Heilige Spammity

Humor Am 5. Oktober 1969 sendete die BBC die erste Show von "Monty Pythons Flying Circus". Dank Youtube lachen wir noch 40 Jahre später über John Cleese, Terry Gilliam und Co.

Die Ritter der Kokosnuss: Die Brücke des Todes

Man muss schon Trash lieben, was zugegebenermaßen nicht jedermanns Sache ist. Aber wenn man das tut, gib es nichts größeres als die Szene, in der die Ritter der Kokosnuss die Brücke des Todes überqueren. Fünf, nein drei, Fragen werden vom Brückenwächter gestellt. Wer eine Frage nicht beanworten kann, landet tief unten in der Schlucht der ewigen Gefahr. Nicht alle Ritter schaffen es. Sie werden in die Tiefe geschleudert. Am Ende aber besiegt König Artus den schrecklichen Wächter. „Welches ist die Höchstgeschwindigkeit einer unbeladenen Schwalbe?“ laute die Frage. Artus: „Meint ihr eine europäische oder eine afrikanische Schwalbe?“ Wächter: „Keine Ahnung. Ahhhh....“ Großartig.

Philip Grassmann


Spam Spam Spam Spam Spammity spam

Der Spam-Sketch aus Monty Python's Flying Circus, geschrieben und produziert 1970, soll die Bezeichnung Spam für Massenemails zu Werbezwecken inspiriert sein. Eigentlich steht Spam für „spiced ham“ und ist ein gewürzter Schinken, ein Frühstücksfleisch aus der Dose, das zu den wenigen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht rationierten Dingen gehörte. Um massenhaft Spam geht es in dem Sketch, der in einem Imbiss spielt. Ein Ehepaar wird an Drähten hinab gelassen und bekommt von der Bedienung das Frühstücksangebot vorgetragen, das mit „Eier und Spam“ und „Würstchen, Bohnen und Spam“ losgeht und sich zu immer mehr Spam-Inhalt steigert. Bei „Spam, Eier, Bratwurst und Spam“ sei nicht so viel Spam dabei. Es gibt aber auch „Spam, Spam, Spam, Spam, Spam, gebackene Bohnen, Spam, Spam, Spam und Spam“. In dem dreieinhalb minütigen Sketch kommt das Wort nicht weniger als 132 Mal vor: ein Vorgefühl auf den Spam-Terror, der uns später mit der elektronischen Post heimsuchen wird.

Ulrike Linzer



The Larch

Es ist nur ein kleiner Schnipsel, knapp 20 Sekunden lang. Ein Diavortrag mit dem Thema: "Wie erkenne ich einen Baum aus der Entfernung?" Lektion 1 ist die Lärche. Oder "The Larch" wie es ganz britisch bei Monty Python heißt. Die Vokabel wird noch zweimal wiederholt, dazu gibt es ein Dia einer Lärche. Mehr passiert nicht. Ist das Dada? Ist das genial? Der Larch-Schnipsel wird jedenfalls umso lustiger, je öfter man ihn anschaut. Man vergisst die Frage, was das eigentlich soll und lacht nur noch über die übertriebene, sich stetig steigernde Betonung von "The Larch". Ich erinnere mich an einen Schulfreund, der nach zehn bis zwanzig Mal Larch-Clip-Schauen vor Lachen über den Boden vor dem Fernseher rollte. Allein für diesen Anblick, danke Monty Python!

Jan Pfaff


All England Summarize Proust Competition

Lange Zeit dachte ich, dass man zwei Dinge tun muss, um ein wenig glücklich zu werden: Proust lesen und Monty Python schauen. Natürlich sind das zwei völlig verschiedene Erbauungen. Proust-Leser sind verzärtelte Neurastheniker, die ihr Zimmer am liebsten wie Proust selbst mit Korkwänden verschalen würden, um ungestört wie im Mutterbauch an ihrem lange geplanten Essay über ein kaum beachtetes Nebenmotiv (Die Wasserpflanzen im ersten Band) arbeiten zu können. Monty Python-Fans dagegen sind restpicklige Ewigabiturienten, die sich am liebsten mit dem besten Freund kaputt lachen, wobei es in der Regel reicht, ein Stichwort zu nennen (Leberspendeausweis ö.ä.), um in die Glückseligkeit zu fallen.

Diese beiden Welten (die Monty-Python-Welt und die Proust-Welt) können zwar auf verblüffende Weise in ein und derselben Person existieren, in einem Werk kommen sie allerdings nur schwerlich zusammen. Es sei denn in einem Monty Python-Zusammenfassungswettbewerb, in dem nicht nur ein Hinterwälder aus Lutton in unmöglichen 15 Sekunden versucht, PRRAUSST zusammenzufassen, sondern auch die Bolton Choral Society aus Bingley genau in dem Moment gestoppt wird, als ihr crescendo "Proust in his first book wrote about the..." vollendet werden sollte, und zwar, wie man ahnt, mit dem Wort schlechthin: TIME. Und so bildet dieser vermeintlich grenzdebile, tatsächlich hochphilosophische Schwank des Flying Circus dialektisch gesehen das strenge Komplement zu Marcel Prousts unerreichtem, aber doch auch etwas albernem Meisterwerk - der Rest ist Zirkusmusik.
Michael Angele


Bavarian Restaurant

Zwar klingt der Dialekt in dem traditionellen bayrischen Restaurant von Monthy Python für deutsche Ohren nicht ganz bayrisch, dennoch werden die Bayern in diesem Kurzfilm ihrer eigenen Rolle in Deutschland gerecht. Ihr Umgang mit dem leichtgläubigen amerikanischen Ehepaar ist wohl in der Tradition Deutschlands einmalig. Alles wird typisch bayrisch getan, vom Ablegen des Mantels bis hin zum Bringen der Karte. Klar, dass das für die amerikanischen Touristen nicht gut ausgehen kann.

Philipp Dittberner


Volksfront von Judäa

Allen, die reinen Herzens sind, muss klar sein, dass die Anti-Imperialisten der Volksfront von Judäa die einzig wahre Befreiungsbewegung im Kosmos von Monty Python sind. Die VVJ will im Python-Klassiker Das Leben des Brian die Frau des römischen Statthalters entführen - und so das Imperium mit einem Schlag in die Knie zwingen. Zwar will das auch die Abspalter-Organisation "Judäische Volksfront" (JV), aber dass sich deren Pläne aufs Haar mit der VVJ decken, kann doch nichts anderes bedeuten, als dass die Otternasen von der JV nur die eigentlichen Freiheitskämpfer der VVJ schwächen will. Als die beiden Vertreter des Nachts im Palast aufeinandertreffen ist jedenfalls an eine erfolgreiche Entführung nicht mehr zu denken... Treffender lässt sich das Verhalten von Rechtgläubigen, Abspaltern, Beharrern und sonstigen Otternasen kaum zeigen.

Steffen Kraft

Foto: southtyrolean

16:40 05.10.2009
Geschrieben von
Aboanzeige Artikel Aboanzeige Artikel

Kommentare 8

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community