Jan Pfaff
27.07.2011 | 13:40 2

C wie Spitzenkandidat

CDU II Der CDU-Politiker Lorenz Caffier wirbt auf seinen Wahlplakaten mit dem Spruch "C wie Zukunft" – und das Netz lacht. Aber wer ist dieser C wie Caffier eigentlich?

Das Netz lacht über einen CDU-Politiker – und die Partei freut sich angeblich: Seitdem der mecklenburg-vorpommersche Innnenminister Lorenz Caffier seine Wahlplakate mit dem Spruch "C wie Zukunft" (sic!) vorgestellt hat, überschlägt sich die Netzgemeinde mit Vorschlägen, welche Worte den eigentlich noch alle mit C anfangen, obwohl man es ihnen auf den ersten Blick nicht ansieht. Auf der Website c-wie.de  werden Vorschläge für weitere Plakate gesammelt: "C wie Kanzlerkandidat", "C wie Helmut Cohl" oder auch "C wie Zonk".

Im Umdeuten von Niederlagen in Siege sind Politiker in der Regel ja geübt: Und so gibt sich der Generalsekretär der CDU Mecklenburg-Vorpommern, Vincent Kokert, auch begeistert und erklärt die Witze zur gelungenen Viral-Kampagne. Aber natürlich nicht ohne noch mal zu betonen, dass die CDU selbstverständlich kein Legasthenie-Problem hat: "C steht natürlich für unseren nächsten Ministerpräsidenten Lorenz Caffier und für die CDU insgesamt." Gottseidank, man hatte sich ja wirklich Sorgen um die deutsche Rechtschreibung gemacht, wenn das nicht mal mehr die Union hinbekommt.

Eine Frage aber stellt sich hier – genauso wie in Berlin – mit großer Vehemenz: Wo bekommt die Union nur immer diese Kandidaten her? Und wer ist eigentlich C wie Caffier? Auf jeden Fall kein dahergelaufener Quereinsteiger, sondern ein Mann mit großer CDU-Tradition – mit einer Parteikarriere, die man wohl so die "Ochenstour" nennt. 1979 in die DDR-CDU eingetreten, erklärte der heutige Ministerpräsidenten-Kandidat einmal selbst: "Ich bin das, was man nach der Wiedervereinigung eine Blockflöte genannt hat." Nach der Wende war er dann Schatzmeister und Generalsekretär der Landes-CDU, wurde schließlich Landesvorsitzender. Als Innenminister findet sich in den Zeitungsarchiven als seine größte Leistung, für die Sicherheit des G8-Gipfels in Heiligendamm 2007 gesorgt zu haben.

Noch aufschlussreicher als seine politische Vita ist aber ein Blick auf Caffiers Facebook-Seite. Da sieht man ein Foto von ihm beim "StockCar fahren am 25.07.2011 in Sanitz". Das Stock-Car ist ein mit Metall-Streben verstärkter Trabbi: Ost-Vergangenheit und zukunftsträchtiges Touri-Vergnügen in einem Bild, Wahnsinn! Darunter hat ein jugendlicher Fan einen Kommentar gepostet: "herr caffier in action super".

So stellt sich die CDU dann wohl einen modernen Wahlkampf vor ...

Kommentare (2)

siggy 29.07.2011 | 23:00

Einer der Lächerlichsten und Unwirklichsten meldet sich zu Wort!
Und das ist gut so!
Z wie Zorro, der Don Quijote des Ostens.
Oder "C" wie christlich, wie die des Anschlägers von Norwegen?

Wieso wird eigentlich das Verbot von Moslimen diskutiert und nicht das von Christen?

Goethe: "Bin ich ein Moslem?"

Siegfried Lucht, Zuggelrade

rolf netzmann 30.07.2011 | 22:19

Wenn ich nachdenke, welche Politiker mit ostdeutscher Vergangenheit nach 1990 eigenständig regierten, so fällt mir als erster Reinhard Höppner ein. Schon in den 90-er jahren ließ er sich in Sachsen - Anhalt von der damaligen PDS tolerieren. So ebnete er auch in den Weg in die erste SPD-PDS Koalition 1998 in Mecklenburg-Vopommern, die von Lorenz Caffier damals bekämpt wurde. Eine "Blockflöte" sei er gewesen, sagt er und bekennt sich damit zu seiner DDR-Vergangenheit. Heute gibt er sich volksnah und möchte den ebenfalls blassen SPD Mann Erwin Sellering beerben. Doch wofür der Innenminister steht, welche politischen Schwerpunkte er setzen will, all das bleibt im Dunklen. Er setzt auf Öffentlichkeitswirksamkeit, ein Volksfest hier, ein Cartrennen dort, die Bodygards immer im Schlepptau...
Wer heute noch seriöse Politiker erwartet, mit Visionen und klaren Ansagen, wird auch von C wie Caffier enttäuscht.