Aderlass in Ankara, Lötzsch im ZDF & Campen in Tel Aviv

Chronik Nicht alles, was diese Woche unter dem Teppich landete, gehört dorthin: 5 weitere Themen der Woche, in aller Kürze analysiert

./resolveuid/e366d8a2beebff4c72c2372bc02981d6Israel
Vom anderen Stern
Begonnen hat es mit einem Zeltcamp auf dem Rothschild-Boulevard von 
Tel Aviv, doch dann wird daraus nach Tagen eine soziale Protestwelle der 100.000 gegen hohe Mieten, überteuerte Lebensmittel und unerhörte 
Kosten für die Kinderbetreuung. Vor allem die 20- bis 30-jährigen Israelis können weder Auskommen noch Wohnung finden. Die meisten ihrer Transparente sind handgeschrieben und aus Pappe. Sie sagen Premier 
Netanjahu, er sei von einem anderen Stern, wenn er sich weiter nur ums Militär und seine Machtpolitik kümmere. Die soziale Kluft in der Gesellschaft ist für eine ganze Generation noch nie so diskriminierend gewesen wie in diesem Augenblick. LH

./resolveuid/68015404154bd58ca2dd2f18d0231b01Lötzsch im ZDF
Alle Zweifel
Gesine Lötzsch war zum ZDF-Sommer-interview in die Humboldt-Box geladen, es hallte wie in einer Gruft, und Bettina Schausten schaffte es auch 
in der ersten Minute, zweimal „DDR“ und einmal „Mauerbau“ zu sagen. Dann hob die Journalistin zum kurzen Lehrgang der Linken-Geschichte an, sah „einige Häutungen“. Aber naja, so eine Politikerin aus Lichtenberg mit roter Jacke, wer weiß. Also hakte die Ex-Referentin des Ex-Chefredakteurs lieber noch einmal nach: „Warum ist Ihre Partei, warum sind Sie bis heute nicht in der Lage, wirklich alle Zweifel auszuräumen, dass Sie in der Demokratie angekommen sind?“ Lötzsch hätte antworten können: Wegen 
solcher Interviews unter anderem. TS

./resolveuid/320548cf66deffb20f7afb0bc27dcc8aTürkei
Beben in Ankara
Premier Erdogan hat einmal mehr 
die Streitkräfte zur Räson gebracht. Der Rücktritt von Generalstabschef Kosaner und der Kommandeure aller Teilstreitkräfte bezeugt Kapitulation und Resignation. Trotz aller Proteste hatte die Militärführung nichts für 
42 inhaftierte Generäle tun können, denen Putschabsichten gegen die Regierung der AKP vorgeworfen werden. Nach dem Willen von Kosaner sollte einer der Beschuldigten das Kommando der Luftwaffe übernehmen. Doch Erdogan stellte sich quer: Gegen wen Ermittlungen laufen, der sollte mindestens pensioniert werden, teilte er mit. Noch nie hat es in der Geschichte der modernen Türkei einen solchen Aderlass bei der Armee gegeben. LH

./resolveuid/28fcf2377f91b9030fb28452f37e3534Pakistan/ Indien
Wieder einmal
Hina Rabbani beginnt ihr Amt als Außenministerin Pakistans mit einem Handschlag, der für Aufsehen sorgt. Er gilt dem indischen Amtskollegen Mallaiah Krishna und signalisiert, beide Atomstaaten wollen es wieder einmal miteinander versuchen. Ihr Verhältnis war von Kriegssirenen übertönt, nachdem es im November 2008 die Terroranschläge von Mumbai 
gegeben hatte. Das Verbrechen wurde nachweislich von einem pakistanischen Kommando verübt, dessen Protektion durch den Geheimdienst ISI kein Gerücht zu sein schien. Was beide Länder seit jeher entzweit, ist der Kaschmir-Konflikt, der Feldzüge auslösen, aber auch – wie jetzt – zu vertrauensbildenden Maßnahmen führen kann. LH

./resolveuid/a5f2bf7b56a4b5d2dee884070ec140feSPD
Erfolgsgeschichte
Gerade hat SPD-Generalsekretärin 
Andrea Nahles den Vorschlag für einen politikfreien Tag gemacht: Alles, was mit Politik zu tun habe, solle „idealerweise am Sonntag“ ruhen. Sigmar 
Gabriel hat das als Aufforderung 
verstanden, der Bild am Sonntag ein
Interview zu geben und auf die Frage, warum in der Regierungszeit der SPD die Reallöhne der Geringverdiener 
abgestürzt sind, nicht zu antworten: Es sei „das genaue Gegenteil“ von dem passiert, was man gewollt habe. Huch! Der deutschen „Erfolgsgeschichte“ – Sozialpartnerschaft, soziale Sicherheit – hat das aus Sicht des SPD-Chefs aber nicht geschadet. „Wir dürfen wieder stolz darauf sein“, sagt Gabriel. Hätte er doch auf Nahles gehört. TS

(Alle Fotos: AFP/ Getty Images; außer (2): Jürgen Detmers/ ZDF)

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