Der Polizist

Kurzgeschichte über einen Polizisten, dessen Fassade langsam zu bröckeln beginnt, was auch sein gutes Aussehen, nicht mehr stoppen kann
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Der Polizist trug eine Brille mit Rand und eine blaue Uniform dazu, auf dem zwei Revere mit je vier silbernen Sterne eingenäht waren, die aussagten, das er eine polizeiliche Führrungsperson war. Zudem maß er stattliche einsneunzig und war äußerst muskulös (machte er doch täglich eine Einheit Krafttraining oder ging zumindest Laufen). Seine pechschwarzen Haare waren streng zurück gekämmt, so dass man davon ausgehen konnte, das er sie vorher ausgiebig mit Gel behandelt hatte. Seine Zähne hingegen waren auffallend weiß, hatte er sich doch vor Jahren Jacketkronen implementieren lassen, denn sein gutes Aussehen besonders hinsichtlich als Polizist war ihm doch sehr wichtig, vielleicht wichtiger, als er es sich eingestehen wollte. Den Außendienst bevorzugte er aber immer noch vor dem Innendienst, der jedoch aufgrund seines Rangs und Alters bei der Polizei doch an Umfang stetig zunahm, so war aber die Schreibtischarbeit die dort verlangt wurde, nicht so sein Ding und langweilte ihn. Da war der Außendienst doch sehr viel spannender, wenn auch gefährlicher. Wenn er im Außendienst mit seinen Kollegen ins Gespräch kam, fielen vorallem seine schneeweißen Zähne auf, die beim Sprechen manchmal hell aufblitzen, so ähnlich wie bei einem hochkarätigen Diamanten. Aber auch sein braungebranntes Gesicht war gut erkennbar, welches er regelmäßig unter dem Solarium behandelte, so dass man meinen könnte, er käme geradewegs aus dem Urlaub zurück. So war sein Erscheinungsbild besonders aber in der Rolle als Polizist, tadellos und beinahe perfekt, so dass es doch manchmal den Eindruck vermittelte, fast wie die Schauspieler und Sänger in Hollywood, die meist auch „Jacketkronen“ in ihre edlen Gebisse verpflanzt hatten und braungebrannt auf der Bühne oder vor der Kamera agierten, als seien sie die perfektesten und glücklichsten Menschen auf der Welt überhaupt. Der Polizist verglich sich manchmal mit solchen Persönlichkeiten, merkte er aber bereits seit einigen Jahren, das er zunehmend unglücklicher wurde, was wohl mit seinem fortgeschrittenem Alter zu tun hatte, war er doch bereits Mitte fünfzig und es war absehbar, das der Weg zur Berentung nicht mehr so ganz weit war. Erschwerend kam jedoch hinzu, das seine weitaus jüngere Frau ihn vor zwei Jahren verlassen hatte und dieser Umstand ihm doch schwer zu schaffen machte. Hatte er mit ihr auch keine Kinder, so hatte er sie doch sehr geliebt, wusste er aber nicht so recht, ob sie seine Liebe auch erwidert hatte. Nun, da die Beziehung zu ihr beendet war, konzentrierte er sich ausschließlich auf seine Arbeit als Polizist. Er spürte jedoch geradezu, das Alles sein Ende haben würde und er auch irgendwann sterben würde, auch wenn noch ein einige Zeit ins Land gehen würde. Der Polizist sah ja schon gut aus: groß, muskulös, braungebrannt und auf seinen schneeweißen Zähnen steckten sündhaft teure Jacketkronen. Doch das pure Glück, ja das konnte er sich nicht kaufen, doch er suchte es wie verrückt, aber er fand es nicht: weder gestern, noch heute und auch in Zukunft wahrscheinlich nicht.

13:47 13.03.2016
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Geschrieben von

Karl Valentin

Schreiber mit einem Schuss Ironie
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