Das Ende der Kostenlos-Kultur

Netzgeschichten Streit um die Gratiskultur im Netz: Burda bastelt eine Alternative zu Google-News, Springer will Geld für Handy-Inhalte - und bei Youtube ist nicht mehr alles kostenlos

VerlegerHubert Burda präsentierte sich bis vor kurzem noch als großer Angstmacher und beklagte, dass der Suchmaschinen-Riese Google fremde Inhalte nutze, um damit Geld zu verdienen. Die Verleger müssten am Gewinn beteiligt werden, sonst drohe ihnen die schleichende Enteignung, forderte er trotzig – und erfuhr von fast allen deutschen Verlagen große Zustimmung. Doch während nun viele deutsche Pressehäuser an mehr oder weniger sinnvollen Paid-Content-Systemen basteln, ist Burda schon wieder einen Schritt weiter und beweist, dass er nicht nur die Klavia­tur der alten Medien beherrscht. Gleich zwei neue Online-Portale bringt der promovierte Kunsthistoriker auf den Markt: finanzen100.de und nachrichten.de. Beide sind aber keine eigenständischen Angebote wie die Konzerntochter focus.de, sondern Aggregatoren. Sie verlinken also lediglich wie das von Burda kritisierte Google News auf fremde Inhalte. Der Verleger geht jedoch als Vorbild voran und will die Content-Anbieter an den Werbeerlösen beteiligen, wie der Branchendienst Turi berichtet.

Der Springer-Verlag setzt auf der ­Suche nach neuen Erlösmodellen auf internetfähige Handys. „Sämtliche ­Inhalte auf Smartphones werden wir auf Dauer gegen Gebühr anbieten“, ­erklärte Vorstandschef Mathias Döpfner zuletzt. Das mobile Endgerät, das Handy, könne am ehesten die Zeitung der Zukunft sein. Ob die Nutzer allerdings für Inhalte auf dem Mobiltelefon bezahlen, die sie auf dem Computer umsonst bekommen, ist fraglich. Dass die Kostenlos-Kultur im Netz nicht mehr ewig dauern wird, zeichnet sich indes ab. Die Investi­tionen in die Neuen Medien müssen sich schließlich rentieren, sollen die Produkte überleben.

Es verwundert daher nicht, dass selbst Youtube nun versucht, Geld in die Kasse zu bekommen. Das Wall Street Journal meldete, das Video-Internetportal plane einen kostenpflichtigen Online-Filmverleih zu starten und verhandele mit Filmstudios darüber, ­gegen Bezahlung Kino- und Spielfilme anzubieten. Bisher liegt dieser Markt ziemlich brach. Nur wenige Websites wie die Pro-Sieben-Sat1-Tochter maxdome.de bieten Video-on-Demand an – oft allerdings mit einem recht begrenzten Filmangebot und teuren Preisen. Mehrere Internetanbieter versuchen wiederum, wie früher Premiere, Kinofilme an den Mann zu bringen – samt Abo und ­einem Gerät, das Modem und Fernseher miteinander verbindet („Set Top Box“). Alles andere als unkompliziert und günstig. Die Google-Tochter You­tube hat also gute Chancen.

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