Jakob Augstein
Ausgabe 4515 | 05.11.2015 | 06:00 138

Gegen den Mainstream

Jubiläum Jakob Augstein über die Selbstkapitulation der Medien, linken Populismus und den Job des „Freitag“

Ein Vierteljahrhundert. Ein rundes Jubiläum. Ein Grund zum Feiern. Dabei ist uns, wenn wir uns umblicken, zum Feiern nicht zumute. Krise türmt sich auf Krise. Finanzkrise, Eurokrise, Ukrainekrise, Flüchtlingskrise. Die Krise ist der Normalfall geworden. Die Anspannung steigt. In Deutschland brennen die Flüchtlingsheime. Es heißt, die Einwanderer sollen „deutsche Werte“ lernen. Gleichzeitig wird bekannt: die Fußballweltmeisterschaft von 2006, das berühmte Sommermärchen, wurde wahrscheinlich gekauft, und VW, der größte deutsche Industriekonzern, hat gewerbsmäßigen Betrug betrieben. Deutsche Werte? Auf offener Straße wird in Berlin ein Journalist mit den Worten „Du linke Drecksau“ niedergeschlagen. Weimar, denkt man. Fängt es so an? Woran würden wir es merken?

Eine linke Zeitung zu machen, unter diesen Umständen, das ist eine Wanderung auf dem schmalen Grat zwischen Faktizität und Geltung. Wir sehen den Kapitalismus zur gleichen Zeit im Zustand seines Versagens und seiner Unbesiegbarkeit. Es ist eine Tatsache, dass die Benachteiligten dieser Republik in 2008 und 2009 nicht aufgestanden sind, als der drohende Bankrott der Banken die Regierung zwang, viele Milliarden Euro in Bewegung zu setzen, um die der Staat und die Bürger vorher betrogen worden waren. Und es ist eine Tatsache, dass diese Menschen sich erst jetzt in Bewegung setzen, da noch Schwächere an ihre Türen klopfen.

Bilder der Ausgabe

Die Agentur Ostkreuz feiert wie der Freitag in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Es ist nicht das Einzige, was uns verbindet. Von den sieben ostdeutschen Fotografen, die 1990 ihre eigene Agentur gründeten, haben wir drei in unserer Zeitung porträtiert: Ute Mahler, Werner Mahler und die 2010 verstorbene Sibylle Bergemann. Umgekehrt haben drei unserer Bildredakteure ihre Ausbildung an der Ostkreuzschule gemacht.

Gesellschaftlich engagierte Dokumentarfotografie ist das Trademark der Agentur, sie findet ihren Platz in Zeitungen wie in Museen, und auch im Freitag stehen die Bilder ebensogut (und vermutlich ähnlich häufig) in der Politik wie in der Kultur. Nun treiben wir das auf die Spitze und bebildern eine ganze Ausgabe mit Ostkreuz- Fotos. Ihr eigenes Jubiläum feiern die Fotografen mit einer großen Werkschau ab 13. November im Pariser Goethe-Institut. Wer noch mehr über ihre Geschichte erfahren will, sollte sich den Film Ostkreuz ansehen, Premiere ist am 24. November in der Galerie c/o in Berlin.

Es ist auch eine Tatsache, dass die Grünen die Bundestagswahl verloren haben, weil sie für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 49 Prozent ab einem Haushaltseinkommen von 80.000 Euro einstanden, für eine Abgabe von 1,5 Prozent auf Vermögen ab einer Million Euro sowie für eine Verdoppelung des Aufkommens aus der Erbschaftssteuer. Allesamt Pläne, die nur die obersten fünf Prozent etwas gekostet hätten. Die aber dennoch der Mehrheit Angst machten. Die Wähler hatten die neoliberale Lektion gelernt: Das Geld ist in der Hand der Reichen am besten aufgehoben.

Die zeitgenössische Linke kämpft gegen einen unsichtbaren und doch allgegenwärtigen Feind. Das ist ja das Gefährliche am Neoliberalismus: seine Unsichtbarkeit. Jobs, Schulen, Behörden, Krankenhäuser, Universitäten, alles wird dem Gesetz der Ökonomisierung unterworfen. Überall definiert man staatliche, gesellschaftliche, individuelle Aufgaben als Probleme, die man einer optimalen Lösung zuführen muss. Es zählen nur Werte, die sich messen lassen. Governance ersetzt Politik.

Die Medien haben uns vor dieser Entwicklung nicht geschützt. Sie waren Teil davon. Heribert Prantl hat in der Süddeutschen Zeitung geschrieben: „Die Verbetriebswirtschaftlichung des Gemeinwesens wurde auch vom Journalismus jahrelang wie ein Dogma verkündet.“ Und das betrifft auch seine eigene Zeitung.

Nachricht und Propaganda

Es ist eine ideologische Entscheidung, die die Journalisten fällen, wenn sie Effizienz zur wahren Gerechtigkeit erklären. Der Politikwissenschaftler Thomas Meyer hat festgestellt: „Tatsache ist, dass all die wichtigen Themen, die mit der sozialen Frage von Ungleichheit, von Unterklassen, also die sozialen, nahezu verachtet werden. Das merkt man an der Art, wie die Berichterstattung über diese Felder intoniert wird: abschätzig, ironisch, am liebsten gar nicht. Es herrscht das Dogma, linke Themen sind out, und wer sich da noch dranhängt, tickt nicht richtig. Das führt natürlich dazu, dass die unteren Schichten unserer Gesellschaft sich im öffentlichen Diskurs nicht mehr wiederfinden.“

1990

Aufschlag Der Sonntag und die Volkszeitung fusionieren, konnte man im Oktober 1990 in einigen Blättern lesen. Verlag und Redaktion hatten die Buchmesse zum Anlass genommen, ein Zeitungsprojekt vorzustellen, das Ost und West auf Augenhöhe zusammenbringen wollte. Schwer taten sich die Gazetten bei der Einordnung. Dass bei der damals gängigen Metapher der „Brautschau“ zwei Partner gleichberechtigt sein sollten, irritierte sogar die taz. Das „Frei“ im Titel, schrieb sie, habe man sich wohl „rotgedruckt zu denken“. Naja, kam später.

In der Rette-sich-wer-kann-Gesellschaft breitet sich das große Misstrauen aus. Auch der Journalismus ist davon längst erfasst. 44 Prozent der Deutschen meinen, die Medien würden „von ganz oben gesteuert“ und verbreiteten deshalb „geschönte und unzutreffende Meldungen“, hat jüngst eine Umfrage ergeben. Die Leute irren. Es gibt keine Manipulation von oben. Die Journalisten übernehmen das selbst. Die Grenzen zwischen Nachricht und Propaganda sind schmal, nicht nur in Russland, auch bei uns. Die Tagesschau zeigte in ihrer Berichterstattung Bilder eines „von Separatisten abgeschossenen ukrainischen Hubschraubers“, die in Wahrheit von einem syrischen Hubschrauber stammten – mithin aus einem anderen Krieg. Dann berichtete ein Moskau-Korrespondent der ARD noch, dass zwei Ukrainer durch „Kugeln der neuen Machthaber“ getötet worden seien. Tatsächlich hatte ein ukrainisches Bataillon die Schüsse abgefeuert. Schließlich rügte selbst der ARD-Programmbeirat die Berichterstattung als einseitig. Chefredakteur Kai Gniffke räumte im Oktober 2014 ein, die Redaktion sei „möglicherweise zu leicht dem Nachrichtenmainstream gefolgt“.

Alternativen und Politik

Der Freitag stellt sich bewusst außerhalb dieses Mainstreams. Darin liegt seine Existenzberechtigung aber auch seine Ohnmacht. Das ist das Paradox linker Gegenöffentlichkeit. Wir können den Strom in seinem Lauf nicht ändern. Aber wir haben einen anderen Blick. Wir nehmen für uns in Anspruch, Denkort der Alternativen zu sein. Damit arbeiten wir an der Rückeroberung des politischen Raumes. Denn der Satz von den Alternativen, die es angeblich nicht gibt, ist das Ende von Politik. Den Vorwurf des Populismus muss man sich dann hin und wieder gefallen lassen. Der Philosoph Ernesto Laclau hat geschrieben, Populismus sei „die Stimme derer, die aus dem System exkludiert sind“. Ein gefährlicher Satz, wenn man nach Dresden blickt, wo die rechten Horden marschieren und ins Internet, wo die Saat von Hass und Brutalität blüht. Um so dringlicher, dass wir einen positiven Populismus von Links entwickeln, der demokratische und soziale Rechte vor Eliten und Oligarchen schützen will.

Wenn es linkspopulistisch ist, Statistiken über die Vermögensverteilung zu zeigen und offen zu sagen, welchen Anteil die obersten ein Prozent davon besitzen, dann soll der Freitag ruhig linkspopulistisch sein. Und wenn es linkspopulistisch ist, Statistiken des IWF oder der OECD zu referieren, die von der zunehmenden Ungleichheit reden, dann soll der Freitag abermals ruhig linkspopulistisch sein. Ansonsten gelten für uns auch für die nächsten fünfundzwanzig Jahre der Satz und die Hoffnung des früheren Freitag-Herausgebers Günter Gaus: „Man sollte nicht denken, dass man gesellschaftliche Fragen für alle Zeiten beantworten kann.“

Info

Dieser Artikel ist Teil der Jubiläumsausgabe zum 25. Geburtstag des Freitag

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 45/15.

Kommentare (138)

dos 05.11.2015 | 00:47

Ganz sicher hat Laclau mit "linkem Populismus" im Kern nicht gemeint, Statistiken zur Ungleichheit und ähnliches zu referieren, und das stellt sicher auch nicht den Kern des Freitags dar:
Da wird die normative und kognitive Schwäche der Linken, die glaubt, sich in Populismen flüchten zu dürfen, m. E. dann doch nur zum "Referat der Ungleichheit" verharmlost.

SigismundRuestig 05.11.2015 | 09:09

Ein Beispiel für die Mainstream- NSA-Skandal

Mir geht z.B. die Berichterstattung der Mainstream-Medien mit ihren sog. Enthüllungs-Journalisten zu den Geheimdienst-Skandalen langsam auf den Wecker. Zwar bombardieren viele Medien seit der Enthüllungen durch Edward Snowden vor über 2 Jahren ihre Leser nahezu pausenlos mit neuen Enthüllungen von "wer hat wann wie lange wie intensiv mit der NSA kooperiert" bis zu "wer hat was wann gewußt/verheimlicht" mit mal abwiegelnden, mal entrüsteten, aber immer unverbindlichen Statements von Politikern. Das wirkliche Problem aber ist: die Gefährdung von Bürgerfreiheit und Demokratie (und im übrigen auch unserer Industrie) und nicht, ob Gabriel die Kanzlerin vorgeführt hat.
Die meisten Medien haben jedoch bisher versäumt, eindeutige Frames zu etablieren und diese gebetsmühlenhaft zu wiederholen wie z.B.: "massenhaftes, anlassloses Abhören und auch dessen Duldung sind grundgesetzwidrig"! Was bei den Berichten der Mainstream-Medien zur Ukrainekrise gelungen ist: "die Annexion der Krim ist völkerrechtswidrig", sollte doch auch hier gelingen (wenn man nur will). Übrigens gilt das auch für die aktuelle Hetze gegen Ausländer: "wer gegen Ausländer agitiert ist ein Terrorist", müßte hier das entsprechende Frame heißen.
Versäumt haben die Medien m.E. darüberhinaus die nachhaltige Analyse und Diskussion einiger Grundsatz-Fragen:
- Warum irrlichtern unsere Politiker hilflos(?) oder dummdreist(?) durch die Affären und sehen - wie auch bei dem TTIP-Abkommen - Demokratie und Rechtsstaat eher als Behinderung für Wirtschaft und Sicherheitsdienste (ein Lehrstück für das Erzeugen von Politikverdrossenheit)?
- Warum gibt es kein Konzept, ja noch nicht einmal eine öffentliche Diskussion, wie verbindliche Regelungen mit welchen Zielsetzungen, die den Menschen- und Freiheitsrechten wieder absoluten Vorrang einräumen und den sicherheitsbedingten Maßnahmen enge, richterlich und parlamentarisch überwachte Grenzen setzen, aus deutscher Sicht aussehen sollten?In diesem Sinne: "Wir werden nicht abgehört. Die NSA achtet Recht und Gesetz."http://youtu.be/_a_hz2Uw34YVerkehrte Welt?http://youtu.be/QqoSPmtOYc8
Rock-Blogger und Blog-Rocker Sigismund Rüstig posted auf multimediale Weise Meinungen und Kommentare zu aktuellen Reiz-Themen in Form von Texten und Liedern.

SigismundRuestig 05.11.2015 | 09:11

Ein weiteres Beispiel für die Mainstream-Berichterstattung: Rentenerhöhung

Ihr "Rentenversteher", warum verheimlicht ihr, dass die reale, d.h. inflationsbereinigte, sogenannte Rentenerhöhung in West-Deutschland in den letzten 20 Jahren tatsächlich eine kräftige Rentensenkung von - kumuliert - knapp -10% war! An diesem Minus wird auch die sogenannte Jahrhundert-Rentenerhöhung nichts ändern. Vielmehr zeigen die zahlreichen Maßnahmen zur Absenkung des Rentenniveaus noch weiter in die negative Richtung!"Die Rente mit 75 fände ich für Fitte sehr witzig.Weniger Rentner auf der Straße, Hoch lebe der alte Hase.Gefüllte Rentenkassen, das würde den Jungen schon passen...".Sigismund Ruestig hat die Problematik schon früh vorausgesehen und pragmatische Lösungsvorschläge ersonnen bzw. ersungen.
Lassen Sie sich überraschen:

http://youtu.be/TgAi7qkD8qghttp://youtu.be/mQvThNJkKbAhttp://youtu.be/BgVWI_7cYKo
Viel Spaß beim Anhören!

Rock-Blogger, Blog-Rocker und Roll'n Rocker Sigismund Rüstig posted auf multimediale Weise Meinungen und Kommentare zu aktuellen Reiz-Themen in Form von Texten und Liedern.

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Ehemaliger Nutzer 05.11.2015 | 09:41

"Aber wir haben einen anderen Blick. Wir nehmen für uns in Anspruch, Denkort der Alternativen zu sein."

Fakt ist, seit der "Übergabe" 2009 hat sich die Einstellung des Freitag bezüglich seiner Community gewandelt. War sie anfangs freiheitlich-liberal, eine Blütezeit alternativen Denkens und Schreibens, fand in den letzten Jahren eine fatale Verengung des Diskussions-Raumes statt.

Wellen der Zensur dünnten die Vielfalt aus, heute herrscht eine Monokultur der Einfalt vor. Ein typisches Produkt "linker" Spaltungs-Tendenzen.

Ich wünsche dem Freitag und seiner Community, dass die Vielfalt wieder erblüht, insbesondere, da diese auch unbequem ist und vor Dekadenz schützt.

Ein bischen kreative ZerStörung tut einem "linken Projekt" gut ...

Der Kommentar wurde versteckt
Moorleiche 05.11.2015 | 12:02

Ich gratuliere auch.

Eigentlich finde ich Kommentare in Zeitschriften bescheuert und habe diese bisher auch unterlassen. (Und ich glaube, ich bin auch kein Linker.)

Aber ich finde Jakob Augstein cool, weil ich dieses Augstein & Blome Dings mag (und beide gut finde), dann, weil ich ihn mal bei Precht gesehen habe und ihn dort sehr souverän erlebte (und mich dann wunderte, als er sich in irgendeinem Interview als unsicher bezeichnete … wie auch immer) und weil ich die Einstellung richtig finde und damit ja auch irgendwie unterstützen will und muss, dass „richtiger“ Journalismus und eine schreibende Community zusammenwachsen.

Dann teile ich wohl irgendwie auch die Einstellung einer düster-pessimistischen Weltsicht und einer doch irgendwie heitere Persönlichkeit oder zumindest Fassade … oder so.

Also, Glückwunsch und Prost ... heute Abend dann.

hoppala 05.11.2015 | 12:25

Zunächsteinmal: 25 Jahre - Gratulation!

Damals hieß die Abteilung ja noch "Geist und Welt" - frisch hineinverstolpert aus der Reagan-Ägide und brav eingeübt ins Verortungsmuster, die heute - nach 25 Jahren - ja immer noch oder wieder (?) Urständ feiern.

Wie aber schon der Weimeraner wußte: Grau ist alle Theorie.

Umso besser wenn es den Freitag auch künftig geben wird - worüber man sich nur freuen kann.

denkzone8 05.11.2015 | 12:26

jetzt werd ich deut-licher: ruhig , brauner! (1) der zitierte ist weder als deutscher noch als österreicher berühmt geworden, sondern weil ihm als führer einer terroristischen bewegung es gelungen ist, mit plakativen phrasen die naivität der unpolitischen und deren wunsch zur besserung zu funktionalisieren, indem er verleumderisch verräter und volksfeinde als haß-objekte aufgebaut hat, seine wahl-mühlen zu treiben. (2)..ein mehr an direkter demokratie sollte nicht heißen: ein mehr an beteiligung haß-getriebener. sondern ein mehr an partizipation von selbst-denkern . und wo das durch verdummende presse und einlullende politiker verhindert wird, muß gegengehalten werden. die ermittlung von zielen und prioritäten in der gegenöffentlichkeit, die abwehr von leicht fasslichen, aber falschen bestimmungen(analysen) ist ein produktionsprozess, der voraussetzungen hat und dessen fortgang gepflegt werden muß durch leute, die sich nicht scheuen, in sich und auf un-artikuliertes(auch un-artiges) zu hören, die aufklären und nicht primär durch nebulös-euphorisierendes (auf)putschen wollen. (3) ..die rede von: "auf unsere kosten", "ob deutschland profitieren wird"..ist daher ein no-go: auf-mischend aber nicht klärend, sozial unspezifisch, aus der sicht einer volks-gemein-schaft, der ich nicht zugehören möchte.

denkzone8 05.11.2015 | 13:01

"einlullen" und: "den großen lümmel volk nur nicht beim schlafen stören" sind konservative polit-strategien, die sich zynisch-böse aufs nutzen der weit-verbreiteten naivität verlegt haben. die vorgegaukelte alternativ-losigkeit, das eiapopeia des "wir schaffen das", die abschaffung der politik( als: optionen entwickeln und interessen-ausgewiesen entscheiden) ist weitgediehen und mit großen regierungs-mehrheiten(groko)verbürgt. die enormen zumutungen der jetzt um unterstützung bzw. um einbindung wohl-wollender opposition bittende polit-elite, die durch attacken(angriff ist die beste verteidigung!?) auf un-artig artikulierende die szenerie mit pulverdampf illuminiert und das als kriminell zu bekämpfende als bestärkung ihres moralischen anspruchs verwendet, nutzt terroristische ansätze, um das (wahl)volk hinter sich zu bringen. die angezettelten ernsthaften probleme kommen der lösung dadurch nicht näher. oder?

denkzone8 05.11.2015 | 14:13

dem guten gärtner statt (geschächteter) schnitt-blumen. (1)..25 jahre...die kollektiven krisen-bewältigungen kommen wenigen privaten zugute....(2)problem einer oppositionellen meinungs-postille...gratwanderung ....zwischen faktizität und geltung.. kann doch nur heißen: was als stimmig ermittelt ist, sollte auch eine laute stimme haben.(3)...die medien.. .waren teil davon...das dogma der privatisierungs-vorteile, das abwerfen von hemmnissen des markt-verkehrs..wir stellen fest: es geht/ging nicht um freie liebe!....(4) bericht-erstattung/diskurs über soziales:...verachtet..ab-schätzig...ironisch..am besten garnicht.... resumiert die teil-leit-kultur des wegsehens(disregard), verweigerte einfühlung, kultivierung des kalt-sinns(gellert).

(5)...alles wird dem gesetz der ökonomisierung unterworfen..(?) weit-gefehlt: statt reiche, private an den staatskrediten profitieren zu lassen, wäre es ökonomischer, daß sich der staat seine mittel durch steuern von den wirklich reichen besorgt(populismus,wo ist dein stachel?),(wenns nach schäuble gegangen wäre, wären schweiz-konten heute noch bombensicher). daß die spd die grünen hinter der fichte gelassen hat mit einem groko-vertrag ohne reichen-steuer war m.e. ein verrat an möglichen ko-partnern im bürgerlichen lager(nicht nur ein linsen-gericht mit biblischem gesichts-verlust). (6) "rette sich, wer kann" ist nicht die ablösung von: "wir sitzen alle im selben boot!" die absetz-bewegung der einflußreichen schiffbrüchigen im boot, das zurücklassen der schwachen auf dem floß folgt der geschichte vom -->floß der medusa.

karamasoff 05.11.2015 | 14:34

Was nützt der Aufruf zu sozial gerechter Denke und Politik, wenn das alles ab Mitterechts als linker Populismus verhöhnt wird.
Man sollte sich langsam mal verabschieden von der Wahnvorstellung, der Kapitalismus der Neoliberalen und seine Verformungen des Arbeitsbegriffs sei der natürliche nicht zu ändernde Urzustand von Handel und Marktwirtschaft.
Diesen Sprung schafft eine entsolidarisierte und aufs Völkische bedachte Mehrheit einer "Rette-sich-wer-kann-Gesellschaft" nicht, deren staatliche Rechtsgrundlagen korrodieren bis zur Rechtsbeugung.

"Rette-sich-wer-kann" kann man auch als Bediene-sich wer-kann lesen. Neoliberaler Kapitalismus ist das Krebsgeschwür jeder Staats/Gesellschaftsform. Seine konkurrierende Endlösung kennt nur einen Zustand: Vernichtung von nichtvermehrwertbarer Arbeitskraft und Intellekt durch Kriege, Konflikt und Ausbeutung. Kapitalismus verdaut sich selbst, indem er sich selber die Gliedmaßen abfrisst und das noch als Selbsterneuerung verkauft.

Die Erkenntnis nützt allerdings gar nichts, wenn daran nicht neue Denkprozesse anschliessen, die dann auch massenhaft kommuniziert werden können.

Man sollte auch nicht vergessen die Strategien der neuen Rechten publizierend zu entlarven, an die sich "die Mitte" wohlfeil anbiedert, um gleichzeitig damit "linker Populismus" brüllend so neoliberal weitermachen zu können wie bisher.

"Mitte = Arbeitsplatz" reicht nicht als Politik.

seriousguy47 05.11.2015 | 14:57

Der Freitag scheint mir weniger links als bürgerlich ( linksliberal) zu sein - wie seinerseits bereits Herausgeber Gaus.

Damals wie heute war/ ist "bürgerlich" schon längst nicht mehr Mainstream. Links ist aber nochmal was anderes.....

Insofern wäre dem Freitag für die nächsten 100 Jahre zu wünschen, dass er es schafft, das bürgerliche Niveau zu erreichen, das ZEIT und SPIEGEL in ihren besten Zeiten hin und wieder hatten......

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Ehemaliger Nutzer 05.11.2015 | 15:47

Vielleicht können wir wirklich nur noch in Würde verlieren . Selbst Recht gehabt zu haben, macht keinen Spaß mehr.

Europa wählt immer mehr rechts und rechtsaußen und in der Welt dieses neuen rechten Europas gilt Merkel als "links". Elässers COMPACT verdoppelt alle paar Monate seine verkaufte Auflage und schon höhnt er über den "öden Freitag" und dessen Absatzzahlen. Das Rassissten-Portal "PI" behauptet von sich, der Politblog mit den meisten Zugriffen zu sein.

Die neoliberalen Irren herrschen überall, egal, als was sie sich politisch phantasieren, unangefochten. Sie schreiben jeder Regierung vor, was sie zu tun hat. In Griechenland genau wie in Deutschland, wo sie die Gesetze zur Bankenrettung gleich selbst geschrieben haben und jetzt TTIP durchsetzen.

Welpolitisch ist die Hegemonie der USA unangefochten, so sehr man auch an ein Gegengewicht in China oder Russland glauben möchte . Nein, sie sind nicht in Afghanistan, im Irak, in Libyen usw. gescheitert. Sie haben diese Länder, als sie nicht parierten, vernichtet und ob sich Drittweltler gegenseitig schlachten und dabei ein paar US-Subproletarier in Uniform mit draufgehen, interessiert doch überhaupt nicht. Sie werden auch weiterhin die Welt zwingen ihr Land durch Akzeptanz des Dollars, der durch gar nichts mehr gedeckt ist, als durch das US-Militär, zu finanzieren.

Jede kritische Bewegung, wenn sie auch nur den Eindruck erweckt, eine Wirkung entfalten zu können, wird durch einen unüberwindbaren Block aus Medien und Politik verleumdet und diskreditiert. Daniele Ganser wird zum "Verschwörungstheoretiker" Ken Jebsen zum "Antisemiten", Müller zum "Querfrontler" gemacht. Die "Mahnwachen" bei Pegida verortet und TTIP-Gegner maßlos beschimpft und versucht, lächerlich zu machen.

Das einstige Sammelbecken der Linken "konkret" ist zum Israel-Fanzine verkommen und nur noch damit beschäftigt, überall und bei jedem anderen Antimesitismus zu suchen und absolut sicher zu finden. Mit der gleichen anmaßenden Überheblichkeit, mit der einst Göhring verkündete, "Wer Jude ist, enscheiden wir" fühlt man sich nun berufen, das Urteil "Antisemit" verkünden zu müssen.

Sehr, sehr deutsch....

Die Partei, die sich selbst die LINKE nennt hat immer mehr Personal, dass nur noch den Wunsch hat, endlich, richtig oben mitspielen zu dürfen. Schon spielen erste Renegaten in der "Atlantikbrücke" mit.

Und wenn Auzgstein vermutet, die Grünen wären wegen vernünftiger Forderungen nicht gewählt worden, halte ich dies für unwahrscheinlich. Sie waren es, die die neoliberale Umgestaltung der BRD auf den Weg brachten: HIV, Leiharbeit, endlose Befristungen, Krieg....

Was einst dem Kampf um Gleichstellung der Geschlechter diente, ist der der "Genderdebatte" zur neoliberalen Legitimationsideologie verkommen und ausgerechnet eine rechtskonservative Publizistin wie Birgitt Kelle spricht es aus, dass es um die Einbeziehung hochqualifizierter Frauen in den kapitalistischen Verwertungsprozess geht, nicht um deren Emanzipation, die immer auch nur die Emazipation aller Menschen sein kann. Feind ist nicht ein irres aus dem Ufer laufendes Witschaftssystem, dass milliarden Frauen zur würdelosen Verfügungsmasse der Geldvermehrungsmaschine macht, sonder die Phantasie eines "westlichen, weißen, heterosexuellen Subjekte". Eine Diskurs, der hier im Freitag längst die Hegemonie erlangte.

Aber, um zum Anfang zurück zu kommen. Wir haben in einer Weise verloren, wie wir es im Moment noch gar nicht richtig begreifen können. Selbst die älteren von uns werden noch erleben, dass wie rückblickend Typen wie Orban für liberal halten werden.

Und wer davon träumt, dass es eine emanzipatorische Gegenbewegung geben könnte, mag dies weiterhin tun. Etliche von uns werden froh sein müssen, wenn sie nicht in Lagern, Gefängnissen oder gleich an den Bäumen enden werden.

Columbus 05.11.2015 | 16:26

Der "Freitag" ist diesen Staren oder Starlingen (Onychognathus nabouroup) aus dem Fischfluss- Canyon Namibias, die das schöne Photo Anne Schönhartings/ Agentur Ostkreuz zeigt, nicht unähnlich.- Als Art durchaus einzig, trotzdem zugehörig dem, was sich als Gattung weltweit verbreitete.

Ohne freie Presse geht nichts.

In den Ländern, in denen sich die freie Presse ganz freiwillig und durchaus nicht nur aus ökonomischen Zwängen, über die Quoten und eine Anpassung an das schon gewohnte und bekannte Wissen und Konsumverhalten der Leser und Seher definiert, sich gar fast ausschließlich an deren eingefahrenen Vorlieben ausrichtet (Ihr bekommt, was ihr wollt, stimmt ab, lasst euch messen und vermessen!), erstarrt das ursprünglich lebendige Modell demokratisch notwendiger und gesellschaftlich voranbringender Medienöffentlichkeit.

Werden die Medien zu Pressesprechern der politischen und gesellschaftlichen Ist- Zustände, entsteht in Demokratien, durch das dann gar nicht mehr freie Spiel der Kräfte, eine neuartige Gesellschaftsform. Mit mächtigeren und technisch besseren Mitteln als je zuvor, bildet sich eine seltsame Einheitlichkeit , in der sich freie Bürger erneut und viel fügsamer, nach Klassen, Schichten und Macht ordnen lassen, als sei es Gotteswille oder ein Naturgesetz.

Der andere Blick, die andere Sicht, der Blick hinter die Kulissen, der Blick zurück und nach vorn, hat es dagegen nicht einfach, weil er oft erst einmal abschreckt.

Jeder Leser orientiert sich an seinen Vorerfahrungen. Stammen diese jahrzehntelang, tagaus tagein, aus dem "Mainstream" und einer, bei jedem Menschen auch begrenzten, Selbsterfahrung, existieren selbst in einer Demokratie keine Horizonterweiterungen und keine ausreichend vielfältigen Erinnerungen mehr, an die positiv anzuknüpfen wäre.

Das andere Denken, neu, witzig, klug, vielschichtig, weit vorausschauend und widerständig in seiner Eigenart, die Erweiterung und die Öffnung der Gesellschaft, scheitert dann oft an der Unsicherheit, die es auslöst.

>>Eine linke Zeitung zu machen, unter diesen Umständen, das ist eine Wanderung auf dem schmalen Grat zwischen Faktizität und Geltung.<< - Tatsächlich. Ohne Geltung geht in kapitalistischen Mediengesellschaften nichts. Das ist ihre Hybris, aber eben auch ihre Bedingung.

Die Fakten mögen noch so gut und noch so genau ermittelt sein, die Argumente schlüssig. Wenn niemand davon erfährt oder das Medium sie nicht verkaufen kann, war am Ende alles nichts. Allenfalls Historiker suchen dann, mit den Widerherstellungtechniken unserer Tage auf ausgemusterten Datenträgern oder in Digitalarchiven.

Das Gegenwärtige ist nie gut und nie fertig, im nächsten Moment schon vergangen. Seine Mängel werden oftmals akribisch erfasst, von Organisationen und Personen, die nie auch nur in die Nähe einer ähnlichen Macht gelangen, wie sie sich mittlerweile vor allem privat akkummuliert. Diese private Macht wünscht sich von den großen Bürgerstaaten nur eines: Wir wollen weiter privat und ungestört bleiben. Wir wollen Sicherheit und Sicherheiten, dass wir weitermachen dürfen. Wir wollen euch, als mächtige Nachtwächter unseres gesunden Schlafes. Das andere machen wir und verkaufen es.

Ist das nicht wie eine Retro-Erstarrung, die an das vorletzte Jahrhundert anknüpft? Was kommt nach dieser Erstarrung? Was kann anderes kommen, bleibt es so, als die Wiederholung des Schlechten?

Derzeit scheint so eine Art Zwischenzeit zu herrschen. Überall Krisen, überall Herrschaft der Ökonomie, besonders der Investoren- Wirtschaft, überall das mediale Beharren und Ausschmücken dieser bleiernen Zeit, die Probleme lieber schiebt und schiebt, bis sie sich zu sozialen, gesellschaftlichen oder klimatischen Katastrophen ausgeweitet haben.

Die afrikanischen Starlinge vom Fischfluss- Canyon, sind sehr lernfähige Tiere. Das sichert ihnen das gute Überleben. Dem Zeitungstier "der Freitag", meinem Rara avis unter den Blättern die die Welt bedeuten, wünsche ich weiterhin List, Geschick und Ausdauer, bei der Gratwanderung. Zu den raren Vögeln im übertragenen Sinn, gehört auch eine dF-Online- Gemeinschaft, die nicht nur schwätzen und meckern will, sondern auch erstaunlich gut passt, zum Anspruch, dem Mainstream zu entkommen. Es bleibe und entwickle sich. - >>Let ist grow (...) Let it blossom, let it flow.<<

Beste Grüße

Christoph Leusch

schna´sel 05.11.2015 | 16:28

"Und wenn Auzgstein vermutet, die Grünen wären wegen vernünftiger Forderungen nicht gewählt worden, halte ich dies für unwahrscheinlich. Sie waren es, die die neoliberale Umgestaltung der BRD auf den Weg brachten: HIV, Leiharbeit, endlose Befristungen, Krieg..."

Das sehe ich ähnlich. Aber es gilt nicht für den Mainstream der potentiellen Grün-Wähler. Das sind bürgerliche Etablierte mit einem politischen Anspruch, der sich eigentlich nicht großartig von dem unterscheidet, was die Grünen heute ausmacht. Hartz IV und "die Übernahme militärischer Verantwortung" wie das heute so schön heißt, werden doch im Rahmen des neuen deutschen Selbstbewusstseins auch und gerade von ehemals Alternativen und jetzt erfolgreich etablierten Bürgern getragen. Das zeigen die Kampagnen, an denen neoliberale Medien und Journalisten beteiligt sind. Ich bin davon überzeugt, dass Hartz IV für die kein Argument ist. Aber die Steuern, die ihnen die Grünen abverlangen wollten schon. Im Prinzip ist das eine Mischpoke. Und ich bin davon überzeugt, dass die Grünen so opportunistisch sind, dass sie diesen Fehler in Zukunft nicht mehr begehen werden.

koslowski 05.11.2015 | 17:27

„Um so dringlicher, dass wir einen positiven Populismus von Links entwickeln …“: Antipolitik, ein dichotomisches Weltbild, Reduzierung von Komplexität durch Personalisierung und Skandalisierung im Dienst von Aufklärung und linker Politik? Diesen Kampfauftrag sollten Sie sich und dem FREITAG ersparen, er wird nicht funktionieren. Es genügt, wenn der FREITAG irgendwie links und frei bliebe und denen im Print und in der Community auch in Zukunft ein Forum gäbe, die mit den Mitteln eines guten Journalismus für den Schutz „der demokratischen und sozialen Rechte vor Eliten und Oligarchen“ eintreten. Seine politische Ohnmacht müsste er in Kauf nehmen.

Glückwünsche zum Jubiläum!

iDog 05.11.2015 | 18:41

"Die Krise ist der Normalfall geworden" ... und der Normalfall ist ein Geschäftsmodell ... ein Geschäftsmodell ist ein Gewinnspiel ... Gewinnspiel sind keins , wenn es keine Gewinner gibt ... Gewinner haben keine Krisen ... "die Krise ist der Nomalfall" für Verlierer ...

Der Freitag ist roter geworden , aber nur farblich im Schriftzug, nicht politisch. Solange der Freitag nicht vom Mainstream angefeindet wird, ist er nicht kritisch, nicht alternativ und auch nicht relevant ...

miauxx 05.11.2015 | 19:34

"Der Freitag ist roter geworden , aber nur farblich im Schriftzug, nicht politisch."

Das ist doch nur eine nostalgischer 'Festtagsanzug'. So sah das Freitag-Logo zu den Zeiten aus, als es (fast) nur papierne Zeitungen gab. Freilich versteht das nicht jeder der heutigen Freitags-(Online)Leser.

"Solange der Freitag nicht vom Mainstream angefeindet wird, ist er nicht kritisch, nicht alternativ und auch nicht relevant ..."

Da ist freilich was dran. Aber die Zeiten sind heute auch andere. Je mehr Geschrei um einen Antipoden gemacht wird, umso bekannter, im Zweifel auch beliebter, macht es ihn. Das haben das Establishment und der Kapitalismus längst verstanden. Und vielmehr noch: Es lassen sich auch aus "links", "Rebellion" usw. wunderbar Marken machen. Ich denke gerade daran, wie vor gar nicht allzu langer Zeit Che Guevara-Devotionalien in jedem Modehandel zu haben waren und bald jeder zweite verpimperte Gymnasiast aus 'gutem Hause' damit rumlief. Ach, schon der englische Punk in den 70ern wurde von der Industrie gekapert.

Aber, um nicht abzuschweifen: Es gibt ja tatsächlich (immer noch) wirklich linke und v.a. unvergleichlich radikalere Blätter als den Freitag. Und sehen wir die im Medienmainstream diskutiert oder gar angefeindet? Totschweigen macht wohl am besten tot. Große und heiße Debatten finden ja auch nicht mehr statt ...

Reinhold Schramm 05.11.2015 | 19:37

"Ein Vierteljahrhundert."

Ungeschminkte Bemerkungen zur ideologischen Verschmelzung von Kapital und Arbeit.

Oder: Konsum und Spiele für die ideologische Volksgemeinschaft.

Der Kapitalismus "im Zustand seines Versagens" und in den Köpfen im Zustand "seiner Unbesiegbarkeit".

Bemerkenswert, nicht nur in den letzten fünfundzwanzig Jahren, die Benachteiligten und Eigentumslosen in Deutschland leisteten keinerlei Widerstand gegen ihre weitere soziale, ideologische und ökonomische Deklassierung, vor allem auch mit der offiziellen Einführung des Hartz-IV-Strafvollzugs zum 1. Januar 2005 -- gegen die Bevölkerungsmehrheit. Sie leisteten auch keinerlei organisierten gewerkschaftlichen Widerstand [-- im Gegenteil --] gegen die Absenkung der Facharbeiterlöhne -- auch durch Zeit- und Leiharbeit und Werkvertäge -- auf das geringe Niveau des gesetzlichen Armuts- und Mini-Mindestlohns [8,50 Euro.-Std. brutto]. Nicht nur verschwörungstheoretisch, so hatte doch dieser Mini-Mindestlohn auch die Doppelfunktion, nicht nur die Mini-Armutslöhne anzuheben, sondern auch die Lohnkosten für qualifizierte Neueinstellungen abzusenken [sogar noch unabhängig von den heutigen Möglichkeiten für die billige und willige Neueinstellung von Hochqualifizierten -- in Folge von NATO-IS-Krieg und Vertreibung].

Heute, der sog. Volksaufstand von 1953 ins Bewusstsein. Damals, vor allem getragen vom glühenden Antikommunismus der postfaschistischen Volksgemeinschaft. Wäre dem nicht so gewesen, so hätten wir heute einen sozial-ökonomischen Bürgerkrieg in Deutschland. Aber dies liegt heute wohl außerhalb des Bewusstseins der Werktätigen. Ein Erfolg der bürgerlich-ideologischen sozialdemokratischen "Sozialpartnerschaft" zwischen Müllwerker und (realer) Finanz- und Monopolbourgeoisie.

Das werktätige Klassenbewusstsein wurde von der gesellschaftspolitischen und -ideologischen Administration auf allen Ebenen der Gesellschaft nachhaltig manipuliert und auch noch größtenteils erfolgreich in den Köpfen liquidiert.

Merke: Noch kein Abgesang, keine Resignation, unser K(r)ampf geht immer noch weiter!

Info.-Empfehlung: Der Verrat. 1918/1919 -- als Deutschland wurde, wie es ist. Von Sebastian Haffner.

iDog 05.11.2015 | 19:48

"Das ist doch nur eine nostalgischer 'Festtagsanzug'."

Ach so ... woher soll man das wissen ... kenne den Freitag seit etwa 2007 ...

"Totschweigen macht wohl am besten tot. Große und heiße Debatten finden ja auch nicht mehr statt ..."

könnte sein ... und die großen Debatten finden wenn dann nicht hier statt. Warum eigentlich nicht ... wäre doch ok ... vielleicht suchen die großen Debatten gerade einen Ort, der sie beherbergt ...

miauxx 05.11.2015 | 19:55

Nun aber auch einen Glückwunsch zum Fünfundzwanzigsten! Meckern kann man immer - aber vielleicht heute nicht so viel ... Doch - eines muss doch raus:

Lassen Sie, Hr. Augstein, sich bitte deutlich mehr in "Ihrem" Freitag vernehmen - denn das tendiert ja gegen Null! Bitte nicht nur Festtagsreden und sonst alles nur bei SPON und in TV-Talkshows! Das braucht's zur Glaubhaftigkeit!

miauxx 05.11.2015 | 20:02

"(...) kenne den Freitag seit etwa 2007 ..."

Sag' ich doch - erschließt sich nicht jedem, das Rot-Schwarz. Aber 2007 sah das Logo doch noch so aus, wenn ich nicht ganz irre ...

"und was sollen denn die beiden handzahmen Vögel da im Bild überhaupt symbolisieren ??"

Darüber rätsel ich allerdings auch und komme nicht weiter. Allegorie? Sind das vielleicht die "zahmen Vögel", die nur von "Freiheit singen"?

Columbus 05.11.2015 | 20:40

Danke. Zu dem Anlass (25.) gehört auch ein bisschen Pathos. Denn das Blatt und damit auch sein so untereinander streitfreudiger Haufen Blogger und Kommentatoren, ich rechne die stillen Leser auch dazu, die man ja immer wieder einmal mit der schönen Papierausgabe rascheln hört und sich im Web mitschwingend denkt, könnte längst zu den ruhmreichen Leichen der mehr oder weniger Linken gehören, die leider eine Eigenschaft an sich haben, gerne an Gräbern Toter der allerbesten Reden zu schwingen.

Daher, als Rat vom ollen Onkel Columbus, -nicht an Sie, sondern an die mitschreibende Kommentaristengemeinde-, nicht einzelne Sätze und gar Worte auf die Goldwaage zu legen, mit der zu allen Zeiten mehr beschissen und betrogen wurde.

Golden ist das ganze Stück und eben auch ohne einen Hauch des Einknickens, durchaus optimistisch.

Über weitere Dinge kann mit Augstein scharf ins Gericht gegangen werden, wenn sein Blatt die 50.000er Auflage knackt und die Redaktion ausreichend Spielräume für idiotische Sachen hat. - Reise der ganzen Redaktion nach New York, um sich da Bilder von Künstlern anzuschauen, die auch in Berlin, Frankfurt, Köln, Kassel oder in München zu sehen sind; großen amerikanischen Romanciers dort vor Ort nachtrauern, die nie besser als bei uns übersetzt wurden und shoppen gehen auf Verlagskosten. Das ist das sogenanntes Berliner Schulzeitungsmodell für die höhere Ausbildungslaufbahn). - Das will ich noch erleben, bevor ich mir ´nen friedlichen Wald suche.

Beste Grüße

Christoph Leusch

schna´sel 05.11.2015 | 23:39

"Daher, als Rat vom ollen Onkel Columbus, -nicht an Sie, sondern an die mitschreibende Kommentaristengemeinde-, nicht einzelne Sätze und gar Worte auf die Goldwaage zu legen, mit der zu allen Zeiten mehr beschissen und betrogen wurde."

Wenn die Weisheit im Wort goldner Wein wär, ja dann möcht ich so gern ein Starling sein... Die Wortgoldwaage. Als Selbstzweck wiegt sie Katzengold und ist gerade In Zeiten massenhaft vergoldeter Worthülsen häufig auch nur der Haken, an dem sich das Ego in Tagesform aufhängt. Klar sollte man schon darauf achten, dass man nicht da hängen bleibt. Aber irgendwie muss die Luft ja mal raus, manchmal, wenn die ganze Kacke nur noch am dampfen ist... Und selbst Kolumbus: "Bis zu seinem Tod erkannte er nicht, dass er nicht an die Ostküste Asiens gelangt war, sondern einen neuen Kontinent entdeckt hatte" sagt die Wikipedia und der glaube ich das, obwohl sie mir in den letzen Tagen auch immer spanischer vorkommt.

"Golden ist das ganze Stück und eben auch ohne einen Hauch des Einknickens, durchaus optimistisch."

Silence is golden, goldener geht gar nicht; und ist eigentlich auch schon das ganze Stück. Ohne goldene Worte, ohne Weisheit und ohne Warenwert. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Columbus 05.11.2015 | 23:44

Ach, ich strunzte, weil ich mich natürlich auch über das Foto wunderte und nachdachte, was sich die Redaktion dabei wohl gedacht hat, zum unrunden Jubiläum. Aber vielleicht kommt ja noch eine bessere Erklärung aus dem Newsroom.

Auf den ersten Blick dachte ich, es handele sich um neuweltliche Grackle birds (die sind übrigens aus sehr intelligent und eigensinnig) aus dem Grand Canyon (Arizona) und da wollte ich mir noch einen kleinen Witz erlauben, dass Linke gar nicht so antiamerikanisch leben und denken, wie immer wieder in der Mainstream- Presse behauptet wird, wenn sie sich sogar die Birds of America anschauen.- Amelia, es war nur falscher Alarm.

Dann dachte ich, da haben Sie in der Bildredaktion die namibischen Starlinge mit Krähenvögeln, Dohlen, pp., verwechselt, die ebenfalls diese Vogelintelligenz besitzen.

Und nun ist es eben immer noch so, dass alle schwarzen gefiederten Freunde eher als linke Genossen und gar als diebische Elstern gelten. Kleine Teufel, die dem guten Michel und seiner Frau das letzte Hemd, die Chips aus der Hand und die Kluncker aus dem Schatzkästchen klauen um damit die Revolution zu finanzieren. (;-))

Anne Schönharting ist aber eine von den ganz guten Fotografinnen.

Nun stand neulich in der FAZ, dass Laien, anders als die Profis, weder die stürzende Linien als korrekturbedürftig empfinden, noch die Unschärfe im Bild schätzen. Das Ding soll von einer Ecke zur anderen, von Vordergrund zu Hintergrund, knackig sein. Dabei bemühen sich alle Kamerahersteller, den Kunden Kameras und Objektive zu verkaufen, -mit den Smartphones klappt das noch nicht so gut-, die gezielt teilunscharfe Bilder überhaupt produzieren können. - Ich glaube ja nicht daran, dass Menschen bei Bildern nur das völlig Durchgezeichnete mögen.

Ich merke, ich komme völlig vom Artikel- und JubilarInnenthema ab und werde witzelsüchtig.

Gute Nacht und gute Restwoche

Christoph Leusch

PS: Wenn die Auflage steigt, das ist doch klar, muss es neben der anderen Wirtschaftsseite auch wieder (Natur-)Wissenschaft geben, finde ich.

Columbus 05.11.2015 | 23:57

In den letzten Tagen tobten hier ja heiße Gefechte der Avantgarde um den Ton bei den Nachdenkseiten. Ich fand jetzt ganz gut, dass dazu Wolfgang Michal klug schrieb (https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/dominanz-des-boulevard).

Und in der letzten Zeit häufen sich ja Artikel, die dem Phänomen Pop mehr zubilligen, als es einfach nur dem Mainstream zu überlassen. (;-)) Colòn hat es wenigstens und mit aller Kraft probiert, andersrum nach Zipangu oder Chixian Shenzhou zu kommen. Am Ende war er selbst wohl ein wenig enttäuscht. Das gehört aber dazu.

Liebe Grüße

Christoph Leusch

Pregetter Otmar 06.11.2015 | 00:34

Eigentümlich - Herr Augstein "lässt" ... schreiben, denn sein letzter Login ist 4 Monate her. Und dann auch noch den 25jährigen Jubiläumskommentar? Einfach links.

Hmhm.

Ja - feiern kann man immer, unabhängig vom Alter ... aber mit Verlaub:

Gegen den Mainstream ... ist nicht korrekt, weil z.B.

- "Eine linke Zeitung zu machen" . . .

Anmerkung: dass der Freitag "links" sein soll, ist mir nicht wirklich aufgefallen - lautet nicht der Slogan: "Im Zweifel links" - was ich eher als laukalt bis ein bisschen mau, bezogen auf eine linke Zeitung, bezeichnen würde.

Links ...? Nee.

- "Wir sehen den Kapitalismus zur gleichen Zeit im Zustand seines Versagens und seiner Unbesiegbarkeit" ...

Nein - wieso soll der Kapitalismus unbesiegbar sein?

Mal nachgedacht, wie einfach dies ginge?

Stichwort - Geldsystem, man nimmt dem Kapitalismus einfach das Geld weg - was macht er denn dann? Wenn man aber selbst nicht über DAS gesellschaftspolitische Machtthema schreibt, dieses vorantreibt, ja was ist man dann anderes, als Mainstream?

Ein Tipp: da ist ja MARTIN WOLF, Chefökonom der FT-NY "linker", denn er setzt sich seit Jahren massiv für eine neue Geldreform - Stichwort: Chicago Plan - ein, währenddem hier die totale Funkstille ... herrscht.

Z.B. 2014 - ein bisserl ökonomische Bildung schadet nicht, auch nicht bei der Jubiläumsfeier...

https://www.youtube.com/watch?v=emf0d-77xcM

- "Es ist auch eine Tatsache, dass die Grünen die Bundestagswahl verloren haben, weil sie für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 49 Prozent ... für eine Abgabe von 1,5 Prozent auf Vermögen ab einer Million Euro ... usw. ?

Tatsache ist, dass ROT/GRÜN für das Armuts- und soziale Verelendungsprorgramm Hartz4 verantwortlich ist - that`s WHY - schon vergessen ?

- 44 Prozent der Deutschen meinen, die Medien würden „von ganz oben gesteuert“ und verbreiteten deshalb „geschönte und unzutreffende Meldungen“, hat jüngst eine Umfrage ergeben. Die Leute irren. Es gibt keine Manipulation von oben. Die Journalisten übernehmen das selbst.

Betreffend der Medienmanipulation auch eine Emfpehlung: Volker Pispers - zu Medien

https://www.youtube.com/watch?v=uPvGtlYxv5U

- Der Freitag stellt sich bewusst außerhalb dieses Mainstreams ... Wir können den Strom in seinem Lauf nicht ändern . . . Wir nehmen für uns in Anspruch, Denkort der Alternativen zu sein.

Naja ... als ich vor 1 Jahr hier mal was schrieb, war ich sehr erstaunt, dass nicht mal eine Rubrik "Wirtschaft" existierte - und das 6 Jahre nach der größten Finanzkrise der Menschheit?

Und wenn man schon glaubt - oder vorlebt? - den Strom in seinem Lauf nicht ändern zu können - welchen Anspruch "links oder gegen Mainstream zu sein" stellt man sich dann, tagtäglich - und überhaupt?

- Um so dringlicher, dass wir einen positiven Populismus von Links entwickeln, der demokratische und soziale Rechte vor Eliten und Oligarchen schützen will.

Sorry - allein der Ausdruck "positiver Populismus von Links" ist an laukalter Positionierung nicht mehr zu überbieten. Es geht nicht um einen "linken Populismus" - sondern einfach darum, dass die Gesellschaft durch die Ungleichheiten, die überwiegend + eindeutig auf das Schuldgeldsystem zurückzuführen sind ( ! ), gesprengt wird.

- Wenn es linkspopulistisch ist, Statistiken über die Vermögensverteilung zu zeigen und offen zu sagen, welchen Anteil die obersten ein Prozent davon besitzen, dann soll derFreitag ruhig linkspopulistisch sein. .. usw.

Also wenn man meint, dass man deshalb schon "links oder gar gegen den Mainstream" ist, weil man nicht mehr zu verbergende Tatsachen "zitiert" - dann ist das wohl so gemeint.

- - -

Also - allein de Weg ist stoanig ... sagt ein steirisches Sprichwort. Es bleibt noch viel zu tun, wenn man WIRKLICH gegen den Mainstream sein will - offen gesagt.

In diesem Sinne - alles Gute!

Fro 06.11.2015 | 00:59

„Der Freitag stellt sich bewusst außerhalb dieses Mainstreams. Darin liegt seine Existenzberechtigung aber auch seine Ohnmacht. Das ist das Paradox linker Gegenöffentlichkeit. Wir können den Strom in seinem Lauf nicht ändern."

Na ja, ich würd' mal sagen, die Mainstreamschreiber sind ohne Macht, weil sie sich lediglich zu Dienstleistern der Mächtigen machen...

Und den Strom ändern kann mitunter schon ein kleines Stöckchen, das man in den Strom stellt.

Der Fokus auf Alternativen zur Alternativlosigkeit scheint mir ein Schlüssel zum Erfolg einer schlaulinken Zeitung.

Und erinnert sei hier an eine uralte Weisheit: (Intelligente) Frechheit siegt.

Viel Glück.

mymind 06.11.2015 | 01:10

Den Vorwurf des Populismus muss man sich dann hin und wieder gefallen lassen. Der Philosoph Ernesto Laclau hat geschrieben, Populismus sei „die Stimme derer, die aus dem System exkludiert sind“. Ein gefährlicher Satz, wenn man nach Dresden blickt, wo die rechten Horden marschieren und ins Internet, wo die Saat von Hass und Brutalität blüht.

Um so dringlicher, dass wir einen positiven Populismus von Links entwickeln, der demokratische und soziale Rechte vor Eliten und Oligarchen schützen will….

Gut erkannt _ noch schöner wäre, zu dieser Entwicklung auch beizutragen. Das Reingrätschen ist leider immer noch eine typisch Linke Nummer _ wie zuletzt an dem grottendämlichen Aufreiben der DF- & CO insbesondere mit den NDS & Albrecht Müller zu verfolgen war. Von den Aktionen & dem Umgangston innerhalb der DFC möchte ich gar nicht erst anfangen.

Gar nicht schön das Ganze _ vor allem überflüssig wie ein Kropf. Ein In-Sich-Kehren täte allen daran beteiligten wie überspannten Protagonisten gut.

Anyway _ Happy Birthday DF!

Mein Wunsch: Lasst uns zumindest versuchen, es in den nächsten 25 Jahren besser zu machen!

mymind 06.11.2015 | 01:23

Anmerkung: dass der Freitag "links" sein soll, ist mir nicht wirklich aufgefallen - lautet nicht der Slogan: "Im Zweifel links" - was ich eher als laukalt bis ein bisschen mau, bezogen auf eine linke Zeitung, bezeichnen würde.

Links ...? Nee.

Sehr fein beobachtet! ***** Das ist ja eben die Krux: Nicht nur manchmal habe ich das Gefühl, dass sich etliche hier als Linke bezeichnen, weil sie nicht rechts wählen. Aber reicht das???

Also - allein de Weg ist stoanig ... sagt ein steirisches Sprichwort. Es bleibt noch viel zu tun, wenn man WIRKLICH gegen den Mainstream sein will - offen gesagt.

JO! Packen Wir´s?

denkzone8 06.11.2015 | 02:40

nicht nur an robert(unbekannterweise): bin lange um den text herum-geschlichen, der viel bedenkenswertes enthält. aber der kern ist der resignative horror, der sich überträgt und umsich-greifen will...(und auch mich zuweilen anspringt).... der witz ist weg, wenn recht-haben nicht zur geltung kommt. bitter, wenn das aber-witzige triumphiert oder die bühne füllt, trotz besserer einsichten(soviel selbst-achtung ist noch, das licht nicht unter den scheffel zu stellen.oder?) total-verluste sind kaum ertragbar, aber: verloren sein ist schlimmer. gefühle des scheiterns sollten wir nicht aus-schließen, das alleine-lassen schon. ..stimme aus dem off: mensch, vermeide pathos, bleib sachlich, besonders bei den haupt-sachen!

denkzone8 06.11.2015 | 03:15

im retten des eigenen popos sind die gewitzt(--->floß der medusa). ehe es denen wehtut, krepieren etliche der zweiten und dritten klasse(--->titanic)....aber den populismus beherrschen sie aus dem ff., ohne ihn öffentlich zu reklamieren. aber wenn jemand den zaubertrick klaut und ihnen den großen lümmel volk ausspannen will(sich einspannen-lassen ist sein hobby.oder?), skandieren sie: " haltet den dieb! so billige phrasen sind wähler-unwürdig!": als empörte bestohlene des eingemachten....wie positiver populismus geht, wie empörung über populistische verarschung zu generieren ist, ohne das schema des nutzens von unwissen zu nutzen, ist sicher der denk- anstrengung wert.

denkzone8 06.11.2015 | 04:55

"wir können den strom in seinem lauf nicht ändern". ein journalisisches/politisches no-go sind strom-assoziierende metaphern, wenn damit unterschiedslos gesichtslose,selbst-vergessene tröpfchen, die als solche dem sog der andern folgen, aus distanzierter betrachtung dem politischen dienen sollen. das bild impliziert un-ansprechbarkeit, fatales. im besseren falle dient es zur beruhigung, inspiriert zu nichts anderem als kontemplation/dösen. als bedrohliches lenkt es die aumerksamkeit auf dämmung, drohende durch-brüche etc. front-stellungen ergeben sich automatisch, massives ist erforderlich oder genaue inspektionen von subversiven durch-sickerungen,schwach-stellen-ermittlung und überwachung....zur ent-spannung: als ehemaliger kanute weiß ich, daß sich an widerständen im fluß-bett -->kehrwasser bildet, daß selbst von amtlichen fließ-optimierern nur schwer eliminiert werden kann. der main-stream produziert an widerständen immer oppositions-strömungen. diese haben nur nach wider-lichem ausschau zu halten, sich und andere zu stärken. oder?

Community84 06.11.2015 | 11:00

"Auf offener Straße wird in Berlin ein Journalist mit den Worten 'Du linke Drecksau' niedergeschlagen."

Roland Tichy äußert auf YouTube die Drohung aus einer linken Gruppe, man möge ihn aufhängen. Stelle ca. bei 32:12, siehe Link.

Es ist wie bei den zwei Kranken, die sich darüber streiten, wer der kränkere ist. Was mir bei der Flüchtlingsdebatte auffällt, dass mit der Willkommenskultur völlig falsche Signale und Symbole gesetzt wurden. "Wir schaffen das - eine Willkommenskultur". Es entstand ein falscher Eindruck - aber wie? Dass Merkel einen Ruf gestartet hat. Hilfe - die Invasoren kommen. Die Sozialschmarotzer, die Wirtschaftsflüchtlinge. Der rechte Rand, davon scheint auch eine Mitte überzuschwappen, hat Ängste aufgrund des Sozialabbaus, der 2008/2009 eben nicht bemerkt und verschleppt wurde. Oder doch seit der Agenda 2010?

Das Video ist interessant zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=2bk4oPF6unk

schna´sel 06.11.2015 | 11:20

"In den letzten Tagen tobten hier ja heiße Gefechte der Avantgarde um den Ton bei den Nachdenkseiten."

Ja, ich hab's verfolgt, teilweise zumindest. Der kluge Kommentar von Wolfgang Michal, speziell der Bezug zu den Nachdenkseiten hat mir allerdings auch sehr gefallen! Aus wirklich berufenem Munde und um jeden Zweifel auszuräumen. Das ist doch mal ein ganz anderer Ansatz, als diese ständige Hackerei, gerade unter aufgeklärteren Vögeln...
Was die neue Welt betrifft: Tja, mal schauen, Ich glaube aber, dass diese Luft leider für immer raus ist bei mir. Macht aber nix, weil ich irgendwie das Gefühl habe, angekommen zu sein. In Asien vielleicht...? ;-) Wo auch immer, nicht lokal, auch nicht im Jenseits oder im Nirgendwo, aber angekommen. Und irgendwie wollen die Strolling Bones auch gar nicht mehr und mehr und mehr und mehr... Danke für die Ermutigung, LG!

Magda 06.11.2015 | 11:47

Die Leute irren. Es gibt keine Manipulation von oben. Die Journalisten übernehmen das selbst. Die Grenzen zwischen Nachricht und Propaganda sind schmal, nicht nur in Russland, auch bei uns.

Das ist sicherlich so. Die Zeiten erfordern, dass jeder Journalist seine Finger höchst individuell in den Wind hält. Eine Art Komplizenschaft wird da fast erzwungen. Aber von wem? Da ist die Frage

Es gibt (scheinbar) keine Manipulation von oben, weil man "oben" heute gar nicht so leicht orten kann. Und weil dieses "oben" natürlich viele Freiräume zulässt. So haben viele im "Osten" ja auch damals die Medien immer wahrgenommen und das Manipulative, die verdeckte "Linie" nicht gesehen.

Es gibt trotzdem inszenierte Medienkampagnen. Und ihre Protagonisten. Z. B. Schirrmacher hat da - anfang der 90er - diese unselige Christa-Wolf-Kampagne losgetreten. Und der hatte natürlich die Gewissheit, dass das genau richtig ist und wenig Gegenbewegung zu erwarten. Es genügt der "Riecher" dafür. Delegitimierung war damals up to date. Und die Sicherheit, sich damit zu dort zu empfehlen, wo es weitergeht mit der Karriere. Aber wo ist "dort"?

Und es gibt Thinktanks auch in diesem Lande, die via Agenturen ihre Sicht durchsetzen. INSM heißt z. B. so ein Laden. Bei Andrea Ypsilanti war das damals ganz deutlich. Und bei Christian Wulff auch, der natürlich auch panisch-unprofessionell reagiert hat.

Ich wundere mich , dass dies immer wieder wie eine Art Generationen-Schock erkannt wird. Das weiß "man" doch seit Jahr und Tag. Von den siebziger Jahren bis heute gibts da immer wieder Beiträge in den Medien, aber es ändert sich nichts.

Columbus 06.11.2015 | 12:40

Nein. Wenn im kommenden Jahr das neue britische Geheimdienstgesetz wirksam wird, sind die Ärsche auf ewige Zeiten gesichert. Andere Nationen haben das stiller schon vor- und durchgezogen, z.B. das umfangreiche Home security - Programm der USA, seit 9-11.

Auch bei uns, werden die dafür zuständigen Sicherheitsbehörden nicht etwa kontrolliert oder gar aufgelöst, also dem normalen, juristisch überpürfbaren Prozess unterworfen (Polizei, Staatsanwalt, Gericht), sondern abgesichert und gestärkt.

Augstein hat sehr Recht: Nicht Gott will es, der Bürger, besonders Kleinmann, will es, unbedingt. Dafür wählt er recht regelmäßig und passend.

Warum? Weil Kleinmann der Arsch auf Grundeis geht und nicht der Elite oder den Oligarchen. Da wählt Kleinmann nämlich diejenigen, die er für erfolgreich hält und hofft es tröpfelt was bis zu ihm. Da verzichtet Kleinmann gern auf Freiheitsrechte, dass ihm ausreichend Brot und Spiele geboten werden.

Z.B., spannende Aufregung in der dFC, auf dem Teufelsrad der Worte, zur Bezichtigung und Exklusion.

Beste Grüße

Christoph Leusch

John St.Clair 06.11.2015 | 12:45

Der Beitrag überzeugt nicht. Folgenloses Wehklagen über fatale Versäumnisse in der Vergangenheit ist noch lange kein Zeichen von Kognitionszuwachs oder Anlass zur Hoffnung, dass sich medial wieder etwas in Richtung der verfassungsgemässen Stellung als Kontrollinstanz im Staat und relevante Schutzmacht für die Bevölkerungsmehrheit bewegen könnte.

Buchtip: John K. Galbraith: Wirtschaft für Staat und Gesellschaft. Wenn man sich vor Augen hält, dass schon frühen Siebzigern die faulen Taschenspielertricks der Neoliberalen völlig durchschaut wurden, ist das intellektuelle Versagen vor dem neoliberalen Tsunami doppelt unverzeihlich. Es wird aber erklärbar, wenn man die anmassende Selbstzuschreibung "Journalist" durch passendere Etiketten ersetzt, z.B. durch "Chronist" bzw. ungeschönt: "Schranze".

Columbus 06.11.2015 | 13:28

Delegitimierung, das ist ein gutes Stichwort, Magda.

Daniele Ganser wird nicht in Iserlohn auftreten.

Aber welche Medien aus dem Pool der unbegrenzten Möglichkeiten, öffentlich- rechtlich organisiert oder privat verlegt, werden ihm für seine durchwegs durchdachten Analysen zur NATO, zu Big Oil, zu den eben nicht geklärten Fragen um WTC7, pp., Raum bieten, statt ihn als "Verschwörungstheoretiker" zu brandmarken, der er nicht ist und nie war?

In Wahrheit ist diese billige und mediale Form der Delegitimierung, die sich manche Linke, aber auch ein großer Teil des "Mainstreams" vorstellen und zu eigen machen, das Grauen der offenen Gesellschaft und sperrt, bisher nur rhetorisch, Leute zusammen die nicht zusammen gehören, in ein Mediengefängnis. Das schadet allen Bürgern, weil so die Diskurse immer alternativloser ausfallen und sich die Welt verengt.

Beste Grüße, vom boshaften, unwissenden, naiven, feigen und schlecht informierten Mitforisten, der sich nur freut, wie Sie alles immer schon erkannt und seit langem gewusst haben.

Christoph Leusch

wwalkie 06.11.2015 | 14:41

Die Vögel sind natürlich Spottdrosseln und Programm, spielen sie doch auf das so traurige wie hoffnungsvolle Communelied "Le Temps des Cérises" aus dem Jahr 1871 an:

Quand nous chanterons le temps des cérises

Et gai rossignol et merle moqueur

Seront tous en fête

Les belles auront la folie en tête

Et les amoureux du soleil au coeur

Quand nous chanterons le temps des cérises

Sifflera bien mieux le merle moqueur.

(Ich füge keine Übersetzung an, weil es keine gute gibt. Nur die letzten beiden Verse wörtlich: Wenn wir die Kirschenzeit besingen werden/Wird die Spottdrossel noch viel besser pfeifen)

schna´sel 06.11.2015 | 15:01

"Dem ist nichts hinzuzufügen."

Leider schon in meinen Augen. Weil an der Stelle nämlich der Hund begraben oder der Hase im Pfeffer liegt. Weil auch der Freitag es sich unter den gegebenen Umständen nicht leisten könnte, den "durchwegs durchdachten Analysen zur NATO, zu Big Oil, zu den eben nicht geklärten Fragen um WTC7, pp., Raum bieten" und Herrn Ganser beipielsweise zu interviewen. Kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen. An dem Punkt zeigen sich dann eben die Unterschiede zwischen der Freiheit, die wir meinen und zu der wir auffordert sind, sie politisch umzusetzen und der Realität in der wir alle stecken. So auch hier auf Erden. In dieser Realität müssen einige Herrschaften leider draußen bleiben, selbst wenn sie promoviert wurden und ihre Argumente und Analysen gut recherchiert und durchdacht vortragen könnten.

berlino1010 06.11.2015 | 15:25

Die Leute irren. Es gibt keine Manipulation von oben. Die Journalisten übernehmen das selbst. Die Grenzen zwischen Nachricht und Propaganda sind schmal, nicht nur in Russland, auch bei uns.

Es ist sicher richtig, dass wir in den Leitmedien keine Gleichschaltung per Befehl, Verschwörung oder sonst einer zentralen Befehlsstelle haben.

Dennoch sind unsere Leitmedien nicht frei und schon gar nicht demokratisch. Besitzverhältnisse, einseitig neoliberal und transatlantisch besetzte Gremien sorgen für entsprechende Intendanzen und Chefredaktionen, die sehr wohl "von oben" beeinflusst die entsprechende Personal- und Blattpolitik durchsetzen.

Mit den Klebers, Lielischkies, Atais braucht es dann natürlich keine Vorgaben mehr, die machen ihre Propaganda ganz freiwillig.

Und leider kann ich nicht sehen, dass sich der FREITAG wirklich ausserhalb des Mainstreams stellt. Wie sonst kommt es zur ungeprüften Übernahme der Leitmedien-Propaganda wie bei P. Rauschenberger: "Angst vor Assads Fassbomben" ?

Magda 06.11.2015 | 15:42

Nee, es ist aber auch nicht legitim, nun wieder alles in einen Topf zu werfen.

Dichotomien - Sie pflegen Sie genau auch.

Wer Ganser kritisch sieht, der billigt, dass "Wikipedia dunkle Seiten" hat. Wenn man dort mal nachguckt. Die enttarnten "finsteren Mächte" sind ein engagierter Aktivist gegen rechts, der in seiner Stadt Initiativen gegen die NPD mit verantwortet und sich - z. B. in Bezug auf Dresden gegen eine revisionistische Geschichtsbetrachtung wendet. Nur mal so als Beispiel. Wer sich alles gegen falsche, ideologisierende Wikipedia-Arbeit wendet, hat immer einen Anlass, immer einen Hintergrund. Die Literaturwissenschaftler laufen Amok, die Feministinnen auch oft, die Historiker sowieso. Der ganze Aufwand, um einen Linken zu enttarnen. Ich bitte Sie. Gefällt Ihnen sowas? Das ist Erleuchtung, wie verrückt.

Zu Gansers Inhalten habe ich mich nur bedingt geäußert. Da gibts - nebenher - gute Arbeiten, auch kritisch-würdigende. Viele finden einfach - grob gesprochen -dass er Journalismus-Recherche mit Wissenschaft immer mal durcheinander bringt. Da hat wwalkie recht. Der ist wirklich nicht sakrosankt. Wenn der Freitag mit ihm sprechen wollte, was wäre dann? Mit ihm wurde auf 3Sat auch schon gesprochen und was weiß ich wo noch.

Thema Bosheit möchte ich nicht vertiefen. Ihr Kommentar bevor ich mich habe hinreißen lassen, war einfach zu persönlich und zwar nicht nur gegen mich. Das müssen Sie schon mal einstecken.

Thema Vereengung: Wenn ich manche Jebsen Videos sehe, da springt mich eine politisch-geistige Verengung - immer nur auf Jebsens Weltsicht - an, wie sie eigentlich eher "Missionierenden" eigen ist. Und auch eine Politschläue, die nicht sehr vertrauenserweckend ist. Und das gilt auch für einige andere "alternativen" Medien, die sich wechselseitig aufeinander beziehen und hochschaukeln.

Ich will mich mit Ihnen nicht streiten, aber vielleicht denken Sie auch mal drüber nach, ob es sehr vertrauensfördernd ist, wenn Sie mich dauerd so persönlich angehen. Ich glaube nicht, dass ich das mit Ihnen so mache.

Columbus 06.11.2015 | 16:10

Ich habe in meiner Abrede oben, liebe Magda, absichtlich nur die Wertungen gewählt, die Sie mir realiter haben zukommen lassen, die mir gerade, während ich so schrieb, noch einfielen. Um das hier mal klarzustellen!

Geben Sie bitte nicht die Prinzessin auf der Erbse und die Unschuld aus der Bärenstadt.

Zu ihrer letzten Zitatpraxis im eigenen, dann abgesperrten Blog, kann ich Sie nur beglückwünschen. Wer das nachvollziehen will, der schaue eben auf den entsprechenden Blogbeitrag und sein Ende. Es ist genau diese Methode, die so viel linkes Elend und Bedeutungslosigkeit erst mit verursacht hat.

Zum anderen: Der beste Antifaschist kann sich in seinem Jagdfieber verrennen und, dass Kommunisten gute Antifaschisten waren, -die besten liegen da, wo alle Moorsoldaten liegen oder gingen gar in Rauch auf-, hielt sie weder vom Stalinismus, noch vom real existierenden Sozialismus ab.

Beide Spielarten beschädigten den Kommunismus so weit, dass heute, selbst von Leuten die es besser wissen müssen, keine Trennstriche mehr gezogen werden, zwischen Faschismus und Kommunismus.

Liebe Magda, Ihnen möchte ich zu bedenken geben, ob die Art und Weise wie Sie zu diskutieren und zu werten wünschen, linkes Denken nicht doch allzu sehr verzwergt.

Gutes Wochenende

Christoph Leusch

Magda 06.11.2015 | 16:35

Zum anderen: Der beste Antifaschist kann sich in seinem Jagdfieber verrennen und, dass Kommunisten gute Antifaschisten waren, -die besten liegen da, wo alle Moorsoldaten liegen oder gingen gar in Rauch auf-, hielt sie weder vom Stalinismus, noch vom real existierenden Sozialismus ab.

Davon kann man ausgehen. Aber, darum gehts nicht, sondern um ein "dunkles Wikipedia" in der verzwergten Variante. Ich hatte mindestens erwartet, dass irgendwelche Gladio-Truppen bei Wikipedia heimlich mitmischen, wenn es um Ganser geht oder auch die CIA.

Eine kritische Ganser-Würdigung ist dieser Autor.

http://www.lecorte.de/

Der hat eine ziemlich umfassende Publikation ins Netz gestellt.

Da gehts aber nur um SBO-Gladio.

herb66 06.11.2015 | 17:10

Ein paar Wochen war ja in Deutschland einiges Durcheinander, da eine CDU Kanzlerin Flüchtlinge Willkommen hieß und die Linke anscheinend irritiert verstummmten, man hat sie gar nicht mehr wahrgenommen.

Nun ist ja alles wieder im Lot und die Lager zurecht gerückt nach dem letzten Treffen von Merkel, Seehofer und Gabriel-

Also richtig überflüssig wird eine linke Zeitung nie, und die Welt ändert sich auch nicht.

Das zu erklären kann eine gute Aufgabe sein, missionieren eher nicht.

Auch von mir als Neuleser herzlichen Glückwunsch zum 25.

miauxx 06.11.2015 | 18:45

Doch mal kurz zur Ganser-Wikipedia-Causa, obwohl hier eigtl. nicht der Ort ist. Aber Du lässt Dich hier zu einer argen Verengung hinreißen - wohl um Columbus' Stichelei zu kontern.

Dass durch die Filmemacher der "dunklen Seite" dieser "Kopilot" enttarnt wurde, geht eindeutig zu weit; das ist auch mir sauer aufgestoßen. Solche Pranger gehen gar nicht! Jedoch macht es doch nicht den ganzen Film unglaubwürdig. Nachvollziehbar und belegt wird deutlich, dass es ja eben nicht nur dieser "Kopilot" war und ist, der jeglichen Versuch, die diskreditierende - ebenso unlautere - Verschwörungstheoretiker-Unterstellung in ein neutrale Beschreibung zu wandeln. Derartige und v.a. auch bereits einmalige Versuche des Editierens wurden gar mit vollkommenen Nutzersperren sanktioniert. Es steht da eine ganz feste Wand, die offensichtlich Rückendeckung haben muss. Mittlerweile ist der Ganser-Artikel einschl. der Diskussionsseite vollkommen für's Editieren gesperrt; es können jetzt nur noch Anträge auf Änderungen gestellt werden.

Der verletzte Schutz der Identität von "Kopilot" ist eine Sache. Dass es sich bei der Person hinter diesem Nick um eine ansonsten viell. honorige Person handeln mag, ändert nichts an den groben Verletzungen des 'Wikipedia-Ethos' eben gerade durch Leute, die Administrationsgewalt bei Wikipedia haben.

THX1138 06.11.2015 | 21:33

Der Freitag ist für mich eine publizistische Oase der Unabhängigkeit mit ungewohnt viel Tiefenschärfe und deshalb zu einem unverzichtbarer Bestandteil meines täglichen Medien- und Informationskonsums geworden! Vielen Dank, dass Sie den Freitag mit Ihrem Idealismus, ihrer Hartnäckigkeit- und nicht zuletzt auch erheblichen finanziellen Mitteln- überhaupt erst möglich machen, Herr Augstein!

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Ehemaliger Nutzer 06.11.2015 | 22:13

Die Meinung Zeile ich überhaupt nicht. Woraus sollte das Recht des Denunzianten, dies aus der Anonymität tuen zu dürfen, resultieren? Ist mit vollkommen schleierhaft.

Ich würde dies vielleicht noch verstehen, wenn er einfach seine, durchaus negative, Meinung zu Ganser formuliert hätte. Er hat aber, vorausgesetzt die Feststellungen im Film stimmen, diktatorisch andre Meinungen unterdrückt. Dafür soll er gefälligst mit seinem Namen einstehen.

Und ich gehe noch weiter. Ich möchte sehr wohl wissen, ob ich mit meinem Steuern diesen obsessiven Zensurismus mit bezahle. Wenn er Angestellter der Uni ist, sollte es kaum möglich sein, diese irre Zahl von Aktivitäten, von denen im Film die Rede ist, in der Freizeit zu bewältigen. Wenn ich hier vormittags poste, kann ich das, weil ich 42 Arbeitsjahre hinter mir habe. Und ich sehe nicht ein, dass wir einem diktatorischen Zensoren den Lebensunterhalt zu finanzieren haben.

Falls es nicht, was ich nicht ausschließe, noch viel schlimmer ist. Sehr viel schlimmer....

SuzieQ 06.11.2015 | 23:38

Lieber Jakob Augstein,

sehr schön, dass Sie an den Geburtstag des Freitag erinnern, Erstausgabe 09.11.1990, in diesem Zusammenhang gefällt mir auch die kurzzeitige rote Reminiszenz im dF-Logo online.

Immerhin.

Ihr Freitag, das Meinungsmedium und nicht mehr die Ost-West-Wochenzeitung, skandiert unter dem Motto 'irgendwie links'. Sie brauchen Print-Abos, um wirtschaftlich werken zu können, um schwarze Zahlen zu schreiben. Dazu braucht es ein wissendes, wissbegieriges und aktives Publikum, das zahlt. Und Sie brauchen Ihre Blogger, wissend, wissbegierig, aktiv, solange sie nicht zahlen (müssen).

Ich lese wenig von Ihnen in Ihrem Freitag. Noch weniger lese ich, wenn Sie innerhalb der Community direkt angeschrieben i.S.v. angesprochen werden.
Ich finde Sie und den Freitag auf Twitter, Facebook etc.
Ich sehe Sie im Freitag-Salon im Maxim Gorki Theater, höre Sie auf radioeins, finde Sie in diversen TV-Sendungen und Shows, ...
so weit, so fein.
Stehen Sie mutig auf im Sinne der vierten Gewalt im Staat, bringen Sie Nachrichten, Geschichten, Referate, Gespräche, Zahlen, ..., die wahr sind, authentisch, ungeschönt, souverän, gegen den mainstream, mit dem salzigen Finger in Wunden..., lassen Sie den Freitag Denkort von Alternativen sein, und immer raus mit den positiven (links-) populistischen Gedanken.
Seien Sie für dagegen.
Kuscheln wird überschätzt..., Ironie auch. Selbstoptimierung ist ein Nomen.

Ich wünsche viele Gespräche, Interviews und Beiträge von und mit Linken, irgendwie Linken, kritisierten Linken und Kritikern der Linken, und ich wünsche breit gefächerte Werbung für den Freitag, dafür weniger branchenfremde Werbehämmer online.

Angebot und Nachfrage sind Regulative, starten Sie doch mal eine Umfrage, gern online und im Print, um zu erfahren, was sich die Leser vom 'der Freitag' erwarten, und fragen Sie, was den Menschen ge- oder miss- und was ihnen einfällt, auch, ... um Abos schmackhafter zu machen, um mehr Trinkgeld pro Beitrag zu erhalten, um langfristig Kundschaft zu binden.
Boulevard isses auch. Nicht.
Selbstverständlich, ohne die Community zu verhökern.

Vielen Dank, transparenten Blick nach vorn, auf die nächsten 25 Jahre und Glückwunsch,
SuzieQ
*geht ab, murmelt vor sich hin, es klingt wie: gewerbsmäßige Sterbehilfe ist strafbar, was isn dann mit Transitzonen, HartzIV, Pfändungskonten, AKW, 10fachimpfung, Waffenlieferungen, boah, kristekrise*

a.schulze-allenk 07.11.2015 | 17:02

Schön, dass auch Herr Augstein gegen den Mainstream ist. Bei der Kampagne, als es um eine Erhöhung der Vermögenssteuer ging, um auch die Reichen an den Kosten unseres Gemeinwesens zu beteiligen, hielt sich die journalistische Unterstützung des Freitag und seines Herausgebers in Grenzen, um es milde auszudrücken. Jetzt die unbewiesene Behauptung zu wiederholen, dass die Grünen die Bundestagswahl wegen ihrer Steuerpläne verloren hätten, bläst in das gleiche Horn. Auch die Behauptung, unsere "vergreiste" Gesellschaft brauche Zuwanderung ist nicht sehr überzeugend, wenn man sich die Jugendarbeitslosigkeit in der EU anguckt. Moralische Appelle und ein Einfordern von Weltoffenheit, um die sich abzeichnenden Verteilungskämpfe am unteren Rand der Gesellschaft in zivile Bahnen zu lenken, werden scheitern, wenn wir nicht endlich denen auf die Füße treten, die die Entsolidarisierung der Gesellschaft durch ihre neoliberale Politik des Sozialabbaus und des Lohndumpings vorangetrieben haben und schon jetzt an einer weiteren Senkung der Sozialstandards arbeiten. Dem Klassenkampf von oben muss endlich ein Klassenkampf von unten entgegengesetzt werden. Sonst werden immer mehr Menschen ihr Heil im Kampf gegen die Flüchtlinge sehen und da lässt sich mit moralischen AppelIen nach aller Erfahrung wenig ausrichten.

Exilant 07.11.2015 | 18:05

Warum gibt es in der mainstream-Journaille Sprachregelungen, wenn jede/r für sich schreibt?

"Reform", "Pragmatiker", "Realo", "Privatisierung", "Lohnnebenkosten", "Steuereinnahmen sprudeln", etc., etc..

Bezüglich des Wahlergenisses der Grünen 2013: Ich glaube, mich erinnern zu können, daß die genannten Steuererhöhungen im Frühsommer 2013 beschlossen, die Pädophlie-Diskussion später einsetzte. Die Grünen hatten 2-3 Monate vor der Wahl 2-3% mehr als bei der Wahl, bei der SPD war es umgekehrt, mithin also "kommunizierende Röhren".

Ich lasse mich aber gern eines Besseren belehren.

Columbus 07.11.2015 | 21:11

Liebe Frau Schulze- Allenk,

Es genügen wenige Sekunden, um das Gegenteil aufzuzeigen. Lesen Sie selbst. Und bedenken Sie bitte auch einmal, dass Jakob Augstein auch nur eine einzige Kolumne, neben seinen anderen verlegerischen und publizistischen Aktivitäten, schreibt.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-ueber-steuersuender-und-die-steuerplaene-der-gruenen-a-897088.html

Auf den Webservern liegen dann aber solche Anfälle und Totalausfälle, der wahren Feinde der offenen Gesellschaft, die sich aber anders nennen:

https://fdogblog.wordpress.com/tag/jakob-augstein/

>>Spiegel-Online-Kolumnist Wolfgang Münchau vergleicht, nein setzt deutsche Unternehmerfamilien mit russischen Oligarchen gleich. Welch Wunder, ausgerechnet die Famile der Spiegel-Eigner fehlt in dieser Aufzählung. Nur auf seinen Mitkolumnisten trifft der Vorwurf nämlich zu. Jakob Augstein subventioniert mit Spiegel-Gewinnen seine linke antisemitische Kampfpostille “Freitag”, statt die ordentlich zu versteuern, also letztlich auf Kosten der anderen Steuerzahler, denen er gerne so hohe Sätze an den Hals wünscht, die er nicht zu fürchten braucht.<<

Es geht noch schlimmer.

Aber so etwas ist der tägliche Hintergrund für die Tätigkeit eines engagierten Menschen. Das Schlimme ist ja, dass am o. eingestellten Textausschnitt nicht einmal einfache Fakten stimmen, denn Augstein hat z.B. im Spiegel nicht die Hausgewalt, und wenn es im "Freitag" Antisemitismus gibt, dann höchstens in einer der wirklich immer möglichen, wirren Einträge ziemlich durchgeknallter Kommentatoren, die zur offenen Gesellschaft leider dazu gehören.

In seinem Buch "Sabotage" kommt Augstein ebenfalls auf die Vermögenssteuer zu sprechen und ebenso in einigen Interviews. - Nicht selten wird ihm höhnisch nahegelegt, er solle doch den unglaublichen Reichtum, den viele bei ihm und seiner Familie vermuten, spenden. Dümmer geht es nimmer.

Sie sehen, die Rumpelblogger, Nullchecker und Motzkis, die schlicht Unwissenden und die elenden Anschmierer, die das Web und durchaus auch Zeitungen und andere Medien füllen, sie sterben nie aus. Es ist wahrlich einfacher, diesen ganzen Käse in die Welt zu setzen, als ihm dauernd zu widersprechen.

Ich finde, es auch nicht passend, ständig zu schreiben, was Jakob Augstein sofort und gleich tun müsste.

Sie könnten doch einmal versuchen, ein paar gut formulierte und sachliche Blogs hier einzustellen, um ein paar detailierte Vorschläge zu machen. Das kostete Zeit. Aber einen Versuch wäre es wert, um einfach auch einmal das Selbsterlebnis genießen zu könne, mühsam einen guten Text (Inhalt und Form) zu schreiben.

Beste Grüße

Christoph Leusch

mymind 08.11.2015 | 19:32

Augstein hat sehr Recht: Nicht Gott will es, der Bürger, besonders Kleinmann, will es, unbedingt. Dafür wählt er recht regelmäßig und passend…

Stimmt schon, aber wissen Kleinmann & Kleinfrau denn, was sie mitwählen, welche Konsequenzen längerfristig auf sie zukommen? Vielleicht wäre es einigen oder sogar den meisten unter ihnen auch egal selbst wenn sie es wüssten, solange der kleine Tropfen sie noch speist. Doch nicht allen _ & um die geht es. Revolutionen waren nie das Ereignis einer Mehrheit der Bevölkerung, sondern eines, das mit einer nicht zu vernachlässigende Anzahl von Bürgern stattfand.

Nicht umsonst wird der Meinungskrieg immer härter geführt, alle Gegen-den-Strom-Schwimmer immer deutlicher gebasht _ auch die ´moderaten & gemäßigten´ _ nun benutze ich die attributiven Adjektive umgekehrt auch mal ;-))

Meine pessimistische Seite gibt Ihnen Recht: Vermutlich ist der Drops gelutscht. Meine optimistische Seite weiß, dass es immer einen Funken von Widerstand geben wird, zumindest solange sich die Erde noch dreht & nicht zur Scheibe erklärt | gebombt wird.

LG _MM

Columbus 08.11.2015 | 20:16

Ja, da liegt der Hund begraben. Aber woher soll der Bürger seine Information nehmen?

Augstein und ein paar weitere Kollegen, schreiben vielleicht ´mal einige Kolumnen und er hat da auch ein Blatt mit Maximum 20.000 Auflage. ND, Nachdenkseiten, ein paar Minuten TV-Politmagazine, die nicht immer nur Mainstream berichten, ein paar Online-TV- Kanäle, einige Blogger und das politische Kabarett, dazu ein paar übriggebliebene kritische Wissensschaftler. Das war es dann und es reicht ersichtlich nicht.

Kommt fundierte Kritik, dann wird sie in den Mainstream- Medien höchstens dazu benutzt, sie als außenseiterisch vorzuführen. Anders ist nicht zu erklären, dass wir eine Regierung immer noch im Amt haben, die bei der illegalen Ausforschung fremden Mächten, die als Freunde gelten, freie Hand lässt.

Geheimdienste sind wie Radioaktivität. Lange Zeit tut deren Wirkmacht nicht weh. Aber sie haben, das wird immer vergessen, ein hohes Erpressungs- und Manipulationspotential gegen jeden und, aufgrund ihrer auch im Inneren geheimen Struktur, ein äußerstes Maß an Willkürchancen.

Praktisch politisch und im Lebensalltag taugen sie nicht viel, wie die Vergangenheit zeigte. Aber als Drohung funktionieren sie. Offensichtlich fühlen sich mehrheitlich Bürger der Demokratie sicherer, wenn der Staat vor allem die Nachtwächter vermehrt und schützt. Wohin man damit kommt, sieht man an den USA. Die NSA kann es sich mittlerweile erlauben, Forderungen an die Regierung und an die beiden Parlamente zu stellen, weil sie eine Super-Behörde wurde.

Von der Revolution, denke ich, sind wir noch weit entfernt und ich hege zudem die Befürchtung, es wäre keine linke für mehr Gerechtigkeit, sondern eher wieder eine, die von Rechten angeführt wird, die sich einen autoritären, gelenkten und nationalistischen Staat wünschen. Die Demokratie macht es ihnen einfach, weil es eben auch schon diese postdemokratischen Projekte gibt, die sich zum Beispiel "marktkonforme Demokratie" nennen oder INSM + Bertelsmann, im Recht zum Beispiel "Feindstrafrecht".

Beste Grüße

Christoph Leusch

denkzone8 08.11.2015 | 21:15

oh,oh,zu viel vom bitteren wasser der erkenntnis getrunken..die funktionalisierung des phantoms(terrorismus) durch dienste und ultras(immer ein west-brüller,wenn von ulbricht intoniert) zur fügsamkeit der naiven wähler eingesetzt, ist das ende der saison für widerständige...das perfekte match,daß selbst umtriebige windbeutel nicht aufknacken können...das perfekte gehäuse der hörigkeit, daß es sich leisten kann, hofnarren und linke nicht in folterkeller zu zwingen.

mymind 08.11.2015 | 21:54

Geheimdienste sind wie Radioaktivität. Lange Zeit tut deren Wirkmacht nicht weh. Aber sie haben, das wird immer vergessen, ein hohes Erpressungs- und Manipulationspotential gegen jeden und, aufgrund ihrer auch im Inneren geheimen Struktur, ein äußerstes Maß an Willkürchancen.

Das Problem ist doch eher, dass die Regierungen ihre Geheimdienste nicht im Griff haben, tw. gar nicht wissen oder auch wissen wollen, was die gerade machen. Das ist die eigentliche Gefahr. Es existiert in diversen Staaten ein unkontrollierter Geheimdienst, in denen einzelne Mitarbeiter absolut korrupt sind, darüber hinau in verbrecherische Machenschaften verwickelt sind. Ein Problem wird es, wenn diese Korruption in die Spitze geht. Man sollte mal das Casting checken, mit welchen Kriterien der Weg nach oben zustande kommt % welches Maß an Skrupellosigkeit dazugehört.

Der einzige Präsident weltweit, der vorher im Geheimdienst tätig war_ ist Putin, _soviel ich weiß. Nicht nur manchmal habe ich in den vergangenen Jahren gedacht, dass ein internes Wissen über diese Dienste oder zumindest das KnowHow der möglichen Operationen,_ auch der False-Flag_ inzwischen unabdingbar ist.

Von der Revolution, denke ich, sind wir noch weit entfernt und ich hege zudem die Befürchtung, es wäre keine linke für mehr Gerechtigkeit, sondern eher wieder eine, die von Rechten angeführt wird, die sich einen autoritären, gelenkten und nationalistischen Staat wünschen

Ja, dessen bin ich mir immer bewusst gewesen _ weswegen mich viele meiner Freunde kritisiert haben. Meine insgeheime Befürchtung ist eingetreten. sie war auch nicht so schwer nachzuvollziehen, gerade hierzulande, oder in Polen oder im Baltikum, in Ungarn, Kroatien & in vielen andern Ländern. Rechter Populismus kommt in allen ex-faschistischen Ländern immer noch gut an. In Kroatien _ einem EU-Land! _ wird gerade ein knallharter antiserbischer Wahlkampf geführt, auch von den sog. Sozialdemokraten. Hinzu kommt, dass diese Parteien & Politiker in der EU wie USA eine finanziellen wie imagemäßigen Unterstützung erhalten, die eine unabhängige linke Opposition unmöglich macht. Das ist aber auch so gewollt. Inzwischen geht westlich verstandene Revolution nur, wenn viel Geld reingebuttert wird & das Ergebnis die Börsenhalter befriedigt. Das ist ein riskantes Spiel, mit & auf die Rechten wird sich dabei verlassen. Die Drahtzieher wie Protagonisten passen auch besser zueinander.

Exilant 08.11.2015 | 22:18

Bezüglich der deutschen Unterwerfungsmentalität:

Unterschiedliche Persönlichkeiten wie Horst-Eberhard-Richter und John McCain sprachen bzw. schrieben von "Unterwerfungssucht." Ersterer in seinem zweitletzten Buch "Die Krise der Männlichkeit" im Zusammenhang mit HartzIV; letzterer bei Obamas Besuch in Berlin 2008 während des amerikanischen Vorwahlkampfes (er war ja der Gegenspieler).

Erich Fromm schrieb, daß die Deutschen Sadomasochisten seien und ein anderer vom "Radfahrer" (nach oben buckeln, nach unten treten).

Auch interessant: www.tagesspiegel.de/kultur/der-hauptdarsteller/597542.html (letzter Absatz)

denkzone8 08.11.2015 | 23:31

wenn jemand konstanten in einem volkscharakter feststellt, geh ich auf distanz: als konservative version bei churchill und den briten: die hunnen hat man entweder zu füssen oder am hals! als "kritische" siehe oben: wo ist das volk, daß nach oben tritt? die situativen bedingungen, die durch abschwächen oder anstacheln, geraten aus dem blick. fremden-haß und anti-semitismus gibts häufig. zum ethnozid sind noch andere voraussetzungen nötig, das böse entwickelt sich nicht einfach, es ist eine verwicklung. punkt heißt hier nicht: ruhe bewahren, sondern hebel suchen, hebeln versuchen.

Moorleiche 09.11.2015 | 11:31

Hallo Columbus.

Augstein und ein paar weitere Kollegen, schreiben vielleicht ´mal einige Kolumnen und er hat da auch ein Blatt mit Maximum 20.000 Auflage. ND, Nachdenkseiten, ein paar Minuten TV-Politmagazine, die nicht immer nur Mainstream berichten, ein paar Online-TV- Kanäle, einige Blogger und das politische Kabarett, dazu ein paar übriggebliebene kritische Wissensschaftler. Das war es dann und es reicht ersichtlich nicht.

Kommt fundierte Kritik, dann wird sie in den Mainstream- Medien höchstens dazu benutzt, sie als außenseiterisch vorzuführen. Anders ist nicht zu erklären, dass wir eine Regierung immer noch im Amt haben, die bei der illegalen Ausforschung fremden Mächten, die als Freunde gelten, freie Hand lässt.“

Du scheinst Dich in einem hohen Maße mit dem Freitag identifizieren zu können und bist ein versierter Schreiber der Community.

Ich habe mal ne Frage, die weniger böse gemeint ist, als die vielleicht klingt. Wo bitte ist denn der Freitag gegen den Mainstream aufgestellt?

Ich meine, in der Weise, dass man sich das als besonderes Charakteristikum an die Uniform heften könnte.

Ich lese kreuz und quer und ein wenig unsystematisch und kann einfach nicht zustimmen, dass alle immer nur gleichgeschaltet sind und so weiter.

Es gibt lausige und hervorragende Artikel überall. Ich hatte mal eine Zeit lang die Möglichkeit den „Cicero“ zu lesen, fand ich toll, vor allem Frank A. Meyer ist mir da als sehr guter Kommentator aufgefallen.

Und was ist schon links und rechts und so. Von der „ZEIT“ heißt es ja, sie sei politisch links, hätte einen liberalen Wirtschaftsteil und in noch einer Sektion sind sie eher konservativ.

Die FAZ hatte mal, vor allem in der Print-Ausgabe einen super Wissensschaftsteil, grausamer Mist – wirklich übelster Mainstream – war hingegen die Wissenschaftsektion des Spiegel, mindestens in den Fällen, in denen ich das gelesen und mich drüber geärgert habe. Ich will damit nur sagen, es gibt überall Licht und Schatten, teilweise hängt es an Redaktionen oder einzelnen Journalisten.

Vieles von dem, was sich heute damit brüstet gegen den Mainstream zu sein, ist ja oft schwer zu ertragener Unsinn. Aber ich will ja hier nicht meine Sichtweise ausbreiten, sondern ernsthaft fragen, wo die gegen den Mainstream Kernkompetenzen des Freitag liegen.

Ist das die antineoliberale Haltung oder so? Den Neoliberalismus findet doch wirklich niemand (mehr) sexy, also jetzt außer vielleicht expliziten Wirtschaftsmagazinen, aber sonst?

Ich mag, was hier geschrieben wird, keine Frage, sonst würde ich nicht mitschreiben, schon allein, weil ich mir auch was von dem Guardian/Freitag Ansatz halte, dass eine intelligente Community bereichernd ist.

Egal, die Frage sollte klar sein, mich würde Deine Einschätzung interessieren.

mickio 09.11.2015 | 13:22

"Ich hatte mal eine Zeit lang die Möglichkeit den „Cicero“ zu lesen, fand ich toll, vor allem Frank A. Meyer ist mir da als sehr guter Kommentator aufgefallen."

Frank "Die totalitäre Religion" Meyer, Frank "Auf jeden Fall religiös" Meyer ein sehr guter Kommentator? Der Frank A. Meyer, der zuletzt die leisen Autoren Navid Kermani und Martin Mosebach in die Nähe einer Anti-Aufklärung gerückt hat, nur weil sie das religiöse ernster genommen sehen wollen, und gleichzeitig die pointiert anti-islamischen Sozialwissenschaftler/innen Abdel-Samad und Ates als Befürworter des Säkularismus mit der Behauptung ins Feld führt, diese seien in den Medien unterrepräsentiert? Wenn dieser Artikel ein Pladoyer für den Säkularismus und andere westliche Werte sein sollte, dann sehe ich eben diese westlichen Werte damit eher in Frage gestellt.

Columbus 09.11.2015 | 21:15

Das ist mit Sicherheit keine böse Frage, Moorleiche.

I

Ja, ich identifiziere mich mit dem dF. - Das ist jedoch weniger dramatisch, als gedacht. Schließlich gibt es Blogger und Leser, die weniger wild durch die Medien suchen und lange mit einem oder zwei medialen Kreisen um sich, völlig zufrieden sind.

Der dF ist das Forum und Medium, das ich unterstützen möchte, so lange ich es eben kann. - Es gibt bestimmt immer jemanden, der das als Anpassung auslegt, obwohl ich praktisch jeder Autorin und jedem Autor dieses Blattes schon schrieb, ein Artikel, ein Argument, sei nicht gut gewesen. Nach Möglichkeit, steht immer eine Begründung dabei.

Ja, ich identifiziere mich auch ausdrücklich mit Jakob Augstein.

Ich habe damit keine Probleme, dies hier hinzuschreiben, weil mich erst einmal eine völlig zufällige Koinzidenz (ZEIT- Online änderte sich, die ZEIT bereitete mir jedes Jahr mehr Unbehagen), mich zu dieser Zeitung und zu diesem Verleger und Journalisten brachte. - Ich war eher sehr skeptisch und habe Augstein insgeheim unterstellt, dass er gar nicht durchhalten will, nur spielt; dass er es gar nicht ernst meint, mit der Erneuerung, die notwendig war, damit das Projekt überlebt. Seine Selbstverpflichtung, eine Online- Gemeinschaft stärker einzubinden, als es in jedem anderen Pressemedium der Republik bisher der Fall ist, glaubte ich eher nicht, weil ich ja nun Erfahrungen mit der ZEIT- online hatte.

Mir fiel allerdings immer schon auf, dass manche Kritik sich ausgerechnet gegen ein immer noch schwaches Medium und seinen Auftritt richtete, obwohl die viel wichtigeren Adressaten notwendiger Kritik, mit denen sich Journalisten und Blogger die nun unbedingt politisch denken, kontinuierlich auseinandersetzen sollten, eben gerade nicht in der Redaktion des dF sitzen und auch nicht unter seinen Lesern.

Erst mit der Zeit erwies sich der dF als jene Berliner Luft, die zu mir passt. Viele Themen, zu denen dF- AutorInnen schreiben, bewegen mich schon lange (Bsp. Baureithel, die Privatisierung und Korrumpierung von Gesundheits, Krankheit und Sozialem; Käppeler, was ist wirklich groß und was eher kleinlich in der Kunst; Herden, ein anderer Blick auf die größte Militärallianz und Militärmacht der Geschichte; Jäger, eine andere Gesellschaft). Ich freue mich an der klugen Auswahl dazu passender Gesprächspartner und Gastautoren.

Mich regen dF- Artikel an, selbst Blogs zu schreiben und ich schreibe manchen Blog und manchen Kommentar, häufig auch mit einem kleinen Verweis oder Link, aber immer sparsam, in der Hoffnung, er liefere Futter für die wenigen Profis ab, die vor lauter Machen nicht immer die Zeit und auch nicht den Raum haben, die Pässe in die Tiefe zu spielen, andererseits eben mehr journalistische Methoden und Mittel einsetzen können, als es mir als Blogger je gelingt.

Mir gefällt, dass der dF auf eine ästhetische Präsentation wert legt, die ihn deutlich von anderen Blättern unterscheidet. Fotos, Grafiken und Seitenkonzepte sind mir wichtig, weil sie mir die Gedanken ordnen, zueinander stellen, kommentieren. Das geht optisch, so finde ich, manchmal viel besser, als nur durch Texte.

Zuletzt: Manche Seiten des dF sind einfach schön. Ich finde, das ist an sich schon subversiv, weil der Trend derzeit eher lautet, es solle effizient und eben gleichförmig zugehen.

Ich habe auch früher schon den "Freitag" gelesen. Fand aber in der oftmals besessenen Akribie der Texte, nur meinen eigenen, gefährlichen Hang, mich mit eingebauten und ausgeschriebenen Fakten scheinzubefriedigen und einzumauern, gespiegelt.

Das musste sich wohl ändern, damit der dF eine Publikumszeitung sein kann, die auch Menschen anspricht, die kein irgendwie linkes Gedächtnis- und den entsprechenden Kenntnishintergrund haben. - Manche lassen das ja auch nur raushängen, um sich besser verkriechen zu können und grundsätzlich beleidigt zu sein.

II

Mainstream: Ich kann jetzt nicht viel dazu schreiben, weil ich es in der Vergangenheit schon häufiger getan habe. Ich verweise dazu auf ein paar Blogs. Es gibt noch mehr, in den Tiefen der jüngeren Vergangenheit meiner Zeit als dFC- Blogger. Dazu folgen ein paar Verweise am Ende.

Die ZEIT und andere Mainstream- Blätter, haben für mein Gefühl, eine zu devote Haltung gegenüber der NATO, der NSA, den Diensten allgemein, den Presseerklärungen unserer Regierungen und dem Personal derselben. Zu sehr, spielen sie die Flüstertüte oder wollen gar selbst Stichwortgeber sein. Leider entsteht, aufgrund ihrer immer noch ausgezeichneten Marktposition, kein ausreichender Druck zu mehr Bescheidenheit und fundierter Selbstkritik, um wieder mehr Kontrolle und Kritik, statt der Erklärer der Politik, zu sein.

Ganz erbärmlich sind die Kampagnen, die praktisch stromlinienförmig in allen Mainstream- Medien laufen (Nach Monaten oder gar Jahren, kommen dann Bedenken: So lief das z.B. mit der Berichtung zum Irakkrieg der Willigen und auch mit den Themen innere Sicherheit, NATO, NSA, Krieg oder Frieden allgemein; so lief es nun zur Ukraine, wobei man langsam festzustellen beginnt, wer da tatsächlich die Geschäfte übernommen hat, zum Beispiel in Odessa (Importware), anstelle der Demokraten, die ganz unten auf dem Maidan standen und, wie Polizisten, angeschossen oder erschossen wurden). Davon gibt es keine wesentlichen Abweichungen, allenfalls marginale Unterschiede, auch nicht zwischen unterschiedlichen Medienformaten. Ö.r. TV unterscheidet sich nicht vom aktuellen Teil der Print- Medien.

Zu oft, bilden sie kulturell nur die Mode und Moden eines Allgemeingeschmacks ab und unterstützen, ohne wirklichen Grund, Bestseller, Bestperformer und liebgewonnene Größen, die dauerhaft das Karussell der Talks im Anstalts- TV bevölkern. - Wer aber nicht irgendwo mitspielt, der findet nicht statt.

Daraus folgt: Fürs Überleben, muss eine Opposition, die noch gehört werden will, auf schmalem Grat wandeln. Gleiches gilt für ein publikumswirksames Alternativmedium. Ganz ohne Kompromisse geht das nicht.

III

Ein paar Blogs zur Frage:

https://www.freitag.de/autoren/columbus/nsa-nsa-zombie

https://www.freitag.de/autoren/columbus/das-prismatische-geheimwissen

https://www.freitag.de/autoren/columbus/ein-igel-namens-nato-in-der-ukraine

https://www.freitag.de/autoren/columbus/ukraine-krim-konflikt-formierte-presse

https://www.freitag.de/autoren/columbus/schreibtischtaten-50-000-000-000-us-dollar

https://www.freitag.de/autoren/columbus/des-hungers-unsichtbare-narben

https://www.freitag.de/autoren/columbus/der-journalistische-komplexitaetsreduzierer

Beste Grüße

Christoph Leusch

PS: Was mir derzeit eher auffällt. Der dF und Jakob Augstein hatten sich zu mehr Geschlechterparität in der Chefredaktion bekannt. - Klar, für ein kleines Medium ist das noch schwerer, als für ein größeres. Man kann nicht beliebig Stellen schaffen, und in einer gewiss eher flachen Hierarchie, in der alle wirklich schaffen müssen, damit die Ausgaben stehen, sind zu viele ernannte Köpfe vielleicht auch manchmal hinderlich.

Joachim Petrick 10.11.2015 | 03:10

"Ein Vierteljahrhundert. Ein rundes Jubiläum."

Vonwegen rundes Jubiläum. Das letzte war vor fünf Jahren. Also herzlichen Glückwunsch uns allen zur Silbernen Hochzeit des Freitag.

1990 begann der Freitag, eingedenk der Farben der Deutschen Republik von 1848/1919 "SchwarzRotGold" mit der Farbe Rot und Schwarz in seinem Namenszug, golden sein Gemüt.

"Weimar, denkt man. Fängt es so an? Woran würden wir es merken?"

Weimar 1933, Deutschland 1990 bis heute, braucht für die Witterung radikalisierter Morgenröte im Namen des Abendlandes durch ausgewilderte Horden ehemaliger Untertanengeister als Hintergrund das Scheitern, die Flucht einer ganzen Klasse, Schicht, Nomenklatur aus der Verantwortung. 1918 floh der deutsche Hochadel aus der Verantwortung nach verlorenem Krieg. 1933 entmachtete sich die Weimarer Republik, mit einer großen und bewaffneten aber uneinigen Opposition im Lande, versessen darauf, sich in den vorauseilenden Gewahrsam des NS- Terror- Regimes zu begeben. "Alles weitere mündlich"

1989/90 wurde das "Geheime Deutschland" namens DDR, das den Weg zum Sozialismus kannte, von unbekannter Seite aus dem Kreise sozialistischer Bruderstaaten als Rumpelstilzchen enttarnt, das aus sozialistischem Heu kaptalistisches Vauta Gold zu spinnen vermochte und sich deshalb in seiner Berliner Mauer Not, verzettelt ein Bein ausriß, unverzüglich auf den Weg zum Beitritt, gemäß Art. 23 GG zum Geltungsbereich der gar nicht geheimen Bundesrepublik Deutschland entschloss. Schlimmer wird es nimmer.

"Eine linke Zeitung zu machen, unter diesen Umständen, das ist eine Wanderung auf dem schmalen Grat zwischen Faktizität und Geltung. Wir sehen den Kapitalismus zur gleichen Zeit im Zustand seines Versagens und seiner Unbesiegbarkeit. "

Sozusagen in anderen Umständen als der Mainstream unserer Zeit, braucht es für das tragfähige Gewicht einer linken Zeitung wie der Freitag seismografischen Gespürs für umherschweifende Schwarmintelligenz ohne sich in Populismus zu verlieren, plastizides Sinnen & Trachten danach, sein Werkstatt Dasein zu wahren, das neben linksliberal Bürgerlichen zu ganz neuen Farben der Kreativität ermutigt.

So eine linke Zeitung im Blätterwald, wie der Freitag, recht druckfrisch angelegt, verwurzelt, lebt im Schatten der Großen "Mutterbäume" hierzulande DER ZEIT, DER SPIEGEL; FAZ, Sueddeutsche, Stern, taz, Neues Deutschland, Berliner Zeitung, Tagesspiegel und wird von diesen, ob sie nun wollen oder nicht, nach den Gesetzes des Waldes, wie es der Forstmeister Peter Wohlleben in seinem Buch "Das geheime Leben der Bäume beschreibt" über ein Netzwerk von feinsten Wurzel Verästelungen unterirdisch gestillt und genährt.

Je langsamer ein kleines linkes Blättchen wie der Freitag so verschattet nun wächst, desto dichter wird sein Holz, sprich seine Auflage, geschmeidig Unwettern mit der Chance zu widerstehen, von Jahr zu Jahr stetig größer über alle Wipfel einstiger Mütterbäume hinaus und vor allem außerordentlich alt zu werden

"Die zeitgenössische Linke kämpft gegen einen unsichtbaren und doch allgegenwärtigen Feind. Das ist ja das Gefährliche am Neoliberalismus: seine Unsichtbarkeit. Jobs, Schulen, Behörden, Krankenhäuser, Universitäten, alles wird dem Gesetz der Ökonomisierung unterworfen. Überall definiert man staatliche, gesellschaftliche, individuelle Aufgaben als Probleme, die man einer optimalen Lösung zuführen muss. Es zählen nur Werte, die sich messen lassen. Governance ersetzt Politik."

Die zeitgenössische Linke hat es mit einem Phänomen zu tun, unter dem trügerischen Label angeblicher Ökonomisierung aller Bereiche der Gesellschaft, werden deren ökonomische Grundlagen wie von unsichtbarer Hand zur Manövriermassen für lokale, globale Unternehmungen unterschiedlichster Spekulation in einer Welt deregulierter Weltfinanzmärkte aktiviert, eine Blasenwirtschaft hier, eine Blasenwirtschaft da, fremdfinanziert zu nähren bis diese eines Tages platzt

"Die Medien haben uns vor dieser Entwicklung nicht geschützt. Sie waren Teil davon. Heribert Prantl hat in der Süddeutschen Zeitung geschrieben: „Die Verbetriebswirtschaftlichung des Gemeinwesens wurde auch vom Journalismus jahrelang wie ein Dogma verkündet.“ Und das betrifft auch seine eigene Zeitung."

Die "Verbetriebswirtschaftlichung " des Gemeinwesens hat ihr Pendant in der VW- Diesel- Abgasmanipulation. Das Ziel ist kein betriebewirtschaftliches sondern reiner Betrug mit betriebswirtschaftlich- technologischen Software Mitteln.


"Der Politikwissenschaftler Thomas Meyer hat festgestellt: „Tatsache ist, dass all die wichtigen Themen, die mit der sozialen Frage von Ungleichheit, von Unterklassen, also die sozialen, nahezu verachtet werden. Das merkt man an der Art, wie die Berichterstattung über diese Felder intoniert wird: abschätzig, ironisch, am liebsten gar nicht. Es herrscht das Dogma, linke Themen sind out, und wer sich da noch dranhängt, tickt nicht richtig. Das führt natürlich dazu, dass die unteren Schichten unserer Gesellschaft sich im öffentlichen Diskurs nicht mehr wiederfinden.“"

Je vernachlässigter, verachteter soziale, umweltpoltische Themen im Mainstream unterbewertet erscheinen, desto größer ist deren Chance zur Haussè. Buy on bad news, sell on goog news.

"Es gibt keine Manipulation von oben. Die Journalisten übernehmen das selbst."

Wie in Kliniken haben zunehmend nicht mehr Ärzte, Therapeuten, Pfleger, Krankenschwestern sondern Geschäftsführer das Sagen so auch in Medien statt der Journalisten haben Manager das Sagen.

"Der Freitag stellt sich bewusst außerhalb dieses Mainstreams. Darin liegt seine Existenzberechtigung aber auch seine Ohnmacht. Das ist das Paradox linker Gegenöffentlichkeit. Wir können den Strom in seinem Lauf nicht ändern. Aber wir haben einen anderen Blick. Wir nehmen für uns in Anspruch, Denkort der Alternativen zu sein. Damit arbeiten wir an der Rückeroberung des politischen Raumes."

Der Freitag muss keinen politischen Raum erobern, er befindet sich in diesem, wenn auch verschattet vom Mainstream, mitten drinnen, um langsam als Auffangsgesellschaft für die Verlorenen DER ZEIT, DES SPIEGELS, des Sterns, zu seiner wahren Größe zu finden.

"Der Philosoph Ernesto Laclau hat geschrieben, Populismus sei „die Stimme derer, die aus dem System exkludiert sind“. Ein gefährlicher Satz, wenn man nach Dresden blickt, wo die rechten Horden marschieren und ins Internet, wo die Saat von Hass und Brutalität blüht. Um so dringlicher, dass wir einen positiven Populismus von Links entwickeln, der demokratische und soziale Rechte vor Eliten und Oligarchen schützen will."

Wenn eine im Zweifel linke Zeitung, wie der Freitag, Begriffe wie Message, Schwarmintelligenz und Populismus in einen Topf schmeißt, bzw. das Eine für das Andere und umgekehrt hält, ist es nicht gut um diese bestellt.

Linker Populismus besteht in der wahrhaftig engagierten Verbreitung froher Botschaften, die das Wohl der Menschen begeisternd zum Mittelpunkt macht, wie z. B. meine Compact Petition

http://www.thepetitionsite.com/de-de/536/777/682/luftbr%C3%BCcke-f%C3%BCr-fl%C3%BCchtlinge-in-not/
Luftbrücke für Flüchtlinge in Not
37 UNTERSTÜTZER/INNEN
VON: Joachim Petrick
ZIEL: Mitglieder des Deutschen Bundestages

Moorleiche 10.11.2015 | 09:07

Hallo Columbus/Christoph Leusch.

Vielen Dank für die Antwort, die mir hilft, Ihre Sichtweise zu verstehen.

Der Wunsch und die Bereitschaft eine schreibende Community einzubinden könnte tatsächlich eine Art Alleinstellungsmerkmal des Freitag sein.

Da ich seit Jahren eine wachsende und aggressive Zuspitzung vom Meinungen in Foren beobachte, könnte das ein schwieriger Punkt sein.

Trolle einerseits, was mir neu war, ist ein ebenfalls aggressives Mobbing und ein „auf Linie bringen“ seitens der Moderatorenschaft.

Exemplarisch bei Wikipedia, aber Ähnliches habe ich mal in einem großen Forum erlebt und das auf einem nicht parteipolitischen Feld.

Interessanter als der Vorgang selbst waren die Zuschriften, die ich damals bekam, dass das was mir passierte – ich bin das erste Mal in meiner langen Forenkarriere, ich bin in aller Regel ein höflicher und der Form nach dezenter Schreiber, für kurze Zeit gesperrt worden – kein Zufall war, sondern System hat und mit der Auswahl der Moderatoren zu tun gehabt hätte, die teilweise bewusste Lobbyarbeit betreiben.

Ich kannte entsprechende Berichte, doch das kam mir zum damaligen Zeitpunkt noch immer etwas … verschwörtungstheoretisch vor, nach dem Wirbel um Wikipedia, wo das in Teilen nun auch Thema ist, sehe ich das etwas anders.

Könnte man insofern zum Thema machen, als sich vielleicht in unserer Altersklasse gar nicht so richtig bewusst macht, wie sehr Foren, soziale Medien, Youtube usw. heute meinungsbildend. In besonderer Weise kann man das an der (nicht) Diskussion um die Ausspähung unserer Daten sehen, für deren Problematik 50-Jährige noch was übrig haben, aber mit jedem Jahrzehnt weniger an Lebensalter geht das Interesse so etwa gegen Null.

Aber okay, das ist eben vielleicht einfach neu und läuft als normal mit.

Mich regen dF- Artikel an, selbst Blogs zu schreiben und ich schreibe manchen Blog und manchen Kommentar, häufig auch mit einem kleinen Verweis oder Link, aber immer sparsam, in der Hoffnung, er liefere Futter für die wenigen Profis ab, die vor lauter Machen nicht immer die Zeit und auch nicht den Raum haben, die Pässe in die Tiefe zu spielen, andererseits eben mehr journalistische Methoden und Mittel einsetzen können, als es mir als Blogger je gelingt.“

Neu ist glaube ich auch, dass wir heute nicht mehr diese strikte Trennung zwischen Leserschaft und schreibender Zunft haben. Viele sind ja schreibend und lesend und ich kann verstehen, nicht mit den aktuellen Ereignissen mithalten zu wollen, weil das die Qualität nicht erhöht. Ich verschaffe mir gerne einen kurzen Überblick über die aktuellen Nachrichten, das ist aber eher eine Gewohnheit und da gehöre ich dann zu diesen ekelhaften 30 Sekunden Klickern. Kurz drüber und tschüss.

Aber ich lasse mich durchaus von guten Artikeln fesseln, wenn sie in mein Interessenspektrum passen.

Der Freitag hat sich da ja auch positioniert und ist eher etwas weg von der Tagesaktualität (klar, bei ner Wochenzeitschrift, aber auch online), das gefällt mir ganz gut.

Ich glaube die Einbindung einer Community ist auch wirtschaftlich klug, weil sie zu einer größeren emotionalen Bindung führt. Man kommt dann eben immer mal wieder zurück.

Mir gefällt, dass der dF auf eine ästhetische Präsentation wert legt, die ihn deutlich von anderen Blättern unterscheidet. Fotos, Grafiken und Seitenkonzepte sind mir wichtig, weil sie mir die Gedanken ordnen, zueinander stellen, kommentieren. Das geht optisch, so finde ich, manchmal viel besser, als nur durch Texte.“

Ist mir noch nicht aufgefallen.

Ich finde diesen Mitteltext-Block zudem auch etwas eng, vor allem für die Kommentare, die dann den Charakter einer Packungsbeilage von Medikamenten bekommen.

Vielleicht liest das ja jemand von den Gestaltern.

Die ZEIT und andere Mainstream- Blätter, haben für mein Gefühl, eine zu devote Haltung gegenüber der NATO, der NSA, den Diensten allgemein, den Presseerklärungen unserer Regierungen und dem Personal derselben.“

Okay, da will ich jetzt mal reingrätschen. Devote Haltung gegenüber der NSA? Also ich meine mich zu erinnern, dass ich gerade in der ZEIT in schöner Regelmäßigkeit gute und detaillierte Anweisungen zum TOR-Netzwerk usw. gefunden habe, SPON hatte ne schöne Auflistung, wo und wie (an welchen Stellen unseres PCs) der NSA überall unsere Daten abgreift.

Und NATO. Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Ich finde diesen Hype um Russia Today, RT, etwas albern, weil das für mich einfach aussieht, wie antiamerikanische Propaganda.

Ist jetzt so ein elend langes Thema, die Nummer mit dem großen Freund aus Amerika, kann man glaube ich vergessen, aber diese Enttäuschung muss man ja nicht in stumpfen Antiamerikanismus verwandeln.

Vieles was jetzt wieder hochgespült wird erinnert mich an DDR Rhetorik, das war dieser Staat, der so toll war, dass er Mauern bauen musste, damit nicht so viele Neuankömmlinge das Land überfluten. War doch so, oder …?

Leider entsteht, aufgrund ihrer immer noch ausgezeichneten Marktposition, kein ausreichender Druck zu mehr Bescheidenheit und fundierter Selbstkritik, um wieder mehr Kontrolle und Kritik, statt der Erklärer der Politik, zu sein.“

Marktposition bei wem? Den Druck kann man ja ausüben, indem man gute Arbeit abliefert, man muss natürlich ein Konzept haben. Aber inzwischen ist der Trend doch eher der zu übergroßer Skepsis, zu Misstrauen als Lebensprinzip, was ich für ungeheuer ungesund halte. Pointiert: Lieber gut belogen, als schlecht aufgeklärt.

Man macht doch immer und immer wieder die Erfahrung, dass manche Menschen sich einfach nicht erregen wollen. Also, das übliche Empörerli schlucken, aber doch bitte nichts, was mein Leben wirklich verändern könnte.

„… Ukraine, wobei man langsam festzustellen beginnt, wer da tatsächlich die Geschäfte übernommen hat, zum Beispiel in Odessa (Importware), anstelle der Demokraten, die ganz unten auf dem Maidan. . .“

Ich habe da irgendwann den Durchblick und die Orientierung verloren, wer mit wem, gegen wen.

Zu oft, bilden sie kulturell nur die Mode und Moden eines Allgemeingeschmacks ab und unterstützen, ohne wirklichen Grund, Bestseller, Bestperformer und liebgewonnene Größen, die dauerhaft das Karussell der Talks im Anstalts- TV bevölkern. - Wer aber nicht irgendwo mitspielt, der findet nicht statt.“

Aber wie ernst wird das genommen? Wie viele Menschen sind überhaupt noch im tieferen Sinne an Politik interessiert? Ich glaube die innere Kündigung von Staat und sämtlichen Institutionen, denen man mal vertraut hat, birgt letzten Endes die recht große Gefahr, dass die Gesellschaft auseinander fällt. Was verbindet uns in 20 Jahren?

Daraus folgt: Fürs Überleben, muss eine Opposition, die noch gehört werden will, auf schmalem Grat wandeln. Gleiches gilt für ein publikumswirksames Alternativmedium. Ganz ohne Kompromisse geht das nicht.“

Klar.

Was ich mich gerade frage, ist etwas anderes: Wohin soll die Richtung gehen? Ist es an der Zeit mehr Ruhe in den Laden zu bringen?

Oder sollte man noch mehr aufdecken? Ich bin ziemlich überzeugt, dass die Bereiche, in denen es nicht so toll läuft, die einer kritischen Überprüfung nicht standhalten, sehr viel umfassender sind, als wir letzten Endes hören wollen. Der zunehmend aggressiver werdende Mainstream könnte doch schon eine Reaktion darauf sein, dass das gesellschaftliche Ende der Belastbarkeit erreicht sein könnte.

Columbus 10.11.2015 | 14:51

So weit, so viel. Danke Moorleiche.

Knappe Anmerkungen noch:

Bei der durchweg positiven Ästhetik, bezog ich mich auf das gedruckte Blatt.

Der Webauftritt und seine Passungen, hängen natürlich auch mit der immer weiter vorranschreitenden Vernetzung der Ausgabemedien zusammen. - Ich persönlich finde, dass online "der Freitag" aus diesen Gründen linearer wirkt und da sogar mehr seltsame Nischen entstehen, die man selten sieht, obwohl es sich lohnte.

Es gibt regelrecht Blogger und dF- Autoren in Nischen, die aufgrund des Durchlaufformats nicht angemessen entdeckt werden können. Klar. Aus Gründen der geringen Lese-Durchhaltefähigkeit, kann das auch nur behutsam korrigiert werden, weil sonst der Erfolg des Webauftritts gefährdet wäre.

Zudem gibt es, das ist sozial normal, aber häufig auch einengend, eben Menschen, die sich fast ausschließlich wohlfühlen, wenn sie nur jene anziehen, mit denen sie sich wohlfühlen (Das kann man manchmal schon am Sprachstil erkennen).

Moderation: Das ist ein Job, bei dem Ärger praktisch nie ausbleibt. Notwendig, mit großer Verantwortung und wenig Anerkennung. Meine Ansicht: Meist werden Ausschlüsse auf Zeit, Verwarnungen, pp., viel zu persönlich genommen. Das ist, obwohl ganz viele betonen, Bloggen sei auch ein Spiel, eine eher wenig rationale Selbstüberhöhung und Selbstinszenierung, die dann zu immer radikaleren Abgrenzungen führen muss. - Am Ende geht man, mit der Absicht, sich unbedingt treu zu bleiben. In Wahrheit aber nur, weil man letzlich über das eigene Beleidigtsein nicht hinwegkommt. - Ist mir übrigens auch schon passiert. Manchmal hilft da auch eine "Kunstpause".

Sperrungen und Ausschlüsse: Müssen schon sein, um grundsätzlich beleidigende, juristisch relevante und konstant andere nicht respektierende Leute, möglichst loszuwerden. Es gibt diese auch unter den Gutsten und Liebsten, die sich in eine Überzeugung oder eine Meinung so hineinsteigern, dass sie selbst anfangen zu wüten und dann maßlos werden.

Mainstream: Wenn soziale Belastungsgrenzen sichtbar werden, dann hilft es medial gar nicht, das Niveau zu senken, aggressiv und einseitig zu werden. Das grenzte an Brandstiftung. - Immer wenn Mainstream geschrieben steht, stecken da ja auch Verlage und TV- Anstalten und somit Menschen dahinter, die über wesentlich mehr Ressourcen verfügen, als das, was sich außerhalb abspielt.

Die festen Gehälter und die sozialen Sicherungen der Anstalten fallen deutlich besser aus, als die der allgemeinen Presse. Die Redakteurssituation von ZEIT bis FAZ, von Spiegel bis SZ, ist deutlich besser, als die der medialen Außenseiter.

Ich finde, dass, angesichts dieser materiellen Unterschiede, dieses Plus an Zugängen, es sich der Mainstream zu einfach macht (Stromlinie) und umgekehrt manche mediale Opposition zu schwer, weil sie sich mit Freuden selbst zerlegt, als gegen diejenigen anzugehen, die eben derzeit die Ansagen machen.

Da kloppen sich Nachdenkseitler, ND, taz, pp, aber die Musik spielt am Speersort. Und der ewige Berliner Freiheitsballon, er ist schon technisch ein gefesselter, kreist in der Welt von Springer. In den beiden, auch programmtechnisch stromlinienförmig angelegten Haupt- TV- Programmen, läuft das ebenso. Und das Web mit Katzenfotos und Co., bildet das, durchaus etwas jugendaffiner und manches Mal auch tatsächlich jugendlicher, unbedarft ab. - Die Wahrheit ist wohl, dass alle technischen Medienwege als Gesamt, die Gesellschaft irgendwie repräsentieren. Medien an sich, haben keine eingebaute Moral und auch keinen Anspruch per se. Wer das immer noch glaubt, hängt an einer Illusion.

Beste Grüße

Christoph Leusch

silvio spottiswoode 10.11.2015 | 20:07

»Z.B., spannende Aufregung in der dFC, auf dem Teufelsrad der Worte«

»Ich finde, dass, angesichts dieser materiellen Unterschiede, dieses Plus an Zugängen, es sich der Mainstream zu einfach macht (Stromlinie) und umgekehrt manche mediale Opposition zu schwer, weil sie sich mit Freuden selbst zerlegt, als gegen diejenigen anzugehen, die eben derzeit die Ansagen machen.«

»Da kloppen sich Nachdenkseitler, ND, taz, pp, aber die Musik spielt am Speersort. Und der ewige Berliner Freiheitsballon, er ist schon technisch ein gefesselter, kreist in der Welt von Springer. In den beiden, auch programmtechnisch stromlinienförmig angelegten Haupt- TV- Programmen, läuft das ebenso. Und das Web mit Katzenfotos und Co., bildet das, durchaus etwas jugendaffiner und manches Mal auch tatsächlich jugendlicher, unbedarft ab. - Die Wahrheit ist wohl, dass alle technischen Medienwege als Gesamt, die Gesellschaft irgendwie repräsentieren. Medien an sich, haben keine eingebaute Moral und auch keinen Anspruch per se. Wer das immer noch glaubt, hängt an einer Illusion.«


Das klingt irgendwie sehr entspannt. Menno, ich bin neidisch, das will ich auch. Wie schaffen Sie das, lieber Columbus?

Ich schätze Ihre liebevoll detaillierten Kommentare ja immer sehr. Möglich, dass ich Sie hier falsch verstehe; würde jedenfalls gern mal einhaken weil mir das doch viel zu harmonisch erscheint. So ist das nicht, so ... beliebig. Denn wäre dem so, stimmte was Sie da sagten, dann gäbe es ja keinen Grund für Konflikte. Dann hätten wir die Medienlandschaft (und die Community), die wir verdienten ... . Es gibt doch auf gesamtesellschaftlicher Ebene ganz reale, riesengroße Herausforderungen. Die auf äußere Einflüße ebenso zurückzuführen sind, wie auf unterschiedliche subjektive Bedürfnisse und Ausgangspositionen.

Und alle gipfeln sie in der Frage nach einer möglichen Steigerung, – was ja tatsächlich etwas sehr Positives in sich birgt. Dies gilt es meines Erachtens wirklich ernst zu nehmen, als realen Umstand, der eben keineswegs beliebig ist. Statt die Probleme mit Die-Wahrheit-ist-Sätzen zu zerreden. Die eine Wahrheit gibt es nicht; unser aller Wahrheit unterscheidet sich. ... Und zur Lage allgemein: Es gibt ganz handfeste Probleme, die den Zusammenhalt der Gesellschaft regelrecht bedrohen: Ein beängstigendes Defizit an Demokratie, Aufklärung und Humanismus etc.. Nur unterscheiden sich die Herangehensweisen. Werden ausgefochten. Streitkultur ist zwar nicht immer ästhetisch, muss jedoch sein. Finde ich gut. :)

mickio 10.11.2015 | 20:59

Frank A. Meyer ist einfach nicht, was er vorgibt zu sein: westlichen Werten wie Toleranz und Religionsfreiheit verpflichtet. Er spricht vom Islam und seinen Anhängern, wie 100 Jahre früher Intellektuelle vom gleichen Schlag vom Judentum. Nur liegt jetzt ein Holocaust dazwischen und Meyer spricht wortreich von christlich-jüdischer Tradition, wo er mit gleichem Recht auch von christlich-jüdisch-islamischer Tradition sprechen könnte, stattdessen aber einen Gegensatz zur islamischen Tradition konstruiert. Gleichzeitig will er so säkular sein, dass ihm selbst schon Leute wie Kermani und Mosebach suspekt sind, die dafür werben, den eigenen Glauben ernster zu nehmen. Einerseits christlich-jüdische Tradition, andererseits Abwehr alles Religiösen. Wie passt das zusammen? Darum ist Meyer in seiner Argumentation nur wenig überzeugend. Er gibt seinen Ressentiments vor allem gegen Muslime nur ein rational scheinendes Gewand.

Columbus 10.11.2015 | 21:04

Das sehe ich genauso. Lesen Sie meine dazu passenden Blogs und eben auch manchen länglichen Kommentar. - Ich kann eben nicht aus meiner Haut.

Im Gesamt repräsentieren die Medien den diskursiven und kulturellen Ist- Zustand unserer Gesellschaft. Er ist nicht gut, auch wenn sich viele auf die Schultern klopfen, weil Deutschland zunächst bemerkenswert freundlich in der Flüchtlingsfrage auftrat, aber eben auch die bemerkenswerte politische Kurzsichtigkeit zur Schau stellte, die in ganz Europa herrscht.

An die Wirtschaft und Entscheider- Politik reichen selbst die Mainstream- Medien in Wahrheit oft gar nicht mehr heran, gehören, -wie ihr Publikum-, oft zu den Ausgesperrten und geben sich mit Pressekonferenz- Mitteilungen zufrieden. Oder sie verkünden gleich den Wirtschaftskurs.

Und, -das ist doch gerade mein Standpunkt-, kleine, oppositionelle, widerständige Medien, die das eben nicht tun, müssen das aber gerade darum besonders bedenken, um Chancen auf eine Außenwirkung zu haben und sich nicht selbst zu prekarisieren.

Damit wäre dann auch die Kritik, zu fast allen Zeiten eher unbeliebt, erledigt. - Weil das so wichtig ist, sollte sich also eine (linke) Opposition mit recht ähnlichen Zielen und Absichten, eine kritisch wirksame öffentliche Meinung, -sie ist, wie gesagt nicht Mainstream-, nicht untereinander zerlegen. Vor allem nicht, bei den anstehenden Themen: EU, Immigration, europäische Sicherheit, NATO, EU- Russland, Krieg und Frieden, Umwelt und vor allem, bei der Wiederherstellung der sozialen Sicherheit in Europa (Thomas Picketty beschreibt unseren Rückfall diesbezüglich, in Zeiten vor und bis zum ersten Weltkrieg, entlang der Dezentile bei Einkommen und Vermögen, bezogen auf auf das Nationaleinkommen, mit den berühmten U- Kurven), die lange ein Markenzeichen war und wieder eines werden muss.

Es gibt sogar ein ästhetisches Element bei dieser höchst politischen Medien-Geschichte, Silvio Spottiswoode. Das kam mir bei der Lese ihres Dylan- Blogs.

Ich wünsche mir und lese es genau so in vielen anderen dFC- Blogs, Differenzierung, Genauigkeit, "Neuland", wie es Merkel so "goldisch", -auch sie hat wenige helle, sprachliche Momente-, ausdrückte und Offenheit für die große Komplexität einer Gesellschaft und ihrer Kultur.

Andererseits ziehen sich eben die Mainstream- Medien auf vermeintliche alte und bekannte Sicherheiten zurück. Diese Sicherheiten engen die Horizonte politisch, wie kulturell, deutlich ein.

Wenn nun auch noch die sogenannten kritischen Medien, -es gibt da auch immer wieder reichlich Personen in den Hauptmedien, die auch kritisch sind, keine Frage-, das größte Augenmerk auf die kleinen Gegner und möglichen Konkurrenten richten und die einpassen und formieren wollen, es geht ja mittlerweile schon bis in die Kleiderordnung und den Haarschnitt, erreichen sie nichts.

Sie erzeugen nur einen heiligen Schrecken untereinander und voreinander.

Umgekehrt ausgedrückt: Was heißt das denn, wenn Bertelsmann und Springer, sowie das erste und zweite Anstaltsprogramm, sich als Gipfel der Freiheit und Demokratie feiern, während wir uns untereinander als Naive, Böse, Irre, Antisemiten, Banausen, Unwissende und Lesefaule abmeiern und, was noch schlimmer ist, die letzten Medien, die uns noch ertragen, die noch verblieben sind, auch noch pauschal watschen?

Ich geben zu, ich bin heute wirklich nicht in Form. Stillistisch ist das hier eher krampfhaft. Dafür Entschuldigung.

Beste Grüße

Christoph Leusch

Moorleiche 10.11.2015 | 21:25

Hallo Silvio Spottiswoode.

"Die eine Wahrheit gibt es nicht; unser aller Wahrheit unterscheidet sich. ... Und zur Lage allgemein: Es gibt ganz handfeste Probleme, die den Zusammenhalt der Gesellschaft regelrecht bedrohen: Ein beängstigendes Defizit an Demokratie, Aufklärung und Humanismus etc.. Nur unterscheiden sich die Herangehensweisen. Werden ausgefochten. Streitkultur ist zwar nicht immer ästhetisch, muss jedoch sein. Finde ich gut. :)"

Gefällt mir. Wir leben in spannenden Zeiten.

Die Wahrheit ist nicht für alle gleich, ich glaube das auch. Dann müssen wir eben verschiedene, passende Antworten für verschiedene Lager finden.

Danke auch an Columbus, für die nochmalige Antwort.

Moorleiche 10.11.2015 | 21:30

Hallo Mickio.

"Frank A. Meyer ist einfach nicht, was er vorgibt zu sein: westlichen Werten wie Toleranz und Religionsfreiheit verpflichtet. Er spricht vom Islam und seinen Anhängern, wie 100 Jahre früher Intellektuelle vom gleichen Schlag vom Judentum."

Harter Tobak.

Ich bin kein Islamfeind, aber habe Meyer nicht so zuspitzend in Erinnerung.

"Einerseits christlich-jüdische Tradition, andererseits Abwehr alles Religiösen. Wie passt das zusammen?"

Ich habe ihn nie so widersprüchlich erlebt, eher klar.

Zur Frage der Religion(en) habe ich da keine konkrete Erinnerung. Ist letztlich aber auch egal, jemand gut zu finden bedeutet für mich nicht, ihn in jeder seiner Äußerungen unterstützen zu müssen.

Moorleiche 10.11.2015 | 21:38

Hallo Columbus.

"Weil das so wichtig ist, sollte sich also eine (linke) Opposition mit recht ähnlichen Zielen und Absichten, eine kritisch wirksame öffentliche Meinung, -sie ist, wie gesagt nicht Mainstream-, nicht untereinander zerlegen."

Nur Opposition zu sein, ist ja an sich noch kein Verdienst. Da käme es mir dann schon auf den Inhalt an.

"Umgekehrt ausgedrückt: Was heißt das denn, wenn Bertelsmann und Springer, sowie das erste und zweite Anstaltsprogramm, sich als Gipfel der Freiheit und Demokratie feiern, während wir uns untereinander als Naive, Böse, Irre, Antisemiten, Banausen, Unwissende und Lesefaule abmeiern und, was noch schlimmer ist, die letzten Medien, die uns noch ertragen, die noch verblieben sind, auch noch pauschal watschen?"

Man braucht mehr konstruktive Arroganz. Wenn allen klar ist, dass Meinungen gemacht werden, muss man welche machen.

Weniger klagen, Standards setzen.

Moorleiche 10.11.2015 | 21:50

Ich noch mal.

Habe den einen Artikel, "Die totaitäre Religion" gerade online gelesen. Finde ich in der Tat auch nicht so ganz geglückt, aber kann man über "den Islam" heutzutage überhaupt noch geglückte Artikel schreiben.

Zu Leuten die man mag gehört m.E. eher, dass sie meinungsstark sind, dann kann man sich wenigstens an ihnen reiben, nicht zwinend und wie schon gesagt, dass man ihnen in allen Punkte zustimmt.

So geht es zumindest mir.

silvio spottiswoode 11.11.2015 | 00:41

Die "Textlängen" waren aber wirklich nicht als Kritik gemeint. Auch stilistisch ist Abwechslung doch meist spannend (tatsächlich dachte ich bei Ihnen gerade an sowas wie "Hochform", nach allem was ich in den letzten Tagen so las. Ja ja, so kann man sich irren). Viel eher als Versäumnis, meinerseits, - ein "Schade" - weil ich oft aus Zeitmangel mitten im Lesen abbrechen muss, es dann aber auch nicht wieder schaffe zurückzukehren. War ein hartes Jahr, die Freiräume schwinden. Aber es wird auch wieder besser, dann hole ich alles nach, lese von Anfang bis Ende. Versprochen. :)

Ganz kurz noch zur Kultur, weil es wichtig ist die Entwicklungen so detailliert wie möglich zu erfassen: Es gibt wahrscheinlich keinen gesellschaftlichen Bereich in dem der Neoliberalismus destruktivere Auswirkungen zeigt, als in der Kultur. Wir sind Zeugen eines Kahlschlags, einer beispiellosen Erosion der Vielfalt gewachsener unabhängiger Basisinitiativen zugunsten von hochgedopten, austauschbaren Monokulturprestigeprojekten. Mit all den fatalen Konsequenzen: dem Verschwinden diskursiver öffentlicher Räume, dem Fehlen von Schutzräumen für innovative, ergebnisoffene Experimente ... Kurz, diese Entwicklungen vollziehen sich ja nicht allein im Journalismus. Vor allem aber werden die kulturellen Verluste so gut wie nicht benannt, weil Verlierer unsexy sind. All die geschlossenen Theater, die aufgelösten Gruppen; die Künstler, die inzwischen mehr Zeit mit Anträgeschreiben verbringen, als damit ihre Arbeit zu machen; der explodierende kulturelle Verwaltungsapparat, all das sind die Resultate der falschen politischen Weichenstellung.

karamasoff 11.11.2015 | 01:41

"der kapitalismus verdaut sich nicht selbst,nur weil im kapitalismus immer wieder kapital vernichtet wird"

Das haben Sie hier behauptet nicht ich, inkl. eines einfach mal so eingebrachten "nur".

Was vernichtet wird ist ganz konkret menschliches Leben, Natur Energie und intellektuelle/kulturelle Errungenschaften. Letzteres halte ich sogar für den noch übleren Verdauungsprozess, da er so nachhaltig und langfristig Systeme oder Strukturen in Gesellschaften deformiert, daß die dem Kapitalismus immanenten reproduzierenden Faktoren (z.B. neue Technologien und Energiesysteme) nicht mehr in der Lage sind die negativen Effekte (inneren Schranken oder logischen Widersprüche) aufzufangen oder zu modifizieren. Das von Ökonomen zwangsimaginierte Gleichgewichtssystem zwischen extrem konkurrierenden (und damit sich sukkzessive vernichtenden) Subsystemen, analog zu sich selbst regulierenden Systemen, gibt es nicht im real existierenden Kapitalismus der Gegenwart.

Es ist zu vereinfachend die Probleme des neoliberalen Kapitalismus (der in Deutschland schon mit dem Lambsdorff-Papier zu Beginn der 80er angestoßen wurde: massive Kürzung der Sozialausgaben und Steuernachlässe für Unternehmen. Hat Schmidt damals den Kopf gekostet und der FDP das Drittel der linksliberalen Mitglieder, sowie deren gesamte sozialpolitische Agenda) auf Geld- und Sachkapital runterzukürzen.

denkzone8 11.11.2015 | 07:45

o.k. daß in historisch spezifischen akkumulations-regimen die kapital-produktion nicht nur andere kapital-bildungen angreift, diverse modi der regulation verschleißt, sich als system zu erhalten, muß zwischen uns kein streit-grund sein. ..ich hatte mich daran gerieben, daß man nicht umstandslos vom kapitalistischen verbrauch von system- ressourcen/voraussetzungen von einer automatik der selbst-zersetzung ausgehen kann, daß das bild der selbst-verschlingung suggeriert. beim nachlesen ihres textes fällt mir aber angenehm auf, daß sie die not-wendigkeit der b e w u ß t e n transformation auch sehen, was bilder der kannibalischen art überflüssig macht.

Exilant 11.11.2015 | 12:02

@denkzone8: "Wenn jemand Konstanten in einem Volkscharakter feststellt...."

Es gibt keinen Volkscharakter. Ein "Volk" ist eine Ansammlung von soundsoviel verschiedenen Menschen. Der Begriff Nation ist besser.

Es gibt Denk- und Verhaltensmuster, die sich über Jahrzehnte oder Jahrhunderte eingeprägt haben. Dies hat aber nichts mit Charakter zu tun.

Die BRD hat keine demokratische Geschichte bzw. -tradition.

Die Revolutionen (also nach oben treten, wie Sie sich äußerten) von 1832 und 1848 sind gescheitert, denn kam Bismarck, der den preußischen Obrigkeitsstaat auf ganz Deutschland übertrug. Die Historiker sagen, daß es einen direkten Weg von Bismarck zu "Auschwitz" gibt.

Und ganz aktuell: die Umfrage-Ergebnisse nach der Griechenland-Hetze der Medien waren so, daß die überwältigende Mehrheit die Politik gegenüber Griechenland richtig fand, während im europäischen und nicht-europäischen Ausland diese Austeritätspolitik heftig kritisiert wurde.

Zur Demokratie ist Hinterfragen unerläßlich; dies fand jedoch nicht statt, sodaß im Ausland schon gefragt wurde, ob die Deutschen aus ihrer Geschichte nichts gelernt haben. Speziell in Frankreich hat die Deutschenfeindlichkeit erheblich zugenommen.

Jakob Augstein schrieb doch zurecht, daß die Deutschen meinten, daß das Geld unter den Reichen besser aufgehoben sei, was natürlich ironisch gemeint war, denn die Mehrheit läßt es sich einfach gefallen, daß eine mächtige Minderheit von Milliardären dieses Land ausplündert. Sprüche wie:"Da kann man nichts machen" oder gar "Es ist halt so" haben Sie sicher auch schon vernommen.

Und noch ein Satz zu Churchill: Er sagte, daß die Demokratie viele Fehler habe, er jedoch keine bessere Regierungsform kenne.

Columbus 11.11.2015 | 13:02

>> War ein hartes Jahr, die Freiräume schwinden. <<

Sowohl was die ökonomische Härte des Jahres angeht, als auch was Sie zu den kulturellen "Freiräumen" schreiben, teile ich ihre Ansichten völlig.

Mittlerweile ist es schon so weit gekommen, dass immaterielle Güter verkauft werden, z.B. eben, das Recht auf Kultur- und Wissenszugänge und die Gleichheit vor dem Gesetz. Soziale Sicherheiten müssen eingekauft werden.

Die ökonomischen "Gesetze" dürfen die Gesellschaft völlig formieren. Das ist und war eine politische Grundsatzentscheidung, die ab den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts in einer Art Simultanaktion praktisch aller westlicher Staaten, unter Führung der USA, durchgeführt wurde und an der ausgerechnet auch Parteien sich massiv beteiligten, die in ihren ursprünglichen Grundsätzen und heute noch benutzten Floskeln, strikt dagegen standen.

Das Problem ist nun aber die Dauer dieses Wirkprozesses, der nicht einmal mehr durch die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007- heute, nennenswert unterbrochen wurde. Zu Recht schreibt Thomas Piketty, dass die Verhältnisse bei Einkommen und Vermögen, damit auch bei der Verteilung von Sicherheit und Freheitsgraden, wieder da angekommen sind, wo sie bis 1913 waren. Dazwischen gab es die Kriege und die Erfindung des modernen Sozialstaats, der nun abgewickelt wird.

Beste Grüße

Christoph Leusch

Rüdiger Grothues 11.11.2015 | 17:57

"Allesamt Pläne, die nur die obersten fünf Prozent etwas gekostet hätten. Die aber dennoch der Mehrheit Angst machten. Die Wähler hatten die neoliberale Lektion gelernt: Das Geld ist in der Hand der Reichen am besten aufgehoben."

Auch wenn er nicht an die "neoliberale Lektion" gedacht haben dürfte damals, so scheint doch die folgende Aussage in einem Gespräch von 1966 ganz gut hierhin zu passen, schon wegen der Protagonisten:

"Zu den tiefliegenden Gründen würde ich zählen, dass ein großer Teil der deutschen Wählerschaft nach wie vor zwar zwischen den Wahlen durchaus mit der Sozialdemokratie liebäugelt […], die aber dann gleichwohl in dem Augenblick, wo sie an die Wahlurne gehen, letzte Hemmungen nicht überwinden können; das sitzt wahrscheinlich tief im gefühlsmäßigen Bereich."

Dies sagte der gestern verstorbene Ex-Kanzler und damalige Bundestagsabgeordnete Helmut Schmidt zum ehemaligen Mitherausgeber des Freitag Günter Gaus im Rahmen der TV-Gesprächsreihe "Zur Person" auf dessen Frage zu den wichtigsten Gründen, "die zu dem neuerlichen Misserfolg der SPD geführt" hätten. Misserfolg? Die SPD hatte bei der Bundestagswahl 1965 etwas über 40% der Stimmen erlangt…
Eine neoliberale Lektion kam dann ja später in Gestalt des Lambsdorff-Papiers auch noch ins Haus geflattert.

Ansonsten: 25 Jahre? Eine nicht unbeachtliche Zeitspanne, wenn auch nicht zu vergleichen mit dem schwerer wiegenden Vierteljahrhundert, wie Katja Kullmann in ihrem Jubiläumsbeitrag ausführt.
Weiter schreibt sie: "Erst ab 25 wird ein Mensch also ernst genommen."

Wenn dem so ist, kann es ja, auf den Freitag gemünzt, jetzt so richtig losgehen.

silvio spottiswoode 11.11.2015 | 18:14

Liebe Moorleiche *****, cooler Name, chiii

Ja, sehe ich ebenso.

Nur eine Anmerkung noch. Sie schreiben:

"Und was ist schon links und rechts und so. Von der „ZEIT“ heißt es ja, sie sei politisch links, hätte einen liberalen Wirtschaftsteil und in noch einer Sektion sind sie eher konservativ."

Da gerät mein Weltbild dann doch ins Wanken. Zeit: links? Sagt wer genau? Und, in welcher »Sektion denn dann noch eher konservativ«?

Nicht auszudenken, wenn die Zeit allgemein links orientiert sein sollte, wie sehe dann erst die »Sektion der Zeit- konservativ« aus? –

Überlegungen; Stoff der Albträume auslösen kann, oder? ... Die politische Haltung der Zeit haben doch Herausgeber und Chefredakteur mehr als einmal, und definitiv viel mehr, sogar über jede Schmerzgrenze hinweg, würde ich sagen – also sehr viel mehr, als jedem denkenden Leser lieb sein kann –, haben die Verantwortlichen wunderbar anschaulich aufgezeigt wo genau sie die Zeitung verortet sehen. Und so eben immer wieder jegliche Illusionen beseitigt, die ein denkender Mensch der Zeitung gegenüber vielleicht noch hätte haben können. Da kann Hanno Rauterberg so viele gute Artikel über den Kunstmarkt schreiben wie er will, den Kurs der Zeitung ändert er dadurch nicht. Kurz: Nichts für ungut, aber die Zeit ist so links, wie ich, ehm, rechts bin. Also, gar nicht! Merke: Ein paar Trittbrettartikel über Überwachung machen noch keine linke Zeitung. Und schon gar keine journalistische Haltung. Und daran mangelt es der Zeit in nicht unerheblichem Maße. Meine Meinung. Grüße.

mickio 12.11.2015 | 06:19

"Zu Leuten die man mag gehört eher, dass sie meinungsstark sind [...]"

Das ist dann wohl tatsächlich eher Geschmachsache. Meinungsstärke empfinde ich immer als den Versuch, durch Lautstärke und Gestus zu überzeugen, wo fundierte Argumente nicht gefunden werden. Da weiß einer oder eine, was richtig und was falsch ist. Das stößt mir vor allem dann auf, wenn man sich für das meinungsstark gesagte Fakten schon mächtig hinbiegen muss, um zu derart klaren und letztlich vereinfachenden Aussagen zu kommen. Und das Ganze dann auch noch auf Kosten einer ohnehin schon geprügelten Bevölkerungsgruppe geht.

Allerdings muss ich zugeben, dass ausgerechnet die beiden zitierten Kommentare die einzigen sind, die ich von ihrem Autor gelesen habe. Die machen mir allerdings wenig Lust auf mehr.

Und, ja, es ist sicher schwer heute über den Islam zu schreiben, ohne dabei IS, Salafismus und unzeitgemäß gekleidete Frauen im Kopf zu haben. Aber ein Autor wie zB Navid Kermani beweist, dass das geht. Nicht, dass ich eine besondere Neigung zum Islam hätte, aber ein Herz für pauschal in die Ecke gestellte Muslime habe ich schon.

Moorleiche 12.11.2015 | 12:21

Meinungsstärke empfinde ich immer als den Versuch, durch Lautstärke und Gestus zu überzeugen, wo fundierte Argumente nicht gefunden werden. Da weiß einer oder eine, was richtig und was falsch ist.“

Oder behauptet es zumindest, ja.

Dazu kann man dann eine eigene Haltung oder Meinung entwickeln.

Versuch das mal mit Frau Merkel.

Das stößt mir vor allem dann auf, wenn man sich für das meinungsstark gesagte Fakten schon mächtig hinbiegen muss, um zu derart klaren und letztlich vereinfachenden Aussagen zu kommen. Und das Ganze dann auch noch auf Kosten einer ohnehin schon geprügelten Bevölkerungsgruppe geht.“

Wie erwähnt, fand ich den einen Artikel (den ich gelesen habe) auch eher schwach.

Allerdings muss ich zugeben, dass ausgerechnet die beiden zitierten Kommentare die einzigen sind, die ich von ihrem Autor gelesen habe. Die machen mir allerdings wenig Lust auf mehr.“

Mir ist er eher als positiver „Serientäter“ in Erinnerung.

Nicht, dass ich eine besondere Neigung zum Islam hätte, aber ein Herz für pauschal in die Ecke gestellte Muslime habe ich schon.“

Klar, einer brüllt immer: Die einen „Verharmlosung“, die anderen „Verleumdung“.

Wir sollten nur die Statistik aus den Diskussionen bekommen und das Individuum sehen.

Das wäre „unseren Werten“, meistens dürften die der Aufklärung gemeint sein, wenn man überhaupt eine Vorstellung davon entwickelt, am angemessensten.