Hans Springstein
09.11.2016 | 10:11 51

So kann es gehen

US-Wahl 2016 Donald Trump wird nächster US-Präsident

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Hans Springstein

"Clinton gesteht Niederlage ein"

So kann es gehen. Nach dem Theater des Wahlkampfes, u.a. mit einem Darsteller, den die Elite anscheinend nicht auf dem Plan hatte, nun das Schauspiel der verlierenden Elite samt ihrer Politikdarsteller und der heulenden Transatlantiker auch hierzulande. Ganz ehrlich: Ich gönne es ihnen.

Was bleibt sind meine Sorgen ob dessen, was nun folgt. Egal, wie der neue US-Präsident heißt.

Im Deutschlandradio Kultur durfte ich heute unter anderem von dem russischen Einfluss auf die US-Wahl hören, geäußert u.a. von der Chefredakteurin des transatlantischen Zentralorgans Internationale Politik, Dr. Sylke Tempel. Darauf hatte ich gewartet: Die Russen sind schuld. Ich wusste es doch.

Der ehemalige technische Direktor der NSA William Binney und der ehemalige hochrangige CIA-Analytiker Ray McGovern schüttelten angesichts solcher Meinungen am Montag in Berlin quasi gemeinsam den Kopf. McGovern verwies darauf, dass Trump zu seinen Markenzeichen seine eigene Unberechenbarkeit zähle. Der ehemalige Geheimdienstmann fragte, ob ernsthaft jemand glaube, dass der russische Präsident Wladimir Putin jemanden unterstütze, der von sich behauptet, unberechenbar zu sein. Das scheinen aber viele zu tun, wenn ich jetzt all die Kommentare zum möglichen weiteren Verhältnis zwischen den USA und Russland unter Trump höre und lese.

Was bleibt, ist eine Niederlage des US-Establishments und auch des scheidenden Präsidenten Barack Obama. Was wäre zum Beispiel gewesen, wenn er die Kandidatur von Bernie Sanders unterstützt hätte? Aber ich hielt Obama von Anfang an für überschätzt und seine charismatische Art und Wirkung auf viele für gefährliches Blendwerk, das täuscht. Das Wahlergebnis ist auch ein Ergebnis von acht Jahren Präsidentschaft Obamas. Es bleibt in Folge dessen ein Sieger, den auch ich mir nicht wünschte, egal, wie irrelevant das ist. Und wir werden sehen, was nun folgt. Für die Menschen in den USA hoffe ich, dass nicht zu viele Hoffnungen betrogen werden und manches nicht so schlimm wird, wie es sich u.a. ankündigte.

Am Ende bleibt auch die Erkenntnis, dass eben auch das zu einer Demokratie gehört. Nicht vergessen werde ich, was ich am 8. Novmber von Claus Kleber im heute journal des ZDF hörte, der vor der Kulisse des Weißen Hauses live sagte: "Zum ersten Mal seit Menschen Gedenken hängen Zweifel über dieser Stadt, ob friedlicher Machtwechsel garantiert ist." Als ich es hörte fragte ich mich, warum er das sagt, und ob er das bei vollem Bewußtsein tat. Es bleibt abzuwarten, ob er das nur so dahin sagte oder ob er etwas andeutete, was hinter den Kulissen läuft. Meine ehrliche Freude über die Niederlage von Hillary Clinton macht meine Sorgen über das, was nun folgt und folgen könnte, nicht kleiner.

Buchtipps zum Thema:

• "Die USA am Ende der Präsidentschaft Barack Obamas - Eine erste Bilanz"
Herausgeber: Gellner Winand, Horst Patrick

• "TRUMPLAND - Donald Trump und die USA"
Von Walter Niederberger
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"Die USA am Ende der Präsidentschaft Barack Obamas - Eine erste Bilanz"
Herausgeber: Gellner Winand, Horst Patrick

"Das Buch zieht eine erste Bilanz der Präsidentschaft Barack Obamas. Es dokumentiert die Ergebnisse der Wahlen zum Kongress und in den Einzelstaaten, die an Bedeutung zunehmen. Analysiert werden die Einflüsse der Tea Party, der Wahlkampffinanzierung und der Super PACs auf den politischen Wettbewerb, der polarisiert ist wie selten zuvor in der amerikanischen Geschichte. Welche Spuren diese neuen politischen Entwicklungen im Kongress und in den Strategien der Kongressmitglieder hinterlassen, wird ebenso untersucht, wie die Folgen für das politische Erbe Obamas. Die Gründe, warum der erste afro-amerikanische Präsident der Vereinigten Staaten die hohen Erwartungen an seine „transformative Präsidentschaft“ nur begrenzt erfüllen konnte, werden anhand der wichtigsten Handlungsfelder des Präsidenten erörtert: Obama als „executive leader“, als „legislative leader“ und in seinem Verhältnis zur Judikative. Auf die Gesundheitsreform als dem zentralen innenpolitischen Vermächtnis des Präsidenten legt das Buch ein besonderes Augenmerk – wie auch auf die Außenpolitik, die das Bild Obamas in der Welt bestimmen wird." (Verlagsinformation)
"Die USA am Ende der Präsidentschaft Barack Obamas - Eine erste Bilanz"

Herausgeber: Gellner Winand, Horst Patrick
Springer Verlag, 2016
Softcover, 404 Seiten
44,99 €
ISBN 978-3-658-11063-5
Auch als e-Book erhältlich
Link zur Verlagsinformation

"TRUMPLAND - Donald Trump und die USA"
Von Walter Niederberger

"Der schier unaufhaltsame Aufstieg des Donald Trump, seine triumphalen Erfolge in den Vorwahlen markieren schon jetzt den wichtigsten innenpolitischen Wandel in den USA der letzten fünfzig Jahre. Noch nie hat die Führung einer Partei so massiv, so offen und so wirkungslos versucht, ihren eigenen Spitzenkandidaten zu demontieren. Und noch nie wurde eine Partei von einem ihrer Kandidaten so vor sich hergetrieben wie die der Republikaner von dem Alleszermalmer Trump." (Verlagsinformation)
"TRUMPLAND - Donald Trump und die USA"

Von Walter Niederberger
Orell Füssli Verlag, 2016
Broschur, 224 Seiten
17,95 €
ISBN 978-3-280-05638-7
Link zur Verlagsinformation

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (51)

Achtermann 09.11.2016 | 10:41

Hätten die Demokraten Sanders als Kandidaten aufgestellt, hätte es eine wirkliche Alternative gegeben. Aber auch er hat schließlich eingelenkt und Clinton seine Unterstützung zugesagt.

Die Rolle der Meinungsumfrageinstitute wird sicher noch zu diskutieren sein. Sie lagen alle falsch, und zwar so falsch, dass es nicht mit den üblichen Ungenauigkeiten, die solchen Umfragen inne wohnen, zu erklären ist. Ob diese Umfragen Interessen folgten, wäre etwa eine Frage, der man nachgehen müsste.

Selbst vorgeführt hat sich auch ein Blogger, der sich u...s nennt und gerne dazu neigt, andere zu maßregeln oder deren angeblich nicht vorhandene Intelligenz beklagt. Er weissagte mit seiner ihm eigenen Impertinenz stets den Clinton-Sieg. Hier ein paar wenige Zitate:

Am Mittwoch-Morgen platzt hier so manchem der Arsch, und das ist auch gut so. Wenn neben dem Senat auch noch der Kongress in demokratische Hände fällt, ist der Erdrutsch-Sieg geschafft.

Wie es aussieht, braucht Clinton nur einen einzigen Swingstate, um die Wahl zu gewinnen und das dürfte doch spielend gelingen.

Sanders wird im zurück gewonnenen Senat einen wichtigen Posten bekleiden, da braucht man nicht viel zu schnallen.

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Ehemaliger Nutzer 09.11.2016 | 10:51

"Es bleibt abzuwarten, ob er das nur so dahin sagte oder ob er etwas andeutete, was hinter den Kulissen läuft."

Ich hatte heute früh schon einen Blog zum Wahlausgang eingestellt, vielleicht mögen Sie ihn einmal lesen. Bitte beachten Sie die Verlinkungen auf konjunktion.info, hier findet man ähnliche Zweifel, noch konkreter als Sie es darstellen.

Sikkimoto 09.11.2016 | 11:36

hehe, Ursus weint gerade in sein Kissen.

Die Parallelen zu Brexit-Wahl drängen sich auf. Es gibt ein politisches Spektrum, welches die Wahlumfrager ganz offensichtlich nicht messen können. Wobei ja diesmals die Wahlbeteiligung sogar hoch gewesen sein soll. Das heißt die Fehlmessung lag nicht daran, dass sich zu viele Clinton-Anhänger im letzten Moment entschieden hätten, zu Hause zu bleiben. Sondern Millionen Trump-Anhänger waren einfach nicht auf dem Schirm.

An Manipulation glaube ich nicht. Das wäre, so wie die Umfragen lagen, sinnlos. Wollte man Trumpwähler demobilisieren hätte der Vorsprung Clintons weit größer prognostiziert werden müssen. Oder aber man hätte Trump als realistische Gefahr inszenieren müssen, um die Bernie-or-Bust Bewegung ins Wanken zu bringen. So wie die Prognosen lagen, nämlich Clinton immer nur eine Nasenlänge vorraus, war es eigentlich ideal für Trump.

Hans Springstein 09.11.2016 | 13:34

Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe mir den Beitrag von Michael Lehner vom 3.11.16 durchgelesen. Seine Argumentation klingt plausibel und ist auf jeden Fall bedenkenswert: Trump nicht als Kandidat der tatsächlich Herrschenden, aber als jener Kandidat, der ihnen am Ende mehr nutzt als Clinton, auch in seinem möglichen Scheitern.

Wie das weitergeht, wird zu beobachten sein. In der WDR-Doku "Die US-Präsidenten und der Krieg" vom 2.11.6 wurde u.a. an einen Putschversuch gegen den US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt im Jahr 1934 erinnert. der scheiterte nur, weil der dafür als Diktator auserkorene Ex-General Smedley Butler selber kurz vorher ausstieg und die Pläne öffentlich machte. Das wiederum erinnerte mich daran, worauf der US-Publizist William Pfaff 2009 in einem Beitrag in der Ausgabe 12/2009 der Blätter für deutsche und internationale Politik aufmerksam machte: auf die "Armee mit Ambitionen", die US-Armee. Am Ende seines interessanten und auch erschreckenden Beitrages stellte er fest: "... Zudem hat die neue Armee der Vereinigten Staaten auch politische Ambitionen. Mit Hunderten von Militärstützpunkten in aller Welt und Regionalbefehlshabern, die wie imperiale Prokonsuln auftreten, verfügt sie heute über enormen Einfluss auf die internationalen Beziehungen der USA. Sowohl General McChrystal als auch sein Vorgesetzter, General David H. Petraeus, sind bereits als künftige Präsidentschaftskandidaten genannt worden. Der letzte General, der US-Präsident wurde, hieß Dwight D. Eisenhower. Und kein anderer als Eisenhower war es, der die Amerikaner vor „dem militärisch-industriellen Komplex“ gewarnt hat."

Was Pfaff da bereits vor Jahren beschrieb, sollte weiter beobachtet werden. Pfaff selbst starb leider, bereits 86jährig, 2014. Er kann die Entwicklung nicht weiter verfolgen und beschreiben. Das Harper's Magazine veröffentlichte im August-Heft von 2014 noch seinen Beitrag "Armed and Dangerous" über den unaufhaltsamen Aufstieg des US-Militarismus.

Ex-NSA-Mitarbeiter William Binney machte ebenso wie Ex-CIA-Analytiker Ray McGovern am Montag in Berlin auf die entscheidende Rolle des Komplexes aus Militär, Industrie und Nachrichten in den USA aufmerksam. Auf meine Frage, was er von der These von Peter Dale Scott vom "amerikanischen tiefen Staat" halte, nickte er zustimmend und meinte sinngemäß, dass das richtig sei.

Uns bleibt weiter, zu beobachten, wie es weitergeht.

calamity.jane 09.11.2016 | 15:40

Nun ist also ein übler Kerl (für manchen als geringeres Übel) als neuer Imperator gekürt worden.

Schön wird es die arschkriecherische Wendigkeit, derer die ihn bisher abqualifzierten, beobachten zu können.

Die Transatlantiker werden nun vollkommen neue Wortstämme, im Dunst des Gekürten, entdecken...........

Fatal für ihre, eh desolate, Glaubwürdigkeit.

Das sich im Land der Freien nun die Knäste öffnen, eine Terrordrohne weniger startet, ist nicht zu befürchten - alleWeichen sind in den altbewährten, schmutzigen Fingern.

Achtermann 09.11.2016 | 17:37

Es gibt ein politisches Spektrum, welches die Wahlumfrager ganz offensichtlich nicht messen können.

Die Vorhersagen beruhen auch in den USA nach wie vor auf Telefonumfragen. Nun, so habe ich gelesen, würde das immer schwieriger, weil immer weniger Festnetzanschlüsse vorhanden seien. Eine soziale Einordnung bei der Auswahl einer Repräsentanz würde somit immer ungenauer. Auch würden zunehmend mehr Menschen sich nicht outen wollen, insbesondere dann, wenn sie mit Sympathien für "Schmuddelpolitiker" kundtun sollen. Man hält sich bedeckt. Ich denke, das ist auch auf andere Länder übertragbar. Die Demoskopen müssten sich neue Instrumente einfallen lassen.

calamity.jane 09.11.2016 | 17:52

Die "Pest" hat knapp gewonnen, meint Jens Berger:

Und die hat naturgemäss ihre eigentümliche Vorstellung von "Gerechtigkeit"...

"Trump ist keine These. Er ist eine Antithese; die Reaktion auf eine politische Entwicklung, die von einem großen Teil der Bevölkerung als Fehlentwicklung angesehen wird. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer und die Mittelschicht rutscht Stück für Stück nach unten ab? Produktive Jobs wandern mehr und mehr in Niedriglohnländer ab? Die Macht der Banken und großen Konzerne nimmt von Tag zu Tag zu? Die Politik schert sich nur noch um das eine Prozent ganz oben und hat die restlichen 99 Prozent aus dem Blick verloren? All dies sind Fragen, die man bei kritischer Analyse bejahen muss. All dies sind jedoch auch Fragen, auf die die traditionelle Politik keine Antworten liefert. Mehr noch: All dies sind Probleme, die von der traditionellen Politik direkt und indirekt verursacht wurden. Wen aber wählen, wenn die traditionelle Politik nicht die Antwort, sondern das Problem darstellt?

Sind diese Einschätzungen der Trump-Wähler wirklich so falsch? Ich meine nein. Dies- und jenseits des Atlantiks hat sich die Politik von den Interessen der Mehrheit verabschiedet. Dies- und jenseits des Atlantiks war die Schlagzahl, mit der eine kleine, liberale „Elite“ die Gesellschaft modernisiert hat, zu hoch und die Zahl derer, die dabei nicht mitkamen, zu groß. Man hat das Land an der Mehrheit der Bürger vorbeiregiert. Nun schlägt das Pendel zurück."

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Ehemaliger Nutzer 09.11.2016 | 18:18

Warum noch mit denen reden, sich befragen lassen?

Zumindest nicht überfallartig ... Hatte im Sommer 2014 vor dem Brandenburger Tor mal Gelegenheit zum Reinschauen. Man bekam einen Code, mit dem im Internet der Fragebogen für eine einmalige Teilnahme erreichbar war.

Mir hatten es dabei die äußerst suggestiven, teilweise den Intellekt beleidigenden Fragen angetan, die dann in der später veröffentlichten Zusammenfassung kein separates Thema waren, die Autoren in ihrer abschließenden Deutung lediglich eine "doppelte Ambivalenz" erkennen wollten.

Hilflosigkeit - und das ist wohl auch gut so ...

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seriousguy47 09.11.2016 | 21:45

"At 5 a.m. on the West Coast, the Associated Press showed Clinton with 59.16 million votes nationally, compared to Trump's 59 million votes.

.....

There are still a handful of states where precincts haven't reported so the popular vote could change, but it isn't expected to be enough to change the electoral vote, or the election's outcome"

http://www.latimes.com/nation/politics/trailguide/la-na-election-aftermath-updates-trail-looks-like-clinton-will-win-the-popular-1478698530-htmlstory.html

Ja, Mehrheit ist halt nicht zwangsläufig Mehrheit. Oder so. Möglicherweise. Wenn ganz ausgezählt ist. Oder so....

Der Kommentar wurde versteckt
Hans Springstein 09.11.2016 | 23:59

Ein bisschen Nachhilfeunterricht von der Bundeszentrale für politische Bildung zum US-Wahlsystem:

"...

Trotz Stimmenmehrheit nicht Präsident

Die Wahl des Präsidenten erfolgt indirekt. Aus jedem Staat werden Wahlmänner entsandt, die nach erfolgter Abstimmung mit einem bindenden Votum in Washington offiziell den Präsidenten wählen. Das Mehrheitswahlrecht ist bei den Präsidentschaftswahlen insofern erkennbar, da die Stimmen der Bevölkerung jedes Bundesstaates zunächst einzeln ausgezählt und die Wahlmänner anschließend beauftragt werden, die Kandidatin oder den Kandidaten, auf die oder den die meisten Stimmen entfallen sind, in der Wahlmännerversammlung zu wählen. Die Stimmen der restlichen Kandidaten spielen keine Rolle. Bei knappen Wahlausgängen in bevölkerungsreichen Staaten kann dies dazu führen, dass eine Kandidatin oder ein Kandidat zwar bundesweit die meisten Stimmen errungen hat, aber trotzdem nicht zum Präsidenten gewählt wird. ..."

So ist das im Musterland der Demokratie ... Die Regeln gelten eben für alle. Bis sie irgendwer mal ändert ...

mymind 10.11.2016 | 00:17

Meine ehrliche Freude über die Niederlage von Hillary Clinton macht meine Sorgen über das, was nun folgt und folgen könnte, nicht kleiner.

Genau, kein Grund zum Schampussaufen _ so oder so. Wir wissen nicht ob & wer hinter Trump steckt, ob jene vernünftige, außenpolitische Positionen Ernst gemeint sind _ wenn ja, ob genügend Rückhalt in der eigenen Partei zu finden sein wird. Das gilt auch für seine Ankündigung von diversen Infrastrukturprogrammen, die schon lange fällig sind. In Kürze werden wir erfahren, wer welchen Posten erhält, dann wird die Richtung einschätzbarer.

Nicht übertriebene aber doch ein wenig Hoffnung habe ich, dass in USA eine politische Bewegung erstarkt, die weder Trump noch Clinton als Hoffnungsträger betrachtet. Das meint auch Slavoj Žižek in seinen Statements, nur wollen ihn manche falsch verstehen, ob mit Absicht oder aus mangelnder Reflektion möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Das meinen auch viele US-Bürger, die weder Clinton noch Trump wählten. Jene, wie z.B. Susan Sarandon, die das im Vorfeld ankündigten & nachvollziehbar begründeten wurden sehr harsch angegangen für diese ´verlorene Stimme´ zugunsten von Trump. Was ist das für ein Zeitgeist, der meint, eigene Überzeugungen in ein Korsett schnüren zu müssen, um einen Rassisten zugunsten einer Kriegstreiberin zu verhindern, die nicht minder rassistisch tickt, wenn es um den ´Rest der Welt´ geht?

In den vergangenen Wochen| Monaten habe ich diverse Interviews mit Jill Stein gehört, die ich insgesamt sehr gut fand. Sie erhielt zwar leider nur 1% der Stimmen, was ggf. viel auch mit dem Hype einer Wahl zwischen Pest & Cholera zu tun haben könnte, sicherlich auch daran, dass US-Bürger mit Steins Einstellungen, die in weiten Teilen linke Positionen markieren, noch mehr fremdeln als Europäer. Die Beschwörung der Roten Gefahr konnte dort auch Dank Medien, Filmindustrie, Bildungsbeeinflussung usw. sehr viel weitreichendere Früchte tragen als in Europa. Immer mehr Menschen erkennen inzwischen zwar, dass es sich um Fallobst handelt, nur misstrauen sie Linken aus o.g. Gründen dermaßen, dass rechte Politiker viel mehr Chancen auf Glaubwürdigkeit besitzen, bei denen sie das Gefühl haben, dass ihre Sorgen, Ängste & Nöte erkannt werden.

Die Wahl von Trump kann auch eine Chance in Europa sein, dass eine sozial, sozialistisch-politische Bewegung wächst, die ein ´Weiter So´ nicht mehr hinnimmt. Die Linken sollten sich weniger dem politischen Establishment anbiedern, sondern endlich ein weitgreifendes Konzept | Manifest des weltweiten Mit- statt Gegeneinander ausarbeiten, die Reibung in diesen Gesellschaften auffangen, den Menschen verständlich vermitteln, dass die Rechten à la AfD, FN, HDZ usw. keine Lösungen für die Probleme | Schwierigkeiten bieten, mit denen wir aufgrund der abgefuckten elitären Politik seit mdst. 30 Jahre konfrontiert werden, andere noch viel länger.

So meine heutigen Gedanken. Wir müssen uns im Grunde mehr politisch engagieren, den Frust & die Lähmung überwinden, wenn nicht jetzt, wann dann?... das ist das Fazit…

mymind 10.11.2016 | 00:56

So ist das im Musterland der Demokratie ... Die Regeln gelten eben für alle. Bis sie irgendwer mal ändert ...

Die Kritik am Wahlsystem ´One Man one Vote´ war ja immer wieder Thema, gerade wenn ein Kandidat Präsident wurde, der in einer Direktwahl keine Mehrheit erhalten hätte. Darüber hinaus ist das amerikanische Wahlsystem als auch die 2-Parteien-Demokratie schon lange nicht mehr zeitgemäß. Es war mir schon immer schleierhaft, aus welchen Gründen dieses System stets als vorbildlich angepriesen wurde & von den üblichen Verdächtigen immer noch wird. Es ist im Grunde absolut unfair, wenn in einer bevölkerungsreichen Demokratie mit einer multiethnischen Zusammenstellung im Endeffekt nur zwei Parteien dominieren, deren Repräsentanten überproportional Weiße sind. In diesem Wahljahr wurde dieses System erneut in Frage gestellt, auch die Forderung nach mehr Parteien im Kongress.

seriousguy47 10.11.2016 | 01:06

Noch ist nicht vollständig ausgezähhlt.

Aber wenn Clinton tatsächlich am Ende - wie dereinst Al Gore - die Mehrheit der Stimmen hinter sich haben sollte, der Gegenkandidat aber die Mehrheit der Wahlmänner, dann kann man in der Diskussion durchaus zwei Arten von Mehrheiten unterscheiden, um die Verzerrungen des Systems nicht auch noch im eigenen Denken widerzuspiegeln.

Die nach den Regeln des Wahlrechts ermittelte Mehrheit führt regelgerecht ins Weiße Haus.

Die tatsächliche Mehrheit der Stimmen zeigt, wen die Wähler dort eigentlich haben möchten.

cyclist01 10.11.2016 | 10:07

Zitat 'sich als gestandener Altlinker, als antiimperialer (Querfrontler) über den Sieg einer Figur wie Trump freuen zu können; ja müssen.'

Ging mir im ersten Augenblick auch so, da damit der 'grosse Krieg' augenscheinlich erst mal aufgeschoben scheint.

Aber dann weiter reflektiert und in Nutzung eines Kommentars von @erfstadtboy unter dem Beitrag von LutzHerden sollte man auch folgendes bedenken:

@ertfstadtboy: 'dazu kommt, das auch die deutschen/französischen/brititschen/russischen/chinesischen/usw regierungen keine "friedensengel" sind, sondern allesamt imperialistisch denken und agieren, mit unterschiedlichen intensitäten.'

Das bringt die Sache schon ganz gut auf den Punkt. Sollte 'the Donald' auch nur einen Teil seiner Pläne umsetzen, kann es mit der durch die diversen Machteliten-Think-Tanks gepushten Strategie des 'Project for the New American Century' (PNAC) und damit mit 'Exceptionalism' sowie 'Golbal Dominance' relativ rasch vorbei sein. Ganz trivial verlören damit erstmal Tausende Leute, auch bei den diversen innerhalb dieser Strategie involvierten NGO's, ihren (manchmal schmutzigen) Job.

Aber: damit einhergehend öffnet sich an der Spitze der imperialistischen Nahrungskette eine Lücke, in welche die üblichen Verdächtigen vorstossen dürften und ich denke dabei nicht an Russland, oder China, sondern an die Beiden richtig schlimmen Schurken, die seit 1945 an der kurzen Leine des US-Imperiums gebändigten Imperialisten, 1) von der Insel - und 2) 'unsere'. EIn Aufstieg dieser - ganz besonders finsteren - Kräfte war der Welt bereits zweimal nicht bekommen, aber sowohl auf der Insel, als auch hierzulande gewinnen diese Kräfte gewaltig an Auftrieb.

Insofern fürchte ich, werden wir uns noch wehmütig an den amerikanischen Imperialismus zurückerinnern, kam der doch, hierzulande wenigstens (!!), mit einem etwas 'menschlicherem Anstrich' vorbei, also in Blue-Jeans und Rockmusik und ein paar individuellen Freiheiten.

Und im Übrigen glaube ich, das unsere gerade in HH ansässigen 'transatlantischen' Eliten das ähnlich sehen, die haben im Fahrwasser des US-Imperiums ganz prima Geschäfte gemacht - deswegen das grosse Jammern gerade von dort eben jetzt, sehen aber die Gefahr des Aufstiegs imperialer Gelüste in Deutschland und GB.

Und ganz klar (!!) - eine lächerliche Partei, wie die AfD hierzulande wäre DENEN nur ein missbrauchter Steigbügelhalter lediglich.

Hans Springstein 10.11.2016 | 10:30

Danke für die ausführlichen Gedanken.

... dass in USA eine politische Bewegung erstarkt, die weder Trump noch Clinton als Hoffnungsträger betrachtet.

Das ist, was bisher fehlte und sich entwickeln müsste, nicht nur in Sachen Frieden, wie es Dennis Kucinich einforderte. Das ist auch US-Amerikanern klar, die ich in den letzten Wochen traf und die weder Clinton noch Trump fähig zur Lösung der eigentlichen Probleme halten und hielten. Ray McGovern zum Beispiel sagte am Montag, dass er Jill Stein gewählt habe, weil die eben für tatsächliche Alternativen eintrat, noch weit mehr als Bernie Sanders.

Interessant finde ich, auch wieder auf dieser Plattform zu erleben, wie dieses Entweder-Oder weiter geht, der Drang sich immer wieder Bahn verschafft, das Trennende hervorzuheben, diese Spaltung, sobald nur jemand sich dem Schwarz-Weiß-Muster verweigert. Prompt wird ihm das Schwarz-Weiß unterstellt von jenen, die vorgeben, dagegen zu sein, gegen diese Spaltung, die nicht nur in den USA wirkt und immer tiefer zu gehen scheint, und sich dabei aber genau selbst nach diesem Muster verhalten. Es ist ein Trauerspiel, aber sie können aber wahrscheinlich nicht anders und sind deshalb wahrscheinlich einfach nur arm dran.

Hans Springstein 10.11.2016 | 11:01

Mich beschäftigt immer noch die Frage der Wahlbeteiligung, habe aber noch keine genauen Angaben dazu gefunden. Dafür aber eine interessante Berechnung:

"Eine Berechnung zeigt: Nur ein kleiner Teil der amerikanischen Bevölkerung stimmte wirklich für den neuen US-Präsidenten. ...
Gut 146 Millionen registrierte Wähler beziehungsweise 45 Prozent der US-Bevölkerung hatten in diesem Jahr schliesslich noch das Recht, an die Urne zu gehen und für Hillary Clinton oder Donald Trump ihre Stimme einzuwerfen. Ein Teil von ihnen machte von dieser Möglichkeit allerdings keinen Gebrauch – aus sehr unterschiedlichen Gründen. ...
Abzüglich der stimmberechtigten Nichtwähler und denjenigen, die Clinton ihre Stimme gaben, blieben für Trump Stand 14.00 Uhr am Mittwochnachmittag noch gut 59 Millionen Stimmen übrig. Das sind lediglich 18 Prozent der gesamten US-Bevölkerung und knapp 27 Prozent der Wahlberechtigten. ..."
(Tages-Anzeiger online, 9.11.16)

Daraus folgt ebenso, dass auch für Clinton keine Mehrheit der wahlberechtigten US-Bevölkerung gestimmt hat.

Hans Springstein 10.11.2016 | 11:10

Ach, und diese Schweizer ... Ebenfalls in der Online-Ausgabe des Tages-Anzeigers schreibt Chefredaktor Arthur Rutishauser am heutigen 10.11.16 zum Thema unter dem Titel "Einmal tief durchatmen":

"Donald Trump als mächtigster Mann der Welt: Der Schock ist gross. Aber es könnte alles auch viel besser kommen als befürchtet. ...

Hat die Welt, hat Europa oder die Schweiz etwas zu befürchten, wenn der Egomane aus New York die Kontrolle über die Atomwaffen erhält? Nicht unbedingt, es kann auch besser werden. Aussenpolitisch will Trump Abschied nehmen vom Konzept des globalen Weltpolizisten. Ein Konzept, das den USA Milliardenkosten und ein Heer von Kriegsveteranen bescherte. Kriegshelden, die erst noch, entgegen der offiziellen Verehrung, miserabel behandelt werden und zu Hunderttausenden auf der Strasse landen.

Waren denn die aussenpolitischen Interventionen der Amerikaner der letzten 30 Jahre wenigstens ein Erfolg? Nein, Haiti ist heute ein gescheiterter Staat, Afghanistan, Somalia und der Irak ebenso. Syrien und Libyen, wo Obama halbherzig eingegriffen hat, geht es nicht besser. Kosovo und Bosnien sind korrupte Gebilde am Tropf der EU, und in der Ukraine hat das forsche Vorgehen im Verbund mit der EU fast zu einem offenen Krieg geführt.

...

Mit Hillary Clinton wäre es vielleicht noch schlimmer geworden. Sie schlug vor, China mit einem Raketenabwehrschirm einzukreisen, falls das Land nicht genug Druck auf Nordkorea wegen dessen Atomwaffen ausübe. Das ist mindestens so gefährlich wie Trumps Gerede davon, dass man Atomwaffen auch einsetzen könnte. ..."

So lässt sich das auch sehen. Und der Schweizer Tages-Anzeiger ist vieles, aber sicher kein linkes Blatt. Aber eines, wo viel eher mal tief durch geatmet wird, wie mir schon lange scheint, weshalb ich ihn immer wieder gern lese..

Hans Springstein 10.11.2016 | 11:48

Zu Deinen Gedanken fiel mir noch ein, was im gestrigen Newsletters des US-Magazins The Nation, das auch den Kucinich-Warnung vor Clinton veröffentlichte, als Betreff zu lesen war:
"Mourn. Resist. Organize."

Katrina vanden Heuvel, Chefredakteurein des Magazins, schrieb dazu:

"... Today we grieve. Some of us even weep. We know the weeks, months and years ahead will not be easy, but we will get through them together and we will come out stronger together, as we always have.
Today, we rededicate ourselves to our role as journalists of principle and conscience. Today, we recommit to mobilizing against hatred, bigotry, misogyny, and economic pain. And as we have at other times of crisis in our nation, we will move forward in solidarity and in the belief that stronger communities arise in times of crisis. We rededicate ourselves to thinking anew, to putting forth a compelling vision of fundamental change.
We stand for an inclusive and progressive populism—one that addresses inequality and economic insecurity. We stand with women and with Muslim, African-American, and immigrant communities who have been threatened by the blatantly racist, sexist, and bigoted campaign Trump ran.
As Nation writer Ian Haney-López reminded us just a few weeks ago, “Remaking our politics and economy will depend on a broad coalition that must include substantial numbers of racially anxious whites. Ignoring their fears, or worse, pandering to them, further impoverishes all of us. Instead, we must have a unified message for whites as well as people of color. Fearful of one another, we too easily hand over power to moneyed interests, but working together, we can rebuild the American dream.”
The answer to what some have called Trump’s “whitelash” is not to retreat on social liberalism, ever; it is to double down on an economics that speaks to working and poor people.
The immediate response to Trump’s election is one of opposition—we commit to obstructing, delaying, and halting any attacks on people of color, women, or working people that may come from a Trump administration. But we must also understand why millions are angry and anxious, and why they voted for the cruel hoax that is Trumpism.
We knew this was an election about change and a revolt against political elites. Yet it is also a revolt against what elites in both parties have done or accepted—global trade and tax deals of, by, and for the corporations; Wall Street bailouts; big-money politics and crony capitalism; decades of promises not kept. It is a time for great reflection and an even greater reformation—of the Democratic Party, of our politics, of our society. The Nation's work will continue—as it has in good, not-so-good, and bad times—to offer alternative visions and ideas, to deepen our journalistic mission of truth-telling and deep reporting, and to further the work of the political revolution in a nation divided."

Das passt m.E. zu Deiner Hoffnung auf eine entsprechende politische Bewegung in den USA. Aber die ist nicht nur dort notwendig ... Das ist wie mit der Friedensbewegung. Auch hier bleibt uns nur zu beobachten, was sich da entwickelt ...

Hans Springstein 10.11.2016 | 11:56

Gabriele Krone-Schmalz im Interview:

"Ein Präsident Trump schockt sie weniger als Clinton

rau Krone-Schmalz, die meisten Menschen waren von dem Ausgang der Präsidentenwahl in den USA völlig überrascht. Sie auch?

Gabriele Krone-Schmalz: Auch wenn sich das jetzt überheblich anhört: nein. Es passt irgendwie zum Brexit. Da habe ich auch damit gerechnet, dass das rauskommen könnte.

Und warum?

Krone-Schmalz: . . . weil ich denke, dass Stimmungen in der Bevölkerung – um es böse zu sagen – arrogant ignoriert werden. Das war auch heute in der Berichterstattung wieder zu sehen. Alle echauffieren sich darüber, wie man nur „so blöde sein kann“, jemanden wie Trump zu wählen. Wissen Sie, wenn ich „Russland verstehen“ als Motiv habe, ist die Betonung nicht auf Russland, sondern auf verstehen. Und ich denke, es wäre hilfreich, wenn man auch Amerika verstehen und das Augenmerk darauf richten würde, wie es in dem Land aussieht. Vor der Wahl wurde zum Beispiel intensiv darüber berichtet, wie fürchterlich arm weite Teile der Bevölkerung sind. Also: Mal verstehen, was in der Gesellschaft abgeht. Dann kann man dieses Wahlergebnis – ob man das gut findet oder nicht – anders einsortieren und als Basis dafür nutzen, intelligente Antworten zu finden. ...

Aus alledem entnehme ich: Ein Präsident Trump schockiert Sie nicht mehr, als das eine Präsidentin Clinton getan hätte.

Krone-Schmalz: Nein, wirklich nicht. Mich schockiert etwas ganz anderes, und nicht nur mit Blick auf die USA. Ich finde es bedenklich, wenn sich irgendwo Mehrheiten finden, die man nicht erwartet hätte, wie arrogant das auch in unserem Gewerbe kommentiert wird. So nach dem Motto: „Die sind alle blöd.“ Ob das in England ist mit den Brexit-Befürwortern, in Frankreich mit (der Front National-Chefin) Marie Le Pen, oder bei uns mit der AfD – man sollte vielleicht einmal untersuchen, welche Rolle die Medien dabei spielen. ..."

Hans Springstein 10.11.2016 | 13:59

Kennen Sie das:

"... Einer Simpsonfolge aus dem Jahr 2000 nach, wird Donald Trump zum 45. US- Präsidenten gewählt. Sogar der Wahlausgang stand bereits vor 16 Jahren fest, wie man dem unteren Foto entnehmen kann.
Im weiteren handelt die Folge davon, dass Amerika nach Donald Trumps Wahlsieg von den Amerikanern in einem blutigen Bürgerkrieg zerstört wird, worauf Hillary Clinton den Job übernimmt und in das Weiße Haus einzieht! ..."

https://plus.google.com/u/0/103593284250497821759/posts/FTeQ6vh7RDY?sfc=true

Die FAZ hat es auch bemerkt, aber manches davon richtig gestellt.

Hans Springstein 10.11.2016 | 14:08

Aus dem FAZ-Beitrag: "Die Macher der amerikanischen Zeichentrickserie „Die Simpsons“ haben doch eher nur durchschnittliche hellseherische Fähigkeiten bewiesen. In der im Jahr 2000 in den Vereinigten Staaten ausgestrahlten Folge „Barts Blick in die Zukunft“ spricht Barts Schwester Lisa, die in dieser Episode amerikanische Präsidentin ist, in einem Halbsatz von ihrem Vorgänger Donald Trump. Eine Sequenz, in der Trump in der Serie als Präsident auftritt gab es damals nicht. Diese stammt aus der in der 25. Staffel gezeigten Folge „Trumptastic Voyage“ aus dem Jahr 2015. ..."

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Ehemaliger Nutzer 10.11.2016 | 15:46

... "an der Spitze der imperialistischen Nahrungskette" ...

Ich halte es und soweit der gern verwendete Vergleich von Pest vs. Cholera jenseits der jeweiligen Personen seine Berechtigung hat dann gern mit Ernst Wolff.

Er bringt das Gefahrenpotential gut auf den Punkt, beleuchtet die Risiken und Nebenwirkungen hinter der Bühne. Klar, das darf man gern auch als Verschwörungstheorie abtun, wo wir uns doch nun bitteschön auf den bösen, unberechenbaren Trump konzentrieren sollen,

Überlegungen und Spekulationen in der Art wie Wolff sie jenseits einer Personifizierung darbietet für den medialen Mainstream weitgehend tabu sind.

Mein Eindruck.

miauxx 10.11.2016 | 23:30

Werter Herr Springstein,

klar habe ich mit meinem Kommentar an B. Ebert einen harschen Ton angeschlagen. Ich tue das aber nicht einfach so oder als "Stalking", wie es B. Ebert zu identifizieren meint. Aber mir platzt der Kragen, wenn sich Leute, die sich als "Altlinke" bezeichnen, offensiv und als "Altlinke" über einen Wahlsieg wie den eines Trump freuen. Und genauso, wenn das von ebenfalls "Altlinken" oder sich als links Ansehende völlig unwidersprochen bleibt oder gar noch begrüßt wird. (Korrigieren Sie mich, wenn ich etwa Sie hier falsch einschätze). Ebert relativiert regelmäßig in der FC rechte Umtriebe; gelegentlich sprach ich ihn darauf an, weshalb er mich vermutlich des "Stalkings" bezichtigt.

Auch aus einem Widerwillen gegen Clinton - den ich vollumfänglich teile - darf meiner Ansicht nach aus linker Perspektive keine Zustimmung zum rechten Gegenpart resultieren. Oder der "Altlinke" wird halt zum Neu-Rechten. Wenn Sie so etwas nicht (mehr) sehen, dann weiß ich auch nicht mehr. Ich werde dann halt im Zweifelsfall auch mal etwas deutlicher oder gerne auch, mit Eberts Worten, "ungemütlich".

Hans Springstein 11.11.2016 | 09:57

Vielen Dank für die Erläuterung.

Ihre Deutung ist nicht meine. Das bleibt festzuhalten. Nun überall den Faschismus heraufkommen zu sehen, wie es nicht nur beim Besitzer dieser Plattform, Jakob Augstein, zu lesen ist, und jeden "Altlinken" zum Neurechten zu erklären, bis hin zu dem auf dieser Plattform leider üblichen "Querfront"-Gerede, der sich nicht nach irgendwelchen willkürlichen Schemata der Deutung von Weltereignissen fügen will, auch das ist nicht meine Linie oder Position. Ich halte Bernd Ebert samt seiner Äußerungen nicht für einen "Neurechten". Das wird m.E. auch aus seinen Worten zum Thema deutlich, allein aus dem Wort "makaber". Wenn Sie das anders sehen und verstehen, dann ist das Ihre Sache. Sie sollten eben bloß keine Vergleiche ziehen, die nicht nur hinken, sondern quasi stinken, die nich "harsch" sind, sondern eben dummfrech, weil sie damit jemandem etwas unterstellen, was Sie nicht mal im Ansatz beweisen oder untersetzen könnten, sondern was mindestens ehrabschneidend ist. Wie gesagt, soweit das unter meinen Beiträgen geschieht, werde ich dagegen mit den bescheidenen Mitteln eines Autoren immer wieder vorgehen, egal, wer solches von sich gibt und wer damit beleidigt wird.

Wäre ich Mitglied der tatsächlich Herrschenden und Mächtigen, ich würde mich angesichts solcher kleinen und großen Schauspiele, wie sich jene gegenseitig beschimpfen, bekämpfen, verbal aufeinander eindreschen usw., die tatsächlich und vermeintlich kritisch den kleinen und großen Weltprozessen und politischen Verhältnissen gegenüberstehen, zurücklehnen, immer noch mal Pulver in dieses explosive Gemisch reinwerfen und ganz beruhigt zuschauen. Das denke ich immer wieder auch angesichts mancher Auseinandersetzungen auf dieser Plattform, die oftmals nur von einer Seite geführt werden, auch nicht von Bernd Ebert. Und immer wieder finde ich das traurig und bedauerlich, nicht nur, weil auch ich es immer wieder abbekomme. Und auch deshalb habe ich manches Mal mehr Probleme mit Leuten, die sich selbst für Linke halten und zu solchen erklären und krampfhaft die vermeintlich "wahre" linke Position gegen alles und jeden, der angeblich falsch liegt, verteidigen glauben zu müssen, als mit jenen, von denen ich klar weiß, dass sie die Welt anders sehen als ich.

Aber auch das ist nur meine persönliche einzelne Sicht. Und zumindest gelingt es mir ab und zu, einem Ratschlag für schwierige Situationen aus dem Schweizer Militär zu folgen: "Einatmen, ausatmen."

PS: Manchmal wäre vielleicht bei Unklarheiten oder Missverständnissen Nachfragen angebrachter, als vorschnell in solchen Fällen verbal Geschütze aufzufahren und abzuschiessen, die irreparable Schäden verursachen. Das gilt natürlich auch für mich.