Was treibt Barack Obama nach Kabul und Berlin, Herr Wimmer?

Nachgefragt Barack Obama will die Stärke der US-Armee in Afghanistan um 10.000 Mann erhöhen. Wahlkampf oder Realpolitik? Ob es Wahlkampf ist, wird man in der ...

Barack Obama will die Stärke der US-Armee in Afghanistan um 10.000 Mann erhöhen. Wahlkampf oder Realpolitik?
Ob es Wahlkampf ist, wird man in der Auseinandersetzung mit John McCain noch sehen. Sollte es Politik sein, wäre es die Fortsetzung eines verfehlten Weges.

Inwiefern?
Weil die USA in Afghanistan seit 2001 allein auf ihre zweifellos gewaltigen militärischen Möglichkeiten fixiert sind. Nur zeigt die Entwicklung seither - nichts ist falscher. Wenn heute Verteidigungsminister Gates beklagt, am Hindukusch fehle es an diplomatischen Möglichkeiten, klingt das für mich wie das Eingeständnis eines Scheiterns.

Auch weil Pakistan derzeit intensiv gegen die afghanische Regierung zu konspirieren scheint und die Taleban gewähren lässt?
Die paschtunischen Taleban werden nicht nur aus Pakistan, sondern ebenso aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten unterstützt. Es ist ein Fehler zu glauben, Pakistan habe als Staat in der berühmten Grenzprovinz starken Einfluss. Ich wäre vorsichtig, der pakistanischen Politik wegen der Taleban Vorwürfe zu machen, die sie nicht verdient.

Weil sie schwach ist?
Nein, das Entscheidende ist, dass die Grenzenprovinzen Pakistans sich schon Mitte der neunziger Jahre zum unabhängigen Paschtunistan erklärt haben. An diesem Willen zur Selbstbestimmung hat sich nichts geändert. Natürlich haben die pakistanische Armee und der Geheimdienst in dieser Region ihre Hände mit im Spiel.

Wie halten Sie von der vorgesehenen Aufstockung der Bundeswehr um 1.000 Mann?
Wir bleiben hier auf einer politisch schiefen Ebene, was zu Lasten der in Afghanistan immer stärker engagierten Bundeswehreinheiten geht. Die befinden sich in einer dramatischen Lage, weil durch das Fehlverhalten vorzugsweise der amerikanischen und britischen Truppen im Süden auch im Norden eine immer bedrohlichere Situation entsteht. Das kann durch einen Besuch von Herrn Obama in Deutschland nicht konterkariert werden. Man brauchte eine Berliner Politik mit erheblich mehr Atem und mehr Substanz, als wir sie derzeit haben.

Was sollte diese Politik konkret bewirken?
Entweder sorgt sie dafür, die in Afghanistan vorhandenen Möglichkeiten so zu nutzen, dass eine Befriedung im Interesse des Wiederaufbaus eintritt. Oder man muss abziehen.

Das Gespräch führte Frank Urban

Willy Wimmer ist Mitglied der Bundestagsfraktion von CDU/CSU und des Außenpolitischen Ausschusses des Parlaments.

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