Lieber Mark, so geht's nicht

Netzgeschichten Ilse Aigner ist als Verbraucherschutzministerin auch irgendwie für das Internet zuständig. Deswegen hat sie jetzt Facebook-Chef Mark Zuckerberg einen Brief geschrieben

Ilse Aigner (CSU), Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, schreibt lieber Briefe als E-Mails – am liebsten offene Briefe. Mit einem an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat sie es nun in die Nachrichten geschafft. Der Freitag dokumentiert die ursprüngliche, später leicht überarbeitete Version des Schreibens.

Lieber Mark,

eigentlich wollte ich dich auf Facebook zu meinen Freunden hinzufügen, also adden, wie das bei euch heißt. Aber du hast auf meine Anfrage nicht geantwortet. Vielleicht hat es dich abgeschreckt, dass ich mich auf Facebook als Fan der Jungen Union oute. Vielleicht wolltest du auch nicht mit einer Agrarministerin befreundet sein, weil das uncool klingt. Aber ich bin nicht nur für die Bauern und die Milchpreise zuständig, sondern als Verbraucherschutzministerin irgendwie auch fürs Internet und den Datenschutz.

Und da mache ich mir schon große Sorgen. Wie jeder Politiker, der auf der Höhe der Zeit sein will, habe ich Profile bei MeinVZ, Xing und Facebook. Da gibt es ungezwungene Privatfotos, wie ich vor einer grünen Wiese knie. Ich könnte aber auch Bilder einstellen, wie ich meinen Pflichten als Bierbotschafterin nachkomme. Diese Fotos dürften dann nur meine Freunde sehen. Und nun stell dir mal vor, nur weil ihr es mit dem Datenschutz nicht so genau nehmt, kann der Seehofer Horst in München sehen, wie ich nach der vierten Mass im Bierzelt ein bisschen angeschickert aussehe.

Jetzt will Facebook auch noch „allgemeine Daten“ an Dritte weitergeben. Wenn ich nicht ausdrücklich widerspreche, wollt ihr jedem sagen, mit wem ich befreundet bin. Aber in der Politik ist es mit Freundschaften schwierig. Da kann sich schnell etwas ändern, und dann will man mit dem Parteifreund von gestern lieber nie etwas zu tun gehabt haben. Wenn ihr aber meine Freundedaten an alle möglichen Webseiten weitergebt, krieg ich das ja nie mehr aus dem Netz. Kein Wunder, dass ihr von der „Stiftung Warentest“ vor kurzem die Note „mangelhaft“ für den Umgang mit Benutzerdaten bekommen habt.

Mark, wenn sich bei euch nichts ändert, muss ich echt zum Äußersten greifen, zur Ultima Ratio, wie wir in der Politik sagen. Dann muss ich meinen Facebook-Account löschen. Wie, das stört euch nicht bei über 400 Millionen Nutzern? Und ihr speichert meine Daten auch nach der Löschung ewig? Dann werde ich aber mal mit meinen Kabinettskollegen sprechen müssen, ob sich da mit den Internetsperren nicht doch was machen lässt!

Viele Grüße, Deine Ilse

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