Wir nehmen euch ernst

Obama in Afrika Schon seine Vorgänger Clinton und Bush statteten Afrika längere Besuche ab. Doch wenn Barack Obama nach Ghana kommt, wird es mit symbolischen Gesten nicht getan sein.

Immerhin gibt es die erste Afrika- vor der ersten Peking-Reise. Aber den chinesischen Staatschef Hu hat Barack Obama gerade beim G8/G20-Gipfel in Italien sehen können. Reiseziele werden gern mit symbolträchtigem Firnis bedacht. Dass der US-Präsident nach dem Treffen von L‘Aquila beim Besuch in Ghana Tuchfühlung mit einer Welt sucht, die im Sog der Weltwirtschaftskrise in einen toten Winkel zu driften droht, mag respektabel sein, wirkt aber kalkuliert. Der erste afroamerikanische Präsident der USA beehrt einen Kontinent, in dem ein Teil seiner Wurzeln zu finden ist. Die Erwartungen sind hoch. Obamas absehbare Botschaft – die Vereinigten Staaten nehmen Afrika ernst – wird kaum ausreichen, sie zu befriedigen.

Gleiches hat schon Bill Clinton suggeriert, als er – von der Sehnsucht nach einer neuen, unkonventionellen Afrika-Politik beseelt – im März 1998 auf einer Sechs-Staaten-Tour den schwarzen Kontinent mit Gesten amerikanischer Wertschätzung beglückte. Und von der eigenen Mission so ergriffen war, dass ihm vollends die Maßstäbe verloren gingen. „Kein Präsident hat je eine ernsthafte Afrika-Reise unternommen“, lobte sich Clinton und vergaß, dass Kennedy in den frühen Sechzigern seinem Peace Corps hinterhergereist wäre, hätte es nicht den 22. November 1963 von Dallas gegeben.

Clinton konnte 1998 für seinen Trip nach Ghana, Uganda, Ruanda, Senegal, Botswana und Südafrika keinen günstigeren Zeitpunkt wählen. Alle Welt lobte Afrikas neue Führer wie Rawlings in Accra, Museveni in Kampala oder Kagame in Kigali, sie galten als aufgeklärte Autokraten, denen Good Governance und Demokratie ebenso viel wert schienen wie liberalisierte Märkte. Clinton hofierte sie als Klienten einer amerikanisch-afrikanischen Freihandelszone. Einen nach Aufschwung hungernden Erdteil für den Weltmarkt zu entern, entsprach den Liberalisierungswünschen der WTO. Viele Regierungen in Afrika blendete der versprochene Sprung ins 21. Jahrhundert dermaßen, dass ihnen nicht weiter auffiel, wie die USA im Jahr des Clinton-Besuchs ihre Entwicklungshilfe auf magere 650 Millionen Dollar kürzten.

Ugandas Präsident Museveni wurde seinerzeit noch aus einem anderen Grund umworben. Sein Land galt als Bollwerk einer regionalen Allianz, das sich gegen den Sudan und den islamischen Fundamentalismus erhob, der später für die Anschläge auf die US-Botschaften in Tansania und Kenia (August 1998) verantwortlich gemacht wurde. Clinton genoss es, in den Jagdgründen der alten Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien zu wildern. Besonders im Senegal, wo er jenen Hafen besuchte, von dem aus Hunderttausende Sklaven in die Neue Welt verschifft wurden. Deren Führer kehrt nun zurück, um Abbitte zu leisten, sollte das wohl heißen. Es störte Clinton wenig, dass seine Beraterin Susan Rice warnte, es sei irrig zu glauben, die Afrikaner hegten „einen blinden Wunsch“ nach amerikanischem Engagement.

Dies galt erst recht, als im Juli 2003 auch George W. Bush nach Afrika aufbrach und mit Senegal, Uganda, Südafrika und Botswana (Nigeria kam hinzu) exakt die gleichen Staaten bereiste wie Clinton fünf Jahre zuvor. Freilich umwehte Bush nicht die Aura des Missionars, er verteilte stattdessen 15 Milliarden Dollar für die AIDS-Bekämpfung, um der nationalen Sicherheit der USA zu dienen, wie es hieß. Im Jahr des Irak-Krieges taten Bush ein paar diplomatische Freiübungen gut. Er schob Afrika im Ranking wieder dorthin, wo es Amerika am nützlichsten scheint, in die Liga der Rohstofflieferanten. Ob es nun um Coltan-Lager im Kongo geht oder um den amerikanischen Rohölbedarf, der im Jahr 2010 zu einem Fünftel aus Vorräten Nigerias und Angolas gedeckt werden soll: Afrika ist wichtig.

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16:01 09.07.2009

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