GeniusIsBornNotPaid

Studium der Religionswissenschaften und Germanistik an der Goethe Universität Frankfurt; Ehrenamtlich aktiv im interreligiösen Dialog.
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RE: Eure Anwesenheit allein reicht aus! | 30.03.2013 | 23:44

Wie bereits geschildert, gibt es auch für Männer Kleidervorschriften, um die inneren Einstellung nach außen zu tragen. Das Kopftuch ist nur ein Teil einer umfassenden Philosophie, nach der Demut und Bescheidenheit als wichtige Merkmale eines Gläubigen verstanden werden. Zum Thema Homosexualität: In allen monotheitischen Religionen werden Sie hierbei auf Kritik stoßen, das hat schon mal mit der Ahmadiyya Muslim Jamaat allein nichts zu tun.

Zu Ihrem genannten Kritikpunkt bezüglich des Gründers unserer Gemeinde kann ich Ihnen nur sagen: Ganz sicher weiß ich welche Vorurteile, Gerüchte und Verschwörungstheorien über den Gründer unserer Gemeinde und die Gemeinde selbst im Umlauf sind. Das ist bei mir im Studiengang sogar mein täglich Brot gewesen.... Unzählige Male wurde von zig Wissenschaftlern die Unwissenschaftlichkeit und Undifferenziertheit solcher Aussagen bestätigt. Unter anderem von Prof. Dr. phil. Dr. rer. nat. Ina Wunn:"Trotz der offensiv geführten Polemik gegen ein aggressiv missionierendes Christentum in Indien des 19. Jh. und erster nationalistischer neohinduistischer Strömungen lehnte Hazrat Mirza Ghulam Ahmad den religiös motivierten Krieg als unislamisch ab und verfolgte wie seine Nachfolger einen streng pazifistischen Kurs, dies im ausdrücklichen Gegensatz zu zeitgleichen religiös motivierten Widerstandsbewegungen gegen die britische Kolonialherrschaft. Sein Mahditum sah er als Auftrag zum Führen eines rein intellektuellen Jihad nach dem Hadith 'Die Tinte des Gelehrten ist wertvoller als das Blut eines Märtyrers'.“

Weitere aussagekräftige wissenschaftliche Meinungen über unsere Gemeinde finden Sie hier:http://www.ahmadiyya.de/ahmadiyya/religionswissenschaftler-politiker-ueber-die-ahmadiyya-muslim-jamaat/

RE: Eure Anwesenheit allein reicht aus! | 30.03.2013 | 22:25

Im Bildungssektor ist es übrigens weniger interessant, ob ich Kopftuch trage oder nicht...Möglicherweise liegt es auch am Studiengang und an der Tatsache, dass mittlerweile jeder Zweite studiert ;)

RE: Eure Anwesenheit allein reicht aus! | 30.03.2013 | 22:21

;D das hat mich selbst auch gewundert und ich dachte es liege daran, dass mein artikel diesmal nicht unter den vom Freitag Magazin empfohlenen ist...;) Mein zweiter Gedanke war, dass 1. entweder die Luft raus ist oder 2. das Thema zu theologisch aufgezogen ist....Aber wenn ich ehrlich bin, war ich auch ein wenig erfreut darüber nicht andauernd auf zig Kommentare reagieren zu müssen ;)

Ich denke dass Kopftuch ist vor allem dann eine Möglichkeit ein positives Bild der Religion zu vermitteln, wenn es an Orten/Plätzen präsent ist, die positiv wahrgenommen werden. Es ist einige Monate her, da war ich mit einigen kopftuchtragenden Freundinnen in der Alten Oper in Frankfurt (Skyline Symphony Beethoven). Wir wurden sehr erstaunt angeschaut, aber freundlich. Ähnlich wie in Brüssel, hat unsere Anwesenheit dazu beigetragen, dass Vorurteile abgebaut werden konnten...

RE: Eure Anwesenheit allein reicht aus! | 25.03.2013 | 22:04

Übrigens: Muslimische Männer tragen zwar kein Kopftuch, aber sollen (nach der Glaubenspraxis des Religionsbegründers) einen Bart und eine Mütze tragen. Aber dennoch hat das Kopftuch sicher eine stärkere Wirkung...

RE: Eure Anwesenheit allein reicht aus! | 25.03.2013 | 21:41

Das stimmt; das Kopftuch muss nicht als ein religiöses Symbol gesehen werden bzw. ist der individuelle Deutungspielraum ziemlich groß. Neuere Forschungsbeiträge zum Thema haben jedoch ergeben, dass die religiöse Komponente die wichtigste Rolle spielt: Laut der Studie Muslimisches Leben in Deutschland[1], die im Auftrag der deutschen Islamkonferenz 2008[2] erschienen ist, tragen 92,3 % das Kopftuch aus religiöser Pflicht; 43,3 % geben an, dass es ihnen Sicherheit vermittele; 36 % wollen in der Öffentlichkeit als Muslimin erkannt werden, 21 % tragen es aus Tradition, 15,6 % nennen sonstige Gründe und 15 % den Schutz vor der Belästigung von Männern. Weitere 7,3 % tragen es aus modischen Gründen, 6,7 % wegen der Erwartungen des Partners, 5,8% wegen der Erwartungen der Familie und 5,8% aufgrund von Erwartungen an die Umwelt.

Der persönliche Austausch über Religionen, wie Sie geschrieben haben, ist natürlich das beste Mittel für ein friedliches Miteinander. Das Kopftuch kann aber eben da Anlass sein sich auszutauschen. Das habe ich auch so wahrgenommen; obgleich sich nicht alle gleichermaßen trauen das Thema offen anzusprechen.

Ich erlebe das übrigens vor allem bei der Religion des Judentums, dass die mangelnde Sichtbarkeit der Religion in der Öffentlichkeit zu einer Verfremdung derselben geführt hat. Diese Wahrnehmung von mir wurde auch von einigen jüdischen Bekannten bestätigt: Der Islam ist durch die Sichtbarkeit religiöser Symbole (Kopftuch etc.) präsent, das Judentum bleibt eher im Verborgenen.

[1] In der Studie wurden etwa 6000 Personen aus 49 muslimisch geprägten Herkunftsländern befragt. Sie gibt einen umfassenden Überblick über das muslimische Leben in Deutschland und gilt als repräsentative Datenbasis. Vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Muslimisches Leben in Deutschland 2009, S. 11 >http://www.bmi.bund.de/cae/servlet/contentblob/566008/publicationFile/31710/vollversion_studie_muslim_leben_deutschland_.pdf< Stand (18.02.2013).


RE: Wir reden mit den falschen! | 08.03.2013 | 23:35

das stimmt, so eine ausarbeitung sollte es mal geben...meine ehemalige dozentin, einige komilitoninnen und ich hatten auch mal ähnliches im rahmen einer ausstellung zum thema verschleierung geplant, aber da wir vorerst keine finanzielle unterstützung erfuhren, musste das projekt abgeblasen werden...es gibt da aber einiges an unbekannter kulturgeschichte, ganz neu erschienen ist z.B. dieses Buch: http://www.fink.de/typo3temp/pics/d93b91e4f8.pngBettina Dennerlein, Elke Frietsch, Therese Steffen (Hrsg.) Verschleierter Orient - Entschleierter Okzident? (Un-)Sichtbarkeit in Politik, Recht, Kunst und Kultur seit dem 19. Jahrhundert..

aber eben erst seit dem 19.Jhd. eine these u.a. ist die, dass der schleier seit der französischen revolution als symbol für lüge herhält (man beachte das bild von Eugene Delacroix - "Die Freiheit führt das Volk", die frau mit nacktem oberkörper symbolisiere die wahrheit) in der moderne gab es zwar auch tendenzen in die richtung, aber ansonsten war der schleier umgekehrt ein symbol für frömmigkeit und "wahrheit"

auf alle fälle interessant, auch was Sie zB von der afghanischen burka berichtet haben...

RE: Wir reden mit den falschen! | 08.03.2013 | 21:22

wen es interessiert: http://blessedbird.blogspot.de/

RE: Wir reden mit den falschen! | 07.03.2013 | 23:22

das er dies offen zugibt ist nicht verwerflich, aber er verhamlost es indem er es als "natürlich" und "menschlich" bezeichnet. es mag natürlich und menschlich sein, aber nur weil etwas menschlich ist heißt es nicht, das es auch gut ist... bsp. gewalttätiges handeln bei persönlicher unzufriedenheit kann auch natürlich und menschlich sein, aber der mensch muss sich dennoch kontrollieren um schaden zu vermeiden...das meinte ich übrigens ua. immer mit "sich weiterentwickeln", das der mensch ein höheres ziel hat als die profane erfüllung niederer begierden

RE: Wir reden mit den falschen! | 07.03.2013 | 21:06

danke! hab heute morgen wieder etwas ziemlich unverschämt dreistes gelesen, über das sich wahrscheinlich kaum jemand aufregt; Bon Jovi im Interview http://www.fr-online.de/leute/bon-jovi--tot-zu-sein--war-ziemlich-cool-,9548600,22024220.html, heute in der Frankfurter Rundschau:

Worauf achten Sie denn, wenn Sie anderen Menschen zum ersten Mal begegnen?

Sie meinen auf sexuelle Art?

Nicht unbedingt. Oder kommt da jetzt doch der Rockstar in Ihnen durch?

Ach, jeder Blick von einem Mann ist doch sexuell geprägt. Ich denke, das ist instinktiv so. Und er ist immer beurteilend. Man ist zu kurz, zu lang, zu fett, zu dünn, sieht zu alt aus oder einfach nur großartig. Die Voreingenommenheit ist Teil unserer Kultur geworden. Das ist doch menschlich.

Der Lebensstil von Rocksstars ist dabei ein Ideal das von vielen Menschen angestrebt wird...