Verkommt unser Sozialsystem?

Armutsbericht Gibt es „Ghettos“ in Ostdeutschland?
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In dem kürzlich erschienenen Roman „Kalktown Stories“ wird die Schieflage eines ganzen Systems thematisiert. Jugendgangs kontrollieren die grauen Straßen von Kalktown, einer fiktiven Trabantenstadt, irgendwo in Ostdeutschland. In den Plattenbauten konsumieren die Jugendlichen synthetische Drogen und sind zu jeder Gewalttat bereit, um unschuldige Passanten grundlos zusammenzuschlagen. Aufgrund ihrer eigenen Perspektivlosigkeit, suchen die Kids Zuflucht in Rapptexten oder der Graffitimalerei. Dieses Phänomen ließ sich bereits in den Ghettos vieler amerikanischer Vorstädte nachweisen. Doch wie realistisch ist dieses fiktive Szenario für Deutschland? Führt die zunehmende Armut auch bei uns zur Herausbildung einer neuen Jugendkultur in Hochhausiedlungen nach amerikanischem Vorbild?

Im Roman schildert der Protagonist seine Erfahrungen im Umgang mit Drogen, Jugendkriminalität und Gewalt. Auch hier lassen sich unzählige Parallelen zu den Vororten von Los Angeles, Washington oder Detroit finden. Orte, an denen Gangs ebenfalls die Kontrolle über ganze Straßenzüge besitzen, mit Drogen handeln und sich gegenseitig bekämpfen. Die eskalierende Jugendgewalt zeigt sich auch stark in vielen Großstädten von Deutschland. Aktuell überschatten immer wieder Meldungen von Übergriffen in U-Bahnhöfen die Nachrichtenlandschaften, wodurch sich Betroffene zunehmend unsicher fühlen. Schließlich möchte niemand von aggressiven Jugendlichen attackiert werden, die nachts in U-Bahnschächten lauern und auf ihre Opfer warten. Im Kapitel „Frust der Gang“ wird ein solches Attentat sehr spannend und mit viel Feingefühl geschildert. Der Leser erlebt hautnahe mit, was im Moment eines Überfalls in den Köpfen der Jugendlichen vorgeht. Dadurch lernt er, sich im Notfall angemessen zu verhalten.

Nebenbei wird das Wirkungsspektrum verschiedener Drogen von A wie Amphetamin bis Z wie Zero-Zero in „Kalktown Stories“ ausführlich beschrieben, sodass sich der Leser nicht selbst gefährden muss, um zu erfahren, wie sich eine echte Pillenreise oder ein harter Cannabistrip anfühlen. Die Folgen der psychischen Cannabisabhängigkeit und deren Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung heranwachsender Jugendlicher werden ebenfalls thematisiert. Im weiteren Verlauf zerstören die Drogen zunehmend das Leben des Protagonisten, öffnen ihm gleichzeitig jedoch auch Toren zu einer Welt, in der er die wahren Zusammenhänge des kapitalistischen Systems entlarvt. Vollgespickt mit philosophischen Einlagen enthält dieses Buch alles, was ein spannender Roman benötigt, um den Leser bis zum Schluss zu fesseln.

„E. Sawyer´s Kalktown Stories“

Das E-Book gibt es bereits für 2,99 Euro, während das Taschenbuch mit der ISBN: 978 - 1502 805 478 für 9,99 Euro erhältlich ist.

Quellen:

www.kalktown.blogspot.de

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19:14 22.10.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

E. Sawyer

E. Sawyer ist ein deutscher Schriftsteller, der in seinem Debütroman "Kalktown Stories" die Trostlosigkeit ostdeutscher Vorstädte thematisiert.
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E. Sawyer

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