Angeraute Tonlage

China/USA Wieder einmal erweist sich der Dalai Lama als Torpedo für das Verhältnis Peking/Washington. Der Empfang für den tibetischen Exilpolitiker durch Obama erzürnt China

Die Forderung des chinesischen Außenministeriums war eindeutig: Der US-Präsident solle sein Treffen mit dem Dalai Lama absagen, um die Beziehungen nicht weiter zu belasten. Dabei müssen die chinesischen Diplomaten gewusst haben: Kein US-Präsident kann sich von China vorschreiben lassen, mit dem er reden darf im Weißen Haus. Aber aus Sicht der Chinesen ist der Empfang des Exil­politikers aus Tibet eine Einmischung in ihre Angelegenheiten, die man sich ebenso wenig gefallen lassen will. Trotz der rauen Töne wie zuvor schon zum US-Waffenverkauf an Taiwan, beim Klimagipfel in ­Kopenhagen und beim Streit um Internetzensur: Die USA und China müssen als führende Mächte der Welt (G 2) kooperieren wie Kinder beim Dreibeinlauf. Sie sind dazu vergattert, bei der Finanzkrise ebenso zusammenzuarbeiten wie in der Klima und Sicherheitspolitik.

Das Dreibeinlaufen fällt den G 2 schwer. Die USA gefallen sich als Verteidiger der Menschenrechte und einer angeblich mit der Marktwirtschaft verschwisterten Demokratie, nur stehen sie inzwischen bei der Volksrepublik mit mehr als 800 Milliarden Dollar in der Kreide. Da tönt die amerikanische Stimme nicht mehr so laut. Das wirtschaftsstarke China tritt mit nationalistischem Selbstbewusstsein auf und verschafft sich Freunde auf der ganzen Welt, während die USA Krieg führen und ihre über 700 Militärstützpunkte im Ausland pflegen. Andererseits haben die Chinesen so viel in den USA investiert, dass sie im Eigeninteresse Sorge tragen müssen um das Wohlergehen ihrer Wirtschaft und Währung. Noch immer ist das US-Bruttoinlandsprodukt sechs mal größer als das chinesische. Amerikas kultureller Einfluss stellt den chinesischen weit in den Schatten. Und militärisch gesehen ist das Reich der Mitte, verglichen mit den USA, ein Zwerg, wenn auch einer mit Atomwaffen.

So treffen sich also in ­Washington zwei Friedens­nobelpreisträger. Sinn und Zweck des Lebens bleibe es, glücklich zu sein, predigt der Dalai Lama. Barack Obama kann das deuten, wie er will.




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