Berningers Fresspakete

RINDFLEISCH FÜR RUSSLAND Guten Appetit allen Verdammten dieser Erde

Ist mit diesem Verbraucher-Staatssekretär der Bock zum Gärtner gemacht worden? Matthias Berninger war nie um wohl inszenierte Auftritte in der Öffentlichkeit verlegen. So auch in seinem neuen Amt nicht. Er empfahl, Rindfleisch, das im Falle der Massentötung von 400.000 Rindern anfiele, nach Russland zu verkaufen. BSE bedroht die Gesundheit von Millionen Menschen. Da ist eine solche Empfehlung des Verbraucher-Staatssekretärs doch einfach clever. In diesen Chor der "Cleverle" stimmte auch der CSU-Landesgruppenvorsitzende Michael Glos ein. Er will mit dem BSE-Fleisch "Hunger und Not in der Welt" bekämpfen. Allen Verdammten dieser Erde: Guten Appetit! Beide sagten zwar auch, das Fleisch müsse vorher getestet werden, aber dazu reichten leider die Kapazitäten nicht aus. Fazit: Dann muss halt ungetestet exportiert werden. Gegen diese Zynismus liefen die Interessenvertreter der Entwicklungshilfe zu Recht Sturm.

Warum Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul allein die Empfehlung des Oppositionspolitikers für "moralisch unanständig" hält, bleibt ihr Geheimnis. Die designierte Grünen-Chefin Claudia Roth jedenfalls hat durchaus Recht mit ihrer Frage: "Warum sollen die Menschen in ärmeren Ländern das Fleisch essen, das wir nicht wollen, weil es uns nicht sicher genug ist?" Solange die Übertragungswege nicht eindeutig geklärt sind, ist eine solche Politik verantwortungslos. Beim BSE-Fleisch soll nun ähnlich verfahren werden, wie weiland beim Nestle-Konzern, der auch meinte, verstrahltes Milchpulver sei für die Babys in Entwicklungsländern bekömmlich.

Sollte man Berningers Vorschlag als einen Fauxpas abtun oder ist mehr dieser Art von ihm zu erwarten? Berninger gehört zu den Yuppie-Politikern, denen Öffentlichkeitswirksamkeit und eigene Karriere alles ist. So war er einige Zeit jüngster Bundestagsabgeordneter und gehörte zeitweilig zu denen, die Parteilinke notfalls aus der Partei ausschließen wollten. Beim Kosovo-Krieg übte er engen Schulterschluss mit Fischer. Seine Lieblingsbeschäftigung ist die Information der Presse über alle internen Vorgänge bei den Grünen. Nach dem Motto: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Wie die vielen Porträts über ihn gezeigt haben, eine Strategie, die aufging.

Vielleicht wartet er ja bald mit einer Geschenkidee für Asylbewerber auf: Das Fleisch der 400.000 Rinder könnte man doch in die "Fresspakete" von Asylbewerbern packen. Das spart dem Steuerzahler auch Geld, und bevor Creutzfeldt-Jakob ausbricht, sind die doch längst abgeschoben.

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