Unsere Weltordnung auf den Punkt gebracht

Professor Peter Phillips Wie die Konzentration des Reichtums einen neuen globalen Imperialismus antreibt. Unsere Weltordnung auf zwei Druckseiten, von einem Professor der Sonoma State University
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Wie die Konzentration des Reichtums einen neuen globalen Imperialismus antreibt. Von Peter Phillips

Konzernmedien sind heute hochkonzentriert und völlig international. Ihr vorrangiges Ziel ist die Förderung von Produktverkäufen und pro-kapitalistischer Propaganda durch die psychologische Kontrolle der menschlichen Wünsche, Emotionen, Überzeugungen, Ängste und Werte.

Regimewechsel im Irak und in Libyen, der Krieg in Syrien, die Krise in Venezuela, Sanktionen gegen Kuba, Iran, Russland und Nordkorea sind allesamt Ausdruck eines neuen globalen Imperialismus, der von einem Kern der kapitalistischen Nationen zur Unterstützung von Billionen Dollar konzentriertem Anlagevermögen durchgesetzt wird. Diese neue Weltordnung des Massenkapitals ist zu einem totalitären Imperium der Ungleichheit und der Unterdrückung geworden.

Das weltweite [oberste] 1% [der Menschheit], das sich aus über 36 Millionen Millionären und 2.400 Milliardären zusammensetzt, setzt ihr überschüssiges Kapital bei Investment-Management-Unternehmen wie BlackRock und J.P Morgan Chase ein. Die größten siebzehn dieser Billionen-Dollar-Investment-Management-Unternehmen kontrollierten 2017 41,1 Billionen US-Dollar. Diese Unternehmen haben alle direkt ineinander investiert und werden von nur 199 Personen verwaltet, die entscheiden, wie und wo das globale Kapital investiert wird. Ihr größtes Problem ist, dass sie mehr Kapital haben, als es sichere Anlagemöglichkeiten gibt. Das führt zu riskanten spekulativen Investitionen, zu erhöhten Kriegsausgaben, zur Privatisierung öffentlicher Einrichtungen und zu dem Druck, durch politische Regimewechsel neue Investitionsmöglichkeiten zu eröffnen.

Die der Unterstützung der Kapitalinvestitionen dienenden Machteliten sind alle zusammen in ein System des zwangsweisen Wachstums eingebettet. Wenn das Kapital darin versagt, ein ständiges Wachstum zu erzeugen, führt dies zu einer wirtschaftlichen Stagnation, die zu Depressionen, Bankpleiten, Währungszusammenbrüchen und Massenarbeitslosigkeit führen kann. Der Kapitalismus ist ein Wirtschaftssystem, das sich zwangsläufig durch Schrumpfung, Rezessionen und Depressionen selbst reguliert. Die Machteliten sind in ein Netz von erzwungenem Wachstum verstrickt, das ein fortlaufendes globales Management und die Bildung neuer und ständig wachsender Möglichkeiten für Kapitalinvestitionen erfordert. Dieses erzwungene Wachstum wird zu einem weltweiten Schicksal, das in allen Regionen der Erde und darüber hinaus die absolute Herrschaft des Kapitals anstrebt.

Sechzig Prozent der weltweit führenden 199 Manager der Machtelite stammen aus den USA, ergänzt durch Personen aus zwanzig kapitalistischen Nationen. Diese Manager der Machtelite und die dazugehörigen „1 %“ sind aktiv in globalen politischen Gruppierungen und Regierungen engagiert. Sie dienen als Berater für den IWF, die Welthandelsorganisation, die Weltbank, die International Bank of Settlements, die Federal Reserve Board, die G-7 und die G-20. Die meisten nehmen am Weltwirtschaftsforum [in Davos] teil. Globale Machteliten engagieren sich aktiv in nichtstaatlichen internationalen politischen Beratergremien wie dem Council of Thirty, der Trilateralen Kommission und dem Atlantic Council. Viele Angehörige der globalen Elite der USA sind Mitglieder des Council on Foreign Relations und des Business Roundtable in den USA. Das wichtigste Thema für diese Machteliten ist der Schutz der Kapitalinvestitionen, die Sicherstellung der Schuldeneintreibung und die Schaffung von Chancen für weitere Renditen.

Die globale Machtelite ist sich der Tatsache bewusst, dass sie nur eine zahlenmäßige Minderheit im weiten Meer der verarmten Menschheit darstellt. Etwa 80% der Weltbevölkerung leben von weniger als zehn Dollar pro Tag und die Hälfte von weniger als drei Dollar pro Tag. Konzentriertes globales Kapital wird zum verbindlichen institutionellen Bezugspunkt [1], was die transnationalen Kapitalisten zu einem zentralisierten globalen Imperialismus führt. Dieser wird durch Weltwirtschafts- / Handelsinstitutionen erleichtert und vom US-NATO-Militärimperium geschützt. Diese Konzentration des Wohlstands führt zu einer Krise der Menschheit, in der Armut, Krieg, Hunger, Massenentfremdung, Medienpropaganda und Umweltzerstörung ein die Zukunft der Menschheit bedrohendes Ausmaß erreicht haben.

Die Idee unabhängiger, sich selbst regierender Nationalstaaten wurde in traditionellen liberalen kapitalistischen Volkswirtschaften lange für sakrosankt gehalten. Die Globalisierung hat jedoch neue Anforderungen an den Kapitalismus gestellt, die transnationale Mechanismen erfordern, um das anhaltende, zunehmend über die Grenzen einzelner Staaten hinausgehende Kapitalwachstum zu unterstützen. Die Finanzkrise von 2008 war die Bestätigung dafür, dass das globale Kapitalsystem bedroht war. Diese Bedrohungen fördern den vollständigen Verzicht auf die Rechte der Nationalstaaten und die Bildung eines globalen Imperialismus, der die Anforderungen der neuen Weltordnung zum Schutz des transnationalen Kapitals widerspiegelt.

Institutionen in kapitalistischen Ländern, darunter Ministerien, Verteidigungskräfte, Geheimdienste, Justizbehörden, Universitäten und Volksvertretungen, erkennen in unterschiedlichem Maße an, dass die übergeordneten Anforderungen des transnationalen Kapitals über die Grenzen der Nationalstaaten hinausgehen. Die sich daraus ergebende weltweite Reichweite begründet eine neuen Form des globalen Imperialismus, die sich in Koalitionen von kapitalistischen Kernnationen zeigt. Diese haben in der Vergangenheit und in der Gegenwart Regimewechsel durch Sanktionen, verdeckte Aktionen,Korrumpierung der nationalen Eliten [2] und Krieg mit nicht kooperierenden Nationen vorgenommen – Iran, Irak, Libyen, Venezuela, Kuba, Nordkorea und Russland.

Der Putschversuch in Venezuela zeigt die Ausrichtung der transnationalen kapitalunterstützenden Staaten bei der Anerkennung der [venezolanischen] Kräfte der Elite, die sich gegen Maduros sozialistische Präsidentschaft stellen. Hier ist ein neuer globaler Imperialismus am Werk, bei dem die Souveränität Venezuelas offen durch eine imperialistische Weltordnung untergraben wird. Diese strebt nicht nur die Kontrolle über das Öl Venezuelas an, sondern mittels eines neuen Regimes auch die vollständigen Möglichkeiten für weitreichende Investitionen.

Die weit verbreitete Ablehnung des demokratisch gewählten Präsidenten von Venezuela in den Konzernmedien zeigt, dass Ideologen im Dienst der globalen Machtelite diese Medien besitzen und kontrollieren. Konzernmedien sind heute hochkonzentriert und völlig international. Ihr vorrangiges Ziel ist die Förderung von Produktverkäufen und pro-kapitalistischer Propaganda durch die psychologische Kontrolle der menschlichen Wünsche, Emotionen, Überzeugungen, Ängste und Werte. Konzernmedien tun dies, indem sie Gefühle und Wahrnehmung von Menschen auf der ganzen Welt manipulieren und Unterhaltung („Entertainment“) als Ablenkung von der globalen Ungleichheit fördern.

Die Erkenntnis, dass der globale Imperialismus die Manifestation von konzentriertem Reichtum ist, der von einigen hundert Menschen verwaltet wird, ist für demokratische Menschenrechtsaktivisten von größter Bedeutung. Wir müssen auf der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bestehen und den globalen Imperialismus und seine faschistischen Regierungen, die Medienpropaganda und die Armeen des Imperiums in Frage stellen.

Peter Phillips ist Professor für politische Soziologie an der Sonoma State University in Kalifornien

Übersetzung: Dietrich Klose

Zusätzliche Erläuterungen:

[1] Im Englischen: binding institutional alignment. Erläuterung von Peter Phillips: means that concentrated transnational capital units capitalists governments and world institutions into common agenda of protecting global capital and facilitating growth beyond nationstate boundaries.

[2] Im Englischen: co-options. Erläuterung von Peter Phillips: co-options means the buying off of national elites in various nations to support capital investments through insiders agreements. bribes and support of their power structures.

Originalfassung:

https://www.projectcensored.org/wealth-concentration-drives-a-new-global-imperialism/ = https://www.mintpressnews.com/concentration-wealth-driving-new-global-imperialism/256233/

Ich danke Prof. Philipps für die Erlaubnis, seinen Text hier in Übersetzung zu veröffentlichen, und seine Erläuterungen.

Biographie von Peter Phillips auf der Seite der Sonoma State University: https://web.sonoma.edu/sociology/faculty/peter-phillips.html

Über sein 2018 erschienenes Buch „Giants. The global power elite“: https://news.sonoma.edu/article/ssu-professor-explores-impacts-global-power-and-wealth-new-book

Wer mehr erfahren möchte, kann hier die ausführliche Besprechung von Phillips Buch "Giants. The Global Power Elite" lesen (diese Rezension mit ausführlicher Inhaltsangabe wäre wie "Unsere Weltordnung auf fünf Druckseiten"):

https://www.globalresearch.ca/exposing-the-giants-the-global-power-elite-prof-peter-phillips/5652352

Eine kürzere Besprechung:

https://worldbeyondwar.org/meet-the-one-percent-giants-the-global-power-elite-by-peter-phillips/

Phillips in einem Vortrag zum Thema:

https://www.youtube.com/watch?v=Np6td-wzDYQ

Phillips über die Rolle der Medien:

https://www.projectcensored.org/how-mainstream-media-evolved-into-corporate-media-a-project-censored-history/

und

https://www.youtube.com/watch?v=oTxOMWqrCJ4

22:39 27.03.2019
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Geschrieben von

Dietrich Klose

Vielfältig interessiert am aktuellen Geschehen, zur Zeit besonders: Ukraine, Russland, Jemen, Rolle der USA, Neoliberalismus, Ausbeutung der 3. Welt
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Dietrich Klose

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