Georg Seeßlen
Ausgabe 2914 | 16.07.2014 | 12:54 14

Wir sind wieder wer anders

Symbolgehalt Seit dem Wunder von Bern gingen Politik, Ökonomie und Fußball eine Allianz ein, die wir nicht mehr losgeworden sind. Doch ein Fußballspiel hat keine politische Botschaft

Es ist die Fähigkeit und das Faszinosum der Fußballkultur, sich ständig zu verändern. Dabei geht immer wieder etwas verloren, auch von dem, was man Unschuld nennen könnte. Aber es kommen auch ständig neue Dinge hinzu, ökonomische, kulturelle, psychologische, mediale. Der Fußball des Jahres 1954 zum Beispiel hat mit dem Fußball sechzig Jahre später nur noch im tiefsten Inneren gewisse Ähnlichkeiten.

Eines der wirklich komischen Bilder, die diese Weltmeisterschaft hervorgebracht hat, ist das der jubelnden Angela Merkel im Stadion. Und eines der schrecklichsten Bilder ist das von Merkel und Joachim Gauck neben den UEFA- und FIFA-Bossen Michel Platini und Joseph Blatter, die ein System antidemokratischer Intransparenz führen und deren Macht bereits ausreicht, nationale Hoheitsrechte außer Kraft zu setzen, als wäre es die Vorwegnahme des Siegs der Konzerne über die Staatsmacht. Wie gemein man sich da doch macht. Nein, unschuldig ist am Fußball gewiss nichts mehr.

Vier Mal wurden erst die BRD und dann das wiedervereinigte Deutschland Weltmeister, und jedes Mal reagierte man nicht einfach nur mit der gewöhnlichen Freude und dem erlaubten Nationalstolz, sondern auch mit der Suche nach der politischen Metaphorik. Die Nation Deutschland, so wie wir sie kennen, ist nicht zuletzt durch den Fußball gebildet worden. Es gab den Urknall, das „Wunder von Bern“, wo in einer kollektiven Erzählung bestimmt wurde: „Wir sind wieder wer.“ Politik, Ökonomie und Fußball gingen damit eine Verbindung ein, die wir seitdem nicht mehr losgeworden sind. Nicht zuletzt deswegen präsentiert der Moderator des täglichen Börsenpornos im Fernsehen seine Weisheiten auch im Viersternetrikot und erklärt uns, um wie viel die deutschen Werte nach gewonnenen Weltmeisterschaften gestiegen sind. 1954 waren es 83 Prozent.

20 Jahre später war es die Weltmeisterschaft im eigenen Land, was nach den Olympischen Spielen in München ein weiterer Aspekt der Anerkennung eines nun betont zivilen und „heiteren“ Auftretens war. Dieser doppelte Coup der Sportdiplomatie zog einen weiteren Schlussstrich unter die belastete (Sport-)Geschichte des Nationalsozialismus und entwickelte sich zu einem perfekten Imagegewinn.

Nationale Symbole

Zum Symbolgehalt gehört aber auch der damalige Sieg der DDR mit dem Sparwasser-Tor, Fußball als nationale Selbstvergewisserung nun auch im anderen Teil Deutschlands. Es war aber zugleich das Jahr, in dem die Ölkrise gleichsam das Ende des Wirtschaftswunders und der Wiederaufbauzeit besiegelte. Was 1954 begonnen hatte, endete 1974. Es gab Inflationsfurcht, Brandts Ostpolitik und seinen Sturz. Und die WM endete nicht mit einem rauschenden Fest, sondern mit einem symbolischen Skandal: Beim Festbankett waren die Frauen der Fußballfunktionäre, nicht aber die der Spieler eingeladen. Gerd Müller und Wolfgang Overath erklärten damals ihren Rücktritt aus der Nationalelf; andere beließen es bei einem heimlichen Murren. Drei Mal dürfen wir raten, wer heute einträgliche Posten bekleidet und wer nicht.

1990 in Italien ist die deutsche Mannschaft das Symbol dessen, wie auch im Spiel zusammenwächst, was zusammengehört. Das sich wiedervereinigende Deutschland siegte im Traumland und adaptierte ein wenig vom internationalen Glamour, wenn auch in der lustig-provinziellen Art von Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus, setzte aber noch einmal „deutsche Tugenden“ auf dem Platz ein.

Es folgt die Ära von Jürgen Klinsmann, die schließlich dazu führt, dass man „Weltmeister der Herzen“ wird, eine trotzige Bewegung gegen die Niederlage, wenigstens eine zeitweilige Entkoppelung von Emotion und Effizienz, befreiend genug. Und eine Idee von Fußballkultur des Weiterfeierns, die mit dem „Sommermärchen“ von 2006 auch eine neuere Spielform findet, weg vom Arbeits- und Rumpelfußball. Neue Vergemeinschaftungsformen bilden sich. Auf die traditionellen – das Stadion selbst, die gemeinschaftliche Teilhabe in der Kneipe und im privaten Wohnraum – folgen neue magische Orte der Fußballkultur: die Fanmeile, das public viewing, das sich seitdem immer mehr professionalisierte und kommerzialisierte. Damals entstand, was die Kommentatoren nicht müde werden herauszustreichen: Diese „entspannte“ Art, mit Symbolen der Nation umzugehen, oder, anders herum, die Karnevalisierung von Fußball und Politik zugleich nahm zu. Wir sind wieder wer anders.

So ist 2014 auch die Erfüllung des Versprechens von 2006. Deutschland gewinnt, ebenfalls ein merkwürdig oft betonter Umstand, als erste europäische Mannschaft bei einer WM in Südamerika, erlaubt sich dabei aber durchaus südamerikanische Spielakzente. 400.000 Menschen haben das deutsche Team in Berlin am Brandenburger Tor gefeiert. Und wieder gibt es Erfreuliches von der Börsenfront zu berichten: Die Aktien von Adidas profitieren am meisten vom Sieg „unserer Jungs“, aber auch sonst steigt die Geldfieberkurve. Wir sind also schon wieder wer. Weil wir nämlich geleistet und geackert haben.

Und mit dem Sieg, der seine Helden, seinen Opfermut (Schweinsteigers Blut), seinen Teamgeist präsentiert, scheint auch so etwas wie eine Charmeoffensive gelungen, von der in der üblichen Fußballpoesie erzählt wird: „Die Besucher aus dem fernen Europa kamen wie Konquistadoren nach Brasilien, aber sie eroberten das Land mit Zurückhaltung, Mitgefühl und Manieren. Jetzt sieht es so aus, als seien viele Latinos gerne ein bisschen deutsch.“ So liest es sich in der Süddeutschen Zeitung. Kein Wunder, dass Merkel so jubelt.

In die Knie gezwungen

Nette Konquistadoren! Ein furchtbareres Bild hätte den enthemmten Fußballmetaphorikern wohl kaum einfallen können. Ein treffenderes aber vielleicht auch nicht. Man kann also auch diesen Weltmeistertitel als Signal einer Veränderung der Rolle Deutschlands in der Welt ansehen; der Exportweltmeister, dessen Austeritätspolitik ganze Gesellschaften in die Knie zwingt, möchte so gern Vorbild für die anderen werden, die man bezwingt. Und geliebt werden obendrein.

In Wirklichkeit wird die Analogie von Fußball und Politik erst durch die Medien erzeugt. Eines hat sich indes geändert: Die Protagonisten wissen schon genau, was von ihnen erwartet wird. Dass, nur zum Beispiel, der Torwart pflichtschuldig sagen muss, ganz Deutschland sei Weltmeister geworden. Konkrete Politik ist dagegen die Macht einer postdemokratischen Weltorganisation wie der FIFA. Sie bestimmt ja nicht nur über die Geldströme und die Postenvergaben, sie bestimmt am Ende auch über die Bilder. Sie lässt nur diejenigen durch, die zeigen, wie bürgerlich, wie familiär, wie weiblich der Fußball geworden ist. Es findet eine ikonografische Gentrifizierung statt. Aus dem einst proletarischen Wirklichkeitsmodell soll das ebenso karnevalisierte wie kontrollierte Vergnügen für den zahlungskräftigen Mittelstand werden. Auch was das anbelangt, passt der deutsche Sieg ins Bild. Die netten Konquistadoren sind das perfekte Instrument der Entproletarisierung und der ökonomischen Effizienz, was sich besonders im Vergleich zu Brasilien zeigt: Den „anarchischen Strukturen“ und der „mangelnden Nachwuchsarbeit“ werden deutsche Ordnung und Kontinuität gegenübergestellt. Ganz nebenbei sehen wir in Brasilien, wie drastisch sich der Fußball als ökonomisch-medial-politisches Superunternehmen gegen die Klasse gerichtet hat, der er einmal gehörte, und die nun durch Architektur, Polizei und Ticketpreise ausgeschlossen wurde.

Der Sieg dieser deutschen Mannschaft könnte auch noch Metapher für gelungene Integration sein. Deutschland als erfolgreiches, also erfolgreich kontrolliertes Migrationsmodell. Ein Blick in die Fanforen lässt diese Illusion rasch verschwinden. Dort einigt man sich rasch auf einen rationalisierten Binnenrassismus. Die Spieler mit Migrationshintergrund werden gleichsam vorgreifend entheroisiert und verbal herabgestuft. Die Mannschaft des Spiel gewordenen Merkelismus hütet sich vor der Kreolisierung. Und weil sich Leistung lohnen muss, werden wir auch darüber nicht im Unklaren gelassen, dass diese deutsche Mannschaft die größten Prämienzahlungen aller Zeiten bekommt. Die netten Konquistadoren kriegen eben auch nette Bonuszahlungen, so wie Angela Merkel und Joachim Gauck sich mit Blatter und Platini prächtig verstehen.

Ein Fußballspiel hat keine politische Botschaft, so wenig wie die Frisur eines Bundestrainers einen kulturgeschichtlichen Wendepunkt markiert. Die politische Metaphorik wird erst danach produziert. Je nach Bedarf. Je nach Interesse. Je nach Einfluss. Wie schön wäre es, wieder einmal sagen zu können, gewonnen hätten einfach diejenigen, die an dem ein oder anderen Tag am besten Fußball gespielt haben. Ein schönes Spiel sei ein schönes Spiel. Und sonst nichts. Aber das ist eben das Kreuz mit den Realitätsmodellen. Sie verlieren ihre eigene Realität. Wie viel Wahrheit ist noch auf dem Platz, wenn die Macht der Inszenatoren und Profiteure ins Unermessliche geht?

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 29/14.

Kommentare (14)

Tao Traveller 16.07.2014 | 13:54

Ein engagierter Artikel, in dem leider die Grenze zwischen "Symbol" und "Realitaet" oft verwischt sind. So leicht laesst sich beides nicht auf einen Nenner bringen.

Ob Fussballbegeisterung nun in Patriotismus, Nationalismus oder gar Rassismus muendet, scheint in der aktuellen Diskussion noch keineswegs entschieden, ist vielleicht gar nicht entscheidbar.

Fuer den Zuschauer steht wie bei der Formel 1, beim internationalen Tennis, der Tour de France, Olympia oder anderen globalen Ereignissen zunaechst seine Unterhaltung im Vordergrund. Er ist in der Regel daran interessiert, alleine oder in Gemeischaft mit anderen, eine moeglichst aufregende Show zu erleben.

Wie diese Show zustande kommt, ist nachrangig oder unwichtig. Hauptsache sie kostet nicht viel, ist nicht langweilig, sondern frischt Alltag und mikrosoziales Umfeld etwas auf. Wie Weihnachten, Sylvester, Ostern, Geburtstage und Urlaube.

Der Rest ist nur fuer Kommentatoren und Zeitgeistanalytiker wichtig. Ja, denen hoert man auch gerne zu, aber den Spass laesst man sich durch ihre Stimmen nicht verderben. Gute Laune, Ignoranz und "Hoch die Tassen!" als notwendige Schutzschilde gegen die Kompliziertheit einer oft genug bedrueckenden Realitaet.

Eigentlich ganz sympathisch, oder?

seriousguy47 16.07.2014 | 14:59

Da kann ich großenteils zustimmen. (Ich sage großenteils, damit ich es nicht nochmals genauer lesen muss...;)

Am Dienstag bin ich bei meinen Besorgungen von sogenannten "einfachen" Menschen angesprochen worden. Die fanden es einfach toll, dass die deutsche Mannschaft gewonnen hat, weil die so gut gespielt hätten und so sympathisch seien. Argentinien sei aber ebenbürtig gewesen. Eine Frau - Verkäuferin in einem kleinen Geschäft - sagte, sie hätte auch Algerien ganz toll gefunden. Sie sprach auch den Widerspruch zwischen der sozialen Sitiuation in Brasilien und der Geldverschwendung für die WM an... usw.

Der ganze restliche Schwulst spielte sich in den Medien ab.

Das war nun keine repräsentative Befragung, aber ich vermute mal, dass die Mehrheit spontan nicht den Mist & Schwulst empfindet - wenn sie nicht gerade die BILD oder den SPIEGEL lesen.

seriousguy47 16.07.2014 | 15:45

Das mit der Entproletarisierung kam mir auch in den Sinn. Dann kam aber die "Gaucho"-Nummer, die möglicherweise zeigte, dass die Verbürgerlichung des deutschen Fußballs ein Oberflächenphänomen sein könnte - und dass der Fußballer mit Abitur immer noch mehr Fußballer als Abitur ist. Bzw. dass der Fußballer mit Abitur zwar im Spiel anders tickt & mitdenkt, in der Kabine & beim Bier sich durchaus traditionell verhält.

https://www.freitag.de/autoren/danielm2601/jogis-jungs-als-trojanisches-pferd

http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-2014-weltmeister-deutschland-in-der-datenanalyse-a-977652.html

Dass "Wir sind wieder wer" mag sich durch fußballerische & andere Erfolge im Laufe der Jahre eher unterbewußt entwickelt haben. Das mediale Begleit-Gegröhle dazu muss aber nicht unbedingt bedeuten, dass die Mehrheit der Menschen sich dabei irgendetwas denkt oder den Sport als etwas anderes nimmt denn als Sport.

Dass Analogien zu Wirtschaft & Politik gezogen werden, ist im Übrigen kein deutsches Phänomen - selbst wenn Deutschland im Blickpunkt steht. Den intensivsten derartigen Versuch fand ich im Guardian und der stieß bei einem Teil der Kommentatoren dort deshalb auf heftige Kritik. Man wehrt sich gegen Überhöhung, findet das deutsche Ausbildungsmodell für Fußballer nachahmenswert (auch die "Entproletarisierung") und findet es gut, dass zur Abwechslung mal die beste Mannschaft gewonnen hat.

Der Guardian kam aber auch nicht erst mit der WM auf solche Gedanken. Bereits am 1. Juni 2013 hatte man sich des Themas angenommen.

http://www.theguardian.com/football/2014/jul/13/world-cup-victory-germany-supremacy-every-level

http://www.theguardian.com/world/2013/jun/01/germany-champion-europe

Betrachtet man diesen Aspekt allerdings aus einer anderen Perspektive, dann macht die Analogie auch wieder Sinn. Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist ein internationaler Wettbewerb, in dem eine Nationalmannschaft vom größtmöglichen internationalen Publikum beobachtet werden kann. Was die Teams dort zeigen, wird mit dem Land vermutlich schon auch assoziiert.

Andererseits zeigt die gewollte Selbstdarstellung der derzeitigen deutsche Nationalmannschaft schon auch ein anderes Bild als das, was man seither mit deutschem Fußball & Deutschland assoziierte. Großspuriges Preußentum oder bayerische Polterei sind südwestlicher Moderatheit und multikultureller Vielfalt gewichen. Und wenn man dem Guardian glauben darf, dann ist da auch ziemlich viel Geld, Wissenschaft, Wellness & Technologie im Spiel - was auf Reichtum & Modernität des Landes verweist.

Sophistication überdeckt also mittlerweile "Sieg-Heil!"/ "Jawoll!". Die Analalogien greifen also da, wo alte Klischees ins Wanken geraten. Und das kann man als Annäherung an veränderte deutsche Realität durchaus gut finden. Finde ich.

Sünnerklaas 17.07.2014 | 09:14

Fussball hat durchaus eine politische Botschaft - in Lateinamerika ist es Bestandteil des "panem et circenses", Brot und Spiele. Fussball ist dort eine der wenigen Belustigungen, die man der ansonsten knapp gehaltenen Bevölkerung zugesteht. Fussball ist der - vermeintlich - einzige Weg, um aus dem Elend der Favelas heraus zu kommen. Fussball ist dort die einzige Möglichkeit, sich vielleicht einen Wimpernschlag lang dem übermächtigen Westen überlegen zu fühlen.

Geht man jedoch in Lateinamerika politisch eigene Wege, dann endet das in der Regel im Fiasko. Dann kommt Uncle Sam und lässt die Generäle putschen. Es ginge, so heisst dann der politische Narrativ, darum, die Interessen der westlichen Welt und das Recht auf Privateigentum und - sic! - eine Freiheit zu schützen und zu verteidigen.

Und gell - die Menschen in Europa, so lautet eine gern gebracht rhetorische Frage, wollten doch auch Kaffee für 2,99 Euro - oder?

A-Deiport 17.07.2014 | 10:22

"Doch ein Fußballspiel hat keine politische Botschaft"

Wie soll es bitte schön haben?. Eine völlig zu absorde Erwartung. Das Spiel Kann die politische Botschaft nicht haben, weil es hier einfach nicht um die Politik geht. Es darf nicht um die Politik gehen, es soll eher ablenken von der Realität und Nöten der Gesellschaft, die durch unsere Medien,Bier, Chips und die Glotze ausgeblendet werden. Es soll eher dazu dienen, Gestze im deutschen Bundestag im Jahre 2006 zuverabschieden, von den wir Bürger gar nicht mitbekommen sollten, es soll dazu dienen, dass die Weltgemeinschaft während des Finallspiel von der Bombardierung der Gaza gar nicht mitbekommen sollte.

Es geht hier vor allem um sehr viel Geld und dort, wo viel Geld unterwegs ist, ist die Korroption nicht weit weg (siehe FIFA). Die Macher, die im Hitergrund die Fäden ziehen, die machen eine Politik , die eher eine undurchsichtige Sache ist und nicht im sinne ein faires gerechtes transparentes Vorhaben gedacht ist, sondern im sinne von Gewinnmaximierung bzw. Steuerhinterziehung (siehe Uli Hoeneß).

Im übrigen, man darf dem Fußballer nicht zu viel zumuten. Generell ist er nicht sehr politisch interessiet,hat andere Sachen im Kopf wie schöne Frauen, schnelle Autos und sehr viel Aufmerksamkeit. Die Ausnahmen, die natürlich gibt, möchte ich hier nicht ignorieren.

Aber eins hat die ganze Veranstaltung um die Fußballweltmeisterschaften 2014 wieder einmal bewiesen und zwar, dass die Konsumgesellschat seine Sklaven voll im Griff hat.

knattertom 17.07.2014 | 17:15

"Wie diese Show zustande kommt, ist nachrangig oder unwichtig. Hauptsache sie kostet nicht viel, ist nicht langweilig, sondern frischt Alltag und mikrosoziales Umfeld etwas auf. Wie Weihnachten, Sylvester, Ostern, Geburtstage und Urlaube."

Zustimmung zum hier geschriebenen, allerdings kommt nach meiner Wahrnehmung bei vielen auch die Erkenntnis an, dass die FIFA ihrem eigentlichen Auftrag, Interessenvertretung für den Fussball, hier eklatant entgegen gehandelt hat. Es macht keinen Sinn in Brasilien Mittags um 12 Uhr Fussball spielen zu lassen und dann auch noch attraktiven Fussball zu erwarten. Stattdessen brauchen die Spieler "Abkühlpausen", in denen sich dann prima noch ein paar Werbespots unterbringen lassen.

Die FIFA schadet dem Fussball inzwischen mehr, als dass sie ihn fördert und ich würde mich nicht wundern, wenn sich sehr bald ein zweiter Weltfussballverbad gründet.

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"Wie schön wäre es, wieder einmal sagen zu können, gewonnen hätten einfach diejenigen, die an dem ein oder anderen Tag am besten Fußball gespielt haben. Ein schönes Spiel sei ein schönes Spiel. Und sonst nichts."

Ja, das wäre wirklich schön :o)

Philipp Schaab 17.07.2014 | 21:30

Ein guter Artikel, der zwischen dem Sport und der politischen Instrumentalisierung und Interpretation zu unterscheiden weiß.

Was die Nachwuchsarbeit betrifft, wird aber der anarchische Straßenfußball durchaus vermisst und dessen Fehlen immer wieder beklagt. Insofern wird keineswegs nur auf deutsche Ordnung gesetzt. Der Niedergang des Straßenfußballs dürfte eher ein Resultat des hohen Verkehrsaufkommens sein, die "Entproletarisierung" des Sports ein Resultat der Entproletarisierung des Prolariats, dass heute entweder weitgehend verbürgerlicht und prekarisiert ist.

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Ehemaliger Nutzer 18.07.2014 | 16:07

Wir sind wieder wer anders

So? Glaube ich nicht, eher ist der Fussball der realste Spiegel des Deutschen. Ansonsten kein schlechter Beitrag.

So war er, so ist er und so wird er sein, der deutsche Normalo. Der Fussball ist verkommen genug, um sich derart zu prostituieren und aus einer schönen Sportart wird eine Art Ersatzreligion.

Mangels zugkräftiger Religionsbilder, werden Siegerposen des Profifussballes stundenlang zelebriert, an Plätzen, die für andere Feierstunden, auch solche langatmige, die seit 100 Jahren in der Welt bekannt sind und dem Rest der Sportwelt wird gezeigt, was sich im Hochleistungssport wirklich lohnt.

Das wirklich Peinlichste: Die Fanmeile. Das kann man nur mit einem ausgesprochen blöden Volk machen und das war in Berlin schon immer so, Sport frei!

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Ehemaliger Nutzer 19.07.2014 | 16:13

Natürlich hat Fussball eine Botschaft.

Die erste ist der Patriotismus. Die Nationalhymnen werden gebrüllt, ist die Musik aus, dann singen zehntausende den Rest ohne Musik. Ein WIR-Gefühl, dass dann auf dem Platz auch gegeneinander umgesetzt wird. Diese soziale Komponente ist auch Kern der Fankultur der Clubs. Der Mensch ist ein soziales Wesen und sucht immer Gelegenheiten wo er andocken kann und Teil einer Gruppe wird. Fussball ist da einer der größten Hafen.

Und ansonsten bekommt Fussball alle Botschaften, die man medial dranpappen kann. Da ist Werbung nur ein Block.

Fussball ist populär, seine Vergewaltigung zwangsläufig.