Schaffe, schaffe, Kreuzle mache

Kampagnenkritik Die deutsche Bahn versucht mal wieder, mit Fahrgast-naher Werbung ihr Image aufzupolieren. Diesmal sollen die Kunden durch eine Mundart-Kampagne geködert werden
Ausgabe 11/2013

Sind wir da? Sömmerda! Die Nachbarn im Abteil freuen sich und packen ihre Sachen zusammen. Sömmerda? Dieses Wort existiert nicht nur für sächsische Zugreisende, sondern so heißt auch eine Kleinstadt in Thüringen, irgendwo zwischen Nordhausen und Erfurt. Dass so etwas lustig sein kann, darauf ist jetzt auch die Deutsche Bahn gekommen und hat die „Mundartwochen“ ausgerufen: Auf bahn.de lässt sie die User darüber abstimmen, in welchem deutschen Dialekt die Startseite erscheinen soll. Von Platt bis Schwäbisch stehen zehn Mundarten zur Auswahl, Sächsisch natürlich auch – abstimmen kann man noch bis zum 21. März.

„Die Bahn spricht Ihre Sprache“, werben die Macher dafür. Das ist doch mal eine Idee, denkt man zuerst. Und sie passt in die Zeit: Soziologen erforschen die neuen Heimatgefühle der Deutschen, die sich auch am Erfolg von Zeitschriften wie Landlust oder von lokalen Magazinen zeigen: In ungewissen Zeiten hält man sich am Vertrauten fest. Dazu gehört der eigene Dialekt. Dem Zeitgeist folgt die Bahn auch, wenn sie für windbetriebene ICEs wirbt. Dass die Kampagne gerade jetzt kommt, ist wohl kein Zufall. Viele regen sich über den Weiterbau von Stuttgart 21 auf. „Schaffe, schaffe, Bahnhof baue“ – mehr Anti-Werbung ist kaum vorstellbar. Was nun im Netz kundennah wirken soll, zündet aber nicht richtig. Entsprechende Resonanz auf die Kampagne sieht man bei Facebook und Twitter keine.

Vielleicht hat das aber auch einen anderen Grund: Für Dialekte ist bei der Bahn immer noch das Personal zuständig. Zum Glück!

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