Mehr Geld macht sie alle glücklich

Equal Pay day Frauen verdienen immer noch weniger als Männer. Diese Ungleichheit muss beseitigt werden - auch im Interesse der Männer. Der Aktionstag "Equal Pay Day" ist ein Anfang

„Eine Frau kann ja heute alles erreichen, was sie möchte. Wenn sie denn will.“

Manchmal ist es einfacher, ein strukturelles Problem als ein persönliches hinzustellen. Dann muss man sich nicht weiter darum kümmern. Doch Frauen schreiben in Sachen Gehalt rote Zahlen. Sie verdienen in Deutschland im Schnitt 23 Prozent weniger als Männer. Deswegen fordert das Aktionsbündnis rund um den heutigen Equal Pay Day (EPD) alle Frauen (und warum eigentlich nicht: auch Männer) dazu auf, mit roten Taschen auf diese roten Zahlen aufmerksam zu machen.

Die anderen Aktionen, die es heute geben wird, kann man gar nicht alle in einem Artikel aufzählen: Es wurde schon eine eigene Landkarte angelegt um Übersichtlichkeit in die Unmengen von Informationen zu bringen. Während in Berlin der Preis „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ an Business and Professional Women (BPW) Germany, also an die Initiatorinnen des EPD geht, wird in Hamburg ein Weltrekordversuch angepackt: in zwölf Stunden sollen 1000 Frauen fit gemacht werden für die Gehaltsverhandlung.

Genau darum sollte es gehen: Einerseits eine breite Öffentlichkeit darüber informieren, andererseits in die Hände spucken und tatkräftige Unterstützung für Frauen leisten, indem man sie zum Beispiel eben für Gehaltsverhandlungen fit macht. Damit werden die strukturellen, aber auch die persönlichen Nachteile, die Frauen dieses Minus bescheren, gleichermaßen angegangen.

Strukturell ist es nicht akzeptabel, dass eine bestimmte Arbeit als weniger wert gilt, nur weil sie üblicherweise durch Frauen ausgeübt wird. Der Verdienst einer Erzieherin, die immerhin an der Weichenlegung für die Zukunft eines Menschen beteiligt ist und somit eine sehr große Verantwortung trägt, könnte als ‚lachhaft‘ bezeichnet werden, wäre es nicht im Gegenteil ein trauriges Zeugnis für die Werte dieser Gesellschaft. Während es als normal hingenommen wird, dass ein Mann sich nicht vorstellen kann, für solch einen Hungerlohn zu arbeiten – denn damit lässt sich keine Familie ernähren – ist es ebenso Gang und Gäbe, dass sich Frauen ausbeuten lassen – sie leisten ja nur den Zuverdienst zum Hauptverdiener Mann.

Der für mich persönlich schönste Beitrag auf der Website des Equal Pay Day kommt von Robert Habeck: „Grund genug gibt es auch für die Männer. Beziehungen werden nicht zuletzt deshalb unglücklich, weil Männer, wenn sie Väter werden, mehr arbeiten als vorher. […] Wenn es schon nicht dem Gerechtigkeitsempfinden einleuchtet, dass Frauen und Männer das gleiche verdienen sollten, dann vielleicht wenigstens dem Glückempfinden.“ Ein Statement, das ich so sofort unterschreiben würde. Wenn ich eines beim Lesen von „Was vom Manne übrig blieb“ (Walter Hollstein, 2008) oder „Bitterfotze“ (Maria Sveland, 2009) – also je ein „arme-Männer“- und ein „arme-Frauen“-Buch – mitgenommen habe, dann die Erkenntnis, dass Beziehungen mit mangelnder Gleichberechtigung im Durchschnitt keine guten Karten haben.

Die Fragen, die in der Öffentlichkeit nun diskutiert werden müssen, lauten: Was muss getan werden, damit diese Lücke von 23 Prozent verringert und langfristig geschlossen werden kann? Ist es nicht eigentlich strafbar, gleiche Arbeit ungleich zu bezahlen, müsste nicht längst Lohngerechtigkeit bestehen? Was ist mit den „typischen Frauenberufen“ – wie können sie aufgewertet werden, ohne dass eine Lohnungerechtigkeit gegenüber „Männerberufen“ entsteht? Welche politischen Hebel müssen betätigt werden, damit bislang unverbindliche und unproduktive Selbstverpflichtungen in verbindliche Gesetze übergehen können, die mit der Diskriminierung aufräumen?

Katrin Rönicke, geboren 1982 in Wittenberg, studiert Erziehungswissenschaften und Sozialwissenschaften in Berlin und ist Mutter eines einjährigen Jungen. Ab April ist sie Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung. Für den Freitag schreibt sie in ihrer wöchentlichen Kolumne über Gender- und Bildungsthemen. Außerdem schreibt sie für den feministischen Blog

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Katrin Rönicke

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