Jakob Augstein
03.12.2010 | 14:00 152

Wir Untertanen

Wikileaks Wissen ist keine ­Gefahr für die Demokratie, staatliche Desinformation schon. Die Bürger wollen Akteneinsicht und das Internet kann sie gewähren

Im Jahr 1880 veröffentlichte Papst Leo XIII. seine Enzyklika „Arcanum divinae sapientiae“. Darin ging es um das Sakrament der Ehe, den „geheimnisvollen Ratschluss der göttlichen Weisheit“, aus dem sich, fand der Papst, die weltliche Macht herauszuhalten habe. Leo XIII. focht damals mit Preußens Bismarck einen Kulturkampf um die Grenzen ihrer wechselseitigen Zuständigkeit aus. Der Papst unterlag, der Staat obsiegte. Er war in das Arcanum der Kirche eingedrungen, und sie hatte dem nichts entgegenzusetzen. Möglich, dass wir gerade den Beginn eines neuen Kulturkampfes erleben. Diesmal ist es der Staat, der sein Inneres verteidigt. Gegen den Eindringling, der niemand anderes ist als der Bürger selbst.

So wie weiland die Kirche eines ihrer heiligen Sakramente verletzt sah, eines ihrer Mysterien, sieht nun der Staat eins der seinen verletzt: das Mysterium der diplomatischen Vertraulichkeit. Die Macht des Staates liegt in solchen Mysterien. Sie zu durchbrechen heißt ihn zu schwächen. Das haben die konservativen Kritiker, die jetzt „Hochverrat“ schreien, richtig erkannt. Aber sie kommen zu spät. Gottfried Benn wusste: „Wer Synthese sagt, ist schon gebrochen.“ Wenn die Unverletzlichkeit des Staates solcher Verteidigung bedarf, dann ist seine Schädigung bereits unabweisbar. Bemerkenswert sind ja nicht die Details der Veröffentlichung – soweit man bislang sehen kann, sind die meisten skurril, einige beunruhigend, keine umwälzend – bemerkenswert ist die Veröffentlichung selbst.

Das Internet ermöglicht Offenheit und Klarheit, wo vorher Herrschaft und Kontrolle gewaltet haben. Das ist, weit über den Fall der State Department Files hinaus, eine Chance für die Bürger, für die Demokratie und auch für den Staat. Verheerend ist es nur für solche Herrschaft, die auf dem Geheimnis gründet oder auf der Angst. Information ist nicht immer das Gegenteil von Angst. Denn Wissen kann beunruhigen. Aber darin liegt eine Aufforderung zur Übernahme von Verantwortung. Desinformation dagegen ist immer der Feind der Freiheit. Diese Aufforderung richtet sich an die Bürger selbst, denen das Netz ein Mittel an die Hand gibt, ein bisschen Unabhängigkeit zu gewinnen gegenüber ihren Journalisten und ihren Politikern.

Gesprächige Deutsche

Denn die wirklich beunruhigende Dimension dieses Datenskandals ist doch der Gestus der Unterwerfung, der allerorten sichtbar wird, bei den Medien und bei der Politik. Die Bereitwilligkeit, mit der deutsche Politiker ihren amerikanischen „Freunden“ aus dem Nähkästchen erzählen, ist beschämend. Der Fall des FDP-Spitzels, der aus den Koalitionsverhandlungen berichtet hat, ist nur der Gipfel dessen, was der frühere US-Botschafter John Kornblum mit einiger Chuzpe so formulierte: „Ein Grund, warum ein Diplomat sehr gerne in Deutschland arbeitet, ist, dass die Deutschen sehr gesprächig sind. Man kann wirklich alles erfahren, was man will. Man braucht nur ein bisschen freundlich zu sein.“ Was hat denn ein amerikanischer Diplomat einem deutschen Politiker zu bieten? Wirkt da die Faszination der Nähe zum imperialen Zentrum westlicher Macht?

Und warum reagieren so viele Journalisten so mürrisch auf die Wikileaks-Veröffentlichungen? Es wäre „am Ende das beste gewesen, die Datenflut wäre nie aus den Computern gequollen“ hat die Süddeutsche Zeitung geschrieben. Die Bild war der Meinung, Verantwortung sei den „Online-­Anarchos“ ein Fremdwort: „Sie handeln schlicht kriminell.“ Und Zeit-Herausgeber Josef Joffe wünscht sich „keinen Ein-Mann-Rächer, der nach eigenem Geschmack entscheidet, was zu veröffentlichen sei. Dafür haben wir Parlamente und Gerichte, also den Rechtsstaat.“

Normalerweise rechtfertigen staatliche Stellen mit solchen Worten die Knebelung der Presse. Es ist ernüchternd, sie von Journalisten zu hören. Das embedding, das als kluge PR-Strategie der amerikanischen Armee im Irak-Krieg begann, ist hier weit gediehen. Ein Journalist, der die Wikileaks-Daten zuerst unter dem Gesichtspunkt der nationalen, oder –  schlimmer noch – westlichen Sicherheit sieht, hat sich selbst erfolgreich zu Bett gebracht – und die Pressefreiheit gleich mit.

Welterschütternde Datenflut

Nur zur Erinnerung: Die Folter in Abu Ghraib, das Waterboarding in den CIA-Gefängnissen, das Niedermähen unbewaffneter Zivilisten in Afghanistan – all das, was die USA in gefährliche Nähe zu den Unrechtsregimen im Nahen Osten, zu China und zur untergegangenen Sowjetunion gebracht hat, ist eben nicht durch „Parlamente und Gerichte“ an den Tag gekommen, sondern durch die Zusammenarbeit neuer und klassischer Medien. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr solcher Veröffentlichungen: Hätte Wikileaks rechtzeitig die Lügen des Pentagon über die vermeintliche Bedrohung aufgedeckt, die Saddam Hussein darstellte – der Irak Krieg mit seinen zahllosen Toten hätte nicht geführt werden können.

Wir haben weiß Gott wenig Grund, unseren Politikern zu trauen. Und es gibt – von der vergleichweisen Lappalie des Stuttgarter Hauptbahnhofs bis hin zur welterschütternden Datenflut aus dem State Department – eine Reihe von Hinweisen dafür, dass die Bürger buchstäblich nicht mehr bereit sind, alles mitzumachen. Sie wissen längst, dass im Arcanum staatlicher Hoheit keine höhere Weisheit am Wirken ist, sondern nur menschliches (Mittel)Maß, und jetzt fordern sie Akteneinsicht. Gut so.

Kommentare (152)

Bildungswirt 03.12.2010 | 15:16

Warum "wir Untertanen"? Knechte, die die Herr-Knecht-Dialektik anerkennen? Der selbstaufgeklärte Bürger ist das Gegenstück, viele Wikileaks werden folgen, das Netz stellt technologisch diese Potenz zur Verfügung.
In Deutschland steckt ein gewaltfreier heiterer Anarchismus noch in den Kinderschuhen, deshalb wird es mit dem "kommenden Aufstand" noch etwas dauern.
Gruß BW

bioport 03.12.2010 | 16:47

das wird etwas fuer historiker sein:
die zeit, in der wir leben, ohne zweifel eine zeit des uebergangs, der strukturellen transitions, ist davon gepraegt, dass ein wesentlicher teil der buerger ganz verschiedener nationen, bei wahlen gegen ihre je eigenen interessen, also letztlich gegen sich selbst, stimmen.
exemplarisch zu beobachten ist das in America, Italien und als letztes auch in Catalunya. die letzten wahlen in D, mit der wahl der FDP in die regierung, mag ebenfalls ein beispiel sein.
wie nun schon seit einiger zeit zu sehen ist, passiert das gleiche in der journaille, worauf Sie eindrucksvoll hingewiesen haben.
fuer mich ist das ein interessantes paradox, das sich erst mal nicht so einfach aus der hosentasche erklaeren laesst.

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novaesia 03.12.2010 | 17:34

Sehr geehrter Herr Augstein,

nachdem ich mich sehr über Ihre Lethargie im "Fall Köhler" geärgert hatte, kaufte ich mir zum "Ausgleich" als Bettlektüre das kleine Bändchen "Meinungen zu Deutschland" aus der edition suhrkamp aus dem Jahre 1967 von RA. Darin dreht sich viel um FJS und man kann auch viele Parallelen zu KTG finden, der in ähnlichem Alter Minister wurde wie FJS. Auch heute also noch sehr lesenswert.

Nachdem ich jetzt durch das Bändchen durch bin, freue ich mich, dass Sie sich nun anscheinend doch auf den Weg gemacht haben, den Freitag dahin zu bringen, wo ihn viele hier gerne sehen würden. Gerade Ihre letzten Artikel (dieser hier und "Die Sprache der Waffen") haben mich absolut überzeugt. Ihre klare, verständliche Sprache hob sich positiv von meiner letzten Bettlektüre ab. Machen Sie weiter so! (Dann werde ich auch Ihre Gartenelegien zu ertragen lernen.)

Mit freundlichem Gruß

Ihr 68er

SteffenF. 03.12.2010 | 18:35

Der Presse ist heute wie damals generell nicht mehr zu trauen.

Die Presse war und ist stets Sprachrohr der "Herrschenden" gewesen bzw. derart in das betreffende System eingebunden das dort niemals neutrale, sachliche Berichte zu erwarten sind. Wäre die Presse anders so wäre sie längst verboten.

Und einen neutralen, sachlichen und rein objektiven sowie finanziell unabhängigen Journalisten habe ich auch noch nicht erlebt.

Selbst jene Medien und Journalisten die immer von sich behaupten in irgendeiner Weise besser zu sein als die anderen outen sich regelmässig als das was sie sind .... Quotenschreiber, verlängerte Arme div. Parteien und alles andere als neutral/unabhängig.

Beim Thema Wikileaks ist es auch nicht anders, der eine nutzt das Thema Wikileaks um parteipolitische Spielchen zu treiben ala Alle gegen CDU und FDP/USA und die anderen halten schamlos die Treue zum "grossen Bruder" wie im kalten Krieg.

Wo bleibt der Journalismus der den Behauptungen mal nachgeht und evtl. noch ganz andere Dinge und Zusammenhänge aufdeckt/herstellt ?

Früher haben Journalisten/Reporter dafür noch ihr Leben riskiert.

Heute kuschen Journalisten vor Politikern um nicht von zukünftigen Audienzen zb. bei Madam Merkel ausgeschlossen zu werden, man beugt sich div. Konzern-Richtlinien wie im Springer-Imperium zb. gegen die Linke mit aller Macht zu agitieren, man bedient seine Leser-Klientel zb. wie in der TAZ die zur Grünenhochburg mutiert ist weil mit dem Grünehype die Abozahlen stiegen, man belustigt finanziell einträglich mit der Bild-Zeitung den Pöbel mit immer blöderen Beiträgen, man lässt sich als Journalist von Firmen pampern und bestechen ... oder man schreibt faul bei der DPA ab und dichtet die Texte dann je nach Farbenlehre etc. den Text passend um. Noch besser wenn Konzerne Imagepflege betreiben, Berichte über sich selber verfassen (natürlich positiv) und dies dann als Journalismus verkauft wird.

Wo bleibt hier zb. bei Thema Wikileaks eine Recherche zum Vorwurf der Vergewaltigung durch den Wiki-Chef ? Da könnte sich ja auch mal jemand ranklemmen um herauszufinden ob die Vorwürfe gefakt sind oder nicht. Nee da diskutiert man lieber was die "Systempresse" in die Welt schleudert.

Aber was bringt es sich hier aufzuregen ... die Wirtschaftskrise wurde journalistisch auf Wunsch der Regierenden aus dem Programm genommen, der Sozialstaatsabbau wurde durch das Thema Stuttgart ersetzt und erfolgreich verdrängt, ehemals sozialdemokratische Politik zu Linksextremismus umdefiniert, mit Rot-Grün die Versager von Gestern wieder installiert usw.

Was sich mit Wikileaks ändert ?, nichts ! So wie alle anderen wichtigen und schlimmen Themen sich einfach totlaufen, verpuffen, weggequatscht werden.

Die Berichte von Wikileaks spielen ja jetzt schon kaum noch eine Rolle obwohl diese Berichte das Wichtige sind und nicht Wikileaks selber.

In den deutschen Medien dominiert jetzt das Geschmiere ob Wikileaks illegal/legal/scheissegal ist ... die Veröffentlichungen selbst werden so gut wie garnicht behandelt ... und wer das Wiki-Englisch nicht kann, keinen Inetanschluss hat etc. weiss garnicht worum es geht ausser das Westerwelle eitel ist und Künast nicht wirklich wichtig.

Ihr könntet ja mal als Journalisten die Protokolle übersetzen, zusammenfassen etc. ... das wäre sinnvoll da zb. mehr Leute an die Infos kämen.

Gold Star For Robot Boy 03.12.2010 | 18:47

http://profile.ak.fbcdn.net/hprofile-ak-snc4/hs236.ash2/50513_174975139187861_3304918_n.jpg
The U.S. State Department has imposed an order barring employees from reading the leaked WikiLeaks cables. State Department staffers have been told not to read cables because they were classified and subject to security clearances. The State Department’s WikiLeaks censorship has even been extended to university students. An email to students at Columbia University’s School of International and Public Affairs says: "The documents released during the past few months through Wikileaks are still considered classified documents. [The State Department] recommends that you DO NOT post links to these documents nor make comments on social media sites such as Facebook or through Twitter. Engaging in these activities would call into question your ability to deal with confidential information, which is part of most positions with the federal government."
http://www.ellsberg.net/wp-content/uploads/2010/12/AmazonCensorship.jpg
Daniel Elsberg: "I’m disgusted by Amazon’s cowardice and servility in abruptly terminating its hosting of the Wikileaks website, in the face of threats from Senator Joe Lieberman and other Congressional right-wingers. I want no further association with any company that encourages legislative and executive officials to aspire to China’s control of information and deterrence of whistle-blowing."
Glenn Greenwald:"Joe Lieberman emulates Chinese dictators"
BitTorrent client
WikiLeaks insurance file torrent
" Supporters of WikiLeaks around the world are downloading a file the site had called an insurance policy. The files are encrypted with a code so strong it's unbreakable, even by governments.If anything happens to Assange or the website, the plan was for a key to go out to unlock the files. It seemed unlikely Friday morning that WikiLeaks staff, or Assange himself, would send out the key to the encrypted file in reaction to EveryDNS dropping their site, as their content was back online via the Swiss domain only hours later.In theory, if news organizations or other WikiLeaks supporters get the key, there will be no way to stop the information from spreading like wildfire, because so many people already have copies."What most folks are speculating is that the insurance file contains unreleased information that would be especially embarrassing to the U.S. government if it were released," said Declan McCullagh, chief political correspondent for CNET, a CBS company."

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Ehemaliger Nutzer 03.12.2010 | 19:16

Der Tenor des Artikels sagt mir zu, doch zweifle ich sehr, dass Veröffentlichungen im Internet bereits den Einfluss der bestimmenden Meinungsmedien, der Presse Glotze, SPIEGELZEITBILD ARZDF überbieten kann. Ganz zu schweigen von Murdochs ausgefuchster Manipulationsmacht in den USA.

Die These:

"Hätte Wikileaks rechtzeitig die Lügen des Pentagon über die vermeintliche Bedrohung aufgedeckt, die Saddam Hussein darstellte – der Irak Krieg mit seinen zahllosen Toten hätte nicht geführt werden können."

mag sich - vielleicht - irgendwann - eventuell - in ferner Zukunft - möglicherweise bewahrheiten. Zur Zeit nicht.
Wirkungsvolle Propaganda zur Beeinflussung der Bevölkerung beruht seit jeher und immer noch auf Emotionen: Soldateska zerrt Babys aus Brutkasten, Bedrohung durch (erfundene) Massenvernichtungswaffen, durch nicht fassbaren Terrorismus. Vernünftige Gegeninformationen erfolgen immer erst nachher. Zu spät.

rolf netzmann 03.12.2010 | 19:41

"Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus" und "der Souverän, das Volk", von Untertanen allmächtig herrschender Politiker steht im Grundgesetz nichts. Das es mit dem Internet eine Möglichkeit gibt, Informationen einer breiten Öffentlickeit zugänglich zu machen, ist nur zu begrüßen. Dass es Männer wie Assange gibt, die diese Möglichkeiten nutzen, lässt die Macht einer mit den Mächtigen verbundenen Presse bröckeln. Darin liegt einer der Gründe, warum die Journalisten, wie es hier heisst, gegen sich selber schreiben. Die Blogger, die Betreiber von Homepages sind zu einer Konkurrenz der klassischen Journalisten geworden. Dass Zeitungen und Magazine diese Allianz mit Wikileaks eingehen, ist auch ein Stück weit eigenes Interesse, sich neuen Wegen öffnen.
Ein Artikel, wie er treffender die Situation nicht beschreiben kann, nach der nüchtern-realistischen Analyse der Lissaboner Gipfels bereits der zweite hintereinander. JA sollte weiter auf der Titelseite solche treffenden Analysen schreiben.

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erich-gengerke 03.12.2010 | 19:52

>>Und Zeit-Herausgeber Josef Joffe wünscht sich „keinen Ein-Mann-Rächer, der nach eigenem Geschmack entscheidet, was zu veröffentlichen sei. Dafür haben wir Parlamente und Gerichte, also den Rechtsstaat.“

Im Interesse der Transatlantiker und Bilderberger hat das Mitglied des Aspen-Institutes Josef Joffe möglicherweise ein recht eigenwilliges journalistisches Selbstverständnis.

www.radio-utopie.de/2008/10/24/die-bankrotterklaerung-des-kriegstreibers-josef-joffe-kam-per-dpa/

Fro 03.12.2010 | 20:34

M.E. müsste die Transparenz der Politik, als Voraussetzung einer funktionierenden Demokratie, zum allgemeinen Thema werden.
Ein Unternehmenseigner, der ein Management einstellt, möchte wissen, wie es die Geschäfte führt – er will volle Akteneinsicht. Das kann jeder verstehen. Auch dem Souverän (den wahlberechtigten Bürgern) müsste volle Akteneinsicht gewährt werden. Und da unsere Politiker vor der Wahl kein klares verbindliches Politik-Konzept zur Wahl vorgelegt haben, muss der Souverän auch die Möglichkeit haben, während ihrer Amtszeit korrigierend einzugreifen. Alles andere wäre (ist) doch absurd - und m.E. verfassungswidrig.

Das Wissen über Entscheidungen und Kooperationen unseres politischen Personals, auch genaue Auskünfte über Nebenjobs und Zuwendungen – die man m.E. verbieten sollte – sollte für alle verfügbar sein.
Nur so ist der Bürger überhaupt in der Lage eine personelle Wahl zu treffen und die Arbeit von Parteien zu beurteilen.

Die Unterwürfigkeit in diesem Lande ist leider so weit verbreitet, dass auch ganz naheliegende Ansprüche an das politische Personal als vollkommen unrealistisch hingestellt werden. Der Souverän – das heißt übersetzt: „der unumschränkte Herrscher“ - gibt sich mit 5 Sekunden Demokratie während der Stimmenabgabe an der Wahlurne zufrieden und überlässt für den Rest der Zeit, die Gestaltung der hiesigen Lebensbedingungen, einer Truppe lobbybestimmter unfähiger Undemokraten – und empfindet das auch noch als ganz natürlich und alternativlos. Und Beschämend: Der Großteil der Medien macht es auch noch vor und unterwirft sich den allgemeinen „Weisungen“ von „Oben“ - wie man es auch sehr schön anhand der Terrortheaterinszenierung beobachten konnte – oder nun an der Kritik der Transparenzschaffung seitens WikiLeaks.

Wenn WikiLeaks für Transparenz sorgen muss, dann ist es ein Armutszeugnis der herrschenden Politik. Und wenn Politiker Probleme mit WikiLeaks haben, sollten sie den allgemeinen Wunsch nach Transparenz erfüllen.
Mit der Veröffentlichung persönlicher Beurteilungen von Politikern und Aussagen von Politikern über andere, habe ich allerdings etwas Probleme. Als ich oben von unserem politischen Personal schrieb, musste ich in diesem Zusammenhang auch an die Lidl-Überwachung denken. Aber jetzt weiß unser Management wenigstens mal, wie es sich anfühlt .....

Was die Unterwürfigkeit unseres politischen Personals angeht, sollte man m.E. bedenken, dass es sich um zweckgebundene Unterwürfigkeit handelt, sie erwarten irgendwelche Vorteile von „unserem“ großen Freund. Oder sehen sich gar als Teil eines strategischen Großprojektes und erhoffen Gewinn für sich und ihre Klientel - diese eigennützige und fremdbestimmte Haltung wäre für mich ein glasklarer Entlassungsgrund – frist-und abfindungslos.

Bisher sagte man den Politikern in der Regel, was sie nicht tun sollen. Das ist das machtanerkennede Bitten und Klagen gegenüber der „Obrigkeit“. Es wäre meines Erachtens an der Zeit dem politischen Personal endlich zu sagen, was es denn nun eigentlich tun sollen. Aber was sagt man da?

Ich zitiere hier mal einen schönen Halbsatz von Bildungswirt:

„In Deutschland steckt ein gewaltfreier heiterer Anarchismus.......“
Ein schönes Motto für 2011.

Obrigkeitdenken raus aus Deutschland ;-)

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sweetheart 03.12.2010 | 20:40

Noch einmal mit erneuter Anmeldung beim F-Chef, da ich meinen früheren Kommentar nicht wie angezeigt am Ende der Posts entdecken kann. Also:

"Das Internet ermöglicht Offenheit und Klarheit, wo vorher Herrschaft und Kontrolle gewaltet haben."

Die heilsverheißende Offenbarung eines Internet-Utopisten!
"ERMÖGLICHT"!
"Ermöglicht" wurde schon vieles, die Ereignisse waren dann doch häufig andere.
Und wenn man einmal etwas genauer hinsieht: es sind MENSCHEN, die offen und klar sind, es sind MENSCHEN, die Herrschaft und Kontrolle ausüben. Und es sind Menschen, die das eine oder andere ermöglichen. Was hat das letztlich mit einem technischen Hilfsmittel zu tun?! Soll die Menschheit "die nächste Entwicklungsstufe" nur mit Hilfe des Internets erklimmen können?

Ehe ich mein Schicksal einem tatsächlich "verantwortungslosen" Informationsmärtyrer mit missionarischem Eifer und seinen zuliefernden Milchbubis mit Liebeskummer anvertraue, bleibe ich lieber
"untertänigst" sweetheart!

ed2murrow 03.12.2010 | 21:41

Lieber Jakob Augstein,

furios, was und wie Sie geschrieben haben. Aber was veranlasst Sie, beispielweise den „FDP-Spitzel“ so zu benennen, da er doch nichts anderes getan hat, als Informationen zu leaken? Überkritisch besehen wäre daraus zu folgern, dass es, nunmehr auf einer anderen Ebene, doch noch so etwas wie „gute“ oder „schlechte“ Lecks gibt. Was die Frage eröffnete, welche (Prä)konzepte dem wiederum zugrunde liegen mögen. Und wer damit etwas anzufangen weiß.

Die weitaus wichtigere Lektion sollten wir aus der Berichterstattung zu S21 ziehen: Die enormen Einschaltquoten haben gezeigt, dass trocken Brot durchaus mehr goutiert wird als nur saftige Geschichten. Und zeigt die Grenzen auf: Wer soll die Informationsflut bewältigen?

Den Artikel lese ich deswegen als berechtigte Schelte an den Journalismus, der sich untertan gemacht hat. Der Leser dagegen hat meist nur fürs Wesentliche Zeit.

Gute Grüße, e2m

Gold Star For Robot Boy 03.12.2010 | 21:53

http://media.washtimes.com/media/image/2010/12/02/B1_Kuhner_GGa_s160x182.jpg?4fa7152bee746fb76a380e28e23c46c166e0fd45
Kommentar Washington Times:"Mr. Assange is an anti-American radical who wants to see the United States defeated by its Islamic fascist enemies. His goal is to humiliate America on the world stage, to drain it of all moral and legal legitimacy - especially regarding the wars in Iraq and Afghanistan.(...)Instead, the administration should have pressured Australia to take decisive action against the leaker. It also should have issued an international arrest warrant and demanded that he be extradited to the United States to face charges of aiding terrorists.(...)Attorney General Eric H. Holder Jr. vows that he is looking into possible criminal charges against Mr. Assange. It is too late for tough talk. At this point, we are beyond indictments and courts. The damage has been done; people have died - and will die because of the actions of this puerile, self-absorbed narcissist. News reports say the WikiLeaks founder is hiding out in England. If that's true, we should treat Mr. Assange the same way as other high-value terrorist targets: Kill him."
www.washingtontimes.com/news/2010/dec/2/assassinate-assange/?page=2

Joachim Petrick 03.12.2010 | 22:39

Hat das ganze Wikileaken nicht mehr mit der Spiegel Affäre 1962, die eine Adenauer/Strauss Affäre war,zu tun, als mit dem Bismarckschen Kulturkampf gegen Bestrebungen und klerikal säkularen Tendenzen des Papstes im Vatikan?

Trotzdem auf jeden Fall ein interessant historischer Zugang zu dem Thema Wikileak.

siehe dazu:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/wikileak-mausklick-schon-ist-die-us--good-fellow-aura-futsch?

03.12.2010 | 21:31
Wikileak Mausklick, schon ist die US- Good Fellow Aura futsch?
wikileak

Wikileak Mausklick, schon ist die US- Good Fellow, Hitmen Aura futsch?
Wikileak oder der verdeckte Angriff auf den globalen Nachrichtenmarkt zur Abschaltung ganzer Armadas von bisherigen Akteuren/innen bestimmter nachrichtendienstlich diplomatischer Kaderschmieden, samt Verbindungspersonalbestand?

Gold Star For Robot Boy 03.12.2010 | 23:02

"The Library of Congress has blocked access to the Wikileaks site on its staff computers and on the wireless network that visitors use, two sources tell TPM.(...)The State and Commerce departments have also reportedly told their employees not to look at the Wikileaks cables, while the Department of Education reportedly blocked it entirely."
gawker.com/5705492/library-of-congress-is-latest-government-institution-to-block-wikileaks

Gold Star For Robot Boy 03.12.2010 | 23:18

"Clinton continued to face awkward questions about an intelligence directive which went out under her name in 2009 aimed at the UN leadership, which was revealed in a separate "national human intelligence collection directive". It called for the collection of "biometric" data on permanent security council representatives, and passwords and personal encryption keys used by top UN officials – in possible contravention on international law.(...)A leading expert on UN law today said the proposed activity in the directive breached two international treaties and could lead to the US being censured by the UN general assembly or even, in extreme circumstances, prosecution at the international criminal court.(...)Dapo Akande, lecturer in international law at Oxford University, said: "Obtaining passwords and information on communications systems violates the 1947 headquarters agreement between the US and UN and the general convention on the privileges and immunities of the United Nations."
www.guardian.co.uk/world/2010/dec/02/wikileaks-cables-cia-united-nations

Gold Star For Robot Boy 04.12.2010 | 09:04

Paypal hat den Account von Wikileaks abgeschaltet. Und zwar, weil die AGBs festlegen, dass Paypal nicht für die Ermutigung, Unterstützung, Vereinfachung, Förderung oder Anleitung Dritter zum illegalen Handeln
genutzt werden darf. Nachdem das Außenministerium der USA die Illegalität der Aktivitäten von Wikileaks festgestellt hat, entschied man sich bei Paypal für diesen Schritt, ohne dass Druck von Seiten der US-Regierung ausgeübt worden wäre.(...)Nach Amazon und EasyDNS ist Paypal der dritte Mainstream-Service, der Wikileaks die Dienstleistung verwehrt.
www.netzpolitik.org/2010/auch-paypal-schmeist-wikileaks-raus/

sternbald spiegelberg 04.12.2010 | 10:22

...es gibt "den" Bürger nicht, weder "selbstaufgeklärt" noch "mündig.Die Gesellschaft zerfällt in ganz andere Kategorien...nur am Rande.
Die Mächtigen fühlen sich erwischt und benehmen sich entsprechend.
Lustig ist, das sich deutschen Regierungen mit ihren Vasallen trotz ihres immer wieder gleichen Vorgehens mit Verleumdung, Lüge, Manipulation und Zensur, Diffamierung bis hin zur physischen Gewalt zwecks Macht und Profitsicherung immer noch eine Stasiunterlagenbehörde leistet, die genau die Methoden und das Vorgehen aufdecken und kritisieren soll, die heute wieder international usus sind ( s.o.)! Der Gauck, der Vaatz, die Birthler und Konsorten sind durch ihr Schweigen hiermit auch der Vasallenschaft überführt!

Erdmännchen 04.12.2010 | 10:37

Sehr geehrter Herr Augstein,

ich kann mich @68er nur vollkommen anschließen. Eine klare, direkte, brillante Einschätzung des öffentlichen Diskurses in diesem Land, die Wikileaks ja eigentlich "nur" zum Anlaß nimmt. Ihren Internetenthousiasmus vermag ich nicht vollkommen zu teilen, um so froher bin ich, daß Ihr Artikel auch im gedruckten Freitag erschien. Hatte mich seinerzeit schon sehr über Ihre klare Stellungnahme gegen den Afghanistankrieg gefreut.

MfG E.

Magda 04.12.2010 | 11:49

"Der Gauck, der Vaatz, die Birthler und Konsorten sind durch ihr Schweigen hiermit auch der Vasallenschaft überführt!"

Naja, Vasallenschaft, sie sind halt ganz brave Westbürger geworden - Mainstream - da wollten sie alle hin, sind nur nicht geflüchtet zu DDR-Zeiten.

Gauck hat ja kürzlich mal zur Überwachung von Teilen der Linken angemerkt, "dafür werde es schon Gründe geben". Die halten alle schon was vom geheimen Wissen, aber es muss ihrer politischen Richtung entsprechen.

Magda 04.12.2010 | 11:56

Sehr schön tobt sich der Nationalsender DeutschlandradioKultur aus:

Zwei Links dazu: www.dradio.de/dkultur/sendungen/kommentar/1330852/

Deutschlandfunk-Chefredakteur spricht vom pompös inszenierten Datendurchfall.

Oder: Rainer Burchardt meint unter dem Titel: "Emsige Depechen" (lustig, lustig)

www.dradio.de/dkultur/sendungen/kommentar/1334225/

"Mit anderen Worten: Mit dem digitalen Zeitalter ist die Ära der Geheimdiplomatie mit einem Aplomb beendet worden. Überspitzt ließe sich formulieren: Metternich war vorgestern, Al Kaida gestern. Zu den altmodischen, nicht minder bedrohlichen Gefährdungen kommen jetzt eben die digitalen, kaum kontrollierbaren und schon gar nicht zu verhindernden Enthüllungen hinzu. Naive nennen dies eine demokratische Transparenz."

Herrlich, wie der Leute zu Naivlingen stilisiert, die das journalistische Aufbläen und Gatekeepertum nicht so heiß finden wie er.

Virulente Frage bleibt: Was wird aus dem Journalismus unter diesen Bedingungen. Statt rumzuräsonieren und sich in Machtnähe und auf talkshow-Sesseln zu räkeln, sollten die mal neu nachdenken.

Und hat das alles auch Auswirkungen auf: Feuilleton, Kritiker, Reporter und so weiter. Das wird ja alles auch schon diskutiert .

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sweetheart 04.12.2010 | 13:04

Hier noch einmal der - diesmal hoffentlich funktionierende - Link zur Suüddeutschen, den ein anderer Kommentator oben einstellte.
Ein aufschlußreicher, nicht nur Klischeevorstellungen bedienender Artikel.
www.sueddeutsche.de/digital/wikileaks-gruender-julian-assange-der-gegenverschwoerer-1.1031477
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Zitat aus "WIR UNTERTANEN":
"Sie (die Bürger, sw.) wissen längst, daß im Arkanum staatlicher Hoheit keine höhere Weisheit am Wirken ist, sondern nur menschliches (Mittel)Maß und jetzt fordern sie Akteneinsicht. Gut so."

Na prima: dann löst jetzt "menschliches (Mittel)Maß" in beliebig zuströmenden Massen geordnetes und durch Wählerauftrag legitimiertes "menschliches (MIttel)Maß ab!
"Gut so"?
Verantwortungsträger? Nicht mehr erkennbar!

Ich bin für (juristische) Ordnung und Klarheit in den demokratischen Prozessen, für eindeutige Verantwortlichkeiten und für Vertrauensschutz in allen Bereichen - wenn dieser sich nicht aktuell im Einzelfall als völlig widersinnig herausstellen sollte.
Ich möchte Politiker und Verwaltungen als gewähltes, verantwortlich und rechenschaftpflichtiges - und dann bei guter Arbeit auch respektiertes - Personal! Ich will mich nicht per Volksabstimmung und/oder per Internet
um jedes Bauvorhaben in Kleinkleckersdorf, auch nicht um jedes Gesetzesvorhaben kümmern müssen.

Damit das funktioniert, benötige ich gut (aus)gebildete, gut bezahlte und im besten Sinne kritische Journalisten, die mich gut informieren - so wie jede andere Bürger weltweit ebenso!

"Wir Untertanen" ist für mich daher ein merkwürdiger Titel: hat sich da der Journalist (mit hier nachlesbarem entsprechendem mehrstimmigen Zuspruch) zum "schlichten", mittelmäßig informierten Bürger ins Bett gelegt?
Leistet der Journalist, der die Freisetzung x-beliebiger Datenmengen bejubelt mir denn einen besseren Dienst als derjenige, der bei deren Anblick an meine "nationale" und "westliche Sicherheit" denkt? Und wieso ist der Gedanke an "westliche Sicherheit" "schlimmer noch" als der an die "nationale"?
Oder schrieb hier der Gärtner, nicht der Journalist?

PS Ein Nachgedanke: was spräche denn dagegen, daß der ein oder andere Freitag-Mitarbeiter hier mal aus dem Nähkästchen plaudert?
Wie wird der Freitag finanziert? Trägt er sich? Ist der Online-Auftritt immer noch ein Zuschußgeschäft? Wie sehen die - vertraulichen! - Beurteilungen der Ressortleiter aus? Die ein oder andere private Mail vom "Dienst"-PC und ein wenig Klatsch wäre auch sehr willkommen!

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novaesia 04.12.2010 | 13:28

Der Beitrag von Herrn Burchardt bringt es doch treffend auf den Punkt. Wikileaks bedroht ihn offensichtlich persönlich in seiner Machtposition des Towächters bzw. Gatekeepers.

Wie schon Francis Bacon sagte:

Scientia et potentia humana in idem coincidunt, quia ignoratio causae destituit effectum.

Wissen und Macht des Menschen fallen zusammen, weil Unkenntnis der Ursache die Wirkung verfehlen lässt.

Quelle

Wenn die Quellen offen liegen und jeder sich selbst ein Bild machen kann, ohne die Zensur der selbsternannten Wissenswärter, wovon sollte Herr Burchardt dann leben?

Er sieht sich ja offensichtlich nicht vordringlich als Vermittler gesellschaftlicher Vorgänge sondern eher als Zensor. Dass er sich zu dieser Position so offen bekennt, sollte und zugleich erfreuen und erschrecken. Erfreuen, weil er wenigstens in diesem Punkt zur Aufklärung beiträgt, erschrecken, weil er offensichtlich nicht im geringsten merkt, auf welchem falschen Dampfer er da schippert.

keiner 04.12.2010 | 13:30

>>Hätte Wikileaks rechtzeitig die Lügen des Pentagon über die vermeintliche Bedrohung aufgedeckt, die Saddam Hussein darstellte – der Irak Krieg mit seinen zahllosen Toten hätte nicht geführt werden können., schreiben Sie.

Natürlich sind was-wäre-wenn-Überlegungen immer problematisch, aber auch mir drängt sich, gerade weil es um Botschaftsschreiben geht, so eine auf:

>>Man muß einmal die aggressiven und überheblichen Randbemerkungen des deutschen Kaisers zu den Berichten des damaligen deutschen Botschafters in London, des Grafen Wolff-Metternich, nachlesen. Nur ein Beispiel: Im Widerstreit der Ansichten, ob zu der gesetzlich festgelegten Flottenrüstung 1912 noch eine zusätzliche Novelle eingebracht werden sollte, warnte der deutsche Botschafter in London vor den schweren politischen Folgen in England. Seiner Ansicht nach wäre eine spätere Nachforderung der fehlenden Schiffe angebrachter. Randbemerkungen des Kaisers: „Hasenfuß!", „unglaubliches Blech!«, „Quatsch", was weiß der Zivilist davon!!". An den Schluß des Berichts des deutschen Botschafters schrieb der Kaiser: „Ich stimme dem Urteil des Botschafters nicht bei! Der Marineattache Botschafter Metternich, warnte vor einem Krieg. Drei Jahre später hatten 'wir ihn. heisst es in einem Leserbrief an die ZEIT, hier nachzulesen

www.zeit.de/1982/04/Die-Militaers-sind-nur-Nachbeter?page=all

Metternich wurde in der Folge aus London abberufen und war später Botschafter in der Türkei - auch dort führten u.a. seine Schreiben an die deutsche Regierung bald zu seiner Abberufung:

>>Es gab aber auch Offiziere und vor allem Diplomaten, die ihre Karriere und sogar ihre Sicherheit aufs Spiel setzten, um der Reichsregierung die Augen zu öffnen und ins Gewissen zu reden. So protestierte Generalmajor Otto von Lossow prophetisch gegen »eine neue Form des Massenmordes, d. h. die ganze armenische Nation durch völlige Abschließung verhungern zu lassen«. Botschafter Paul Graf Wolff-Metternich appellierte seit seinem Amtsantritt Ende 1915 ständig an Kanzler- und Auswärtiges Amt. Am 30. Juni 1916 schrieb er: »Niemand hat hier mehr die Macht, die vielköpfige Hydra… den Chauvinismus und Fanatismus zu bändigen. Das Komitee verlangt die Vertilgung der letzten Reste der Armenier.« Nach nur zehn Monaten wurde er auf Verlangen der türkischen Regierung abberufen., berichtet Christian Schmidt-Häuer in einem ausführlichen Dossier über den Völkermord in der ZEIT

www.zeit.de/2005/13/Armenier?page=all

Natürlich ist es unhistorisch, aber dennoch drängt sich mir die Frage auf, wie die Weltgeschichte wohl verlaufen wäre, wenn die Schreiben dieses Botschafters so öffentlich hätten werden können, wie Wikileaks dies heute möglich macht...

Erdmännchen 04.12.2010 | 15:56

Üble Geheimnissen gehören an den Tag, andere Geheimnisse gehören gewahrt, um persönlichen Vertrauens willen, aus Anstand, zum Schutz von Privatsphäre. Oder hinsichtlich der Zielerreichung in einer Verhandlung, letzteres z.B. in der Diplomatie. Jeder Betriebsrat kennt das Spannungsfeld der verschiedenen Geheimnisse.

Das ist aber m.E. nicht der ausschlaggebende Punkt des Artikels. Der Artikel beschreibt gesellschaftlichen Zustand, konstatiert die Kluft zwischen Herrschaft und Beherrschten, charakterisiert Rolle und Verhalten von Medien und Politik(ern), zeigt Handhabung des (üblen) Geheimnisses zum Machterhalt. Assange-Diskussion eher treffendes Beispiel.

Columbus 04.12.2010 | 16:05

Vielleicht darf an dieser Stelle auch einmal daran erinnert werden, dass in Deutschland heute einer Verteidigungsminister werden kann, der sich langjährig und dauerhaft genau in jenen Kreisen bewegt, dort schon im sehr jungem Alter, von meist älteren, wohlwollend wangentätschelnden Herren eingeführt wurde, die nun, gemeinsam mit manchem Journalisten, harsche Urteile über Wikileaks fällen und ansonsten fleißig weiter die entscheidenden Plus- oder Minuspunkte auf dieser Welt verteilen. - Das haben die Veröffentlichungen, neben allerhand Banalitäten, auch sichtbar gemacht.

Das heimliche Basis-Argument in den meisten außenpolitischen Leaks aus den Cables und Depeschen des State Department lautet nämlich: Uns sind Politiker in den offiziell befreundeten Staaten lieber, die wir selbst lange genug kennen, die wir möglichst mit aussuchten, um uns ganz sicher zu sein, sie wirkten prinzipiell und unbedingt in die Richtung unserer Sache, wohin auch immer die von uns vorgegebene Richtung einmal führen könnte.

In den dafür notwendigen, langfristig vorbereitenden Gremien, Zirkeln und Klubs der Außenpolitik dürfen auch ein paar deutsche Journalisten, gegen Einhaltung der Spielregeln und Grundsätze versteht sich, Mäuschen spielen, und manchmal sogar nassforsch über die Notwendigkeiten von Gewaltanwendungen und Sanktionen mitreden. Wo diese Journalisten schreiben und Sitze einnehmen ist mittlerweile öffentlich bekannt. Manches mürrische Urteil bezüglich der neuen Transparenz-Konkurrenz, erklärt sich vielleicht genau so.

Klassisch sind die Fälle jener Journalisten, die sich entweder selbst schon offen als Transmissionsriemen der Politik und Wirtschaft sehen, - auf Medientagen sind sie zu bewundern und sie preisen sich selbst im Zirkelschluss-, oder aber weiterhin als Kontrolleure derselben gesehen werden wollen, jedoch in allzu vielen Fällen selbst Teil der Medienwirtschaft und/oder der Politik sind. - Manchmal versuchen sie sogar, ihre Mitgliedschaften und wahren Bezüge zu verbergen.

Kurz ist daher der Weg vom idealistischen Aufklärer mit hehren Standesprinzipien im Marschgepäck, hin zum medialen Bettvorleger, mit, zum Ausgleich dafür, gut gepolsterter, materieller Absicherung, öffentlich-rechtlich oder über eine entsprechende Konzernfunktion.

So lange noch ein paar große Zeitungen und ihre Redaktionsteams Wikileaks die Stange halten, selbst wenn sie bei der Datenauswahl aus dem jüngsten Leak zu wenig Zeit aufwendeten, z.B. die abertausend wortwörtliche Banalitäten des Botschaftspersonals mit den traurigen Quellen aus dem unbedarften Schaffen des eigenen Berufsstandes abzugleichen, die ja dafür die eigentliche und häufigste Materialgrundlage lieferte, wird das Daten-und Enthüllungsportal weiter leben, als ein wesentlicher Anstoß auf dem Weg in eine offenere Gesellschaft und in eine erneuerte Demokratie.

Es steht derzeit jedoch nicht gut. Wenn sich noch mehr Plattformen weigern Wikileaks zu hosten, wird das Ende kommen, so, wie Vermutungen und Spekulationen aus Herrn Assange nun einem international gesuchten Kriminellen machen.

Der Guardian hat den Mut, der Spiegel zieht mit, ebenso die ehrwürdige New York Times, trotz der wirtschaftlich prekären Lage des Blattes. Das sind weiterhin die großen Hoffnungen und "der Freitag" macht, was sich für eine kleine, feine Zeitung mit Haltung gehört, er unterstützt das Grundanliegen, das doch so klar erkennbar ist, für jeden noch denkenden Menschen.

Wikileaks ist mitnichten eine digitale und webbasierte Ausgabe des Schmuddel- und Kampagnenjournalismus, auch keine Ausgeburt des Meinungsjournalismus in der Nähe demokratischer Fürstenhöfe oder der Welthochfinanz. Über die Privatleben der Menschheit, einzelner Menschen, wird absolut nichts veröffentlicht, nichts enthüllt, und das völlig zu Recht. Aber über die Hintergründe der politischen Entscheidungen, über die Frage, warum es unter Umständen Krieg und Frieden aus anderen Gründen gibt, als gemeinhin verkündet, und wie die öffentliche Meinung dazu gebracht wird Lügen als Wahrheiten zu akzeptieren, darüber steckt in dem reichhaltigen vorgelegten Material von Anfang an ganz viel.

Grüße
Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 04.12.2010 | 19:10

@ born2bmild schrieb am 03.12.2010 um 18:16

>>>Der Tenor des Artikels sagt mir zu, doch zweifle ich sehr, dass Veröffentlichungen im Internet bereits den Einfluss der bestimmenden Meinungsmedien, der Presse Glotze, SPIEGELZEITBILD ARZDF überbieten kann.

Den "Freitag" gibt es auch als Printausgabe. Mal ehrlich: Wissen Sie das nicht? Wenn Sie solche Meinungen wie die hier diskutierte, öfter und mit größerer öffentlicher Wirkung lesen wollen: Einfach ein Abo beim "Freitag" anmelden und Geld für diese Art von Journalismus bezahlen. Ich finde auch, dass das Lesen im Print eine andere Wirkung hat: Relative Größe der Artikel, Platzierung, Fotos, sehr gute Typografie des Freitag, nachlesen der Community-Beiträge im Print,... also Genuss und aktive politische Meinungsäußerung.

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Ehemaliger Nutzer 04.12.2010 | 19:32

Lieber Herr Augstein,

letzte Woche habe ich mich über Ihren Kommentar zum Einsatz der Bundeswehr in Afgahnistan schon sehr gefreut, war aber noch etwas skeptisch - wie in meinem dortigen Posting geschrieben.

Wir brauchen eine Position wie die Ihre in diesem Artikel, die den "Freitag" wirklich als "linkes Medium" platziert. "Wikileaks" ist eine Sternstunde der Demokratie, der Erkenntnis, der Meinungsbildung. Dieses ganze Gehuber ob das "Verrat", "Niedertracht", "Unglück", "Gefährdung" ist, zeigt nur an, dass hier jemand ein Problem damit hat, dass jeder wissen kann und soll, wie Hierarchen meinen über Menschen, Informationen und Ressourcen verfügen zu können.

Oh wie sehr ich mich freue, dass den Info-Schleußenwärtern Deppendorf, Seibert, Joffe, Döpfner, Clement... mal gezeigt wird, dass Sie einfach nur den Kahn durchzulassen haben. Deren Bewertung ist nur noch so interessant wie eine Wasserstandmeldung.

"Modřany", Herr Deppendorf, wie wir früher zu sagen pflegten. "Modřany".*

---------------------------

*"Modřany" (gesprochen Modschany) ist eine Pegelmessstelle an der Vltava (Moldau), das wurde früher gegen Mittag täglich auf Radio DDR runtergebetet; man kannte alle Pegel an Saale, Elbe, Oder auswendig; Synonym für etwas, was einen überhaupt nicht interessiert, weil man es bis zum Erbrechen gehört hat: ausführlich: "Das interessiert mich wie eine Wasserstandsmeldung"; Kurzform "Modřany".

Columbus 04.12.2010 | 19:33

Liebe Magda,

Da müssen Sie sich nicht aufregen. Der Herr Burchardt hält sich selbst für einen Analysten und er ist daher ein wenig neidisch und noch dazu schnippisch im Ton. Ein Edeljournalist eben.

Zudem quillt aus jeder zweiten Zeile das feine seidene Einstecktuch, das schon so viele Journalisten um den Verstand brachte. Ich fürchte, Herr Burchhardt lehrt das auch und zwar schon lange. - Zum Glück, sind aber gerade die Rundfunkhäuser auch noch Rückzugsorte für die akribischen, gut informierten und sachlichen Journalisten. DLF und DLR als Gesamtprogramm können sich wirklich sehen lassen und Herr Burchhardt ist da eine Meinung, wenn auch eine fast schon adelige.

Klar, -da könnte eine Gefahr liegen-, diese öffentlich-rechtliche Attitüde, wir, die Hörer und Seher müssten, trotz etlicher Milliarden Gebühren, neben gefühlten 98 Prozent Unterhaltung, auch noch solche 1,5% Meinungsjournalismus und die tägliche Verlesung der Nachrichten akzeptieren, das sei überhaupt der wahrhaftige Journalismus, stört schon gewaltig.

Leider bauten z.B. die ARD-Intendanten jüngst ihre verdummende Programmstruktur weiter aus. Das hat Methode. In Zukunft müssen wir an fast jedem Wochentag dem kleinen Kreis der Talkgötter lauschen und ausgiebig jauchzen und Hosianna rufen, weil der Meinungsjournalismus, Arm in Arm mit den Freundeskreisen, gerade seinen letzten Angriff auf die Sendeplätze verübt, die noch von einem nicht ganz dahindämmernden Publikum beachtet werden. - Für diese reine und gereingte Abendunterhaltung gibt es, ganz ohne Frage, die besten Gehälter und die begehrten begrenzten Zugänge zu den zahlreichen Empfangskreisen rund um den Reichstag.

Die Stäbe der TalkerInnen könnten sich viel Arbeit sparen, wenn sie sich nur einmal im Vierteljahr träfen, um die ewig gleiche Reise nach Jerusalem, die derzeit auf allen Kanälen geboten wird, effizient zu organisieren.

Derweil machen die Leute, die weiter was zu sagen haben wollen, Wikileaks mit Geheimdiensten, Staatsanwälten, Anwälten, Firmengrundsätzen und durch persönliche Verfolgung platt. - Sie versuchen es zumindest.

Abschalten geht zwar und ist ein probates Heilmittel. Ich fürchte allerdings, das gelingt auch nur 1,5% und die restlichen 0,5 % machen das sowieso schon.

LG
Christoph Leusch

Uwe Theel 04.12.2010 | 19:41

Wer hören möchte, wie die bürgerliche Presse Stellung nimmt - um nicht zu sagen aufheult - gegen das "eigentliche" Verbrechen von WikiLeaks (=Julian Assange) der gehe beim Bayerischen Rundfunk BR2 (Hörfunk) auf die Webseite:

www.br-online.de/bayern2/jazz-und-politik/wikileaks-diplomatie-internet-ID1291045611199.xml

Und lese dort nach, höre die "Kommentare"

# "Wiki, was? W-Prinzip und öffentliches Interesse. Eine Erfolgsgeschichte (Anke Mai)
# Es war einmal: Die vierte Macht im Staate oder der investigative Journalismus (Ingo Lierheimer)
# Brauchen wir Geheimnisse? Manches bleibt aus gutem Grund verborgen (Ralf Borchard)
# Rechtsstaat, Enthüllung, Diplomatie. Drei Sphären die Grenzen der Transparenz (Wolfram Schrag)
# Amtsanmaßung, Machtmissbrauch, Geschwätz? Kritik der Denunziation (Wilhelm Warning)
# Horch und Guck – Wikistasi oder was? Eine Glosse (Lutz Rathenow)

die dort in der Sendung Jazz Politik vom 04.12.2010 17:05-18:00 verbreitet wurden, "um die ordnung wieder herzustellen".

Nicht ganz nebenbei: Dass ein Bundesobergericht gerade festgestellt hat, dass Daten von Steuerhinterziehern, die durch Datenklau auf "ominöse" CDs gelangt sind und dem Staat dann "unrechtmäßig" zu Verkauf angeboten werden, aber doch von diesem Staat "rechtmäßig" angekauft und verwendet werden dürfen, mutet hier so putzig, wie entlarvend an.

s.: www.focus.de/politik/deutschland/urteile-karlsruhe-erlaubt-nutzung-von-steuer-cds_aid_577068.html

keiner 04.12.2010 | 20:52

>>Klassisch sind die Fälle jener Journalisten, die sich entweder selbst schon offen als Transmissionsriemen der Politik und Wirtschaft sehen, - auf Medientagen sind sie zu bewundern und sie preisen sich selbst im Zirkelschluss-, oder aber weiterhin als Kontrolleure derselben gesehen werden wollen, jedoch in allzu vielen Fällen selbst Teil der Medienwirtschaft und/oder der Politik sind., schreiben Sie, Columbus.

Ich kann Ihnen da nur zustimmen und möchte Ihre Feststellung um die Beobachtung ergänzen, dass es tatsächlich auch viele junge, aufstrebende Journalisten zu geben scheint, deren ganzer Mut und Eigensinn schon aufgebraucht zu sein scheint, bevor sie arriviert sind und die sich offenbar ihre Meinung, vielleicht sogar unbewusst, so bilden und sie dann verbreiten, dass sie 'oben' Gefallen finden kann.

In meinen Augen ein weiterer Hinweis dafür, dass eine Gesellschaft, in der immer mehr Menschen 'prekär' situiert werden, sich des Innovationspotentials beraubt, dessen es bedarf, um Krisen nachhaltig zu bewältigen.

'Lügen als Wahrheiten zu akzeptieren", schreiben Sie, und nicht nur diese Ihre Formulierung erinnert sehr an Orwells 1984:

>>The keyword here is blackwhite. Like so many Newspeak words, this word has two mutually contradictory meanings. Applied to an opponent, it means the habit of impudently claiming that black is white, in contradiction of the plain facts. Applied to a Party member, it means a loyal willingness to say that black is white when Party discipline demands this. But it means also the ability to believe that black is white, and more, to know that black is white, and to forget that one has ever believed the contrary.

en.wikipedia.org/wiki/Nineteen_Eighty-Four#Doublethink

Es ist doch eine unglaubliche Verdrehung, wenn staatliche Organe für sich Vertraulichkeit, mithin sozusagen eine Privatsphäre, beanspruchen, die dafür verantwortlich sind, dass diese für Privatpersonen faktisch weitestgehend ausgehöhlt ist.

Neueste Anweisung des Ministry of Truth: Regierungsangestellte in den USA dürfen die Wikileaks-Veröffentlichungen im Internet nicht abrufen, sollen sie auch auf ihren privaten Rechnern zu Haus nicht.

en.wikipedia.org/wiki/Ministry_of_Truth

www.wdr5.de/nachhoeren/echo-des-tages.html , Sendung vom 4.12.

P.s. Und wenn ein Joffe, wie dies auch prominente Tea-Party-Mitglieder in den USA tun, Assange in die Nähe von AlQaida rückt, ist dies in Wirklichkeit eine kaum verhüllte Morddrohung. Newsspeak: 'Kampf gegen den Terror'

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Ehemaliger Nutzer 04.12.2010 | 21:23

Seit Jahren, lange bevor J.A. das Blatt übernahm, bin ich Abonnent des 'Freitag", der sich nun "Meinungsmedium" nennt, aber viel zu wenig verbreitet ist, um einen spürbaren Einfluss auf die Meinungsbildung zu haben.
Meine von Ihnen zitierte Aussage bezog sich, klar ersichtlich, auf, ich wiederhole:
"Hätte Wikileaks rechtzeitig die Lügen des Pentagon über die vermeintliche Bedrohung aufgedeckt, die Saddam Hussein darstellte – der Irak Krieg mit seinen zahllosen Toten hätte nicht geführt werden können."

Dass Sie mal ehrlich sein wollen, ist ein guter Anfang ,-)

Uwe Theel 04.12.2010 | 23:00

@ SiebzehnterJuni schrieb am 04.12.2010 um 20:50

und wer sagt, dass Wikileaks nicht E-Mails aus dem Iran hat und nicht veröffentlicht?

Da Sie soetwas zu wissen scheinen, sollten Sie entweder Ihre Spekulationen einstellen, oder selbst den Beweis - mindestens plausible Argumente anstelle von Ressentiment - für Ihre durchsichtigen Annahmen antreten, bevor Sie Wikileaks ohne eigenes Wissen etwas unterstellen, selbst wenn Sie dafür 5 Sternchen bekommen? - Von wem eigentlich?

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sweetheart 04.12.2010 | 23:15

UweTheel,22.00
Da das Wikileak-Prinzip selbst hier beim Freitag noch nicht zu greifen scheint, wird Ihnen die 5-Sternchen-Frage wohl keiner beantworten.

Meine Frage zu den Finanzen des Freitags und der FC, zu Einschätzungen der Redakteure und ein bißchen Redaktionsklatsch obendrein wurde erstaunlicherweise auch noch nicht beantwortet.

Aber warten Sie's ab! Wie schreibt der Transparenz-Guru heute beim Guardian:
"The world will be elevated to a better place.", selbst wenn er's nicht überleben sollte.
"Wahrlich, wahrlich, ich sage Euch ...!"

Columbus 04.12.2010 | 23:41

Gut gebrüllt, Herr Gengerke,

Die Augabe unserer Gerichte und Parlamente ist nämlich nur dann erfüllt, wenn sie die Presse- und Informationsfreiheit schützen und nicht wenn sie bestimmen, was in der Presse und in den Medien zu erscheinen hat. Herr Joffe hält sich jedoch schon lange für jemanden, der nicht nur Pressearbeit macht, daher kommt diese, milde gesprochen, verklemmte Haltung.

Übrigens bin ich zu 100% überzeugt, dass Herr Joffe niemals in den letzten, gefühlt einhundert Jahren fleißiger Produktion auch nur einmal ein Argument in der Redaktionskonferenz angenommen hätte, bei dem es um die Rückstellung oder das grundlegende Redigat seiner, oft doch sehr einseitigen Artikel gegangen wäre.

Schade eigentlich, für jemanden, der Amerika so liebt und doch gerade beim Guardian und bei der NYTimes die Vorbilder finden könnte. Sitzen da überall Ein-Mann-Rächer, oder ist nicht vielmehr Herrn Joffes Text als Halali zu einem Rachefeldzug zu verstehen? Er erteilt den Staatsanwälten, dem Rechtstaat, die Qualitäts-Presseerlaubnis: "Geht vor, wir haken das ab, wir assistieren, denn ihr entscheidet was veröffentlicht werden darf und wir finden das gut so." - Im zitierten Joffe-Satz steckt die Drohung.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 05.12.2010 | 10:42

@ SiebzehnterJuni schrieb am 04.12.2010 um 20:09

>>>jetzt fehlen mir die internen Antwort-E-Mails der Russen, der Chinesen, der Nord- und Südkoreaner, der Saudis, von Al-Khaida auf die USA-Mails!!

Auf eine grobe Argumentation gehört eine grobe Entgegnung: Wenn russische, saudische, koreanische Truppen in Deutschland stationiert sind und nicht US-Truppen, wenn deutsche Diplomaten zu denen petzen gehen und nicht zum US-Papi, wenn diese Staaten die Bankdaten von EU-Bürgern fordern und nicht die CIA, dann ja dann hätten die Veröffentlichungen für mich eine ähnliche Bedeutung. So bin ich's erst einmal sehr, wirklich sehr zufrieden. Natürlich hätte ich nichts dagegen, wenn der andere Schlamm auch noch geliefert wird. Also Agent 1706, ran an die Akten!

SiebzehnterJuni 05.12.2010 | 12:26

Ich kann keine grobe Argumetation - zumindest bei mir - erkennen.

Mich interessiert seit dem Auftauchen von Wikileaks das Ziel dieser Gruppierung. Und wenn ich richtig beobachtet habe, waren bisher nur westliche Staaten betroffen.

Und da ist es doch durchaus erlaubt, einmal zu spekulieren, warum das so ist.
Auch die Ankündigung der Veröffentlichung von Daten einer US-Bank setzt die Zielrichtung fort!

Aber es wird sicher demnächst - in Monaten oder Jahren - irgendjemand von den Wikileakern etwas aus dem Inneren erzählen!

zelotti 05.12.2010 | 13:48

Der Kornblum macht Schadensbegrenzung, weil sie den Murphy nicht mehr vorschicken können, der hat sich schon genug lächerlich gemacht und macht alles kaputt sobald er den Mund auttut. Kornblum ist ein ganz prima Diplomat.

Das heisst nicht, dass man das glauben sollte, wer er uns so gerade verzählt, etwas dass es normal sei wie der amerikanische Botschafter sich verhalten oder dass man als Botschafter nicht für die Arbeit seiner Mitarbeiter Verantwortung trage.

Uwe Theel 05.12.2010 | 14:50

@ SiebzehnterJuni schrieb am 05.12.2010 um 11:26

"Und da ist es doch durchaus erlaubt, einmal zu spekulieren, ..."

Erlaubt sei alles, was "gefällt", ob es sinnvoll ist, ist freilich eine andere Frage.

Aber wenn schon "spekulieren", dann doch einfacher: Wenn Wikileaks nichts von unseren "Feinden", Ihrer Formulierung nach also den "östlichen" - kommt mir irgendwie "bekannt" vor! - spricht, dann vielleicht "nur", weil die "östlichen" ihre Geheimnisse "besser", brutaler hüten.

Herrschaftswahrung ist Herrschaftswahrung und Kritik daran ist in der Summe immer gleich schwer, aber nicht zu jeder Zeit gleich möglich.

Ihre Spekulation "Warum kritisiert Wikileaks denn nicht auch ...!" ist die alte Litanei des Kalten Kriegers, der glaubt das Fehlen des "eignen Lagers" durch Aufrechnung verschwinden machen zu können, in Wahrheit eben nur weiter Ressentiment schürt, Ideologie bildet, statt der Aufklärung dient.

Columbus 05.12.2010 | 15:00

Lieber Sweethart,

Melden Sie sich doch an, machen Sie sich gegenüber der Redaktion namentlich und persönlich bekannt, erzeugen Sie das notwendige Vertrauen. Wenn ihnen das überhaupt gelingt, entlang ihrer Postings habe ich da Zweifel, werden Sie Auskünfte, nie alle Auskünfte, aber doch viele, bekommen.

Was das Geschäftsgebahren, die Finanzen des "dF" angeht, geht Sie das nur etwas an, wenn daraus eine (Be-)Drohung für etwas wichtiges Anderes erwüchse. Das müssten Sie dann erst einmal öffentlich erklären. Und ganz sicher ist, dass Klatsch der Redaktion deren Sache ist und noch sicherer, dass journalistische Einschätzungen frei sind und dann eben im Blatt oder auf der Webseite stehen.

Sie fantasieren sich ein Wikileaks-System, das es zu ihren Absichten und Zwecken, sie sind gar nicht aufklärerisch, so überhaupt nicht gibt.

Aber bitte, teilen Sie uns einmal mit, welche Informationen, Sie, der sich seit Bestehen der "Leaks" dafür interessiert, denn erworben haben. Bisher äusserten Sie ja nur Meinungen. Das ist aber keine Information.

Wikileaks ist übrigens weder antiamerikanisch, noch irgendwie "anti" gegen eine Nation oder ein Volk. Ganz im Gegenteil.

Offentsichtlich gibt es in unseren westlichen Demokratien verantwortungsvolle Whistleblower, -es gibt auch unverantwortliche und unbedarfte (siehe FDP), das ist ja eine Binse-, neben dem Haufen an bezahlten und unbezahlten Schmutzwerfern, die das allgemeine Lügen und Betrügen der Regierungen und mancher mächtiger Insitutionen nicht aushalten.

Es sind, wie der Fall des verdächtigten Gefreiten Manning aus dem Irak beweist, meist einfache Leute, wie Sie und ich.

Mein Verdacht: "Leakten" Sie mit, geschähe es häufig nicht mit Überlegungen bezüglich der Größe und Macht, dem Maß der Lügen, die das Leak aufdeckte, sondern eher eine Art Böswilligkeitsleaking. Man nennt das den Unterschied zwischen Aufklärung und Verleumdung.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

Uwe Theel 05.12.2010 | 15:48

Belle Hopes am 05.12.2010 um 14:22

Drei Sternchen für eine weitere inhaltliche Nullnummer:

Prusten Sie weiter, dann werden sie das Denken schon vermeiden:

1) Ich bezeichnete nicht Sie als "NAZI" oder "DIKTATORISCH" sondern gewisse Äußerungen von Ihnen als "faschismuskompatibel" (j-ap). Den Unterscheid werden auch Sie durch Ihre Wiederholungen der Unwahrheit nicht widerlegen oder verwischen.

2) "Spelulation" als "Erkenntnisinstrument" führte hier SeibzehnterJuni ein. Ich wandte mich dagegen.

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belle-hopes 05.12.2010 | 15:53

THEEL: sie haben sich schon selbst in grund und boden geschrieben mit ihren spekulationen und verleumdungen und können noch weiter von nullnummer reden, das ist allenfalls restkomisch; SiebzehnterJuni sieht wikileaks kritisch...JA UND...wollen sie es ihm/ mir verbieten? hier eine beitrittsclausel einführen? wer nicht denkt wie hier usus fällt raus? wer sind sie? der heimliche FREITAG- macher? dann eben nochmal: ich sehe wikileaks kritisch und assange!

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sweetheart 05.12.2010 | 16:10

Uwe Theel, 14.48
Uwe Theel, Sie sind unehrlich: jemand wird den inzwischen gelöschten Blog von Belle Hopes noch haben, im Zweifelsfall sie selbst, in dem Sie Belle Hopes Profil-Motto als Ausdruck faschistischen Denkens bezeichneten und gegen jeden vernünftigeren Kommentar, unter anderem den meinen, an dieser ebenso absurden wie ehrverletztenden Aussage festhielten.
J-ap baute Ihnen mit seiner Wortschöpfung "faschismuskompatibel" (ein Wort, das Sie sich sicher nicht ohne Grund gemerkt haben) eine goldene Brücke, um aus dieser Nummer wieder herauszukommen - Sie beschritten sie nicht, so weit ich mich erinnere. Auch die wirklich bewundernswerten Bemühungen von W. Heinrich prallten wohl nach einem kurzen Moment der Einsicht wieder von Ihnen ab.

Also, zitieren Sie bitte Ihre eigenen Worte und nicht die von j-ap, wenn es um etwas geht, das sie gesagt haben!

Columbus 05.12.2010 | 16:22

Nein, liebe Belle Hopes,

Von einer notwendigen Eintrittskarte, Mitglied der Redaktion, Blogger bei "dF", Autor, Gast, Freund, erklärter Feind, -auch den kann man, macht er sich offen, einladen, ohne sich zu blamieren-, schrieb ich wahrlich nichts.

Nur davon, nicht etwas zu verlangen, was erstens einen Akt der Gegenseitigkeit verlangte, nämlich als iddentifizierbarer Mensch, nicht als Nick, der Redaktion als Fragender gegenüber zu treten, wenn man Informationen haben möchte und dann dabei das eigene, hoffentlich hochwertige, Interesse klar und deutlich zu machen.

Whistleblower, jedenfalls diejenigen, die wirklich wichtig und notwendig sind, haben und hatten ja schon ihre Eintrittskarten und sie beobachteten und hörten Dinge, von denen sie glaubten, sie sind auf gut Deutsch gesagt, eine große Schweinerei.

Als Dunkelmann und Dunkelfrau kann heutzutage jeder irgend etwas über andere behaupten, vermuten oder sogar vorlegen.

Denken Sie nur einmal an die nicht unwahrscheinlichen, sogar häufigen Abläufe in Schülernetzen und auf Schülerwebseiten, bei denen häufig andere gedisst oder gar gemobbt werden. - Mit diesen ganzen Dingen und noch viel schlimmeren Perversitäten, nämlich der üblen Nachrede und Verleumdung, der Absicht andere zu vernichten und völlig zu diskreditieren, hat aber weder die ehrenwerte "dF"-Redaktion, noch Wihileaks etwas zu schaffen.

Staaten, mittlerweile auch viele mächtige Finanz- und Wirtschaftsorganisationen, Firmen und Medienkonzerne, haben aber reichhaltige Möglichkeiten ihre Macht genau in diesem schlechten Sinne zu nutzen. Bei Staaten und auch bei Institutionen steht dazu noch genügend Geld zur Verfügung, mit geheimen Diensten zu arbeiten, oder Sicherheitsfirmen zu beauftragen. Diese Erkenntnis hat jetzt nichts mit "Weltverschwörung" zu tun, sondern kommt ja in schöner Regelmäßigkeit bei den Gerichtsprozessen oder über Journalismus und Whistleblower ans Licht.

Wir leben nicht in einer Verschwörer Welt, aber was Staat und Wirtschaft, zu Teilen auch die Kultur angeht, in einer Welt, in der die Versuchung Macht und Information als Mittel zu ganz eigenen Zwecken und nur zu diesen einzusetzen, nicht unüblich ist. Wenn es um Staaten und große Insitutionen geht ist das gefährlich, aber viel häufiger einfach nur kriminell.

Ein Kritiker von Wikileaks kann vielleicht an der Auswahl, sie hängt, wie andere Kommentatoren treffend berichten, ja auch von gewissen staatlichen Gegebenheiten und dazu noch vom Zufall ab, herumkritteln, aber bisher ist bei den vielen Wikileaks nicht aufgefallen, dass das Portal oder seine Mitarbeiter geprüftes und quellenschützend gefiltertes Material (ganz sicher sind die Quellen, die aus einem begrenzten Bereich stammen nie, weil die Zahl der möglichen Wissenslieferanten eben begrenzt ist) veröffentlichten, um einem Selbstzweck oder einer Eigenliebe oder einem subjektiven Hass zu folgen. - Darum geht es.

Wenn Sie Herr Theel als Nazi beschimpft hat, dann würde ich das bedauern und ablehnen, denn, was weiß er von ihnen, außer dem hier Verfassten. Wenn er Argumente oder Sätze bei Ihnen fand, die so klingen, wie die der Braunen, dann hat er das hoffentlich so ausgedrückt und das ist dann hoffentlich belegbar und oder widerlegbar.

Zuletzt: Mit dem Geschlecht hat nun weder Herrn Augsteins Artikel, noch Wikileaks, noch dieses Blog-Thread, noch ihr Vorwurf etwas zu tun. Mir fällt da gerade noch ein, dass einer der honorigsten Whistleblower Valerie Plame heißt und Jonas Jansen ("dF") auf

www.freitag.de/wochenthema/1041-wichtige-whistleblower

eine kleine, aber für uns näher liegende Galerie der bescheidenen HeldInnen, völlig genderneutral, produziert hat.

Ich glaube, Ihnen, liebe Frau Hope hülfe, auch einmal einen Schritt zurück zu tun, bevor die Messer geworfen werden. Wer ein wenig zurück tritt, der verletzt weniger.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

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sweetheart 05.12.2010 | 16:43

Columbus, 14.00: es wird nicht besser!
www.freitag.de/community/blogs/novaesia/amazon-schasst-wikileaks-wann-ziehen-google-twitter-facebook-nach
Es folgen hier nun weitere böswillige Unterstellungen von Ihnen, konkret Ihr "Verdacht": "'Leakten' Sie mit, geschähe es häufig nicht mit Überlegungen bezüglich der Größe und der Macht, dem Maß der Lügen, die das Leak aufdeckte, sondern eher eine Art Böswilligkeitsleaking. Man nennt das den Unterschied zwischen Aufklärung und Verleumdung."

Merken sie eigentlich noch, was Sie schreiben!? Ich werde jedenfalls auf weitere Kommentare dieser Art von Ihnen nicht eingehen, auf der Ebene diskutiere ich nicht.

Ebensowenig werde ich jetzt hier einen Wettbewerb einleiten: "Was lesen Sie? Was lese ich? - Was haben Sie schon von Wikileaks gelesen - Was ich? - mit anschließendem Leseverständnistest.
Zwingend erforderlich wäre dann übrigens auch eine Einübung in den Unterschied zwischen der Darstellung nachprüfbarer Fakten und Meinungen, da Sie an dieser Stelle, besonders hinsichtlich Ihrer eigenen Beiträge, Wahrnehmungsstörungen zu haben scheinen.

Es fiel Ihnen möglicherweise nicht auf: ich habe nicht das geringste Interesse an weiteren als den verfügbaren Informationen über den Freitag und sein Personal - und ganz sicher nicht, wenn diese Informationen auf der Grundlage von Leaks zugänglich würde.
Was ich, was Sie betrifft, offenkundig erfolglos versuchte, war, den Autor des oben stehenden Beitrags wie einige der Kommentatoren auf die Konsequenzen und die Abseiten ihres Wikileak-Taumels hinzuweisen.

Ich habe keinerlei Veranlassung mich hier anzumelden, es reicht mir völlig, mich den dafür bestehenden Möglichkeiten entsprechend bei Bedarf hier einzuloggen und zu kommentieren. Ich tauche hier nicht als Person auf, sondern mit meinen verschriftlichten Gedanken, von denen Sie sich nun auch nicht weiter beunruhigen lassen sollten.

Columbus 05.12.2010 | 17:03

Ich kenne Sie doch gar nicht! Wie könnte ich etwas dagegen haben, wenn Sie nun nicht mehr weiter antworten oder das Spielfeld wieder verlassen. Es besteht kein Zwang sich hier als Person anzumelden und ich finde das auch gut so.

Aber derjenige, der das nicht tut, so empfinde ich das jedenfalls, hat eine viel höhere Sorgfaltspflicht einzuhalten und mehr und vor allem ganz sachlich zu liefern,sowie eine nicht beleidigende Sprache zu wählen, als derjenige der mit seiner Person in der Öffentlichkeit auch in Erscheinung tritt.

Sie gehen und kommen wie es Ihnen passt, es ist ihr gutes Recht, ich nehme daran überhaupt keinen Anstoß. Ich bleibe und schreibe meinen Namen unter das was ich schreibe. - Hätten Sie nur den letzten Satz: "Was ich, was Sie betrifft, offenkundig erfolglos versuchte, war, den Autor des oben stehenden Beitrags wie einige der Kommentatoren auf die Konsequenzen und die Abseiten ihres Wikileak-Taumels hinzuweisen.", geschrieben, dann hätte ich "Danke für den Hinweis" oder eben gar nichts, dazu gesetzt, weil ich beim "dF" und bei mir selbst (soweit das geht), von der Binsenwahrheit, kritisch, aber nicht kritikasterisch zu sein, überzeugt bin. - Halten Sie Herrn Augstein und viele der Mitkommentatoren hier für verblödet? - Das glaube ich schon gar nicht, weil Sie sich doch so aufregten.

Sie haben sich aber über den "DF" beschwert, der Ihnen, lieber Anonymer, nicht sagte, was Sie in Wahrheit gar nicht wissen wollen und Sie haben Wikileaks Absichten unterstellt, die das Portal nachweislich nicht hat.

MfG
Christoph Leusch

derDonnerstag 05.12.2010 | 17:31

Apropos "faschistisches Gedankengut" ...

Auszug aus Cornelia Schmitz-Berning, "Vokabular des Nationalsozialismus":

Zitat von Joseph Goebbels:
"Der Propagandafeldzug gegen die Kritikaster wird um so erfolgreicher sein, je mehr allen Volksgenossen bewußt wird, warum mit der demokratischen Methode, wonach jeder jeden und jeder die Führung unberufen kritisieren darf, Kritik in Kritikasterei ausarten muß. Dieses politische Laster des Liberalismus darf sich nicht hinüberretten in die sozialistische Nation. Darum sei wiederholt: Es gibt kein Recht auf Kritik, wohl aber ein Recht auf Arbeit und Leistung."

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sweetheart 05.12.2010 | 17:35

Columbus, 16.03, dann doch ein Letztes.
Sie schreiben:
"Es besteht kein Zwang sich hier als Person anzumelden und ich finde das auch gut so.
Aber derjenige, der das nicht tut, so empfinde ich das jedenfalls, hat eine viel höhere Sorgfaltspflicht einzuhalten und mehr und vor allem ganz sachlich zu liefern, sowie eine nicht beleidigende Sprache zu wählen, als derjenige der mit seiner Person in der Öffentlichkeit auch in Erscheinung tritt."

Herr Leusch (wenn Sie denn tatsächlich so heißen, was mich nicht interessiert und was ich nicht nachzuprüfen gedenke), jetzt geht's aber wirklich los!
Sie sollten eine Teepause einlegen, eher Sie sich hier weiter um Kopf und Kragen schreiben!

Mal abgesehen davon, daß Sie die nach meiner Wahrnehmung hier größte vertretene Gruppe der User - diejenigen, die unter einem Nick und vielleicht noch einer Ortsangabe profilieren - bei Ihren Gedanke außen vor lassen, bedeutet das, was Sie da schreiben im Umkehrschluß:
Jeder, der sich hier mit Namen anmeldet (Hausbesuche macht die Redaktion ja aber wohl nicht um die Identität zu überprüfen, soweit ich weiß), hat das Recht, dummes, keiner Überprüfung standhaltendes Gewäsch gewürzt mit Verbalinjurien zu veröffentlichen - und stößt dann gelegentlich auf diejenigen, für die die von Ihnen oben aufgeführten Kriterien gelten.
Das meinen Sie nicht wirklich ernst!?
Wenn Sie es tun, spricht im Sinne der Qualität und Kultur der Debatten doch viel dafür, daß sich alle abmelden und nur zum Kommentieren reinkommen!

So, bis zu meinem nächsten unangekündigten und unpersönlichen Auftauchen zwecks Kommentierung wünsche ich Ihnen in Übereinstimmung mit der freundlicheren Seite meines ambivalenten Nicks eine gute Zeit!
sweetheart

Uwe Theel 05.12.2010 | 18:48

@ SiebzehnterJuni am 05.12.2010 um 17:09

Ich habe ein Moment (das, des Aufrechnens), dessen, was ich als Geist des Kalten Krieges an Ihren Ausführungen identifizierte in meinem Kommentar vom 05.12.2010 um 13:50 Uhr näher benannt.

Zusätzlich ließe sich noch anführun, dass Ihre Einteilung in "westlich" (= "unsere" Verbündeten, Freunde) und, von Ihnen nur implizit ausgesprochen "östlich" (= "die Anderen", "unsere" Feinde) ihren Ursprung in dieser Zeit hat.

Ihre "Kritik" an Wikileaks ist genau von dem Charakter, die nach dem Krieg alle die erfuhren, die "vaterlandslose Gesellen" genannt wurden und natürlich die Jugend der 68er, die immer nur "einseitig" kritisierte, und als "Kritikaster" beschimpft wurde. Wenn heute behauptet wird, die amerikanische Diplomatie, ja die Politik habe durch Wikileaks einen unermesslichen Schaden genommen, so atmet das genau den "wir-leben-am-Rande-des-Krieges"-Geist, mit dem Adenauer das Volk vor Ostabweichlertum warnte ("Ein Abgrund von Landesverrat!") hoffend ein damals noch kritisches Presseorgan, den SPIEGEL, abzuservieren.

Sollten Sie das alles nicht so gemeint haben, dann wüsste ich einmal gerne, was denn an den Veröffentlichungen durch Wikileaks, die man sich beim SPIEGEL (sic!) und beim GUARDIAN und der NYT aufbereiten ließ, so "kritikwürdig" sei. - Belle Hopes wird es uns bestimmt nicht sagen, aber Ihnen zustimmen.

Columbus 05.12.2010 | 18:58

Doch, lieber Sweethart, das meine ich ganz ernst, aber wiederum nicht so, wie Sie es auszulegen wünschen. Ich bin ich, glaube ich mir. Und mein Name war, immer schon mein Name. - Sie können es, das sagte ich doch schon, halten wie Sie wollen.

Es ist doch gar keine Frage, dass das Web allgemein Probleme mit der Anonymität der Leute hat, die in öffentlichen Foren mit Nick und Aplomb auftreten, die so allgemein bildende Sätze sagen, wie: Herr Assange ist in meinen Augen,....", in Sperrschrift und Fettdruck, "der dF hat,...." Punkt.

In Ihrem Fall verdächtigen Sie aus bequemer und dunkler, auch nicht belegter Position, Wikileaks und später den dF ( "Da das Wikileak-Prinzip selbst hier beim Freitag noch nicht zu greifen scheint, wird Ihnen die 5-Sternchen-Frage wohl keiner beantworten.

Meine Frage zu den Finanzen des Freitags und der FC, zu Einschätzungen der Redakteure und ein bißchen Redaktionsklatsch obendrein wurde erstaunlicherweise auch noch nicht beantwortet. "), von dem Sie, ausgerechnet Sie, Informationen über dessen finanzielle Situation wünschen. Ich weiß, das läuft dann bei ihnen unter des Deutschen derzeit liebstem Motto, "Das wird man doch ´mal sagen dürfen."

Aber bitte, lesen Sie doch noch einmal Ihren Text. Der ist so wunderbar elegant, stilvoll und verantwortlich und rücksichtsvoll geschrieben:

"Die heilsverheißende Offenbarung eines Internet-Utopisten!
"ERMÖGLICHT"!
"Ermöglicht" wurde schon vieles, die Ereignisse waren dann doch häufig andere.
Und wenn man einmal etwas genauer hinsieht: es sind MENSCHEN, die offen und klar sind, es sind MENSCHEN, die Herrschaft und Kontrolle ausüben. Und es sind Menschen, die das eine oder andere ermöglichen. Was hat das letztlich mit einem technischen Hilfsmittel zu tun?! Soll die Menschheit "die nächste Entwicklungsstufe" nur mit Hilfe des Internets erklimmen können?

Ehe ich mein Schicksal einem tatsächlich "verantwortungslosen" Informationsmärtyrer mit missionarischem Eifer und seinen zuliefernden Milchbubis mit Liebeskummer anvertraue, bleibe ich lieber
"untertänigst" sweetheart! "

Allerdings, es gibt ja diese heute- Show und dort den Herrn Hassknecht, der macht das wenigstens gut und am Ende klatscht das Publikum auch.

Ich wünschte mir nur, dass diejenigen, die sich wie der Wind in den Weiden, mal hierhin und ´mal dorthin bewegen, die so tolle Urteile, s.o., fällen, sich mehr Mühe mit der Sprache und mit den Belegen für allgemeine Behauptungen geben. - Ich bin "kritisch" reicht da nicht, denn wenn das kritisch sein so daher kommt, könnte man den Verdacht haben, es sei notfalls irgendwo sicher in einem Abklingbecken zwischen zu lagern.

Die "Milchbubis" (m/w) heißt alle, z.B. Julian Assange, die Journalisten der Zeitungen haben alle Namen, von Ihnen weiß ich nur, dass ihr Nick "Sweethart" ist und sie nach erstaunlich kurzer Zeit, ähnlich wie "Belle Hope", schon wissen, wo sie sich befinden, wie sie da titulieren wollen und müssen, und wem Sie heimleuchten.

Ich bedanke mich ganz herzlichst und wünsche noch einen schönen Sonntagabend

Christoph Leusch

SiebzehnterJuni 05.12.2010 | 19:30

Was mich auch interessiert, ob von unseren Politikerinnen und Politikern alles publiziert ist, oder ob da noch was vom Spiegel für kommende Wahlen zurück behalten wurde.

Es sind ja eigentlich lächerliche Dinge von Schwarz/Gelb heraus gekommen, aber von den Rot-Rot-Grünen fehlen die markanten Sprüche und Wertungen! Ob es da z.b. kurz vor den BW-Wahlen ein paar oppositionelle HammerZitate geben wird?

donda 05.12.2010 | 19:42

Vielen Dank für diesen Kommentar. Nach dem entnervenden flächendeckenden Genörgel der letzten Tage, dem Nachplappern dummer Vorwürfe an die Adresse von Wikileaks und Herrn Assange allerorten, ist es erfrischend mal was Vernünftiges in einem "klassischen" Medium zu lesen. Sie nennen es "embedded", ich würde den Zustand des Journalismus hierzulande (und vermutlich global) eher als verantwortungslos und korrupt bezeichnen. Man würde sich wünschen, daß durch Wikileaks und weitere ähnliche Initiativen langfristig nicht nur die Macht des Staates, sondern auch die der allzu etablierten Medien untergraben würde, diesem Haufen von Lügnern und Schwätzern.

Uwe Theel 05.12.2010 | 20:20

@ SiebzehnterJuni am 05.12.2010 um 18:44

Wirklich müssen tut hier niemand etwas, aber wenn es Sie "auch interessiert, ob von unseren Politikerinnen und Politikern alles publiziert ist, oder ob da noch was vom Spiegel für kommende Wahlen zurück behalten wurde", dann kann dies solange keine "Kritik an Wikileaks" sein - auch, wenn Belle Hopes das meinte -, als Sie die Veröffentlichung dieser Informationen, so erscheint es mir, gut heißen würden. Und das Blog-Thema war hier: Ist das Vorgehen von Wikileeaks ok, oder kann/muß man es grundsätzlich kritisieren?

Als 68er kritisiere ich da jedenfalls hinsichtlich der "Legitimation" gar nix. Über Taktik läßt sich immer reden. :-)

P.S.: Was den VFL-Fan betrifft, da halte ich Ihnen jetzt bestimmt kein "Geh´ doch nach drüben, wenn´s Dir hier nicht gefällt!" vor. - Der "Fan" hat sich übrigens selbst ins Abseits gestellt.

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belle-hopes 05.12.2010 | 21:02

@theel: raus reden schaffen sie eh nicht mehr; und all die anderen, die die krise kriegen bei abweichenden meinungen, die meinen hier anderen was vorschreiben zu müssen und wenns nicht funktioniert werden unterste schubladen ausgepackt; aber vielleicht mangelt es schlicht und einfach am verstehen, dass andere über differenzierte wahrnehmung verfügen (ulkig, dass die platzhirsche hier das als dummheit bezeichnen, als letztes argument): assange kritisch sehen, wikileaks kritisch sehen...wie kann ich nur... nicht gleich zujubeln, sondern hinterfragen...ja, das ist eine ernste gefahr, was ich da tue...und dass ich es auch noch wage hier...da wäre es doch viel einfacher man hat zwei fronten, die einen pro und die anderen gegen, das machts so einfach und verlangt kein nachdenken. welch schöne vorstellung...

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belle-hopes 05.12.2010 | 21:02

@theel: raus reden schaffen sie eh nicht mehr; und all die anderen, die die krise kriegen bei abweichenden meinungen, die meinen hier anderen was vorschreiben zu müssen und wenns nicht funktioniert werden unterste schubladen ausgepackt; aber vielleicht mangelt es schlicht und einfach am verstehen, dass andere über differenzierte wahrnehmung verfügen (ulkig, dass die platzhirsche hier das als dummheit bezeichnen, als letztes argument): assange kritisch sehen, wikileaks kritisch sehen...wie kann ich nur... nicht gleich zujubeln, sondern hinterfragen...ja, das ist eine ernste gefahr, was ich da tue...und dass ich es auch noch wage hier...da wäre es doch viel einfacher man hat zwei fronten, die einen pro und die anderen gegen, das machts so einfach und verlangt kein nachdenken. welch schöne vorstellung...

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Ehemaliger Nutzer 05.12.2010 | 22:29

@ SiebzehnterJuni schrieb am 05.12.2010 um 11:26

>>>Ich kann keine grobe Argumetation - zumindest bei mir - erkennen

Ich schon. Sie beginnen Ihre Argumentation damit, einen Verdacht zu äußern. Sie beginnen damit, einen Mangel aufzuzeigen. Sie beginnen damit Wl, feige zu nennen. Das nenne ich grob. Das nenne ich unredlich.

Denn es bleibt, egal was nun Manning, Assange oder sonst wen dazu getrieben hat, diese Dokumente zu veröffentlichen, ein bisher einzigartiger Einblick in das Gebaren der sich sicher fühlenden Verwalter des Imperiums. Mit ein wenig politischem Verstand, mit ein wenig Geschichtskenntnis war klar, dass das Spiel genauso läuft - nicht nur in den USA sondern bei allen Herrschern.

Während bisher Analogieschlüsse, dass die US-Administration genauso imperial und nicht etwa "cool", "transparent" und "demokratisch" agieren, mit einem Verweis auf einen "Verfolgungswahn" oder eine "Verschwörungstheorie" abgeschmettert wurden - von den üblichen Agitatoren des Imperiums in Deutschland: Joffe, Klose, Klaeden, Deppendorf, Pflüger, u.v.a.m... fällt genau das jetzt genau auf diese ehrenwerte Gesellschaft zurück.

Wenn Sie also die singuläre Bedeutung der Veröffentlichung mit nachrangigen Spitzfindigkeiten bedrängen, zudem Erfahrung im politischen Geschäft haben (wie ich unten las), dann ist Ihre Argumentation hier keine emotionale Unerfahrenheit sondern eine Geschäftsabwicklung. Sie diskreditieren eine enorme Leistung für Demokratie und Transparenz durch eine Forderung, deren Erfüllung nicht in der Hand von WL liegt. Das wissen Sie und deshalb nenne ich Ihre Argumentation grob.

gweberbv 05.12.2010 | 22:29

Eine Frage an alle WL-Enthusiasten:

Kann die aktuelle Veröffentlichungspolitik von WL als allgemeines Prinzip wünschbar sein? Wie sollen Regierungen, Unternehmen oder andere größere Institutionen funktionieren, wenn deren Interna jederzeit in die Öffentlichkeit gelangen können?

Meines Erachtens entscheidet die Dosis der "Leaks" darüber, ob solche Durchstechereien für die Gesellschaft nützlich oder schädlich sind.

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Ehemaliger Nutzer 05.12.2010 | 22:58

@ gweberbv schrieb am 05.12.2010 um 21:29

>>>Kann die aktuelle Veröffentlichungspolitik von WL als allgemeines Prinzip wünschbar sein?

Ja, so sollte über wichtige gesellschaftlichen Fragen kommuniziert werden. Wenn US-Diplomaten UNO-Spitzenpersonal bespitzeln, dann muss das veröffentlicht werden.

Sie nennen private und öffentliche Insitutionen in einem Satz. Zu den privaten will ich mich nicht äußern. Selbstverständlich aber gehören öffentliche Angelegenheiten in die Öffentlichkeit.

Unter den gegenwärtigen Umständen mag so etwas als fahrlässig erscheinen - man kann sich genug Beispiele katastrophaler Wirkungen von Indiskretionen vorstellen - insgesamt scheint mir aber dieses Prinzip würde die Funktion öffentlicher Institutionen nachhaltig verändern - Innenpolitisch und vor allem außenpolitisch.

Es gibt Geheimnisse aus Takt, Rücksicht, Verletzbarkeit - hier gilt es natürlich sensibel zu sein. Aber das worüber wir hier diskutieren sind Geheimnisse, die aus Macht- und Herrschaftsgründen geschaffen und gewahrt wurden. Diese aufgedeckt zu haben ist die Leistung von WikiLeaks.

Die Journaille arbeitet doch genau anders herum, sie füttert das Publikum mit nun wirklich persönlichen Geheimnissen (Hochzeiten, Krankheiten, Sexualität), verdirbt das Empfinden der Menschen und hütet gemeinsam mit den Kumpanen in der Politik die Geheimnisse um die dreckigsten und widerlichsten Machenschaften.

Uwe Theel 05.12.2010 | 23:07

@ Belle Hopes am 05.12.2010 um 20:02

Werte Belle Hopes,

Sie mögen ja "guter Hoffnung" sein, mit Ihren Echauffierungen "Kritik" zu üben. Sorry, aber ich kann keine Kritik finden.

Vielleicht zitieren Sie sich da einmal selbst. - Ich bin bereit, darauf zu reagieren.

Außerdem: Was bezeichnunen Sie als "unterste Schublade" bei den Äußerungen, die Ihnen entgegentreten (genaue Zitate wären angebracht)?

Vielleicht können Sie auch mal mit eigenen Worten formulieren, wo, wie Sie Wikileaks "kritisch" sehen. Bis jetzt haben Sie sich immer nur sprachlos an andere Blogger drangehängt, deren "Kritik" auch schon in frage stand.

"Nachdenken" muß man auch selbst, es nicht nur, ablenkend, von anderen verlangen.

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Ehemaliger Nutzer 05.12.2010 | 23:11

@ derDonnerstag schrieb am 05.12.2010 um 16:38

Ihr Zitat J.W. Stalin "Über den großen Vaterländischen Krieg": Nun kann man über J.W.Stalin genug Scheußlichkeiten zusammentragen. Aber mit diesem Satz hat Stalin mit Sicherheit das Empfinden fast aller sowjetischen Menschen im Kampf gegen die deutschen faschistischen Aggressoren ausgedrückt.

Was wollten Sie damit in dieser Diskussion zum Ausdruck bringen?

agathon 05.12.2010 | 23:13

Hervorragend, Herr Augstein, Sie haben mit ihrem Artikel den Nerv der Zeit getroffen; seltsamerweise haben "Parlamente und Gerichte" erstaunlich wenig getan, wenn es darum geht Unrecht, das von Regimen verursacht wird, effektiv zu bekämpfen. Unbegreiflich ist es auch, weshalb - wie jetzt im Falle WikiLeaks - namenhafte Journalisten äußerst zurückhaltend sind, wo sie doch dankbar sein müssten, dass so viele Informationen zur Verfügung stehen, um das Puzzle der Vergangenheit zu vervollständigen. Was früher nur vermutet wurde oder in Ansätzen bekannt war, kann jetzt schwarz auf weiß nachgelesen werden.
Mag sein, dass kurzfristig für bestimmte Parteien oder Personen ein geringer Schaden entsteht, doch groß und langfristig wäre der Schaden, wenn die Informationen für immer im Dunkeln blieben.
Vielleicht werden so künftige Kriege verhindert....

Titta 06.12.2010 | 00:34

@JA

Auch gerne zum xten Male: "die Kirche" gibt es einfach nicht. Wenn Sie von der römisch-katholischen Kirche sprechen, dann schreiben Sie das bitte auch so.

Und zur "Macht" des Staates: diese ist verfassungsrechtlich klar geregelt. Was sollen dann solche verklärenden Formulierungen wie "Die Macht des Staates liegt in solchen Mysterien"? Mal ganz abgesehen davon, daß der Begriff Mysterium ungeeignet ist für das, was Sie wohl eigentlich damit erklären wollen. Ein Mysterium ist etwas, was sich durch Ratio nicht erklären läßt. Was Sie meinen, ist doch wohl nicht die Unerklärlichkeit, sondern die Verschleierung bzw. Kaschierung der Art und Weise, wie Macht gebraucht und angewendet wird durch sog. Staatsorgane. Unerklärliche Staatsmacht - gäbe ja wohl als Begriff keinen Sinn, oder?

Wo der Staat nun geschädigt sei, wäre allerdings eine interessante Frage. Nämlich: wer genau ist denn eigentlich nun geschädigt, und durch was genau eigentlich?
Und wieso und inwiefern ist der Staat überhaupt mehr als seine Bürger? Welche Begrifflichkeit bzw. welche Definitionsmacht spricht denn durch solche Formulierungen wie die von Ihnen gebrauchte "Das ist, weit über den Fall der State Department Files hinaus, eine Chance für die Bürger, für die Demokratie und auch für den Staat"?

"Und warum reagieren so viele Journalisten so mürrisch auf die Wikileaks-Veröffentlichungen? Es wäre „am Ende das beste gewesen, die Datenflut wäre nie aus den Computern gequollen“ hat die Süddeutsche Zeitung geschrieben. Die Bild war der Meinung, Verantwortung sei den „Online-­Anarchos“ ein Fremdwort: „Sie handeln schlicht kriminell.“ Und Zeit-Herausgeber Josef Joffe wünscht sich „keinen Ein-Mann-Rächer, der nach eigenem Geschmack entscheidet, was zu veröffentlichen sei. Dafür haben wir Parlamente und Gerichte, also den Rechtsstaat.“"

Wenn Sie es so schreiben, geben Sie die Antwort doch schon mit. Erstens tritt klar hervor, daß Online dem Print überlegen ist, was für Print ein erhebliches Problem darstellt. Zweitens handelt es sich bei den namentlich Erwähnten um solche, die den vorgeblich wie wirklich Mächtigen real bereits sehr nahe gekommen sind. Online wahrt mehr Abstand zwischen Berichterstattern und denen, über die berichtet wird.

"Hätte Wikileaks rechtzeitig die Lügen des Pentagon über die vermeintliche Bedrohung aufgedeckt, die Saddam Hussein darstellte – der Irak Krieg mit seinen zahllosen Toten hätte nicht geführt werden können."

Die Mächtigen hätten sich etwas anderes einfallen lassen. Bestimmt!
Warten wir mal ab, was mit Assange noch passieren wird. An ihm wird sicherlich ein Exempel statuiert. Oder die Mächtigen machen, wie sie es immer machen, wer nicht beseitigt werden kann, wird eben eingekauft. Jeder hat seinen Preis. Und sei es der, den Rest des Lebens friedlich und unverfolgt verbringen zu können.

Zur Frage, was der Bürger bereit ist oder nicht bereit ist, länger mitzumachen. Da schaue man sich den Bürger der Franz. Revolution an oder den der deutschen Wende. Ich fürchte, auf den ist ungefähr so viel Verlaß bzw. von dem ist so viel zu erwarten wie von den Politikern. Sind nämlich alles ein und dieselben Menschen.

Ansonsten: Nichts gegen mehr Akteneinsicht. Gut so. Transparenz ist eine der Grundvoraussetzungen für egalitäre Verhältnisse. In diesem Sinne.

Joachim Petrick 06.12.2010 | 14:32

@Jakob Augstein

"Leo XIII. focht damals mit Preußens Bismarck einen Kulturkampf um die Grenzen ihrer wechselseitigen Zuständigkeit aus. Der Papst unterlag, der Staat obsiegte. Er war in das Arcanum der Kirche eingedrungen, und sie hatte dem nichts entgegenzusetzen. Möglich, dass wir gerade den Beginn eines neuen Kulturkampfes erleben. Diesmal ist es der Staat, der sein Inneres verteidigt. Gegen den Eindringling, der niemand anderes ist als der Bürger selbst."

Es war nicht nur Bismarck, es war die Welt, die damals weltlich voranstrebend gegen den Einfluß der Kirchen focht.

warum reduzieren Sie diesen damaligen so genannten weltweiten Kulturkampf auf einen Bismarckschen Kulturkampf im Deutschen Kaiserreich?

"So wie weiland die Kirche eines ihrer heiligen Sakramente verletzt sah, eines ihrer Mysterien, sieht nun der Staat eins der seinen verletzt: das Mysterium der diplomatischen Vertraulichkeit. Die Macht des Staates liegt in solchen Mysterien. Sie zu durchbrechen heißt ihn zu schwächen"

Die Kirchen haben damals nicht offensiv ihre heiligen Sakramente verteiidigt, wie Sie nahelegen, sondern ihre letzten Nischen, Refugien wie die Ehe, Familie, in sich säkularisierenden Gesellschaften defensiv zu behaupten gesucht.

Wieso ist Bismarck der Staat?
Wieso schwächt das Durchbrechen von gesteuerten, ungesteuerten Vertraulichkeiten der Diplomatie den Staat, die Staaten, wo die Staaten bzw, die sich selbsternannten, beförderten Vertreter/innen dieses Durchbrechen der Vertraulichkeit von Fall zu Fall, von Gefahrenlagen zu Gefahrenlage doch seit Jahrhunderten bei günstig erscheinender Gelegenheit praktizieren?

siehe dazu:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/wirkt-wikileak-als-institutionalisierung-der-emser-depesche-von-1870

06.12.2010 | 12:47
Wirkt Wikileak als Institutionalisierung der Emser Depesche von 1870?
wikileak
Wirkt Wikileak als Institutionalisierung der Emser Depesche von 1870?

Wikileak entfaltet womöglich mit seinen brachialen Massennachrichten Abwürfen aus dem Orbit ins World Wide Web „www“ im Jahre 2010/2011 eine ähnlich kriegstreibende Wirkung wie die berühmt berüchtigte Emser Depesche vom 13. Juli 1871.
Warum?,

David Schorr 06.12.2010 | 16:39

stimme voll und ganz zu. wunderbarer artikel. danke an Jakob Augstein. es wird zeit, dass wir uns den mechanismen des finanzsystems tiefer und entschiedener zuwenden, und damit dem wirkfaktor für die erpressbarkeit der alten printmedien, dem schuldgeldsystem. es erzeugt einen immer größeren geldüberhang, der `gewissermaßen´ als drohung über der zur veröffentlichung zur verfügung stehenden information, meinung oder `wahrheit´ steht. so sehen wir recht deutlich, warum dann eben nichts riskiert wird. es ist schlicht die erpressbarkeit durch die großen wirtschaftssektoren und institutionen, alle miteinander verflochten - sagen wir mal eher, verbandelt - einzelne verantwortung scheint da nicht mehr zurechenbar zu sein, die wir hier sehen. die folge, alles ist systemrelevant, wird weiter miteinander verstrickt. der ausweg ist natürlich die noch bestehende freie urteilskraft einzelner. womöglich finden wir sie bei wikileaks. wie dem auch sei, wir sollten dem systemleck dankbar sein und es fördern statt es zu dämonisieren. dann besteht jedenfalls die chance, dass die fallhöhe nicht ins unermeßliche steigt.

derDonnerstag 06.12.2010 | 17:44

@Rapanui /ut

Abgesehen davon, dass Stalin sich bekanntlich zunächst mit den "faschistischen Aggressoren" bestens verstand, wie auf diesem Foto, anlässlich der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Paktes zu sehen ist:

upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/4c/MolotovRibbentropStalin.jpg/478px-MolotovRibbentropStalin.jpg

... war ich davon ausgegangen, dass Uwe spätestens beim Gebrauch des faschistoiden Begriffes "Feigling" hellhörig werden würde. Zudem fällt auf, dass der Kampf gegen "Miesmacher" bzw. "Kritikaster" eine Gemeinsamkeit der beiden totalitären Systeme ist.

Totalitäres, autoritätshöriges Denken spiegelt sich auch im Kampf der selbsternannten Blockwarte der Kleingartenkolonie namens Freitag-Community wider. Das zeigt sich schon daran, dass hier meist weniger um die Sache gestritten wird, als um die Frage, welche Art von Kritik erlaubt ist und welche nicht.

Jan Jasper Kosok 06.12.2010 | 21:43

Liebe Leute,

es kann doch nicht sein, dass dieses Fass schon wieder aufgemacht wird.

Wenn ich morgen ins Büro komme, wünsche ich mir keinen weiteren Kommentar in Richtung dessen, was ich so gerne mag – nicht. Es reicht. Die Beteiligten dürften wissen, worum es geht.

Zügelt euch, tragt eure Privatfehden andernorts aus – aber hier ist Schluss damit. Andernfalls sehe ich mich gezwungen, großzügig vorweihnachtliche Besinnlichkeitspausen zu verordnen.

Beste Grüße aus dem Feierabend,

JJK

GeroSteiner 06.12.2010 | 22:08

Kulturrevolution?
Geheimnisinflation!

Was wir mit der Veröffentlichung von Wikileaks jetzt erleben, ist die galoppierende Inflation des Herrschaftswissens.
Vielleicht sogar der Beginn der Hyperinflation von Staatsgeheimnissen.

Bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis die Gesellschaft so abgestumpft sind, dass DAS niemanden mehr aufregt - und vor allem: was danach kommt.

GeroSteiner 06.12.2010 | 22:53

Nehme das "u" und tausche ein "sind" gegen "ist".

Zurück zum Thema.
Die Basis jeder Hierarchie ist Information - oder: WER darf WAS wissen?

Ein Herr Jefferson, seines Zeichens dritter Präsident der USA, meinte sogar mal: "Information ist die Währung der Demokratie."
Jetzt haben wir also eine Ahnung, was passiert, wenn die Informationsmenge so stark wächst wie die globale Dollarmenge.

gweberbv 07.12.2010 | 00:05

@Rapanui

"Unter den gegenwärtigen Umständen mag so etwas als fahrlässig erscheinen - man kann sich genug Beispiele katastrophaler Wirkungen von Indiskretionen vorstellen - insgesamt scheint mir aber dieses Prinzip würde die Funktion öffentlicher Institutionen nachhaltig verändern - Innenpolitisch und vor allem außenpolitisch."

Innerhalb Institutionen, die keine Diskretion zulassen, wird nichts von Bedeutung verhandelt werden. So einfach ist das. Indiskretion muss die Ausnahme bleiben, so wichtig diese auch ist.

Oder kannst du dir vorstellen, dass irgendwann einmal Koalitionsverhandlungen bei "Anne Will" geführt werden. Abrüstungsverhandlungen bei "Letterman"?

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Ehemaliger Nutzer 07.12.2010 | 08:08

@ gweberbv schrieb am 06.12.2010 um 23:05

>>>Oder kannst du dir vorstellen, dass irgendwann einmal Koalitionsverhandlungen bei "Anne Will" geführt werden. Abrüstungsverhandlungen bei "Letterman"?

Diese Frage ist prinzipiell richtig, nur die Konstellation ist falsch. Mit Frau Will würde man die Böckin zur Gärtnerin machen. Diese vormalige Blattableserin, die immer so schön mit dem Kopf nickt ist ja gerade dass Problem. So eine Wiederkäuerin der vorgesetzten Blattnahrung ist die Ursache einer noch ziemlich chaotischen Form, wie diese WikiLeaks praktizieren muss, um Frau Will in ihrem Pferch vorzuführen. Frau Will macht Ihren Job nicht, deshalb muss es WikiLeaks geben.

Wenn diese Person und alle anderen die vom gegenwärtigen System macht- und einkommenstechnisch prächtig leben, aus den öffentlichen Anstalten vertrieben wurden und die Anstalten Ihre öffentliche Aufgabe wahrnehmen, dann kann ich mir Abrüstungs- und Koalitionsverhandlungen z.B. unter Ihrer oder meiner Redaktion sehr gut vorstellen.

Dann würden die kurzen Festtage der Transparenz, die wir gegenwärtig erleben, ein Dauerzustand werden. Das erhoffe ich mir von der durch Assange und WikiLeaks ausgelösten Krise.

gweberbv 07.12.2010 | 12:55

@Rapanui

"Wenn diese Person und alle anderen die vom gegenwärtigen System macht- und einkommenstechnisch prächtig leben, aus den öffentlichen Anstalten vertrieben wurden und die Anstalten Ihre öffentliche Aufgabe wahrnehmen, dann kann ich mir Abrüstungs- und Koalitionsverhandlungen z.B. unter Ihrer oder meiner Redaktion sehr gut vorstellen."

Ich bin da ganz anderer Ansicht. Mir geht aus auch nicht um die Person Anne Will, sondern um das Faktum der Öffentlichkeit einer solchen Diskussionsrunde an sich.

Worum geht es in (politischen) Verhandlungen? Allianzen schmieden, den Gegner ausbooten, taktieren, die eigene Position möglichst weitgehend, aber auch mit Weitsicht, durchsetzen. Das ist der Kern von Politik - und davon kann nur ein Teil in der Öffentlichkeit stattfinden, wenn Poltik funktionieren soll. Und das erstmal unabhängig davon, ob Ghandi oder Gerhard S. am Ruder sitzen.

Das ist auch nicht bloß eine "schlechte Angewohnheit" der aktuelle Herrschenden, sondern ein grundlegendes Prinzip von Verhandlungen. Kennst du die UN-Planspiele (für Schüler, Studenten, Wehrpflichtige)? Da wird jeder UN-Staat durch ein paar Vertreter dargestellt, die dann bei einer simulierten UN-Vollversammlung ihre Positionen vertreten sollen. Wer da nicht im Vorfeld "hinter den Kulissen" verhandelt und Allianzen bildet, sondern erst während der Sitzung in der Öffentlichkeit seine Positionen darlegt, der braucht erst gar nicht teilnehmen. Und würden von einem Land regelmäßig Details der vertaulichen Verhandlungen öffentlich werden, so könnten die bald einpacken.

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Ehemaliger Nutzer 07.12.2010 | 14:39

@ gweberbv schrieb am 07.12.2010 um 11:55

Mir ist klar, dass ich sehr radikal urteile und das Ganze nicht so leicht zu bewerkstelligen ist. Mir geht es erst einmal darum: Die klassischen Medien, vor allem die mit der entsprechenden Reichweite erfüllen ihre Aufgaben zum wesentlichen Teil nicht. Das liegt daran, dass sie wesentlich nicht als 4. unabhängige Gewalt agieren, sondern als Wirtschaftsunternehmen bzw. Transmissionsriemen für Parteien und Staat. "Enthüllungen" wie die von WikiLeaks sind als dauerhafte Form noch sehr überarbeitungsbedürftig, aber prinzipiell richtig.

Abstimmungen, Meinungsumfragen, Budgetentscheidungen, Einkommensverteilungen, Arbeit von Abgeordneten,....das alles bedarf nicht der Skandalisierung, die bei WL gerade eine große Rolle spielt, sondern einer sachlichen Transparenz. Aber diese Möglichkeit hatten "die Medien" und sie tun es nicht, nicht einmal annähernd. Deshalb ist der "WL-Skandal" sehr hilfreich.

Es muss öffentliche Infopools geben, in denen ich mich nach bestimmten Standards über alle öffentlichen Angelegenheiten informieren kann. Das Prinzip sollte lauten: Immer dann, wenn öffentliche Mittel fließen, gibt es volle Transparenz. Immer dann, wenn öffentliche Interessen berührt sind, gibt es volle Transparenz. Ich will wissen, was der Bürgermeister verdient und welche Nebeneinkünfte ein Parlamentarier hat. Viel wichtiger noch, wo verzichtet der Staat auf Steuereinnahmen, weil er wen davon befreit? Wofür gibt er Geld aus....

Darauf begründet sich und darum geht es letztlich: eine Selbstverwaltung unserer öffentlichen Angelegenheiten. Medien tun nichts, aber auch gar nichts für diese Selbstverwaltung. Sie tun genau das Gegenteil, sie taktieren, um ihre Macht und ihre Pfründe zu sichern und auszuweiten.

Ihre Überlegungen zur Verhandlungstaktik von Staaten erübrigen sich, wenn die UNO wesentliche internationale Prozesse führt und ihrerseits Transparenzregeln hat. Dann ist der Staat, der gegen die UNO-Verträge verstößt ein "krimineller Staat" und wird sanktioniert. Mit dem verbleibenden Rest an Differenz könnte man als "Cleverness" leben. Zur Zeit aber müssen wir mit einer gigantischen Machtdifferenz zwischen den USA und dem Rest der Welt leben. Diese wird durch WikiLeaks ansatzweise offen gelegt und das ist unabhängig von zukünftigen Regelungen ein nicht zu unterschätzender Verdienst.

SiebzehnterJuni 07.12.2010 | 15:28

@Jakob Augstein .>>> Akteneinsicht

Es gibt allerdings das Informationsfreiheitsgesetz!!

Das Gesetz gewährt jeder Person einen voraussetzungslosen Rechtsanspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen von Bundesbehörden. Eine Begründung durch Interesse rechtlicher, wirtschaftlicher oder sonstiger Art ist nicht erforderlich.

„Amtliche Information“ ist jede amtlichen Zwecken dienende Aufzeichnung, unabhängig von der Art ihrer Speicherung, also beispielsweise Schriftstücke in herkömmlichen Akten, elektronisch gespeicherte Informationen, Zeichnungen, Grafiken, Pläne, Ton- und Videoaufzeichnungen.

Der Anspruch richtet sich gegen Bundesbehörden im Sinne des Verwaltungsverfahrensgesetzes. Bedient sich eine Bundesbehörde zur Erfüllung ihrer Aufgaben einer juristischen oder natürlichen Person des Privatrechts, so ist sie auch dann auskunftspflichtig, wenn die begehrten Informationen bei der privatrechtlichen Person vorliegen.

Der Begriff der Informationsfreiheit ist jedoch mehrdeutig und deshalb potentiell missverständlich. Die Informationsfreiheit beschreibt in Zusammenhang mit dem vorliegenden Gesetz nämlich nicht die Verwirklichung der mit der grundgesetzlichen Meinungsfreiheit einhergehenden Freiheit, sich aus allgemein zugänglichen Quellen zu informieren (Artikel 5 Absatz 1 Satz 1 des Grundgesetzes), sondern stellt die Voraussetzung hierfür dar. Präziser, wenn auch im politischen Kontext weniger attraktiv, wären deshalb die Begriffe Informationszugang oder – wie in Brandenburg – Akteneinsicht.

nach Auskunft der Behörden ist die Inanspruchnahme des Gesetztes extrem gering!!

Titta 08.12.2010 | 02:59

Was stimmt denn an der Kritik von Frau Hoffmann nicht? Der Augstein Artikel wurde hier doch wirklich durchgenickt, kritisch aufgenommen wurde kaum etwas. Ich hatte es im Ansatz versucht.

Jedoch ist das, was Frau Hoffmann dagegenhält, nun wirklich hanebüchen und konterkariert ihre Anwürfe in Richtung JA.
"Denn diese abschliessende Forderung Augsteins ist einfach platt und anbiedernd. Wie soll das aussehen, “Akteneinsicht” für jedermann? Eine offene “Debatte” aller über alles? Da scheint jemand das kleine Einmaleins der Politiktheorie vergessen zu haben. Demokratie war noch nie Kakophonie, denn exakt das wäre das Ergebnis von “Akteneinsicht für alle”, sondern gegenseitige Funktions- und Machtdelegation mündiger Bürger in Verbindung mit Gewaltenteilung und gegenseitiger Kontrolle."
Da schlägt die Dame JA in punkto Naivität doch um Längen. Köstlich!

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Ehemaliger Nutzer 08.12.2010 | 11:58

Neugierig sind vermutlich alle Lebewesen mehr oder weniger. Genau auf dieser Veranlagung beruht das Geschäftsmodell der Medien. Besonders stark ist dies bei der Gossenpresse ausgeprägt.

Intimes, Privates, Internes ist naturgemäß geheim. Paradoxerweise hilft die Sprache sogar dabei, Dinge geheim zu halten. "Die Sprache ist dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verbergen." zählte zu den Lieblingssprichwörtern eines meiner Großväter.

Wenn Verbrechen, Korruption, verbotene Absprachen und dergleichen aufgedeckt werden, sind wir alle dankbar. Doch alle anderen Geheimnisse interessieren mich bewußt nicht, da auch ich nicht möchte, dass andere in meinem Privatleben herumschnüffeln.

Die Macht der Internet ist m. E. stark überschätzt. Was die Gemüter erregt, bestimmen immer noch diejenigen, die entscheiden, was in die Nachrichten oder die Tageszeitungen kommt. Wenn nun irgendwelche Interna verschiedenen Zeitungen angeboten werden, und die das Material nur deshalb veröffentlichen, weil sie gegenüber der Konkurrenz nicht ins Hintertreffen geraten wollen, so ist das ein Problem der Medien, und nicht des Internet.

Meiner Meinung müssen die Medien (z. B. der Spiegel) für Ihre Veröffentlichung zur Rechenschaft gezogen werden. Einen Verweis auf die bereits erfolgte "Veröffentlichung" im Internet würde ich nicht entlastend bewerten.

fanblock 08.12.2010 | 18:04

Aus vollem Herzen »Danke« für diesen klugen Artikel! Das dies als Leitartikel im Freitag zu lesen ist, hat mich gefreut. Weil es eben einerseits doch noch Medien gibt, die sich nicht – wie sie es in einem treffenden Vergleich schrieben – selbst geißeln. Andererseits weil der Freitag mit solchen Artikel an Profil gewinnt, was vor Mitte des Jahres verloren ging. Ihre Aufforderung zur Selbstverantwortung teile ich. Doch meiner Meinung nach benötigt es eine starke öffentliche Wahrnehmung um dieser Verantwortung auch nach außen hin gerecht zu werden. Wenn der Freitag die Möglichkeit dazu gibt ist das der richtige Weg.

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preussenmichel34 08.12.2010 | 18:13

Sehr geehrter Herr Augstein,

und wieder mal Danke für diesen Beitrag auf der ersten Seite !

****

Gestern abend inne Glotze BBC geguckt. Nachrichten über Assange's Festnahme ! Erste Stellungnahme seines Verteidigers und Kurzinterviews mit Menschen, die bereit sind, eine Kaution zu hinterlegen !

John Pilger,australischer Investigativjournalist gehört zu Ihnen.

My Englisch is not very well, aber ich hoffe, ich habe Ihn richtig verstanden :

Amerika ist stolz auf seine Präsidenten und bringt dies seinen Kindern schon von klein an bei. Wie z.B. Jefferson. Bevor das amerikanische Volk vorschnell urteilt, sollte es sich eines Ausspruches diese Präsidenten Jefferson erinnern. Der hat einmal gesagt : "The currency of democracy is information. Without this currency no democracy !"

Angelia 08.12.2010 | 23:36

Ich bedanke mich auch bei Herrn Augstein. In erster Linie für seine klare Haltung zu Wikileaks, die er in seinem brillanten Artikel einnimmt. Eine klare Haltung zu den Dingen ist in unserer Zeit mehr als notwendig.

Man muss sich nur mal überlegen, dass NGO´s weltweit seit Jahren differenziert, friedlich und moderat Gegenpositionen zur etablierten Weltpolitik einnehmen und Gegenargumente anbieten. Unabhängige Wissenschaftler, Künstler, der ein oder andere Journalist und beherzte Zivilpersonen protestieren, warnen seit Jahren, dass politisch unterstützte und angestoßene Dinge, so wie sie laufen, sich nicht zum Guten hin entwickeln werden. Kassandrarufer, die in den Informationsmedien wie Zeitungen und TV-Nachrichten nur marginale Beachtung fanden und an einer Mauer politischer bornierter Ignoranz und Arroganz abprallten. Lediglich das Internet bietet für eine Plattform, die auch diejenigen nutzen, die sich vielleicht keine Bücher kaufen oder sich nicht spät Nachts den ein oder anderen investigativen Bericht im Fernsehen anschauen.

Die Frage, wer womit wen gefährdet, wird durch Julian Assange und Wikileaks neu gestellt werden müssen. Es sind weder die Aktivisten noch die Quellen von Wikilieaks. Meines Erachtens. Die machen im Grunde nur das politische Tagesgeschäft transparent, welches langfristig die Grundlagen der Existenz der ganz normalen Menschen gefährdet. Offensichtlich haben sich sehr viele Menschen aber schon so an verantwortungsloses politisches Handeln als Status quo gewöhnt, dass ihnen die eigene Indifferenz ihr scheinbaren differenzierten Aufarbeitung des politischen Tagesgeschäfts gar nicht bewusst ist.

Kommt eine humanistische Frau der klaren Worte und Haltung in Gestalt einer Frau Käßmann daher, greift sie das Politische an, wird sie plötzlich zum Thema und gefährdet. Wen eigentlich wirklich? Greift ein Herr Sarrazin aber Bürgergruppen an, können weder Presse noch Bürger genug von seinen Ergüssen bekommen und ja, man wird die Dinge doch wohl noch beim Namen nennen dürfen. Absurd.

Auch Julian Assange hatte die grandiose Idee schlechte politische Gepflogenheiten, die sehr viele Menschen ohnehin intuitiv erfassten, nicht nur beim Namen zu nennen, sondern sie mit Quellen und Fußnoten zu versehen, Beweise für subjektive Eindrücke zu liefern. Nur mögen viele Menschen den radikalen intelligenten Helden nur in Büchern, der Bibel, auf der Bühne oder auf der Leinwand gern. Im realen Leben verursachen “Helden” aber Unbehangen. Man müsste, anders als nach einem Film, eventuell darauf reagieren, eine klare Position einnehmen und aktiv werden, statt sich gut unterhalten ins Bett zu legen.

Es hat in Krisenzeiten, wenn große Ungleichgewichte herrschten, vor Umstürzen, Revolutionen und Kriegen immer radikale, anarchistische, intelligente Intellektuelle gegeben, die Geschehnisse aussprachen, transparent machten und Haltung gegen das herrschende System bewiesen. Man lese nur mal exemplarisch der hessische Landbote von Georg Büchner von 1834. Der hatte unglücklicherweise nur noch kein Internet.

Das Ziel war nie Anarchie im Sinne bis hin zum gewalttätigen Umsturz. Aber es war Anarchie im Sinne von intellektueller Wehrhaftigkeit und das Schaffen von Gegenpositionen und -entwürfen zu den ungerechten bestehenden Machtverhältnissen. Es ging darum das Gleichgewicht wieder herzustellen und es eben nicht erst, aus der Not heraus, zu gewalttätigen Handlungen kommen zu lassen. Einige Zeit später aber kam es dann doch zu gewalttätigen Revolutionen gegen das System.... und zu Kriegen.

Und zwar weil.. ..Es hat schon immer NGO´s gegeben die... Hier schließt sich mein Kreis. Die Frage, wer wen wie und womit gefährdet, muss neu gestellt werden.

Dion 09.12.2010 | 14:03

WikiLeaks gibt es, weil die etablierten Medien die Funktion, Politik zu kontrollieren, unzureichend ausüben. Wären sie in den Besitz dieser Dokumente gekommen, würden sie daraus nur Auszugsweise oder gar nicht zitieren. Sie würden lediglich Andeutungen machen, dass sie mehr wissen als sie schreiben, mit anderen Worten: Die Daten würden weiter geheim blieben, nur diesmal exklusiv bei einem Zeitungsverlag gelagert.

So verwundert es nicht, dass fast alle alten Medien WikiLeaks ablehnen. Sie sprechen ihr journalistisches Status ab – nur weil Wikileaks darauf verzichtet, die veröffentlichten Daten so zu kommentieren, wie sie es tun? Oder ist hier vielmehr Futterneid im Spiel? Was wäre das für Aufschrei im Blätterwald, würde man der Süddeutschen die Konten sperren! Aber bei WikiLeaks rührt sich nichts – fast scheint es, die etablierten Medien würden es begrüßen, wenn US-Administration Erfolg hätte in dem Bemühen, WikiLeaks und seinen Gründer finanziell und moralisch zu vernichten.

Aber es gibt auch Ausnahmen. Eine davon ist derFreitag. Ich bin dankbar, dass es diese Zeitung gibt. Sie ist der Beweis, dass es auch aufrechte Demokraten in diesem Land gibt und nicht nur Untertanen, die ab und zu ein bisschen meckern, sich aber im Grunde mit der Macht und ihrer eigenen Untertanenrolle arrangiert haben. Jeder wie er kann.

Emma in Uniform 10.12.2010 | 03:29

,,,,,,,,,,:)Rapanui, sehr schön

"wenn diese Staaten die Bankdaten von EU-Bürgern fordern und nicht die CIA, "

Nein, ganz hochoffiziell wollen die USA unsere Bankdaten, Merkel ist auch ganu offiziell sauer auf ihre EU-Kollegen, dass sie so misstrauisch sind und nicht so gern wollen...

Wenn die Russen dann am anderen Ende der Welt sieben fette Jahre mit Waffen verdienen, Hunderttausende ermorden und verkrüppeln, ihre eigenen tickenden Zeitbomben dort praktischerweise verheizen, (schon Papst Urban I. hat um 1000 damals auch das Gesindel gern für den ersten Kolonialkrieg "aquiriert" und abfahren sehen)

wenn die Russen dann mal mit ihrer Währung die halbe Welt beherrschen(haha)

usw.

Volker Jentsch 10.12.2010 | 20:42

Lieber Herr Augstein,
auch mir hat Ihr Artikel sehr gefallen – und gut getan, angesichts der zynischen Berichte der um die Demokratie besorgten liberalen Blätter. Lassen Sie mich folgendes anfügen.
Wir befinden uns in einer ernsten Situation, denn viele Leute mit Macht und Einfluß wollen verhindern, daß wir das wissen, was wir wissen müssen, um unsere Entscheidungen treffen zu können, z.B. und u.a., bei Amazon nicht mehr einzukaufen. Übrigens: als die Apologeten der Computerbranche vor etwa 15 Jahren das Informationszeitalter und die Datenautobahnen ausriefen, allen voran ein gewisser Herr Bangemann, FDP-Mann und damals Kommissar bei der EU, hatten sie natürlich nicht damit gerechnet, dass man sie heute beim Worte nehmen würde. Wikileaks nutzt die Technik und informiert über die bösen Geheimnisse der „Achse der Guten“. Auch wenn wir es schon geahnt hatten – hier haben wir es schwarz auf weiß. Und wer weiß, was wir nicht geahnt haben. Die Veröffentlichungen gehen ja – hoffentlich – noch weiter.

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jps-mm 11.12.2010 | 16:44

Westerwelle und Wikileaks

FDP-Chef reagiert zu zögerlich

In der Maulwurf-Affäre verhält sich Guido Westerwelle zu zögerlich.
Nur zögerlich und auf Druck aus der Fraktion hat er sich dazu durchgerungen, den Hinweisen darauf nachzugehen, dass ein FDP-Mann die US-Botschaft über Interna aus den Koalitionsverhandlungen unterrichtete. Warum so zaghaft? Manche in der FDP glauben die Antwort zu kennen: Der inzwischen als Informant enttarnte FDP-Abteilungsleiter Helmut Metzner habe eben nicht im Alleingang, sondern mit Wissen Westerwelles gehandelt. Dass Metzner selbst nun versichert, der Chef sei nicht im Bilde gewesen, kann den Verdacht der Skeptiker nicht entkräften. Aber wie will Westerwelle auf Dauer Vorsitzender bleiben, wenn ihm aus den eigenen Reihen ein solches Misstrauen entgegenschlägt?

www.tagesspiegel.de/meinung/fdp-chef-reagiert-zu-zoegerlich/3590192.html

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jps-mm 11.12.2010 | 16:45

Wikileaks-Affäre

Liberaler zweifelt an Unwissenheit der FDP-Führung

Für die FDP-Spitze ist die Wikileaks-Affäre mit der Abberufung von Westerwelle-Büroleiter Metzner offenbar erledigt. Für den Berliner liberalen Abgeordneten Lindemann aber nicht.

In der FDP-Bundestagsfraktion werden erste Zweifel an der Darstellung der Parteiführung laut, von den Berichten ihres Mitarbeiters Helmut Metzner an die US-Botschaft nichts gewusst zu haben. Der Berliner FDP-Bundestagsabgeordnete Lars Lindemann sagte dem Berliner Tagesspiegel: „Es ist für mich nicht vorstellbar, dass Helmut Metzner Dinge getan hat, die nicht mit der Parteiführung abgestimmt waren.“

www.tagesspiegel.de/politik/liberaler-zweifelt-an-unwissenheit-der-fdp-fuehrung-/3587900.html

chrislow 11.12.2010 | 20:10

„Ein Grund, warum ein Diplomat sehr gerne in Deutschland arbeitet, ist, dass die Deutschen sehr gesprächig sind. Man kann wirklich alles erfahren, was man will. Man braucht nur ein bisschen freundlich zu sein.“

... da dideldum ... und ich weiss warum....!

Nur Freundlichkeit reicht da aber leider nicht. Ist aber wohl eine Bedingung.