Botschaften von gestern

US-Vorwahlen Der Sieg von Newt Gingrich in South Carolina ist kein Sieg für die Republikaner. Beim Präsidentenvotum im November werden weiße konservative Wähler eine Minderheit sein

Newt Gingrich zum Präsidentschaftskandidaten zu küren, wäre Selbstmord für die Republikaner. Mit solchen Kommentaren reagierten geschockte Vertreter des republikanischen Establishments auf Gingrichs Sieg in South Carolina und auf Umfragen, wonach der Bewerber auch im Vorwahlstaat Florida aufhole. So war das nicht geplant, doch man darf seinen Höhenflug nicht überbewerten. Sein Modell ist überholt.

Der Mann hat in dem 4,7 Millionen Einwohner zählenden und als sehr konservativ bekannten South Carolina 243.000 Wähler mobilisiert oder 40 Prozent der republikanischen Vorwähler. Diese kommen aus einer ganz eigenen Bevölkerungsschicht. Weiß, zu zwei Dritteln evangelikal und nach eigener Aussage „sehr konservativ“. Gingrich kennt seine Pappenheimer. Die mögen es, wenn er gegen liberale Eliten wettert, und mitteilt, dass die Schwarzen nicht so gern arbeiten, und Barack Obama diese Leute auf Staatskosten durchfüttern will.

Mitt muss an seine Ersparnisse

Gingrich macht Wahlkampf wie Richard Nixon vor 40 Jahren. Bei seiner „südlichen Strategie“ appellierte der seinerzeit an die bis dahin demokratisch wählenden weißen Südstaatler, die nichts mehr mit den Demokraten zu tun hätten, bei denen schließlich die Schwarzen und Liberalen den Ton angäben. Nixon hetzte. Und gewann. Heute ist das anders. Gingrich kann bei Vorwahlen punkten – bei der Hauptwahl im November sind seine Stammwähler aber in der Minderheit. Er profitiert davon, dass Frontrunner Mitt Romney beim Establishment Zuspruch findet, aber nicht an den Graswurzeln. Der Multimillionär riecht zu sehr nach Elite.

Eine bizarre Welt: Gingrich hat Romneys Vergangenheit als herzloser Finanzinvestor attackiert. Die Werbespots hätten von der Occupy-Bewegung kommen können. Finanziert wurden die Kampagne aber mit fünf Millionen Dollar von Gingrichs langjährigem Freund, dem Casino-Magnaten Sheldon Adelson, laut Forbes einer der reichsten Amerikaner und ein politischer Einzelgänger. Der mag Gingrich, weil dieser stark gewerkschaftsfeindlich eingestellt und der „beste Anwalt für Israel“ sei. Die konservative Mehrheit im Obersten US-Gericht hatte vor zwei Jahren unbegrenzte Spenden genehmigt. Zum Beifall der Republikaner. Einen Tag nach South Carolina spendete Adelsons Ehefrau Miriam dem Kandidaten Gingrich noch fünf Millionen. Vielleicht muss Mitt an seine Ersparnisse gehen.

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