London, Aloys Waibl

KEHRSEITE Während der Überfahrt hatte ich mir aufgrund des Genusses von verdorbenem Fisch eine leichte Vergiftung zugezogen, die ich ohne jede Hilfe des ...

Während der Überfahrt hatte ich mir aufgrund des Genusses von verdorbenem Fisch eine leichte Vergiftung zugezogen, die ich ohne jede Hilfe des englischen Gesundheitswesens, lediglich mit dem Schild "Don't disturb" an der Zimmertür, zwei Tage lang über der urbritischen Erfindung, dem WC, hängend, auskuriert hatte, um endlich nach einer Tasse Tee am dritten Tag das Hotel zu verlassen und in Regent Street/Ecke Pall Mall auf Aloys Waibl aus Passau zu stoßen, der mir vor allem deshalb auffiel, weil er bis auf einen weißen Seidenschal von extremer Unauffälligkeit war. Wie sich herausstellte, war er freier Mitarbeiter der Hochadelspresse und bot seine Dienste als Stuntman an, der in unterschiedlichstem Outfit die Rolle der Verführer, ständigen oder im wahrsten Sinne des Wortes vorübergehenden Begleiter von Prinzessinnen, Fürstinnen und dergleichen spielte und sich in London an einem umfangreichen Terminplan entlang arbeitete, bevor er nach Monaco flog. Auf dem Portobello kaufte er zu meiner Überraschung eine vergilbte Perlenkette, die er um meinen Hals legte. Später schickte er mir ein ausgerissenes Photo, auf dem ich als die alte Prinzessin Margret von hinten rechts zu sehen war, und Waibl als meine Jugendliebe aus preußischem Seitenstrang von vorne links.

Dies war das erste und letzte Mal, dass mein Photo in der Presse war.

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