Wer ist am Ende am Ende?

Kommentar Wieder Scharmützel unter Österreichs "Freiheitlichen"

Dass diese Reprisen nicht fad werden. Eine reiht sich an die andere und kein Ende in Sicht. Auch wenn das von Jörg Haider einmal mehr lautstark verkündet wird. Ob die wegen der Hochwasserschäden zurückgestellte Steuerreform in Österreich früher oder später kommen soll - so die eigentliche Differenz - ist völlig nebensächlich. Diese ist Anlass, nicht Grund der freiheitlichen Zerwürfnisse. In diesem Sommertheater sind sogar die verheerenden Überschwemmungen abgesoffen.
Der mediale Leitchor intoniert seither den Kanon: Die FPÖ ist nicht so schlecht, nur ihr emeritierter Häuptling ist ein Bösewicht. Die Regierungsarbeit wird gelobt und der Kärntner wird getadelt. Vor allem die Vizekanzlerin, Susanne Riess-Passer, und ihr smarter junger Finanzminister, Karl-Heinz Grasser, werden als Alternative zu Haider regelrecht in Stellung gebracht. Dass der unmittelbar die Konfrontation gewinnt, ist kaum anzunehmen. Noch weniger ist freilich anzunehmen, dass er sie langfristig verliert. Eines weiß er ganz genau: Ohne ihn sackt die FPÖ mindestens um zehn Prozent ab. "Die FPÖ-Minister wiegten sich wirklich lange Zeit im irrigen Glauben, sie könnten die Wahl allein gewinnen und bräuchten den Alten aus Kärnten nicht mehr", schreiben die Salzburger Nachrichten. Fraglos, ohne den Kärntner Landeshauptmann wären diese von Ministranten zu Ministern beförderten Gefolgsleute nichts, zumindest nicht in Würden und Pfründen.
Haider will, dass die FPÖ alle kommenden Wahlen verliert, um sodann sagen zu können: Unter mir hat es nur Erfolge gegeben, unter Riess-Passer nur Misserfolge. Das wird einschlagen. Selbst ein Rückzug könnte da eingeplant sein, bloß um sich alsbald anflehen zu lassen, doch wieder zu kommen. Den Retter aus der Not, den kann nur der Haider machen: "Jörg, steh uns bei!"
Nicht wer augenblicklich den Kürzeren zieht, ist daher die entscheidende Frage, sondern wer am Ende am Ende ist. Und Haiders Ende ist eine endlose österreichische Erfolgsgeschichte.
Die vielen Skandale und Krisen der FPÖ erwiesen sich stets als wahres Treibmittel. Haider ist die Inkarnation eines blöden Soldatenspruches in leicht abgewandelter Form: Was andere umbringt, macht ihn bloß stärker. Eine Reflexion über dessen ungeheure Resistenz ist leider bisher nicht Gegenstand der Debatte.
Natürlich ist nicht ganz auszuschließen, dass Haider stolpert. Wenn, dann aber nur über sich selbst, nicht über seine ihm zugelaufenen Parteifreunde oder gar seine ihm nachlaufenden Medienfeinde. Die haben ihm sage und schreibe 15 Jahre nichts anhaben können. Sein zentrales Problem ist ein Imageproblem: Der nunmehr 51järhige wirkt immer weniger frisch, unverbraucht und telegen. Eher süchtig nach Aufmerksamkeit, gleich er einem alternden Rockstar. Was meint: Die Maske ist nicht ab, aber sie fällt auf.

00:00 30.08.2002

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