte es für albern, sich an Burkas und Kopftüchern abzuarbeiten, denn wesentlich ist das, was sich in den Köpfen unter der Burka abspielt.
Westliche `Feministen(innen)` sollten muslimischen Frauenrechtlerinnen zu aller erst nicht in den Rücken fallen. Im Gegenteil, sie sollten ihre Arbeit unterstützen, indem sie sich argumentativ auf universelle Menschenrechte beziehen. Das Engagement für Bildung, Gesundheit, Unversehrtheit des Körpers, rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau, Chancen auf Emanzipation von kulturellen Zwängen usw. bieten Argumente und Möglichkeiten genug.
Es ist nur extrem ungeschickt, andere Kulturkreise von außen zu verurteilen und an den Pranger zu stellen, meine ich, denn man macht sich damit angreifbar. Zumal im eigenen Kreis eben auch nicht alles perfekt ist. Deshalb sollten westliche Feministen(innen)das radikale Anprangern tatsächlich muslimischen Frauenrechtlerinnen in der Tat überlassen. Sie schaden der emanzipatorischen muslimischen Bewegung damit nur.

derDonnerstag 30.01.2010 | 17:27

@Alien59
Das kann ich durchaus nachvollziehen. Ich würde es, wenn ich eine Frau wäre, auch nicht gut finden, wenn Alice Schwarzer und andere selbsternannte Sprecherinnen der Frauenbewegung glauben, für mich sprechen zu können. Mit Floskeln wie "Wir Frauen", "Uns Frauen" etc. implizieren diese ja immer wieder, dass sie glauben, für alle Frauen sprechen zu dürfen.
Sieht man das schwarz-weiß, müsste man daher den Feminismus und generell alle emanzipatorischen Bewegungen ablehnen. Bis zu einem gewissen Grad ist dieses Sprechen für Andere nämlich unabdingbar. Z.B. wenn man Genitalverstümmelung ablehnt. Man geht davon aus, dass dies den Mädchen, denen es widerfährt, schadet. Auch wenn ihre Mütter anderer Meinung sind.
Soziale Bewegungen, die Menschen aus Abhängigkeiten befreien wollen, sehen sich häufig dem Problem gegenüber, dass die Unterdrückten sich - aus Gewohnheit? - gar nicht als unterdrückt betrachten. Was ist Dein Lösungsvorschlag?

Connie Uschtrin 31.01.2010 | 23:53

@Michael. Ich weiß nicht, wo Du beim Lesen der Kommentare aufgehört hast, ich habe mich bis zu Ende durchgescrollt: Nach meiner Auswertung halten sich die zustimmenden und die ablehnenden die Waage. Und auch die Zuordnung zu vermeintlichen Geschlechtern spielt hier m.E. so gut wie keine Rolle. Übrigens finde ich die Debatte nicht verwunderlich, denn es ist schließlich ein wunder Punkt, den Rommelspacher anspricht.